Samstag, 6. Oktober 2007

Tales of Alchemy Kapitel 36: Sünder

Das Militär hatte die Ishbaler Flüchtlinge im Slum vollkommen unter Kontrolle und zu einem Bahnhof gebracht, wo sie sie in einen Güterzug sperrten, der sie zu einem Camp bringen sollte. Doch es schien ein ziemlich großes Problem zu geben. ,,Dauert ja ziemlich lange, bis die losfahren, oder?", sagte Havoc mit Blick auf mehrere Arbeiter, die versuchten, Wasser von einem Wasserturm in den Güterzug zu pumpen, was jedoch nicht gelang, da das Rohr des Wassertanks verstopft zu sein schien. ,,Die Arbeiter geben aber ihr Bestes.", meinte Fury. ,,Das müsste die Abfahrt ein wenig verkürzen.", kicherte Fayt, der mit Leon, der den Wassertank mit Alchemie verstopft hatte, unter den Abteilen des Güterzuges her geschlichen war und schließlich ein Loch in die Unterseite des Abteils gemacht hatte, in denen sich die Ishbaler befanden. ,,Es spart ´ne Menge Zeit ein, nicht ins Südliche Camp gehen zu müssen.", sagte Leon erleichtert und wandte sich wieder den Ishbalern zu. ,,Also, was habt ihr genau getan?" ,,Wir haben gar nichts gemacht!", fauchte der Ishbaler Junge Rick. ,,Eure Freunde kamen vorbei und haben uns einfach so mal hierhin gezerrt.", beschwerte sich Lloyd. ,,Wie gemein...", meinte Fayt. ,,ihr habt euch schließlich in der Nähe eines Stadt befunden.", seufzte Leon. ,,Wenn ich euch dort niederlasst, macht ihr euch selbst zu einem leichten Ziel fürs Militär. Aber wie dem auch sei, Scar hat damals angedeutet, dass der richtige Ring der Alchemisten einst in Ishbal erschaffen worden war." ,,Wir suchen nach jemandem, der näher darüber Bescheid weiss.", erklärte Fayt den beiden Jungen. ,,Ihr beide wart doch Scars Freunde, richtig?" ,,Wir waren niemals mit diesem Kerl befreundet!", fuhr Lloyd ihn erbost an. ,,Und dem Militär haben wir auch nichts zu erzählen." ,,Wir wissen zwar nichts, aber der alte Mann, der im Slum in der Nähe der Stadt Kisshua lebt, könnte etwas wissen.", mischte sich der Anführer Ishbals ein. ,,Anführer!", rief Lloyd empört. ,,Diese zwei Kinder hier könnten euch den Weg dorthin zeigen.", sprach der Anführer unbeirrt weiter. ,,Wir beide sollen an solch einen Ort?", fragte Rick ängstlich. ,,Wie wäre es?", fragte der Anführer Leon. ,,Also bitten sie uns, dass wir wenigstens diese beiden Kinder hier befreien?", fragte Leon. ,,Großer Bruder, wenn wir Informationen erhalten wollen, müssen wir dafür auch etwas geben.", meinte Fayt. ,,Das Prinzip des Gleichwertigen Tausches.", sagte der Anführer. ,,Es gehört nicht zu unseren Lehren, aber wir haben keine andere Wahl." ,,Anführer...", begann Loyd erneut protestierend. ,,In Ordnung.", sagte Leon. ,,Und als kleines Extra gibt es noch eine kleine Dusche." Sekunden später funktionierte das Rohr am Wassertank wieder, und zwar so stark, dass die Arbeiter die Kontrolle darüber verloren und sich das Wasser über den ganzen Bahnhof ergoss. ,,Lasst sie sofort raus! Sie werden noch überschwemmt!", befahl Havoc mehreren Soldaten, die sofort den Zug öffneten, ausdem eine Unmenge Wasser und Ishbaler schossen. ,,Gehen wir.", sagte Leon, der die Verwirrung nutzte und mit Fayt, Rick und Lloyd losrannte. Doch weit kam er nicht, denn er rannte in den völlig verdatterten Fury hinein, dem er einen Schlag ins Gesicht verpasste, der ihn zu Boden beförderte. ,,Sorry.", entschuldigte sich Leon und wollte gerade weitergehen, als mehrere Soldaten angestürmt kamen. ,,Leon! Fayt! Hier drauf!", rief Winry auf einmal. Die Jungen wirbelten herum und erblickten Winry, die mit einer Art Mini-Traktor angerast kam und vor ihnen stehen blieb. ,,Winry, hast du das etwa gestohlen?", rief Fayt entrüstet. ,,Das hättest du nicht tun sollen!" ,,Nix da mit Stehlen!", fauchte Winry beleidigt. ,,Der Besitzer hat mir gesagt, ich könnte ihn behalten, wenn ich ihn reparieren kann. Was glaubt ihr eigentlich, wer ich bin?" ,,Hey, ihr!", brüllte Havoc, der dazukam. Schnell sprangen Leon, Fayt, Rick und Lloyd auf den Traktor. ,,Volle Kraft voraus!", rief Winry, als eine Klappe zurückfiel, die den Motor preisgab, und Leon auf den Kopf schlug. Und zwei Sekunden später raste der Traktor mit voller Geschwindigkeit - sogar noch schneller als ein Auto - davon, mehrere verdutzte Soldaten und Havoc zurück lassend.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

,,Kisshua... Das liegt doch westlich von hier, oder?", sagte Winry, während sie auf den Eisenbahnschienen entlangfuhren. ,,Da werden wir ganz schnell da sein." ,,Das erspart uns eine Menge Ärger, nicht wahr, großer Bruder?", sagte Fayt vergnügt. ,,Winry, wie lange willst du eigentlich noch mit uns umherziehen?", fragte Leon Winry. ,,Was willst du mir damit sagen, oh, Junge dem es an Größe fehlt?", fragte Winry herausfordernd. ,,Du meinst wohl Junge, der nicht gerne Mädchen schlägt!", fauchte Leon. Winry kicherte vergnügt. ,,Wie auch immer, geh endlich nach Hause.", grummelte Leon. ,,Wenn ich nicht da bin, wer wird dann deinen Auto-Mail reparieren?", konterte Winry. ,,Für mich ist es auch schwer, wenn du in der Nähe bist, Winry.", meinte Fayt. ,,Dieser Arm und dieses Bein... selbst wenn ich sie diesem Homunculus abreißen muss, ich will sie meinen großen Bruder zurückgeben. Aber ich konnte es damals nicht tun, weil Winry in der Nähe war." ,,Du hättest es auch dann nicht tun können, wenn ich nicht dabei gewesen wäre.", meinte Winry. ,,Ja, Fayt bringt so was nicht übers Herz.", stimmte Leon zu. ,,Aber ich kann es, wenn es uns hilft, unser Ziel zu erreichen." ,,Großer Bruder...", begann Fayt. ,,Jemand hat mir einst erzählt, dass ein Mensch einen anderen Menschen ganz leicht umbringen kann.", sagte Leon und dachte an Barry the Butcher zurück. ,,Auch wenn ich es nicht gewollt habe, habe ich den Alchemisten Majhal dennoch im Kampf getötet." Er erinnerte sich zurück, wie er Majhal vor mehreren Jahren das Schwert aus der Hand geschlagen hatte, das dann in die Höhe geschossen war, zurückgekehrt war und Majhals Herz durchbohrt hatte. ,,Das war ein Unfall!", wandte Fayt ein. ,,Du hattest versucht, ein unschuldiges Mädchen zu retten!" ,,In Labor 5 hätte ich beinahe mehrere Sträflinge umgebracht.", erinnerte sich Leon. ,,Verglichen mit deinem Körper war ihr Leben nichts... das dachte ich zu der Zeit." ,,Aber du konntest es nicht tun.", sagte Fayt. ,,Und dann Scar...", seufzte Leon traurig. ,,Wenn er sich mir noch einmal in den Weg stellt, werde ich ihn wie Greed..." ,,Ihn töten?", fragte Lloyd. Leon sah zu ihm. ,,Wirst du ihn dann töten?", fragte Lloyd erneut. ,,Aber diese Person ist...", begann Rick. ,,Dieser Verräter sollte getötet werden!", schrie Lloyd. ,,Wie dem auch sei, es wird immer gefährlicher werden.", sagte Leon. ,,Wenn ein Hindernis wie du, Winry, dabei ist, wird es nur noch schwieriger." Sie hörten einen Pfiff gellen, sahen auf, und erblickten einen Zug, der genau auf sie zu kam. ,,Winry!", rief Leon sofort. ,,Sag mir, ob ich jetzt immer noch ein Hindernis bin!", rief Winry und steuerte weiter auf den Zug zu. Leon, Fayt, Rick und Lloyd kreischten panisch auf, doch Winry riss das Lenkrad im letzten Moment herum, so dass sie abbogen, am Zug vorbeifuhren und schließlich wieder auf den Gleisen landeten, die Jungen völlig fertig mit den Nerven.


Nachdem sie im Slum angekommen waren und den Traktor unter eine Abdeckplane versteckt hatten, sahen sie sich, hinter einem Müllberg versteckt, im Slum um, das vollkommen zerstört war: Die Zelte verbrannt, überall Einschlagskrater, notdürftig errichtete Unterkünfte für die noch im Slum verweilenden Soldaten, und Zäune, die sich quer durch das Slum hindurchzogen. ,,Es ist wie im Krieg.", sagte Fayt bedrückt. ,,Fayt, du hast noch nie zuvor Krieg gesehen.", erinnerte Leon ihn kopfschüttelnd. ,,Ich habe es aber... wir beide...", stammelte Rick und schluckte schwer. ,,Diese Leute hier sind wie die, die an dem Tag kamen, als Mama starb. Die Soldaten umzingelt die Stadt. Ich hatte ihnen nichts getan... und dennoch... Und dennoch..." Er sah vor seinen Augen Feuer aufzüngeln, bewaffnete Soldaten in ihr Haus stürmen. ,,Warum haben sie...?!?" Er begann zu schreien. ,,Mama! Mama!!!" ,,Rick, hör auf!", rief Lloyd und verpasste ihm eine Ohrfeige, um ihn aus seinem Schockzustand herauszureißen. ,,Du musst aufhören.", sagte er zu seinem kleinen Bruder.
Sie schlichen weiter durch das Slum, bis sie die immer noch stehende Hütte des alten Ishbalers erreichten, der ihnen angeblich Informationen geben konnte. Leon und Fayt rannten los, stutzten aber, als Rick und Lloyd widerwillig sitzen blieben. ,,Was ist los?", fragte Leon die beiden Ishbaler Jungen. ,,Ich will nicht zu so einem unreinen Ort gehen.", sagte Lloyd stur. ,,Dann pass du bitte auf die beiden auf, Winry.", sagte Leon zu Winry, die nickte. Leon und Fayt schlichen weiter und betraten schließlich die Hütte. ,,Entschuldigen Sie die Störung.", sagte Leon beim Eintreten. Niemand war da. ,,Großer Bruder, schau mal.", sagte Fayt. Leon erstarrte, als er das Zeichen an der Wand sah, auf das Fayt deutete. ,,Das ist...", begann er. ,,Das ist dasselbe Zeichen wie das, das Scar auf seinem rechten Arm trägt.", sagte Fayt. ,,Dieses Zeichen diente auch als Mutations-Zirkel in Labor 5.", erinnerte sich Leon. Ein Patronenkugel schoss ganz knapp an seinem Ohr vorbei. ,,Sofort rauskommen!", hörten sie Hawkeye von draußen her rufen. ,,Lieutenant, schießen Sie nicht einfach so!", fuhr Leon Hawkeye an und rannte zornig mit Fayt aus dem Zelt. ,,Ich wusste, dass ihr dem Schuss ausweichen könnt.", sagte Hawkeye und reichte Breda, der neben ihr stand, das Gewehr. ,,Wenn Sie wussten, dass wir es sind, hätten Sie überhaupt nicht schießen müssen!", zickte Leon los. ,,Das war für den Schlag ins Gesicht, den Sergeant Fury von euch verpasst bekommen hat.", erklärte Hawkeye schlicht. Schuldbewusst sahen die beiden Brüder zu Boden. Hawkeye und Breda nahmen die beiden mit in eine Militärunterkunft.
,,Ist schon in Ordnung.", sagte Winry zu den beiden besorgt dreinschauenden Ishbaler Kindern. ,,Warten wir hier auf Leon, in Ordnung?"
,,Was ist mit dem Oberst?", fragte Leon, nachdem er sich auf einen ziemlich unbequemen Holzstuhl gesetzt hatte. ,,Er ist mit Warrant Officer Farman nach Central City zurückgekehrt.", antwortete Breda, während Hawkeye mehrere Berichte durchflog. ,,Mann, der hatte es aber eilig schnell abzuhauen, nachdem er einen auf stark und unbesiegbar gemacht hatte.", spottete Leon. ,,Waren die Hanldungen des Obersts gegen die Ishbaler der Grund dafür, dass du den Zug angegriffen hast?", fragte Hawkeye Leon. ,,Nein, aber die Ishbaler wollen keinen neuen Krieg anfangen.", antwortete Fayt anstelle von Leon. ,,Es gibt also keinen Grund, sie gewaltsam an einen Ort zu bringen, wo man sie überwachen kann." ,,Bitte versteht das nicht falsch, ihr beiden.", sagte Hawkeye. ,,Es gab keine Tote unter den Ishbalern. Aber dafür ist ein früherer Soldat namens Yoki gestorben. Ich glaube, ihr kanntet ihn." ,,Yoki? Dieser alte Sack ist gestorben?", fragte Leon verdutzt. ,,Jemand von Seiten der Ishbaler hat auf ihn geschossen.", erklärte Hawkeye. ,,Daraufhin ist die Anspannung zwischen beiden Seiten immer weiter gestiegen..." Sie erinnerte sich zurück, wie Roy in die Finger geschnippt und die Ishbaler in einer Wand aus Feuer eingeschlossen hatte. ,,Der Oberst hat sich vor uns gestellt und seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, und hat so ihren Willen zum Kampf gebrochen. Hätte er das nicht getan, wären noch mehr Menschen gestorben." ,,Tse, so was von typisch fürs Militär.", höhnte Leon. ,,Hast du was gegen das Militär?", raunzte Breda. ,,Du bist doch schließlich auch Teil davon, oder?" Leon sah zur Seite. ,,Wir haben entschlossen, dass die meisten der Ishbaler ins Südliche Camp gebracht werden.", sagte Hawkeye. ,,Aber die Person, die das Feuer eröffnet hat, muss gefunden und bestraft werden. Aus diesem Grund haben wir mehrere Verdächtige hier im Slum behalten. ,,Befindet sich auch ein sehr alter Mann unter ihnen?", fragte Fayt. ,,Ich meine den alten Mann, der in der Hütte gelebt hat, in der Sie uns gefunden haben."
Breda brachte sie zu einem Bereich, der mit Zäunen und Dutzenden von Schlössern abgeriegelt war. ,,Ziemlich viel Sicherheitsvorkehrungen hier.", sagte Leon mit Blick auf die vielen bewaffneten Soldaten, die um den Zaun herum standen. ,,Ist er besonders verdächtig, oder wie?" ,,Nein, dieser alte Mann ist nicht verdächtig, wir beschützen ihn.", erklärte Breda. ,,Beschützen?", wiederholte Leon verdutzt. Breda sah zu einem Zelt hinter ihnen, wo mehrere Ishbaler gefesselt und bewacht am Boden saßen. ,,Das sind die verdächtigen Ishbaler, die arrestiert worden sind, richtig?", fragte Fayt. ,,Diese Ishbaler haben den alten Mann angegriffen und ihn "Ketzer" und "Verbannter" beschimpft.", sagte Breda. ,,Anscheinend erkennen sie ihn nicht als Ishbaler an." ,,Wie absurd!", rief Fayt aufgebracht. ,,Die Ishbaler mussten all die Jahre mit Vorurteilen leben, und trotzdem gibt es unter ihnen selbst Vorurteile?"
,,Verbannte? Was sind das für Menschen?", fragte Winry die beiden Ishbaler Jungen. ,,Sie sind unrein.", antwortete Rick. ,,Es sind Menschen, die sich gegen Ishbalas Lehren wenden.", sagte Lloyd. ,,Es befanden sich Zeichen auf dem Gesicht dieses alten Mannes, Zeichen eines Verbannten." ,,Wie genau verstoßen sie gegen die Lehren?", fragte Winry. ,,Mutter hat es uns erzählt.", sagte Lloyd. ,,Sie sagte, ,,glaubt an unseren Gott Ishbala, oder ihr werdet verbannt".", sagte Rick. ,,Aber ich wusste nicht, dass diese Person auch ein Verbannter ist..." ,,Diese Person...?", wiederholte Winry fragend. ,,Der, den ihr Scar nennt, er ist ein Verbannter!", fauchte Lloyd. ,,Ein Verräter..." Winry sah die beiden traurig zu Boden schauenden Jungen eine Weile an, dann fragte sie: ,,Was für eine Person war eure Mama?" ,,Ähm, weißt du... sie war richtig nett.", sagte Rick und strahlte bei seinen Erinnerungen. ,,Obwohl sie schlechte Augen hatte, hat sie im Krankenhaus gearbeitet und allen geholfen." ,,Krankenhaus?", wiederholte Winry erschrocken.
,,Der Ring der Alchemisten, wie?", sagte der alte, verbannte Ishbaler, der in einem Bett in einem Zelt lag, zu Leon und Fayt. ,,Das ist bereits das dritte Mal, dass mich jemand danach fragt." ,,Das dritte Mal?", wiederholte Fayt verwundert. ,,Einmal der Mann mit der Narbe... und vor langer Zeit sein großer Bruder.", erklärte der Ishbaler. ,,Scar und sein großer Bruder also.", murmelte Leon. ,,Hat Scars großer Bruder es geschafft, den Ring der Alchemisten zu erschaffen?" ,,Nein, er hat ihn nicht erschaffen.", antwortete der Ishbaler. ,,Der junge Mann war zu nett dafür." ,,Aber warum wissen Sie vom Ring der Alchemisten?", fragte Fayt. ,,Sie sind ein Einwohner Ishbals, richtig?" ,,Ich bin ein Verbannter, da ich die Große Kunst praktiziert habe.", erklärte der Ishbaler. ,,Die Große Kunst?", wiederholte Leon verdutzt. ,,Die Ishbaler haben ein altes Geheimnis, das die Große Kunst genannt wird, deren Geheimnis seit Jahrhunderten weitergegeben wurde.", erklärte der Ishbaler. ,,Durch dieses Geheimnis lebten wir in Wohlstand, doch eines Tages wurde dieses Geheimnis versiegelt. Danach wurde es als Tabu betrachtet. Diejenigen, die diese Große Kunst, das Geheimnis Ishbals, praktizierten, wurden zu Verbannten, und ihnen war es nicht länger erlaubt, im Heimatland zu leben." Er seufzte. ,,Die Große Kunst verändert nach Belieben die Form eines Objekts. Deswegen war es als etwas angesehen, das gegen den Willen Gottes verstößt." ,,Die Große Kunst... ist Alchemie?", rief Fayt erstaunt. ,,Unmöglich!", rief Leon sofort. ,,Das ist unmöglich." ,,Da wir in der Wüste gelebt haben und es uns an moderner Technik gefehlt hat, denkt ihr natürlich, dass es unmöglich für uns ist, über die Alchemie Bescheid zu wissen.", sagte der Ishbaler lächelnd. ,,Das denkt ihr doch, nicht wahr?" Leon sah zur Seite. ,,Es gibt keinen Grund beschämt zu sein.", fuhr der Ishbaler fort. ,,Es ist für beide Seiten hart zu glauben, dass die, die doch so anders sind, im Grunde doch genau wie wir sind." ,,Könnten Sie uns bitte die Methode lehren, mit der man den Ring der Alchemisten erschafft?", bat Fayt. ,,Das wollt ihr bestimmt nicht.", antwortete der Ishbaler. ,,Wieso nicht?", fragte Fayt. ,,Es scheint, dass sich die beiden Theorien - die Theorie der modernen Welt und die Theorie der Ishbaler - nicht besonders viel unterscheiden. Nur die Zahl der menschlichen Opfer ist eine andere." ,,Menschliche Opfer?", wiederholte Leon erschrocken.
Es war in Lior City, der Stadt, in der einst der boshafte Hohepriester Conero gelebt hatte. Scar wanderte durch die Stadt, einen großen Felsen hinter sich her ziehend, der Linien in den Boden machte.
,,Wenn eine Stadt oder ein Land untergeht, gibt es Tausende oder Zehntausende von Menschen, die dabei sterben.", erzählte der Ishbaler. ,,Wenn jemand diese Menschen - menschliche Opfer - mitsamt deren Verzweiflung in sich absorbiert, entsteht der Ring der Alchemisten." ,,Das ist eine nur noch brutalere Version unserer Methode.", fauchte Leon. ,,Davon wollen wir nichts wissen." ,,Und was ist mit Scar?", fragte Fayt. ,,Er sagte, er würde den Ring der Alchemisten erschaffen.", antwortete der Ishbaler.
,,Warum hast du meinem großen Bruder so etwas gelehrt!?!", hatte Scar damals gebrüllt und den alten Ishbaler am Kragen gepackt. ,,Er wollte nur eine geliebte Person ins Leben zurückholen. Und aus diesem Grund ist Ishbal untergangen, und die Bewohner wurden als menschliche Opfer genutzt! Mein großer Bruder hat sich selbst verurteilt! Er sagte mir, dass er es war, der das Desaster herbeigeführt hatte, das Ishbal den Untergang gebracht hat." ,,Komm schnell mit!", hatte Rick gerufen, der ängstlich mit Lloyd ins Zelt gestürmt war.
Sie waren durch das Slum geschlichen und hatten sich hinter einem Müllberg versteckt, wo sie beobachtet hatten, wie das Militär im Slum einmarschiert war. Scar hatte auf sie losgehen wollen, doch Rick hatte ihn festgehalten. ,,So viele auf einmal kannst du nicht schlagen.", hatte er Scar gewarnt. ,,Grrr!", hatte Scar gefaucht. ,,Wird es sich also wiederholen? Werden die Bewohner Ishbals nie ewigen Frieden finden!?!" Er war erschrocken. ,,Wenn ich Macht erhalten kann, gegen die sie nichts ausrichten können...", hatte er gemurmelt. ,,Der Ring der Alchemisten..." ,,Wirst du also ein Verbannter sein?", hatte der alte Ishbaler gefragt. ,,Ich war von Anfang an ein Verbannter gewesen.", hatte Scar geantwortet und seinen rechten Arm hochgehoben. ,,Es stecken Tausende von Leben in diesem rechten Arm!" ,,Ein Verbannter... eine unreine Person...", hatte Rick erschrocken gestammelt und war mit Lloyd vor Scar zurückgewichen. Scar war losgezogen. ,,Selbst wenn du Schmerzen hast, kannst du noch schlafen. Aber wenn du Schmerzen zufügst, kannst du nie wieder schlafen.", hatte einst der Anführer Ishbals zu ihm gesagt. ,,Dann werde ich von diesem Tag an nie wieder schlafen.", hatte Scar gesagt.
,,Seid ihr sicher, dass eure Mutter "Rockbell" gesagt hat?", fragte Winry noch einmal die beiden Ishbaler Jungen. ,,Ja, hat sie.", antwortete Lloyd. ,,Da war diese weibliche Ärztin, die richtig furchterregend sein konnte und uns immer Süssigkeiten gegeben hat.", erinnerte sich Rick. ,,Das Pärchen hat jedem geholfen - ob es nun Soldaten von ihrer Seite oder Ishbaler waren.", sagte Lloyd. ,,Und doch... es war nicht fair, dass sie umgebracht worden waren." ,,Und sie wurden... von einem Nationalen Alchemist ermordet?", fragte Winry, vollkommen erstarrt vor Entsetzen. ,,Ich hab gehört, ein Nationaler Alchemist, der durch Fingerschnippen Feuer entfachen konnte, hat das Pärchen umgebracht.", erzählte Lloyd. ,,Mama hat damals geweint, weißt du noch?", sagte Rick. Weinend rannte Winry davon. ,,Hey, warte!", rief Rick ihr verdutzt hinterher, doch sie hörte nicht auf ihn.
,,Er hatte keine Brandwunden?", wiederholte Leon, zurück in der Militärunterkunft, verdutzt. ,,Ja.", sagte Hawkeye nickend und legte ihnen Bilder des toten Yoki vor, auf denen deutlich die Schusswunden zu sehen waren. ,,Wenn es eine Pistole gewesen wären, sollte es Schmauchspuren in der Nähe der Wunde geben, aber wir konnten keine finden." ,,Großer Bruder, das bedeutet...", begann Fayt. ,,In Central City befindet sich doch ein gewisser Lieutenant Oberst Archer, richtig?", sagte Leon zu Hawkeye. ,,Er verfolgt die Homunculi." ,,Homunculi?", wiederholte Hawkeye fragend. ,,Unter diesen Homunculi gibt es eine Frau, die ihre spitzen Nägel unendlich verlängern kann.", erklärte Fayt. ,,Sie könnte die Wunden verursacht haben. Es kann aber auch ein anderer Homunculus gewesen sein. Jeder von ihnen hat eine Fähigkeit, mit der er Yoki so hätte zurichten können." ,,Lieutenant Oberst Archer und Major Armstrong können das bestätigen.", sagte Leon. ,,Yoki wurde nicht von einem Ishbaler umgebracht." ,,Nun, wir können nicht einfach die Warnung eines Nationalen Achemisten ignorieren, oder?", sagte Hawkeye lächelnd. Sie verließen die Einrichtung und erblickten draußen Rick, Lloyd und Winry, die mit mehreren Soldaten rangen, die sie festnehmen wollten. ,,Winry, was...?", begann Leon verdutzt.


Zehn Minuten später hatten Leon und Fayt es geschafft, dass Rick Lloyd und Winry freigelassen wurden. ,,Rick, Lloyd, ihr dürft hin, wo immer ihr wollt.", sagte Leon zu den beiden Ishbaler Jungen. ,,Und es wird auch keiner von denen, die hier zurückgeblieben sind, bestraft." ,,Sie werden jedoch trotzdem zum Camp nachgeschickt.", fügte Fayt hinzu. ,,Wenn ihr wollt, könnt ihr beide ja in Rizenbul leben.", schlug Leon vor. ,,Nein, wir gehen auch ins Camp.", entgegnete Lloyd. ,,Ich verstehe.", sagte Leon. ,,Und wohin gehen du und Fayt?", fragte Rick Leon. ,,Wir werden Scar verfolgen.", antwortete Leon ernst. ,,Ansonsten wird es sehr große Probleme geben.", fügte Fayt hinzu. ,,Werdet ihr ihn töten?", fragte Rick. ,,W-Warum?", fragte Leon, geschockt von Ricks Frage. ,,Weil er ein Verbannter ist, er ist unrein! Deshalb!", fauchte Lloyd. ,,Wir wollen ihn aufhalten.", sagte Leon. ,,Weil wir genau wie er Alchemisten... nein, genau wie er Menschen sind. Wir werden niemanden töten und wir wollen nicht, dass er jemanden tötet." ,,Lügner! Wir wissen genau, dass du Ishbaler hasst!" Leon hielt ihm seine Faust aus Metall vors Gesicht. ,,Hast du Angst?", fragte er ihn. ,,Nein, hab ich nicht!", rief Lloyd, schluckte jedoch schwer. ,,Nein? Nun, ich hab ziemliche Angst vor euren roten Augen.", meinte Leon. ,,Scar war die erste Person aus Ishbal, der ich je begegnet bin, deswegen habe ich Angst vor dieser Augenfarbe. Aber es gibt Zeiten, in denen uns unsere Emotionen täuschen. Was euer Vater und eure Mutter gesagt haben, ist vielleicht falsch. Deswegen müssen wir die Antworten selbst finden." Lloyd und Rick sahen zu Boden. ,,Also, Winry, wird Zeit zum Aufbrechen.", sagte Leon zu Winry. ,,Ich komme nicht mit. Ich gehe nach Central City.", sagte sie. ,,Was?", fragte Leon verdutzt. ,,Miss Hawkeye, könnten Sie mich mitnehmen?", bat Winry Hawkeye. ,,Ich möchte Hughes und Elysea besuchen." ,,J-Ja.", entgegnete Hawkeye und verbannte ihre Traurigkeit, die bei der Erwähnng von Hughes in ihr aufgekommen war. ,,Winry, ist irgendwas passiert?", fragte Fayt. Winry schüttelte den Kopf und lächelte.


Am späten Mittag fuhr der Zug nach Central City los. ,,So, dann geht´s jetzt auf nach Ishbal.", sagte Leon, der mit Fayt im Mini-Traktor saß und dem Zug nachsah. ,,Es wäre gut, wenn es Scar nicht gelingen würde, den Ring der Alchemisten herzustellen.", meinte Fayt. ,,Ja.", stimmte Leon zu. ,,Ist schon komisch, oder? Dass ich mir das wünsche, meine ich." Er sah zum Steuerpult des Traktors. ,,Wofür das wohl gut ist?", fragte er sich und legte einen kleinen Hebel um. Sofort raste der Traktor mit Höchstgeschwindigkeit los, was Leon und Fayt lauthals loskreischen ließ.
Hawkeye saß mit Winry in einem Abteil und säuberte ihre Pistole. ,,Mrs. Lieutenant?", fragte Winry auf einmal. ,,Nenn mich Relena.", sagte Hawkeye. ,,Relena, haben Sie schon mal jemanden erschossen?", fragte Winry. ,,Ja, habe ich... sehr oft sogar.", antwortete Hawkeye traurig. ,,Wissen Sie von den Ärzten namens Rockbell?", fragte Winry und ließ den Kopf hängen. ,,Ja.", antwortete Hawkeye. ,,Ich weiss nicht, was genau du darüber weißt, aber es gibt Zeiten, in denen ein Soldat das Leben anderer nehmen muss, auch wenn es ein absurder Befehl eines Vorgesetzten ist. Deswegen mag ich Soldaten nicht besonders gern." ,,Aber Sie sind doch im Militär.", wandte Winry ein. ,,Ich bin im Militär, weil es eine wichtige Person gibt, die ich beschützen muss.", erklärte Hawkeye. ,,Ich wurde von niemandem beeinflusst, dies zu denken. Es war meine eigene Entscheidung. Ich schieße aus eigenem Willen, zum Wohle dieser einen Person, die ich beschützen muss. Bis ich dieses Ziel erreicht habe, werde ich so oft Menschen erschießen, wie es sein muss." ,,Was ist, wenn es diese Person nicht wert ist, dass man sie beschützt?", fragte Winry. ,,Das entscheide ich selbst.", entgegnete Hawkeye.


Es war in der Nacht in dem Restaurant, in dem Envy den Besitzer umgebracht hatte. ,,Dies hier ist Wrath, der siebte von uns.", stellte Sloth Wrath vor. ,,Wrath?", wiederholte Gluttony und grinste fröhlich. ,,Schön dich kennenzulernen, Wrath.", sagte Lust lächelnd. Wrath nickte grinsend. ,,Ich will, dass ihr die Elric-Brüder verfolgt.", sagte Sloth. ,,Hast du nicht erst gestern gesagt, dass du nicht mehr länger willst, dass sie nach dem Ring der Alchemisten suchen?", fragte Lust. ,,Die beiden Brüder brechen nach Ishbal auf.", sagte Sloth nur. ,,Ich verstehe.", sagte Lust und schärfte ihre Nägel an einer Wand. ,,Wenn sie erfahren, was wirklich damals an diesem Ort geschehen ist, werden sie sowieso nicht mehr den Ring der Alchemisten erschaffen wollen.", seufzte Sloth. ,,Es wird ab jetzt viel schwieriger für uns, einfach so herumzureisen.", meinte Lust. ,,Diese beiden Kinder werden immer mehr und mehr zu einer Bedrohung für uns." ,,Und sie haben keinen Nutzen mehr, da sie den Ring der Alchemisten nicht mehr erschaffen wollen.", fügte Sloth hinzu. ,,Kann ich sie also essen?", fragte Gluttony und sah hoffnungsvoll auf. ,,Das wäre wohl besser.", sagte Sloth nickend. ,,Wenn wir die derzeitigen Umstände in Betracht ziehen, wäre es wohl das Beste, sie einfach umzubringen." Gluttony grinste und begann vor Vorfreude zu sabbern.


Entsetzt starrte Winry, die bei der Familie Hughes in Central City angekommen war, auf den Altar im Wohnzimmer, den Glacier zu Ehren ihres toten Mannes errichtet hatte. ,,Tut mir Leid.", entschuldigte sich Winry, Tränen in den Augen. ,,Ich wusste nicht, was passiert war." ,,"Ich werde ihn bis zur Spitze bringen". Das waren die Worte meines Mannes.", sagte Glacier. ,,Er sagte, er wolle Mustang zum Führer machen." Winry ballte ihre Hände zu Fäusten. ,,Das kann nicht sein...", sagte sie mit erstickter Stimme. ,,Ich frage mich, ob er einen Teil davon geschafft hat...", seufzte Glacier. ,,Das ist... Das ist...", stammelte Winry und starrte zittern und weinend auf ein Bild, das Hughes und Roy Arm in Arm zeigte, beide fröhlich lächelnd, nicht wissend, dass einer von ihnen in der Zukunft nicht mehr sein würde.


Vorschau Kapitel 37: Die Abenteuer des Roy Mustang: Was treibt eigentlich ein Oberst den ganzen Tag? Wie ist der Alltag von Roys Truppe im Militär? Dies und noch mehr im nächsten Kapitel.^^