Dienstag, 18. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 22: Homunculi

Mitten in der Nacht rief Roy Hughes aus seinem Büro an. ,,Was rufst du mich so spät an?!?", fauchte Hughes, in seinem Schlafanzug, und gähnte vernehmlich.
,,Nun, es gibt da etwas, was mich jetzt schon eine Weile stört.", sagte Roy.
,,Und das wäre?", fragte Hughes genervt. ,,Dass wir Scar noch nicht geschnappt haben, oder geht es um Doktor Marcoh, den der Führer in seine Obhut genommen hat?"
,,Ja, gut, in Ordnung, das gibt es auch noch zu bedenken...", gab Roy zu. ,,Aber es geht eigentlich nur darum, dass ich in letzter Zeit keinen Auftritt mehr hatte (^^)."
Gereizt legte Hughes den Hörer auf. ,,Was für ein Ego-Maniac!", fauchte er. ,,Er realisiert gar nicht, in was für einem Chaos wir uns gerade befinden!" ,,Vielleicht sollten Sie ihn informieren?", meinte Armstrong, der mit Ross und Brosch erst vor wenigen Minuten in seinem Haus angekommen war. ,,Oberst Mustang könnte uns hier von großer Hilfe sein. Jedenfalls im Falle des Elric-Brüder..." ,,Das braucht er nicht zu wissen, noch nicht.", sagte Hughes. ,,Die Soldaten, die die Brüder in der Bibliothek bewachen sollten, warten bereits im Hauptquartier auf uns. Es sind alles begabte Schützen." ,,Bedeutet das...?", begann Ross hoffnungsvoll. ,,Ja, tut es.", antwortete Hughes. ,,Auf direkte Erlaubnis von mir dürfen Sie drei zusammen mit den Soldaten Labor 5 stürmen. Aber machen Sie sich lieber auf alles gefasst." ,,Ja, Sir!", sagten die Drei wie aus einem Munde und verbeugten sich vor Roy.
In Labor 5 tobte derweil der Kampf zwischen Scar und Gluttony in den Fluren. Scar wich gegen eine Wand zurück, als Gluttony mit weit aufgerissenem Maul auf ihn zustürmte. Er duckte sich und verpasste dem Homunculus - wie er Lust und Gluttony genannt hatte - einen kräftigen Hieb in die Magengegend, der Gluttony gegen die Wand gegenüber krachen ließ, so dass sie zusammenstürzen und den Flur in Rauch hüllte. Dies nutzte Gluttony, stürzte hervor durch den Rauch und rammte Scar mit einem Bodycheck glatt durch eine Wand hindurch. Bewusstlos stürzte durch den Raum hinter der nun eingestürzten Wand und fiel hinab in den Raum, in dem zuvor der Mann mit den schwarzen stacheligen Haaren leblos gelegen hatte. ,,Ohje! Das ist der böse Ort!", rief Gluttony ängstlich, als er erkannte, in welchen Raum Scar gefallen war, und zog sich schnell zurück.
Der Kampf zwischen Fayt und Lust hatte sich in einen Raum verlegt, der dem, in dem Leon gegen Nummer 48 und 49 gekämpft hatte, sehr ähnlich war. Die beiden Kontrahenten belauerten sich gegenseitig. ,,Ich beobachte dich schon seit langem, Kind.", sagte Lust vergnügt. ,,Das erste Mal, als ich einen Blick auf dich und deinen Bruder erhaschte, ist jetzt schon fast vier Jahre her. Der Himmel war in dieser Nacht erhellt von Feuerwerken..." Und Fayt erinnerte sich: Damals hatte er zusammen mit Leon eine Frau auf dem Friedhof der Stadt gesehen, in der der Alchemist Majhal die Seelen von Frauen in Puppen gesperrt hatte, die wie seine große Lieben ausgesehen hatten; die Frau, die sich dort auf dem Friedhof hinter den Bäumen versteckt und sie beobachtet hatte, war Lust gewesen. ,,Wer bist du?", fragte Fayt. ,,Er hat dich einen... Homunculus genannt. Aber das kann nicht wahr sein!" ,,Oh, wirklich? Und warum das?", fragte Lust interessiert. ,,Ein Homunculus ist eine künstlich erschaffene Person, ein Mensch, der nicht menschlich ist... eine lebende Puppe!", sagte Fayt. ,,Niemand hat je einen Homunculus erfolgreich erschaffen. Es ist unmöglich!" ,,Oh, es ist sogar sehr möglich, glaube mir.", sagte Lust. ,,Es ist nicht weniger möglich als ein Junge, der zwar eine Seele, aber keinen dazugehörigen Körper hat." Blitzschnell fuhr sie ihre Fingernägel in die Länge aus und nagelte Fayt gegen die Wand fest. Lust lächelte bösartig. ,,Du bist wirklich nicht menschlich, oder?!?", fragte Fayt panisch, als sich Gluttony im nächsten Moment durch die Wand hinter ihm durchfraß und ihn packte. ,,Oh, Lust, kann ich ihn jetzt endlich essen?", fragte Gluttony und biss ein Stück von Fayts Metallkörper ab, auf seiner schleimigen Zunge ein rotes Dreieck abgebildet, das aus drei Dreiecken bestand, die umzirkelt wurden von einem roten Höllenhund: Dasselbe Zeichen, das Lust oberhalb der Brust hatte. Fayt schrie entsetzt auf.


,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

In dem Raum mit dem vielen Behältern aus Rotem Wasser studierte Leon mehrere Dokumente, die Tucker ihm ausgehändigt hatte. ,,Ich denke, ich verstehe es jetzt...", sagte er schließlich und stand wieder vom Boden auf. ,,...wofür dieses Gebäude benutzt worden war... Es war Teil einer Operation, so viele Verstärker alchemistischer Reaktionen wie möglich herzustellen, oder besser: Wie man Menschen am besten zu Zutaten für den Ring der Alchemisten verarbeiten kann!" Er sah zu dem Tank auf, der ihm am nächsten war. ,,Das erklärt auch, was mit diesen unvollständigen Ringen der Alchemisten getrieben wurde." ,,Wenn du möchtest, kannst du sie benutzen, um einen vollständigen Ring der Alchemisten zu schmieden.", bat Tucker mit seiner Flüsterstimme an. ,,Bedeutet das etwa, dass Sie davon wissen, wie diese unvollständigen Ringe der Alchemisten hergestellt worden sind?", fragte Leon ihn erbost. ,,Nicht wirklich.", antwortete Tucker. ,,Zu der Zeit, als ich hier ankam, war dieser Raum schon hier, erschaffen und zurückgelassen, sehr wahrscheinlich von dem Mann, der dieses Labor vorher betrieben hatte, ein gewisser Doktor Tim Marcoh. Ich kann seine Methoden nur erahnen." ,,Sie wurden aus...!", begann Leon zornig. ,,Leonard, spielt es denn wirklich noch eine Frage, aus was sie gemacht worden?", unterbrach Tucker ihn. ,,Selbst wenn sie in der Tat erschaffen wurden, indem man lebende menschliche Wesen benutzt hat, bist du in der Lage, ihnen ihr Leben zurückzugeben?" Leon sah zu Boden und dachte an Nina, deren Leben zerschmettert an einer Gasse geendet hatte, und dachte an Nummer 49, der sich selbst das Leben genommen hatte. ,,Das, was von ihnen übrig geblieben ist, zu nehmen, um einen vollständigen Ring der Alchemisten zu erschaffen, ist der einzige Weg, ihren Opfern eine Bedeutung zu geben.", fuhr Tucker fort. ,,Das hätte ich selbst nicht besser sagen können.", sagte Nummer 48, der in der Nähe am Boden lag. ,,Du stimmst zu?", fragte Leon. ,,Ihre Leben haben keinen Wert in diesem körperlosen Zustand. Ja, ich stimme zu.", antwortete Nummer 48. ,,Keinen Wert?", wiederholte Leon und sah zu dem Tank neben sich, in dem sich plötzlich vor seinem geistigen Auge Fayt als Mensch widerspiegelte und ihm fröhlich zulächelte. ,,Das kaufe ich euch nicht ab." Er kletterte hinauf auf den Tank. ,,Fayt... Dein Leben ist wertvoll... selbst in diesem Zustand." Er klatschte in die Hände und berührte die Decke, an der sich sogleich ein Mutations-Zirkel wie der am Boden abzeichnete.
Hughes, Ross, Armstrong und Brosch hatten das Hauptquartier erreicht und eilten nun mit den Soldaten, die sie dort abgeholt hatten, zurück zum Ausgang, als Führer King Bradley, aus seinem Büro in den Flur kam. Alle Soldaten verbeugten sich sofort vor ihm. ,,Nun, Sie arbeiten anscheinend alle bis spät in die Nacht hinein, genau wie ich.", sagte King Bradley heiter. ,,Führer, ich entschuldige für die mögliche Störung, die wir verursacht haben.", sagte Hughes. ,,Ich weiss schon, Sie wollen sich unbedingt um die Sache mit Labor 5 kümmern.", sagte King Bradley, immer noch äußerst unbeschwert. Hughes sah ihn mit großen Augen an, verdutzt, dass der Führer davon wusste. ,,Ich habe Gerüchte über die Jahre hinweg gehört, aber habe ich mich taub gestellt.", seufzte King Bradley. ,,Ich hatte darauf vertraut, dass Basque Gran nur das Wohl des Staates im Sinn hatte. Aber wenn das Leben dieser beiden jungen Alchemisten dadurch in Gefahr gebracht wird, kann ich nicht einfach nur herumstehen und zusehen. Ich werde Sie alle persönlich dorthin begleiten, Sie werden sich nicht alleine damit auseinandersetzen müssen." ,,Ja, Sir!", riefen die Soldaten und verbeugten sich erneut vor King Bradley.
Lust saß auf dem von Gluttony stark zerfressenen Fayt, der nun keine Arme und Beine mehr hatte. ,,Und wo ist der benarbte Mann?", fragte Lust Gluttony. ,,Er ist in den bösen Ort hinabgefallen.", antwortete Gluttony leicht ängstlich. ,,Wirklich?", fragte Lust und seufzte. ,,Das ist kein großer Verlust. Greed könnte jeden Moment auftauchen, um sich zu rächen. Wir müssen den Metalljungen dazu bringen, sich zu beeilen."
Tucker führte Leon ein Stockwerk höher und blieb vor einer Tür stehen. ,,Ist es das? Das ist der Raum, der genau über dem Raum mit den Roten Steinen liegt?", fragte Leon. ,,Dahinter ist ein Lagerungstank mit noch mehr Roten Steinen.", antwortete Tucker. ,,Dieser Tank ist mit den anderen Tanks im Raum darunter verbunden, die sich um die Wände ziehen. Leon betrat den Raum, der fast gänzlich von einem riesigen Tank mit Rotem Wasser ausgefüllt wurde. ,,Okay, damit kann ich arbeiten.", sagte Leon und verließ den Raum wieder. Brigadier General Basque Gran stand direkt neben der Tür, so dass Leon ihn nicht gesehen hatte, und drückte nun einen Schalter hinter sich. Ein Teil des Tanks in diesem Raum fuhr hoch und gab einen Hohlraum dahinter frei, in dem sich die Sträflinge befanden, die er aus dem Gefängnis abgeholt hatte. ,,Unglaublich.", sagte Gran kopfschüttelnd Sträflingen, unter denen auch der Hochrotalchemist Kimbley war. ,,Selbst nach Tausenden von Jahren de Evolution seid ihr menschlichen Wesen so gewalttätig wie eh und je." Er betätigte den Schalter erneut, und der Tank fuhr wieder hinab. ,,Und wer, glaubt er, ist er?", fauchte einer der Sträflinge. ,,Das ist einer von diesen hochrangigen Militäraffen.", spottete ein anderer. Kimbley kicherte belustigt. ,,Ich finde es ja so erheiternd, dass ihr wirklich alles glaubt, was ihr seht.", sagte er. ,,Aber dieses Ding, was da gerade zu uns gesprochen hat, ist defintiv nicht der Brigadier General."
Leon und Tucker waren wieder bei Nummer 48 im Raum mit den Tanks voll Rotem Wasser angekommen. ,,Du willst beide Räume auf einmal mutieren?", fragte Tucker. ,,Genau das ist der Plan.", sagte Leon nickend. ,,Selbst vereinigt gibt es nicht genügend unvollständige Ringe der Alchemisten in diesem Raum. Ich brauche auch die im Raum darüber. Und in Doktor Marcohs Forschungsdaten war die Benutzung von zwei Mutations-Zirkel vorgeschlagen. Damit werden die unvollständigen Ringe der Alchemisten aus diesem Raum und dem über uns kombiniert und zu einem vollständigen Ring der Alchemisten werden. Aber dafür brauche ich eine richtig starke Kraft, um das möglich zu machen. Am besten motze ich den Zirkel auf." Er klatschte in die Hände und aus dem Zirkel, der wie jeder andere Zirkel auch sechs Ecken hatte, wurde ein Zirkel mit sieben Ecken. ,,Ein Zirkel mit einem Heptagon?", wunderte sich Tucker. ,,So einen habe ich noch nie zuvor gesehen." ,,Ich ebenfalls noch nie.", gestand Leon. ,,Aber wenn meine Theorie stimmt, werde ich Fayt in wenigen Stunden seinen Körper zurückgeben können, und wir können endlich von hier verschwinden. Dann könnt ihr mit dem Ring der Alchemisten tun, was auch immer ihr wollt." ,,Das ist sehr nobel von dir, Leonard.", bedankte sich Tucker und sah dabei zu, wie Leon die Tanks neu anordnete, sodass jeder Tank an jeweils einem Eckpunkt des Mutations-Zirkels stand.
Gran beobachtete das ganze durch das winzige Fenster eines anderen Raumes her.
In dem Hohlraum über dem Raum, in dem sich Leon, Tucker und Nummer 48 befanden, waren die Sträflinge derweil in Panik verfallen und versuchten zu fliehen, um nicht als Zutat für den Ring der Alchemisten zu enden. ,,Würdet ihr mal endlich die Klappe halten?", bat Kimbley leicht genervt. ,,Ach, du kannst aufhören, einen auf taff zu machen, und zugeben, dass du Angst hast!", fauchte ein Sträfling. ,,Selbst ein Gestörter wie du, der selbst seine Verbündeten kaltgemacht hat, muss doch erkennen, dass er hier nicht mehr rauskommt, Hochrotalchemist!" ,,Oh, ihr habt also hinter meinem Rücken getratscht.", kicherte Kimbley und stand nun endlich vom Boden auf, auf dem er gesessen und Counry Roads gesummt hatte. ,,Es stimmt, ich habe meine Verbüneten im Ishbal-Krieg kaltgemacht. Aber wisst ihr auch, wie?" ,,Ja. Du hast sie alle mit Bomben in Hunderte von Stücken gesprengt!", sagte der gleiche Sträfling. ,,Bomben?", wiederholte Kimbley spöttisch. ,,Auf so etwas habe ich mich noch nie verlassen." Er hob seine Hände hoch, die immer noch in dem Brett mit den zwei Löchern steckte, hoch und sagte: ,,Wusstet ihr, dass der Mensch eines Körper zu größten Teil aus Wasser besteht und auch aus kleinsten metallischen Partikeln?" Er legte die Handflächen, auf denen er die Mutations-Zirkel gezeichnet hatte, die Sonne und Mond ähnelten, auf dem Sträfling auf, der ihn angefahren hatte, und drängte ihn gegen die Wand zurück. ,,Indem man diese zwei Dinge neu anordnet, kann ein begabter Alchemist eine Person ganz einfach in eine menschliche Bombe verwandeln. Und wenn man dann noch die Menge an Rotem Wasser in Betracht zieht, von der wir umgeben sind, wird die Reaktion sogar noch größere Ausmaße erreichen." Die bisher größte Explosion suchte Labor 5 im nächsten Moment heim.
Durch das Beben kam Scar, immer noch in dem Raum liegend, wieder zu sich.
Der Mensch, den Kimbley als Bombe benutzt hatte, war tot, der Boden war aufgebrochen, und die Sträflinge waren in den Raum darunter direkt auf den Mutations-Zirkel gefallen; von Kimbley war keine Spur mehr. ,,All diese Menschen!", rief Leon verdattert. ,,Wer sind die?" Er wandte sich zu Tucker um. ,,Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass noch mehr Wissenschaftler hier waren?" ,,Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, haben Wissenschaftler Laborkittel getragen, nicht Sträflingskleidung.", entgegnete Tucker. Leon besah sich die Menschen, die allesamt Sträflinge waren. ,,Was tun die hier!?!", fuhr er Tucker an. ,,Wenn ich diese Mutations vollführt hätte, ohne von ihnen zu wissen, hätte ich..." Tucker kicherte vergnügt. Leon wandte sich wieder den Sträflingen zu. ,,Ihr alle, hört mir zu!", rief er. ,,Wer hat euch hierher gebracht?!?" ,,Ich tat es, Metallalchemist.", sagte jemand von der Metalltür hinter Leon. Der wirbelte herum und erblickte Gran, der den Raum betrat. ,,Ich habe persönlich angeordnet, dass diese Kriminellen vom Gefängnis nebenan hierher gebracht werden. Und was tust du hier?" Leon stürmte auf ihn zu und holte nach ihm aus, doch im nächsten Moment wurde Gran kleiner, verformte sich und wure zu Envy, der zur Seite auswich. ,,Was hat mich preisgegeben?", fragte Envy belustigt. ,,Der Brigadier General wurde von Scar umgebracht. Ich hatte einen Logenplatz, als es passierte.", erklärte Leon, vor Zorn zitternd. ,,Wer bist du? Wie lautet dein Name?" ,,Nun, das hängt davon ab: Ich kann sein, wer auch immer du willst.", antwortete Envy. ,,Wen hättest du denn gerne, Mr. Metallzwerg, hmm? Vielleicht eine größere Version von dir?" Er grinste boshaft. Erneut holte Leon nach ihm aus, und wieder wich Envy ihm aus. ,,Ach, du liebes bisschen, der entschlossene kleine Gartenzwerg will also kämpfen.", sagte Envy gackernd. ,,Aber ich weiss nicht so recht, ich bin eher ein Pazifist." ,,Du solltest aufhören, mich einen Gartenzwerg zu nennen! Das macht mich richtig ungemütlich!", schrie Leon und ging in Kampfposition; im selben Moment versagte sein Auto-Mail, und der Metallarm hin schlaff herab. ,,Yay!", frohlockte Envy und versetzte Leon sofort zwei Tritte ins Gesicht und einen in den Magen, der ihn zu Boden beförderte. ,,Du warst es schließlich, der diesen lächerlichen Kampf angefangen hat, Gartenzwerg.", spottete er. ,,Hast du eigentlich auch nur die leiseste Ahnung, mit wem du dich gerade versuchst anzulegen, hä!?!" Er trat Leon gegen die Wand des Raumes. ,,Der Grund, warum du immer noch unter den Lebenden weilst - und zwar der einzige Grund - ist, dass uns befohlen wurde, es nicht zu tun. Aber ich kann dir nie vergeben - und ich werde es auch nie können - , dass das Blut dieses Bastards in deinen Adern fließt!" Er wollte ihn noch einmal treten, doch Lust hatte den Raum betreten und rief mahnend: ,,Envy!" Sie hob Nummer 48 hoch. ,,Lass es nicht an ihm aus, weil du es nicht geschafft hast, die Zutaten ruhigzustellen." Sie sah zu den "Zutaten", die immer noch auf dem Mutations-Zirkel standen. ,,Ich habe dich schon einmal gesehen.", sagte Leon vom Boden her zu Lust. ,,Wenn du nicht noch mehr physischen Schmerz erleiden willst, schlage ich vor, du fährst mit der Mutation fort.", sagte Lust zu ihm. ,,Wir hatten einen kleinen unerwarteten Zwischenfall, aber die Zutaten sind immer noch frisch." ,,Ihr wollt allen Ernstes, dass ich diese Verurteilten benutze, um einen Ring der Alchemisten zu erschaffen?", fragte Leon ungläubig. ,,Ist das euer Plan?!? Glaubt ihr wirklich, dass ich ihnen das Leben nehmen würde?!?" Die Sträflinge versuchten durch die Metalltür zu flüchten, doch in diesem Moment betrat Gluttony den Raum, Fayt hinter sich her ziehend, und die Sträflinge erstarrten. ,,Ich glaube, du hast keine andere Wahl, Leonard.", sagte Lust und setzte sich wieder auf Fayt. ,,FAYT!!!", rief Leon beim Anblick des vollkommen zerfressenen Fayts entsetzt. ,,Großer Bruder! Diese Leute... Sie sind Homunculi!", rief Fayt, und Leon erstarrte. ,,H... Homunculi?", wiederholte er zitternd. ,,Das ist korrekt.", sagte Tucker, der die Chimära, die wie Nina aussah, aus dem Raum dahinter geholt hatte, und ging hinüber zu Lust und Gluttony. ,,Diese Personen sind - traun fürwahr - Homunculi. Perfekte, künstlich erschaffene Menschen. Sie haben mir versprochen, das Geheimnis, wie man einen Homunculus erschafft, anzuvertrauen, damit ich endlich meine wertvolle Nina ins Leben zurückholen kann." ,,Warum versuchen Sie überhaupt, den Körper Ihrer Tochter wiederzuerschaffen, wenn Sie nicht dasselbe mit Ihrer Seele tun können!?!", schrie Leon ihn mit Blick auf die Chimära, die wie Nina aussah, an. ,,Aber ich habe bereits eine Seele.", sagte Tucker und deutete auf seinen Kopf. ,,Ich bewahre sie hier drin auf. Der unvergleichliche Geist meiner Nina lebt in all meinen Erinnerungen an sie weiter. Ich kann sie in die Gedanken des Homunculus implantieren und eine Nina erschaffen, die sogar noch perfekter ist als die echte, die sie inspiriert hat." ,,Erinnerungs... implantation...?", wiederholte Fayt und erinnerte sich mit Sorge an das, was Barry zu ihm gesagt hatte. ,,Es wird dennoch nicht die echte Nina sein!", schrie Leon. Envy verpasste ihm einen weiteren Tritt ins Gesicht, der ihn zum Schweigen brachte. ,,Dieser sinnlose Smalltalk endet jetzt hier.", sagte er zu Leon genervt. ,,So, Gartenzwerg, warum hältst du jetzt nicht einfach die Klappe und machst dich an die Mutation? Du kannst anfangen, indem du die Decke wiederherstellst." Leon sah stur zur Seite. Lust seufzte tief. ,,Es ist mir peinlich, es zuzugeben, aber unsere Gruppe ist nicht in der Lage, Alchemie zu benutzen.", sagte sie. ,,Wir müssen uns auf andere verlassen, es zu tun." ,,Wenn ihr keine Alchemie benutzen könnt, was soll dann das Ganze?", fragte Leon. ,,Was könntet ihr schon mit dem Ring der Alchemisten anstellen?" Lust antwortete nicht. ,,Genau wie Cornero, hmm?", sagte Leon verachtend. ,,Lasst mich raten, ihr habt allesamt einen Gott-Komplex und giert nach der Weltherrschaft!" ,,Ich will ein Mensch werden.", sagte Lust. ,,Sonst nichts..." Leon bäumte sich auf. ,,Wenn ihr wirklich Homunculi seid, wie ihr sagt, dann muss es doch einen Alchemist geben, der euch erschaffen hat.", schloss er. ,,Warum bittet ihr nicht ihn, eure schmutzige Arbeit zu erledigen?" Ein weiterer Tritt Envys in sein Gesicht brachte ihn wieder zu Boden. ,,Wir worden von niemandem erschaffen, wir wurden geboren!", fauchte Envy. ,,Mit unseren Beschränkten Mitteln konnten wir nur eine Spur von Hinweisen legen, die einen zum Ring der Alchemisten führt, und einigen tatendurstigen Alchemisten zeigen, wie sie den Ring für sich selbst erschaffen können." ,,Wartet mal... Heißt das, ihr wart es, die Cornero den unvollständigen Ring der Alchemisten angedreht haben, und die Magwar gezeigt haben, wie er das Rote Wasser in seiner Mine herstellen kann?!?", fragte Leon erschrocken; Gluttony keckerte vergnügt. ,,Und als Marcoh hier im Labor gearbeitet hatte, müsst ihr es gewesen sein, die ihm von der geheimen Zutat erzählt haben! Nicht zu vergessen Tuckers Experimerte, hinter denen ihr, da wette ich, auch noch gesteckt habt!" ,,Wir haben die falsche Fährte gelegt und, wie du siehst, ist ihr jeder Idiot, der am Ring der Alchemisten interessiert ist, gefolgt.", kicherte Envy. ,,Und so haben wir euch zwei Jungen gefunden.", sagte Lust. ,,Und nun habt ihr uns gefunden." ,,Wollt ihr damit sagen... dass die Tatsache, dass ich hierher kam, von Anfang an Teil eures Plans war?", fragte Leon entsetzt. Lust lächelte boshaft. ,,Nein!", schrie Leon. ,,Fayt und ich haben uns vor drei Jahren auf diese Reise begeben, aus eigenen Gründen, aus unserem eigenen freien Willen! Und wir sind durch die Hölle gegangen, um hierher zu kommen..." ,,Ihr seid hier, weil es das ist, was wir wollten.", korrigierte Lust ihn. ,,FAYT UND ICH SIND NIEMANDES PUPPEN, WEDER FÜR DEN STAAT, UND DEFINTIV NICHT FÜR EUCH!!!", brüllte Leon. ,,Es ist ein Gleichwertiger Tausch, Junge.", sagte Lust unbeirrt. ,,Ich werde dir alles sagen, was du wissen musst, um einen Ring der Alchemisten herzustellen, und im Gegenzug wirst du ihn benutzen, um uns in Menschen zu verwandeln." ,,Und warum zum Teufel sollte ich euch trauen?", fragte Leon. ,,Oh, aber du missverstehst mich, Metalljunge.", sagte Lust. ,,Wir bitten dich nicht darum, wir befehlen es dir." Sie klappte den Helm von Nummer 48 auf. ,,Hast du eine Idee, was mit einer an einen Gegenstand gebundenen Seele passieren wird, wenn du das hier tust?" Sie verlängerte eine Fingernagel und begann damit am Siegel aus Blut von Nummer 48 zu reiben. ,,Hör auf, das kannst du nicht tun! Er ist immer noch ein menschliches Wesen!!!", brüllte Leon. ,,Leonard Elric, ich möchte, dass du...", begann Nummer 48, kam jedoch nicht weiter, da Lust in diesem Moment einen Teil des Siegels weggekratzt hat. Nummer 48 zerfiel in seine Einzelteile. Lust stand auf, nahm Fayt den Kopf ab und legte ihren verlängerten Fingernagel auf Fayts Blutsiegel auf. ,,Das wird nicht lange dauern.", sagte sie. ,,Nein!!!", schrie Leon verzweifelt, den Tränen nahe. ,,Bitte tu ihm nicht weh!!! Er ist mein kleiner Bruder!!! Bitte nimm ihn mir nicht weg!!! Ich flehe dich an!!!" ,,Leon, es ist in Ordnung.", meinte Fayt. ,,Was bin ich... denn schon schließlich?" Wieder kam ihm das in Erinnerung, as Barry zu ihm gesagt hat. ,,Was ist, wenn du nur eine Fälschung bist? Eine Imitation? Woher weißt du schon den Unterschied?", hatte er gesagt. ,,Ich, ähm... Ich wollte dir schon lange etwas sagen, aber ich hatte bis jetzt immer zu sehr Angst davor...", hatte Leon in Rizenbul zu ihm gesagt. ,,Gib nicht auf, Fayt, okay?", rief Leon, berührte mit seiner rechten Hand den kaputten Auto-Mail und legte beugte sich hinab, so dass beide Hände den Boden berührten. Die Decke mitsamt des Mutations-Zirkels ward wiederhergestellt. Envy pfeifte beeindruckt, während Gluttony die Sträflinge wiede zurück zum Mutations-Zirkel drängte. Leon schob die durch die eingestürzte Decke verschobenen Tanks wieder an ihre Stelle. ,,Nein! Großer Bruder, das darfst du nicht tun! Das ist es nicht wert!", schrie Fayt.
Scar wanderte mit verletztem Arm einen Gang entlang und bemerkte ein kleines Fenster, durch das er schaute, und sah, wie Leon die Tanks zurechtschob. ,,Törichtes Kind...", sagte er. ,,Ich hätte ihn zu seinem Erschaffer schicken sollen, als ich meine Chance hatte."
,,Genau, du kriegst das schon hin, Kind.", sagte Lust vergnügt. ,,Ich habe Vertrauen in dich." ,,Das ist verrückt!", schrie Fayt Leon an, der sich vor dem Mutations-Zirkel positionierte und die Sträflinge ansah, die zitternd auf ihr Ende warteten. Er seufzte und trat noch ein wenig vor. ,,Tu das nicht, großer Bruder!", rief Fayt verzweifelt. ,,Diese Leute... Sie... Sie... Sie sind Menschen!" ,,Ja.", stimmte Envy zu. ,,Und bald werden du und ich es auch sein. Was ist also dein Problem?" ,,Ich will meinen alten Körper nicht zurück, wenn es bedeutet, dass dafür andere ich Leben lassen müssen!", schrie Fayt. ,,Hahahahaha!!!", lachte Envy laut. ,,Und ich dachte, du und dein Bruder hätten es verstanden nach eurem erbärmlichen Versuch, Mami wiederzubeleben. Du musst ein Leben eben, um ein Leben zu erschaffen. Komm schon, das ist eine der Grundlagen der Alchemie! Belügt euch doch nicht, indem ihr denkt, es gäbe eine andere Möglichkeit, eure Körper wiederzubekommen, denn es gibt keine! Wie man sagt: Der Tod ist der höchste Preis im Leben." ,,Um etwas im Leben zu erreichen, muss man es unvermeidlich jemand anderem wegnehmen.", sagte Lust schulterzuckend. ,,Das weiss jeder wahre Erwachsene." ,,Aber wir... wir sind keine Erwachsenen.", stellte Fayt richtig. ,,Als sich Leonard dazu entschied, ein Nationaler Alchemist zu werden, gab er seine Kindheit im Gegenzug für Macht auf.", erklärte Lust. ,,Also fangt jetzt nicht an, euch wie Kinder zu benehmen, weil ihr es nicht so haben könnt, wie ihr es wollt." ,,Ich verstehe es jetzt..", seufzte Leon. ,,Das hier ist wriklich "Die Wahrheit, versteckt hinter der echten Wahrheit"." Er klatschte mit der rechten Hand in seine linke, metallene und kniete nieder. ,,Ich habe dir versprochen... dass ich dir deinen Körper zurückgeben würde, koste es, was es wolle.", sagte er, sein Blick stur zu Boden gerichtete, so dass er die Sträflinge nicht sehen musste, die davor standen, geopfert zu werden. Seine Hände kamen dem Mutations-Zirkel immer näher und näher. Mehrere Sträflinge begannen zu zittern, einige sogar zu weinen. Leons Hände kamen dem Zirkel noch näher. Gluttony keckerte vergnügt, während Lust, Envy und Tucker allesamt zufrieden lachten. Näher und näher...
Scars Augen verengten sich hinter seiner Sonnenbrille.
Näher... ,,Sorry, Fayt... Ich kann´s nicht...", sagte Leon und stoppte. Envy seufzte genervt und ging auf Leon zu, um ihn noch weiter zu verprügeln. Doch dazu kam er nicht, denn im nächsten Moment explodierte die Wand, von der aus Scar zugesehen hatte, und Rotes Wasser spritzte nach allen Seiten, so dass die im Raum Anwesenden ausweichen mussten. ,,Metallalchemist!", rief Scar, der die Wand in die Luft gejagt hatte. ,,Nimm deinen kleinen Bruder und verschwinde von hier!" ,,Ich brauche deine Hilfe nicht!", schrie Leon ihn an. ,,Vielleicht nicht, aber dein kleiner Bruder braucht dich.", entgegnete Scar ruhig. Leon grummelte, wirbelte herum und rief: ,,Los geht´s, Fayt!" Er rannte los. ,,Oh nein!", rief Lust und ließ ihre Fingernägel auf Übergröße wachsen. ,,Du gehst nicht, bevor du nicht beendet hast, was du angefangen hast!" Leon trat versehentlich in das Rote Wasser, das die unvollständigen Ringe der Alchemisten ergab, und erstarrte, auf einmal von einer weißen Aura umgeben. Die Aura breitete sich über den ganzen Raum aus, und Leon begann vor Schmerzen zu schreien. Lust erstarrte vor Entsetzen. ,,Aaaaaaaaaaaaah!!!!!!!!!!!!", schrie Leon voll Schmerz, als sein Metallarm plötzlich zu einem Enterhaken wurde, der Lust nur knapp verfehlte und stattdessen die Wand hinter ihr zerstörte, aus der nun noch mehr Rotes Wasser floss. ,,Das ist nicht gut!", rief sie besorgt. ,,Obwohl es nur unvollständiges Material ist, kann diese Masse an unvollständigen Ringen der Alchemisten in einen Gott verwandeln!!!" Leon schrie erneut vor Schmerzen aus, und Speere aus Rotem Wasser, das sich verdickt hatte, schossen auf die Homunculi und Tucker zu, die zur Seite sprangen und aus dem Raum flüchteten. Noch mehr von den Wänden wurde zerstört, und das Rote Wasser breitete sich immer weiter aus und floss auf Leon zu, der im Zentrum stand.
Das Militär erreichte den Eingang zu Labor 5. ,,Die Eingangstür ist sichergestellt! Wir sind bereit zum Vordringen!", teilte Brosch mit. ,,Überall um das Labor sind Soldaten aufgestellt, die die Straße absperren und nach Verdächtigen Ausschau halten!", rief Ross. Führer King Bradley nickte und fuhr sich über seine Augenklappe. ,,Hören Sie mir nun alle zu!", sprach er. ,,Die Hauptmission ist es, die Sicherheit der beiden Jungen zu gewährleisten! Beschützen Sie auch jeden, der nach zivilem Personal aussieht!" ,,Und andere?", frag Armstrong. ,,Werden niedergemacht!", antwortete King Bradley. ,,Und jetzt los!!!"
Die Soldaten stürmten ins Labor und teilten sich immer wieder in den labyrinthähnlichen Gängen des kurz vorm Einsturz stehenden Labors auf.
Eine Soldatengruppe rannte Kimbley entgegen, der sich nun dem Holzbrett entledigt hatte und seine Arme frei bewegen konnte. ,,Ist das... der Hochrotalchemist?!?", stammelte ein Soldat. Unvorhergesehen stürzte sich eine schlangengleiche Frau von der Decke und erstach die Soldaten mit einem Messer. Verwundert sah Kimbley hinter sich und erblickte einen wolfsähnlichen Mann und einen hundeähnlichen Mann, angeführt von dem Mann mit den stacheligen Haaren, den Lust Greed genannt hatte und der seinem Gefängnis entkommen war, in dem er so lange leblos gelegen hatte. Er hatte ein Zeichen auf der Hand, das genauso das aussah wie das, das Gluttony, Lust und auch Envy trugen: Ein Dreieck, bestehend aus drei Dreiecken, das von einem Höllenhund umgeben war.
Armstrong, Ross und Brosch hatten den Raum mit dem Roten Wasser, von dem Leon immer noch umgeben war und in eine weiße Aura gehüllt wurde. ,,Metallalchemist, Sir!", rief Ross, doch Leon konnte ihn nicht hören. ,,Die alchemistischen Kräfte des Jungen steigen rapide an!", bemerkte Armstrong. Ross kämpfte gegen die weiße Aura, die einen zurückzudrängen versuchte, und schritt auf Leon los. ,,Lieutenant Ross, nicht!", rief Brosch ihr zu. Ross näherte sich Leon allmählich Schritt für Schritt. Schließlich erreichte sie ihn, legte ihre Hände auf seine Schultern und drückte ihn an sich. ,,Mama...?", fragte Leon, bevor er seine Augen schloss und zufrieden im Reich der Träume versank, die Aura um ihn herum verschwindend.
Noch mehr Soldaten stürmten in Labor 5, während drei Personen in Militäruniform das Labor verließen: Lust, Envy und Gluttony. ,,Gute Arbeit, Truppe...", lobte die Sekretärin die drei, die sich als Soldaten ausgaben. Eine Wand stürzte zusammen und Armstrong trat dahinter nach draußen, Fayt und den bewusstlosen Leon in jeweils einem Arm nach draußen in die Sicherheit tragend.


Vorschau Kapitel 23: Herz aus Stahl: Es gibt da etwas, dass Leon seinen Bruder fragen wollte, es jedoch nicht getan hat? Ist es wirklich das, was Fayt befürchtet?