Samstag, 22. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 24: Erinnerungen

Was war eigentlich aus Scar geworden? Er war beim Kampf mit den Homunculi schwer verletzt worden und hatte es gerade noch so geschafft, ins Dorf der Ishbaler zu gelangen, die den Ishbal-Krieg damals überlebt hatten.


Es war am Morgen nach dem Vorfall in Labor 5 gewesen. Der Ishbaler Junge, der Scar beim letzten Mal gefunden und ins Dorf gebracht hatte, und sein drei Jahre älterer Bruder saßen im Zelt, in dem Scar lag, und versuchten ihm, eine Suppe einzuflößen. ,,Hier, nun iss schon auf.", sagte der ältere Bruder und hielt einen Löffel voll Suppe zu Scar hin, der wieder bewusstlos zu sein schien. ,,Du musst essen und deine Stärke wiederbekommen!" Scar reagierte nicht. ,,Schön! Mach doch, was du willst!", fauchte der ältere Bruder und legte die Suppe zur Seite. ,,Warum müssen wir beide uns eigentlich um ihn kümmern?" ,,Hey, tut dein Körper immer noch irgendwo weh?", fragte der jüngere Bruder Scar. ,,Soll ich dir Medizin holen?" Scar hörte sie nicht, sondern war immer noch bewusstlos, die Nacht in Labor 5 noch einmal durchlebend, die Schmerzen, die ihm Gluttonys Angriffe gebracht hatten, noch einmal spürend. Er keuchte laut auf. ,,Wie geht es ihm?", fragte der Älteste des Dorfes, der ins Zelt dazukam. ,,Er will einfach nicht auf mich hören!", beschwerte sich der ältere Bruder. ,,Wir haben ihm schon einmal geholfen, und da ist er einfach ohne Erklärung abgehauen!" ,,Hahaha!", lachte der Älteste vergnügt. ,,Diejenigen mit dem Blut Ishbals werden von unserem Gott Ishbala beschützt. Alles war von Gott vorherbestimmt." Ein lauter Knall riss Scar aus seiner Bewusstlosigkeit.

Draußen im Dorf flogen mehrere Zelte in die Luft. Militärautos mit Soldaten, die mit Pistolen und Bazukas auf die Zelte und Ishbaler schossen, fuhren durch das Dorf. Flammenwerfer steckten die Zelte in Brand. Ein sehr barbarisch aussehender Soldat mit langer Mähne, der eine seltsame Apparatur auf seinem Rücken trug, stand lachend im Zentrum der Stadt, an seiner Seite Barry The Butcher aus Labor 5. ,,Was ist los? Willst du dich nicht beteiligen?", fragte der Soldat Barry. ,,Natürlich werde ich das.", sagte Barry vergnügt. ,,Ich bin schließlich dafür angeheuert worden, weißt du. ,,Ich werde so viele wie möglich durchschneiden, und in ihrem Blut baden!" Er stürmte los und zerhackte so viele Ishbaler, wie er kriegen konnte, das Blut nach allen Seiten spritzend. ,,Ja, tötet sie. Verschont niemanden.", sagte der Soldat mit der langen Mähne gackernd. Die Apparatur auf seinem Rücken öffnete sich, und sogleich schossen Pfeile daraus in alle Richtungen. Sie verbanden sich durch elektrische Linien und bildeten eine Art Mutations-Zirkel, und sogleich entstieg daraus ein gigantischer Ball aus Elektrizität, der auf das Dorf niederraste. Der Älteste, die beiden Jungen und Scar kamen aus dem Zelt. ,,Will Gott uns immer noch testen?", fragte sich der Älteste. ,,Das ist nicht Gottes Wille.", sagte Scar zornig und packte sich an den rechten Arm. ,,Das ist die Tat eines sündenvollen Menschen!" Er wollte auf die Angreifer zurennen, doch aufgrund seiner vielen Verletzungen sank er keuchend zu Boden. ,,Du kannst dich in diesem Zustand nicht bewegen!", rief der Älteste besorgt. ,,Gott...", keuchte Scar.


,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

,,Leon, es gab da etwas, was du mich in Rizenbul fragen wolltest, es aber dann doch nicht getan hast, richtig?", fragte Fayt Leon. ,,Du sagtest, es gäbe da etwas, vor das du zu viel Angst hättest mich zu fragen. Hast du versucht mir zu sagen, dass meine Seele und meine Erinnerungen eine Fälschung sind, die du erschaffen hast?" Leon erstarrte. ,,Nein! Leon wollte dich fragen ob...", begann Winry. ,,Ist schon okay!", rief Fayt und hielt ihr eine Hand hin, um sie zum Schweigen zu bringen. Dabei holte er so stark aus, dass er sie beinahe getroffen hätte, wenn sie nicht noch einen Satz rückwärts gemacht hätte. Winry sah ihn ängstlich an. ,,Ist das alles, was du zu sagen hast?", fragte Leon und ließ den Kopf hängen. ,,Leon, beantworte mir meine Frage!", verlangte Fayt. Leon sah weiter zu Boden. ,,Warum sagst du nichts?!? Warum?!?"
Fayt schrak aus seinen Erinnerungen hoch und stelle fest, dass es zu regnen begonnen hatte. Mehrere Schulkinder rannten auf seinem Weg an ihm vorbei, ihre Schultaschen schützend über die gehalten, damit sie nicht zu nass wurden. Leon... warum hast du mir nicht geantwortet?, fragte sich Fayt. Wenn ich nur Erinnerungen besitze, die Leon erschaffen hat, was soll ich dann jetzt tun? Eine Frau, die ihre Tochter vom Kindergarten abgeholt hatte, schlenderte an ihm vorbei. Erinnerte sich zurück, wie Trisha Elric, ihre Mutter, sie immer vom Kindergarten abgeholt hatte... wie sie sie immer gelobt hatte für ihre Alchemie... und wie sie immer gelächelt hatte. Die Erinnerungen an Mutter könnten auch nur eine Fälschung sein..., dachte er verzweifelt.
Die zwei Ishbaler Jungen, die sich in dem nun niedergebrannten Dorf um Scar gekümmert hatten, rannten in Central City vor mehreren Männern davon, der ältere einen Korb voll gestohlener Äpfel tragend, die roten Augen der beiden unter Sonnenbrillen verborgen. ,,Bleibt stehen! Diebe!", brüllte einer der Männer, die die beiden Jungen verfolgten. Der jüngere Bruder rutschte aus und fiel hart zu Boden. ,,Komm schon!", rief der ältere Bruder, packte ihn und zog ihn in eine Seitengasse, wo sie sich hinter einer großen Rüstung versteckten, die dort am Boden saß. Die Männer liefen daran vorbei. ,,Puh... Entkommen...", keuchte der ältere Bruder atemlos und hielt seinem kleinen Bruder einen Apfel hin. ,,Hier, iss." ,,Ich brauche keinen!", fauchte dieser. ,,Einfach etwas zu stehlen ohne mich zu warnen... Mama hätte das nie zugelassen..." Er stoppte, als sein Magen zu knurren begann. ,,Siehst du?", sagte der ältere Bruder. ,,Mach doch nicht einen auf harter Kerl..." ,,Ihr solltet wirklich nicht andere Menschen bestehlen.", sagte die Rüstung zu den beiden. ,,Was zum...?!? Das Stück Schrott hat gerade geredet!", rief der ältere Bruder erschrocken. ,,Ähm... Ich bin kein Stück Schrott.", stellte die Rüstung - Fayt - richtig. Er sah zu den Jungen und sah ihre roten Augen, da ihnen die Brillen vor Schreck ein wenig verrutscht waren. ,,Seid ihr zwei Ishbaler.", fragte er sie.
Leon und Winry wanderten durch die regennassen Straßen Central Citys. ,,Entschuldigen Sie. Haben Sie hier irgendwo so etwas gesehen?", fragte Winry einen vorbeigehenden Mann und hielt eine Zeichnung Fayts hoch, die Armstrong für sie angefertigt hatte. ,,Nein, hab ich nicht.", antwortete der Mann. ,,Ich verstehe...", seufzte Winry. ,,Trotzdem danke." Der Mann ging weiter. Winry wandte sich zu Leon um, der zu Boden starrte. ,,Leon, das einzige, was du momentan tun kannst, ist mit Fayt zu reden.", sagte sie zu ihm. Er sagte nichts. ,,Leon?", fragte Winry. ,,Ich hab Angst...", murmelte er. ,,Es gibt da etwas, was ich Fayt schon so lange fragen wollte... Aber ich hab solche Angst davor..." ,,Meinst du etwa...?", begann Winry und erinnerte sich zurück an den Tag, an dem Fayt Leon zum Hause der Rockbells gebracht hatte, kurz nachdem sie versucht hatten ihre Mutter ins Leben zurückzuholen.
Leons ganzer Körper war blutüberströmt gewesen, seine Augen mit einem feuchten Waschlappen bedeckt. ,,Er...", hat Leon gekeucht. ,,Er... wird wahrscheinlich... Ich..."
Winry sah traurig drein und sagte: ,,Aber ich glaube, es gibt Dinge, die du ihn fragen musst, mit deinen eigenen Worten, Leon." Der Regen floss hinab durch einen Kanaldeckel hinab in die Kanalisation.
Und genau in dieser Kanalisation befand sich ein weiteres Dorf der Ishbaler, in das die beiden Jungen Fayt geführt hatten. ,,Hahahaha!", lachte der Älteste, der es ebenfalls geschafft hatte, aus dem niedergebrannten Dorf zu entkommen, belustigt, als er sah, wie sich Fayt in dem Dorf umsah. ,,Ist es so unüblich, jemanden hier unten leben zu sehen?", fragte er. ,,Ach was, überhaupt nicht.", sagte Fayt schnell. ,,Es tut mir Leid, dass ich den beiden gefolgt bin." ,,Ist schon gut...", sagte der Älteste mit abtuender Geste. ,,Es scheint, diese beiden Kinder haben Probleme verursacht." Er sah mahnend zu den beiden Jungen. ,,Übrigens, du scheinst mir sehr komische Gewänder zu tragen." ,,Er ist in Ordnung. Er gehört nicht zum Militär.", sagte Scar, der dazugekommen war. ,,Scar!", rief Fayt erschrocken. ,,So begegnen wir uns wieder, Fayton Elric.", sagte Scar an ihn gewandt. ,,Ich wusste nicht, dass du auch hier bist.", sagte Fayt angespannt. Der jüngere Bruder sah besorgt von Fayt zu Scar. ,,Kennt ihr beiden euch?", fragte der Älteste. ,,Ja.", antwortete Scar. ,,Jedoch nur kaum." ,,Das macht die Sache einfacher.", meinte der Älteste. ,,Bitte erzähl niemandem von unserem Ort, Rüstungsjunge." ,,Sie können mir vertrauen.", versprach Fayt. ,,Ich habe bereits gehört, was in Ishbal geschehen ist... Aber wie seid ihr hier gelandet?" ,,Das Militär hat uns mal wieder angegriffen!", schrie der ältere Bruder aufgebracht. ,,Ja.", stimmte Scar zu. ,,Sie haben uns schon einmal abgeschlachtet... Aber es scheint, ihre Mordlust ist noch nicht ausreichend befriedigt. Ich verachte alle Nationalen Alchemisten. Wenn du mich töten willst, Fayton Elric, hast du nur jetzt die Chance dazu." ,,Du bist verletzt.", bemerkte Fayt bei. ,,Wo ist dein großer Bruder?", fragte Scar. ,,Ich weiss nichts... von einem großen Bruder...", antwortete Fayt und sah zu Boden. Scar sah ihn leicht verwundert an und wollte gerade etwas sagen, als der jüngere Bruder erschrocken aufschrie. ,,Rick? Was ist los?", fragte der ältere Bruder den Jüngeren namens Rick. ,,Sie ist verschwunden! Mamas Medaillon ist weg!", rief Rick. ,,Oh Mann, wen interessiert das Teil schon!", fauchte der ältere Bruder. ,,Vergiss es einfach!" ,,Ich muss es beim Sturz vorhin verloren haben!", erinnerte sich Rick und rannte los. ,,Hey! Warte gefälligst!", rief der ältere Bruder und folgte ihm. ,,Nein! Ihr dürft jetzt nicht raus!", rief der Älteste ihnen hinterher. ,,Rick! Lloyd!" ,,Ich bringe sie zurück.", sagte Scar und ging ebenfalls los. Fayt folgte ihm. Sie schritten durch die Kanalisation und kamen schließlich an einem Fluss heraus. Sie stiegen mehrere Treppen hoch auf die Straße. ,,Fayton Elric, Ich weiss zwar nicht, was passiert ist, aber wenn du und dein großer Bruder euch hassen, macht es die Sache einfacher für mich." ,,Scar... Was denkst du über mich?", fragte Fayt ihn. ,,Hmm?", machte Scar. ,,Fühlst du etwas, wenn du mit mir redest?", fragte Fayt. ,,Glaubst du, dass ich menschlich bin, selbst mit diesem Körper?" Scar antwortete nicht, sondern schritt einfach weiter. Fayt folgte ihm, geknickt.
Ein Soldat beobachtete mit einem Fernglas, wie Rick und Lloyd in einer Seitengasse nach etwas suchten. ,,Ich hab welche gefunden.", sagte der Soldat mit Blick auf die roten Augen der beiden Jungen. ,,Das sind ohne Zweifel Ishbaler."
,,Rick, jetzt gib es schon auf.", fuhr Lloyd genervt seinen kleinen Bruder an. Rick hörte nicht auf ihn, sondern suchte weiter nach dem Medaillon. ,,Habt ihr das hier gesucht?", fragte Scar, der mit Fayt die Seitengasse erreicht hatte, und hielt ein Medaillon hoch.
Es gab einem Anruf im Büro von Führer King Bradley. ,,Ja?", fragte die Sekretärin, die solche Ähnlichkeit mit Leons und Fayts Mutter hatte, nachdem sie den Hörer abgenommen hatte. ,,Ach, wirklich?", sprach sie weiter in den Hörer. ,,Ja. Ich verstehe. Folgen Sie ihnen. Finden Sie ihr Versteck." Sie legte wieder auf.
Fayt, Scar, Lloyd und Rick wanderten zurück zu der Treppe, die hinab zur Kanalisation führte. ,,Also ist es ein Erinnerungsstück an eure verstorbene Mutter.", sagte Fayt mit Blick auf das Medaillon. ,,Ja.", sagte Rick nickend. ,,Und was ist da drin?", fragte Fayt. ,,Ich weiss nicht, ich hab noch nie reingeschaut.", antwortete Rick. ,,Aber das ist schon in Ordnung so." ,,Werf es einfach endlich weg!", grummelte Lloyd. ,,Nein!", zickte Rick. ,,Du solltest nicht so schlecht über das Erinnerungsstück eurer Mutter reden.", meinte Fayt zu Rick. ,,Diese Frau ist nicht meine Mutter.", sagte Lloyd erzürnt. ,,Alles, was sie je getan hat, war uns alle möglichen Regeln aufzudrängen. Sie war nie mal nett zu uns!" ,,Das ist, weil Sie euch lieb hat.", sagte Fayt. ,,Nein!", schrie Lloyd aufgebracht. ,,Sie hat sich einen Dreck um uns geschert!" Er sah es noch genau vor sich: Wie damals die Soldaten in ihr Haus gestürmt waren, als sie gerade im Flur gespielt hatten... Ihre Mutter, die vor Entsetzen erstarrt war... Das Feuer, das ganz Ishbal verschlungen hatte. Das ist komisch..., dachte Fayt. Will dieser Junge seine Vergangenheit vergessen? Er ist das genaue Gegenteil von mir... Sie erreichten die Treppe. Scar holte einen kleinen Spiegel hervor und reflektierte damit das Bisschen an Sonne, das durch die Wolken kam, zum Ende des Treppe, das unter den Boden in die Kanalisation führte. Ein Lichtstrahl kam darunter hervor und gab ihnen das Zeichen, das sie hinabsteigen durften. ,,Ihr zuerst.", sagte Scar zu den beiden Brüdern und Fayt. ,,Wartet.", rief Rick, lief ein Stückchen zurück und schaute sich links und rechts um. ,,Okay, die Luft ist rein." Zwei Soldaten sprangen von den Hausdächern hinab. Einer packte Rick, der andere schoss auf Scar und Lloyd. Schnell stellte sich Fayt vor die beiden und ließ die Patronenkugeln von seinem Metallkörper abprallen. Ein Soldat rückte nach und schoss mit einer Bazuka auf Fayt, die ihn ein wenig zurückdrängen ließ und eine kleine Explosion verursachte. ,,Mein Gott...", stöhnte der Älteste, der am Anfang der Kanalisation stand, entsetzt auf. Noch mehr Soldaten stürmten nach und stürzten sich mit Gewehren, an denen Schwerter hingen auf Fayt. Er wich ihnen aus und schlug sie zu Boden. ,,Bastard!", schrie einer von ihnen und zielte auf Fayt, doch Scar riss den Boden mit seiner rechten Hand auf, und der Soldat wurde davon verschluckt. ,,Lasst sofort Rick frei!", befahl Fayt den Soldaten. ,,Mist!", fluchte einer und warf eine Rauchbombe zu Boden, die den anderen die Sicht nahm. Fayt, Scar und Lloyd kämpften sich durch den Rauch durch, doch als sie hindurchgelangt war, raste ein Militärauto, in dem Rick saß, bereits davon.


Sie gingen in eine Telefonzelle, wo Fayt Lieutenant Ross anrief. ,,Ja... Ja... Ja...", sprach Fayt nur während des Gesprächs in den Hörer. ,,Ich verstehe. Danke."
,,Warte! Fayt? Wo bist du im Moment?", fragte Ross. ,,Was hast du vor?"
Fayt legte einfach auf.


Es wurde langsam Abend.
,,Wir haben es also mit Söldnern zu tun.", sagte Scar, der ein Auto fuhr, dessen sie sich kurzerhand bemächtigt hatten. ,,Es scheint, dass sie ein Gebäude in den Feldern südlich von Central City benutzen.", sagte Fayt. ,,Rick sollte auch dort sein." Er sah von Lloyd zum Ältesten, die ebenfalls im Auto saßen. ,,Aber, Scar, bist du dir sicher, dass wir sie mitnehmen sollten?", flüsterte er Scar unsicher zu. ,,Wir werden kämpfen müssen." ,,Hey! Hast du vielleicht ein Problem mit uns!?!", fuhr Lloyd ihn an. ,,So ist das doch nicht... Ähm...", stammelte Fayt verlegen. Der Älteste lachte vergnügt. ,,Die Einwohner Ishbals wertschätzen das Band, das zwischen denen existiert, die dasselbe Blut teilen.", sagte er. ,,Wenn ich Ricks Leben damit rette kann, ist es mir egal, ob ich mein eigenes Greisenleben verliere." ,,Genau...", stimmte Lloyd zu. ,,Das ist eine der wichtigsten Prinzipien eines Ishbalers. Aber... Mama hat uns im Stich gelassen."
,,Was? Fayt hat sie angerufen?", rief Winry, die von einer Telefonzelle aus Lieutenant Ross anrief. ,,Ja, es scheint, er ist in einen sehr komischen Fall verstrickt.", erklärte Ross besorgt.
,,An diesem tragischen Tag...", begann Rick. ,,...hat Mama wie üblich zu unserem Gott Ishbala gebetet."
Während ihre Mutter vor dem Familienalter zu Ishbala gebetet hatte, hatten sich die beiden Brüder aus ihrem Zimmer in den Flur geschlichen, um dort zu spielen. Schließlich war Rick mit dem Kopf auf Lloyds Schoß eingeschlafen, und Lloyd hatte weitergespielt. Es hatte eine Explosion in der Nähe gegeben und Menschengeschrei war zu ihnen ins Haus gedrungen. Soldaten waren in das Haus gestürmt und hatten ihre Waffen auf die Kinder gerichtet. Die Mutter, die in den Flur gekommen war, war vor Schreck erstarrt und hatte zu zittern begonnen. Wimmernd hatte Lloyd hilfesuchend eine Hand in ihre Richtung ausgestreckt, doch sie war einfach in einen Raum geflüchtet, der im nächsten Moment in die Luft geflogen war; nur das Medaillon war zurückgeblieben.
,,An diesem Tag habe ich eine Entscheidung getroffen...", sagte Rick. ,,Ich entschloss, dass Rick nie davon erfahren sollte... und dass ich meinen kleinen Bruder beschützen würde. Das Auto hielt an und Scar sah einen Hügel hinauf zu einem Haus, umgeben von Bäumen. ,,Dort ist es.", sagte Scar.
Der grobschlächtige Soldat mit dem seltsamen Apparat - der Anführer also - saß auf einem großen und äußerst gemütlich aussehenden Sessel in dem Haus, während die anderen Soldaten auf dem Boden saßen und sich betranken und Karten spielten. ,,Wir werden eine Menge Geld vom Militär für diesen Job bekommen.", freute sich der Anführer der Söldnerbande und sah zu Rick, der gefesselt in einer Ecke saß. ,,Wir haben nur ein Kind mitgebracht, genau wie du es gesagt hast, Boss.", sagte einer der Soldaten. ,,Aber werden die anderen wirklich nur wegen ihm kommen?" ,,Was für eine dumme Frage.", spottete der Anführer. ,,Es existiert ein äußerst starkes Band zwischen diesem Ishbaler-Abfall. Sobald wir den Rüstungskerl und diesen benarbten Typen..." Doch weiter kam er nicht, denn auf einmal schoss ein Gitter aus dem Boden, das die Hälfte der Soldaten einsperrte. Der Anführer stand auf und wollte sich Rick schnappen, doch bevor er dazu kam, verschwand eine Wand des Hauses, und Lloyd und der Älteste rannten herein, packten Rick und zogen ihn hinaus, beschützt von Fayt, der die Wand hatte verschwinden lassen. ,,Ein Alchemist, wie?", sagte der Anführer vergnügt. ,,Schnappt ihn!" Die Soldaten stürmten los, kamen aber nicht weit, da die Wand daneben aufriss und sie unter sich begrub. ,,Ah, und da hätten wir den benarbten Typ...", sagte der Anführer mit Blick auf Scar, der die Wand mit seinem rechten Arm aufgerissen hatte. Der Anführer zückte einen Dolch. ,,Ihr schnappt euch den Rüstungsfuzzi, ich kümmere mich um den anderen!", rief er, stürmte auf Scar zu und holte mit wilden Hieben nach Scar aus, denen dieser, immer noch von den Vorfällen in Labor 5, nur schwer ausweichen konnte. ,,Scar!", rief Fayt besorgt. ,,Und erneut treffen wir uns, kleiner Bruder!", rief jemand hinter ihm mit Betonung auf die letzten zwei Worte. Fayt wirbelte herum und blickte in das Gesicht von Barry, der mit einer Hand über das Schlachtermesser strich, das er mit der anderen festhielt. ,,Warum du wohl hier bist?!?" Er sprang los und holte mit dem Schlachtermesser aus, dem Fayt mit Leichtigkeit auswich. Er packte Barrys Arme und hielt sie fest. ,,Werd´ bloß nicht so übermütig...", warnte Barry ihn gackernd. ,,Du existierst doch noch nicht einmal. Du besitzt schließlich nur von einem dummen Jungen erschaffene Erinnerungen!" Fayt stutzte kurzzeitig, was Barry dazu nutzte, sich zu befreien und erneut immer und immer wieder nach Fayt auszuholen. ,,Ich beende deine Misere und mach dich kalt!", schrie Barry. ,,Dann musst du dir nicht mehr darum Sorgen machen, ob deine Erinnerungen nun wahr sind oder nicht!" Er trieb Fayt immer weiter zurück, immer und immer wieder seine Rüstung treffend. Mehrere Soldaten schossen von hinten mit ihren Bazukas auf ihn und rissen ihn damit von den Füßen. Er wurde durch die Gegend geschleudert und landete unsanft von den Füßen. ,,Aus die Maus!!!", schrie Barry und setzte zum letzten Angriff an. ,,HÖR AUF!!!!!!!!!!!!", brüllte Leon und warf sich mit seinem Auto-Mail-Arm, wieder einmal zu einem Dolch mutiert, vor das Schlachtermesser. ,,Leon! Warum bist du hier?!?", rief Fayt verwirrt. ,,Bist du eigentlich vollkommen bescheuert, Fayt!?!", fuhr Winry, die ebenfalls dazugekommen war, ihn an. ,,Er ist hierhin gekommen, weil er sich Sorgen um dich gemacht und nach dir gesucht hat!" ,,Großer Bruder...", murmelte Fayt,stürmte auf Barry zu, der unnachlässig auf Leons Auto-Mail eindrosch, und rammte ihn zu Boden. ,,Feuer!!!", schrien mehrere Soldaten und schossen erneut mit Bazukas auf Leon und Fayt. Im letzten Moment klatschte Leon in die Hände und ließ eine Wand aus dem Boden schießen, die die Geschossen abwehrte. Immer mehr Geschosse folgten. ,,Fayt...", begann Leon, den Blick zu Boden gerichtet. ,,Die ganze Zeit hatte ich Angst davor dich zu fragen... Hasst du mich? Es war schließich meine Schuld, dass du... du in diesem Körper gelandet bist!" Die Wand wurde endgültig zerschmettert und Leon landete am Boden. ,,Großer Bruder!", rief Fayt erschrocken. ,,Deswegen...", fuhr Leon fort. ,,Deswegen hab ich... Ich hatte Angst, du hast mich für das, was ich dir angetan habe..." ,,Großer Bruder, ist es das, was du mich fragen wolltest?", fragte Fayt sprachlos. ,,Fayt! Hinter euch!", rief Winry, die in der Zwischenzeit den Ältesten und die beiden Brüder verteidigt hatte, indem sie mit ihrem Schraubenschlüssel um sich geschlagen hatte. ,,YIIIIAAAAAAHAAAAAAAA!!!!!!!!!!!", kreischte Barry, der mit erhobenem Schlachtermesser zum Sprung auf Fayt angesetzt hatte. ,,Großer Bruder, ich... ich... Ich hasse dich nicht!!!", schrie Fayt er und verpasste Barry mit aller Kraft einen Hieb gegen den Totenschädel.
Dutzende von Pfeilen schossen aus der seltsamen Apparatur, die der Anführer der Söldner trug, und umgaben allesamt Scar. ,,Das war´s!", rief der Anführer, als sich die Pfeile auch schon durch Lichter miteinander verbindeten und so eine Art Mutations-Zirkel erschafften. Eine Kugel aus Elektrizität stieg daraus hervor und raste auf Scar nieder, doch mit Hilfe seines Tattoos auf dem rechten Arm gelang es ihm, die Kugel mit der rechten Hand aufzusaugen und in den Boden abzuleiten. ,,Was?!?", schrie der Anführer verdattert, als Scar auch schon vorsprang und seinen Kopf mit der rechten Hand packte. Das Tattoo leuchtete, und der Anführe landete, mit Platzwunden im Gesicht übersät, am Boden. ,,Ich... lebe noch...", keuchte er und bäumte sich auf. ,,Sieht aus, als könnte der Kerl, über den ich schon so viele schaurige Gerüchte gehört habe, doch darin versagen, jemanden umzubringen, wenn er immer noch schwach und angeschlagen ist." Er sah zu seine Gefolgsleuten und schrie: ,,Erschießt ihn! Erschießt ihn endlich mal jemand!" Doch er erstarrte, als er feststellte, dass Leon alle Soldaten in eine von ihm mutierte Zelle gesteckt hatte. ,,Gib auf.", sagte Leon zu ihm. ,,Du bist der einzige, der noch übrig ist." ,,Wer zum Teufel ist du?!?", schrie der Anführer zornig. ,,Ein Militärhund, genau wie du.", antwortete Leon schlicht. ,,Ein Militärhund...? Ein Nationale Alchemist? Das kann nicht sein!", schrie der Anführer. ,,Welch Überraschung...", sagte plötzlich Barry, der nach Fayts Schlag die ganze Zeit reglos am Boden gelegen hatte. ,,Du bist also ein Nationaler Alchemist, wie? Lass mich dir danken... dass ich deinetwegen diesen wunderbaren Körper bekommen habe!" Er sprang blitzschnell auf und stürmte auf Leon zu, vor den sich Fayt schützend stellte. Doch bevor er Fayt oder Leon erreichen konnte, sprang Scar dazwischen und durchtrennte ihn in der Mitte mit Hilfe seiner rechten Hand. Die obere Hälfte landete auf dem Anführer, der immer noch am Boden lag, und krallte sich an der Apparatur fest. Barrys Siegel aus Blut, das an der Mitte der Rüstung angebracht worden war, war nun halb zerstört, und Barry stand kurz davor zu explodieren. Er lachte wie ein Irrer. ,,Idiot! Lass los!", kreischte der Anführer, doch Barry hielt sich stur an ihm fest. Schließlich schnallte er sich von der Apparatur los und ergriff die Flucht. Sekunden später flog Barry in die Luft und die Pfeile, die sich in der Apparatur befunden hatten, flogen durch die Gegend. ,,Oh...", keuchte Rick und sackte dann zu Boden, ein Pfeil in seinem Herzen gelandet. ,,Rick!", brüllte Lloyd entsetzt. ,,Oh nein!", kreischte Fayt. ,,Rick!" Er und Leon rannten zu Rick hinüber. Der Totenschädel, der als einziges von Barry übrig geblieben war, lachte immer noch, als Scar ihn vor Wut zertrat. ,,Rick! Rick!", schrie Lloyd verzweifelt. ,,Warum...?" Keuchend rappelte sich Rick wieder auf und sah sich verwirrt um. ,,Rick?", fragte Lloyd hoffnungsvoll. Rick fasst sich an die Stelle, wo ihn der Pfeil getroffen hatte, und fasste das Medaillon, das das Geschoss abgewehrt hatte. ,,Mama hat mich gerettet...", sagte Rick erleichtert. Das Medaillon ging auf, und ein Foto der beiden Brüder zusammen mit ihrer Mutter kam darin zum Vorschein, zusammen mit mehreren Pillen, die zu Boden kullerten. ,,Hmm... Das ist Augenmedizin...", sagte der Älteste, der die Pillen in Augenschein nahm. ,,Medizin?", wiederholte Lloyd verwundert. ,,Jetzt da ich das sehe, fällt mir wieder ein, dass eure Mutter unter einer Augenkrankheit litt. Aber sie gab anscheinend vor, immer noch sehen zu können, damit ihr beiden euch keine Sorgen macht. Wenn ich mich erinnere... sagte sie mir einmal, dass sie leider gar nichts für ihre Kinder tun könnte aufgrund ihrer Krankheit. Sie muss es äußerst schwer gehabt haben." ,,Sie konnte nicht sehen...", wiederholte Lloyd, und nun machte alles Sinn. ,,Dann..."
Wimmernd und hilfesuchend hatte Lloyd seinen Arm zu seiner Mutter ausgestreckt, die vor Angst erstarrt war, als sie die Soldaten ins Haus hatte kommen hören. Sie war panisch in das Zimmer ihrer Kinder gerannt, wo sie sie immer noch vermutet hatte. ,,Llloyd! Rick!", hatte sie verzweifelt geschrien, sich durch das Zimmer tastend, um ihre Kinder zu finden. ,,Lloyd! Rick!" Eine Bombe war im Zimmer eingeschlagen...
,,Mama konnte nicht sehen...", sagte er ein weiteres Mal und schaute auf das Foto im Medaillon; Tränen rannen ihm das Gesicht hinab. ,,Sie ist in unser Zimmer gerannt, um nach uns zu suchen..." Er sank zu Boden. ,,Mama..."


Der Anführer der Söldnerbande war ins Hauptquartier gelang und sofort ins Büro des Führers gestürmt. ,,Was zum Teufel geht hier vor!?!", brüllte er die Sekretärin an, die als einzige im Büro war, das im Dunkeln lag. ,,Ich bin vom Militär angeheuert worden! Warum hat sich also ein Nationale Alchemist eingemischt!?!" Die Sekretärin sah nur weiter heiter aus dem Fenster des Büros hinaus und trank mit einer Hand Kaffee, während sich ihre andere Hand auf einmal merkwürdig verformte. ,,Hey! Hören Sie mir überhaupt zu!?!", brüllte der Anführer. Die Hand der Sekretärin wurde zu Wasser. ,,Sagen Sie gefälligst etwas, Sie...!" Doch weiter kam er nicht, da die Hand aus Wasser in seinen Mund schnellte und dort auch blieb, bis er schließlich keine Luft mehr kam und sozusagen ertrank. Tot sank er zu Boden. Die Sekretärin seufzte. ,,Noch ein wenig mehr Zucker...", sagte sie, ließ ihre Hand wieder normal werden und nahm damit einen Zuckerwürfel, den sie in den Kaffee fallen ließ.


Am nächsten Morgen hatten sich die Ishbaler, die in der Kanalisation gelebt hatten, in Booten am Hafen versammelt, mit denen sie in ein weit entferntes Ishbal-Dorf reisen wollten. ,,Und wohin wollt ihr genau?", fragte Fayt, der mit Leon und Winry am Hafen stand. ,,Wir wissen von einer anderen Gruppe Ishbaler, die sich genau wie wir versteckt.", erklärte der Älteste. ,,Wir werden diese Gruppe besuchen." ,,Fayt, vielen Dank noch mal.", bedankte sich Lloyd bei Fayt. ,,Ich werde die Erinnerungen an meine Muttr von jetzt an wertschätzen." ,,Ja.", sagte Fayt und nickte. ,,Und ich werte die Erinnerungen, die ich habe, als meine wahren Erinnerungen wertschätzen..." ,,Fayton Elric...", sagte Scar. ,,Damals hab ich es gesehen: Ich habe deine unsichtbaren Tränen gesehen. Du bist menschlich." ,,Scar...", begann Fayt dankbar. ,,Scar!", sagte Leon. ,,Lass mich dir eine Frage stellen: Hatten die Bewohner Ishbals den Ring der Alchemisten, und hat das Militär deswegen angegriffen, um ihn an sich zu reißen?" ,,Nein.", antwortete Scar. ,,Wir suchten den Ring der Alchemisten, um zu verhindern, dass das Militär uns im Krieg ganz auslöscht." ,,Und habt ihr es geschafft, den Ring der Alchemisten zu erschaffen?", fragte Leon. ,,Fahren wir los.", sagte Scar zu dem Mann, der das Ruder hielt. Das Boot fuhr los. ,,Hey! Warte!", rief Leon und wollte ins Wasser springen, um ihnen hinterher zu schwimmen. ,,Großer Bruder, lass sie davonfahren.", sagte Fayt. ,,Sie brauchen Scar." Leon seufzte und gab auf. Er und Scar sahen sich gegenseitig an, bis das Boot schließlich am Horizont verschwunden war. ,,Fayt, gehen wir.", sagte Leon schließlich. ,,In Ordnung.", sagte Fayt und brach mit Winry und Leon zum Krankenhaus auf, da Leon noch nicht von dort entlassen war. ,,Jetzt, da ich so da drüber mal nachdenke, wir haben uns früher über ´ne Menge blöder Dinge gestritten.", erinnerte sich Leon auf dem Weg. ,,Ja, beispielsweise haben wir uns darum gestritten, wer bei dem Doppelbett oben und wer unten schläft.", sagte Fayt. ,,Ich hab damals verloren, oder?", sagte leon. ,,Und auch den Streit wegen dieses einen Spielzeugs.", erinnerte sich Fayt belustigt. ,,Wir haben auch oft wegen Süssigkeiten gestritten.", meinte Leon und seufzte. ,,Mann, ich hab nie gewonnen..." Winry lächelte fröhlich, während sie hinter den beiden Brüdern her ging, glücklich, dass wir alles zwischen den beiden in Ordnung war.


Vorschau Kapitel 25: Lebewohl: Eine neue Reise... Wird sie den beiden Brüdern endlich das bringen, was sie sich so sehr wünschen?

Brothers:

,,How can I repay you, brother-mine?
How can I expect you to forgive?
Clinging to the past, I shed our blood,
And shattered your chance to live.
Though I knew the laws I payed no heed.
How can I return your wasted breath?
What I did not know has cost you dear,
For there is no cure for death.
Beautiful mother, soft and sweet,
Once you were gone, we were not complete.
Back through the years we reached for you.
Our reunion was not meant to be.
And how can I make commands
For all that I took from you?
I led you with hopeless dreams.
My brother, I was a fool.
Don´t cry for the past, now brother-mine.
Nothing can erase the things we did,
For the path we took was the same.
Beautiful mother, soft and sweet,
once you were gone, we were not complete.
Back through the years we reached for you.
Our reunion was not meant to be.
My dreams made me blind to all.
I longed to return to that time.
I follow without a word.
My brother, the fault is mine.
So where do we go from here?
And how to forget what could have been?
What´s gone is forever lost.
Now all we can do is live."