Mittwoch, 24. Oktober 2007

Tales of Alchemy Kapitel 47: Das Homunculus-Siegel

Langsam schritt Sloth auf den am Boden des Kellers der Fabrik sitzenden Fayt zu. ,,Und nun komm schön mit mir mit, mein kleiner Fayton.", sprach sie mit mütterlicher Stimme zu ihm. ,,Ich weiss, wie weh es getan haben muss, Liebling. Dass der böse Doktor dich einfach so benutzt... Aber es wird alles wieder in Ordnung kommen." Sie beugte sich zu Fayt hinab, ihr Gesicht in der Nähe des Loches, das sich in Höhe seiner Hüfte befand. ,,Siehst du? Genauso wie früher." Fayt erschrak, als er sich erinnerte, wie er einst als kleiner Junge seinen blutenden Finger zu seiner Mutter hin gehalten hatte, die den Finger daraufhin geküsst hatte. ,,Mama?", fragte er verunsichert. ,,Ja.", sagte Sloth und sah fröhlich lächelnd zu ihm auf.
Wrath lag immer noch reglos in der Gasse, in die langsam die ersten Morgenstrahlen fielen. In seinen Erinnerungen tobte derweil aber die Hölle. Erneut sah er sich vor dem "Tor" davonrennen, das ihn immer weiter verfolgt hatte, die Hände der Schattenkreaturen sich nach ihm ausstreckend. Langsam war er kleiner und kleiner geworden, bis er wieder ein Baby war, das zu einer Person gekrabbelt war, die ihn hochgehoben hatte: Izumi. Doch das Bild verschwamm schlagartig, und aus Izumi, die ihn hielt, wurde Sloth, die ihm fröhlich lächelnd ansah. Mit einem lauten Schrei kam Wrath wieder zu sich und sprang auf. ,,Mama?", murmelte er, während er schwankend durch die Gasse wanderte. ,,Mama?"

,,The Ring of Alchemists:
Those who possess it are no longer bound by the laws of Equivalent Trade in Alchemy,
may gain without sacrifice,
create without equal exchange.
We searched for it... and found it."

Fayt und Sloth wanderten durch den Keller, Hand in Hand. ,,Bitte, lassen Sie mich es erneut versuchen.", bat Tucker sie und stellte sich vor sie. ,,Ich weiss, dass ich es schaffen kann. Bitte, Fayt." Sloth ließ eine ihrer Hände zu Wasser werden. Die Hand schnellte hervor und packte Tuckers Kopf, so dass Tucker keine Luft mehr bekam. ,,Sie haben bereits bekommen, was Sie sich gewünscht haben, Doktor Tucker.", sagte Sloth zu Tucker, der langsam in die Knie ging. ,,Großer Bruder...", murmelte Fayt und sah zur Decke.
Leon stand in der verlassenen Fabrik und stellte aus Metallteilen notdürftig seinen Auto-Mail-Arm wieder her, als im nächsten Moment Fayt und Sloth durch die Stahltür hinauf aus dem Keller kamen. ,,Ich hätte es wissen müssen!", fauchte Leon mit Blick auf Sloth. ,,Geh weg von Fayt, sofort!" ,,Großer Bruder, du verstehst nicht.", begann Fayt. ,,Doch, und wie ich verstehe. Mich hat sie damals auch mit ihrer gespielten Mütterlichkeit getäuscht, Fayt.", sagte Leon. ,,Aber es ist eine Lüge. Sie ist nicht unsere Mutter!" ,,Ich weiss genau, was sie ist, aber dennoch...", begann Fayt erneut. ,,Sie benutzt unsere Erinnerungen, um uns zu manipulieren, Basta.", unterbrach Leon ihn erneut. ,,Dieses... Ding da hat keine Seele." ,,Du warst nicht immer so grausam, Leonard, Liebling.", sagte Sloth mit traurigem Blick. ,,Bitte, Fayt! Noch einmal!", bettelte Tucker, der ebenfalls durch die Stahltür hinaus in den oberen Teil der Fabrik gestiegen war. ,,Tucker?", rief Leon verdutzt. ,,Sie hätten Fayt umbringen können, indem Sie ihn dazu gebracht haben, allein hierher zu kommen!" Er erschrak, als er das Loch an Fayt sah. ,,Der Ring der Alchemisten verlangt doch einen kleinen Preis pro Benutzung... Gleichwertiger Tausch...", seufzte Fayt mit Blick auf das Loch. ,,Tucker hat ihn benutzt, großer Bruder, und es hat sich einen Teil der Rüstung genommen." ,,Also hat er dich reingelegt, damit du hierher kommst, und hat dann das da getan!?!", brüllte Leon. ,,Verdammt! Es gibt einfach zu viele Idioten auf dieser Welt, denen ich kräftig in den Hintern treten muss!!! Ich muss mir langsam mal eine Liste machen, um nicht die Übersicht zu verlieren!!! Komm schon, Fayt! Verschwinden wir von hier!" ,,Du brauchst dir keine Sorgen machen, Leonard.", sagte Sloth. ,,Und warum nicht?", fragte Leon spöttisch. ,,Planst du, meinem kleinen Bruder seinen alten Körper zurückzugeben? Oder wirst du ihn einfach nur zurück zu deinem Herrn bringen, damit er ihn benutzen kann, bis nichts mehr von ihm übrig ist?" Sloth lächelte vergnügt. ,,Fayt! Geh weg!", brüllte Leon, klatschte in die Hände und mutierte seinen Auto-Mail-Arm zu einer Bazuka, mit der er Dauerfeuer auf Sloth eröffnete, die zu Wasser zerfloss. Fayt sprang zur Seite, während Tucker kreischend in den Keller flüchtete und die Stahltür hinter sich zu knallte. ,,Nein!", schrie Fayt und stellte sich schützend vor Sloth. ,,Sei doch nicht dumm, Fayt!", schrie Leon ihn an. ,,Leonard, du tust mir weh.", schluchzte Sloth, deren Kopf aus der Wasserlache am Boden schaute. ,,Guter Versuch, aber ich weiss, dass es mehr braucht, um dich zu töten!", rief Leon und rannte los. Sloth nahm wieder Gestalt an und rannte ihm hinterher. Schließlich ließ sie ihre Arme zu Wasser werden und hielt damit Leon fest. ,,Deine Mutter hat mir dir geredet, junger Mann.", ermahnte sie ihn und lächelte boshaft. Leon grinste vergnügt und sah zu Boden. Sloth sah zu Boden und erschrak: Sie stand auf einen Mutations-Zirkel, in dessen Zentrum sich das Zeichen der Alchemie - ein Stab, um den sich eine Schlange schlängelt - befand. ,,Was ist das?", fragte sie Leon mit schroffer Stimme. ,,Es ist derselbe Mutations-Zirkel, der sich in Dantes Villa befand, als ich Greed tötete.", erklärte Leon. ,,Er ist dafür da, einen Homunculus zu versiegeln, oder?" Fayt erschrak. ,,Das ist wirklich clever von dir.", gestand Sloth ein. ,,Aber du wirst mehr als nur das hier brauchen." ,,Oh, mach dir keine Sorgen, das weiss ich.", sagte Leon. ,,Ich brauche die Überreste des Menschens, zu dem der betreffende Homunculus eigentlich durch Menschliche Mutation werden soll. Das gibt euch den Rest." Er packte in seine Hosentasche, zog eine Urne hervor, wirbelte herum und stürmte auf Sloth zu, gegen die er die Urne presste. Die Urne verschmolz mit Sloth, und schlagartig zerfloss sie zu Wasser, der Mutations-Zirkel nun hell leuchtend, die Urne direkt neben Sloth. ,,Großer Bruder, was ist das?", fragte Fayt mit Blick auf die Urne. ,,Sie ist eine falsche Mutter, Fayt. Diese Urne hier ist ihre Schwachstelle.", erklärte Leon und trat aus dem Mutations-Zirkel. ,,Unsere wahre Mutter..." ,,Was?!?", rief Fayt entsetzt. ,,Du hast in ihrem Grab herumgewühlt?!? Und das ohne mir etwas zu sagen?!? Was ist los mit dir!?!" ,,Falls du es noch nicht gemerkt hast, wir kämpfen hier gerade um unser Leben!", fuhr Leon ihn an. Sloth streckte eine ihrer Wasserhände aus, um den Mutations-Zirkel zu verwischen, darauf hoffend, dass er dadurch seine Wirkung verlieren würde. ,,Gib es auf, Sloth.", sagte Lust, die hinter einer der Maschinen hervorkam. ,,Du kannst diesen Zirkel nicht verwischen. Ich habe ihn eigens mit meinen Nägeln in den Boden geritzt. ,,Danke, ich schuld dir was.", sagte Leon und warf ihr das Medaillon zu, doch sie schlug es einfach zur Seite. ,,Ich hoffe, du glaubst nicht, dass ich das alles für das Medaillon getan habe, Metalljunge.", entgegnete sie. ,,Lust, wie kannst du nur unseren Meister hintergehen?", klagte Sloth, deren Kopf aus der Wasserlache herausschaute, Lust an. ,,Hintergehen?", wiederholte Lust amüsiert. ,,Das ist ein interessanter Wort, das da aus deinem Mund kommt, Sloth." ,,Wovon redet ihr beiden?", fragte Leon verwirrt. ,,Erinnerungen...", sagte Lust gedankenversunken. ,,Erinnerungen an damals, als wir noch Menschen waren. Sie sind nur verschwommen, aber sie sind real." Erneut sah sie Scars Bruder vor sich, der sie kurz vor ihrem Tod in seinen Armen gehalten hatte. ,,Es hat lange Zeit gebraucht, bis ich verstand, was ich sah." Sie sah erneut Lejon vor sich, der ihre Hände in seine nahm. ,,In Büchern steht, wir haben keine Erninnerungen. Und wenn wir sie haben, dann sind es nur die Emotionen des Alchemisten, der uns erschaffen hat. Aber sie irren sich, diese Erinnerungen sind meine eigenen." Sie sah hinauf zur Decke, verträumt. ,,Ich war... Ich war eine Ishbaler Frau, mit ganzem Herzen verliebt." ,,Nein, warst du nicht.", widersprach Leon. ,,Sloth, erinnert sich ebenfalls.", sagte Lust mit Blick zu Sloth. ,,Doch sie hat sich von unserem Meister täuschen lassen, so dass sie sich nicht um ihre Söhne kümmert." ,,Sie ist nicht unsere Mutter!", schrie Leon aufgebracht. ,,Oder vielleicht ist sie es wirklich, aber sie ist noch nicht vollständig.", sagte Lust darauf. Fayt stürmte vor, packte die Urne und warf sie aus einem der Fenster hinaus in den Hof. ,,Was zum Teufel tust du da?!?", schrie Leon. Fayt stieß ihn zu Boden und begann für kurze Zeit zu leuchten. ,,Bleib, wo du bist!", fuhr Fayt ihn an. ,,Ich werde nicht zulassen, dass du ihr das antust!" ,,Verstehst du denn nicht?!? Wenn wir sie uns nicht vom Hals schaffen, werden sie dich für immer und ewig verfolgen!", schrie Leon. ,,Mamas Überreste haben diesen Homunculus gelähmt. Das beweist eindeutig, was sie ist und woher sie kommt.", sagte Fayt mit Blick auf Sloth, die Rote Steine zu erbrechen begann. ,,Wir haben sie an diesem Tag erschaffen." ,,Richtig! Sie ist ein Homunculus, das wissen wir!", rief Leon und stand wieder auf. ,,Homunculi werden geboren, wenn ein Alchemist gegen die Gesetze der Natur verstößt.", sagte Fayt. ,,Ob sie nun eine Seele besitzt oder nicht, es ist unsere Schuld, dass sie existiert!" ,,Genau das meine ich doch auch!", rief Leon. ,,Wir tragen die Verantwortung für sie!", fuhr Fayt ihn an. ,,Und deswegen müssen wir sie auch töten!", schrie Leon. ,,Nein!", schrie Fayt stur. ,,Verdammt, Fayt!", brüllte Leon fluchend. ,,Keine Sorge, ich übernehme das.", sagte Lust und ließ ihre Fingernägel in die Länge wachsen. Sloth, die wieder Form angenommen hatten, streckte hilfesuchend eine Hand nach Fayt aus, als Lust sie auch schon im nächsten Moment zerfetzte. Sie zerfiel zu Wasser, das sich wieder neu anordnete, um Form anzunehmen. ,,Du suchst besser diese Urne, Metalljunge!", rief Lust Leon zu. ,,Uns läuft die Zeit davon!" Leon rannte in den Hof davon und sah sich nach der Urne um. ,,Du wolltest das hier benutzen, um Mama wehzutun, richtig?", fragte Wrath, der hinter ihm stand, die Urne in seinen Händen. ,,Deine Mama?", wiederholte Leon verdutzt. ,,Wrath, du scheinst mir ziemlich verwirrt zu sein, weißt du das?" ,,Ich bin überhaupt nicht verwirrt, Leonard. Ich nehme dir einfach nur alles ab, was einmal dir gehört hat.", entgegnete Wrath. ,,Diese Kreatur in der Fabrik ist auch nicht meine Mutter.", sagte Leon. ,,Ich glaube, du bist derjenige, der hier verwirrt ist.", meinte Wrath. ,,Gib mir die Urne.", befahl Leon ihm. Wrath grinste hämisch. Leon stürmte auf ihn zu, doch Wrath sprang im letzten Moment über ihn, landete behände mit den Füßen am Boden, und absorbierte die Urne in seinen Körper. Leon sah erschrocken zu Wrath, der ein boshaftes Grinsen aufsetzte. Leon packte ihn und schoss mit ihm durchs Fenster zurück in die Fabrik, wo Lust immer noch mit Hieben ihrer Fingernägel verhinderte, dass Sloth feste Gestalt annahm. ,,Was machst du das mit Mama!?!", brüllte Wrath zornig und sprang auf. ,,Mama?!?", wiederholte Fayt verdattert. ,,Er sehnt sich nach einer Mutter, und hat Ersatz gefunden...", sagte Leon. ,,Lass sie in Ruhe!", schrie Wrath und stürmte auf ein Laufband zu, auf dem Dutzende von Pistolen lagen, die er mit seinem Arm mutierte, der zu einem Maschinengewehr wurde, mit dem er Dauerfeuer auf Lust eröffnete, die sich mit einem Sprung hinter eine der Maschinen rettete. Sloth nutzte die Gunst der Stunde und schoss durch das Loch an Fayts Hüfte in ihn hinein. ,,Schön brav deine Mutter verteidigen, Fayt.", sagte sie vergnügt zu Fayt. ,,Hey!", rief dieser empört, als Sloth sich im nächsten Moment in seinem Körper ausbreitete und ihn dazu brachte, in den Hinterbereich der Fabrik zu wandern. ,,Fayt!", rief Leon erschrocken, konnte Fayt aber nicht folgen, das Wrath mit seinem Dauerfeuer den Weg blockierte. In diesem Moment stürmte Lust hinter der Maschine hervor, ließ ihre Nägel hervorschießen und zerschnitt das Maschinengewehr Wraths. ,,Geh! Ich kümmere mich um Wrath!", rief Lust Leon zu, der sofort losrannte. ,,Nun, denkst du nicht auch, dass du ein bisschen zu alt bist, um nach Mami zu schreien?", fragte Lust, während die Patronenkugeln, die sie getroffen hatten, aus ihrem Körper schossen, die Schusswunden sofort verheilend. Wrath grinste boshaft und stellte seinen Arm wieder her. Er wollte gerade auf sie losstürmen, als sie ihm schon ihre Nägel ins Herz bohrte. Er sackte tot zu Boden, stand dann jedoch Sekunden später wieder schwankend auf. ,,Du kannst nicht gewinnen...", röchelte er. ,,Ich kehre einfach wieder ins Leben zurück..." ,,Nur solange du genügend Rote Steine in dir hast, richtig?", sagte Lust und ließ ihre Nägel erneut in die Länge wachsen. ,,Dann..." Wrath schrie vor Panik auf und stürmte davon. ,,Wenn du schließlich durch genügend Tode keine Roten Steine mehr hast und sterblich bist... Egal wie oft ich dich töten muss... Am Ende wirst du für immer schlafen." Sie rannte hinter ihm her und begann wie wild mit ihren Fingernägeln nach ihm auszuholen. ,,K-Komm mir nicht in die Quere!", schrie Wrath im Ausweichen. ,,Ich werde er werden!" ,,Und was genau ist der Sinn darin?", fragte Lust, während sie weiter nach ihm ausholte. ,,Was meinst du damit? Das ist doch gerade der Sinn an allem!", antwortete Wrath. ,,Warum sollte ich dann existieren, nur um von dir umgebracht zu werden?" Wrath verpasste ihm einen weiteren Stich ins Herz. Wrath landete tot am Boden, kam aber Sekunden später wieder zu sich und fühlte etwas Kleines, Rundes und Hartes, auf dem sein Kopf gelandet war. ,,Dich zu benutzen war von Anfang ein Fehler.", sagte Lust mit tiefster Verachtung, während sie weiter auf Wrath zuschritt. ,,Und warum ist das so, Lust?", fragte Wrath grinsend. ,,Ist es, weil ich Alchemie benutzen kann? Oder hast du das schon wieder vergessen?" Lust erschrak, als sie bemerkte, dass sie auf dem Mutations-Zirkel stand, in dem zuvor Sloth gefangen gewesen war. Sie sah kurz zu Wrath, dann wirbelte sie herum und wollte davonstürmen. Doch Wrath packte das Medaillon, auf dem sein Kopf gelegen hatte, warf es in den Mutations-Zirkel, klatschte in die Hände und legte sie auf den Zirkel auf. Lust wurde sofort von dem grellen Licht erfasst.
Fayt wanderte aufgrund von Sloth, die in ihm saß und ihn zwang, in den hinteren Teil der Fabrik, der noch baufälliger war. ,,Fayt!", rief Leon, der die beiden eingeholt hatte. Ein lauter Schrei von Lust, der bis zu ihnen herüber drang, ließ Leon herumwirbeln, was Sloth dazu ausnutzte, um Fayt nach Leon ausholen zu lassen, der gerade noch rechtzeitig auswich. ,,Nein!", protestierte Fayt während Sloth ihn erneut ausholen ließ. ,,Hey!", rief Leon empört und wich seinen Hieben aus. ,,Es tut mir Leid, das bin ich nicht!", rief Fayt entschuldigend und schlug weiter auf Leon ein. Leon blockte einen Schlag ab, und bei der Berührung verfärbte sich Fayt sofort rot leuchtend. ,,So kommen wir nicht weiter, Fayt!", rief Leon und sprang zurück. ,,Selbst wenn ich dich nur streife, könnte ich eine alchemistische Reaktion bei dir auslösen!" ,,Ja, das scheint wohl so zu sein.", kicherte Sloth. ,,Verschwinde besser, Leonard, Liebling." ,,Bitte, Mama! Hör auf!", rief Fayt und musste erneut auf Befehl von Sloth nach Leon ausholen. ,,Wann wirst du es endlich akzeptieren!?! Sie ist nicht unsere Mutter!", schrie Leon ihn an und wich weiter seinen Angriffen aus. ,,Mama würde nicht so reden! Sie würde dich nicht als Schild benutzen!" Fayt stieß ihn gegen einen Tisch. ,,Und sie würde nicht ihrem eigenen Sohn weh tun!", rief Leon weiter, während er etwas in den Tisch zu ritzen begann. Fayt stürmte los und holte nach ihm aus, doch Leon sprang zur Seite, rannte zu einem anderen Tisch und begann dort ebenfalls etwas einzuritzen. ,,Großer Bruder, was tust du da?!?", fragte Fayt verwirrt, während er auf Befehl Sloths erneut auf Leon zustürmte. ,,Da dein großer Bruder dich nicht berühren kann, versucht er eine Mutations-Zirkel zu zeichnen.", sagte Sloth. ,,Aber ich werde ihm nicht die Zeit dazu geben." Fayt schlug ihn zur Seite. ,,Bist du in Ordnung?", fragte Fayt besorgt. ,,Du musst gegen sie ankämpfen, Fayt!", schrie Leon, rannte zu dem Tisch, gegen den er zuerst geschlagen war, und packte ihn. ,,Jetzt!", schrie er. Fayt packte den anderen Tisch und stieß ihn in Richtung Leon, der den Tisch, den er selbst hielt, in Richtung Fayt stieß. Die beiden Tische, auf die Leon jeweils die Hälfte eines Mutations-Zirkels gemalt hatte, trafen sich in der Mitte und bildeten einen ganzen Mutations-Zirkel. Sloth schrie erschrocken auf, während Fayt und Leon auf den Tisch zustürmten. Fayt klammerte sich an dem Tisch fest, während Leon seine Hände auf den Zirkel auflegte. Sofort gefror Fayt mitsamt von Sloth, die in ihm saß, zu Eis.
Lust erbrach die letzten Reste an Roten Steinen, die sich in ihrem Körper befunden hatten, und blieb keuchend am Boden. ,,Das ist es doch, was wolltest, oder?", fragte Wrath, während er auf Lust zuschritt, ein Gewehr in seinen Händen. ,,Du wolltest ein Mensch werden, damit du mit ihm zusammen sterben kannst." ,,Ich wollte... sterben...?", wiederholte Lust keuchend, ihr Gesicht schweißnass. ,,Ist das so...? Wollte ich... sterben?" Sie dachte daran zurück, wie Scars Bruder sie damals erschaffen hatte und mit Schreck auf das unförmige Gebilde seiner missglückten Menschlichen Mutation gesehen hatte, das später Lust werden sollte. ,,Vielleicht hast du Recht. Woher komme ich und wohin werde ich gehen? Vielleicht ist es ja das... was ich all die Zeit wollte... Die Freiheit, es herauszufinden..." Wrath klatschte in die Hände und berührte das Gewehr in seinen Händen. Es verschmolz mit der Hand, die es hielt; die Hand wurde zu einem Dolch aus Stahl, mit dem Wrath Lusts Kopf von ihrem Körper abtrennte. Tot fiel der Rest des Körpers zu Boden. Wrath sah gedankenversunken zu Lusts Leiche hinab. ,,Ist es das, was es bedeutet, ein Mensch zu sein? Dass man sterben kann?", fragte sich Wrath. ,,Dann... Warum will ich dann so gern ein Mensch werden?" Er bemerkte Tucker, der, die seelenlose Nina in seinen Armen, wieder aus dem Keller gekommen war und ängstlich zitternd zu ihm sah. ,,Nun, kannst du mir nicht antworten!?!", blaffte Wrath ihn an. ,,Du warst doch einmal ein Mensch, richtig?!?" Lauthals kreischen rannte Tucker erneut in den Keller davon. ,,Mama...", murmelte Wrath und sah hinauf zur Decke. ,,Stimmt, das ist ein Grund zu leben... Mama zu beschützen..."
,,Fayt, tut mir Leid.", entschuldigte sich Leon beim eingefrorenen Fayt. ,,Nein, ich bin derjenige, dem es Leid tut.", sagte Fayt mit zittriger Stimme. ,,Hmm...", machte Leon und wandte sich zu dem Bereich um, in dem er Lust und Wrath zurückgelassen hatte. ,,Ich gehe besser mal und stelle sicher, dass Lust in Ordnung ist." ,,Nein, hör auf!", rief Fayt auf einmal und begann zu vibrieren. Leon wirbelte sofort wieder zu ihm herum. ,,Hilf mir, Fayton.", sprach Sloth mit leiser Stimme. ,,Es ist deine Verantwortung als mein Sohn." Sie hielt inne, dann sprach sie weiter: ,,Leonard, an diesem Tag, als ich erschaffen wurde, habe ich dich gesehen..."
Hoffnungsvoll hatte Leon damals als Zehnjähriger in dem vielen Rauch seine Hand nach der Kreatur im Mutations-Zirkel ausgestreckt, nur um mit Schrecken festzustellen, dass sich dort nur ein Bündel aus Nerven, Sehnen, Muskeln, einem Herz und einer Hand befanden hatte.


Nachdem Fayt den schwer verletzten Leon zu den Rockbells getragen hatte, war das Bündel, das einmal Sloth werden würde, aus dem Haus und durch die regennassen Felder gekrochen, wo sie schließlich auf Dante getroffen hatte, die damals noch im Körper der alten Frau gesteckt hatte. ,,Ohje, du armes Geschöpf.", hatte Dante zu ihr gesagt und sich zu ihr hinuntergebeugt. ,,Iss das hier." Sie hatte ihre mehrere Rote Steine hingehalten. Gierig hatte Sloth ihren einen Arm danach ausgestreckt und zu essen begonnen. ,,Ja, so ist es gut.", hatte Dante zufrieden gesagt. ,,Als ich hörte, dass sie gestorben ist, wusste ich, dass es so enden würde. Schließlich sind sie die Söhne von Hohenheim des Lichts."


Kurze Wochen später in Dantes Villa...
Sloth, die nun einigermaßen menschliche Gestalt angenommen hatte, hatte Envy gierig die Roten Steine aus der Hand gerissen und sie gefressen. ,,Nun, unser Monster fängt langsam an vorzeigbar auszusehen.", hatte Envy vergnügt gesagt. ,,Na, na, Envy, als du geboren wurdest, sahst du nicht besser aus.", hatte Dante, die in aller Ruhe ihren Tee getrunken hatte, ihn ermahnt.


Schlaflose Nächte hatten Sloth darauf geplagt, als sie ganz und gar wie ein Mensch ausgesehen hatte: Träume von einem Mann, der ging und nie mehr wieder kam... Von Kinder, die ihr fröhlich lachend durch Alchemie erschaffene Dinge zeigten... Ein Haus am Rande eines kleinen Dorfes...
,,Ich habe... Kinder gesehen...", hatte Sloth, die in ihrem Bett gelegen hatte, eines Nachts Dante, Pride, Lust, Gluttony und Envy erzählt, die um ihr Bett herum versammelt gewesen war. ,,Da war ein Landhaus... und ein Mann... Wäsche an einer Leine im Garten... Wir waren sehr glücklich dort... und auch sehr traurig. Was bedeutet das?" ,,Wenn du erst einmal ein Mensch bist, wirst du es wissen.", hatte Dante ihr erklärt. ,,Ein Mensch?", hatte Sloth fragend wiederholt. ,,Deswegen müssen wir auch den Ring der Alchemisten finden, Liebes. Damit du dein Leben beginnen kannst.", hatte Dante gesagt und hatte sich an Pride gewandt. ,,Ich denke, ich werde sie dir anvertrauen, Pride." ,,Es gibt da eine verstorbene Frau vom Militär, deren Aufzeichnungen ich bereits verändert hatte, um den Ishbal-Krieg zu erklären.", hatte Pride gesagt. ,,Vielleicht könnten wir diese Identität für sie nutzen." ,,Sehr gut nachgedacht.", hatte Dante ihn gelobt. ,,Deine wunderschöne Frau würde nur unnötig eifersüchtig sein, wenn du diesen kleinen Engel hier mit nach Hause bringen würdest." Sie hatte sich wieder zu Sloth umgewandt. ,,Richtig, Sloth? Ja, das wird ihre Rolle sein: Unsere Sloth."
Hitze stieg von Fayts Körper auf, während das Eis langsam schmolz. ,,Sie erschafft Hitze, indem sie ihre Zellen zum Vibrieren bringt!", rief Leon erschrocken. Langsam bäumte Fayt sich auf, und Sloth schoss aus dem Loch und umgab mit ihrem Wasserkörper Fayts Körper. ,,Bitte, Leonard...", flehte sie, während ihr Kopf aus dem Wassergebilde hervorschaute. ,,Hör endlich auf mit dieser dämlichen Mama-Nummer!", brüllte Leon zornig. ,,Du hast doch noch nicht einmal Erinnerungen!" ,,Doch, das habe ich.", widersprach Sloth traurig. ,,Was Lust gesagt hat, ist wahr. Vielleicht sind es einfach nur eure Gefühle und Wünsche, die in mein Wesen eingraviert worden sind. Aber eines steht fest, nämlich dass ich sie habe." ,,Du lügst!", schrie Leon. ,,Warum würdest du uns dann angreifen?!?" ,,Um frei zu sein...", antwortete Sloth, ließ von Fayt ab und nahm vor ihm Gestalt an. ,,Diese meine Erinnerungen sind die Antriebskraft in allem, was ich tue. Sie fühlen sich wie Ketten an.", sprach sie traurig weiter. ,,Ich erinnere mich daran, eine Mutter mit unendlicher Hingabe zu sein; jetzt habe ich keine. Es ist eine überglückliche Persönlichkeit, die mir aufgezwungen wurde, und ich habe nicht mehr länger die Energie, mich dagegen zu wehren." Leon sah zu Boden. ,,Das ist der Grund, warum ich töten muss: Damit ich beweisen kann, dass diese Identität falsch ist, denn keine richtige Mutter würde ihre eigenen Söhne töten." Sie sah zitternd zu Boden. ,,Solange ihr beiden Jungen am Leben seid, werden mich diese Erinnerungen quälen und versuchen, mich zu dieser Person zu machen. Sie stehen im Krieg mit meinem wahren Ich... und sie könnten gewinnen... Bald könnte es sogar soweit kommen, dass ich euch beide liebe... Und wie kann ich das bitteschön zulassen? Ich sollte euch auf immer und ewig dafür hassen, dass ihr mich erschaffen habt!" Sie ließ schlagartig ihre Hände zu Wasser werden und auf Leon zuschießen, der sich zu Boden fallen ließ, um dem Angriff zu entgehen. Schnell sprang er auf und rannte los, die Hände aus Wasser ihn immer wieder knapp verfehlend und stattdessen Kisten und Maschinen zertrümmernd. Schließlich wirbelte er herum, klatschte in die Hände und berührte den Boden, so dass Blöcke aus Stein daraus hervor schossen, die Leon vor den Angriffen Sloths beschützten. ,,Großer Bruder, was sollen wir bloß mit ihr tun?", rief Fayt verzweifelt. ,,Es ist genauso wie wir beide gesagt haben: Wir tragen die Verantwortung für sie!", schrie Fayt, ließ seinen Auto-Mail-Arm mit Hilfe von Alchemie zu einem Dolch werden, stürmte hinter den Blöcken aus Stein hervor, sprang in die Höhe und zerteilte Sloth mit dem Dolch. Sie zerfloss blitzschnell zu Wasser, tauchte neben Leon wieder auf und schlug weiter auf ihn ein. Verzweifelt blockte er ihre Angriffe ab und wurde langsam von ihr gegen eine Wand in die Enge getrieben. ,,Mama!!!", rief Wrath, der in eben diesem Moment den hinteren Teil der Fabrik erreicht hatte. Sloth sah verdutzt zu ihm. Blitzschnell reagierte Leon und stach ihr den Dolch ins Herz. Vergnügt sah sie zu Leon hinab. ,,Ich bin nicht eure Mutter.", sagte sie zu ihm. ,,Ich werde euch nicht in meine Arme nehm..." Doch sie brach erschrocken ab, als sich ein grelles Licht von der Wunde, die Leon mit seinem Dolch verursacht hatte, über ihren ganzen Körper ausbreitete und sie im nächsten Moment explodierte. Ihre Überreste aus Wasser regneten über Wrath und Fayt nieder. ,,Großer Bruder, was ist passiert?!?", fragte Fayt verwirrt. ,,Mama!", schrie Wrath entsetzt. ,,Ich habe meinen Auto-Mail-Arm zu Natrium mutiert, kurz bevor ich zugestochen habe.", sagte Leon mit Blick auf seinen nun wieder zerstörten Auto-Mail-Arm. ,,Die chemische Reaktion mit ihrem Wasserkörper hat sie zum Explodieren gebracht." ,,Mama! Nein!", weinte Wrath, der am Boden in der Pfütze aus Wasser kniete. ,,Hör schon auf!", fuhr Leon ihn an. ,,Sie ist niemandes Mutter!" ,,MAMAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!!!!", brüllte Wrath verzweifelt. Die Pfütze am Boden verformte sich schlagartig und nahm langsam die Gestalt Sloths an. ,,Dachtest du wirklich, ich sterbe so leicht?", sagte sie spöttisch zu Leon, der erschrocken zu ihr aufsah. ,,Du verstehst mich wirklich absolut nicht." ,,Mama!", rief Wrath glücklich. ,,Ich möchte, dass du draußen auf mich wartest, Wrath.", sagte Sloth zu ihm. ,,Nein, werde ich nicht tun! Ich will dich nie wieder verlieren!", rief Wrath, klatschte in die Hände und klammerte sich an sich. Es gab eine Lichtblitz, und im nächsten Moment standen Wrath und Sloth, ihre Körper zur Hälfte miteinander vereint, da. Wrath grinste boshaft, während Sloth geschockt dreinschaute. ,,Er hat sich mit ihr vereinigt: Kombinierte Homunculi!", rief Fayt, vollkommen sprachlos. ,,Wrath... du Narr...", keuchte Sloth mit schwacher Stimme. Verwirrt sah Wrath zu ihr auf. ,,Du solltest nicht so impulsiv sein, Wrath.", sagte Leon zu ihm. ,,Hast du schon vergessen, dass du die Urne in den deinen Körper absorbiert hast?" Wraths Augen weiteten sich vor Entsetzen. ,,Und nun da du, der die Urne in sich trägt, ein Teil von ihr bist, kann sie sich nicht bewegen. Ich kann mir einfach Zeit lassen, bevor ich sie in ein anderes Element mutiere." Er klatschte in die Hände und berührte mit seinem Auto-Mail-Stummel mehrere Metallteile der Maschinen, die Sloth zerstört hatte, so dass er einen notdürftig hergestellten Ersatz-Auto-Mail-Arm bekam. ,,Was meinst du damit?", fragte Fayt ihn. ,,Alchemie an einer lebenden Struktur? Du weißt doch gar nicht, wie man das macht!" ,,Ich habe es damals gelernt, als ich gegen Greed gekämpft hatte.", sagte Leon und erinnerte sich daran zurück, wie er damals Greeds Eisenkörper zu Fleisch hatte werden lassen. ,,Ich habe damals die chemische Zusammensetzung seines Körpers genutzt, um eine Schwachstelle zu erschaffen. Es ist absolut nicht so wie Kimbleys Technik, mit der man einfach nur ein paar Komponenten des Körpers manipuliert. Ich hatte es mit meiner Technik geschafft, Greeds gesamten Körper umzustrukturieren. Homunculi sind von ihrer Zusammensetzung besser als Menschen: Dies ist ihre Stärke und ihre Schwäche." Er klatschte in die Hände und berührte Sloth, woraufhin es einen Lichtblitz gab. ,,Mama?", fragte Wrath unsicher und sah dann zornig zu Leon. ,,Was hast du getan?!? Ich bring dich um, wenn du ihr weh tust!!!" ,,Geh weg von ihr, wenn dir dein Leben lieb ist.", sagte Leon zu ihm, während Sloth langsam gasförmigen Zustand annahm. ,,Mama?", fragte Wrath ängstlich. ,,Ich habe eine Reaktion ausgelöst, die anfängt, ihren flüssigen Körper in Ethanol umzuwandeln.", erklärte Leon. ,,Sie wird verdampfen, sich in Luft auflösen..."
Vergnügt sah Winry, die sich hinter einer Mauer versteckt hatte, dem Treiben zu.


Vorschau Kapitel 48: Letzte Vorbereitungen: ,,Mutter... Oberst... Fayt... Das ist der Weg, den ich gewählt habe..."