Mittwoch, 12. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 17: Zu Hause

Es war früher Morgen, als Pinako Rockbell mit ihrem Hund Den, der als Vorderpfote ein Auto-Mail-Bein hatte, auf der Terrasse ihres Hauses stand und ihre Wasserpfeife genüsslich rauchte.
Zur gleichen Zeit wanderten Leon und Armstrong, der Fayt in einer Kiste auf seiner Schulter trug, die Straße durch das Dorf Rizenbul hinauf zum Haus der Rockbells, das ganz am Ende des Dorfes lag. ,,Dies ist ein ziemlich friedlicher Ort hier.", meinte Armstrong. ,,Das ist nur ein kleines Dorf mit nichts Nennenswertem.", entgegnete Leon verlegen. ,,Es ist jetzt schon vier Jahre her, seit wir hier von hier weggegangen sind.", sagte Fayt. ,,Schon so lange?", fragte Leon erstaunt. ,,Während dieser Zeit seit ihr nie wieder hierher zurückgekommen?", fragte Armstrong. ,,Selbst wenn wir zurückgekommen wären, wir haben keine Familie hier, die auf uns wartet.", entgegnete Leon. ,,Sie haben von unserem Hintergrund gehört, richtig, Major?" ,,Ja...", antwortete Armstrong.
Den begann laut zu bellen, was Pinako aufblicken und Leon, Fayt und Armstrong erblicken ließ. ,,Welch seltener Besuch.", sagte sie fröhlich, wandte sich zum Haus um und rief: ,,Winry! Wir haben ehrenvolle Gäste im Anmarsch!"
Winry, die im Haus bereits an einem Auto-Mail für einen Kunden gearbeitet hatte, sah fröhlich auf.

Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Den rannte fröhlich bellend auf sie zu. ,,Na, wie geht´s dir, Den?", begrüßte Leon ihn und streichelte ihm über den Kopf. ,,Hi, Tantchen Pinako...", begrüßte er Pinako, die ebenfalls dazukam. ,,Ist schon lange her, nicht? Kannst du dich noch mal um uns kümmern?" ,,Oje, oje...", sagte Pinako vergnügt mit Blick auf Leons linken Armstümmel. ,,Sieht aus, als hättest du ziemlich schweren Schaden genommen." ,,Ist ziemlich viel passiert.", entgegnete Leon. ,,Und du bist ja auch noch so richtig klein geworden.", fügte Pinako hinzu. ,,WEN NENNST DU HIER KLEIN, DU MINI-HEXE!?!", brüllte Leon sofort zu Pinako hinab, die sogar noch kleiner als er war. ,,WIE HAST DU MICH GENANNT, DU EXTREM KLEINER WICHT!?!", blaffte Pinako zurück. ,,KLAPPE, BOHNEN-HEXE!!!", donnerte Fayt. ,,MIKRO-KURZER!!!", bellte Pinako zurück. ,,DU WASSERFLOHHEXE!!!", zeterte Leon. ,,Leonard Elric!", mischte sich Armstrong laustark ein, legte den Korb mit Fayt zur Seite, zerriss sich die Kleidung, ließ seine Muskeln spielen und beugte sich zu Leon hinab, erneut von diesem grellen Funkeln der Spleenigkeit umgeben. ,,Weißt du eigentlich, was du da zu dieser älteren lady sagst?", belehrte er Leon. ,,Ich, Armstrong, werde dir jetzt Manieren beibringen!" ,,Wer ist der Kerl?", fragte Pinako Leon verwirrt. ,,Es scheint, er versteht den Witz nicht." ,,Mein Name ist Alex Louis Armstrong.", stellte sich Armstrong vor, beugte sich noch tiefer und reichte ihr eine Hand. ,,Pinako Rockbell.", begrüßte Pinako ihn und reichte ihm ihre Hand. Ein Schraubenschlüssel schoss vom Balkon des Hauses her auf Leon, der davon am Kopf getroffen wurde und zu Boden flog. ,,Großer Bruder?!?", rief Fayt entsetzt. ,,Was zum Teufel soll das, Winry!?!", brüllte Leon zum Balkon hinauf, wo Winry stand. ,,Da kauf ich dir ´nen Schraubenschlüssel, und du versuchst gleich, mich damit umzubringen!!!" ,,Was glaubst du eigentlich, wer du bist, einfach so in diesem Zustand zurückzukehren!?!", brüllte Winry zornig zurück.
Sie gingen ins Haus, wo sich Leon bis auf Unterhemd und Boxer-Shorts auszog und auf die Couch setzte. ,,Aaaaaaaargh!!!", stieß Winry beim Anblick des vollkommen zerstörten Auto-Mail-Arms hervor. ,,Mann, Mann, Mann! Wie zum Teufel hast du es geschafft, diesen hochklassigen Auto-Mail, den ich dir gegeben hab, zu zerstören!?! Ich hab Nächte durchgearbeitet, um ihn zu machen, weißt du!!!" ,,Nun, der ist ganz leicht zerstört worden...", begann Leon. ,,Und Fayt ist ebenfalls vollkommen im Eimer.", sagte Winry mit Blick auf den in der Kiste liegenden Fayt genervt, während Pinako Leons rechtes Bein vermaß. ,,Ihr zwei habt irgendwas Gefährliches gemacht, oder?" ,,Nun, ähm...", begann Fayt eingeschüchtert. ,,Hey, Kleiner, du bist ein kleines Stückchen gewachsen.", stellte Pinako fest, da das menschliche rechte Bein Leons ein wenig länger war als das mechanische linke. ,,Der "Kleine" war unnötig.", fauchte Leon. ,,Das heißt, dass wir ebenfalls Änderung an deinem künstlichen Bein vornehmen müssen.", sagte Pinako nachdenklich. ,,Und den Arm müssen wir natürlich völlig neu machen." ,,Könnt ihr es in einer Woche schaffen?", fragte Leon. ,,Wir sind nämlich ziemlich in Eile." ,,Unterschätz uns nicht. Drei Tage sind genug.", sagte Pinako und nahm einen kräftigen Zug aus ihrer Wasserpfeife. ,,Danke, Tantchen.", bedankte sich Leon. ,,Aber warum seid ihr denn so in Eile?", fragte Winry. ,,Äh... Ähm...", begann Leon stammelnd. ,,Wir wollen so schnell wie möglich nach Central City zurück.", sagte Fayt schnell. ,,Wir suchen nach etwas sehr Wichtigem." ,,Es ist besser nichts Gefährliches.", sagte Winry und hob drohend den Schraubenschlüssel, mit dem sie vorhin Leon beworfen hatte. ,,Nun...", begann Fayt ängstlich. ,,Nein, nichts Gefährliches.", sagte Leon. ,,Mann...", seufzte Winry und wandte sich zur Werkbank um, um ihr besorgtes Gesicht zu verbergen. ,,Das einzige, was ihr beide könnt, ist Probleme zu machen." Sie begab sich an die Arbeit. ,,Obwohl Winry sich andauernd beschwert, gibt sie sich viel Mühe mit ihrer Arbeit.", flüsterte Fayt Leon zu. ,,Ja.", stimmte Leon zu und lächelte.


Wenig später verließ Leon das Haus mit einem alten Ersatz-Auto-Mail-Bein, das er tragen musste, solange sich sein künstliches Bein in Anpassung befand. ,,Obwohl das nur ein notdürftig zusammengeflicktes Teil ist, ist dieser Auto-Mail richtig gut. Winry und Pinako sind echt die Besten.", sagte Leon vergnügt und setzte Fayt neben sich auf der Wiese vor dem Haus ab. ,,Wenn man mal davon absieht... Dieses Dorf hat sich kaum verändert.", meinte Fayt mit Blick auf das Dorf. ,,Ja.", stimmte Leon zu.
Im Haus arbeitete Pinako an den Anpassungen für das Auto-Mail-Bein, während sich Winry bereits an den neuen Auto-Mail-Arm machte; Armstrong sah den beiden interessiert beim Arbeiten zu. ,,Armstrong war der Name, richtig?", sagte Pinako. ,,Was für eine Art Lebensstil haben die beiden Jungen? Wir bekommen nicht besonders viele Informationen von den Städten hier in der Gegend... Und sie haben noch nicht einmal einen Brief geschickt, deswegen habe ich mir richtige Sorgen gemacht." Winry hörte mit einem Ohr aufmerksam zu. ,,Die Elric-Brüder... besonders der Metallalchemist... sind ziemlich berühmt in Central City.", erzählte Armstrong. ,,Manchmal bringt sie diese Berühmtheit sogar in richtige Schwierigkeiten. Aber sie werden es schaffen. Diese beiden Brüder sind stark." ,,Stark, wie?", wiederholte Pinako vergnügt und erinnerte sich zurück an die Nacht, als Fayt den vollkommen mit Blut besprenkelten Leon zu ihnen gebracht hatte, der ein Bein und einen Arm verloren hatte. ,,Bitte helft meinem großen Bruder!", hatte er sie angefleht. Sie erinnerte sich zurück, wie Leon die Schmerzen überstanden hatte, die die Implantierung von Auto-Mail an die Nerven mit sich brachte. Ja, die beiden sind wirklich stark..., dachte sie zufrieden.
Leon lag mit Fayt gelangweilt im Gras, Den neben ihnen laut schnarchend. ,,Ich muss so schnell wie möglich nach Central City und die Forschungsdaten über den Ring der Alchemisten finden.", seufzte Leon. ,,Ja, aber für den Moment solltest du dich ausruhen.", meinte Fayt. ,,Wir werden kaum Entspannung bekommen, sobald wir erst mal dort sind." ,,Mann, ich hasse es, einfach nur blöd herumzusitzen!", grummelte Leon. ,,Großer Bruder...", begann Fayt. ,,Hmm?", machte Leon. ,,Geh und besuch Mamas Grab.", schlug Fayt vor. ,,Ihr Grab besuchen?", wiederholte Leon und sah von Fayt weg. ,,Wir müssen sofort aufbrechen, nachdem dein Auto-Mail repariert ist, richtig?", sagte Fayt. ,,Also solltest du es jetzt tun. Ich bleibe hier." ,,Du hast Recht.", sagte Leon und stand auf. ,,Schätze, ich sollte losgehen."


Armstrong stand draußen im Hof und zerschlug Holzscheitel mit bloßen Händen.
Nach getaner Arbeit kehrte er das geschlagene Holz ins Haus und stapelte es vor dem Kamin. ,,Alles fertig, Mrs. Pinako.", sagte Armstrong zu Pinako. ,,Dankeschön.", bedankte sich Pinako. ,,Jetzt können Sie sich ebenfalls ein wenig ausruhen wie die anderen." ,,Nein, ein Soldat darf sein tägliches Training nicht vernachlässigen.", widerprach Armstrong. ,,Übrigens, ich kann Leonard nirgendwo sehen." ,,Er ist losgegangen, um das Grab seiner Mutter zu besuchen.", sagte Pinako und machte sich wieder an die Arbeit. ,,Ich hab ihm doch gesagt, dass es gefährlich ist, alleine herumzuwandern.", grummelte Armstrong. ,,Ihm wird schon nichts passieren.", sagte Pinako beschwichtigend. ,,Er wird von einer exzellenten Eskorte begleitet."
Die "exzellente Eskorte" war Den, der Leon, mehrere Blumen in der Hand, auf dem Weg zum Friedhof begleitete. Unterwegs trafen sie einen Nachbarsjungen, der mit seinem Vater Kirschen pflückte. ,,Hey, Leon! Du bist wieder da?", rief der Junge Leon freudig zu. ,,Ja. Lange nicht gesehen.", begrüßte Leon die beiden fröhlich. ,,Wie lange ist es jetzt schon her? Vier oder fünf Jahre?", dachte der Vater laut nach und wischte sich den Schweiß mit einem Handtuch aus dem Gesicht. ,,Aber du bist immer noch richtig winzig, Junge." ,,Nennen Sie mich nicht winzig!", fauchte Leon. Der Junge lachte vergnügt und fragte: ,,Hey, bist du eigentlich immer noch so ein Nationaler Irgendwas?" ,,Ja.", antwortete Leon. ,,Dann pass gut auf dich auf.", meinte der Junge. ,,Du bist schließlich richtig winzig." ,,HÖR AUF MICH WINZIG ZU NENNEN!!!", brüllte Leon los. Der Vater und der Junge lachten lauthals los.
Ein dunkelhaariges Mädchen wanderte mit einer Kuh am Haus der Rockbells vorbei, beobachtet von Fayt. ,,Was ist los? Bist du eingeschlafen?", fragte Winry, die nach draußen gekommen war. ,,Oh, ähm... ja.", antwortete Fayt. ,,Winry, dieses Mädchen..." Er sah zurück zu dem dunkelhaarigen Mädchen. ,,Oh, du meinst Nelly?", sagte Winry und sah zu dem Mädchen namens Nelly, das ihnen zuwinkte. Winry winkte fröhlich zurück. ,,Wir haben sehr, sehr oft mit ihr gespielt, als wir noch klein waren, erinnerst du dich?", sagte Winry zu Fayt. ,,Wir haben Verstecken zusammen gespielt und sind zum Fluss gegangen." ,,Was?", fragte Fayt verwundert. ,,Was ist los?", fragte Winry. ,,Ähm, ich...", begann Fayt. ,,Ich konnte mich nicht mehr an ihr Gesicht erinnern." ,,Das kann ich verstehen. Sie hat sich ziemlich verändert in den letzten Jahren.", meinte Winry. ,,Ich verstehe.", sagte Fayt. Winry sah ihn besorgt an.


Es war Sonnenuntergang, als Leon den Friedhof erreichte und die Blumen am Grab seiner Mutter niederlegte. Er erinnerte sich an den den Tag zurück, als er als Zehnjähriger das letzte Mal mit seinem Bruder davor gestanden hatte, kurz nach der Beerdigung...
,,Fayt...", hatte er damals gesagt. ,,Beleben wir Mama wieder."
Den winselte und riss ihn aus seinen Erinnerungen. ,,Gehen wir zurück, Den.", sagte er und brach mit dem Hund zurück zum Haus der Rockbells auf.


Am Abend setzte sich Leon erneut auf die Couch nieder,und Winry vermaß noch einmal sein rechtes Bein. Dabei fiel ihr die Silbertaschenuhr auf, die an seiner Hose hing. ,,Ist das die Taschenuhr, von der ich gehört habe?", fragte sie. ,,Oh, ähm, ja.", antwortete Leon, der in Gedanken ganz woanders gewesen war. ,,Sie verstärkt die Macht eines Mutations-Zirkels und..." ,,Wie wundervoll!", rief Winry, schnappte die Taschenuhr und presste ihr Gesicht dagegen. ,,Hä?!?", machte Leon verdutzt. ,,Dieses Detailreichtum und diese Schönheit...", hauchte Winry. ,,Das ist das Werk eines Profis! Wie funktioniert sie? Zieht man sie per Hand auf? Oder ist sie automatisch? Ist sie es?!?" Das Ganze sprudelte mit unglaublicher Geschwindigkeit aus ihr heraus. ,,Äh... ja.", antwortete Leon, von diesen schnell aufeinander folgenden Fragen völlig erschlagen. ,,Ich mache mir jedoch nie wirklich Gedanken darüber." ,,Bitte! Lass mich reinschauen!", bettelte Winry. ,,Du machst wohl Witze.", fauchte Leon. ,,Wenn ich zulasse, dass du dir sie genau anschaust, wirst du sie bis auf die letzte Schraube auseinandernehmen." Er nahm sie ihr ab; sie setzte ein schmollendes Gesicht auf und ließ die Tränen auf Knopfdruck kullern. ,,Komm schon!", flehte sie. ,,Ich werd´ sie auch wieder zusammensetzen, nachdem ich sie auseinander genommen habe, okay? Okay?" ,,Ich weigere mich.", sagte Leon stur. ,,Frag jemand anderes." Winry sah hinter sich zu Armstrong, der in der Nähe saß und seinen Kaffee trank, und klimperte unschuldig mit den Wimpern. ,,Ich denke, ich geh mal genug Holz für die nächsten paar Monate draußen schlagen.", sagte Armstrong schnell und flüchtete aus dem Haus. ,,Geizkragen...", grummelte Winry.


Fayt saß lange Zeit im Gästezimmer in seinem Bett und schaute hinaus durchs Fenster zum Mond. Die Tür ging auf und Leon trat ein. ,,Hey, Fayt.", sagte Leon. ,,Laut Pinako krieg ich meinen Auto-Mail schon morgen angebracht." Er setzte sich auf sein Bett. ,,Und danach richte ich dich wieder her." ,,Okay...", sagte Fayt ohne richtig zuzuhören. Leon sah ihn verwirrt an. ,,Großer Bruder, hab ich Freunde gehabt?", fragte Fayt. ,,Hä?", machte Leon. ,,Was fragst du da auf einmal?" ,,Meine Erinnerungen sind ein wenig lückenhaft...",erklärte Fayt. ,,Ich kann mich nicht an ihre Gesichter erinnern." ,,Nun, es kommen schließlich immer mehr Erinnerungen mit der Zeit hinzu, also ist es normal, dass deine einige deiner alten Erinnerungen verschwinden.", erklärte Leon. ,,Wirklich?", fragte Fayt und sah zu Boden. Leon starrte ihn an.
Armstrong beobachtete die beiden vom Flur her.
,,Hey, Fayt...", begann Leon auf einmal. ,,Ich... wollte dich jetzt schon eine ganze Zeit lang etwas fragen... aber ich hatte Angst davor, dich zu fragen." ,,Und was wolltest du mich fragen?", fragte Fayt. ,,Ähm...", begann Leon unsicher. ,,Sag es.", drängte Fayt. Leon sah eine Zeit unentschlossen drein. ,,Nein, ist schon in Ordnung.", sagte er schließlich. ,,Großer Bruder!", rief Fayt aufgebracht. ,,Ihr zwei jungen Leute!", rief Armstrong, stieß die Zimmertür auf und schaute durchs Fenster hinaus. ,,Schaut euch nur diesen wunderschönen Sternenhimmel an! Dieses wundervolle Glitzern! Das ist der Segen des Himmels, den man in den Städten nie zu Gesicht bekommt." Er legte jedem der beiden Brüder eine Hand auf die Schulter. ,,Dieses Dorf, Rizenbul, ist ein schöner Ort. Es hat nichts, aber im Gegenzug hat es viele Dinge, die die Städte nicht haben." Leon und Fayt sahen ebenfalls hinaus zum Nachthimmel. ,,Wir haben früher immer die Sterne beobachtet, erinnerst du dich?", fragte Leon Fayt erinnerungsselig. ,,J... Ja...", antwortete Fayt und sah zu Boden.


Nach dem Mittagessen am nächsten Tag zog sich Leon bis auf die Boxer-Shorts aus und setzte sich auf einen Stuhl. Pinako und Winry positionierten die Auto-Mails. ,,So, es ist so weit.", verkündete Winry fröhlich. ,,Zeit, die Auto-Mails mit deinem Körper zu verbinden." ,,Obwohl ich es jetzt schon so oft getan habe, hasse ich den Moment, wenn es sich mit den Nerven verbindet.", seufzte Leon. ,,Hör auf dich zu beschweren.", sagte Winry nur. ,,Du willst doch so schnell wie möglich nach Central City, oder?" ,,Jap.", antwortete Leon. ,,Ich will so schnell wie möglich meinen alten Körper wiederhaben und mich von den Schmerzen eines Auto-Mails verabschieden." ,,Es wäre eine richtige Schande, einen Geldesel wie dich zu verlieren.", sagte Pinako traurig. ,,Ja, allerdings.", stimmte Winry zu. ,,Und außerdem musst du dich doch nicht unbedingt den Strapazen unterziehen, deinen alten Körper wiederzuerlangen." Ein Glitzern erschien in ihren Augen. ,,Der Geruch von Öl, das Quietschen von künstlichen Muskeln... Auto-Mails sind wundervoll!" ,,Maschinenfreak.", murmelte Leon. ,,Hast du etwa ein Problem damit, Alchemie-Freak!?!", zickte Winry. ,,Tun wir´s.", sagte Pinako und packte das künstliche Bein; Winry packte den künstlichen Arm. ,,Eins... Zwei... Drei..." Sie steckten die Auto-Mails an, und Leon stieß sofort einen erstickten Schrei aus und biss die Zähne vor Schmerz zusammen. ,,Ihr beiden!", fuhr Pinako Armstrong und Fayt an, die auf der Couch saßen. ,,Ich werde Leon dorthin legen, also weg da." ,,Ja.", sagte Armstrong, stand auf und hob Fayt von der Couch.


Zwei Stunden später war Leon immer noch bewusstlos. ,,Ich habe nicht gewusst, dass es so weh tut, wenn man es anschließt.", sagte Armstrong, der mit Pinako in der Küche saß. ,,Selbst ein erwachsener Mann würde rumflennen und schreien.", meinte Pinako. ,,Dieser Schmerz ist unvergleichlich."
Im Wohnzimmer kam Leon nun allmählich auf der Couch wieder zu sich. ,,Na, wie geht´s?", fragte Winry, die am Kopfende saß, fröhlich. ,,Wir haben das Gewicht des Metalls im Vergleich zum letzten Mal um achtzig Prozent verringert. Du willst doch nicht, dass du zu wachsen aufhörst, nur wegen des Gewichts, oder?" ,,Hey... Sprich nicht über meine Größe, wenn ich Schmerzen hab.", keuchte Leon und setzte sich auf. ,,Dir muss es aber schon erheblich besser gehen, wenn du wieder so reden kannst.", meinte Winry. Leon stampfte mehrmals prüfend mit dem angepassten Ato-Mail-Bein auf. ,,Fühlt es sich in Ordnung an?", fragte Winry. ,,Ja.", antwortete Leon und bewegte den Auto-Mail-Arm probehalber. ,,Da er leichter ist, hält er nicht so viel aus wie der letzte Auto-Mail, also geh nicht so sorglos damit um.", mahnte Winry ihn. ,,Einen Auto-Mail kann man ersetzen, aber man hat nur ein Leben." ,,Ja.", sagte Leon. ,,Oh Mann...", sagte Winry, stand auf und gähnte vernehmlich. ,,Bin ich müde... Hab die ganze Nacht über durchgearbeitet." ,,Danke, Winry.", bedankte sich Leon bei ihr. ,,Das wird aber nicht billig, das sag ich dir.", entgegnete Winry.
Fayt saß draußen auf der Wiese gegen eine Tonne gelehnt. ,,Fayt!", rief Leon, der zu ihm kam. ,,Bist du jetzt wieder in Ordnung, großer Bruder?", fragte Fayt und besah sich Leons neue Auto-Mails. ,,Ja! Ich bin so gut wie neu!", rief Leon vergnügt. ,,Bin ich froh das zu hören!", sagte Fayt erleichtert. ,,Zeit dich zu reparieren.", sagte Leon und rief nach Armstrong, damit der die Einzelteile von Fayt brachte.
,,Sind das alle Teile?", fragte Leon schließlich, nachdem Armstrong alle Einzelteile neben Fayt ausgekippt hatte. ,,Ja. Der Major und die anderen haben den Ort gründlich für mich abgesucht.", sagte Fayt. ,,Und du kannst ihn wirklich sofort wiederherstellen?", fragte Armstrong. ,,Es gibt da jedoch einen kleinen Trick.", sagte Leon und klappte Fayts Kopf zurück. ,,Sehen Sie das da?", fragte er und deutete auf ein blutrotes Siegel, das sich im Innenbereich der Rüstung im Bereich der Schultergegend befand. Armstrong nickte. ,,Dieses Ding bindet Fayts Seele an diese Rüstung.", erklärte Leon. ,,Das war damals echt knapp.", meinte Fayt. ,,Wenn dieser Scar noch mehr von der Rüstung zerstört hätte..." ,,Dieses Siegel muss unbedingt beschützt werden, koste es, was es wolle.", sagte Leon. ,,Das ist der wichtige Teil der Rüstung, der Fayt am Leben hält." ,,Dieses Siegel sieht aus, als wäre es mit Blut gezeichnet worden.", meinte Armstrong. ,,Ja, mit meinem Blut.", sagte Leon. ,,Ich war damals äußerst verzweifelt..." ,,Was?!?", kreischte Armstrong. ,,Welch wundervolle brüderliche Liebe!" Die Tränen flossen in Sturzbächen. ,,Was für ein unglaubliches Band euch beide doch verbindet!" ,,Könnten Sie bitte zur Seite treten? Sie sind im Weg.", sagte Leon nur zu ihm und setzte Fayt den Kopf wieder richtig auf. Armstrong trat schniefend zurück. ,,Los geht´s!", rief Leon, klatschte in die Hände und berührte Fayt. Das Siegel aus Blut begann zu leuchten, und sofort setzten sich die Einzelteile wieder an Fayt fest. ,,Sieht gut aus!", rief Fayt glücklich, der sich endlich wieder selbstständig bewegen konnte. ,,Danke, großer Bruder!" ,,Freut mich zu hören.", sagte Leon, über beide Ohren grinsend. ,,Dann machen wir mal das Übliche." ,,Das Übliche?", wiederholte Armstrong fragend. ,,Ja.", sagte Leon. ,,Unsere Lehrerin hat uns beigebracht, dass man, wenn man seinen Geist trainieren will, zuerst den Körper trainieren muss. Also kämpfen Fayt und ich immer mal wieder gegeneinander. Aber bisher hab ich ihn nicht ein einziges Mal geschlagen." ,,Ich verstehe...", sagte Armstrong, riss sich die Kleider vom Leib und verkündete lautstark und in Pose: ,,Dann werde ich mich am Kampf beteiligen!" ,,Nein, danke!!!", kreischten Leon und Fayt entsetzt. Die beiden Brüder stellten sich in Angriffsposition gegenüber auf. ,,Fangen wir an!", rief Leon und stürmte auf Fayt zu. Fayt holte nach ihm aus, doch Leon duckte sich und schlug nach Fayt, der einen Seitschritt machte und die nächsten Hiebe seines großen Bruders mit den Metallarmen abwehrte. Schnell durchbrach er Leons Angriffsschauer, packte Leon und schmiss ihn zur Seite. Leon landete mit den Händen zuerst am Boden und schlug ein Rad, um nicht ganz am Boden zu landen. Erneut stürmte er Fayt entgegen. ,,Hey, ihr!", brüllte Winryvom Haus her den beiden zu. ,,Geht nicht so verantwortungslos damit um! Ihr macht ihn nur wieder kaputt!" Die beiden hörten nicht auf sie. ,,Kindisch...", grummelte Winry und ging zurück ins Haus, nur um Leons Hemd und seine Hose auf der Couch liegen zu sehen; die Silbertaschenuhr hing an der Hose.
Leon stolperte und sank zu Boden. ,,Hah!", rief Fayt und holte nach ihm aus. Doch Leon sprang wie ein Frosch zur Seite, machte einen Handstand und kickte nach Fayts Kopf. Fayt reagierte blitzschnell, packte Leons Fuß und schleuderte ihn zur Seite. ,,Jetzt bin ich dran!!!", brüllte Armstrong und stürzte sich auf den lauthals kreischenden Fayt.
,,Ooooooooooh!", rief Winry entzückt und rieb ihr Gesicht gegen die Silbertaschenuhr Leons, die sie nun in Händen hielt. ,,Nach Maß gemachte Dinge sind wundervoll! Diese raffinierte Form... Und diese exzellente Kunstfertigkeit ist erstaunlich! Das Innenleben muss erst recht beeindruckend sein!!! Ich hineinsehen! Ich will´s auseinandernehmen! Ich will sie wieder zusammenbauen!" Sie sah sich verstohlen um. ,,Leeeoooon?", fragte sie. - Keine Antwort - ,,Yay!" Sofort hatte sie zig Schraubenzieher in ihren Händen.
Fayt stürmte und vor und wollte mit beiden Händen zuschlagen, doch Armstrong war schneller und packte seine Arme. Die beiden versuchten mit aller Macht, den jeweiligen anderen umzuwerfen. ,,Nicht gut genug!", rief Armstrong. ,,So wirst du nicht vorankommen können!" Er hievte Fayt ohne viel Federlesen in die Höhe und schmiss ihn zur Seite. Scheppernd landete er am Boden. ,,Großer Bruder!", rief Fayt Leon zu, der neben ihm stand, in Kampfstellung. ,,Verdammt!", fluchte Leon.
Winry hatte die Taschenuhr aufgeklappt und war bei dem, was sie innen sah, erstarrt. ,,D... Das ist...", stammelte sie. Niemals den 3. Oktober vergessen war darin eingeritzt.
,,Was ist los? Ist das schon alles?", fragte Armstrong die beiden am Boden knienden Brüder. ,,Grrr!!!", fauchte Leon und stürmte ein weiteres Mal auf Armstrong zu, gefolgt von Fayt, der ihn überholte. Die beiden Großen packten sich an den Händen und versuchten erneut, den jeweiligen anderen umzuwerfen. ,,Hah!", rief Leon, warf sich auf die Seite und rutschte in Armstrongs Beine hinein, so dass Armstrong ins Stolpern kam. ,,Jetzt!", rief Fayt, packte Armstrong und warf ihn zu Boden. ,,Ja! Geschafft!!!", jubelten die beiden Elric-Brüder fröhlich und vollführten einen Freudentanz. ,,Wir haben es geschafft, Fayt!", rief Leon.


Leon duschte, bis auf die Boxer-Shorts ausgezogen, draußen unter der provisorischen Dusche, sein Haar nicht wie sonst in einen Zopf gebunden, sondern frei an seinen Schultern hinabfallend. Verdutzt wandte er sich um, als er Winry bemerkte, die ihn eine ganze Zeit lang beobachtet hatte. ,,Winry?", fragte Leon. Winry sah zu Boden. ,,Was ist los?" ,,Tut mir Leid.", entschuldigte sich Winry traurig. ,,Ich hab hineingeschaut..." ,,Hä?", machte Leon verwirrt. Winry hielt ihm die Taschenuhr hin. Leon erschrak, dann schrie er zornig: ,,Hey, es gibt Dinge, die...!" ,,Sorry...", entschuldigte sich Winry erneut. ,,Es tut mir Leid..." ,,Meine Güte...", grummelte Leon und riss ihr die Uhr aus der Hand. ,,Das hab ich nocht nicht einmal Fayt gezeigt. ,,Tut mir Leid...", wiederholte Winry. Leon seufzte vernehmlich. ,,Das ist richtig unmännlich... peinlich... so etwas bei mir zu tragen und mir Entschlossenheit zu geben.", sagte er. ,,Leon...", begann Winry. ,,Aber dennoch, wir haben keine Eltern oder ein Zuhause, zu dem wir zurückkehren können.", sprach Leon weiter. ,,Wir müssen voranschreiten." ,,Warum?!?", fragte Winry, den Tränen nahe. ,,Ihr habt ein Zuhause! Ihr habt meine Großmutter... und mich!" Sie begann zu weinen. ,,Dummkopf...", fauchte Leon und sah von ihr weg. ,,Warum musst du zu weinen anfangen?" ,,Da ihr beiden Sturköpfe einfach nicht weinen wollt... mache ich das für euch.", erklärte Winry schluchzend.


Es war Abend. ,,Wo sind Leon und Fayt hingegangen?", fragte Winry ihre Großmutter und schaute aus dem Fenster. ,,Keine Sorge; sie kommen bald zurück.", entgegnete Pinako und deckte den Tisch zum Abendessen. ,,Warte einfach auf sie, wie du es immer tust." ,,In Ordnung...", sagte Winry seufzend.
Leon, Fayt und Armstrong standen an der Stelle, wo einst das Haus von Leons und Fayts Eltern gestanden hatte. Sie sahen hinauf zu dem großen Apfelbaum, der immer ganz nahe an ihrem Schlafzimmer gestanden hatte und an dem sie verbotenerweise immer hinauf und ins Zimmer geklettert waren. ,,Hier war die Eingangstür...", sagte Fayt und wanderte die neu gewachsene Wiese entlang. ,,Hier das Wohnzimmer... An besonders kalten Tagen hat Mutter immer Feuerholz in den Kamin gelegt." Er blieb stehen. ,,Leon hat sich immer gedrückt, wenn er mit Holzhacken dran war.", erinnerte er sich belustigt. ,,Und wenn wir zu lange draußen waren und es schon dunkel war, stand Mutter draußen auf dem Balkon mit einer Laterne, die sie blinken ließ, weißt du noch? Das war richtig hell, damit wir es von überall her sehen konnten, und wir sind immer sofort nach Hause gelaufen, wann immer wir es auch gesehen haben." ,,Oh ja.", stimmte Leon lächelnd zu. ,,Ihr zwei habt ein Zuhause.", sagte Armstrong. ,,Ein Zuhause, wo euch eine nette, herzlich warme Familie erwartet." Die beiden Brüder wandten sich zu Armstrong um, der sie anlächelte.
Sie kehrten zurück zum Haus der Rockbells, schweigend. Doch plötzlich. ,,Großer Bruder...", sagte Fayt. ,,Da." Er deutete zum Haus der Rockells, von dessen Balkon eine Laterne in ihre Richtung blinkte. Winry, die die Laterne bediente, lächelte ihnen fröhlich zu. Fayt rannte los, dicht gefolgt von Leon.


Am nächsten Tag standen alle vor dem Haus, um sich voneinander zu verabschieden. ,,Ihr zwei Kinder kommt bitte ab und zu mal zurück, um mit uns zu essen.", bat Pinako die beiden Brüder. ,,Sicher, irgendwann.", versprach Leon ihr. ,,Danke, Tantchen.", bedankte sich Fayt. ,,Danke für Ihre Hilfe.", bedankte sich auch Armstrong. ,,Habt eine sichere Reise.", wünschte Winry den Dreien und lächelte Leon zu. Leon sah sie eine Weile an, dann antwortete er: ,,Sicher doch." Sie schritten davon, Pinako und Winry zuwinkend. ,,Großmutter...", murmelte Winry traurig. ,,Hmm?", machte Pinako. ,,Ich hab in Leons Taschenuhr gesehen.", gestand Winry. Pinako sah sie an. ,,Dieses Datum..." Winry sah lichterloh brennendes Feuer in ihren Erinnerungen, das ein Haus verschlang. ,,An diesem Tag brannten sie ihr Haus nieder und verschwanden... Das Datum war darin eingraviert..."


Vorschau Kapitel 18: Das Geheimnis: Die Bibliothek Central Citys... Zwischen Asche und Hoffnungslosigkeit wird ein Geheimnis von unheimlicher Wichtigkeit enthüllt.