Donnerstag, 25. Oktober 2007

Tales of Alchemy Kapitel 48: Letzte Vorbereitungen

Ungeduldig stand die Armee an der Grenze zu Briggs, dem Land im Norden. ,,Wie lange sollen wir hier eigentlich noch sinnlos rumstehen und nichts tun?", grummelte einer der Soldaten. ,,Dachte, wir wären hier, um zu kämpfen." ,,Was weiss ich, Mann...", seufzte ein anderer Soldat und sah zu einem großen Zelt in der Nähe.
Im Zelt selbst befanden sich Roy, Hawkeye, Breda, Farman und Armstrong. ,,Es gibt natürlich Dutzende von Soldaten, die uns anzweifeln und nicht gehorchen werden.", sagte Armstrong zu Roy. ,,Eine gut verstreute Kampfformation einzunehmen wird uns helfen, die Toten so gering wie möglich zu halten." Roy nickte nur, das Gesicht zu Boden. Armstrong verbeugte sich und schritt aus dem Zelt. Breda und Farman sahen belustigt zu Roy, der leicht zitterte.
,,Für den Moment werden wir nach Central City zurückkehren.", verkündete Armstrong den Obersts, die mit in den Norden gekommen waren. Die Männer sahen verwirrt auf. ,,Wir werden die Kontrolle über das Hauptquartier dort übernehmen, indem wir die Truppen benutzen, die uns zur Verfügung stehen. ,,Sie planen einen Aufstand?!?", rief ein Oberst mit Hornbrille entsetzt. ,,Sie wollen sich dem Führer widersetzen?!?", schrie ein anderer wütend. ,,Ja, ich werde mich dem Führer widersetzen, denn ich habe einen sehr triftigen Grund für diese Entscheidung!", rief Armstrong und schlug mit seinen Fäusten auf einen Tisch, der sofort zusammenbrach. ,,Wir werden nicht nur das Hauptquartier übernehmen, sondern die ganze Stadt! Der Führer hat uns betrogen, indem er uns Jahre lang in einen sinnlosen Krieg nach dem anderen geschickt hat, sich nicht darum kümmernd, was sein Volk denkt!" ,,Aber wir können doch nicht einfach so ohne Beweise...", begann ein Oberst, der noch recht jung war. ,,Beweise?", wiederholte Armstrong fragend und riss sich sein Hemd vom Leib. ,,Ihre Beweise sind genau hier!", rief er und schmiss sich mit seinem nackten Oberkörper in Pose. ,,Sehen Sie sich diesen Körper an, makellos gestählt für unseren wundervollen Staat!" Er presste seine Armmuskeln gegen den entsetzten jungen Oberst. ,,Fühlen Sie die Stärke der Loyalität! Fühlen Sie es! Wenn Sie mir nicht glauben wollen, werde ich sie dazu bringen, mir zu glauben! FÜHLEN SIE SCHON!!!" Der Oberst brach in stumme Tränen aus.

,,The Ring of Alchemists:
Those who possess it are no longer bound by the laws of Equivalent Trade,
may gain without sacrifice,
create without equal exchange.
We searched for it... and found it."

,,Mama?", fragte Wrath ängstlich Sloth, die durchsichtige Form angenommen hatte. ,,Ich habe eine Reaktion ausgelöst, die anfängt, ihren flüssigen Körper in Ethanol umzuwandeln.", erklärte Leon. ,,Sie wird verdampfen, sich in Luft auflösen..." ,,Ah!", schrie Wrath vor Schmerzen, als Sloths Körper die Hälfte von Wraths Körper, die mit ihr vereinigt war, zu verbrennen begann. Schnell löste Wrath die Vereinigung und wich zurück. Leon sah eine Weile zu Sloth, die ihn mit entsetztem Gesichtsausdruck ansah, dann sah er traurig zu Boden. ,,Das hat du gut gemacht, Liebling.", sagte Sloth auf einmal mit schwacher Stimme. Erschrocken sah Leon zu Sloth auf, das Ouroboros-Zeichen - das Zeichen eines Homunculus - auf einmal von ihrer Brust verschwunden. Sloh lächelte ihn fröhlich an und sagte: ,,Räumt hinter euch auf und passt auf euch auf, meine beiden Jungs." Fayt ging mit zittrigen Schritten auf Sloth zu und blieb neben Leon stehen, der immer noch fassungslos Sloth ansah. Lust hatte Recht gehabt: Am Ende hatte Sloth sich doch noch erinnert und war zu ihrer Mutter Trisha geworden. Wrath begann haltlos zu zittern. Trisha streckte eine Hand nach Leon aus, der ebenfalls eine hob. Doch kurz bevor sie sich berührten, hatte sich Trisha ganz aufgelöst. Leon starrte den Punkt an, wo Trisha gerade eben noch gestanden hatte; ein weiteres Mal hatten sie ihre Mutter verloren. Leon ließ seine Hand wieder sinken, während Wrath sich zu Boden schmiss und haltlos zu weinen begann. ,,Leonard! Fayton!", rief jemand. Die beiden Brüder wirbelten herum und erblickten Winry, die am Eingang zum hinteren Teil der Fabrik stand. ,,Winry, bist du das?", fragte Leon verdutzt. ,,Was machst du hier? Ist irgendetwas passiert?", fragte Fayt besorgt. Lächelnd schüttelte Winry ihren Kopf und sagte: ,,Ich hab mir Sorgen gemacht, also bin ich hierher gekommen." Sie lächelte vergnügt. ,,Ihr habt sie endlich geschlagen!" ,,Du bist nicht Winry Rockbell.", sagte Leon, während Fayt mit erhobener Faust auf Winry zustürmte. ,,Fayton, du bist es, in den ich schon seit langem unsterblich verliebt bin!", rief Winry. ,,Wa...?!?", stammelte Fayt verdattert und blieb stehen. Blitzschnell sprang Winry vor und schnappte sich Fayts Arme, so dass er sich nicht mehr wehren kann. Leon ging in Kampfstellung. ,,Nun, das war ja leichter als ich dachte.", sagte Winry mit hämischem Grinsen. ,,Du hast keine Chance gegen mich. Ich bin der Ring der Alchemisten!", rief Fayt aufgebracht. ,,Ja, hab ich jedenfalls so gehört.", sagte Winry, und im nächsten Moment stand an eben jenem Punkt Envy, der sich nur als Winry ausgegeben hatte. ,,Warum testen wir dich nicht ein wenig? Nun, da du zum Ring geworden bist, lass uns da doch mal schauen, wieviel dein süsses, kleines Blutsiegel aushalten kann!" Er schoss mit seiner Faust durch das Loch in Fayts Rüstung und schlug gegen das Blutsiegel, das sofort aufblitzte, beschützt durch die Macht des Ringes der Alchemisten. Fayt sank vor Schmerzen zu Boden. ,,Lass meinen Bruder in Ruhe, du Bastard!!!", brüllte Leon. ,,Ich weiss, wie sehr du es liebst, den Beschützer zu spielen, aber du brauchst nicht gleich so rumzuschreien.", sagte Envy. ,,Ich bringe ihn nur zu meinem Meister." ,,Dein Meister?", wiederholte Fayt erschrocken. ,,Das muss derjenige sein, von dem Lust gesprochen hat! Sie sagt, dass dieser Meister euch nur benutzt, um an den Ring der Alchemisten zu kommen ohne sich die Hände dreckig zu machen, sich nicht um euch Homunculi scherend!", rief Leon. ,,Wen interessiert das schon!", kicherte Envy. ,,Und du solltest nicht so unpersönlich von unserem Anführer reden. Ihr beide kennt euch nämlich." Leon sah ihn kurz verwirrt an, dann erschrak er. ,,Euer Anführer wusste von Anfang an vom Homunculus unserer Mutter.", sagte er zornig. ,,Er hat sie gesucht und ihr Rote Steine gefüttert, damit sie leben konnte. Das kann doch nur..." ,,Wag es ja nicht, den Gedanken weiter auszuführen, großer Bruder!", schrie Fayt erbost. ,,Unser Vater würde so etwas nie tun! Nie!" ,,Wir haben genug geredet.", sagte Envy und hievte Fayt auf seine Schultern. Leon wollte auf ihn losstürmen, doch Wrath war schneller, sprang vor und klammerte sich an Envys Beinen fest. ,,Hey, ich bin auf deiner Seite, erinnerst du dich noch!?!", fuhr Envy ihn an. ,,Du sollst diesen Gartenzwerg da drüben nerven!" ,,Aber Fayt kann doch jetzt jeden Wunsch in Erfüllung gehen lassen, oder?", fragte Wrath wimmernd. ,,Sorry, Kiddo, aber dieses Spielzeug ist nicht für dich zum Spielen.", entgegnete Envy. ,,Er könnte Mama zurück ins Leben bringen.", weinte Wrath. ,,Du musst es mich versuchen lassen. Du musst!" ,,Halt die Luft an!", fauchte Envy und trat ihn genervt zur Seite und schritt mit Fayt davon. Leon wollte ihm folgen, doch Wrath hielt ihn fest. ,,Das ist alles nur deine Schuld.", sagte Wrath und stand wieder auf. ,,Es ist deine Schuld, dass Mama nicht mehr da ist!" Er holte nach Leon aus, der zur Seite sprang. ,,Hör schon auf!", rief Leon. ,,Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!", schrie Wrath während immer und immer wieder nach Leon ausholte. ,,Sie war auch deine Mama, und du hast sie umgebracht!" Bei diesen Worten erstarrte Leon, so dass Wrath einen Treffer landete, der ihn zu Boden beförderte. Wrath sprang auf ihn und begann ihn zu würgen. ,,Hör auf!", schrie jemand. Wrath wirbelte herum und erblickte Izumi, die in der Nähe stand. ,,Das hat nichts... mit dir zu tun!", schrie Wrath sie an. ,,Wenn es jemanden gibt, den du töten willst, sollte ich es sein, mein Kind.", sagte Izumi traurig. ,,Nein, du bist nicht meine Mama!", schrie Wrath und ließ von Leon ab. ,,Du bedeutest mir rein gar nichts!!!" Er stürmte auf Izumi zu. ,,Sensei!", rief Leon warnend. Doch Wrath rannte nur an ihr vorbei, sprang aus einem Fenster und flüchtete in den Wald in der Nähe. Leon versuchte wieder aufzustehen, krachte aber sofort wieder zu Boden, da sein Auto-Mail-Bein anscheinend bei den Kämpfen beschädigt worden war. ,,Bist du in Ordnung?", fragte Izumi und beugte sich zu ihm hinab. ,,Er... hat geweint... Und ich kann nicht einmal eine einzige Träne vergießen...", sagte Leon. ,,Das arme Kind hat wie ein Baby geweint, als wenn... als wenn er geweint hätte, weil ich es nicht konnte." ,,Genug davon. Suchen wir Fayt", sagte Izumi, legte Leons Hand um ihre Schultern und half ihm auf. ,,Ich kann aufgrund meiner Krankheit nicht viel tun, um dir zu helfen, aber ich werde mein Bestes geben. Wohin sollen wir gehen?"
Es war in einem Bücherladen in Central City. ,,Großer Bruder, wir müssen bald gehen.", sagte Fletcher Tringham zu seinem großen Bruder Russel Tringham, der sich ein Buch über Alchemie nach dem anderen nahm (wer sich nicht mehr an die beiden erinnert, kehrt bitte kurz mach zu Kapitel 11 und 12 zurück, wo die beiden Brüder, die sich damals als Leon und Fayt ausgegeben haben, vorkommen^^). ,,Nun warte doch mal! Hier sind total viele Alchemie-Bücher, die ich noch nie zuvor gesehen habe!", sagte Russel begeistert. ,,Genau wie man es von Central City erwarten kann!" ,,Ich möchte Leon und Fayt so schnell wie möglich wiedersehen...", sagte Fletcher vergnügt.
An der Kasse erlebte Russel dann einen Schock, da er nicht genügend Geld hatte, um all die Bücher zu bezahlen. ,,Haben Sie nicht genug Geld?", fragte der Kassierer ihn. ,,Ähm...", stammelte Russel. Das ist nicht gut, dachte er gleichzeitig. Wenn ich die jetzt kaufe, habe ich später nicht genug Geld für eine Übernachtung... Aber wenn ich es jetzt nicht tue, wann denn dann? ,,Ich möchte einen Kredit aufnehmen.", sagte er. ,,Das ist nicht möglich.", sagte der Kassierer. ,,Dies hier ist eine Bücherei für Alchemie-Bücher der höheren Art. Nur Nationale Alchemisten können bei uns einen Kredit aufnehmen. Und Sie würden diese Bücher eh nicht verstehen." Er wollte die Bücher gerade an sich nehmen, als Russel sagte: ,,Aber ich bin doch ein Nationaler Alchemist." ,,Oh?", machte der Kassierer.
Sekunden später sah Fletcher, der draußen vor dem Bücherladen stand, Dutzende von Polizeiautos anrasen. Die Polizisten stürmten allesamt in den Laden und nahmen Russel fest. ,,Haben wir dich endlich, Leonard Elric!", rief ein Polizist zufrieden. ,,Er ist es hundertprozentig!", rief der Kassierer. ,,Er hat sich selbst als der Metallalchemist vorgestellt!" ,,Bitte, warten Sie! Das war doch nur ein Witz!", rief Russel ängstlich. ,,In Wirklichkeit heiße ich..." ,,Das können Sie alles im Hauptquartier erklären.", unterbrach ihn ein Polizist. ,,Großer Bruder, was ist...?!?", begann Fletcher, der in den Laden gekommen war, entsetzt. ,,Lauf weg, Fletcher!", rief Russel. ,,Und da hätten wir den anderen Elric-Bruder!", rief ein Polizist und nahm Fletcher gefangen.
Sekunden später landeten die beiden gefesselt in einem Polizeiwagen. ,,Was ist denn passiert, großer Bruder?", fragte Fletcher. ,,Central City ist ein wirklich angsteinflößender Ort...", wimmerte Russel.
Leon und Izumi starrten in der Fabrik auf den Mutations-Zirkel, den Leon mit Lusts Hilfe angefertig hatte. ,,Lust...", sagte Leon mit traurigem Blick auf das Medaillon, das im Zirkel lag. ,,Hast du einen der Homunculi in diesem Zirkel versiegelt?", fragte Izumi ihn. ,,Diesen Homunculus habe ich nicht nicht versiegelt.", erklärte Leon. ,,Das muss das Werk von..." ,,Ist egal.", unterbrach Izumi ihn. ,,Das bedeutet, dass noch vier von ihnen übrig sind: Das Kind... der, der alles isst... derjenige, der sich alles und jeden verwandeln kann... und der Führer." ,,Und derjenige, der sie alle kontrolliert.", fügte Leon hinzu. Schritte waren zu hören. ,,Wer ist da?!?", rief Izumi und wirbelte herum. Tucker war erneut mit der seelenlosen Nina aus dem Keller gekommen. ,,Sieh mal, Nina, da hinten ist dein Freund Leon.", sagte Tucker und schob das Gesicht von Nina in Leons Richtung. ,,Leon, dein Freund. Sag "Hallo", Liebing. Sei doch nicht schüchtern." Er nahm seine Hand von ihrem Kopf, der sofort hinunter sackte. ,,Obwohl er den Ring hatte, konnte er ihre Seele nicht zurückbringen.", sagte Leon traurig. ,,Warum spielst du nicht im Hof?", schlug Tucker Nina vor. ,,Ich wette, Alexander ist einsam. Das erinnert mich an etwas: Wo ist dieser Hund überhaupt? Wohin ist Alexander verschwunden? Was für ein Wachhund, he?" Er schritt mit Nina davon. ,,Ist das wirklich für dich in Ordnung?", fragte Izumi Leon, der auf mehrere Pistolen auf eine Fließband zuschritt. ,,Diese seelenlose Puppe ist die Verkörperung seiner Sünden.", sagte Leon, während er die Pistolen an sein Auto-Mail-Bein mutierte, um es zu reparieren. ,,Genauso wie Sloth meine Sünde repräsentierte... Und Wrath Ihre." ,,Du bist wirklich erwachsen geworden, Leonard.", sagte Izumi lächelnd. ,,Ich bin erwachsen geworden?", wiederholte Leon. ,,Ich dachte, ich wäre erwachsen geworden, als ich ein Nationaler Alchemist geworden bin, aber ich schätze, ich hatte noch einen langen Weg vor mir." ,,Was tun wir also jetzt?", fragte Izumi. ,,Nun, so wie ich das sehe, gibt es im Moment nur einen Homunculus, von dem wir wissen, wo er sich aufhält.", meinte Leon. ,,Ich schätze, du redest von Führer King Bradley?", fragte Izumi. Leon nickte.


Die Soldaten an der Grenze zum Norden hatten begonnen, sich gegenseitig zu beschießen. ,,Wir sind vollkommen umzingelt.", sagte Armstrong, der sich mit Roy, Hawkeye, Breda und Farman in einem Schützengraben versteckte. ,,Die Anzahl an Soldaten, die sich uns angeschlossen hat, ist viel kleiner als die der Soldaten, die dem Führer dienen." ,,Da kann man wohl nichts machen.", seufzte Farman. ,,De Autorität des Führers ist nun mal absolut. Und wir haben so gut wie keine Beweise gegen ihn." ,,Die Plan des neuen Brigadier Generals war diesmal ziemlich lückenhaft.", meinte Breda. ,,Nein, ganz und gar nicht.", widersprach Armstrong. ,,Mustangs Plan war es, die meisten Truppen Central Citys hierher zu locken, um sich genügend Zeit lassen zu können mit der eigentlichen Mission." ,,Lieutenant Oberst Armstrong, ist das auch wirklich in Ordnung?!?", fragte Roy besorgt und riss sich seine Mütze und seine Perücke herunter: Es war nicht Roy, der dort saß, sondern Lieutenant Havoc, der sich als Roy verkleidet hatte. ,,Ich bin doch nur ein Lieutenant, und dennoch muss ich mich verhalten wie..." ,,Halten Sie durch. Ich stehe doch hinter Ihnen.", sagte Armstrong und nahm Havoc und Hawkeye in seine Arme. ,,Übrigens, diese Frisur steht Ihnen ganz ausgezeichnet, Fury.", sagte Armstrong zu Hawkeye, der im nächsten Moment ebenfalls eine Perücke zu Boden fiel. Nicht Hawkeye stand dort, sondern Fury, der sich als Hawkeye verkleidet hatte.
Roy, als Havoc verkleidet, stand im Krankenzimmer Havoc und zog sich ein Hemd an, als es an der Tür klopfte und eine der Krankenschwestern eintrat. ,,Oh, Sie dürfen noch nicht aufstehen, Lieutenant Havoc!", rief die Krankenschwester vorwurfsvoll. Roy wandte sich zu ihr um und nahm seine Perücke ab. ,,Kann ich darauf hoffen, dass Sie das nicht weitererzählen?", fragte er die Krankenschwester, die sofort einen verträumten Blick bekommen hatte, als sie erkannte, wer er wirklich war. ,,Ja. Sie haben bestimmt Ihre Gründe, richtig?", säuselte die Krankenschwester. Hawkeye, die sich als Fury verkleidet hatte, hielt ihr eine Pistole an den Kopf. ,,Dies ist eine Mission von nationaler Bedeutung. Mischen Sie sich nicht ein, egal, was kommen mag.", sagte sie zur Krankenschwester. Roy und Hawkeye verließen das Zimmer und wanderten durch den Flur. ,,Warum sind Sie auf einmal so schlecht drauf?", fragte Roy Hawkeye, die einen wütenden Blick aufgesetzt hatte. ,,Bin ich nicht.", entgegnete sie stur. Roy seufzte tief, dann sagte er ernst: ,,Es scheint, als wenn Havoc und die anderen ihre Rolle gut gespielt haben." ,,Ja.", sagte Hawkeye zustimmend.
General Peacecraft schickte noch mehr Soldatentruppen von Central City nach Norden. ,,Beeilung! Beeilung!", fuhr er die in die Wagen steigenden Soldaten an. ,,Die gesamte Armee muss Mustangs Truppe unbedingt einholen!"


General Peacecraft und Pride saßen in Prides Büro. ,,Wirklich beeindruckend, dass sie so schnell eine ganze Einheit formen konnten...", lobte Pride General Peacecraft. ,,Das ist nur Ihren Befehlen zu verdanken!", entgegnete General Peacecraft stolz. ,,Ich kann immer noch nicht glauben, dass Sie so gut vohersehen konnten, dass Armstrong und Mustang eine Rebellion starten würden, wenn wir ihnen genügend Soldaten zur Verfügung stellen. Damit sind sie nicht besser als Basque Gran. Das muss doch eine sehr schlimme Entdeckung für Sie gewesen sein." ,,Ich musste ihn zum Brigadier General befördern, um es so aussehen zu lassen, als würde ich ihm vertrauen.", erklärte Pride. ,,Das muss Ihnen allen doch sehr missfallen haben." ,,Überhaupt nicht! In ein oder zwei Tagen wird eine neue Ära anbrechen!", sagte General Peacecraft vergnügt und verließ das Büro. Pride ging zum Telefon und wählte eine Nummer. ,,Ist es Zeit für mich, zurückzukommen?", fragte er. ,,Oh, zwei Jungen, die behaupten, sie seien die Elric-Brüder, sind heute morgen verhaftet worden? Ich verstehe. Töten Sie sie."
Russel und Fletcher saßen im Gefängnistrakt unterhalb des Hauptquartiers von Central City. ,,Warum hast du dich als Leonard Elric ausgegeben?", fragte Fletcher seinen großen Bruder. ,,Ging nicht anders!", verteidigte sich Russel. ,,Ich hatte nicht genug Geld und da hab ich einfach..." ,,Und dabei wollte ich ihnen doch Vaters Tagebucheintrag geben...", seufzte Fletcher und holte einen alten Zettel aus seiner Hosentasche hervor. Schritte waren zu hören. ,,Versteckt es!", zischelte Russel Fletcher zu, der den Zettel sofort wieder versteckte. Die Schritte kamen näher und näher.


Am späten Nachmittag trafen sich Roy und ein Architekt in einer Baar. ,,Danke für die harte Arbeit.", bedankte sich Roy bei dem Architekt. ,,Wenn es um seine Exzellenz, den Führer, geht, bin ich immer schnell.", lachte der Architekt vergnügt. ,,Also ist der Aufbau des Hauses des Führers wirklich so wie hier auf der Blaupause?", fragte Roy mit Blick auf die Blaupause, die auf dem Thresen ausgebreitet war. ,,Ja. Ich habe noch nie Fehler gemacht.", antwortete der Architekt. ,,Aber das ist schon wirklich eine komische Anordnung. Normalerweise sind Weinkeller eher..." ,,Ich verstehe es selbst nicht wirklich, aber dies sind die Anweisungen, die mir die Sekretärin des Führers gegeben hat.", sagte Roy und faltete die Blaupause zusammen. ,,Da heute ihr freier Tag ist, erledige ich dies für sie stattdessen." Er legte ihm ein riesiges Bündel Geldscheine hin. ,,Da Sie so schnell arbeiten mussten, wurde noch ein wenig Extrageld beigelegt." ,,Oh, ist das so?", sagte der Architekt mit gierigem Blick auf das viele Geld. ,,Das Militär ist wirklich großzügig!"
Roy verließ die Baar wieder und wechselte von seiner Militäruniform in normale Kleidung. ,,Es läuft alles, wie geplant.", sagte er zu einer Person, die in der Nähe stand und Zeitung las. ,,Ich kann noch nichts garantieren, aber es scheint, als sei heute unsere einzige Chance." Die Person, Hawkeye, sagte nichts. ,,Was ist los?", fragte Roy. ,,Es wird das Gerücht verbreitet, dass die Elric-Brüder heute morgen festgenommen worden sind.", las Hawkeye aus der Zeitung fort. ,,Hmm...", machte Roy nachdenklich und sah zu Boden.
Die Sirene läutete schrill und laut im Hauptquartier von Central City, während Leon und Izumi den geschätzt hundertsten Soldat niederschlugen. ,,Du hättest dich auch vorher informieren können, ob der Führer hier ist oder nicht!", fuhr Izumi gereizt Leon an. ,,Da kann ich doch nichts für!", keifte Leon zurück. ,,Woher sollte ich denn wissen, dass er aufgrund des Geburtstags seines Adoptivsohnes früher nach Hause gehen würde?!?" Noch mehr bewaffnete Soldaten rückten nach. ,,Genug mit den Ausreden!", rief Izumi und klatschte in die Hände. ,,Weiter geht´s!", rief Leon und klatschte ebenfalls in die Hände. Hände aus Stein schossen aus dem Boden und schlugen die Soldaten nieder. Leon und Izumi rannten schnell weiter, stoppten aber im nächsten Moment, als plötzlich eine Tür aufging, aus der ein Baumstamm schoss, der sie packte und in einen Raum zog, dessen Tür sich sofort schloss und mit einem Lichtblitz verpuffte. ,,Autsch...", stöhnte Leon auf, während Ross und Brosch sie aus dem Griff des Stammes befreiten. ,,Seid ihr in Ordnung?", fragte Brosch besorgt. Leon erblickte Fletcher und Russel, die den Baumstamm mit Alchemie erschaffen hatten. ,,Ihr?!?", rief Leon verdattert. ,,Die Betrüger?!?" ,,Ich bin Russel Tringham!", fauchte Russel beleidigt. ,,Man hat sie mit dir und Fayt verwechselt und sie arrestiert.", erklärte Ross. ,,Dabei ist es doch so offensichtlich, dass ich nicht Leon bin.", seufzte Russel. ,,Das fängt schon bei seiner kleinen Größe an." ,,WAS HAST DU GESAGT!?!", brüllte Leon. ,,Ui, bist du sogar noch kleiner geworden in der Zwischenzeit?", fragte Russel hämisch. ,,Grrrrr!", fauchte Leon und hob drohend seine Faust. ,,Nein, nein, mein großer Bruder meint es nicht so!", mischte sich Fletcher schnell ein und stellte sich zwischen Leon und Russel. ,,Der Führer hat angeordnet, dass sie umgebracht werden.", erklärte Brosch Izumi, während sich Leon und Russel weiter kabbelten. ,,Als wir in den Keller hinabgestiegen waren und uns ihre Version der Dinge angehört haben, entschlossen wir, dass dies zu extrem war.", fuhr Ross fort. ,,Das bedeutet also, dass Sie durch den Aufruhr, den Leon und ich verursacht haben, mit den beiden Jungen fliehen konnten?", fragte Izumi. ,,Findet sie!", hörten sie jemanden vom Flur her brüllen. ,,Schade, dass wir nicht miteinander reden können. Aber wir müssen sofort weiter.", seufzte Leon. ,,Wohin?", fragte Ross beunruhigt. ,,Zum Haus des Führers.", antwortete Izumi. Ross und Brosch erschraken. ,,Er muss sich dort befinden.", meinte Leon. ,,Ähm... nimm bitte das hier mit.", sagte Fletcher und reichte ihm einen alten Zettel. ,,Das ist ein Tagebucheintrag von Vater.", erklärte Russel. ,,Er hat es geschrieben, während er hier in Central City war." Leon las den Tagebucheintrag und erschrak sofort. ,,Sensei!", rief er. Izumi las es ebenfalls, wobei ihre Augen mit jeder neuen Zeile größer wurden. ,,Das ist...", begann sie, als im nächsten Moment eine Wand des Raumes explodierte. Ross stellte sich mit Brosch schützend vor Izumi, Leon, Fletcher und Russel, ihre Waffen gezückt, als ein Mann, die eine Hälfte menschlich, die andere aus Auto-Mails bestehend, den Raum betrat. ,,Sie sind...!", rief Ross erschrocken mit Blick auf den Mann. ,,Frank... Archer...", stammelte Leon. ,,Leonard Elric und die Frau, die ich im Südlichen Hauptquartier entkommen ließ?", sagte Archer mit mechanischer Stimme verwundert. Eine Kanone schoss aus seinem Mund, mit der er auf Izumi und Leon schoss, die zur Seite sprangen. ,,Ich werde mich um ihn kümmern.", sagte Izumi zu Leon. ,,Geh zu dem Ort, der im Tagebucheintrag erwähnt wird!" ,,Aber...", begann Leon. ,,Lass mich einmal als deine Meisterin handeln.", unterbrach Izumi ihn. ,,Geh!" ,,Ihr beiden verschwindet ebenfalls!", rief Ross den beiden Tringham-Brüdern zu und stellte sich mit Brosch schützend vor sie. Die Fünf rannten davon, nur noch Izumi und Archer im Raum.
Roy und Hawkeye, die mit einem Auto vor dem Hauptquartier angekommen waren, sahen mehrere Lichtblitze aus einem der Räume kommen. ,,Sieht aus, als bräuchten die Elric-Brüder Ihre Hilfe nicht, Brigadier General.", sagte Hawkeye vergnügt zu Roy. ,,Hmm... Vielleicht haben sie sich ja extra festnehmen lassen...", mutmaßte Roy. ,,Weiter geht´s.", sagte Hawkeye und fuhr gerade mit dem Wagen an, als Leon über eine Mauer sprang und vor dem Auto landete. ,,Tut mir Leid, aber ich muss dieses Auto ne...", begann Leon, stutzte aber, als er Roy und Hawkeye im Auto erkannte. ,,Metalla...?!?", begann Roy verdattert. ,,Oberst?", rief Leon verstutzt. ,,Sagen Sie nicht, Sie sind hier, um mich einzufangen!"


Roy und Hawkeye fuhren mit Leon in Richtung der Altstadt Central Citys. ,,Und wohin wollen Sie jetzt gehen, Briadier General?", fragte Leon Roy. ,,Zum Wag-Viertel.", antwortete Roy. ,,Dort liegt die Villa des Führers.", erklärte Hawkeye. ,,Und was wollen Sie vom Führer?", fragte Leon. Roy sah todernst drein. ,,Ich glaube, ich brauche nicht weiter zu fragen.", sagte Leon und schaute nun selbst ernst drein. ,,Aber dieser Ort wird äußerst stark bewacht sein." ,,Lieutenant Oberst Armstrong zettelt genau in diesem Moment eine Rebellion im Norden an.", erklärte Roy. ,,Sie erwarten nicht, dass ich sie hier in Central City angreifen werde. ,,Wollten Sie nicht heroische Taten im Krieg vollbringen und Führer werden?", fragte Leon. ,,Du hast versucht deine Ziele zu erreichen, obwohl du dafür zu einem Militärhund werden musstest.", sagte Hawkeye. ,,Aber..." ,,Lieutenant Hawkeye.", unterbrach Roy sie mahnend. ,,Seine Träume wahr werden lassen, indem man alles Böse in sich aufnimmt: Ich dachte, dies wäre das Richtige.", sagte er. ,,Selbst wenn Sie jetzt mit dem Führer kämpfen, werden Sie später nicht die Gerechtigkeit auf Ihrer Seite haben.", sagte Leon. ,,Wenn Sie ihn umbringen, werden Sie es nie an die Spitze schaffen. Die Menschen werden das nicht akzeptieren." ,,Selbst wenn das so ist, ich kann diesem Mann einfach nicht vergeben.", sagte Roy. ,,Sie wollen Rache für Brigadier General Hughes, richtig?", fragte Leon. ,,Ja.", antwortete Roy. ,,Er muss über alles, was im Militär geschehen ist, Bescheid gewusst haben." ,,Sie wollen also alles, was Sie bis jetzt erreicht haben, dafür wegwerfen?", fragte Leon. ,,Es ist nicht so, als wenn ich es wollte.", entgegnete Roy. ,,Für deinen Bruder hast du aufgehört, als Militärhund zu arbeiten. Und du hast alles Übel in dir ausgespiehen, indem du wie ein Erwachsener gehandelt hast. Wir beide versuchen, wie kleine Kinder, nach unseren Gefühlen zu leben." Er machte eine kurze Pause, dann fragte er: ,,Kommst du mit mir?" ,,Bevor ich ein Soldat geworden bin, dachte ich, dass Kriege nur Menschen mit einbeziehen würden, die ich nicht kenne, in Orten, an denen wir nie waren...", seufzte Leon. ,,In Kurzform: Ich dachte, sie würden nichts mit uns zu tun haben. Aber die ganze Zeit über gab es jemanden, der die Menschen zu Kriegen getrieben hat, um den Ring der Alchemisten zu erschaffen. Und deswegen werden sich immer und immer wieder Kriege ereignen, solange die Menschen sich nach dem Ring der Alchemisten sehnen. Und diese Sehnsucht nach dem Ring befindet sich in jedem Mensch. Die Homunculi nähren diese Sehnsucht, obwohl sie doch nur die Ergebnisse von gescheiterten Menschlichen Mutationen sind. Sie sind nicht mehr als Dinge, die durch unsere Gefühle und unsere Intelligenz erschaffen worden sind. Dies bedeutet dann, dass alle Kriege uns betreffen." ,,Aber dies ist eine viel zu große Bürde.", sagte Roy. ,,Die Dinge, die wir tun können, sind immer nur die, die sich auch gerade in Reichweite befinden." ,,Ich werde die Person, die die Homunculi kontrolliert, finden und vernichten. Danach werde ich den Ring der Alchemisten zerstören, damit sich niemand mehr an ihn erinnern wird.", sagte Leon. ,,Damit er aus den Erinnerungen der Menschen verschwindet." ,,Ihn zerstören?", wiederholte Hawkeye fragend. ,,Der Ring der Alchemisten? Also ist er wirklich erschaffen worden?", fragte Roy. ,,Aber könnte es sein, dass..." ,,Sie haben den Stein nicht erschaffen. Es waren unsere Gefühle, die es taten.", korrigierte Leon ihn. ,,Aber es wahr doch euer Traum, durch den Ring der Alchemisten alles zurückzuerhalten, was ihr verloren habt, richtig?", fragte Hawkeye. ,,Selbst wenn wir unseren Traum verwirklichen, werden wir dadurch nichts erreichen.", sagte Leon. ,,Gibt es etwas Wichtigeres als eure Träume?", fragte Roy. ,,Solche Dinge wird es immer geben.", antwortete Leon. ,,Dinge, die wichtiger sind als man selbst, als seine Träume."
Leon und Roy stiegen in der Nähe der Altstadt aus und sahen sich an. Roy wollte erst vor Leon salutieren, dann hielt er ihm jedoch eine Hand hin. Leon streckte ebenfalls eine Hand aus, jedoch nur, um Roys Hand zur Seite zu schlagen. Er grinste, während Roy zurückgrinste. ,,Lebewohl.", sagte Roy zu ihm. ,,Lebewohl.", sagte Leon ebenfalls und rannte davon, während Roy zurück ins Auto stieg, das zum Wag-Viertel weiter fuhr.


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