Samstag, 8. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 15: Das Massaker von Ishbal

Wir erinnern uns zurück: Gerade, als es für Leon, Fayt und Marcoh äußerst ernst geworden war, war der Nationale Alchemist Alex Louis ihnen zu Hilfe gekommen und hatte ihnen zur Flucht verholfen.
,,Repräsentant Gottes, versuche mich zu exekutieren: Den Starkarmalchemist Alex Louis Armstrong!", rief Armstrong und nahm einen der vielen hinabgestürzten Felsen des Stollens. ,,Ich werde dir die artistisch alchemistischen Methoden zeigen, die seit jeher in der Familie Armstrong von Generation zu Generation weitervererbt werden!" Er schmiss den Fels in die Höhe und schlug mit einem Schlagring dagegen. Sogleich wurde der Fels zu einem Geschoss, von Blitzen umhüllt, das pfeilschnell auf Scar zuraste, der gerade noch rechtzeitig ausweichen konnte. ,,Und noch einen!", schrie Armstrong und schlug einen Fels zu Boden, aus dem Sekunden später Blitze und Stalagmiten schossen, wobei Scar den Blitzen auswich und die Stalagmiten mit seiner rechten Hand zerstörte. Armstrong warf seine Militärjacke zur Seite, und darunter kam ein mit unzähligen Muskeln übersäter Astralkörper zum Vorschein, mit dem Armstrong, der auf einmal von einem seltsamen Glitzern umgeben zu sein schien, in der Gegen herumposierte und sprach: ,,Hinter Zerstörung liegt Erschaffung! Und hinter Erschaffung liegt Zerstörung! Zerstöre, dann erschaffe... Das ist das Gesetz unseres Universums!" Scar seufzte. ,,Um dich kümmere ich mich, nachdem ich den Metall- und den Kristallalchemist besiegt habe.", sagte er. Doch auf einmal stürzte Armstrong ohne jegliche Vorwarnung und blitzschnell auf den erschrocken dreinschauenden Scar zu und holte mit seiner mülldeckelgroßen Faust aus. Scar wich aus, jedoch wurde ihm seine Sonnenbrille zur Seite geschlagen, unter der blutrote Augen zum Vorschein kamen. ,,Eine Kombination aus roher Gewalt und Alchemie, ich verstehe.", sagte Scar ernst. ,,Das könnte mir einige Probleme bereiten." Armstrongs Augen weiteten sich beim Anblick von Scars Augen. ,,Dunkle Hautfarbe und rote Augen...", stammelte er. Scar wollte davonrennen. ,,Warte!", rief Armstrong und stellte sich ihm in den Weg. Schnell langte Scar nach Armstrongs Gesicht, doch dieser wich aus, so dass Scar stattdessen die Stollenwand traf und noch mehr davon zum Einsturz brachte. ,,Ich dachte, dein Gott verbietet die Alchemie?", wunderte sich Armstrong. ,,Der Prozess eines Mutation kann in drei Schritten beschrieben werden: Das Verstehen der Materie, das Zersetzen der Materie, und die Neuanordnung der Materie. Du stoppst diesen Prozess anscheinend einfach beim zweiten Schritt: Dem Zersetzen der Materie. Du benutzt in der Tat Alchemie." ,,Ich werde nur tun, was mir dieser Arm befiehlt...", sagte Scar mit Blick auf seinen rechten Arm, der mit dem Tattoo versehen war. ,,Selbst wenn es gegen den Willen Gottes geht!" Er stürmte vor, sein Tattoo blutrot leuchtend, während Armstrong mit einem Schlagring zu Boden schlug und so ein Meer aus Blitzen und Stalagmiten erschuf. Es gab eine gewaltige Explosion, und im nächsten Moment war der Minenstollen eingestürzt.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)
Es hatte zu regnen begonnen. Leon, Fayt und Marcoh schlichen sich durch den nobleren Stadteil durch die dunklen Gassen. Schließlich blieben sie draußen vor einem Café stehen, das mit einer Art Plane überdacht war. ,,Großer Bruder, was machen wir jetzt?", fragte Fayt Leon. ,,Ich will so weit wie möglich von diesem Narbentyp weg.", entgegnete Leon, ein wenig bleich im Gesicht. Ein Hund begann in der Nähe laut zu bellen. Die Drei wandten sich um und erblickten die Quelle, die den Hund so verrückt machte: Mehrere Militärwagen, die durch die Stadt fuhren. ,,Doktor Marcoh, runter!", rief Leon und stieß Marcoh hinter einen etwas größeren Blumentopf. Fayt tat so, als wäre er einfach nur eine Statue, während Leon sich mit dem Rücken zum Wagen drehte und interessiert die Speisekarte vor der Tür betrachtete. Die Wagen fuhren an ihnen vorbei. ,,Entschuldigen Sie...", sprach Leon eine Kellnerin in die Nähe an. ,,Dürften wir vielleicht die Hintertür benutzen?"
Sie stürmten durch die Hintertür und weiter in die dunklen Gassen der regennassen Stadt. Die Gebäude wurden nun langsam älter und heruntergekommener. ,,Wir gehen nicht zurück zum Hauptquartier von East City?", fragte Fayt. ,,Brigadier General Gran war darin verwickelt, was bedeutet, dass der Oberst Doktor Marcoh nicht mehr länger beschützen kann.", erklärte Leon. ,,Ich verstehe.", sagte Fayt. ,,Und eine Menge Militärleute von Central City sind derzeitig auch noch dort." ,,Es sind Einheiten von Central City hier?", fragte Marcoh verwundert. ,,Der Führer und die obersten Einheiten sind hier.", sagte Leon. ,,Um mich zu suchen?", fragte Marcoh besorgt. ,,Nein, deswegen nicht.", versicherte Fayt ihm. Sie kamen an einem etwas größeren Platz an, wo mehrere Kinder, die auf der Straße lebten, miteinander im Schlamm spielten. Sie sahen ihnen einige Zeit lang zu, dann wollten Leon und Fayt weitergehen. Doch Marcoh blieb stehen. ,,Wir müssen nicht mehr davonrennen...", sagte er auf einmal und ließ den Kopf hängen. ,,Es ist mir egal, ob dieser Mann mich umbringt." Leon sah ihn verwirrt an. ,,Er hat jegliches Recht es zu tun.", sagte Marcoh.
Das Militär war beim eingestürzten Stollen angekommen und grub in den Trümmern nach Überlebenden. ,,Oberst! Wir haben ihn gefunden!", rief auf einmal Breda, der zu den Grabenden zählte, Roy zu, der sich mit Havoc unterhielt. Roy und Havoc sprangen hinab in die Grube zum stark angeschlagenen Armstrong hinab, den Breda freigebuddelt hatte. ,,Major!", versuchte Roy mit ihm zu reden, doch Armstrong keuchte nur. ,,Hey, Major! Was ist passiert?" ,,Whoa!", rief Hughes erschrocken, der in den Graben gesprungen war und beinahe auf den regennassen Trümmern ausgerutscht wäre. ,,War das knapp.", sagte er und sah sich um. ,,Mann, was für ein Chaos." ,,Second Lieutenant, wo ist Brigadier General Gran?", fragte Havoc ihn. ,,Wenn er immer noch am Leben wäre nach dem, was ihm passiert ist, dann wäre der großartige Stahlblutalchemist in der Lage ins Leben zurückzukehren, nachdem er in einen Hamburger verformt wurde.", antwortete Hughes bitter. ,,Aber er war ein Experte im Nahkampf!", rief Fury. Hughes zuckte mit den Schultern und sah zu Roy, der zu ihm hinüber kam. ,,Es ist Scar. Es besteht kein Zweifel daran.", flüsterte er Roy zu. ,,Er...", begann Armstrong stöhnend. ,,Er ist ein Einwohner des zerstörten Ishbals." Er versuchte aufzustehen. ,,Bleiben Sie sitzen, Major!", befahl Hughes ihm. ,,Es tut mir Leid, dass ich Ihre Befehle nicht ausführen konnte, Second Lieutenant.", entschuldigte sich Armstrong bei ihm. ,,Ich sah seine... Hautfarbe und seine Augen... Sie sind in der Tat die Züge eines Ishbalers." ,,Ich verstehe.", sagte Roy besorgt. ,,Also hat er einen guten Grund dafür, einen Nationalen Alchemisten nach dem anderen umbringen zu wollen."
,,Warum müssen Sie umgebracht werden, nur weil er ein Ishbaler ist?", fuhr Leon Marcoh an, der von Scars Herkunft erzählt hatte. ,,Es waren doch die Menschen aus Ishbal, die den Krieg für Freiheit begonnen haben, richtig?", meinte Fayt. ,,Viele von ihnen starben bei diesem Krieg, aber das Militär erlitt auch beträchtliche Verluste." Marcoh sah zu Boden. ,,Wenn jeder, der eine Krieg verloren hat, Rache wollte, wäre unsere Welt schon längst zerstört.", sagte Leon bitter. ,,Es war kein Krieg...", widersprach Marcoh. ,,Es war ein Massaker. Die Bewohner Ishbals waren ein Stamm in der Östlichen Region, der den Gott Ishbala als ihren einzigen Schöpfer ansah. Ihre Auffassung von Religion war anders als unsere. Wir glauben, dass alles in dieser Welt mathematisch gelöst werden kann. Und wir schätzen das Prinzip des Gleichwertigen Tausches in der Alchemie. Aber die Bewohner Ishbals sahen Alchemie als einen Akt des Teufels, welches Dinge, von Gott gegeben, in Objekte des Bösen verwandelt. Proteste kamen deswegen auf... Aber vor dreizehn Jahren... Ein Soldat erschoss versehentlich ein Kind während einer Inspektion in Ishbal. Danach brachen großräumige Zivilkriege und Aufstände los. Schließlich breitete sich der Zivilkrieg über die gesamte Östliche Region aus und wurde zu einem siebenjährigen Krieg." Er sah zum von schwarzen Wolken verhangenen Himmel auf. ,,In den letzten Jahren dieses Krieges, entschieden sich die Leute in den obersten Rängen des Militärs dazu, Nationale Alchemisten im Krieg einzusetzen."
,,Warum?!?", hatte der Kristallalchemist Marcoh, einer der Nationalen Alchemisten, die man in den Krieg gegen Ishbal geschickt hatte, in einem Zeltlager Basque Gran angeschrien. ,,Die Bewohner Ishbals besitzen weder alchemistisches Wissen noch moderne Waffen aufgrund ihrer Lehren. Gibt es einen Grund dafür, noch mehr auf ihnen herumzutrampeln?" ,,Haben Sie es hergebracht?", hatte Gran nur gefragt, ihn nicht weiter beachtend. ,,Dieses... Ding steckt immer noch in der Entwicklungsphase.", hatte Marcoh geantwortet und seinen Blick von Gran abgewandt, so dass er nun auf den damals noch sehr jungen Roy Mustang gefallen war, der neben ihm gestanden hatte. ,,Und es sollte auch keinen Grund geben, es zu benutzen...", hatte er kleinlaut hinzugefügt. ,,Aber der Zivilkrieg breitet sich immer weiter aus.", hatte Gran gesagt, eine Büste aus Gold, die die Soldaten aus Ishbal geborgen hatte, begutachtend. ,,Weil wir versuchen, sie mit Macht zu unterwerfen, unterstützen immer mehr Stämme den Feind.", hatte Marcoh entgegnet. ,,Ähähähäh!", hatte ein junger, schlacksiger Mann mit rabenschwarzen Haaren, die in einen langen Pferdeschwanz endeten, gelacht. ,,Wollen Sie damit etwa sagen, dass der Führer falsch liegt?", hatte er Marcoh gefragt und vergnügt die Mutations-Zirkel betrachtet, die sich auf seinen beiden Handflächen befanden. ,,Wir haben bereits Tausende von Verlusten auf unserer Seite zu beklagen, und Zehntausende von unseren Einwohnern sind ermordet worden.", hatte Gran gesagt. ,,Das ist Krieg." Er war aufgestanden. ,,Kristallalchemist, zeigen Sie mir es." Marcoh hatte eine Schachtel auf den Tisch gelegt, in der sich mehrere Phiolen mit der roten Flüssigkeit befunden hatten, die sich zu unvollständigen Ringen der Alchemisten verformte, sobald man sie aus der Phiole goss. Roy hatte die Phiolen mit großen, ängstlichen Augen angestarrt, während der Mann mit dem Pferdeschwanz einen äußerst gierigen Blick bekommen hatte. Marcoh hatte betreten zu Boden geschaut. ,,Um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden...", hatte Gran gesagt und eine Phiole an sich genommen. ,,Hiermit erlaube ich ab morgen die Benutzung von Mutationsverstärkern."
,,Was ist danach passiert?", fragte Leon, da Marcoh ins Stocken gekommen war. ,,Nichts.", antwortete Marcoh. ,,Nichts?", wiederholte Fayt fragend. ,,In einer einzigen Nacht wurde alles auf dem Schlachtfeld von den Nationalen Alchemisten dem Erdboden gleichgemacht."
Roy, einen unvollkommenen Ring der Alchemisten tragend, hatte mit den Fingern geschnippt, damit eine ganze Stadt auf einmal in die Luft jagend.
Armstrong, bewaffnet mit einem unvollkommenen Ring der Alchemisten, hatte eine ganze Stadt mit einem Schlag gen Boden vernichtet.
Gran hatte sich, seine Mächte durch den unvollkommenen Ring der Alchemisten verstärkt, als lebende Festung durch die Städte geschossen.
Wir irre lachend hatte der Nationale Alchemist mit dem Pferdeschwans eine Explosion nach der anderen verursacht und dabei begierig den blutroten Ring an seinem Mittelfinger betrachtet.
Am nächsten Morgen hatte Marcoh entsetzt von einem Hügel aus auf das von der Welt verschwundene Ishbal geschaut und war zusammengebrochen, haltlos zuckend...
,,Dort ist er!", rief ein Soldat, der Scar in hinter einer Hauswand erblickt hatte. ,,Hier rüber!" Sofort schossen mehrere Soldaten mit ihren Pistolen auf Scar, der die Flucht ergriff.
Armstrong war in ein Hotel gebracht worden, wo er, bandagiert, in einem Bett lag, Roy und Hawkeye bei ihm. Schließlich wurde die Tür geöffnet und King Bradley, vor dem sich Roy und Hakweye verbeugten, betrat mit seiner Sekretärin, die Leons und Fayts Mutter so ähnlich sah, das Zimmer und erteilte Roy und Hawkeye neue Anweisungen.
Stille herrschte zwischen den entsetzten Leon und Fayt, und Marcoh, der zu Boden sah. ,,Autsch!", schrie plötzlich eines der Straßenkinder, das zu Boden gefallen war und sich den Fußknöchel verstaucht hatte. ,,Zeig mal her.", sagte Marcoh zu dem Jungen und beugte sich zu ihm hinab. Er legte den unvollkommenen Ring der Alchemisten auf den verstauchten Knöchel, der zu heilen begann. ,,Auf dem Schlachtfeld traf ich ein verheiratetes Ehepaar.", erzählte Marcoh während des Heilungsprozesses weiter. ,,Sie waren Ärzte, und sie behandelten jeden, egal ob Verbündeter oder Feind." Er sah zu dem Jungen. ,,Und? Wie fühlt es sich jetzt an?", fragte er ihn. Der Junge bewegte seinen Fuß kurz prüfend und strahlte fröhlich. ,,Danke!", bedankte er sich bei Marcoh und rannte zurück zu den anderen Kindern, um mit ihnen zu spielen. ,,Aber diese beiden Ärzte starben.", fuhr Marcoh traurig fort.
Mehrere Schüsse waren damals in der notdürftig errichteten Arztpraxis gefallen, in denen das verheiratete Ärzte-Ehepaar jeden behandelt hatte. Am ganzen Körper zitternd und das Gesicht vor Angst zur Grimasse verzogen starrte Roy hinab auf die beiden Menschen, die er mit seinem Revolver, den er immer noch in Händen gehalten hatte, ermordet hatte. ,,Oberst Gran, was hat das zu bedeuten?", hatte Marcoh, der mit Gran ebenfalls in der Praxis gewesen war, Gran, der Roy den Befehl gegeben hatte, das Ehepaar zu erschießen, angeschrien. ,,Dieser Ort war ein Versammlungspunkt von Ishbalern. Die beiden Ärzte haben mit ihnen zusammengearbeitet.", hatte Gran gleichgültig erklärt, in einen Bericht vertieft. ,,Alles, was sie tun wollten, war, so viele Menschen wie möglich zu retten!", hatte Marcoh gebrüllt. ,,Die Leben, die sie retten, werden schließlich Soldaten und Einwohner unserer Seite umbringen.", hatte Gran gesagt. Marcoh hatte traurig zu dem Foto, das neben der toten Frau gelegen hatte, geschaut: Es hatte ein Mädchen mit langen blonden Haaren gezeigt, das zusammen mit ihren beiden besten Freunden, zwei blonde Jungen mit goldenen Augen - einer davon trug einen Zopf - stand, gezeigt.
Die Leichen der beiden waren weggetragen worden, doch Roy war in der Praxis geblieben und hatte weiterhin auf die Blutlache gestarrt, die die beiden Schüsse aus seinem Revolver verursacht hatten. Schließlich hatte er die Pistole erneut genommen und sie sich an die Schläfe gehalten. ,,Nicht.", hatte Marcoh gesagt, der die Praxis erneut betreten hatte. Roy war erschrocken herumgewirbelt. ,,Sie haben nur Befehle befolgt.", hatte Marcoh gesagt, einen Reisekoffer in der Hand. ,,Ich bin hierfür verantwortlich. Sie waren Ärzte wie ich und retteten Leben, aber ich..." ,,Was... soll ich tun?", hatte Roy verzweifelt gefragt. ,,Könnten Sie mir den Gefallen tun, mich nicht zu verraten und gehen zu lassen?", hatte Marcoh gefragt. Roy hatte zu ihm aufgesehen...
,,Danach zerstörte ich jeden einzelnen unvollständigen Ring der Alchemisten bis auf einen, den ich mitsamt der Forschungsdaten darüber mit mir nahm.", endete Marcoh. ,,Aber es war zu spät. Die Menschen von Ishbal waren bereits ausgelöscht, und ich hörte, dass es nur äußerst wenige Überlebende gab." ,,Aber deswegen müssen Sie nicht sterben!", beharrte Leon. ,,Er hat einen triftigen Grund, Rache ausüben zu wollen.", sagte Marcoh. ,,Rache, die Menschen, die nichts mit dem Ishbal-Krieg zu tun haben, miteinbezieht, ist absolut nicht triftig.", widersprach Leon. ,,Alles, was er tut, ist seinen rachedurstigen Hass mit dem Titel des Represäntanten Gottes zu tarnen und erhaben zu tun." ,,Aber...", begann Fayt. ,,Wenn dir dasselbe wiederfahren wäre, großer Bruder, würde ich genauso handeln. Das befolgt doch das Prinzip des Gleichwertigen Tausches, nicht wahr?" ,,Nein!", schrie Leon sofort. ,,Rache wird einem nichts zurückbringen! Man muss einfach leben... Lebe, und sei glücklich." Er sah zu Boden. Schließlich ging er auf Fayt zu und klatschte in die Hände. ,,Ich bring das wieder in Ordnung.", sagte er und berührte die Risse auf Fayts Metallarm, der sofort wieder ganz war. ,,Marcoh, würden Sie sich gerne in unserem Heimatland verstecken wollen?", bot er Marcoh an. ,,Mit dem Zug sind wir in drei Tagen dort." Er wandte sich an Fayt. ,,Richtig?" ,,Obwohl es ein wenig schwer für uns wird, dorthin zurückzukehren.", meinte Fayt. Leon lächelte ihm zu. ,,Eine Auto-Mail-Mechanikerin namens Rockbell lebt auch dort.", sagte Leon zu Marcoh, der erstarrte. ,,Dort können wir wahrscheinlich Unterschlupf finden und..." ,,R... Rockbell?", wiederholte Marcoh entsetzt und ging mehrere Schritte rückwärts. ,,Dort kann ich nicht hingehen..." Er wirbelte herum und rannte los. ,,Marcoh!", rief Fayt ihm verwirrt hinterher. Die beiden Elric-Brüder rannten los.
Ein ganzes Dutzend Soldaten hatten Scar an einer Hauswand umstellt, ihre Gewehre allesamt auf sein Herz zielend. ,,Wie töricht.", sagte Scar zu ihnen. ,,Ihr hängt also von Waffen ab, die durch diese verfluchte Alchemie erschaffen wurden..." Er tat einen Schritt nach vorne. ,,Dann..." Seine rechte Hand berührte den Boden, der daraufhin aufriss und die Soldaten verschluckte. Scar wollte weitergehen, doch ein Schuss gellte hinter ihm. ,,Sofort stehen bleiben.", sagte Roy, der mit Havoc und mehreren Soldaten aus einem Militärwagen ausgestiegen war und den Warnschuss abgefeuert hatte. ,,Oberst Mustang!", rief Hawkeye warnend und stieg ebenfalls aus dem Wagen. ,,Mustang?", wiederholte Scar interessiert und wandte sich zu Roy um. ,,Ein Nationaler Alchemist." ,,Korrekt.", entgegnete Roy und warf seine Pistole Hawkeye zu, die diese auffing. ,,Ich bin der Flammenalchemist, Roy Mustang." Er hob eine behandschuhte Hand hoch. ,,Noch einer, der sich gegen den von Gott vorgeschriebenen Pfad gewendet hat.", sagte Scar. ,,Also willst du immer noch gegen mich kämpfen, obwohl du weißt, dass ich der Flammenalchemist bin...", sagte Roy vergnügt. ,,Oberst!", rief Hawkeye aufgebracht und wischte sich die durch den Regen nassen Haare aus dem Gesicht. Scar und Roy stürmten aufeinander zu. ,,Nicht, Oberst!", rief Hawkeye und stellte ihm ein Bein, so dass er zu Boden fiel. Sie sprang vor ihn, zog blitzschnel ihren Revolver und schoss mit ihm und Roys Revolver gleichzeitig auf Scar, der zurücksprang. ,,Was sollte das!?!", fuhr Roy erzürnt Hawkeye an. ,,Sie sind nutzlos, wenn es regnet, also bleiben Sie bitte, wo Sie sind, Oberst.", sagte Hawkeye nur. Roy erstarrte. ,,Er kann keine Funken entfachen, wenn es so feucht ist.", lästerte Havoc mit Breda über Roy. Scar berührte mit seiner rechten Hand ein Haus, auf dem sich sogleich Risse zeichneten. ,,Feuer!", befahl Hawkeye den anderen Soldaten, die zusammen mit ihr auf Scar schossen. Roy nutzte die Risse, die in der Hauswand entstanden waren, um daran hinaufzuklettern und über das Dach zu flüchten. ,,Er ist schnell.", grummelte Hawkeye. ,,Hinter ihm her!", befahl Roy den Soldaten. ,,Lieutenant Breda, warten Sie am Bahnhof auf den Metallalchemisten!" ,,Warum sollte Leon zum Bahnhof gehen?", fragte Breda verdutzt. ,,Ich bin mir sicher, er denkt daran, Marcoh entkommen zu lassen.", erklärte Roy.
Marcoh blieb in einer besonders engen Seitengasse keuchend stehen. ,,Marcoh, warten Sie!", rief Leon und blieb mit Fayt ein paar Meter von ihm entfert stehen. ,,Wir werden Ihnen Ihre Forschungen nicht wegnehmen.", versprach er Marcoh. ,,Nein...", keuchte Marcoh und tat erneut mehrere Schritte rückwärts. ,,Ich kann nicht dorthin gehen..." Mehrere Schüsse waren in der Ferne zu hören, und im nächsten Moment sprang Scar von einem Balkon her zu ihnen in die Gasse hinab. Scar sah einen Moment verdutzt die Drei an, dann stürmte er mit ausgestreckter rechter Hand auf Marcoh zu. Fayt sprintete vorwärts und packte seine Arm. ,,Diesmal weiss ich, dass du nur eine leere Rüstung bist!", rief Scar. Er schlug Fayts Hand blitzschnell zur Seite und berührte mit seiner rechten Hand Fayts rechte Körperseite, die sofort in ihre Einzelteile zerfetzt wurde. ,,FAYT!!!", brüllte Leon entsetzt und musste mit ansehen, wie die Überreste seines kleinen Bruders durch die Gegend flogen und gegen eine Mauer krachten, wo sie regungslos liegen blieben. Voller Zorn stürmte Leon auf Scar zu und schlug und trat nach ihm. Scar wich jedem Angriff aus und packte schließlich Leons Auto-Mail-Arm mit seiner rechten Hand. ,,Indem du in deine Hände klatschst, erschaffst du einen Zirkel und mutierst dann mit der darin zirkulierenden Kraft.", sagte Scar zu Leon, der sich loszureißen versuchte, es jedoch nicht schaffte. ,,Ohne diesen nervigen Arm kannst du nicht mehr Dinge mutieren. Ich werde ihn zerstören!" Rote Funken stoben von Scars Arm zu Leons Metallarm, den es schlagartig in Stücke riss. Leon wurde zurückgeworfen und landete, mit dem Gesicht voran, am Boden. ,,Großer Bruder!", schrie Fayt und versuchte aufzustehen, was ihm jedoch in seinem Zustand nicht gelang. Scar ging langsam auf Leon zu. ,,Großer Bruder, lauf weg!", schrie Fayt verzweifelt. ,,Großer Bruder! Großer Bruder!" Leon rappelte sich auf, sackte aber wieder zurück auf die Knie. Scar blieb vor ihm stehen. ,,Ich werde dir Zeit geben, zu Gott zu beten.", sagte er zu ihm. ,,Unglücklicherweise habe ich aufgehört, an Gott zu glauben.", entgegnete Leon, zu Boden schauend. ,,Du sagtest, dass dein großer Bruder in Ishbal starb, richtig?" ,,Er wurde von einem Nationalen Alchemisten umgebracht.", antwortete Scar. ,,Ich bin ebenfalls ein großer Bruder.", sagte Leon. ,,Töte mich. Das wäre Gleichwertiger Tausch." ,,Was redest du da, großer Bruder?!?", schrie Fayt entsetzt. ,,Du hattest eben noch gesagt, das wäre kein Gleichwertiger Tausch!" ,,Mein kleiner Bruder ist kein Nationaler Alchemist!", fuhr Leon unbeirrt fort. ,,Ich allein sollte genug sein." ,,Ich verspreche dir, dass ich deinen kleinen Bruder nicht töten werde...", entgegnete Scar. ,,Aber du liegst falsch, Metallalchemist. Die Verzweiflung, die ich durchmachen musste, nachdem ich meinen Bruder und die anderen Bewohner Ishbals verlor..." Er zog seinen Ärmel zurück, unter dem das Tattoo zum Vorschein kam. ,,Diese Verzweiflung kann nicht mit Gleichwertigem Tausch befriedigt werden!" ,,Warum willst du dann Rache?", fragte Leon. Scar antwortete jedoch nicht, sondern legte seine rechte Hand auf Leons Stirn auf. ,,Großer Bruder, was tust du da?!?", kreischte Fayt lauthals und versuchte aufzustehen. ,,Lauf weg! Steh auf und lauf weg!!! Lauf weg... Ni... Nicht... NICHT!!!" Scars Tattoo begann rot zu leuchten, jedoch nicht, weil Scar es so wollte. Vor Schmerzen schreiend packte sich Scar mit der anderen Hand an das Tattoo. Er wirbelte herum und erblickte Marcoh, der, den unvollkommenen Ring der Alchemisten in Händen und auf einmal blutrot leuchtend, auf ihn zu schritt. ,,Marcoh?", fragte Leon verwirrt. ,,Sind Sie bescheuert!?! Sie sollten doch davonrennen!" ,,Ich habe einst ein altes Dokument in Ishbal studiert.", erzählte Marcoh, den Stein weiterhin auf Scar gerichtet, der vor Schmerzen schrie. ,,In diesem Dokument habe ich das Tattoo auf deinem Arm gesehen." Er sah zu dem Stein. ,,Das hier ist nicht der vervollständigte Ring der Alchemisten, aber es hat ansatzweise dessen Macht. Immerhin ist dieser Arm..." ,,Stopp! Sag es nicht!", unterbrach Scar ihn zornig. ,,Was geht hier vor sich?", fragte Leon. ,,Marcoh benutzt nicht die Macht des Steines?" Scar stürmte auf Marcoh zu, der zurücksprang und den unvollständigen Ring der Alchemisten nach ihm warf. Der Stein berührte Scars rechte Hand, die sofort von einem Meer aus rote Blitzen bedeckt wurde; Scar heulte vor Schmerzen. Langsam versank der Stein in Scars Hand. Vor Schmerzen heulend rannte Scar aus der Gasse, wo mehrere Soldaten mit erhobenen Gewehren standen, angelockt durch Scars Schmerzensschreie; unter ihnen waren Hawkeye und Roy. Scar schlug seine immer noch rot leuchtende rechte Hand zu Boden. Der Boden brach auf, wirbelte eine gewaltige Menge Staub auf und begrub Scar unter sich. Als sich der Staub gelegt hatte, sahen Roy, Hawkeye und Havoc hinab in das Loch, was Scar in den Boden gerissen hatte; die Kanalisation befand sich darunter. Scar war entkommen. ,,Die Kanalisation, wie?", sagte Havoc. ,,Folgt ihm nicht.", befahl Roy. ,,Werd´ ich schon nicht.", entgegnete Havoc erleichert. ,,Yo!", rief Hughes und stieg endlich aus einem der Militärwagen aus, gefolgt vom angeschlagenen Armstrong. ,,Seid ihr schon fertig?" ,,Wenn du schon hier warst, hättest du uns wenigstens Rückendeckung geben können.", fauchte Roy. ,,Sei ruhig!", zickte Hughes zurück. ,,Normale Menschen wie ich sollten nicht mit eurer Bande von Spinnern zu tun haben." Fury schrie entsetzt auf, als er den zur Hälfte zerfetzten Fayt erblickte. ,,Lieutenant Hawkeye, kümmern Sie sich bitte um den Autoverkehr hier in der Gegend.", bat Roy Hawkeye. ,,Lassen Sie niemanden hier in die Nähe kommen." ,,Ja, Sir!", sagte Hawkeye und rannte davon. ,,Fayt, bist du in Ordnung?", fragte Leon Fayt voller Sorge und ließ sich neben ihm zu Boden fallen. ,,Dummer großer Bruder!", schrie Fayt zornig und verpasste ihm mit seiner linken Faust einen Schlag ins Gesicht. ,,Wofür war das!?!", fauchte Leon. ,,Warum hast du mich nicht zurückgelassen und bist geflohen!?!", brüllte Fayt. ,,Du wärst umgebracht worden!", brüllte Leon zurück. ,,Das ist kein Grund, den Tod zu wählen, Dummkopf!", schrie Fayt. ,,Nenn deinen großen Bruder nicht dumm!", zickte Leon. Fayt packte ihn am Kragen und schrie: ,,Ich werde dich so oft nennen, wie es nötig ist! Wir müssen leben, leben, weiterleben... Und die Alchemie erforschen, und unsere alten Körper zurückerhalten. Zu sterben... Ich werde dir nicht erlauben... alleine zu sterben!!!" Sein linker Arm fiel ihm ab, so dass er nun gar keine Arme mehr hatte. ,,Jetzt ist der andere Arm auch noch abgebrochen, Dummkopf!", fluchte Fayt. Leon lächelte belustigt. ,,Wir sehen wohl echt übel aus.", meinte er seufzend. ,,Total uncool." ,,Aber wir sind am Leben.", fügte Fayt hinzu. ,,Ja.", stimmte Leon hinzu. ,,Wir sind am Leben..." ,,Ist diese Rüstung eine...?", begann Armstron Roy zu fragen, Leon und Fayt beobachtend. ,,Ich habe noch nie zuvor von einer Seelenmutation gehört." ,,Er muss die Mutation der Seele seines Bruders in größter Verzweiflung ausgeführt haben.", meinte Roy. ,,Deswegen ist das Band zwischen diesen beiden Brüdern auch so stark." ,,Oberst.", sagte Hawkeye, die zurückgekehrt war. ,,Die Sekretärin des Führers ist hier..." ,,Die Sekretärin des Führers?", wiederholte Roy verwundert und wandte sich zu der Sekretärin um, die aus einem Militärwagen stieg. ,,"Die Präfektur des Führers wird sich um Marcoh kümmern. Wir werden ihm keinen Schaden zufügen."", sagte diese. ,,Das ist die Nachricht, die ich vom Führer überbringen soll." ,,Aber...", begann Roy. ,,Ich verstehe.", sagte Marcoh, der zu ihnen gegangen war. ,,Marcoh!", rief Leon aufgebracht. ,,Ich habe es dir doch bereits gesagt, Leonard.", sagte Marcoh zu ihm. ,,Ich kann nicht mit in euer Heimatland reisen." ,,Warum?", fragte Leon. ,,Das verheiratete Ärzte-Ehepaar, das auf dem Schlachtfeld starb... trugen den Nachnamen ``Rockbell´´.", antwortete Marcoh. Leon erstarrte, während Roy zu Boden schaute. Leon wandte sich von den anderen ab. ,,Gehen wir.", sagte die Sekretärin zu Marcoh und stieg mit ihm ins Auto; Fayt, der zum ersten Mal die Sekretärin gesehen und gehört hatte, sagte zu Leon: ,,Großer Bruder, ich hab gerade Mutters Stimme gehört." ,,Idiot... du hörst nur irgendwelche Hirngespinste, weil du fast gestorben wärst.", meinte Leon betrübt.
Vorschau Kapitel 16: Verloren: Eine weitere Spur erwies sich als sinnlos... Werden die beiden Brüder jemals den wahren Ring der Alchemisten zu Gesicht bekommen?