Freitag, 5. Oktober 2007

Tales of Alchemy Kapitel 35: Wiedersehen der Narren

Es war in einer etwas weit von Dublith entfernten Kleinstadt in einem Imbissrestaurant. Der Besitzer des Restaurants gähnte angesichts der späten Stunde und warf einen müden Blick auf seine letzten Gäste, drei sehr seltsame Personen, die in einer dunklen Ecke des Gebäudes saßen. Lust trank zufrieden an ihrem Kaffee, während Gluttony den Tisch, an dem sie saßen, aufzufressen versuchte, und Envy gelangweilt durch eine Tageszeitung blätterte. ,,Also ist Greed wirklich tot?", fragte Envy und warf die Zeitung zur Seite. ,,Ja.", antwortete Lust. ,,Es war wirklich ein für ihn wirklich passender Tod: Extrem sorglos, aber äußerst intensiv." ,,Nun, es macht nichts, wenn wir einer weniger sind.", sagte Envy schulterzuckend. ,,Meister wird einen neuen für uns machen. Und außerdem haben wir ja jetzt einen neuen Wrath, um den sich Sloth kümmert. Ich frage mich... was sollen wir dem Kleinen zuerst befehlen zu tun?" Er grinste und sah zu Lust, die gedankenverloren aus dem Fenster schaute. ,,Hmm? Was ist los?", fragte er. ,,Sag mir jetzt nicht, dass du wegen Greeds Tod noch sentimental wirst." ,,Nichts wirklich.", entgegnete Lust und nahm einen weiteren Schluck ihres Kaffees. ,,Ich habe nur daran gedacht, woher wir kommen und wohin wir gehen werden." ,,Sinnlos.", sagte Envy nur belustigt. ,,Leute, ich würde jetzt gerne den Laden hier schließen.", sagte der Besitzer des Restaurants und kam zu ihnen. ,,Wir leben hier.", entgegnete Envy schlicht. ,,Wie bitte?", fragte der Besitze leicht verdutzt, mit einer Spur von Ärger. ,,Wir müssen im Moment nirgendwo hin. Reicht das nicht?", sagte Envy nur. ,,Hey, hörst du mir überhaupt zu, du...!", begann der Besitzer zornig, kam aber nicht weiter, da Envy ihm ein Messer ins Herz rammte. ,,Du nervst!", sagte Envy und stieß mit seiner Hand leicht gegen den Mann, der tot zu Boden fiel. ,,Kann ich ihn essen? Kann ich ihn essen?", fragte Gluttony, dem sofort vor Hoffnung der Speichel den Mund hinabrann. ,,Ja. Eine kleine Belohnung von mir für dich.", sagte Envy und stand auf. ,,Lass dir Zeit." ,,Oooh!", rief Gluttony begeistert und stürzte sich auf die Leiche, um sie zu fressen. ,,Wir sehen uns dann später.", sagte Envy und verließ das Restaurant. Lust sah erneut aus dem Fenster zur Straße, wo ein Rabe auf einer Straßenlaterne saß. ,,Wenn ich so darüber nachdenke, ich habe mir schon einmal Gedanken darüber gemacht...", murmelte sie. ,,Woher komme ich und wohin werde ich gehen?" Ein Auto, das gegen eine Wand krachte und Totalschaden erlitt, riss sie aus ihren Gedanken. Sofort scharrten sich Schaulustige um die Frau, die mit ihrem reglosen und an der Magengegend schwer blutenden Sohn aus dem Auto kroch. ,,Halte durch! Halte durch, Jimmy!", schluchzte die Frau mit tränenverschmiertem Gesicht. ,,Entschuldigen Sie mich, lassen Sie mich bitte durch.", rief ein Mann mit dunkelbraunen Haaren und Brille, der ungefähr in Roy Alter war (also 29 Jahre^^), und zwängte sich durch die Menge hindurch zu der Frau und ihrem schwerverletzten Sohn. ,,Bitte lassen Sie mich einen Blick auf ihn werfen.", bat der Mann die Frau und beugte sich über den Jungen. Er besah sich kurz die Wunde, dann hielt einen blutroten Ring über den Jungen. Die Wunde verheilte sofort. Lust hatte nun ebenfalls das Restaurant verlassen und sah zu dem Mann. Sie erschrak leicht, als sie den Ring sah. Der Mann gab der glücklich weinenden Frau ihren Sohn zurück, stand auf und wollte davongehen, als sein Blick sich auf Lust richtete. ,,Lust...", murmelte er und blieb wie gelähmt stehen. ,,Lejon...", hauchte Lust, und ihre Gedanken schweiften sofort an einen Tag vor mehreren Jahren zurück, an dem eine sanfte Brise in dem Wald geherrscht hatte, in dem eben jener Mann namens Lejon sie in seinen Armen gehalten hatte.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Leon, Fayt und Winry fuhren auf einem Karren, den ein alter Mann, der sie freundlicherweise mitgenommen hatte, lenkte, durch einen dichten Wald. ,,Großer Bruder, ist das hier auch wirklich die richtige Straße", fragte Fayt. ,,Wir fahren in Richtung Süden, also können wir nicht falsch sein.", antwortete Leon, der im Karren lag, schläfrig. ,,Wenn wir uns weiter in diese Richtung bewegen, kommen wir auf jeden Fall am Ishbal-Camp vorbei." ,,Das wäre wirklich gut.", sagte Fayt. ,,Aber ob ihr wirklich etwas herausfinden werdet, wenn ihr die Ishbaler fragt?", wunderte sich Winry. ,,Wir haben keine andere Wahl.", entgegnete Leon. ,,Ich will nicht von den Homunculi abhängig sein." Plötzlich sprang er in die Höhe. ,,Was ist los?", fragte Winry. ,,Gerade war doch...", begann Leon. ,,Ich dachte, ich hätte eine Frau schreien hören..." Ein lauter Schrei war zu hören, den diesmal auch Winry und Fayt wahrnahmen.
Eine Frau mit roten Haaren rannte ängstlich durch den Wald vor mehreren Männern davon, und stürzte schließlich über einen Stein. Ängstlich sah sie zu den Männern hinauf, die allesamt grinsten; einige griffen sich an den Schritt, freudig auf das, was nun kommen würde. Einer der Männer ging auf die Frau zu. ,,Nein!", schrie sie in Panik und machte sich so klein wie möglich. Ein Stein traf den Mann am Kopf, der zu Boden ging. Die anderen wandten sich um und sahen Leon, der einen weiteren Stein in einer Hand hielt und ziemlich zornig aussah. ,,Was soll das, kleines Gör!?!", schrie einer der Männer aufgebracht. Sofort trat Leon ihn zu Boden. Die anderen stürmten nun auf Leon zu, lagen aber ebenfalls binnen Sekunden bewusstlos am Boden.
Zufrieden und von dem dicken Restaurantbesitzer und den Hähnchen im Gefrierschrank für den Moment gesättigt, saß Gluttony hinter der Theke des Restaurants und rieb sich den dicken Wanst. Lust und der Mann namens Lejon saßen in einer Ecke. ,,Es ist jetzt zwei Jahre her, oder?", sagte Lejon. ,,Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich noch einmal sehen würde. Es gibt eine Menge Sachen, die ich gerne mit dir bereden würde. Aber bevor wir dazu kommen, könntest du mir bitte etwas verraten?" Er sah zu Boden. ,,Warum bist du damals verschwunden? Warum hast du mich verlassen, ohne auch nur ein Wort zu sagen?" ,,Ich erinnere mich nicht... an etwas, das so lange her ist.", antwortete Lust. ,,Aber ich erinnere mich.", sagte Lejon leicht verärgert. ,,Du hast mir viele Dinge wie Alchemie gelehrt... und etwas, das sogar noch Wichtiger ist..." ,,Was tust du, jemand, der noch einen Fuß aus dem Dorf gesetzt hat, hier?", fragte Lust. ,,Oh, ich bin losgegangen, um einen neuen Ring zu finden.", antwortete Lejon. Er sah auf den Ring, den er trug. ,,Du erinnerst dich, richtig? Dank diesem Ring der Alchemisten, den du mir damals gegeben hattest, konnte ich mein Dorf retten. Aber diese bedrohliche Krankheit breitet sich erneut aus und der Ring wird immer schwächer und schwächer." Er sah zu Lust. ,,Ich flehe dich an, könntest du mir ein weiteres Mal helfen? Wie damals... Bitte, nur noch ein einziges Mal." Lust erinnerte sich an damals zurück.
Es war ein verregneter Tag gewesen, als sie mit Gluttony in der Nähe von Lejons Dorf entlang gewandert war. Unterwegs hatten sie einen Karren gefunden, der von einem Berg hinab in die Tiefe gestürzt und nun völlig zertrümmert gewesen war. ,,Was für ein Desaster.", hatte Lust belustigt gesagt und zu den toten Menschen gesehen, die sich noch im Karren befunden hatten. ,,Kann ich sie essen? Kann ich sie essen?", hatte Gluttony gefragt. ,,Besser nicht, eine Diät wäre besser.", hatte Lust mit Blick auf Gluttonys dicken Buch gesagt. Gluttony hatte traurig den Kopf hängen lassen, jedoch verdutzt aufgeschaut, als er bemerkt hatte, dass sich eine junge Frau mit roten Haaren, die halb unter den Trümmern gelegen hatte, noch bewegt hatte. ,,Hast du aber ein Glück, Mädchen.", hatte Lust spöttisch gesagt. Das Mädchen hatte einen Korb voll Kräutern mit zu Lust hingehalten. ,,Das hier... Ich flehe Sie an.", hatte sie gekeucht. ,,Bitte bringen Sie diese Kräuter ins Dorf. Alle warten schon darauf." Lust hatte sie eine Zeit lang angesehen, dann, als sie gerade etwas hatte sagen wollen, hatte das Licht einer Lampe in ihre Richtung gescheint. ,,Da sind sie!", hatte einer der Männer, die auf die Unglücksstelle zugerannt waren, gerufen. ,,Lydia!", hatte ein Mann mit braunen, Haaren, Lejon, gerufen und war zu dem rothaarigen Mädchen namens Lydia gerannt. ,,Tut mir Leid, Lejon...", hatte Lydia gekeucht, als Lejon sie verzweifelt in ihre Arme genommen hatte, und gab ihm den Korb mit den Kräutern. ,,Das hier..." Er hatte den Korb wütend zur Seite geschlagen. ,,Ich hab dir doch gesagt, du sollst es aufgeben! Diese Kräuter bringen nichts!", hatte er sie angeschrien. ,,Waren Sie auch im Karren?", fragte ein Mann Lust und Gluttony. ,,Ich bin überrascht, dass Sie überlebt haben!" ,,Es wäre besser, wenn Sie von hier verschwinden.", sagte ein anderer Mann zu den beiden Homunculi. ,,Jeder, der sich hier in der Nähe aufhält, wird von der Krankheit erwischt." ,,Eine Krankheit?", hatte Lust wiederholt. ,,Ja. Eine Krankheit, die jeden, den sie erwischt, versteinert.", hatte der Mann geantwortet. ,,Ich halte sie auf.", hatte Lejon gesagt. ,,Ich werde sie aufhalten mit meiner... mit meiner Alchemie!"
Nachdem sie die Männer an einen Baum gefesselt hatten, kümmerten sie sich erst einmal um die rothaarige Frau. ,,Also bist du ganz allein gereist, um diesen Lejon zu finden?", fragte Winry. ,,Ja.", antwortete die Frau, Lydia, traurig. ,,Ich denke, egal, was der Grund auch sein mag, es ist nicht gut für eine Frau, allein umher zu reisen.", meinte Fayt. ,,Aber... ich mache mir Sorgen.", sagte Lydia. ,,Wenn ich nichts tue, werde ich Lejon nie wieder sehen. ,,Und warum hat Lejon das Dorf überhaupt verlassen?", fragte Leon mit Blick auf einen Schmetterling, der auf einer Blume landete. ,,Um einen neuen Ring der Alchemisten zu finden.", antwortete Lydia. ,,Ring...", murmelten Leon, Fayt und Winry, dann sprangen sie auf und brüllten: ,,... der Alchemisten?!?" ,,Ja.", antwortete Lydia, leicht erschrocken von den beiden. Traurig fuhr sie fort: ,,Um die Krankheit, die unser Dorf plagt, zu heilen, brauchen wir diesen Ring unbedingt. Es ist eine furchtbare Krankheit, die keine Medizin der Welt heilen kann. Und deswegen ist Lejon..."
Lejon hatte Lydia zurück ins Dorf in ihr Haus gebracht, wo er ihr einen Kräutertee gemacht hatte. ,,Komm, trink das hier. Danach geht es dir gleich besser.", hatte er zu ihr gesagt und ihr den Tee gereicht. ,,Danke.", hatte sie sich bedankt und getrunken. ,,Nach dem, was ich sehe, hast du keine schweren Verletzungen. Ich bin sehr froh darüber.", hatte Lejon gesagt. Sie hatte gelächelt, doch im nächsten Moment hatte sich ihr ganzer Körper schlagartig verkrampft und sie hatte die Teetasse zu Boden fallen lassen. ,,Lydia, was ist los? Bist du verletzt?", hatte Lejon besorgt gefragt. ,,Ich bin in Ordnung.", hatte Lydia gelogen. ,,Mir ist nur die Tasse aus der Hand gerutscht, das ist alles." Die Tür war aufgestoßen worden. ,,Lejon! Ist Lejon hier?!?", hatte ein verzweifelter Mann gerufen. Lejon hatte sich zu ihm umgewandt. ,,Mein Sohn... Mein Sohn ist...!", hatte der Mann gestammelt.
Lejon war sofort mit mehreren anderen Dorfbewohnern zu dem Haus des Mannes geeilt, wo der kleine Sohn des Mannes auf dem Boden unter einer Decke gelegen und vor Schmerzen geschrien hatte. Neugierig hatte Lust, die ebenfalls ins Haus gegangen war, beobachtet, wie Lejon einen Mutations-Zirkel um den kleinen Jungen herum gemalt hatte. ,,Das ist die Versteinerungs-Krankheit.", hatte einer der Dorfbewohner ängstlich gemurmelt. ,,Sein Fleisch verwandelt sich mit rasender Geschwindigkeit in Stein." Eine Hand aus Stein war unter der Decke hervorgekommen. ,,Die betroffene Person verwelkt dahin wie eine sterbende Pflanze." Ein Fuß aus Stein war unter der Decke hervorgekommen. ,,Möge all das, was ihm Schmerz verursacht, von ihm schwinden.", hatte Lejon gemurmelt und den Mutations-Zirkel mit beiden Händen berührt, der zu leuchten begonnen hatte. ,,Gott Washiri, erhöre mich. Gott Washiri, bitte erhöre den Schmerz dieser Kreatur. Washiri, bitte erhöre das Flehen dieser Kreatur." Mehrere versteinerte Körperteile des Jungen waren zu Staub zerfallen; er hatte aufgehört zu atmen. ,,Tut mir Leid.", hatte sich Lejon bei den Eltern entschuldigt, die fassungslos neben ihm gestanden hatten.


Lydia war vollkommen verschwitzt aus ihrem Albtraum aufgewacht und hatte mit Schrecken auf ihre Hand geschaut, die halb zu Stein geworden war. ,,NEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!"


Wütend hatte Lejon gegen eine Hauswand geschlagen, nachdem er erfahren hatte, dass Lydia von der Versteinerungs-Krankheit befallen worden war. ,,Ich kann nichts tun außer zu Gott beten!", hatte er geweint. Lust hatte ihn aus der Ferne her interessiert beobachtet. ,,Gott Washiri, bitte rette diese kleine Schöpfung von dir." ,,Rette sie, bitte! Gott... Ishbala!", waren Worte aus der Vergangenheit schlagartig in Lusts Erinnerung widergeklungen. Plötzlich hatte sie sich in ihrem Gedächtnis in den Armen eines Mannes mit dunkler Hautfarbe und roten Augen wiedergefunden, der haltlos geweint hatte. ,,Bitte, rette mit deiner Macht diese kleine Schöpfung von dir!", hatte der Mann gefleht und Lust, deren Augen nicht wie sonst violett, sondernrot gewesen waren, noch fester an sich gedrückt. ,,Bitte rette sie!", hatte Lejon geschluchzt und Lust damit aus ihren Erinnerungen, die ihr so fremd vorgekommen waren, zurückgeholt. Ihre violetten Augen hatten sich verengt und sie war zu Lejon gegangen. ,,Mit Alchemie kannst du die versteinerten Körperteile auseinandernehmen und sie als Fleisch neu anordnen, richtig?", hatte sie Lejon gefragt, der verdutzt zu ihr geschaut hatte. ,,Da Medizin nicht hilft, liegst du mit deiner Idee gar nicht mal so falsch. Aber deine Alchemie ist immer noch zu ungenau, zu schwach." Lejon hatte zu Boden gesehen. ,,Ich werde dir... wahre Alchemie lehren.", hatte Lust gesagt...
Scar stand in der Wüste in der Nähe Lior Citys, das einst vom Hohepriester Conero regiert worden war und in das nun das Militär eingefallen war, inmitten eines Sandsturmes, ein Amulett, das so viele Erinnerungen an früher in sich hielt, in seiner Hand.
Lust, Lejon und Gluttony fuhren mit einer Kutsche in Richtung Lejons Dorf. ,,Ich bin so froh, dass du dich dazu entschieden hast, mit mir ins Dorf zu kommen.", sagte Lejon erleichtert. ,,Ich hab gesagt, dass ich aufgebrochen bin, um den Ring der Alchemisten zu suchen. Doch in Wahrheit habe ich vielleicht das Dorf verlassen, um nach dir zu suchen, Lust." ,,Ich wollte dich auch sehen.", sagte Lust und sah aus der Kutsche. Lejon sah verwundert zu ihr. ,,Es fühlt sich an, als hätte ich etwas in diesem Dorf zurückgelassen.", erklärte Lust seufzend.
Der alte Mann, der den Karren lenkte, gähnte herzhaft. ,,Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Wir fahren eh in diese Richtung.", versicherte Winry Lydia, die mit Leon und Fayt zusammen im Karren saß. ,,Danke.", bedankte sich Lydia. ,,Aber ist es auch wirklich in Ordnung, einfach so ins Dorf zurückzukehren?" ,,Etwas anderes kannst du nicht tun.", meinte Leon. ,,Du kannst nicht nach ihm suchen, wenn du keine Idee, wo er ist." ,,Kann es sein, dass Lejon dein fester Freund ist?", fragte Winry schmunzelnd. ,,Ich... wurde zurückgewiesen.", sagte Lydia traurig. ,,Ich habe ihn die ganze Zeit über geliebt, aber die Frau, die er wirklich geliebt hat, war..."
Lust war Lejon in dessen Haus gefolgt und hatte sich in seinem Arbeitszimmer die Bücher im Regal angeschaut. ,,Hier hast du also Alchemie gelernt.", hatte sie gesagt. ,,Du hast definitiv genug Bücher hier." Sie hatte ein Buch durchflogen, die Nase gerümpft und es einfach zerrissen. ,,Was tust du da?!?", hatte Lejon aufgebracht gesagt. ,,Die meisten Bücher hier sind nur Müll.", hatte Lust gesagt, sich Buchtitel angeguckt und mehrere Bücher aus dem Regal genommen. ,,Als erstes brauchst du einmal das richtige Wissen." Sie hatte die von ihr aus dem Regal herausgeholten Bücher auf Lejons Arbeitstisch gelegt. ,,Lies die hier in der Reihenfolge, in der ich sie dir hingelegt habe.", hatte sie gesagt. ,,Du wirst solange lesen, bis du alles auf Knopfdruck in deinem Gedächtnis abrufen kannst."


Die nächsten Stunden hatte Lejon angestrengt mit Lesen verbracht, bis er schließlich aufgestöhnt hatte: ,,Ich kann das nicht. Das ist mir viel zu schwer. Das kann ich auf keinen Fall alles im Kopf behalten." Lust hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. ,,Ist schon in Ordnung, du schaffst das.", hatte sie zu ihm gesagt. ,,Du hast Talent. Komm schon, glaub an dich." Er hatte genickt und weitergelesen, während Lust ihn beobachtet und plötzlich den Mann von damals gesehen hatte, der sie in ihren Armen gehalten und den Gott Ishbala angefleht hatte. Sie hatte sich selbst in einem Bett liegen sehen, mit einer Hand liebevoll über das Gesicht des Mannes streicheln sehen, kurz bevor ihr Leben geendet hatte. Schon wieder..., hatte sie verwirrt gedacht, als sie aus ihren Gedanken gekommen war. Wer ist diese Person nur? Warum ist er in meinen Erinnerungen...? Lydia hatte die beiden durch den Türspalt beobachtet, ihre versteinerte Hand in einer Schlinge, als ihr Auge plötzlich zu schmerzen begonnen hatte. ,,Nein...", hatte sie aufgekeucht und war weinend hinauf auf ihr Zimmer gegangen, während Lust und Lejon die Nacht über mit dem Durcharbeiten der Bücher verbracht hatten.


Die Tage waren verflogen und noch mehr Dorfbewohner waren an der Krankheit erlitten. Alles, was Lejon nur hatte tun können, war die Bücher zu lesen, die Lust ihm auf den Tisch gelegt hatte.


Tage später waren Lust und Lejon im Wald in der Nähe des Dorfes gewesen, wo Lejon einen komplizierten Mutations-Zirkel gezeichnet hatte, der in einem der Bücher beschrieben gewesen war. ,,Richtig gemacht.", hatte Lust ihn gelobt und ihm auf einmal einen Ring mit blutrotem Stein in die Hand gedrückt. ,,Das ist...", hatte Lejon gestammelt. ,,Ein Geschenk von mir.", hatte Lust gesagt. ,,Der Ring der Alchemisten wird der Kräfte verstärken. Sie hatte ihre Nägel, ungesehen von Lejon, kurz in die Länge wachsen lassen und damit einen vorbeifliegenden Vogel erstochen, der tot zu Boden gefallen war. Lejon hatte sie verwirrt angesehen. ,,Es ist unmöglich für dich, direkt mit der Heilung eines Menschen zu beginnen.", hatte Lust gesagt und den Vogel auf den Mutations-Zirkel gelegt. ,,Bring den Vogel mit deiner Macht wieder zurück in die Luft." Lejon hatte sich konzentriert und seine Hände auf den Zirkel gelegt. Der Ring hatte zu leuchten begonnen, und im nächsten Moment war der Vogel davongeflogen. ,,Ich hab es geschafft!", hatte Lejon gejubelt. ,,Deswegen hab ich ja auch gesagt, dass du Talent hast.", hatte Lust gesagt. Lejon war zu ihr gegangen und hatte ihre Hände in seine genommen. ,,Das habe ich alles dir zu verdanken. Danke.", bedankte er sich bei ihr.
Der Vogel war in der Nähe des Dorfes auf einem Baum gelandet, von dem er Sekunden später tot zu Boden gefallen war...
,,Darf ich dich noch einmal fragen, warum du mich verlassen hast?", bat Lejon Lust, während die Kutsche weiterhin in Richtung des Dorfes fuhr. ,,Du... weißt über meine Gefühle Bescheid... richtig?" Lust griff seine Hand, nahm ihm den alten, nutzlosen unvollständigen Ring der Alchemisten ab und reichte ihm einen neuen unvollständigen Ring der Alchemisten. ,,Du kannst nicht nach allen Antworten suchen.", sagte sie. ,,Du wirst dich noch selbst zerstören, wenn du es tust." Gluttony begann laut zu jaulen, als er mehrere Rehe sah, die vor der Kutsche flüchteten.
,,Ich verstehe nicht, was willst du mir damit sagen?", hatte Lust im Dorf Lydia gefragt, die ihren Arm in einer Schlinge hatte, eine Augenbinde getragen hatte, und auf Krücken gegangen war. ,,Ich flehe Sie an, bitte nehmen Sie mir nicht Lejon... Er und ich sind verlobt." Sie hatte zu Boden gesehen. ,,Sobald ich erst einmal geheilt bin, werden wir beide heiraten." Lust hatte gelacht. ,,Hört sich gut an.", hatte sie gesagt. ,,Gratulation. Wenn ihr mich zu eurer Hochzeit einladet, schreibe ich auch gern eine Rede." ,,Bitte machen Sie keine Witze, ich meine es ernst!!!", hatte Lydia geschrien. Auf einmal war ein stechender Schmerz durch sie hindurchgefahren, die sie aufschreien hatte lassen. Bewusstlos war sie zu Boden gefallen, während Lust sie mit mildem Interesse beobachtet hatte.
Sie war in Lejons Haus gebracht geworden und auf einen Mutations-Zirkel gelegt worden, fast ihr ganzer Körper aus Stein, rasselnd atmend. ,,Lydia... mit meiner Macht werde ich...", hatte Lejon verzweifelt gestammelt. Er hatte sich konzentriert und seine Hände auf den Zirkel gelegt. Der unvollständige Ring der Alchemisten hatte zu leuchten begonnen. Langsam war der Steinkörper zu Staub zerfallen, und aus dem Staub hatte sich Lydia neu zusammengesetzt. Lydia hatte stöhnend ihre Augen geöffnet. Begeistert waren die Dorfbewohner auf Lejon zugestürmt, während Lust, abseits von allen, nur gelangweilt zugesehen hatte.


Bei Sonnenuntergang hatte Lust auf einem Hügel gestanden und zum Dorf hinabgesehen, neben ihr ein alter Mann, den sie schon mehrmals im Dorf gesehen hatte. ,,Wie läuft es?", hatte der alte Mann gefragt. ,,Keine Sorge, es läuft wie geplant.", hatte Lust geantwortet. ,,Ich zähle auf dich, deswegen habe ich ja auch die Plage auf dieses Dorf gehetzt.", hatte der alte Mann gesagt. ,,Lejon beginnt, die Bewohner des Dorfes mit dem gefälschten Ring der Alchemisten zu heilen.", hatte Lust erklärt. ,,Aber das wird nur für den Moment reichen. Und bald wird die Macht des Ringes ganz verschwunden sein." ,,Und dann wird er in seiner Verzweiflung nach dem echten Ring der Alchemisten suchen.", hatte der alte Mann grinsend gesagt und hatte sich in Envy verwandelt. ,,Alles zu unserem Vorteil, also.", hatte Envy gesagt. ,,Bis jetzt haben wir an so vielen Orten bereits immer wieder dasselbe getan.", hatte Lust geseufzt. ,,Alles, um jemanden zu finden, der den echten Ring der Alchemisten erschaffen kann." Envy hatte boshaft gelacht.


Am nächsten Tag hatte sich das ganze Dorf in der Kirche eingefunden, um die Hochzeit von Lejon und Lydia zu feiern. Doch der Bräutigam war nicht erschienen.
Lust und Lejon, in seinem Smoking, hatten zusammen im Wald gestanden. ,,Die Zeremonie wird bald beginnen.", hatte Lust gesagt, ihm den Rücken zugewandt. ,,Ich... Ich kann nicht...", hatte Lejon gesagt. ,,Es ist unmöglich... Was du mich gelehrt hast, war nicht nur Alchemie. Du hast mir etwas viel Wichtigeres gelehrt..." ,,Ich frage mich langsam wirklich, wovon du redest...", hatte Lust gelangweilt gesagt, als Lejon sie plötzlich gepackt und in seine Arme genommen hatte, der Wind ihr langes, rabenschwarzes Haar umspielend. ,,Ich will, dass du an meiner Seite bleibst... für immer...", hatte Lejon gesagt. ,,Für immer...", war es in Lusts Gedächtnis erklungen. Erneut sah sie den Mann mit der dunklen Hautfarbe und den roten Augen vor ihren Augen, der sie in weinend in seinen Armen gehalten hatte. Wer?, hatte Lust verwirrt gedacht. Wer bist du nur? Lust hatt gerade hauchzend ihre Augen geschlossen, als ein Knacken sie und Lejon auseinander hatte springen lassen. Lydia war im Wald erschienen und hatte die beiden erblickt. Weinend war sie davongerannt. ,,Du solltest ihr nachgehen.", hatte Lust gemeint. ,,Aber...", hatte Lejon begonnen. ,,Geh!", hatte Lust ihm schroff befohlen. ,,Lust...", hatte Lejon verzweifelt begonnen. ,,Beeil dich!!!", hatte Lust gebrüllt. Er hatte sie ein letztes Mal angesehen, dann war er Lydia gefolgt.


Wenige Stunden später war eine Kutsche davongefahren, in der Lust und Gluttony gesessen hatten. ,,Ist das auch wirklich in Ordnung?", hatte Gluttony unsicher Lust gefragt, die die ganze Fahrt über nur schweigend aus dem Fenster gesehen hatte. ,,Du machst mir gerade noch mehr Angst als Envy, Lust."


Die Kutsche näherte sich dem Dorf immer mehr. ,,Wir sind fast da.", sagte Lejon zu Lust und sah zum unvollständigen Ring der Alchemisten. Bitte haltet durch, dachte er. Mit dieser neuen Macht...


Am späten Nachmittag sahen Lejon und Lust vom Hügel her auf das erneut geheilte Dorf hinab.


Es war später Abend, als Lust und Lejon bei Mondschein durch das Dorf wanderten. ,,Du hast uns erneut gerettet, genau wie vor zwei Jahren.", sagte er zu ihr. ,,Ich frage mich, ob du dich... an den Tag erinnerst, als ich... dich in meine Arme genommen habe." Er legte seine Hände auf ihre Schultern, sah sie kurz an, und nahm sie dann in seine Arme. ,,Aber diesmal ist es nicht so wie damals... Ich lasse dich nicht noch einmal gehen.", sagte er. ,,Geh nicht!!!", hörte Lust den Mann mit der dunklen Hautfarbe und den roten Augen weinen und sah ihn auf ein Gebilde aus Sehnen, Fleisch und Muskeln schauen, das auf einem Mutations-Zirkel lag. Lusts Augen wurden zu Schlitzen, und im nächsten Moment hatte sie mit ihren Fingernägeln Lejons Herz durchbohrt. ,,W... Warum?", fragte er mit vor Entsetzen geweiteten Augen. Sie ließ ihre Fingernägel wieder auf normale Größe schrumpfen und den toten Lejon zu Boden sinken. Schreie waren im nächsten Moment überall im Dorf zu hören, als die Versteinerungs-Krankheit schlagartig wieder ausbrach und alle Bewohner des Dorfes dahinraffte. ,,Du bist meine kleine... Kontroverse.", beantwortete Lust Lejons letzte Frage, während der unvollständige Ring der Alchemisten in tausend Stücke zersprang. Sie sah zum Nachthimmel hinauf. ,,Woher komme und wohin werde ich gehen?"


Als Leon, Winry, Fayt und Lydia bei Morgengrauen des Dorf erreichten, erstarrten sie vor Entsetzen, als sie die vielen Menschen in dem ausgestorbenen Dorf sahen, die tot auf den Straßen lagen, alle zu Stein erstarrt. ,,Lejon!!!", schrie Lydia entsetzt, als sie am Boden den toten Lejon liegen sah. Sie rannte zu ihm, fiel hin und krabbelte weinend weiter. ,,Hey!", rief Leon ihr warnend nach, da sie im dichten Nebel, der über dem Dorf lag, verschwunden war. Als sie Lydia wiederfanden, lag sie versteinert neben Lejon, ihre Hand in seiner. ,,Das kann nicht sein...", stammelte Winry weinend. ,,Großer Bruder... was genau ist das...?", fragte Fayt mit haltlos zitternder Stimme. Eine Kutsche, die davonfuhr, war aus der Ferne zu hören.
,,Hey... hey...", quengelte Gluttony in der Kutsche, die aus dem Dorf fuhr, und stupste Lust an, die die ganze Zeit über schweigend aus dem Fenster sah. ,,Hey, Lust, ich hab Hunger. Hey..." Traurig ließ er den Kopf hängen und sah aus dem Fenster, während Lust tiefer und tiefer in lang vergessenen Erinnerungen versank.


Vorschau Kapitel 36: Sünder: Jeder trägt Sünden mit sich, die er am liebsten vergessen oder ungeschehen machen würde... jeder...