,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)
Scar hielt Barrys Arm weiterhin eisern fest. ,,D-Du!", rief Fayt erschrocken beim Anblick Scars. ,,Du kennst diesen Kerl?!?", fragte Barry ihn und schrie dann beleidigt: ,,Das ist nicht fair! Du hast nichts davon gesagt, dass du noch mehr Verbündete dabei hast!!!" ,,Verbündete?", wiederholte Scar fragend. ,,Hab dich!", trällerte Barry hämisch und wollte mit der Faust des freien Armes zuschlagen. Doch bevor es dazu kam, zerschmetterte Scar mit der Hand - übrigens seine rechte Hand - Barrys Arm. ,,Aaaaaah!", kreischte Barry und wurde dabei zu Boden geworfen. ,,Was zum...?!?", stammelte Barry, als er bemerkte, dass sein rechter Arm nun fehlte. ,,Wie hast du...?!?" ,,Also hast du ebenfalls solch einen bemitleidenswerten Körper.", sagte Scar. ,,Möge Gott dir Gnade zeigen, wenn ich dich zu ihm schicke." Er zog den rechten Ärmel hoch, unter dem das Tattoo zum Vorschein kam. ,,Aaaah!", schrie Barry erschrocken auf, als er das Tattoo sah, und wich vor Scar zurück. ,,Warum ist dieses Symbol da auf deinem Arm?!?" ,,Dann hast es also schon einmal gesehen?", fragte Scar erstaunt. ,,Uuuuuh!", machte Barry gackernd. ,,Du hast keine Idee, was das ist, oder?" ,,Sag es mir!", befahl Scar und stürzte sich auf ihn, um ihn zu packen. ,,Whoa!", rief Barry, sprang zur Seite und wich gegen die Gebäudewand des Labors zurück. ,,Wenn du weißt, was dieses Tattoo bedeutet, dann sag es mir sofort!", verlangte Scar. ,,Ich verstehe!", rief Barry. ,,Du brennst geradezu darauf, die Wahrheit zu wissen, nicht wahr? Nun..." Er wandte sich zur Wand um. ,,Hmm... Mal sehen... Ähm... ähä..." Er schob eine Kachel zur Seite, hinter der ein roter Knopf zum Vorschein kam. ,,Nun... Tihihi... Ich..." Er wandte sich wieder zu Scar um. ,,Ich werd´s dir nicht sagen." Und mit diesen Worten drückte er den Knopf und die Wand explodierte und krachte in sich zusammen, die Bruchstücke der Wand in alle Richtungen fliegend.
Die Explosion erschütterte auch den Kathedralenraum, in dem sich Leon, Nummer 48 und Nummer 49 befanden.
Doch ein Raum, der der Wand besonders nahe gewesen war, jedoch im tiefsten Geschoss des Labors lag, war besonders von der Explosion getroffen worden: Der Raum, dessen Wände von blutroten Mutations-Zirkeln umgeben war und in dem ein Mann mit schwarzen stacheligen Haaren gefesselt am Boden lag und zu schlafen schien. Tiefe Risse zeichneten sich nun immer mehr in den Wänden des Raumes ab, und die Mutations-Zirkel verloren langsam an Farbe. Der Schädel eines Menschen, der in der Decke im Zentrum eines Mutations-Zirkels gehangen hatte, fiel nun zu Boden und kullerte hinab in eine besonders große Ritze am Boden, die durch das Beben entstanden war. Sofort begann der Mann am Boden sich zu bewegen, amüsiert kichernd. Er stand auf und lachte lauthals und haltlos los und sprengte mühelos die Fesseln, die ihn gefangen gehalten hatten. Die Mutations-Zirkel waren nun ganz erloschen. ,,Hmm... So um die 130 Jahre, würde ich sagen...", murmelte der Mann vergnügt.
Ein Raum mit Zellen voller abstruser Wesen war ebenfalls stark beschädigt worden. Der Mann mit den Stachelhaaren zerstörte die Tür, die den Zugang zu dem Raum versperrte, und schaltete das System aus, das die Kreaturen in ihren Zellen gefangen hielt. ,,Lasst mich euch das nett und einfach erklären: Ihr könnt entweder als Laborratten hier bleiben, oder ihr könnt die Hölle über diejenigen außerhalb dieses Labors bringen, eure Wahl.", sagte der Mann zu den Kreaturen. ,,Ich frage nur einmal!"
Als der Rauch, den die Explosion verursacht hatte, sich wieder gelegt hatte, öffnete Scar seine Augen wieder und stellte verwundert fest, dass sich Fayt auf ihn geworfen hatte, um ihn vor den umherfliegenden Trümmerteilen zu schützen. ,,Ahahahahaha!!!", gackerte Barry von der zerstörten Wand her freudig und sprang vom einen Bein aufs andere. ,,Dieses Labor ist vollgestopft mit Bomben, also kann ich alles hier jederzeit in die Luft sprengen, wenn ich will! Aber nun muss ich euch beiden leider Lebewohl sagen!" Er rannte ins Labor. ,,Nein, warte!", schrie Scar. ,,Wenn du über das Zeichen auf deinem Arm Bescheid wissen willst, musst du ins Labor und mich finden!", trällerte Barry und rannte weiter. ,,Er ist entkommen...", grummelte Fayt. ,,Runter von mir.", befahl Scar. ,,Tut mir Leid...", entschuldigte sich Fayt und stand schnell wieder auf. Scar ging auf den neu entstandenen Eingang zu. ,,Wohin gehst du?", fragte Fayt. ,,Wenn du hier bist, muss der Metallalchemist auch irgendwo hier drin sein.", entgegnete Scar nur und ging weiter. ,,Nein, stopp!", rief Fayt und folgte ihm. ,,Warte auf mich!"
,,Das hat sich wie ein Erdbeben angefühlt.", sagte Leon beunruhigt. ,,Was war das?" ,,Gute Frage.", sagte Nummer 48. ,,Es muss eine der vielen Bomben sein, die in diesem Labor verteilt sind, um etwaige Beweise schnell vernichten zu können. Es besteht Chance, dass sogar noch mehr zusammenbrechen könnte." ,,Und ich weiss immer noch nichts über diesen dämlichen Ort.", fauchte Leon. ,,Ich habe dir doch versprochen, ich würde dir helfen.", sagte Nummer 48. ,,Du bist hierher gekommen, um die Geheimnisse über den Ring der Alchemisten herauszufinden? Ich weiss nicht viel darüber, aber ich kann dich dorthin führen, wo sie ihn aufbewahren." Fayt hob ihn - er war schließlich "nur" ein Helm - hoch. ,,Schön, aber was ist mit deine kleinen Bruder?", fragte Leon und sah zu Nummer 48. ,,Ich meine, wir können ihn schließlich nicht so hier lassen." ,,Kein Grund, sich um mich Sorgen zu machen.", meinte Nummer 49. ,,Erledige mich einfach." ,,Ich habe doch bereits gesagt, dass ich niemanden töte, Basta!", sagte Leon verärgert. Nummer 49 lachte vergnügt und richtete sich mit seinen Armen auf. ,,Du bist es doch, der sagt, wir wären menschlich, richtig? Nun, in diesem Fall sag mir doch bitte, wie soll ich denn in diesem Schrottteil weiterleben?" ,,Nu, ähm... äh...", machte Leon und wollte ihm Nummer 48 aufsetzen. ,,Bitte vereinige uns nicht, bitte!", flehte Nummer 49 und wich auf seinen Armen zurück. ,,Willst du wirklich, dass wir hier bleiben, dieses verlassene Gebäude einsam bewachend, in dieser leblosen, leeren Hülle eines Körpers?" ,,Aber wer sagt denn, dass ihr das tun müsst?", erwiderte Leon. ,,Denkst du etwas, wir könnten hinaus?!?", fragte Nummer 49 ungläubig. ,,Glaubst du denn wirklich, dass die Menschen uns einfach frei herumlaufen lassen würden?!?" ,,Warte mal ´ne Sekunde!", unterbrach Leon ihn. ,,Mein Bruder hat genauso eine Art Körper wie ihr beiden. Genau deswegen bin ich hier und suche nach dem Ring der Alchemisten: Damit ich ihm seinen alten Körper wiedergeben kann. Wenn ich diesen Ring finden könnte, könnte ich einfach..." ,,Wenn wir unsere alten Körper wiedererlangen würden, würden wir einfach exekutiert werden.", unterbrach Nummer 48 Leon und lachte belustigt. ,,Verstehst du jetzt?", fragte Nummer 49. ,,Selbst wenn wir wieder Menschen werden würden, wäre es nur so lange, um getötet werden zu können. Glaubst du wirklich man würde uns, zwei Mörder, freilassen?!?" ,,Nein, es muss...", begann Leon stur. ,,Hör uns zu...", unterbrach Nummer 49 ihn müde. ,,Ich weiss, es ist sehr nobel von dir, aber du verstehst nicht, wie grausam du gleichzeitig zu uns bist: Uns zu necken, uns Menschen zu nennen, wenn wir nur in dieser verdrehten Form leben können, uns daran zu erinnern, was wir verloren haben... Das ist wahrlich unmenschlich." Er hob seinen linken Arm hoch und packte sich mit der Hand an das Siegel aus Blut, das ihn am Leben hielt. ,,Nein, stopp, du Idiot!!!", brüllte Leon, ließ Nummer 48 fallen, packte den Arm von Nummer 49 und versuche ihn wegzuziehen. ,,Was, glaubst du, was du da tust!?!" ,,Halt einfach den Mund und schau zu.", sagte Nummer 48. ,,Was redest du da!?!", brüllte Leon, sich nach Mühe anstrengend, den Arm von Nummer 49 wegzuziehen. ,,Er ist schließlich dein kleiner Bruder!!!" ,,Er war glücklich, dass du ihn menschlich genannt hast.", meinte Nummer 48. ,,Nun kann er nicht mehr zurückkehren zu seinem Leben als Nummer 49. Das ist das einzige, was er tun kann, um seine menschliche Würde zu bewahren." ,,Nein, das ist nicht wahr!!! Ich kann das nicht zulassen!!!", schrie Leon verzweifelt. Nummer 49 schlug ihn mit der anderen Hand von sich weg. ,,Großer Bruder, ich gehe bereits vor.", sagte er zu Nummer 48. ,,In Ordnung.", sagte dieser. ,,NEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!!!!!!", schrie Leon und rannte erneut auf Nummer 49 zu, doch der hatte bereits das Siegel aus Blut zerstört. Beide Arme von Nummer 49 sackten leblos zu Boden. Leon sackte zitternd zu Boden. ,,Kleiner Bruder... Sobald ich mein Versprechen eingelöst habe, werde ich zu dir kommen.", versprach Nummer 48. ,,Was habt ihr euch nur gedacht?", fragte Leon mit schwacher, zittriger Stimme. ,,WAS HABT IHR EUCH NUR GEDACHT?!?" ,,Es war die einzige Entscheidung, die er treffen konnte.", sagte Nummer 48. ,,Ich... habe euch wie Menschen behandelt...", stammelte Leon. ,,Ich hab ihm die Wahl gegeben und er hat sich trotzdem für den Tod entschieden... Was hätte... ich anders tun kö...können, um ihn am Leben zu erhalten?" ,,Das ist eine der vielen Fragen in dieser Welt, die keine Fragen haben.", meinte Nummer 48. Leon stand schwankend wieder auf. ,,Ich werde Fayt wieder seinen Körper zurückgeben.", sagte er mit fester Stimme. ,,Ich werde ihn dies hier nicht durchmachen lassen!" ,,Lass uns gehen.", sagte Nummer 48. Widerwillig hob Leon ihn auf und verließ mit ihm den Raum wieder.
Beunruhigt beobachteten mehrere Gefängniswärter des Gefängnis, das sich in der Nähe von Labor 5 befand, die Rauchwolken, die vom Labor ausgingen.
,,Und wir sollen diese Kerle wirklich freilassen?", fragte einer der jüngeren Wärter, der mit einem alten Wärter durch den Gefängnistrakt schritt. ,,Das waren die Anweisungen.", antwortete der alte Wärter. ,,Sie sollen für Forschungen des Militärs benutzt werden. Sie sind allesamt zu lebenslanger Haft verurteilt worden, aber wenn du mich fragst, sollten sie einfach gehängt werden." Eine weitere Explosion vom Labor her erschütterte das Gefängnis erneut. ,,Was war das?!?", fragte der junge Wärter eingeschüchtert. ,,Das war das Geräusch eines Gebäudes, das durch eine Explosion eingestürzt ist.", kam die ruhige Antwort aus einer Zelle. ,,Was für ein beruhigendes Geräusch..." ,,Das ist genug, Kimbley!", fuhr der alte Wärter den Mann in der Zelle an und schaute durch ein Guckloch. Ein Mann mit langen schwarzen Haaren, die in einem Zopf endeten, saß in der Zelle, seine Hände durch ein Brett mit zwei Löchern gefesselt. ,,Hach...", seufzte der Mann, in Erinnerungen schwelgend. ,,Das bringt wirklich Erinnerungen zurück... Erinnerungen von damals beim Ishbal-Krieg..." ,,Raus hier! Man hat dich rufen lassen!", fauchte der alte Wärter und öffnete die Zellentür des Mannes namens Kimbley. ,,Das ist Kimbley, der durchgeknallte Bomber des Militärs.", erklärte der alte Wärter dem jungen Wärter und richtete vorsichtshalber seinen Revolver auf den irre lächelnden Kimbley. ,,Er hat Tausende von Gegner getötet, und eine Hand voll von unseren eigenen Leuten." Ein weiteres Beben erschüttere das Gefängnis. Kimbley lachte erheitert. ,,Solch ein befriedigendes Ringen in meinen Ohren.", hauchte er. ,,Da breitet sich gleich so eine richtig wohlige Wärme in meinem Körper aus." ,,So viel zum einst so goßartigem Hochrotalchemist.", sagte der alte Wärter mit verachtendem Blick auf Kimbleys Hände; auf der linken Handfläche war ein Kreis, in ihm ein Dreieck, und in diesem Dreieck ein Mond gezeichnet, auf der rechten Hand war ein Kreis, in ihm ein Dreieck, und in ihm eine Sonne gezeichnet.
Mehrere Sträflinge, darunter auch der Hochrotalchemist Kimbley wurden von Brigadier General Basque Gran durchs Gefängnis geführt. Moment! War Basque Gran nicht von Scar ermordet worden?!?
,,Nun muss Envy nur noch die letzten Zutaten besorgen.", sagte Lust, die mit Gluttony in Labor 5 angekommen war. ,,Das ist der Moment, auf den ich so lange gewartet habe..." ,,Lust!", rief Gluttony, der ein tiefes Loch, das im Boden des Ganges war, in dem sie sich befanden, hinabschaute. ,,Was ist los?", fragte Lust und kam zu ihm. ,,Es ist er, Lust! Es ist er!!!", kreischte Gluttony und schaute durch das Loch in den Raum hinab, in dem der Mann mit den Stachelhaaren noch vorhin reglos gelegen hatte. ,,Er?!?", fragte Lust erschrocken. ,,Nein, das kann nicht sein!" Sie sah hinab. ,,Das ist nicht gut... Wir müssen uns beeilen, bevor unser Plan gestört wird."
Leon wanderte Dutzende von verschachtelten Gängen entlang, wobei Nummer 48 ihm die Richtung angab. ,,Nur um auf Nummer sicher zu gehen: Wir sind an den verrückten Fallen vorbei, richtig?", fragte Leon. ,,Noch nie ist ein Eindringling in der Lage gewesen so weit zu kommen.", sagte Nummer 48. ,,Du meinst wohl, du und dein Bruder haben jeden getötet, der es je gewagt hat.", berichtigte Leon ihn. Nummer 48 lachte vergnügt. ,,Wer war es eigentlich, der eure Seelen an diese Rüstung gebunden hat?", fragte Leon, stoppte aber, als er vom anderen Ende des Ganges Knurren hörte. ,,Ich dachte, wir wären an all den verrückten Fallen vorbei.", fauchte Leon. ,,Das hier ist keine Fall.", korrigierte Nummer 48 ihn. Mehrere hundeähnliche Chimären stürmten mit weit aufgesperrten Mäulern auf Leon zu. Dieser warf Nummer 48 in die Höhe, klatschte in die Hände und berührte seinen Auto-Mail-Arm, der zu einem Dolch wurde, fing Nummer 48 wieder auf und stürzte sich auf die Chimären, durch die er sich eine nach der anderen hindurchschnetzelte. Noch mehr Chimären erschienen, wobei eine davon Leon zu Boden stieß. Eine andere machte sich zum finalen Angriff bereit, doch ein lauter Pfiff ließ sie und die anderen Chimären erstarren. ,,Was ist passiert?", fragte Leon. Lautes Trampeln erklang und kam näher und näher. ,,Die Chimären gehorchen ihrem Meister, derjenige, der sie erschaffen hat.", erklärte Nummer 48. ,,Willst du mir damit sagen, dass hier unten jemand lebt?", fragte Leon verdattert. ,,Jemand?", wiederholte Nummer 48 belustigt. ,,Ich glaube, man sollte besser "Etwas" dazu sagen." Eine riesige Chimära, ihr Körper der eines überproportionierten Löwen, machte vor Leon Halt, der Kopf so verdreht, dass der Hinterkopf in die Richtung zeigte, wo sonst das Gesicht war; die Chimära hatte also Leon gerade ihren Hinterkopf zugewandt. ,,E... Eine Chimära...", stammelte Leon. ,,Du meinst, diese hier hat all die anderen erschaffen?" ,,Nein, nicht alle von ihnen...", sagte die Chimära mit Flüsterstimme und verbog ihren Kopf so, dass sie nun ihr Gesicht Leon zuwandte; sie hatte das Gesicht eines Mannes mit Brille... ein Gesicht, dass Leon noch gut in Erinnerung hatte und dass ihn oft heimsuchte... in seinen Albträumen. ,,Es ist lange her, Leonard...", sagte die Chimära, immer noch mit Flüsterstimme, irre grinsend. Leon sah den Mann vor sich, wie er ausgesehen hatte, als er noch ein Mensch war: Wie er sie in seiner Villa empfangen hatte, in der er sich auf das Examen für Nationale Alchemisten vorbereitet hatte... wie er ihn mit irrem Blick in jener verhängnisvollen Nacht angestarrt hatte... ,,Tucker... Der Lebenssäheralchemist...", keuchte Leon entsetzt auf und ließ vor Schreck Nummer 48 zu Boden fallen. Er stürzte sich auf Maxwell Tucker und begann ihn zu würgen. ,,Aber wie?!?", schrie er dabei fassungslos. ,,Laut dem Militär hieß es, Sie wären erschossen worden!" ,,Mein Bruder und ich waren am Leben, obwohl es hieß, wir wären exekutiert worden.", mischte sich Nummer 48 ein. ,,Warum überrascht es dich da, dass andere als Chimären weiterleben durften." ,,Ja, aber davon rede ich nicht!!!", schrie Leon voller Zorn. ,,Es ist Nina, um die es hier geht!!!" Er sah das fröhliche, kleine Mädchen, Tuckers Tochter Nina vor seinen Augen... Sie hatten mit ihr gespielt... sie war für sie wie eine Schwester gewesen... doch sie wurde von ihrem eigenen Vater in eine Chimära verwandelt... und endete zerfetzt an der Wand einer Seitengasse... ,,Ihr Tochter ist Tod wegen dem, was Sie getan haben!", schrie Leon weiter. ,,Wie konnte man es Ihnen erlauben weiterzuleben!?!" ,,Ich lebe für Nina...", erklärte Tucker in derselben Flüsterstimme wie eben. Leon sah ihn verwirrt an. ,,Ich weiss, wie du dich gerade fühlen musst, Leonard, aber, bitte, lass es mich erklären...", bat Tucker.
Fayt und Scar wanderten immer noch die Korridore des Labors entlang. ,,Hey, ähm... Ich habe mich gefragt, ob du nicht aufhören könntest, meinen Bruder zu verfolgen?", meinte Fayt zaghaft. ,,Es ist der Wille Ishbalas...", begann Scar. ,,Er ist ein verfluchter Alchemist, und wenn das allein nicht genug wäre, sucht er auch noch den Ring der Alchemisten." ,,Aber warum ist Alchemie so schlimm?", fragte Fayt. ,,Schließlich benutzt du sie doch auch. Dein rechter Arm trägt einen Mutations-Zirkel. Obwohl ich noch nie so einen zuvor gesehen habe..." ,,Das ist das Brandmal, das ich erhielt, als ich meine Berufung annahm, alle Nationalen Alchemisten zu töten.", erklärte Scar. ,,Und was den Ring der Alchemisten angeht...", begann Fayt und blieb plötzlich stehen. ,,Er sucht nicht danach, um ihn als eine Waffe zu benutzen, er will ihn benutzen, um mir meinen alten Körper zurückzugeben." Scar blieb ebenfalls stehen und seufzte. ,,Ihr kennt den Schrecken des Rings der Alchemisten nicht.", meinte er. ,,Doch, das tun wir.", widersprach Fayt. ,,Legenden besagen, dass diejenigen, die dem Stein zu nah kommen, umkommen, richtig? Aber wenn wir nur Angst haben, erfahren wir nie etwas..." Er stoppte. ,,Nun, da ich darüber nachdenke, ich hab davon gehört, dass Ishbal zerstört wurde, weil jemand dem Ring zu nah kam..." ,,Das ist eine Lüge!", schrie Scar erzürnt und packte sich an seinen rechten Arm. ,,Ishbal wurde nicht wegen dem Übel des Rings zerstört! Es wurde von jemand anderen zerstört!"
Es war damals in Ishbal gewesen. Scar, noch ein Teenager von vierzehn Jahren, hatte immer und immer wieder gegen die Haustür seines großen Bruders geklopft. ,,Großer Bruder! Jetzt öffne endlich diese Tür!", hatte Scar gefleht, da sein Bruder einfach nicht geantwortet hatte. ,,Rede mit mir! Großer Bruder!" Die Tür war aufgegangen und sein Bruder hatte hinausgespäht. ,,Großer Bruder...", hatte Scar erleichtert gesagt. ,,Ist es wahr? Versucht du wirklich, Alchemie zu benutzen?" Doch dann war er erschrocken, als er die Kleidung seines Bruders gesehen hatte, die vollgespritzt mit Blut gewesen war, und eine Blutspur hatte ins Haus hinein geführt, in dem es gequalmt hatte. ,,Ich hab versagt...", hatte Scars großer Bruder mit schwerer Stimme gesagt. ,,So kann es nicht vollbracht werden... Aber vielleicht... wenn ich den Ring der Alchemisten hätte..." ,,Nein!", hatte Scar energisch gesagt. ,,Alchemie ist die Quelle allen Übels, die die Welt zerstört, die Gott Ishbala uns gegeben hat! Du weißt das!" Sein großer Bruder hatte die Stirn in Falten gelegt. ,,Aber... Ishbala wird uns jetzt nicht helfen, mein kleiner Bruder.", hatte er gesagt und ins Haus zurückgeschaut, wo eine Masse aus Muskeln, einem Herz und Knochen gelegen hatte, die sich leicht bewegt hatte. ,,Ishbala wird sie nicht zurückbringen..."
Mehrer Jahre später war die Stadt vollkommen heruntergekommen aufgrund des Krieges. ,,Großer Bruder!", hatte der erwachsene Scar, ein Gewehr in Händen, geschrien und war zum Haus seines Bruders gerannt. Eine Explosion in der Ferne hatte den Boden zum Beben und Scar zum Schwanken gebracht. ,,Wir sind verloren...", hatte Scar gekeucht. ,,Sie kommen näher und näher..." Die Tür war langsam aufgegangen. ,,Schnell, großer Bruder! Das Militär... Es...", hatte Scar begonnen, hatte aber erschrocken abgebrochen, als er seinen Bruder erblickt hatte, der vollkommen nackt, sein Körper mit einem einzigen riesigen Tatto versehen, hinausgetreten war. ,,Großer Bruder?", hatte Scar gefragt, da sein Bruder ihn anscheinend nicht bemerkt hatte, sondern nur in die Ferne zu den Rauchwolken hinaufgeschaut hatte. ,,Jetzt sehe ich es alles ganz klar vor mir...", hatte sein Bruder gesagt. ,,Ich weiss, was der Ring der Alchemisten wirklich ist und ich verstehe, warum unser Gott Ishbala uns verbietet, ihn zu suchen... Es ist alles so klar..." ,,Bitte, Bruder! Das Militär kommt immer näher!", hatte Scar ängstlich gesagt. ,,Das Militär versucht uns zu vernichten, indem es die Macht des Teufels gegen uns einsetzt!" ,,Ja, es ist wahr... Ishbal wird von der Welt verschwinden...", hatte sein Bruder gesagt und war in Tränen ausgebrochen. ,,Aber das ist etwas, das schon seit langem vorbestimmt war... Schicksal... Ich habe wirklich geglaubt, dass sie, wenn ich nur den Ring der Alchemisten hätte, zu mir zurückkehren würde und das Ishbal und all seine Einwohner vom Militär befreit werden würden... Aber nein, um sie zurückzubringen, muss Ishbal zerstört werden..." ,,Das kannst du nicht sagen!", hatte Scar ihn angefahren, doch sein Bruder hatte nicht auf ihn gehört, sondern war in Richtung der Rauchwolken geschritten. ,,Großer Bruder!", hatte Scar ihm hinterhergerufen. Es hatte eine Explosion ganz in der Nähe gegeben, die alles hatte einstürzen lassen. Als Scar wieder zu sich kam, war keine Spur mehr von seinem Bruder...
Fayt legte Scar eine Hand auf die Schulter. ,,Scar, wir haben gehört, dass der Ring der Alchemisten aus Menschen erschaffen werden könnte.", sagte er. ,,Wir sind hierher gekommen, um die Wahrheit herauszufinden, weil wir die Wahrheit wissen müssen. Wenn dies jedoch wirklich die Wahrheit sein sollte, dann werden wir..." ,,Meine Güte... Meine Güte...", wurden sie von jemandem unterbrochen. Sie sahen zum Ende des Ganges, wo Lust, gegen eine Tür gelehnt, und Gluttony standen. ,,Dieser Tag häuft sich ja geradezu mit unschönen Störungen." ,,Wer sind die denn?", fragte Fayt. ,,Du schon wieder.", sagte Scar zu Lust. ,,Diesmal weiss ich, warum du dieses Gesicht hast. Es ist das Werk meines Bruders... Hat er es wirklich geschafft, dich zurückzubringen?" ,,Wovon redest du?", fragte Lust genervt. ,,Kann ich sie jetzt essen?", fragte Gluttony hoffnungsvoll. ,,Ich weiss nicht so genau.", sagte Lust zu ihm. ,,Ich glaub der Rüstungsjunge wird dir nur Sodbrennen bereiten." ,,Ich will´s dennoch versuchen.", sagte Gluttony sabbernd. ,,Die Homunculi...", sagte Scar bitter. ,,Homunculi?!?", wiederholte Fayt erschrocken und sah zu Lust und Gluttony. ,,Das kann nicht sein..." Lusts Fingernägel nahmen die Länge und die Spitze von Speeren an.
Tucker hatte Leon und Nummer 48 in einen Forschungsraum weit unterhalb der Erde gebracht. ,,Das Militär hat also Ihren Tod nur vorgetäuscht und Sie dann hierher gebracht, damit Sie Chimären erschaffen, richtig?", fasste Leon zusammen. ,,Nicht nur Chimären, Leonard.", meinte Tucker mit dieser nervigen Flüsterstimme. ,,Ich habe mehrere Forschungsprojekte in Arbeit, wobei keines jemals an die Öffentlichkeit geraten darf. Du kannst das bestimmt verstehen." ,,Es gibt dennoch etwas, was Sie mir nicht verraten haben.", sagte Leon. ,,Sie sind in eine Chimära verwandelt worden, aber Sie sind nicht wie diese Biester von eben: Sie haben all ihre Intelligenz behalten, die Sie als Mensch hatten, und sie sind stabil, etwas was sie früher nicht erreichen konnten. Was für ein Alchemist hat solche Fähigkeiten? Doktor Marcoh? Basque Gran? Oder ist es jemand anderes? Antworten Sie mir, Tucker! Wer zum Teufel steckt hinter diesem Ort!?!" Tucker hörte ihm nicht zu, sondern sah nur zu dem Vorhang hinter Leon. Leon wandte sich verwirrt zum Vorhang um. ,,Bitte sieh sie nicht an, Leon.", bat Tucker ihn. ,,Sie ist äußerst schüchtern." Leon rannte zum Vorhang, zog ihn zur Seite und erstarrte: Dutzende von Tanks standen dort, alle gefüllt mit Nährwasser, in ihnen Chimären, die allesamt Menschen ähnelten. Doch nicht die Chimäran hatten Leons Aufmerksamkeit, sondern das leblose Mädchen mit dem leeren im mittleren Tank. ,,Ni... Nina...", stammelte er. ,,Sie ist noch nicht in der Lage, ihre Form aufrechtzuerhalten, wenn sie der Luft ausgesetzt wird.", erklärte Tucker. ,,Sie können noch immer keine Menschliche Mutations vollführen und sie zurück ins Leben holen, also haben... Sie eine Chimära erschaffen, die wie sie aussieht, ist es so?", sagte Leon mit zittriger Stimme. ,,Ich habe es versucht und bin gescheitert, und das sehr, sehr oft.", sagte Tucker. ,,Und am Ende bin ich in dieser Chimärenform gelandet. Aber ich bin... Ich bin fast am Ziel angelangt... fast..." Er schritt auf eine große Metalltür zu. ,,Fast?", wiederholte Leon verwirrt, als Tucker die Tür öffnete, und er erneut erstarrte. Er stürmte in den riesigen Raum dahinter, seinen Kopf in alle Richtungen reckend: Der ganze Raum war in Blutrot getaucht, die Wände Tanks voll mit Rotem Wasser, übersäht mit Mutations-Zirkeln und lateinischen Sätzen, in der Mitte des Raumes sechs riesige Glasbehälter, ebenfalls mit Rotem Wasser gefüllt, am Rande eines sehr seltsam aussehenden Mutations-Zirkels aufgereiht. Langsam kam Leon neben einem der sechs Behälter zum Stehen. Er drehte am Hahn, der am Behälter angebracht war, und heraus floss etwas des Roten Wassers, das zu Bodne tropfte und zu einem blutroten Stein wurde. ,,Das ist dasselbe Zeug, das Marcoh hatte...", stammelte Leon. ,,Das ist der unvollständige Ring der Alchemisten!" ,,Ja, er ist unvollständig, aber er ist dennoch extrem mächtig.", sagte Tucker. ,,Du hast seine Anwendung schon zuvor gesehen." Leon erinnerte sich zurück an Cornero, der mit dem unvollständige Ring der Alchemisten eine Vogel zu einem Monster werden ließ, einen Gehstock zu einer Bazuka... erinnerte sich an Magwar, der aus einem einfachen Gefäß eine todbringende Waffe mit Hilfe des Rings hatte werden lassen. ,,Wenn diese riesige Menge an unvollständigen Ringen der Alchemisten, die sich in diesem Raum befinden, vorsichtig verfeinert werden würde, könnte man einen echten Ring der Alchemisten herstellen.", fuhr Tucker fort. Leon sah mit großen Augen auf. ,,Dies ist, wonach du gesucht hast, Leonard.", sagte Tucker.
Fayt holte mit seiner Metallfaust nach Gluttony aus, der trotz seines Gewichts blitzschnell auswich und Leon gegen eine Wand rammte, die einbrach und Fayt unter sich begrub. Lust schnellte von hinten auf Scar zu. ,,Zu langsam!", rief sie und fuhr blitzschnell ihre Nägel aus. Scar konnte gerade noch ausweichen, so dass Lust nur seinen rechten Hemdsärmel zerfetzte und den Blick auf das Tattoo freigab; es sah genauso aus wie der komische Mutations-Zirkel in dem Raum, in dem sich Leon und Tuckr befanden.
,,Viele haben es versucht, aber niemand hat je Erfolg daran gehabt.", sagte Tucker. ,,Es ist ein unmögliches Unterfangen für jeden gewöhnlichen Alchemisten." ,,Ja, da haben Sie Recht...", sagte Leon. ,,Aber sehen Sie... Ich bin kein gewöhnlicher Alchemist..." Tucker lächelte zufrieden.
Vorschau Kapitel 22: Homunculi: "Homunculi" nannte Scar die Wesen, die seit jeher hinter demselben Gegenstand her sind, wie Leon und Fayt. Doch wer oder was sind diese Wesen genau?!?
Vorschau Kapitel 22: Homunculi: "Homunculi" nannte Scar die Wesen, die seit jeher hinter demselben Gegenstand her sind, wie Leon und Fayt. Doch wer oder was sind diese Wesen genau?!?
