Mittwoch, 19. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 23: Herz aus Stahl

Als Leon die Augen wieder öffnete, erblickte er als erstes eine grelle Deckenlampe, die ihn die Augen leicht schließen ließ; er lag auf einem Bett in einem unbekannten Raum. ,,Leonard!", rief Brosch, der bemerkt hatte, dass Leon wieder zu sich gekommen war. Leon sah zur Seite und erblickte ihn und Ross. ,,Gott sei Dank! Sie sind aufgewacht!", freute sich Ross. ,,Wo bin ich?", fragte Leon mit leicht schwacher Stimme. Dann fiel ihm jedoch wieder sein kleiner Bruder ein, und er setzte sich schlagartig auf, was er jedoch sofort mit Schmerzen in seiner Magengegend bereute. Er stellte gerade so fest, dass er bandagiert war, als er rief: ,,Fayt!" Er sah sich krampfhaft im Raum um und sah Fayt in einer Ecke sitzen. Erleichtert atmete er auf, stockte dann aber, als er Fayts vollkommen zerfressenen Metallkörper sah.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Es war bereits der Abend des nächsten Tages, wie Leon mit einem Blick aus dem Fenster feststellte. ,,Tut mir Leid.", entschuldigte er sich bei Fayt, der teilnahmslos in der Ecke saß. ,,Ich werde dich sofort wieder reparieren." Fayt sah ihn kurze Zeit nur an, dann sagte er: ,,In Ordnung." Leon sah zu Boden. ,,Leonard, was ist in Labor 5 passiert?", fragte Brosch ihn. ,,Nicht viel.", sagte Leon und zuckte mit den Schultern, was er sogleich mit Schmerzen bereute. ,,Nicht viel? Sie sind schwer verletzt!", sagte Brosch aufgebracht. ,,Ach, das ist nichts.", sagte Leon abwehrend. ,,Aber ich hatte es fast geschafft, die "Wahrheit" zu sehen." Ross erinnerte sich zurück, wie Leon in dem Meer aus Rotem Wasser gestanden und dadurch unglaubliche Macht erhalten hatte. Meinte er dies mit "Wahrheit"? ,,Nun, nächstes Mal begehe ich solch einen Fehler bestimmt nicht noch einmal...", meinte Leon gleichgültig. ,,Leonard!", unterbrach Ross ihn. ,,Hmm?", machte Leon fragend. ,,Entschuldigen Sie bitte, was ich jetzt tun werde.", sagte sie und verpasste ihm eine saftige Ohrfeige. Brosch starrte sie mit großen Augen an. ,,Sie sind fast gestorben!", schrie Ross den verdattert dreinschauenden Leon an. ,,Sie müssen endlich verstehen, dass Sie immer noch ein Kind sind! Ich weigere mich ab sofort, dich zu siezen!" Ihre harten Züge wichen ein wenig und setzte hinzu: ,,Du solltest ein wenig mehr Vertrauen in uns Erwachsene haben." Sie verbeugte sich vor ihm. ,,Ich habe Offizierin von niedrigem Rang etwas Unverzeihliches getan, aber bitte vergib mir!" ,,Bitte vergeben Sie ihr! Oder... darf ich auch duzen?", sagte Brosch. ,,Ja, ähm... darfst du.", sagte Leon zu ihm. ,,Und... es... es tut mir Leid." Ross lächelte erleichtert und atmete auf.
In Rizenbul in der Küche ihres Hauses war Winry mal wieder nachdenklich über die Schraube gebeugt, die sie beim Aufräumen gefunden hatte. ,,Ich bin mir ganz sicher, dass sie zu Leons Auto-Mail gehört.", murmelte sie nachdenklich. Sie seufzte laut. ,,Oje, ich, die als junge und wunderschöne Auto-Mail-Mechanikerin Angepriesene, hab einen riesigen Fehler begangen!" ,,Stimmt etwas nicht?", fragte ihre Großmutter Pinako, die vom Keller her kam. ,,Oh, gar nichts...", log Winry und versteckte die Schraube schnell. Pinako sah sie misstrauisch an. ,,Es ist wirklich nichts...", versicherte Winry ihr und kicherte. Das Telefon klingelte. ,,Ja, hier Rockbell-Auto-Mail!", meldete sie sich.
,,Oh, Winry?", fragte Leon, der angerufen hatte.
Winry erstarrte, mit Gedanken wieder bei der Schraube. ,,Leon?", fragte sie zaghaft.
,,Ähm, hör mal... Mein rechter Arm funktioniert nicht mehr.", erklärte Leon.
,,Wie ich mir dachte...", seufzte Winry.
,,"Wie ich mir dachte"?", wiederholte Leon verdutzt.
,,Äh...", machte Winry. ,,Weißt du noch, wie ich dir gesagt habe, dass dein Arm dieses Mal leichter ist, aber nicht so viel aushält? Du bist nicht schon wieder sorglos damit umgegangen, oder?"
Leon erstarrte vor Angts vor Winrys Zorn. ,,Wie dem auch sei, ich kann dich momentan nicht besuchen, also weiss ich nicht, was ich tun soll." Er lachte verlegen
,,Dann mache ich einen Business-Trip zu dir!", verkündete Winry gespielt fröhlich. ,,Ich bin in Windeseile da, also warte einfach!"
,,Bist du nicht ein wenig zu nett heute?", fragte Leon verdutzt.
,,Ach, ich bin doch immer nett.", kicherte Winry.
,,Dann würde ich dich wirklich darum bitten, hierher zu kommen.", sagte Leon. ,,Danke." Er legte auf.
Winry atmete erleichtert auf und legte ebenfalls auf. ,,Diesmal solltest du sichergehen, dass du auch alle Teile anbringst.", meinte Pinako im Vorbeigehen. ,,Ja...", seufzte Winry niedergeschlagen.
Hunderte Soldaten untersuchten das nun völlig verlassene Labor 5, unter ihnen auch Hughes, der einen schweren Verdacht hatte und die ganze Zeit über ernst dreinschaute.


Am nächsten Morgen dann wurde Leon von einem übergut gelaunten Hughes im Zimmer des Krankenhauses besucht, in dem er sich befand. ,,Yo, Leon! Ich hab gehört, dass du jetzt aufstehen kannst!" ,,Second Lieutenant...", begann Leon verwundert, während sich Ross und Brosch vor Hughes verbeugten. ,,Fayt, bist du auch in Ordnung?", fragte Hughes Fayt, der immer noch teilnahmslos in der Ecke saß. ,,Ja.", antwortete er nach einiger Zeit. ,,Oh ja.", sagte Hughes auf einmal, der sich an etwas erinnert zu haben schien, und wandte sich an Ross und Brosch. ,,Könnten Sie mir vielleicht mein Mittagessen kaufen?" ,,Bin schon unterwegs, Second Lieutenant.", sagte Brosch und legte das Buch zur Seite, das er gelesen hatte. ,,Lieutenant Ross, dürfte ich Sie darum bitten, mit ihm zu gehen?", sagte Hughes zu Ross. ,,Ja, Sir.", antwortete sie und ging mit Brosch zur Tür. ,,Aber schnell, ich bin hungrig.", kicherte Hughes. Als die beiden verschwunden waren, setzte er sich mit ernster Miene neben Leon auf den Stuhl. ,,Wegen Labor 5...", begann er. ,,Der Vorfall, der sich dort zugetragen hat, ist so gerichtet worden, dass Scar die Schuld an allem trägt. Natürlich war ich nicht zufrieden mit dieser Schlussfolgerung." Leon sah zu Boden. ,,Eine gewaltige Menge an Leichen, die wie Chimären aussehen... Eine Menge Maschinen, die bis gestern noch funktioniert hatten... Einige der Sträflinge, die dorthin gebracht wurden, behaupten, sie hätten Brigadier General Basque Gran gesehen, der von Scar getötet worden war. Was ist dort genau passiert?" Leon sah weiter zu Boden. ,,Leon!", sagte Hughes drängend. ,,Woher soll ich das wissen?", entgegnete Leon schließlich. ,,Sag mir, was du dort gesehen hast.", bat Hughes ihn. Leon bis sich auf die Unterlippe. ,,Homunculi...", sagte er. Hughes erschrak. ,,Homunculi?!?", wiederholte er entsetzt. ,,Du meinst..." ,,Aber...", begann er und erinnerte sich wieder zurück an die Frau, die ihre Nägel wachsen lassen konnte und an den Kerl, der sich in jede beliebe Person verwandeln konnte. ,,Sie waren nicht menschlich." ,,Hatte es mit dem Ring der Alchemisten zu tun?", fragte Hughes. ,,Sie haben versucht, den Ring der Alchemisten zu erschaffen... und zwar unter Benutzung der Sträflinge.", antwortete Leon. Er sah die Sträflinge vor sich, die er beinahe mutiert hätte. ,,Was hast du gesagt?", fragte Hughes mit kaum hörbarer Stimme. ,,Richtig, Fayt?", fragte Leon Fayt. ,,Ja...", antwortete Fayt erst nach einiger Zeit.
Leon begann Zeichnungen von den Homunculi, Nummer 48 und 49, und von dem Zeichen, dass jeder Homunculus trug, anzufertigen. ,,Wächter, die nur noch ihre Seelen haben... Ein Psychopath namens Envy...", fasste Leon zusammen und deutete dann auf das Zeichen, das jeder Homunculus trug. ,,Das Ouroboros-Zeichen..." Er deutete auf die Zeichnung, die er von dem Mutations-Zirkel im Raum mit dem Roten Wasser gemacht hatte. ,,Und dieser komische Mutations-Zirkel für den Ring der Alchemisten... Das ist alles, was ich dort gesehen habe." ,,Es sieht aus, als wäre äußerst viel passiert aufgrund eines einzigen Experimentes." meinte Hughes. ,,Ich hörte von Marcoh, dass der Ring der Alchemisten im Ishbal-Krieg verwendet wurde.", sagte Leon. Hughes stutzte. ,,Laut ihnen lassen sie mich am Leben, weil ich etwas für sie tun muss.", fuhr Leon fort. Hughes seufzte. ,,Danke, dass du mir das erzählt hast, Leon.", bedankte er sich. ,,Überlass den Rest einfach mir." Leon sah ihn verwundert an. ,,Ruht euch einfach aus.", sagte Hughes. ,,Denkt eine Zeit lang mal nur an euch selbst." Leon sah eine Zeit lang zu Fayt, dann nickte er.
Ein Zug hielt im Bahnhof von Central City, und Winry, bepackt mit Arbeitssachen, stieg seufzend aus. ,,Endlich da...", murmelte sie und sah sich um. ,,Mal sehen... Er sagte, es würde irgendetwas hier sein, das ich gar nicht übersehen könnte." Ihr Blick schweifte von einem riesigen Mann, der mit seiner japanisch aussehenden Frau, die Rasterlocken trug, eine Karte studierte, zu Armstrong, der meilenweit über die Menschenmenge hinaus zu ragen schien. ,,Na, wenn das nicht Winry ist!", rief Armstrong, der Winry im selben Moment entdeckt hatte. ,,Danke, dass du extra so weit gereist bist!" Winry setzte ein gespielt fröhliches Gesicht auf und winkte ihm zu. Nicht der schon wieder..., dachte sie gleichzeitig genervt.


Er brachte sie ins Krankenhaus, wo Winry, als sie den völlig fertig aussehenden Leon erblickte, ihr Gepäck vor Schreck fallen ließ. ,,Was? Ich wusste nicht, dass du im Krankenhaus liegst!", fuhr sie ihn an. ,,Nun, ähm, eine Reihe von Ereignissen hat dafür gesorgt, dass ich hier gelandet bin...", erklärte Leon und lächelte sie an. ,,Das ist nicht witzig.", sagte sie und sah auf einmal sehr unglücklich aus. ,,Winry?", fragte Leon leicht besorgt. ,,Ich hab deinen Arm nicht richtig gebaut.", sagte sie. ,,Deswegen geht es dir jetzt so schlecht." Sie sah aus, als würde sie gleich weinen. ,,E-Es ist wirklich nicht deine Schuld!", rief Leon sofort. ,,Nicht wahr, Fayt?" ,,J- Ja.", stimmte Fayt zu, wieder aus seiner eigenen Welt hochschreckend. ,,Siehst du? Hast du gehört, was er gesagt hat?", sagte Leon lächelnd zu Winry. ,,Aber...", begann Winry niedergeschlagen. ,,Du hast mir einen perfekten Arm gemacht.", versicherte Leon ihr. ,,Ah ja, er muss wohl irgendwie beschädigt worden sein, weil ich ihn plötzlich nicht mehr bewegen kann... Und wenn er nicht aufgehört hätte sich zu bewegen, könnte ich jetzt sogar noch schlimmer aussehen. Er ist wahrscheinlich kaputt gegangen, weil ich sorglos damit umgegangen bin..." Hat er etwa nicht gemerkt, dass ich eine Schraube vergessen habe?, fragte sich Winry und lächelte auf einmal boshaft. ,,Ja, immer musst du so sorglos damit umgehen, Leon!", fuhr sie ihn sofort an. ,,Hey...", fauchte Leon beleidigt.


Nachdem Hughes zurück in sein Büro gekehrt war, keinerlei Arbeit zu tun gefunden hatte und deswegen angefangen hatte, sinnlos Origami-Figuren zu basteln, klingelte schließlich das Telefon im Nebenzimmer, in dem Scieszka arbeitete.Sie klopfte an der Tür und trat ein. ,,Entschuldigen Sie...", begann sie. ,,Second Lieutenant, da ist ein Anruf von Oberst Mustang!" Hughes seufzte tief und ließ den Kopf hängen, dann stand er jedoch auf und ging um Telefon. ,,Yo!", rief er heiter in den Hörer. ,,Du hast echt perfektes Timing, Roy! Ich hab echt gute Neuigkeiten!"
,,Ihr habt Scar gefunden?", fragte Roy sofort.
,,Und wie soll das bitte eine gute Neuigkeit sein?", rief Hughes entrüstet. ,,Hast du etwa schon vergessen? Morgen ist Elyseas Geburtstag!" Er schaute schwärmerisch drein.
,,Wenn du nicht von mir zu Asche verarbeitet werden willst, bringst du mich jetzt sofort auf den neuesten Stand!", fauchte Roy, und Funken stoben aus seinen Handschuhen.
,,Keine Sorge! Ich sag dir Bescheid, wenn wir was Wichtiges herausfinden!", versicherte Hughes ihm. ,,Und, und wehe du schickst Elysea kein Geschenk! Bye!" Er legte auf.
Vor Wut steckte Roy das Telefon in Brand und musste dafür eine stundenlange Predikt von Hawkeye ertragen über den Missbrauch von Militärgegenständen.
,,Ähm... Sind Sie sicher, dass Sie ihm nicht über diese... Dinge, die geschehen sind, erzählen sollten?", fragte Scieszka unsicher. ,,Ist in Ordnung.", sagte Hughes seufzend und sah ernst zu Boden. ,,Er muss jetzt noch nichts darüber wissen." Scieszka sah ihn verwirrt an. ,,Viel wichtiger: Wie steht es mit dem Bericht?", fragte Hughes sie. ,,Oh!", rief Scieszka und schaute stolz drein, während sie eine Wagenladung Bücher auf den Tisch ausleerte. ,,Ich hab ihn endlich fertiggestellt, nachdem ich weder geschlafen noch mich ausgeruht habe!" ,,Dann ist das hier Ihre nächste Aufgabe.", sagte Hughes und legte ihr den Titel des nächsten Berichtes hin. Scieszka kippte keuchend um.


Es war später Nachmittag, als Winry in Leons Zimmer zurückkehrte, um mit den Reparaturen am Auto-Mail zu beginnen. ,,Und wie geht´s dir jetzt, Leon?", fragte sie ihn, sah dann aber, dass er sein Abendessen, dass ihm vor fünf Minuten geliefert worden war, schon aufgegessen hatte. ,,Was, schon fertig?", fragte sie belustigt. ,,Ja...", antwortete Leon und unterdrückte einen Rülpser. ,,Dann fangen wir mal mit den Reparaturen an.", sagte Winry und wollte sich gerade die Ärmel hochkrempeln, als ihr noch etwas auffiel. ,,Du hast die Milch nicht getrunken.", sagte sie mit Blick auf das noch volle Milchglas. Leon erstarrte, während Winry genervt zu ihm sah. Er sah zur Seite. ,,Leon!", fauchte Winry. ,,Bitte, zwing mich nicht dazu, das da zu trinken.", wimmerte Leon, dem sofort der Schweiß ausbrach. ,,Was redest du da? Milch ist gut für dich! Trink sie!", schrie Winry und versuchte sie ihm einzuzwängen. ,,Halt den Mund! Was ich hasse, das hasse ich eben!", schrie er zurück. ,,Ich werde nichts trinken, was eine Kuh aus ihrem Euter abgesondert hat! Ich sterbe schon nicht, wenn ich es nicht trinke!" ,,Ah, meine Güte! Genau deswegen bist du noch so klein wie ein Gartenzwerg!", brüllte Winry. ,,Gartenzwerg!?!", wiederholte Leon zornig. ,,Ja, Gartenzwerg.", sagte Winry verächtlich und richtete sich zu voller Größe auf. ,,Nicht wahr, Fayt?", fragte sie Fayt, der immer noch stumm in der Ecke saß. ,,Leon, du solltest sie wirklich trinken.", sagte Fayt nach einiger Zeit. ,,Oh Mann, du hast echt Glück, Fayt, dass du so groß geworden bist, ohne dieses Ekelzeug trinken zu müssen.", seufzte Leon. ,,Ich...", begann Fayt. ,,Ich bin nicht so geworden, weil ich es so wollte!" ,,T-Tut mir Leid...", entschuldigte sich Leon und sah zu Boden, so aussehend, als wenn er gleich weinen würde. ,,Was ist los, ihr beiden?", fragte Winry Leon, der nicht antwortete. ,,Fayt?", fragte sie, an Fayt gewandt. Wieder keine Antwort. ,,Ist was passiert?", fragte Winry beide. Immer noch keine Antwort. ,,Hey!", fauchte sie schmollend. Leon sah aus dem Fenster. ,,Warum?", fragte sie die beiden traurig. ,,Warum sagt ihr mir nichts? Ihr habt mir nicht einmal erzählt, wie ihr so verletzt worden seid... Ich mache mir Sorge um euch beide! Warum wollt ihr mir dann nicht so etwas Wichtiges erzählen?!? Leonard! Fayton!" Beide sahen nur weiterhin von ihr weg. ,,Ach, vergesst es!", schrie Winry und rannte weinend aus dem Zimmer hinaus. Sie lief direkt in Hughes hinein, der auf dem Weg zu Leons Zimmer war. ,,Hi! Ich glaube, dass ist das erste Mal, dass wir uns mal richtig treffen, oder, Winry?", fragte Hughes vergnügt, der Winry damals beim Vorfall mit Barr The Butcher gesehen hatte. ,,Ähm...", begann Winry, die Hughes nicht wiedererkannte. ,,Ich bin Second Lieutenant Maes Hughes.", stellte sich Hughes vor. ,,Schön, dich kennenzulernen." Er hielt ihr seine Hand hin. ,,Gleichfalls...", sagte Winry und schüttelte ihm die Hand. ,,Und das ist...", begann Hughes und hielt ihr ein Foto seiner Tochter ins Geischt. ,,Das ist meine süsse Elysea! Siehst du! Ist sie nicht süss? Du würdest sie dir am liebsten den ganzen Tag ansehen, richtig?" ,,Ähm, sicher...", antwortete Winry stammelnd und machte in paar Schritte zurück in Richtung Leons Zimmer, um Schutz bei ihm zu suchen. ,,Okay, dann darfst du das auch.", sagte Hughes nickend. ,,Was?!?", fragte Winry verwirrt. Hughes packte sie und zog sie zurück in Leons Zimmer. ,,Ich leih mir mal Winry aus, ja?", sagte er zu Leon. ,,Bye!" Und sie mit sich schleifend, rannte er durch die Flure des Krankenhauses. ,,Ähm...", begann Winry. ,,Du hast richtiges Glück!", unterbrach Hughes sie schwärmend. ,,Morgen ist Elyseas Geburtstag!" ,,Wenn ich drüber nachdenke... Leon hat morgen auch Geburtstag.", erinnerte sich Winry. ,,Ja, richtig.", sagte Hughes. ,,Ich muss ihm auch noch ein Geschenk besorgen. ,,Also, Winry, was wirst du denn meiner süssen Elysea schenken?" ,,Hä?!?", machte Winry. Hughes beschleunigte seine Schritte. ,,Was? Ein Teddybär, sagst du? Und dann auch noch einen riesigen? Oh, wie wunderschön! Danke, Winry!", rief Hughes glücklich und schleifte die nun endgültig resignierende Winry mit sich.


Der nächste Tag brach herein, und das Haus der Hughes´ war voll mit Gästen, die Elysea, die gerade die vier Kerzen auf ihrem Kuchen auspustete, zum Geburtstag gratulieren wollten. ,,Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!", riefen die im Haus versammelten, als Elysea die Kerzen ausgeblasen hatte, und klatschten.
Als Nächstes gab es das Geburtstagsessen, an dem die Kinder weniger Interesse hatten, da Elysea in der Zwischenzeit ihre Geschenke auspackte. ,,Elysea.", sagte Scieszka zu Elysea, die gerade einen weißen Eisbärteddy ausgepackt hatte. ,,Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.", sagte sie und gab ihr ein Märchenbuch. ,,Für dich." ,,Dankeschön, Bücherwurm-Fräulein!", bedankte sich Elysea bei ihr. ,,Bücherwurm?!?", wiederholte Scieszka entsetzt und begann zu weinen. Elysea wandte sich vergnügt von ihr ab, stoppte dann aber, als sie Winry sah, die traurig in einer Ecke allein stand. ,,Große Schwester!", rief sie fröhlich und ging zu Winry. Die wandte sich verdutzt um, erblickte Elysea, und beugte sich lächelnd zu ihr hinab. ,,Kleine Elysea, kannst du mir schon sagen, wie alt du bist?", fragte sie sie. ,,Ähm...", machte Elysea und begann mit ihren Fingern zu zählen. ,,Vier!", rief sie schließlich und hielt Winry vier Finger hin. ,,Du bist ja so was von süss!", rief Winry vergnügt und begann Elysea zu knuddeln. Ob ich und Leon später auch...?, fragte sie sich. ,,Große Schwester...", schmollte Elysea und entwandte sich ihrem Griff. Sie sah Winry an. ,,Hmm?", machte Winry. ,,Herzlichen Glückwunsch! Herzlichen Glückwunsch! Herzlichen Glückwunsch!", rief Elysea fröhlich. ,,Was?", fragte Winry verdutzt. ,,Papa sagt, je mehr man zu jemandem "Herzlichen Glückwunsch" sagt, desto mehr schöne Sachen werden einem auch passieren.", erklärte Elysea kichernd. ,,Deswegen hab ich es zu dir gesagt!" Kichernd setzte sich Hughes auf einen Stuhl in der Nähe der beiden. ,,Hmm... Wenn ich euch beide so ansehe, könntet ihr glatt Schwestern sein.", meinte er vergnügt. ,,Ich wünschte, ich hätte eine kleine Schwester wie sie.", sagte Winry und strich Elysea durchs Haar. ,,Ich bin ein Einzelkind, also..." ,,Aber das hast du doch. Geschwister, meine ich.", stellte Hughes richtig. ,,Ihr seid zwar nicht blutsverwandt, aber sie sind es." Winry seufzte. ,,Wenn wir wirklich Geschwister wären, würden sie mir mehr sagen.", meinte sie und sah traurig drein. ,,Sie sagen mir nichts von den wichtigen Sachen. Es ist schon immer so gewesen, selbst als wir noch ganz klein waren." ,,Da kann man nichts machen...", sagte Hughes schulterzuckend. ,,Männer drücken ihre Gefühle durch Hanldungen aus, nicht durch Wörter." Er begann seine Brille zu putzen. ,,Wenn es ihnen schlecht geht, wollen sie eben nicht, dass noch ein anderer ihren Schmerz teilen muss. Und sie wollen nicht, dass man sich Sorgen um sie macht. Deswegen sagen sie dir auch nichts." Winry seufzte tief. ,,Aber am Ende bist du vielleicht die einzige, der sie ihre schwache Seite zeigen können." Winry sah zu ihm auf. ,,Wenn diese Zeit kommt, musst du es akzeptieren. Ist das nicht in Ordnung?" Er setzte sich die Brille wieder auf und grinste. ,,Wenn die große Schwester so dreinschaut, können sich ihre kleinen Brüder aber nicht auf sie verlassen.", meinte er. ,,Mr. Hughes...", murmelte Winry und lächelte. ,,Ah, da bist du ja, Winry!", rief Glacier, die mit einem bunt verpackten Paket zu Winry kam. ,,Danke, dass du gewartet hast. Ich bin fertig mit dem Geburtstagskuchen. Die ist für Leon." Sie gab Winry das Paket. ,,Und jetzt geh!", sagte Hughes vergnügt zu ihr. ,,Aber ich dachte, Sie wollten Leon auch ein Geschenk geben, Mr. Hughes...", sagte Winry. ,,Was redest du denn da?", kicherte Hughes und nahm seine Tochter in den Arm. ,,Es gibt kein Geschenk auf der Welt, das gegen dein Lächeln ankommt, Winry."


Leon und Fayt saßen in verschiedenen Ecken des Zimmers im Krankenhaus, beide in verschiedene Richtungen schauend. Dies hätte noch den ganzen Tag so weitergehen können, wäre nicht Winry hineingestürmt. ,,Herzlichen Glückwunsch! Herzlichen Glückwunsch! Herzlichen Glüwunsch!", sagte sie lächelnd zu Leon, der sie verwirrt anstarrte. ,,Nun, man wird umso glücklicher, je mehr Leute "Herzlichen Glüwunsch" zu einem sagen.", erklärte Winry und wurde rot. ,,Hier. Das ist von Glacier.", sagte sie und reichte ihm das Paket. ,,O...Okay...", sagte Leon und nahm es ihr ab. ,,Sie hat mir gezeigt, wie man den Kuchen backt.", sagte Winry zu Fayt, während Leon das Paket aufschnürte. ,,Ich kann dir also später den Kuchen backen, wenn du wieder essen kannst, Fayt." ,,Danke.", murmelte Fayt nur. ,,Jetzt, da ich so drüber nachdenke, wir drei haben eine Menge Kuchen gegessen, als wir noch klein waren.", erinnerte sich Leon. ,,Ja.", stimmte Winry erinnerungsselig zu. ,,Ich erinnere mich noch an damals, als Den Fayts Geburtstagskuchen aufgegessen hat, als wir gerade nicht hingeschaut hatten. Fayt hat sofort angefangen zu heulen, so dass eure Mutter einen neuen Kuchen backen musste." ,,Ja, daran erinnere ich mich.", sagte Leon lachend. ,,Ist... Ist das wirklich passiert?", fragte Fayt. Die beiden sahen zu ihm. ,,Du warst damals noch sehr klein, also erinnerst du dich wahrscheinlic nicht mehr daran.", sagte Leon zu ihm. ,,Ich verstehe...", sagte Fayt und sah zu Boden. ,,Stimmt etwas nicht?", fragte Winry. ,,Ich werde draußen bleiben, bis die Reparaturen an Leon vorbei sind.", sagte Fayt. ,,Fayt...", begann Winry traurig.
Brosch brachte Fayt hinauf aufs Dach des Krankenhauses. ,,Und du bist sicher, dass du hier oben bleiben willst?", fragte Brosch ihn. ,,Ja.", versichete Fayt ihm. ,,Dann komme ich später vorbei und hol dich wieder ab.", sagte Brosch und ging zurück ins Krankenhaus.
,,Hey, Leon...", begann Winry während der Reparaturen an seinem Arm, wobei Leon sich das Hemd ausziehen und auf den Bauch legen musste. ,,Da ist etwas zwischen dir und Fayt vorgefallen, oder?" ,,Ich... habe ihm etwas Schreckliches angetan.", sagte Leon. ,,Was?", fragte Winry. ,,Ich hatte die Chance, ihm seinen alten Körper wiederzugeben, aber ich habe gezögert.", erzählte Leon. ,,Warum?", fragte Winry nach einiger Zeit, da Leon nicht fortfuhr. ,,Ich hätte dafür Menschen opfern müssen.", antwortete Leon bitter. Winry erstarrte. ,,Für mich hätten sie einfach nur Menschen sein sollen, die mich nicht interessieren im Vergleich zu Fayt.", fuhr Leon fort. ,,Aber ich konnte es nicht... Und er war die ganze Zeit in der Nähe und hat alles gesehen." ,,Diese Entscheidung war richtig.", sagte Winry. Leon sah unsicher zu ihr. ,,Denn selbst wenn du ihm seinen alten Körper durch Opfer anderer Menschen wiedergeben kannst... Fayt wäre nicht glücklich darüber." ,,Aber...", begann Leon. ,,Vielleicht ist Fayt wütend, weil er gesehen hat, wie du versucht hast, andere Menschen zu opfern.", meinte Winry. Leon ließ den Kopf hängen.
Fayt sah hinauf zum sonnigen Himmel hinauf. ,,Was ist, wenn dein Charakte und und deine Erinnerungen in diese Rüstung implantiert worden sind, um dich zu einem perfekten kleinen Bruder für ihn zu machen?", hatte Barry damals zu ihm gesagt. ,,Diese Menschen sind in der Tat Homunculi, perfekte, künstlich erschaffene Menschen.", hatte Tucker mit irrem Lächeln zu Leon gesagt, der entsetzensstarr zu Lust, Gluttony und Envy geschaut hatte. War ich wirklich menschlich?, fragte sich Fayt.
,,Fertig!", rief Winry und verstaute ihr Werkzeug wieder. Leon bewegte seinen Auto-Mail-Arm prüfend. ,,So, gehen wir hinauf zu Fayt.", sagte sie. ,,Aber... ich weiss nicht, was ich sagen soll...", sagte Leon seufzend. ,,Sei doch nicht so dumm.", sagte Winry lächelnd. ,,Entschuldige dich einfach mit "Es tut mir Leid". Echt mal! Ihr beide solltet lernen, besser mit Worten umgehen zu können.
Die Tür ging auf, und Leon, einen Sack voll Metallteile tragend, und Winry betraten das Dach. ,,Fayt...", begann Leon. ,,Es tut mir Leid. Ich werde dich sofort reparieren." Er legte den Sack mit den Metallteilen vor Fayt zu Boden. ,,Schau mal. Ich habe eine ganze Menge an Metallteilen von Rizenbul nur für dich hierher gebracht.", erklärte Winry Fayt. ,,Fayt, ich werde nicht aufgeben.", sagte Leon, während er die passenden Teile aussuchte, die er an Fayts Rüstung anbringen würde. ,,Wir werden unseren eigenen Weg finden, unsere alten Körper zuürckzuerhalten... Egal wie." ,,Du magst in der Lage sein, deinen alten Körper zurückzubekommen, Leon... Aber werde auch ich dazu in der Lage sein?", wunderte sich Fayt. ,,Natürlich. Mach dir keine Sorgen deswegen.", sagte Leon. ,,Ich fange an." Er klatschte in die Hände und berührte Fayt. Das Siegel aus Blut begann zu leuchten und tauchte auch Fayts restlichen Körper in das grelle Licht, und im nächsten Moment stand der vollständig reparierte Fayt vor ihnen. ,,Wie ist es?", fragte Leon. Fayt bewegte probehalber seine Metallarme und -beine. ,,Du hast damals auf die gleiche Weise meine Seele an diese Rüstung gebunden, richtig?", fragte Fayt Leon. ,,Ja.", antwortete Leon. ,,Zusammen mit meinen Erinnerungen...", fuhr Fayt fort. Leon sah ihn leicht verdutzt an. ,,Erinnerungen sind nur Informationen.", sagte Fayt. ,,Ein Alchemist wie du kann ganz leicht falsche Erinnerungen implantieren, richtig, Leon?" ,,Du... hast an so etwas gedacht?", fragte Leon verwirrt. ,,Leon, es gab da etwas, das du dich mich in Rizenbul fragen wolltest, es aber dann doch nicht getan hast, richtig?", fragte Fayt weiter. ,,Du sagtest, es gäbe da etwas, vor das du zu viel Angst hättest mich zu fragen." Leon erinnerte sich zurück an diesen Abend. ,,Hast du versucht mir zu sagen, dass meine Seele und meine Erinnerungen eine Fälschung sind, die du erschaffen hast?", fragte Fayt. Leon erstarrte. ,,Nein! Leon wollte dich fragen, ob...", begann Winry. ,,Ist schon okay!", rief Fayt und hielt ihr eine Hand hin, um sie zum Schweigen zu bringen. Dabei holte er so stark aus, dass er sie beinahe getroffen hätte, wenn sie nicht noch einen Satz rückwärts gemacht hätte. Winry sah ihn ängstlich an. ,,Der Mensch namens Fayton Elric hat von Anfang an nicht existiert.", sagte Fayt. Leon starrte ihn weiterhin an. ,,Was redest du denn da?", rief Winry. ,,Ihr beide seid fast immer zusammen gewesen, einfach unzertrennlich! Und auch ich und Oma Pinako sind mit euch zusammen gewesen... Glaub uns bitte, Fayt!" ,,Was erwartest du denn von mir zu glauben?", entgegnete Fayt mit zittriger Stimme. ,,Was erwartest du denn von mir zu glauben im Angesicht dieser meiner leeren Rüstung? Es besteht die Möglichkeit, dass ihr mich alle nur anlügt!" ,,Ist es das, was du die ganze Zeit über sagen wolltest?", fragte Leon, der nun zu Boden sah. ,,Ist das alles, was du zu sagen hast?" ,,Leon, bantworte mir meine Frage!", verlangte Fayt von ihm. Leon sah weiter zu Boden. ,,Warum sagst du nichts?!? Warum?!?" Er wollte davonrennen, doch Leon packte ihn an einem Arm. ,,Lass los.", sagte Fayt. ,,Es gibt keinen Grund für mich zu leben." Er stieß Leons Hand zur Seite und wollte wegrennen. ,,Idiot!", schrie Leon und hielt sich an Fayt fest. ,,Lass los!", schrie Fayt und versuchte sich aus Leons Griff zu befreien. ,,Lass los!" ,,Fayt, bitte!", rief Leon. ,,Lass los!!!", brüllte Fayt und verpasste Leon einen Hieb mit seiner Faust, der Leon zu Boden warf. ,,Leon!", rief Winry erschrocken, rannte zu ihm und kniete sich zu ihm nieder. ,,Fayt...", keuchte Leon und bäumte sich wieder auf, Blut aus seinem Mund sickernd. ,,Komm mir nicht zunahe...", sagte Fayt. ,,Fayt...", flehte Leon und kroch auf ihn zu. ,,Komm mir nicht zunahe...", wiederholte Fayt mit zittriger Stimme und tat mehrere Schritte rückwärts. Leon streckte eine Hand nach ihm aus. ,,GEH WEG VON MIR!!!", kreischte Fayt, rannte los und sprang über die Balkonbrüstung hinab in die Tiefe. ,,Fayt!", schrie Leon verzweifelt, rappelte sich vom Boden auf und stürmte zur Brüstung. ,,Fayt! Fayt!" Winry hielt ihn gerade noch fest, bevor er ebenfalls hinabspringen und sich verletzen und umbringen konnte. Fayt landete unbeschadet am Boden und rannten in eine dunkle Seitengasse davon. ,,Fayt!", schrie Leon verzweifelt. ,,FAYT!!!"


Vorschau Kapitel 24: Erinnerungen: ,,Fayt... Selbst wenn jeder außer mir dich vergessen hat... Ich erinnere mich... an deine Stimme... deine Wärme... und dein Lächeln."