Samstag, 29. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 29: Unschuldiges Kind

Leon, Fayt, Izumi und Mason sahen allesamt den lächelnden Jungen von äußerst heller Hautfarbe an, der hinter den Gebüschen stand und zu ihnen sah. ,,Arbeit er mit dir zusammen, Mason?", fragte Fayt Mason. ,,Ich hab euch nur vor drei Jahren Angst gemacht.", antwortete Mason kopfschüttelnd. ,,Sie hat mich auf euch aufpassen lassen, damit ihr nicht sterbt." ,,Warum hast du uns dann angegriffen?!?", fragte Fayt aufgebracht. ,,Izumi hat mir gesagt, ich soll euch ein wenig trainieren.", erklärte Mason. ,,Was zum Teufel!", rief Leon empört. ,,Das war nicht nur "ein wenig", wir wären fast gestorben!" ,,Ja! Du bist damals entschieden zu weit gegen zwei kleine Kinder gegangen.", sagte Fayt. ,,Ah, meine Güte! Hört auf, euch über längst vergangene Dinge zu beschweren!", brüllte Izumi. ,,Tut uns Leid!", kreischten Leon und Fayt und wichen ängstlich vor ihr zurück. Izumi schritt an ihnen vorbei und auf den Jungen zu. ,,Sensei?", fragte Leon. ,,Er ist nur ein Kind.", sagte Izumi, während sie auf ihn zuging. ,,Vielleicht hat er das Boot seiner Eltern oder so gestohlen und ist hier gelandet. Wenn das der Fall ist..." Blutspuckend brach sie ab. Der Junge erschrak beim Anblick. ,,Sensei!", riefen Leon und Fayt und rannten zu Izumi, die zu Boden gesunken war. Voller Angst beugte sich der Junge zu Boden, nahm einen herumliegenden Stein und klatschte in die Hände. Es gab einen Lichtblitz, der Leon und Fayt aufblicken ließ. ,,Großer Bruder! Dieses Licht!", rief Fayt. ,,Er ist ein Alchemist!", schrie Leon, stürmte auf den Jungen zu, rammte ihn zu Boden und setzte sich auf ihn. Schreiend versuchte sich der Junge zu befreien und packte Leon mit seiner rechten Hand ins Gesicht. ,,Hör auf, du kleiner...", fauchte Leon und stieß seine Hand zur Seite. Mit seiner linken Hand aus Stein schlug der Junge gegen Leons Schläfe. ,,Autsch!", schrie Leon, packte die linke Hand und erschrak, als er sah, dass sie aus Stein war. ,,Er hat seine Hand zu Stein mutiert!" Der Junge verpasste ihm mit seiner rechten Hand eine Ohrfeige, befreite blitzschnell seine Steinhand und wollte mit ihr nach Leon ausholen. Doch er wich aus, klatschte in die Hände und berührte den Jungen. Blätter schossen in die Luft und wurden vom Wind davongetragen, und plötzlich war der Junge vollkommen nackt. Ein Stein kullerte von der linken Hand des Jungen, die Sekunden zuvor noch aus Stein gewesen war. ,,Was zum...?!?", stammelte Leon und wich zurück. ,,Die Kleidung von ihm war aus Blättern?!?" Fayt neigte den Kopf verdutzt zur Seite, als er bemerkte, dass die linke Hand und das linke Bein des Jungen ein viel dunklere Hutfarbe hatten als der Rest des Körpers des Jungen, der nun haltlos zu weinen begonnen hatte. ,,Was tust du da?", schrie Izumi, stand wieder auf und stieß Leon zur Seite. ,,Er ist doch nur ein Kind." Sie ging auf den am Boden liegenden und weinenden Jungen zu und zog sich die Jacke aus. ,,Aber...", begann Leon, während Izumi ihre Jacke um den Jungen legte. ,,Er könnte hinter uns her sein." Sie stutzte kurz, als sie die Wunde am linken Arm an der Schulter des Jungen sah. ,,Hinter euch her sein?", wiederholte sie belustigt. ,,Bist du schon in diesem Alter ein gesuchter Schwerverbrecher, oder wie?" ,,Ich mache keine Witze...", fauchte Leon. ,,Woher kommst du?", fragte Izumi den Jungen und setzte ihn auf ihren Schoß. ,,Wo sind deine Eltern?" ,,Ich weiß nicht...", schluchzte der Junge. ,,Wie heißt du?", fragte Izumi weiter. ,,Ich weiss nicht...", weinte der Junge verzweifelt. ,,Ich weiss überhaupt nichts." Erneut begann er lauthals loszuweinen. ,,Du musst nicht weinen.", sagte Izumi und nahm ihn tröstend in ihre Arme. ,,Es kommt alles wieder in Ordnung." Der Junge klammerte sich an ihr fest und presste sich näher an sie, ihre Wärme suchend. Sie lächelte und zog ihn ebenfalls näher an sich heran.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Sie brachten den Jungen zum Restaurant von Izumi, wo er sich kräftig den Bauch vollschlug. Belustigt sah Izumi zu, wie ein Schnitzel nach dem anderen im Sekundentakt zu verschwinden schien. Izumis Mann brachte Nachschub - Kartoffelauflauf. Der Junge wollte es sich schnappen, doch Izumi verpasste ihm einen leichten Klaps auf die Hand und sagte: ,,Das ist noch zu heiß. Iss erst das andere auf." Gierig aß er weiter.
,,Bin ich froh, dass ihr beiden lebend zurückgekommen seid.", sagte Winry, die mit Leon und Fayt vom Balkon des Hauses dabei zusah, wie Mason mit den Nachbarskindern Rugby spielte. ,,So leicht sterben wir nicht.", sagte Leon, ein wenig beleidigt. ,,Also hat Sensei euch vergeben?", fragte Winry. ,,Das wäre ein wenig zu viel verlangt.", meinte Fayt. ,,Hmm?", machte Winry fragend. ,,Wir haben uns gegen ihre Lehren gewandt.", erklärte Leon. ,,Wir wussten, dass wir lediglich ein Teil des Flusses dieser Welt sind. Aber wir waren geblendet, und dachten, es gäbe in uns ebenfalls eine Welt. Und wir versuchten, diesen Fluss zu ändern..." ,,Was wir getan haben, ist unverzeihlich." Winry sah wieder in den Vorgarten hinab, wo die Kinder den kichernden Mason nun zu Boden gerungen hatten, um an den Ball zu kommen. ,,Das ist doch bescheuert.", sagte sie schließlich, sichtlich verstimmt. ,,Jeder macht Fehler. Ich werde jetzt auf der Stelle mit ihr darüber reden!" Sie wandte sich zur Tür. ,,Ich werde sie fragen, ob sie denn nie einen Fehler gemacht hat!" ,,Warte, Winry!", rief Leon und packte sie schnell, während Fayt sich vor die Tür stellte. ,,Ist schon in Ordnung." ,,Sensei weiss das bereits.", erklärte Fayt und dachte zurück an den Tag, als Izumi sie verprügelt und danach in den Arm genommen hatte. ,,Es ist wirklich in Ordnung, Winry." ,,Verstehe.", sagte Winry. Erleichtert ließ Leon sie wieder los. ,,Was wollt ihr jetzt tun?", fragte sie. ,,Nun...", begann Leon. ,,Geht es um diesen Jungen?", fragte Winry. ,,Sensei vertraut diesem Kind zu sehr, nur weil es keine Erinnerung hat.", sagte Leon. ,,Aber sie hat doch der Polizei wegen ihm berichtet, richtig?", sagte Winry. ,,Und sie sagte, sie würde sich um den Jungen kümmern, bis sie etwas über ihn herausfinden." ,,Ich hoffe, dass er auch wirklich nur ein verschwundenes Kind ist...", seufzte Fayt.


Es war Abend geworden. Winry schlief in ihrem Bett tief und fest, den Schraubenschlüssel, den Leon ihr damals geschenkt hatte, fest umklammert.
Mason rollte sich im Schlaf hin und her und murmelte: ,,Mann, das ist aber zäh..."
Izumi schlief mit dem Kopf auf der Schulter ihres Mannes, der mit offenen Augen schlief und lautes Schnarchen von sich gab.
Leons und Fayts Betten waren hingegen leer.
Die beiden hatten sich durch den Flur und zu dem Zimmer des Jungen geschlichen, an dessen Zimmertür Leon mit einem Zahnstocher herumwerkelte. ,,Lass uns aufhören, großer Bruder.", bat Fayt ihn. ,,Sensei hat das Schloss mit Alchemie erschaffen. Sie wird es herausfinden, wenn wir es aufschließen." ,,Dann...", begann Leon und sah hinauf zur Decke.
Sie gingen hinauf zum Zimmer, das über dem Zimmer des Jungen lag. Leon klatschte in die Hände und berührte den Boden, der sich aufwellte und ein Loch freigab, durch das man in den Raum darunter springen konnte. ,,Wir klettern danach wieder hier durch und schließen es wieder.", sagte Leon und sprang hinab in das Zimmer des Jungen. Er stutzte, als er sah, dass das Bett im Zimmer leer war. ,,Willste spielen?", fragte der Junge, der kopfüber an der Leiste hing, an der die Gardinen angebracht war, und erschrak damit Leon. ,,Bin ich erleichtert.", sagte der Junge fröhlich, während Fayt ebenfalls ins Zimmer sprang. ,,Alle sind tot, deswegen hab ich mich schon richtig gelangweilt." ,,Sie sind nicht tot. Sie schlafen nur.", erklärte Leon. ,,Was sollen wir denn spielen?", fragte der Junge aufgeregt. ,,Ah, ich weiss!" Er ließ sich fallen, landete auf allen Vieren, rannte pfeilschnell wie ein Tiger zur anderen Seite des Zimmers und packte sich eine Maus, die versucht hatte zu flüchten. ,,Damit habt ihr doch letztes Mal gespielt, nicht wahr?", fragte der Junge und hielt ihnen die laut quietschende Maus hin. Leon und Fayt erinnerten sich zurück, wie sie auf der Insel gestern eine Maus gejagt hatten. ,,Also hast du uns die ganze Zeit über beobachtet.", sagte Fayt. ,,Woher kommst du?", fragte Leon den Jungen. Der begann die Maus fester zu drücken. Sie fiepte wie am Spieß. ,,Hey, lass sie los.", sagte Leon und wollte sie ihm wegnehmen. ,,Nö!", rief der Junge kichernd und wich Leon aus. ,,Man darf nicht einfach so mit dem Leben eines Tieres spielen.", ermahnte Leon ihn. ,,Ich will spielen! Ich will spielen! Ich will spielen!", trällerte der Junge aus voller Kehle und sprang auf dem Bett auf und ab. ,,Sei ruhig! Du weckst noch jeden hier im Haus auf!", schrie Leon. ,,Spielen! Spielen!", rief der Junge weiter. ,,Grrr!", fauchte Leon, klatschte in die Hände und berührte das Bett. Ein Seil schoss daraus hervor und wickelte sich um die Beine des Jungen, der aufs Bett fiel und die Maus fallen ließ. Das Tier versteckte sich schnell unter dem Bett. ,,Wow! Wow!", rief der Junge begeistert mit Blick auf das Seil, das seine Beine fesselte. ,,Du kannst das auch, richtig?", fragte Leon. ,,Nein.", sagte der Junge kopfschüttelnd. ,,Lüg nicht!", fuhr Leon ihn an. ,,Auf der Insel hast du einen Stein mutiert. Und deine Kleidung hattest du auch mit Alchemie hergestellt, richtig?" ,,Großer Bruder, sei doch nicht so grob...", mischte sich Fayt ein. ,,Fayt, du hast es doch auch gesehen.", sagte Leon zu ihm. ,,Dieser Junge hat eine Mutation ohne Mutations-Zirkel vollführt. Sensei und ich sind so gut wie die einzigen, die das können." Der Junge versuchte sich von der Fessel zu befreien. ,,Aber Sensei hat einfach so getan, als wenn sie nichts gesehen hätte. Irgendetwas stimmt hier nicht!" Er sah zu dem Jungen, der sich immer noch mit dem Seil abmühte. ,,Was ist los?", fragte er ihn. ,,Mach dich doch mit Alchemie los." ,,Nimm´s ab! Nimm´s ab!", schrie der Junge und begann um sich zu schlagen. ,,Nimm´s ab!" ,,Großer Bruder, er hat nichts mit diesen Leuten zu tun.", sagte Fayt zu Leon und legte ihm eine Hand auf die Schulter. ,,Nimm´s ab!", schrie der Junge weiter. ,,Fayt, ich hab sein Gesicht schon irgendwo einmal gesehen.", sagte Leon. ,,Nimm´s ab!", brüllte der Junge. ,,Irgendwo hab ich es gesehen, da bin ich mir ganz sicher.", sagte Leon. ,,Nimm´s ab!", kreischte der Junge, als es im nächsten Moment einen Lichtblitz gab, der das Bett und den Jungen verschluckte. Als es wieder dunkel im Raum war, war das Bett in die Höhe gewachsen, vollkommen verzerrt, an der Spitze der Körper des Jungen, der mit dem Bett verwachsen war. Der Junge begann verzweifelt und aus voller Kehle zu weinen. ,,Großer Bruder! Was hast du getan?!?", rief Fayt entsetzt. ,,Gar nichts!", rief Leon, nicht minder entsetzt. ,,Ich kann kein Bett zusammen mit einem Menschen mutieren und miteinander kombinieren!" Die Tür wurde mit voller Wucht aufgestoßen und eine zornige Izumi, gefolgt von ihrem noch schlaftrunkenen Mann, betrat den Raum. ,,BEI DEM LÄRM KANN DOCH NIEMAND SCHLAFEN!!!", brüllte sie und trat Leon und Fayt quer durchs Zimmer. ,,Hey.", sagte ihr Mann und tippte sie an. Sie erschrak, als sie den Jungen sah, der sich mit dem Bett vereint hatte. ,,Mach´s wieder rückgängig!", weinte der Junge aus voller Kehle. ,,Mach´s wieder rückgängig! Mach´s wieder rückgängig!" ,,Das waren wir nicht, Sensei.", sagte Leon sofort. ,,Es stimmt!", rief Fayt. ,,Mein großer Bruder mag zwar ständig lügen, aber diesmal sagt er die Wahrheit!" ,,Fayt...!", grummelte Leon zornig. ,,Ich weiss, dass ihr es nicht wart.", sagte Izumi und strich über das mutierte Bett. ,,Ich hab euch nie unsinnige Alchemie wie diese hier beigebracht." ,,Holt mich runter! Holt mich runter!", weinte der Junge verzweifelt. ,,Hör auf zu weinen!", fuhr Izumi ihn an. Der Junge stoppte sofort. Izumi seufzte und ihre harten Züge verschwanden sofort. ,,Es wird alles wieder in Ordnung.", sagte sie und lächelte freundlich. ,,Kannst du dich an deine eigene Form erinnern?" Der Junge nickte. ,,Erinnere dich einfach an deine ursprüngliche Form.", sagte Izumi und nahm seine Hand in ihre. ,,Langsam, ganz langsam..." Es gab einen Lichtblitz, und schon stand das Bett wieder an seinem alten Platz, der Junge haltlos weinend in Izumis Armen. Zum ersten Mal bemerkte Fayt, dass das linke Bein des Jungen eine viel dunklere Hautfarbe hatte als der Rest des bleichen Körpers. ,,Ihr idiotischen Schüler!", schrie Izumi Leon und Fayt an und wickelte den Jungen in die Bettdecke ein. ,,Was hattet ihr mit diesem unschuldigen Kind vor!?!" ,,Tut uns Leid, Sensei!", riefen die beiden Brüder und warfen sich vor Izumi zu Boden. ,,Aber wir haben uns Sorgen gemacht...", versuchte Leon zu erklären. ,,Was ist, wenn er zu diesen Typen gehört, die hinter uns her sind?" ,,Wer ist hinter euch her?", fragte Izumis Mann. ,,Sie... nennen sich Homunculi.", antwortete Leon und sah zu Boden. Izumi und ihr Mann erstarrten und warfen sich besorgte Blicke zu.
Havoc hatte Roy zum Haus der Familie Hughes gefahren, doch anstatt auszusteigen, blieb Roy einfach im Wagen und sah zum Haus hinüber, während Havoc sich draußen eine Zigarette genehmigte.
,,Danke, dass du uns so oft besuchst...", bedankte sich Glacier bei Scieszka, die einen Handpuppenkampf mit Elysea auf dem Sofa hatte. ,,Aber was ist mit deiner neuen Arbeit?" ,,Oh, die erledige ich zu Hause, also habe ich immer flexible Arbeitszeiten.", erklärte Scieszka. ,,Scieszka, wenn du immer noch Maes´ Todesfall untersuchst...", begann Glacier und sah zu Boden. ,,Machen Sie sich keine Sorgen!", sagte Scieszka und kitzelte mit ihrer Handpuppe Elyseas Bauch. ,,Ich werde dich mich doch nicht freiwillig in Gefahr begeben.", log sie. ,,Ich bin nicht so unvorsichtig."
,,Wiedersehen!", sagte sie wenig später an der Haustür zu Elysea. ,,Ich gehe dann jetzt.", sagte Scieszka zu Glacier, die ihr zulächelte und nickte. ,,Bis morgen!", sagte Elysea, als ihre Mutter die Tür schloss. Scieszka wandte sich um und sah gerade noch, wie das Militärauto, in dem Roy sah, davonfuhr. ,,Hey! Warten Sie!", rief Scieszka, rannte dem Auto hinterher, stolperte und stürzte zu Boden. ,,Oberst, meinen Sie nicht, wir sollten...?", begann Havoc unsicher. Roy seufzte und nickte. Das Auto fuhr zurück und hielt neben Scieszka ab, die, sich die nun schmerzende Nase haltend, wieder aufstand. Roy klappte das Fenster herunter. ,,Wollen Sie nicht ins Haus und Hughes´ Familie "Hallo" sagen?", fragte Scieszka ihn aufgebracht. ,,Ich darf doch wohl noch vor dem Haus eines alten Freundes anhalten, oder?", entgegnete Roy nur. ,,Ich schätze, Sie sind einfach nur zu feige, den beiden direkt gegenüber zu treten, weil sie nicht den Tod ihres Freundes untersuchen, sondern lieber nach der Pfeife anderer tanzen!", fuhr Scieszka ihn an. ,,Das einzige, was Sie interessiert, ist eine Beförderung!" ,,Na, na, Fräulein...", begann Havoc. ,,Das hier sind Kopien der Bücher, die sich Hughes angesehen hat, bevor er ermordet wurde.", sagte Scieszka, holte mehrere Bücher aus ihrer Tasche und warf sie ins Auto in Roys Schoß. ,,Der Grund, warum Hughes umgebracht worden ist, müsste sich darin irgendwo befinden!" Sie ging ein paar Schritte davon, wandte sich dann aber wieder um und schrie mit Tränen in den Augen: ,,Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Versetzung nach Central City, herzloser Idiot!"


Scieszka saß noch stundenlang in ihrem mit Büchertürmen vollbeladenen Zimmer. ,,Oh Mann... Ich hab keine Ahnung, warum!", stöhnte sie schließlich, über mehrere Dokumente gebeugt. ,,Gehen wir noch einmal die Liste mit den Telefonanrufen durch, die im Hauptquartier eingegangen sind... Es ist kein Code jedenfalls... An den Angestellten an der Rezeption ist ein Anruf eingegangen, ans Justizministerium, an die Sekretärin des Führers..." Sie brach ab. ,,Ich hab einfach keine Idee!", schrie sie und warf ein Dokument hinter sich. Das Dokument traf einen Bücherturm, der umkippte und einen weiteren Turm aus Büchern umkippte. Binnen Sekunden war Scieszka unter einer Lawine von Büchern bedeckt.
Die Sekretärin des Führers, Sloth, telefonierte in ihrem Büro, das direkt an das Büro des Führers grenzte. ,,Das bedeutet ziemlich viel Extraarbeit für mich, da du sie aus den Augen verloren hast.", sprach sie mahnend in den Hörer. ,,Ich bin ziemlich beschäftigt, weißt du." Der Führer trat ein, schritt durch das Büro und ging in sei eigenes. Sloth wartete kurz, dann sprach sie weiter: ,,Ihre Lehrerin lebt in einer Stadt namens Dublith. Dort könnten sie sein."
,,Soll ich dann also dahin aufbrechen?", fragte Envy, der am anderen Ende der Leitung in einem dunklen Raum mit Lust und Gluttony saß. ,,Dann kann ich Greed Lust und Gluttony überlassen, richtig?"
,,Ja.", sagte Sloth. ,,Sie haben die Suche nach dem Ring der Alchemisten noch nicht aufgegeben. Schafft ihnen eine weitere Möglichkeit dafür."
,,Du bist zwar die Jüngste, aber du gibst hier Befehle, als wenn du die Älteste wärst.", kicherte Envy.
,,Ich will, dass die beiden den Ring der Alchemisten erschaffen, aber ich will nicht, dass sie etwas über den Vorfall in Ishbal erfahren.", sagte Sloth. ,,Du verstehst, warum, richtig?"
Der Führer trank genüsslich eine Tasse Tee.


Der nächste Morgen brach an, und alle außer dem Jungen waren bereits wach im Haus der Curtiss´. Winry war in seinem Zimmer, um auf ihn aufzupassen.
,,Warum erschaffen die Homunculi den Ring der Alchemisten nicht selbst?", fragte Izumi, der Leon und Fayt alles erzählt hatten, was in Labor geschehen war, in der Küche. ,,Sie haben gesagt, dass sie ihn nicht selbst erschaffen können, weil sie keine Alchemie benutzen können.", antwortete Leon. ,,Dann ist dieses Kind kein Homunculus.", sagte Izumi und sah zu ihrem Mann, der in einer Ecke der Küche stand. ,,Ja, aber...", begann Leon. ,,Aber es gibt keine Alchemie, die es einer Person erlaubt, sich selbst neu zu strukturieren. Aber er..." ,,Außerdem hat er eine Mutation ohne Mutations-Zirkel vollführt, so wie Ihr und mein großer Bruder.", fügte Fayt hinzu. ,,Das..." ,,Fayt!", unterbrach Leon ihn. ,,Das ist, weil..." ,,Fayt, erinnerst du dich nicht mehr daran?", fragte Izumi Fayt. ,,An was erinnern?", fragte Fayt verdutzt. ,,Leon, du erinnerst dich, nicht wahr?", fragte Izumi Leon. ,,Das "Tor"?", fragte Leon. Izumi nickte, während ihr Mann die Küche verließ, um sicherzugehen, dass niemand der anderen lauschte. ,,Ist es, weil ich "es" gesehen habe?", fragte Leon. ,,War dieses Ding die "Wahrheit"?" ,,"Wahrheit"?", wiederholte Izumi fragend.
,,Großer Bruder! Großer Bruder!", hatte Fayt damals verzweifelt geschrien, als die Mutation ihrer Mutter fehlgeschlagen war und er von schattenhaften Händen in ein Loch gezogen worden war. ,,Fayt!", hatte Leon gebrüllt und versucht zu ihm zu kommen, doch auch er war von diesen schattenhaften Händen gepackt und in ein Loch gezogen worden, ein Loch aus goldenem Licht. Bilder waren in Lichtgeschwindigkeit an ihm vorbeigezogen: Vom vergangenen Ishbal-Krieg... von Statuen des Sonnengottes Leto... Höhlenmenschen... wie er und Fayt Alchemie in Büchern studierten... die Stadt Xenotime, die drohte, vom Roten Wasser überschwemmt zu werden... ihr brennendes Haus... wie sie schuldbewusst vor dem Haus der Rockbells gesessen hatten, nachdem sie Winry mit ihrer ersten Mutation Angst eingejagt hatten... wie sie Tuckers Haus studierten... All diese Bilder der Vergangenheit und Zukunft waren in Sekundenschnelle an ihm vorbeigeschossen, während er durch diesen Tunnel aus goldenem Licht gerauscht war, die schattenhaften Hände ihn immer noch umschlungen...
,,Damals verstand ich nicht, was auf einmal los war...", erinnerte sich Leon. ,,Ich fühlte nur, wie mir eine unglaubliche Menge an Informationen in den Kopf eingezwungen wurde. Aber auf einmal verstand ich... Dinge in der Alchemie, von denen ich vorher nichts gewusst hatte. Ich fühlte mich, als wäre ich kurz vor der kompletten Formel zur erfoglreichen Dürchführung einer Menschlichen Mutation."
Immer mehr Bilder waren an ihm vorbeigezogen: Ein unterirdischer Ballsaal, in dem Rose, das Mädchen aus Lior City mit ihm tanzte... wie er sich freudig auf den Brunnen in Lior City gestürzt hatte, indem statt Wasser Wein geflossen war... verletzte Soldaten, die aus dem Ishbal-Krieg zurückkehrten... Eine pilzförmige Rauchwolke... ein Mann mit markantem Schnaubart, hinter ihm eine Flagge mit einem Hakenkreuz darauf... dreieckige Gebilde in einer wüstenartigen Gegend... eine warz-rot-goldene Fahne... der Mann, der nur ein Bein hatte, dessen Enkeltochter versucht hatte, Leons Auto-Mail-Bein zu stehlen... hochmoderne Autos... die Silbertaschenuhr auf der Niemals den 3. Oktokober vergessen stand... Sternzeichen... Soldaten im Schützengraben... Spermien... komplizierte mathematische Formeln... Eine Flagge mit mehreren verschiedenfarbigen Ringen, aufgespannt in einem riesigen Stadion... ihre erste Begegnung mit Rose... seltsame kleine Schallplatten... Leons und Fatys Vater an dem Tag, als er sie verlassen hatte... Leon, Fayt, Nina und Alexander, die lachend im schneebedeckten Garten saßen... das Mädchen Clara aus dem Dorf, in dem der durchgeknallte Alchemist Majhal gelebt hatte... Dinosaurier... Blumen auf dem Grab seiner Mutter... die zu einer Chimära mutierte Nina... die Diebin Psiren aus Aguroya... ein Mann aus Stahl, der in einem Mutations-Zirkel gefangen war, eine in der Mitte durchgeschnittene Frau wenige Meter neben ihm... er und Fayt am Krankenbett ihrer im Sterben liegenden Mutter... ihre Mutter, die ihne fröhlich zulächelte... Auf einmal war am Ende des Tunnels auf Licht eine Silhoutte erschienen, die genau wie seine Mutter ausgesehen hatte. ,,Mama!", hatte Leon geschrien und versucht seine Hand nach ihr auszustrecken, doch die schattenhaften Hände hielten ihn weiter eisern fest. Er hatte hinter sich geschaut und mit Entsetzen festgestellt, dass die Schattenhände zu Wesen gehört hatten, die ebenfalls aus Schatten zu bestehen schienen. Die Wesen hatten ihn alle breit grinsend angesehen. ,,Stopp! Lasst los! Lasst mich los!", hatte Leon verzweifelt geschrien und versucht nach seiner Mutter zu greifen, die Schattenwesen lauthals lachend. Sekunden später hatte er vor einem gigantischen Tor aus einer seltsamen Substanz gestanden, das offen gewesen war, die Schattenkreaturen dahinter. Ein Schattenwesen, das grüne Augen gehabt hatte, hate ihn besonders breit angegrinst, als das Tor, das über und über mit lateinischen Sätzen versehen war, sich mit lautem Knarzen wieder geschlossen hatte. ,,Wartet!", hatte Leon geschrien und mit der Hand gegen das geschlossene Tor getrommelt. ,,Lasst es mich noch einmal sehen! Die "Wahrheit" war dort drin.... Das, was ich suche!" Ein Raunzen war zu hören gewesen. ,,Gleichwertiger Tausch?", hatte Leon verdutzt wiederholt. ,,Was meint ihr damit? Zoll?" Doch schon im nächsten Moment hatte sich sein linkes Bein aufzulösen begonnen. Er hatte lauthals geschrien, der Schrei in ganz Rizenbul zu vernehmen gewesen, da er plötzlich wieder im Arbeitszimmer seines Vaters gewesen war, ohne sein linkes Bein. ,,Verdammt!", hatte er, am Boden kauernd und sich an den Beinstummel fassend, geflucht. ,,Es hat mein Bein genommen!" Der Nebel hatte sich gelegt und den Blick auf eine Gestalt inmitten des Mutations-Zirkels freigegeben. ,,Mama?", hatte Leon hoffnungsvoll gefragt und zu der Gestalt gesehen: Ein Gebilde, aus Fleisch, Sehnen, Nerven, einer einzelnen Hand, und einem Herz, das röchelnde Atemzüge gemacht hatte. Ein zweiter Schrei von Leon war im Dorf zu vernehmen gewesen. ,,Nein...", hatte er gekeucht und Blut gespuckt. ,,Das ist nicht, was wir wollten... Fayt... Es ist meine Schuld... Es ist meine..."
,,Im "Tor" bemerkte ich, dass ich es immer noch rechtzeitig schaffen konnte.", erzählte Leon. ,,Dass ich Fayt immer noch..."
Leon war durch das Zimmer gekrochen, hatte eine der vielen Statuen, die das Zimmer gesäumt hatten, umgestoßen, den Helm abgenommen und mit seinem eigenen Blut einen Mutations-Zirkel in die Säule gemalt. ,,Gebt ihn mir zurück... Er ist mein kleiner Bruder...", hatte er gekeucht. ,,Ich gebe euch mein Bein, meine Arme, oder mein Herz..." Er hatte denselben Mutations-Zirkel wie den, den er in die Rüstung gemalt hatte, auf sein anderes Bein, seine Arme und sein Herz gemalt, mit seinem eigenen Blut. ,,Gebt ihn mir zurück... Gebt mir meinen kleinen Bruder zurück!" Er hatte die Rüstung berührt und sofort hatten die Mutations-Zirkel, die er gemalt hatte, zu leuchten begonnen. Sofort war er wieder in dem Tunne aus goldenen Licht gelandet und hatte versucht, seinen kleinen Bruder zu fassen zu bekommen, dessen Umrisse deutlich am anderen Ende des Tunnels zu sehen gewesen war. Die Schattengestalten hatten ihn wieder geschnappt, eisern festhalten und lauthals kichernd. Die Schattengestalt mit den grünen Augen und dem besonders breiten Grinsen hatte sich seinen linken Arm geschnappt und ihn von Leons Körper abgerissen. ,,Fayt!", hatte Leon verzweifelt gebrüllt. ,,Fayt! Fayt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"
,,Als ich wieder zu mir kam, stellte ich fest, dass ich in diesem Metallkörper war.", beendete Fayt die Erzählung. ,,Und das Ding, das unsere Mutter sein sollte, was nicht mehr da." ,,Ich hab die "Wahrheit" dort gesehen.", sagte Leon. ,,Deswegen kann ich Mutationen ohne Mutations-Zirkel ausführen, und nur deswegen war ich in der Lage, Fayts Seele an diese Rüstung zu binden. Ist es nicht so?" ,,Du glaubst, dieses Ding war die "Wahrheit"?", sagte Izumi nachdenklich. ,,Aber das muss es sein.", sagte Leon bestimmt. ,,Ich..." ,,War dieses Ding nicht lediglich eine Erklärung dafür, wie ein magischer Trick vollbracht wird?", unterbrach Izumi ihn nachdenklich und stand auf. ,,Sensei, ich erinnere mich!", rief Leon auf einmal und dachte an die Schattengestalt mit den grünen Augen und dem breiten Grinsen. ,,Ich glaube, ich habe diesen Jungen damals dort gesehen." Er stand auf. ,,Wenn dem so ist, ist er nicht menschlich." ,,Es gibt da etwas, was ich feststellen muss.", sagte Izumi. ,,Wir besprechen alles Weitere danach." ,,Sensei!", rief Leon. ,,Ich verbiete euch, ihm zunahe zu kommen.", sagte Izumi und verließ die Küche. ,,Izumi.", sagte ihr Mann, der neben der Tür stand. ,,Mach dir keine Sorgen. Ich will nur etwas überprüfen.", sagte sie, ging zum Medizinschrank und nahm mehrere Pillen ein. ,,Bitte, lass mich allein gehen." ,,Also wissen die beiden nicht, warum ei Homunculus geboren wird, richtig?", fragte ihr Mann. Izumi sah besorgt drein.
Hawkeye, Fury, Farman und Havoc waren damit beschäftigt, das Büro einzurichten, das sie zusammen mit Breda und Roy im Hauptquartier von Central City zugeteilt bekommen hatten, als plötzlich Armstrong in den Raum gestürmt kam. ,,Gentlemen! Willkommen!", rief er, während alle vor Schreck vor ihm zurückwichen, aus Angst vor seinen knochenzermalmenden Umarmungen. ,,Ich, Alex Louis Armstrong, heiße Sie aus ganzem Herzen willkommen!" ,,Tssss... Hören Sie auf mit dem Quatsch und helfen Sie lieber mit.", fauchte Hawkeye und riss die Perücke von Armstrong herunter, der in Wirklichkeit Breda war, der sich verkleidet hatte. ,,Also wirklich, Lieutenant Breda...", seufzte Fury. ,,Nun, wir wissenschließlich nicht, wann dieser Kerl hier reinstürmen wird.", sagte Breda schulterzuckend. ,,Da ist besser, wenn wir darauf vorbereitet sind." ,,Der Major ist nicht hier.", sagte Hawkeye und begab sich wieder ans Auspacken. ,,Oh, wirklich?", fragte Breda verdutzt. ,,Er ist unterwegs zu einer Untersuchung zusammen mit einem Vorgesetzten, der im Militärgericht stationiert worden ist, um Brigadier General Hughes´ Arbeit fortzuführen.", erklärte Hawkeye. ,,Wie heißt dieser Kerl denn, der seinen Posten bekommen hat?", fragte Havoc. ,,Ich glaube, der Name war Frank...", antwortete Hawkeye nachdenklich und stellte eine Leselampe auf. ,,Lieutenant Oberst Frank Archer?", fragte Farman. ,,Sie kennen ihn?", fragte Fury. ,,Er ist ein Mann, loyal zu seinen Militärpflichten.", antwortete Farman. ,,Was? Aber ist das nicht eine gute Sache?", fragte Fury. ,,Militärpflichten...", wiederholte Farman. ,,Das bedeutet, er ist ein Menn, der den Krieg mag."
Armstrong saß mit Lieutenant Oberst Frank Archer, der summend über seine Aufzeichnungen gebeugt war, in einem Zug, der in südliche Richtung fuhr. ,,Lieutenant Oberst, ich habe es Ihnen schon mehrmals gesagt, aber...", begann Armstrong. ,,Sie wissen nicht, wohin die Elric-Brüder gegangen sind.", unterbrach Archer ihn. ,,Sind Sie ein Phonograph oder was?" ,,Es gibt keine Beweise dafür, dass sie nach Süden aufgebrochen sind.", sagte Armstrong. ,,Es ist bereits vollkommen klar, dass sie nach Süden aufgebrochen sind.", widersprach ihm Archer. ,,Sie haben sie überwachen lassen?", fragte Armstrong ungläubig. ,,Diese Brüder sind keine Verräter." ,,Vielleicht.", sagte Archer, wieder in seinen Bericht vertieft. ,,Aber ich habe nicht die Absicht, sie frei herumlaufen zu lassen, so wie Mustang es bisher getan hat... Wir brauchen sie... für den bevorstehenden Krieg."
Winry war mit dem Jungen im Bad und wusch ihm die überlangen Haare.
,,Sorry, Izumi hat mir befohlen, euch nicht rauszulassen.", sagte Mason, der vor Leons und Fayts Zimmer Wache hielt. ,,Und wo ist Sensei hingegangen?", fragte Leon. ,,Weiss ich nicht.", sagte Mason. ,,Sie hat mich gebeten, ihr ein Boot vorzubereiten, also ist sie vielleicht wieder zur Insel aufgebrochen." ,,Insel? Warum?", fragte Leon und stutzte, als er sah, dass Fayt ein Radio auf den Boden stellte und einen Mutations-Zirkel drum herum zeichnete. ,,Was machst du da, Fayt?" ,,Ich hab Winry und den Jungen ins Zimmer unter uns gehen hören.", sagte Fayt.
,,So...", sagte Winry und half dem Jungen in ein Hemd hinein. ,,Und jetzt noch die Haare..." Sie zog ihm sanft die langen Haare aus dem Hemd. Es gab einen Lichtblitz und schon hing ein Telefonhörer von der Decke hinab.
,,Winry, tut mir Leid, wir können nicht aus unserem Zimmer, also...", sprach Fayt in den Hörer.
,,Fayt?", sagte Winry verdutzt, während sich der Junge ängstlich hinter ihr versteckte. ,,Was habt ihr beide nur mit dem Jungen gemacht? Er hat richtig Angst."
,,Oh, verstehe...", sagte Fayt. ,,Winry, das mag jetzt ein wenig komisch klingen, aber es gibt etwas, das ich dich fragen möchte: Es geht um den Körper des Jungen." ,,Fayt? Was redest du da?", fragte Leon verwirrt.
,,Hmm? Ach, das meinst du.", sagte Winry. ,,Ich war echt überrascht. Ich frag mich, was mit ihm passiert ist. Sein linkes Bein und sein linker Arm sind beide viel dunkler als der Rest seines Körpers, und es sieht aus, als hätte jemand sie an seinem Körper befestigt."
Leon erstarrte vor Entsetzen. ,,Fayt... Was versucht du damit zu sagen?", fragte er mit keuchender Stimme. ,,Großer Bruder, du hast gesagt, dass du das Gesicht des Jungen hinter dem "Tor" gesehen hast, richtig?", fragte Fayt. Der Boden brach auf und Leon sprang hinab ins Zimmer darunter. Schreiend wich Winry mit dem Jungen gegen eine Wand zurück. ,,Was ist los?!?", rief Izumis Mann und kam ins Zimmer gestürmt. Leon klatschte in die Hände und berührte dem Boden, aus dem sogleich eine Wand schoss, die Izumis Mann den weg versperrte. ,,Wenn Izumi das rausfindet, bringt sie euch um.", sagte Mason, der in Leons und Fayts Zimmer gegangen war, ängstlich. ,,Wir brauchen nur ein paar Minuten.", sagte Fayt und sprang ebenfalls in den Raum darunter. ,,Ihr Zwei! Sensei hat euch doch gesagt, ihm nicht zunahe zu kommen, richtig?", rief Winry und stellte sich schützend vor den Jungen. ,,Deswegen brauchen wir ja auch nur ein paar Minuten!", sagte Leon, stieß Winry unsanft zur Seite und nagelte den Jungen mit beiden Armen an der Wand fest. ,,Das kann einfach nicht sein...", sagte er mit vor Wut zittriger Stimme. ,,Das war Gleichwertiger Tausch... Ich habe den Körper meiner Mutter im Gegenzug für mein Bein verloren. Und ich habe Fayts Seele im Gegenzug für meinen Arm an diese Rüstung gebunden. Beides war Gleichwertiger Tausch!" Er zerriss das Hemd, das der Junge trug, und besah sich den linken Arm des Jungen, dessen Hautfarbe viel dunkler war als der Rest des Körpers. Er erstarrte, als er die Bisswunde auf dem Arm erblickte. ,,Woher hast du diese Narbe?", fragte Leon ihn und packte ihn am linken Arm. ,,Weiss nicht...", antwortete der Junge ängstlich, den Tränen nahe. ,,Diese Wunde hat ein Fuchs verursacht.", sagte Leon zurück und erinnerte sich zurück, wie er damals mit zehn Jahren auf der Insel von einem Fuchs am linken Arm gebissen worden war. ,,IST DAS MEIN ARM?!?", brüllte er. Schreiend riss der Junge sich los, stieß ihn zur Seite, sprang aus dem Fenster und rannte davon. Leon rannte ebenfalls zum Fenster. ,,Warte, Leon!", rief Izumis Mann, der aus dem Raum über ihm hinabsprang ins Zimmer. Leon sprang aus dem Fenster und rannte dem Jungen hinterher ,,Leonard!", schrie Izumis Mann, doch Leon hörte nicht auf ihn. ,,Vielleicht...", begann Fayt stockend. ,,Vielleicht sind der Arm und das Bein dieses Jungen ja wirklich..."
Der Junge rannte in Panik die Straßen Dubliths entlang, dicht gefolgt von Leon. Eine Gestalt, komplett in Laken gehüllt, beobachtete die beiden von einem Dach aus.
Izumi hatte die Insel erreicht und war zu einer Lichtung gegangen, in deren Zentrum eine Art Opferaltar lag. Schleifspuren führten von dem Altar her in den Wald, so als wäre etwas langsam über den Boden gekrochen. Mit Entsetzten Blick sank sie vor den Schleifspuren zu Boden, Tränen ihr Gesicht hinabrinnend, Blut spuckend.

Vorschau Kapitel 30: Angriff auf das Hauptquartier: Das Hauptquartier im Süden wird angegriffen. Doch wer ist Freund, und wer ist Feind?!?