Freitag, 12. Oktober 2007

Tales of Alchemy Kapitel 38: Streit

Winry stand vor Hughes´ Grab, auf das sie Blumen in allen erdenklichen Farbe gelegt hatte. ,,Nun, Mr. Hughes... hier bin ich wieder.", sagte sie und versuchte zu lächeln, bekam es aber vor Trauer nicht in. Jemand näherte sich. Sie wandte sich um und erkannte Scieszka, die, selbst mit Blumen in de Händen, zu Hughes´ Grab wanderte.
Der Traktor, mit dem Leon und Fayt durch die Gegend gedüst waren, um nach Ishbal zu kommen, war am Ende gegen eine Felswand geknallt und reif für den Schrottplatz. ,,Verdammt, Winry hätte das Teil auch nicht unbedingt so einstellen müssen, dass es nur mit der hohen Geschwindigkeit fährt.", fauchte Leon und trat gegen den Traktor, der daraufhin explodierte.


,,Was machen wir jetzt?", fragte Fayt wenige Minuten später, während sie durch die knochentrockene Steppe wanderten. ,,Es ist immer noch ein weiter Weg bis nach Ishbal." ,,Was glaubst du wohl? Wir laufen.", grummelte Leon, der durch die Explosion eine Atze Schröder-Frisur verpasst bekommen hatte. ,,Was?!?", rief Fayt ungläubig und blieb stehen. ,,Das ist unmöglich. Ich meine, für mich ist das kein Problem, aber du wirst das auf keinen Fall schaffen." ,,Was schlägst du dann vor?", fragte Leon, leicht gereizt aufgrund seiner unfreiwilligen neuen Frisur. ,,Es gibt keine Züge nach Ishbal, und die Straßen dorthin sind damals versiegelt worden. Und das Militär können wir auch nicht bitten, uns an diesen Ort zu bringen." ,,Das ist schon wahr, aber...", begann Fayt. ,,Gehen wir einfach.", unterbrach Leon ihn. ,,Wir kommen Ishbal nicht näher, wenn wir nur hier rumstehen." Er ging weiter. ,,Mann, er sollte wirklich ein bisschen mehr vorausplanen.", seufzte Fayt und folgte Leon.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth." (Auszug: Buch der Alchemie)

Wenige Stunden später erreichten sie eine große, idyllische Stadt. ,,Siehst du! Ist doch alles in Ordnung", sagte Leon zufrieden. ,,Wir sind doch nur in irgendeiner Stadt...", sagte Fayt unbeeindruckt. ,,In einer so großen Stadt wie dieser, finden wir bestimmt ein Auto oder so was in der Art.", meinte Leon. ,,Das wird aber nicht klappen! Man würde Kindern wie uns nie ein Auto verkaufen.", wandte Fayt ein. ,,Nun, wir werden ja schon sehen.", fauchte Leon. ,,Großer Bruder, du solltest wirklich nicht so spontan sein.", sagte Fayt. ,,Ein klein wenig vorauszuplanen könnte auch nicht schaden." ,,Ich plane voraus.", entgegnete Leon. ,,Nein, tust du nicht!", beharrte Fayt. ,,Was wir vorhaben ist..." ,,Hä?", machte Leon, da Fayt innegehalten hatte. ,,Was?" Fayt sah zur Seite und fragte: ,,Tun wir wirklich das Richtige? Ich verstehe, dass wir Scar aufhalten müssen, aber der Grund für unsere Reise war immer, unsere alten Körper zurückzuerhalten. Dann..." ,,Dann was?", unterbrach Leon ihn aufgebracht. ,,Ich weiss nicht...", seufzte Fayt. ,,Aber vielleicht sollten wir uns vor Scar lieber um die Homunculi kümmern." ,,Fayt! Weißt du überhaupt, was du da sagst!?!", schrie Leon auf einmal zornig los. ,,Was ist damit sagen will, ist, dass es vielleicht eine andere Möglichkeit gibt.", versuchte Fayt zu erklären. ,,Nein, ich verstehe dich nicht.", sagte Leon und wandte sich von Fayt ab. ,,Wie dem auch sei, wir sollten noch einmal alles genau durchdenken, bevor wir...", begann Fayt. ,,Sei ruhig! Du denkst lieber vorher noch mal nach!", schrie Leon, klatschte in die Hände und berührte den Boden. Eine Hand aus Stein schoss daraus hervor und hielt Fayt eisern fest. ,,W-Was tust du da?!?", rief Fayt erschrocken. ,,Du weißt halt nicht, wann du lieber den Mund halten solltest.", fauchte Leon. ,,Das ist gemein! Nimm das!", zickte Fayt und malte schnell mit Kreide einen Mutations-Zirkel, den er berührte. Mehrere Steinfiguren schossen aus dem Boden, die Leon mit eiskalten Wasser begossen. ,,Du bist derjenige, der sich lieber mal den Kopf abkühlen sollte.", meinte Fayt kichernd. ,,Jetzt hast du es echt geschafft!", brüllte Leon, nicht bemerkend, dass durch das Wasser seine Frisur fast sowie früher aussah, klatschte in die Hände und berührte den Boden. Die Steinhand, die Fayt festgehalten hatte, verschwand, und stattdessen fiel Fayt in einen Graben. ,,Hahahaha! Siehst du, was du davon hast?", lachte Leon. ,,Was sollte das!?!", schrie Fayt und malte einen weiteren Mutations-Zirkel. Leon versank ebenfalls in einem Graben. ,,Verdammt!", schrie Leon und ließ durch Händeklatschen eine Wand erscheinen, die Fayt in die Höhe hob. ,,Nimm das!", schrie Fayt und zeichnete einen Mutations-Zirkel, mit dessen Hilfe er mehrere Stricke aus Stein erscheinen ließ, die Leon packten und ebenfalls in die Höhe hievten. Verdattert sahen die Bewohner der Stadt zu, wie eine Mutation der nächsten folgte, bis Leon schließlich von mehreren Steinhänden festgehalten wurde, und Fayt in einem riesigen Vogelkäfig festsaß. ,,Warum musst du immer so stur sein!?!", schrie Fayt. ,,Ich bin nicht stur!", brüllte Leon zurück. ,,Doch, bist du!", schrie Fayt. ,,Wenn du nicht so stur wärst, könnten wir unseren Vater suchen und mit ihm re..." ,,Willst du mich verarschen!", brüllte Leon voller Zorn. ,,Egal, was auch passiert, diesen Bastard werde ich nicht um Hilfe bitten!!!" ,,Ich sagte doch, du bist total stur!", rief Fayt. ,,H-Halt die Klappe!", schrie Leon zurück, klatschte in die Hände und ließ die Steinhände, die ihn festhielten, verschwinden. ,,Mach doch, was du willst!" Er ging davon. ,,Großer Bruder, komm zurück!", schrie Fayt. Leon hörte nicht auf ihn. ,,Großer Bruder!"
Winry und Scieszka saßen in einem Restaurant in Central City. ,,Es ist schön, dich wiederzusehen, ähm...", begann Winry nachdenklich. ,,Der Bücher... Bücherwur - äh, ich meine, das Bücherwurmmädchen." ,,Mein Name ist Scieszka.", korrigierte Scieszka sie. ,,Oh, stimmt...", sagte Winry kleinlaut. ,,Ähm, Winwin...", begann Scieszka. ,,Es heißt Winry.", korrigierte Winry sie. ,,Tut mir Leid...", entschuldigte sich Scieszka kleinlaut. Die beiden starren eine Weile auf den Tisch. ,,Ähm...", begannen schließlich beide gleichzeitig. ,,Ja, was ist?", fragte Scieszka. ,,Oh nein, fang du doch an.", schlug Winry vor. ,,Ähm... Nun...", begann Scieszka. ,,Es gibt da etwas, über das ich gern mit dir reden möchte..." ,,Mit mir?", fragte Winry verwundert. Scieszka nickte und sagte: ,,Ich habe untersucht, warum Second Lieutenant - ähm, ich meine, Brigadier General Hughes sterben musste." Winry sah sie erwartungsvoll an. ,,Second Lieutenant - ich meine, Brigadier General Hughes..." ,,Ähm... Ich glaube, "Mr. Hughes" reicht.", mischte sich Winry leicht genervt ein. ,,Oh, ja, du hast Recht.", stimmte Scieszka zu. ,,Und weiter?", fragte Winry. ,,Es ist sehr seltsam.", fuhr Scieszka fort. ,,Seltsam?", wiederholte Winry fragend. Scieszka nichte und sagte: ,,Je länger ich das Ganze untersuche, desto mehr Unschlüssigkeiten finde ich. Ich weiss nicht, was ich tun soll." ,,Was möchtest du also von mir?", fragte Winry. ,,Ich kann niemandem im Militär trauen. Selbst Oberst Mustang nicht...", erklärte Scieszka. Bei der Erwähnung von Roys Namen sah Winry sofort wütend drein. ,,Bitte, ich halt das nicht mehr aus!", rief Scieszka und begann zu weinen. ,,Wenn mir nicht bald jemand zuhört, werde ich... werde ich..." ,,O-Okay, ich verstehe. Okay?", sagte Winry schnell. ,,Bitte beruhige dich..." ,,Danke.", bedankte sich Scieszka, die Tränen in Strömen ihr Gesicht hinabrinnend.
Leon saß in einem Restaurant und aß grummelnd an seinem Steak. ,,Verdammt, was in den wohl nur gefahren ist?", fauchte Leon und nahm einen weiteren Bissen. ,,Fayt, gib mir mal das Salz." Doch er stutzte, da ihm wieder einfiel, dass Fayt nicht mehr bei ihm war. ,,Oh Mann!", fauchte er, knallte mehrere Geldscheine auf den Tisch und stürmte los.


Winry und Scieszka waren in Scieszkas Haus angekommen. ,,Das hier sind die Unterlagen, die ich für Mr. Hughes angefertigt und dann kopiert habe.", erklärte Scieszka und stellte mehrere Büchertürme auf ihrem Schreibtisch ab. ,,Mit dabei ist auch noch das Material, das ich selbst gesammelt habe, basierend auf den Dokumenten." ,,Ähm... Du willst jetzt nicht, dass ich das alles lese, oder?", fragte Winry. ,,Warum nicht?", fragte Scieszka verdutzt. ,,Das ist unmöglich!", rief Winry entsetzt. ,,Wieviele Monate, glaubst du, brauche ich dafür?!?" ,,Ich verstehe.", sagte Scieszka. ,,Dann werde ich es dir erklären..." Sie nahm ein Dokument hervor und schlug eine Seite auf, der ein Foto von Labor 5 beilag. ,,Also, es fing alles an mit dem Zusammensturz von Labor 5. Ich kann leider absolut nicht herausfinden, was dort genau passiert ist, weil es keine Aufzeichnungen gibt. Aber von dem Moment des Einsturzes begann Mr. Hughes mit seinen Untersuchungen, und dann ist er..." Sie brach ab und begann haltlos zu weinen. ,,Und dann? Was hast du herausgefunden?", fragte Winry schnell. ,,Oh, äh... ja.", stammelte Scieszka und trocknete ihre Tränen. ,,Mr. Hughes hat Labor 5 und den damaligen Bürgerkrieg in Ishbal untersucht." ,,Ishbal...", wiederholte Winry traurig. ,,Das ist jetzt nur meine Spekulation, aber ich schätze, er hat etwas herausgefunden, dass er nicht hätte herausfinden sollen, und...", begann Scieszka. ,,Und er wurde umgebracht.", murmelte Winry. Scieszka nickte und begann erneut zu weinen. ,,Oh, okay! Ich verstehe, also hör bitte auf zu weinen!", flehte Winry.
Fayt wanderte einsam durch die Straßen der Stadt. ,,Großer Bruder, du Dummkopf...", grummelte er. ,,Fayt! Weißt du überhaupt, was du da sagst!?!", hatte Leon ihn angeschrien. Natürlich weiß ich es..., dachte er und ließ seine Gedanken gleichzeitig zur Sekretärin des Führers schwenken, die ihrer Mutter so unglaublich ähnlich sah. Ich weiss, dass wir es irgendwann mit ihr zu tun haben werden... Jemand tippte ihn von hinten an. ,,Großer Bruder?!? Wo warst d...", begann Fayt und wirbelte herum, brach dann aber ab, als er erkannte, dass es nicht Leon war. ,,Martel!", rief er, als er die schlangenähnliche Frau - eine Chimära - erkannte, die einst dem Homunculus Greed gedient hatte und die einzige der Bande gewesen war, die den Anschlag des Militärs überlebt hatte, indem sie in Fayts Rüstung gesessen hatte. ,,Lange nicht gesehen.", sagte Martel lächelnd.
,,Wenn man all diese Dokumente genau durchforstet, stößt man immer wieder auf den Namen eines gewissen Individuums.", sprach Scieszka, die mit Winry auf der Couch saß. ,,Eines gewissen Individuums?", wiederholte Winry fragend. ,,Oberst Juliet Douglas.", sagte Scieszka. ,,Sie ist die Frau, die für den Ausbruch des Ishbal-Krieges verantwortlich war. Aber irgendwas stimmt da nicht. Sie ist nämlich in einem Unfall zwei Jahre vor dem Ishbal-Krieg gestorben." ,,Was?", fragte Winry verdutzt. Scieszka nahm eines der Dokumente und zeigte ihr das Bild eines Grabsteines, auf dem der Name von Julie Douglas mitsamt des Todesdatums abgebildet war, das zwei Jahre vor dem Ishbal-Krieg war. ,,W-Was geht da vor?", fragte Winry verwirrt. ,,Dieses Foto befand sich in Mr. Hughes´ persönlichen Aufzeichnungen.", sagte Scieszka. ,,Es wurde von der Stadt geschickt, in der sie beerdigt worden war." ,,Das Jahr, in dem sie gestorben ist, ist auf jeden Fall zwei Jahre vor Beginn des Ishbal-Krieges, aber könnte es sich hier nicht einfach nur um einen Fehler handeln?", meinte Winry. ,,Zum Beispiel ein Fehler in den Aufzeichnungen, oder jemand mit dem selben Namen..." ,,Nein, es gibt keinen Fehler, weder in den Aufzeichnungen der Stadt, noch in den Aufzeichnungen des Militärs.", sagte Scieszka. ,,Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen..." ,,Ja?", fragte Winry gespannt. ,,Juliet Douglas ist immer noch im Militär...", antwortete Scieszka wimmernd. Winry sah ängstlich drein. ,,Sieh dir das an.", sagte Scieszka und hielt ihr eine Liste mit den Namen der Soldaten hin, die sich im Militär befanden. In der Liste befand sich der Name Juliet Douglas. ,,Was geht hier nur vor?", fragte Winry entsetzt. ,,Laut ihrem Grabstein ist sie zwei Jahre vor Ausbruch des Ishbal-Krieges gestorben.", sagte Scieszka. ,,Aber laut den Aufzeichnungen des Militärs hat sie sich am Ishbal-Krieg beteiligt, ohne dass ihre Aufzeichnungen gelöscht wurden, und sie ist zur Sekretärin des Führers befördert worden." ,,Das ist wirklich verrückt.", sagte Winry. ,,Jemand, der eigentlich tot sein sollte, ist die Sekretärin des Führers?" ,,Und das ist noch nicht alles.", fuhr Scieszka fort. ,,Noch mehr?!?", rief Winry ängstlich. ,,Wenn sie wirklich noch leben sollte, wäre sie mindestens 50 Jahre alt.", sagte Scieszka. ,,Aber die Juliet Douglas, die die Sekretärin des Führers ist, ist höchstens 30 Jahre alt, egal, wie man es auch betrachtet!" Winry schrie panisch auf. ,,Sie stirbt nicht, wenn sie getötet wird, und sie altert nicht...", heulte Scieszka. ,,Was ist sie bloß?" Winry begann ebenfalls zu heulen. ,,Es ist alles äußerst unerklärlich...", sagte Scieszka, nun wieder ernst. ,,Aber nachdem ich stundenlang nachgedacht habe, bin ich schließlich zu einer Hypothese gekommen." ,,Eine Hypothese?", wiederholte Winry fragend. Scieszka nickte. ,,Mit dieser Hypothese machen all die Ungereimtheiten Sinn.", sagte sie. Winry sah sie erwartungsvoll an. ,,Juliet Douglas ist...", begann Scieszka. Winry schluckte schwer. ,,...ein Alien.", beendete Scieszka ihren Satz. ,,Ich glaube, dass ist falsch...", sagte Winry ungläubig. ,,Was?!?", rief Scieszka verdutzt. ,,Was könnte es dann sonst sein..." ,,I-Ich weiß nicht...", sagte Winry. ,,Aber wenn wir der Sache auf den Grund gehen, können wir herausfinden, wer Mr. Hughes umgebracht hat." ,,Aber was können wir schon tun?", seufzte Scieszka niedergeschlagen. ,,Ich bin zwar im Militär, aber ich kümmere mich nur um die Aufzeichnungen, und Juliet Douglas gehört zur Abteilung des Führers, also kann ich nicht nahe genug an sie heran... Ich kann noch nicht einmal herausfinden, was sie tut..." ,,Nun, wenn wir sie belauschen würden, könnten wir mehr Informationen bekommen.", meinte Winry. ,,Belauschen?", wiederholte Scieszka erschrocken. ,,Das ist es doch, was Frauen tun, wenn sie glauben, dass ihre Männer sie betrügen, richtig?" Sie sah zu Boden. ,,Ich kann sie doch nicht einfach..." ,,Natürlich kannst du das!", rief Winry. ,,Mit meiner Hilfe schaffst du das."
Fayt und Martel waren in eine Seitengasse gegangen. ,,Martel, warum bist du hier?", fragte Fayt sie. ,,Ich hab euch beide verfolgt.", erklärte Martel. ,,Hä?!?", machte Fayt verdutzt. ,,Ich möchte, dass du mir von eurem Feind erzählst.", sagte Martel. ,,Unserem Feind?", wiederholte Fayt. ,,Von diesen Leuten in schwarzer Kleidung.", sagte Martel. ,,Und was wirst du tun, wenn ich es dir sage?", fragte Fayt. ,,Was wohl? Rache natürlich.", antwortete Martel.
Scieszka und Winry wanderten in Militäruniform - wobei Winry eine Ersatzuniform von Scieszka trug, die ihr nicht wirklich passte - durch das Hauptquartier. ,,Tut mit Leid wegen der Uniform.", entschuldigte sich Scieszka bei Winry. ,,Nun, wenn man seine Muskeln viel beansprucht, werden deine Arme nun mal groß, weißt du?", kicherte Winry verlegen und seufzte. Vielleicht sollte ich mal ´ne Diät machen..., dachte sie niedergeschlagen. Ross und Brosch wanderten von der anderen Seite des Korridors, in dem sie sich befanden, her auf sie zu, in ein Gespräch vertieft. Winry erschrak und zerwuschelte sich schnell ihr langes Haar, so dass ihr Gesicht verdeckt wurde. Wenn jemand aus dem Militär, der sie kannte, sie entdecken würde, würde es ziemlichen Ärger geben. Scieszka und Winry, den Kopf gebeugt haltend, gingen an Ross und Brosch vorbei. Verdutzt blieb Ross stehen und sah den beiden Mädchen nach. ,,Was ist los?", fragte Brosch. ,,Nichts.", antwortete sie und ging mit Brosch weiter.
Winry und Scieszka schlichen durch den Außenhof. ,,Kennst du die beiden?", fragte Scieszka Winry. ,,Ja, ich hab sie schon mal getroffen.", antwortete Winry, die sich ihr Haar wieder richtete. Sie blieben vor einer mit mehreren Schlössern versperrten Luke stehen. ,,Hier wären wir.", sagte Scieszka. ,,Die Telefonleitungen sind alle tief in diesem Schacht. ,,Hmm...", machte Winry und beugte sich vor die Luke. ,,Aber da sind unzählige Schlösser an der Luke, und da gibt es auch noch das Alarmsystem...", sagte Scieszka besorgt. ,,Ich glaube nicht, dass wir da so einfach reinko..." ,,Hier, fertig.", sagte Winry und öffnete die Luke. ,,W-Waaaaaas?!?", rief Scieszka verdattert. ,,Das war viiieeel zu einfach.", kicherte Winry vergnügt und kroch mit Scieszka, die immer noch große Augen machte, in den Schacht.
Mehrere Minuten des Krabbelns, da der Schacht zu klein zum Stehen war, später erreichten die beiden Mädchen den Kasten, an dem die Telefonleitungen angebracht waren. ,,Und wo ist ihr Raum?", fragte Winry Scieszka, die mit einer Taschenlampe einen Zettel beleuchtete. ,,Raum 103 der Zentralhalle.", las Scieszka vom Zettel ab. ,,103... 103...", murmelte Winry und ließ ihren Blick über den Kasten schweifen. ,,Ah, da...", sagte sie und klemmte ein Gerät, das mit zwei Kopfhörern verbunden war, an eine Leitung an, über der die Zahl 103 stand. ,,So, jetzt müssen wir nur noch warten.", sagte sie, während sie Scieszka einen Kopfhörer reichte und sich den anderen an die Ohren steckte.
,,Das ist falsch!", rief Fayt. ,,Das würde nämlich bedeuten, dass Roas und Greeds Anstrengungen, dich zu beschützen, völlig umsonst gewesen wären!" ,,Du weißt über mich Bescheid, oder?", sagte Martel. ,,Ich bin eine Chimära. Ich kann nicht mehr als normales menschliches Wesen leben. Meine Kammeraden und Greed... ich hab meine einzige Familie verloren." ,,Aber Rache ist...!", begann Fayt aufgebracht. ,,Es bringt nichts, zu versuchen, mich aufzuhalten.", unterbrach Martel ihn. ,,Ich bin zur Hälfte eine Schlange, also bin ich von Rache getrieben." ,,Aber... Aber...", begann Fayt. Sie ist wie Scar..., dachte er. ,,Es gibt auf dieser Welt nichts mehr für mich.", sagte Martel und sah traurig zu Boden. ,,Und außerdem sind es doch auch eure Feinde, richtig? Deshalb werde ich..." ,,Ich bin nicht mit deiner Rache einverstanden, deswegen werde ich nicht zulassen, dass du es tust.", unterbrach Fayt sie entschlossen. ,,Warum?", fragte Martel aufgebracht. ,,Weil ich mir sicher bin, dass Roa und deine anderen Kammeraden dasselbe sagen würden.", antwortete Fayt. Martel erschrak. ,,Nun, entschuldige mich...", sagte Fayt und ging davon. Genau. Deswegen muss ich sie aufhalten... Scar und Martel, dachte er.
,,Hey, Fayt!", rief Leon, während er die Gassen der Stadt durchstreifte. ,,Nach ihm zu suchen kann richtig nervig sein...", seufzte er und blieb an einer Brüstung stehen, von der aus man den Fluss sehen konnte, der an der Stadt vorbeizog.
,,Leonard? Leonard!", hatte ihre Mutter Trisha Elric damals zu Leon gesagt, der, eine große Schramme an der Wange, schmollend im Garten gesessen hatte. ,,Ich kann Fayton nirgendwo finden, ist etwas passiert?", hatte sie Leon gefragt. ,,Wen interessiert der schon?!", hatte Leon gefaucht. ,,Habt ihr euch schon wieder gestritten?", hatte Trisha belustigt gefragt. ,,Es ist seine Schuld.", hatte Leon gesagt. ,,Er nervt mich andauernd mit seinen blöden Fragen, wann Papa nach Hause kommt." ,,Nun, dann haben wir ein Problem.", hatte Trisha geseufzt. ,,Ich frage mich, wo er hin gegangen ist... Ich hab keine Idee, wo er sein könnte." Sie war davongegangen, um Wäsche aufzuhängen. Schnaufend war Leon aufgestanden und losgegangen. ,,Warum muss ich ihn suchen?", hatte er sich beschwert, während er durch die Wiesen marschiert war und schließlich Fayt gefunden hatte, der am Fluss gesessen hatte. Leon war auf ihn zugegangen. Fayt war aufgesprungen und hatte sofort seine Fäuste erhoben, bereit zum Kampf. Leon hatte ihn eine Zeit lang angesehen, dann hatte er sich umgewand, war losgegangen und hatte gesagt: ,,Los, komm schon mit." ,,Okay!", hatte Fayt gerufen und war ihm erleichtert gefolgt...
Leon ging weiter, um Fayt endlich zu finden.
Das Telefon klingelte im Büro des Führers. Sloth nahm ab. ,,Hallo, hier ist das Büro des Führers. Seine Sekretärin am Apparat.", sprach sie in den Hörer. ,,Ein... nruf... öffentliche.... eitung...", erklang es mit einem lauten Rauschen aus dem Hörer. ,,Der Code ist... 0-8." ,,Bitte verbinden Sie.", sagte Sloth.
,,Los geht´s!", rief Winry und lauschte angespannt.
,,Hey, ich bin´s.", sprach Envy, der von einer Telefonzelle in der Stadt, in der sich Leon und Fayt befanden, aus anrufte, grinsend in den Hörer.
,,Envy, die Benutzung von unsicheren Leitungen ist verboten und nur für Notfälle.", tadelte Sloth ihn.
,,Sei doch nicht so streng.", sagte Envy genervt. ,,Du warst es doch, die mir aufgetragen hat, Bericht zu erstatten. Und das tu ich jetzt auch: Nun, ich bin fast da. Es ist ziemlich ruhig hier, kann ich dir sagen. Wenn sie nicht bald mal loslegen, werd´ ich noch..."
,,Du sollst die Mission so ausführen, wie wir es besprochen haben.", unterbrach Sloth ihn.
Was ist das denn?, dachte Winry verwirrt. Envy? Envy ist doch der Homunculus, von dem Leon gesprochen hat.
,,Ich lege jetzt auf.", sagte Sloth. ,,Es scheint, ich muss ein wenig aufräumen gehen." Sie legte den Hörer auf, stand auf und verließ das Büro.
,,Vielleicht sollten wir die Verbindung jetzt lieber wieder trennen.", schlug Scieszka vor. ,,Gute Idee.", stimmte Winry zu, nahm sich den Kopfhörer ab und stöpselte die Klemme von der Leitung ab. ,,Worüber die sich wohl unterhalten haben?", fragte sich Scieszka. ,,Wer weiss das schon?", seufzte Winry. ,,Aber es hat sich definitiv angehört, als würden sie über etwas Wichtiges und Gefährliches reden." Mehrere Tropfen Wasser fielen von unbemerkt von der Decke. ,,Hmm... Ich schätze, wir brauchen noch mehr Zeit, um Beweise zu finden.", meinte Scieszka. Die zu Boden gefallenen Wassertropfen sammelten sich in einer Pfütze, die sich langsam auf die beiden Mädchen zu bewegte. ,,Schätze es wird nicht einfach werden, selbst wenn wir sie belauschen.", sagte Scieszka und schrie im nächsten Moment erschrocken auf. ,,Was ist los?", fragte Winry verwundert. ,,D-D-Da!", rief Scieszka. Winry wirbelte herum und erschrak, als sie eine riesige, unförmige Masse aus Wasser sah, die sich auf sie zu bewegte. Die beiden Mädchen schrien laut auf, als sich eine Hand aus Wasser aus dem Gebilde nach ihnen ausstreckte. ,,Weg hier!", schrie Winry und krabbelte los. Scieszka blieb wie gelähmt stehen. ,,Komm schon!", schrie Winry panisch und zog Scieszka mit sich. Die beiden krabbelten so schnell wie möglich davon, verfolgt von dem Gebilde aus Wasser. ,,Was ist das für ein Teil?!?", kreischte Scieszka voll Todesangst. ,,Woher soll ich das wissen?!?", schrie Winry hysterisch zurück.
Ross stürmte angespannt durch die Korridore, verfolgt von Brosch. ,,Nun sag mir doch endlich, was los ist!", rief Brosch. ,,Ich wusste, dass ich sie irgendwoher kenne!", rief Ross. ,,Das war das Mädchen, das die Elric-Brüder im Krankenhaus besucht hat!"
Helles Licht war in der Ferne zu erkennen. ,,Der Ausgang!", rief Winry, verhedderte sich mit ihrer Uniform jedoch an einem Rohr un fiel hin. ,,Winry!", rief Scieszka entsetzt, krabbelte zurück und versuchte sie zu befreien. Beide erschraken, als sie das Gebilde aus Wasser erblickten, das nun direkt vor ihnen stand. Das Gebilde bekam einen Kopf, und Sloths Gesicht war darin zu sehen. Scieszka kreischte panisch auf, während Winry entsetzt in das Gesicht starrte, das sie das letzte Mal vor sehr, sehr langer Zeit gesehen hatte. ,,Das... kann nicht...", stammelte sie, während Slot langsam ihre Arme aus Wasser nach den beiden Mädchen ausstreckte. ,,Ihre Mutter?", sagte Winry verwirrt. Bei diesen Worten hielt Sloth inne. ,,Leons und Fayts... Mutter?" Sloth wich leicht zurück. ,,Winry!", rief Ross, die ihren Kopf in den Schacht steckte. Sloth sank sofort zu Boden und verschwand durch die Ritzen. ,,Also warst du es wirklich, Winry!", rief Ross. ,,Was machst du hier?!?" Die beiden Mädchen sahen sich entsetzensstarr an. ,,Gerettet...", seufzte Winry erleichtert. ,,Sie ist wirklich ein Alien...", heulte Scieszka. ,,Alien?", wiederholten Ross und Brosch verdattert.
Es war bei Sonnenuntergang, als Fayt am Fluss der Stadt saß und aus Langeweile mit Alchemie ein Pferd aus Stein erschuf. Er sah verdutzt auf, als er einen Schatten sah, der näher kam: Der Schatten gehörte zu Leon, der wenige Zentimeter vor ihm stehen blieb. Fayt sprang auf und ging in Kampfstellung. ,,Los, komm schon mit.", sagte Leon und ging los. ,,Großer Bruder...", begann Fayt. Leon blieb stehen. ,,Wir gehen nach Ishbal.", sagte Fayt. ,,Halten wir Scar auf." Er ging los, begleitet von Leon. ,,Woher wusstest du, dass ich hier war?", fragte Fayt neugierig. ,,Weil du dich rein gar nicht verändert hast.", entgegnete Leon. ,,Was?", fragte Fayt verdutzt. ,,Du hast immer beim Fluss gesessen, wenn wir uns gestritten hatten.", erklärte Leon. ,,Ah, ich verstehe.", sagte Fayt.
Die beiden verließen die Stadt und wanderten erneut durch knochentrockene, staubige Landschaft. ,,Was machen wir jetzt?", fragte Fayt. ,,Was schon? Wir laufen.", entgegnete Leon. Es hupte, und im nächsten Moment hielt Martel, die auf einem Motorrad fuhr, an dem ein Anhänger hing, neben ihnen. ,,Wollt ihr mit?", fragte sie. ,,Martel!", rief Fayt verdutzt. ,,Kennst du sie, Fayt?", fragte Leon. ,,Hä? Äh, ja, so in der Art.", antwortete Fayt. ,,Na gut, dann nehmen wir das Angebot an!", rief Leon und sprang auf den Anhänger. ,,W-Warte, großer Bruder!", rief Fayt. ,,Ist doch nichts Falsches dran.", sagte Martel. ,,Es ist doch schön, wenn man sich gegenseitig helfen kann." Fayt seufzte tief und sprang dann ebenfalls auf den Anhänger. ,,Du wirst schon sehen, ich werde es nicht zulassen.", flüsterte er Martel zu. ,,Tse...", machte Martel belustigt und rief: ,,Und los geht´s!" Und wären sie fuhren, sah Fayt gedankenversunken zu Boden. ,,Was ist los?", fragte Leon ihn. ,,Oh, nichts.", sagte Fayt. ,,Erinnerst du dich noch, großer Bruder?" ,,Hmm?", machte Leon fragend. ,,Ich meine, als wir uns das erste Mal gestritten hatten.", sagte Fayt. ,,Oh ja, wo du mir eine geknallt hattest.", erinnerte sich Leon. ,,Das war das erste Mal, dass ich zum Fluss gegangen war.", erinnerte sich Fayt. ,,Ach, war es das?", fragte Leon, während Martel, die den beiden zuhörte, fröhlich grinste. ,,Ja, so war es.", antwortete Fayt. ,,Mann, du bist jedes Mal abgehauen, wenn wir uns gestritten hatten, selbst damals, als wir bei Sensei waren.", lachte Leon. ,,Dann musste ich immer für dich mit schuften." ,,Wir haben uns auch mal darum gestritten, wer später Winry heiraten darf.", erinnerte sich Fayt. ,,Waaaaas?!?", rief Leon und wurde puterrot. ,,Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern!" ,,Doch, wir haben uns um sie gestritten!", kicherte Fayt. Und während die beiden Brüder sich noch weiter an früher erinnerten, wurde es langsam dunkel. Wer weiss schon, was der nächste Tag bringen würde?


Vorschau Kapitel 39: Der Ishbal-Krieg: Wie verlief damals der Krieg? Warum brach er aus? Und wo hält sich Scar auf?