Samstag, 29. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 30: Angriff auf das Hauptquartier

In der wüstenhaften Gegend im Süden des Staates Amestris gab es eine Art Slum, das aus dem Müll ganz Amestris´ zu bestehen schien. Und genau in diesen Bergen aus Schrott lebten die Flüchtlinge des Staates, so auch Lieutenant Yoki, der damals zusammen mit seiner Untergebenen Lyra die Minenstadt Youswell versklavt und die Steuern in die Höhe getrieben hatte, bis Leon und Fayt ihn aufgehalten hatten (nachzulesen in Kapitel 10). Yoki, nun seiner Macht und Lyra, die sich nach seinem Fall von ihm abgewendet hatte, beraubt, saß niedergeschlagen und allein an einem kleinen Lagerfeuer in dem Slum und seufzte vor sich hin. ,,Was ist los?", fragte einer der Flüchtlinge, die in diesem Slum lebten, was Yoki, der seit seiner Tracht Prügel durch Leon äußerst ängstlich geworden war, sofort zusammenzucken ließ. ,,Hast du irgendwas Nützliches hier im Schrott gefunden?" ,,Ähm, nein... das ist ziemlich schwierig.", antwortete Yoki ängstlich in Demuthaltung. ,,Du weißt schon, dass du dir den Aufenthalt hier erarbeiten musst.", sagte der Flüchtling und ging weiter. Yoki seufzte erneut, starrte in die andere Richtung und sah neue Flüchtlinge, die das Dorf erreichten. Sie alle hatten eine dunkle Hautfarbe und rote Augen: Ishbaler. Yoki erschrak, als er einen Mann sah, der eine große Narbe trug, die sich von seiner Stirn her über das ganze Gesicht kreuzförmig ausbreitete.
Der Anführer der Ishbaler traf sich mit dem Anführer dieses Slums und fragte, ob er und seine Leute hier einige zeit unterkommen könnte. ,,Dankeschön.", bedankte er sich. ,,Aber sind Sie sicher? Wir sind schließlich..." ,,Das kann ich an Ihrer Hautfarbe und Ihren Augen erkennen.", sagte der Anführer des Slums. ,,Ihr seid allesamt aus Ishbal, richtig?" Scar sah sich in den Dorf um, in dem überall Flüchtlinge in dem Müll nach verwertbaren Sachen suchten. ,,Dies hier ist ein Versammlungsort für diejenigen, die nicht mehr länger in ihrem Heimatland verweilen können.", sprach der Anführer des Slums weiter. ,,Hier gibt es Kriminelle und korrupte Soldaten. Ziemlich witzig eigentlich, oder?"
Yoki rannte freudestrahlend aus dem Slum davon und in Richtung der nächstgelegenen Stadt. ,,Eine Person von Ishbal mit einer kreuzförmigen Narbe im Gesicht!", rief er begeistert im Rennen. ,,Das ist dieser gesuchte Kerl!"
Der Junge mit den grünen Haaren, den Izumi bei sich aufgenommen hatte, rannte weiterhin in panischer Angst durch Dublith, verfolgt von Leon. ,,Warte!", rief Leon. ,,Hey, jetzt warte endlich! Warte! Hey!" Der Junge hörte nicht auf ihn. ,,Es tut mir Leid, dass ich auf einmal wütend geworden bin!" Der Junge blieb an einer Mauer stehen, berührte sie mit den Händen und stieg durch sie hindurch. ,,Er ist durch die Wand gestiegen?", rief Leon verblüfft und blieb vor der Mauer stehen. ,,Verdammt! Na warte!" Er klatschte in die Hände und wollte gerade die Mauer beiseite räumen, als er jemanden auf sich zukommen spürte. ,,Also wirklich... ich bin in Eile, wissen Sie.", fauchte Leon und wandte sich zu der Person, die ganz und gar in alte Laken gewickelt war, um. ,,Ich hab gehört, du bist ein Nationaler Alchemist, aber interessiert in Menschlicher Mutation.", sagte die Person mit der krächzenden Stimme eines alten Mannes. Leon sah ihn leicht verwirrt an.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

,,100 Gramm Hackfleisch: 128 Gald.", zählte Izumis Mann den beiden Soldaten, Archer und Armstrong, die im Restaurant erschienen waren, die Speisekarte auf. ,,Ich möchte eine Person namens Izumi sehen.", sagte Archer zu ihm. ,,Hähnchenbrust: 160 Gald.", zählte Izumis Mann weiter auf. ,,Sind die Elric-Brüder hier gewesen?", fragte Archer. ,,Kennst du die beiden?", fragte Mason besorgt Winry, mit der er sich hinter einer Tür versteckte. ,,Bitte tu irgendwas gegen sie." ,,Kann ich nicht.", antwortete Winry. ,,Ich weiss nicht, was sich diese Person denkt. Und Leon und Fayt sind im Moment nicht in der besten Verfassung." ,,Roastbeef: 200 Gald.", leiherte Iszumis Mann weiterhin herunter. ,,Wir sind hier aufgrund von Militärpflichten.", sagte Archer unbeirrt. ,,Es gibt keinen Grund, irgendetwas zu verheimlichen." ,,Schweinshachse: 90 Gald.", zählte Izumis Mann weiter auf. ,,Überlassen Sie das mir.", sagte Armstrong, trat vor, riss sich seine Uniform vom Leib und begann mit den Muskeln zu spielen und sie dabei gleichzeitig gewaltig aufzupumpen, wobei er Izumis Mann drohende und gleichzeitig herausfordernde Blicke zuwarf. Izumis Mann brüllte, sprengte mit seinen Muskeln sein Hemd, warf sich ebenfalls in Pose und pumpte seine Muskeln auf. Die Spannung zwischen den beiden Muskelbergen stieg unerträglich. ,,Warten Sie, Major!", rief Winry, die die Anspannung nicht mehr ertrug, und rannte in den Raum. ,,Leon und Fayt sind..." Doch sie brach verdutzt ab, als sich Armstrong und Izumis Mann die Hand reichten. ,,Sieht aus, als wären sie durch ihre Muskeln Freunde geworden.", meinte Mason. ,,Was zum Teufel...?!?", stammelte Winry ungläubig. ,,Und wo sind die beiden nun, Fräulein?", fragte Archer und drängte Winry in eine Ecke. ,,Ähm...", begann Winry.
,,Was redest du da?", fragte Leon die Person, die verborgen unter den Laken war. ,,Ein Gerücht macht hier seine Runden...", sagte die Person. ,,Du sollst deinen Bruder als Versuchskaninchen missbraucht und seine Seele mutiert haben." Er schritt auf Leon zu. ,,Und du wirst von den Homunculi verfolgt." Leon trat der Person ins Gesicht. Die Kopfbedeckung fiel herab und herunter kam das glatzköpfige Gesicht eines alten Mannes mit Altersflecken hevor, seine Nase äußerst spitz. ,,Ich will euch doch nur an einen sicheren Ort mitnehmen...", sagte der Mann, wich zurück und rieb sich das Gesicht. ,,Dich und deinen dein Monster eines kleinen Bruders, meine ich." Er wurde hochgehoben und blickte in das Gesicht von Fayt (Fayts Helm also^^). ,,Wie hast du mich genannt?", fragte Fayt drohend. ,,Waaah!", kreischte der Mann, und im nächsten Moment schoss ein Schwanz unter den Laken hervor und schlug Fayts Helm vom Rest der Rüstung hinab. Der Mann, zu dem der Schwanz - der Schwanz einer Eidechse - gehörte, befreite sich aus Fayts Griff und landete gackernd auf allen Vieren am Boden. ,,Dieser Kerl ist wirklich leer innen drin!", rief der Eidechsenmann mit Blick auf die Rüstung, die nun blind nach dem Kopf tastete. ,,Genau wie Tucker gesagt hat!" ,,Tucker?", wiederholte Fayt verdutzt. ,,Du verdammter...!", schrie Leon zornig. ,,Werd´ doch nicht wütend, Kleiner!", rief der Eidechsenmann. ,,Er ist doch schließlich nicht menschlich!" Er rannte davon. ,,Du entkommst nicht!", schrie Leon, klatschte in die Hände und berührte den Boden. Zwischen zwei Häusern, die in dieser breiten Gasse standen, schoss aus dem Boden eine Wand hervor, die dem Eidechsenmann den Weg versperrte. ,,Beeindruckend! Beeindruckend!", rief die Eidechse begeistert. ,,Aber..." Er krabbelte die Wand eidechsengleich hinauf. ,,...ich bin auch beeindruckend!" Er sprang davon. ,,Wer war das denn?", wunderte sich Leon, sprachlos. ,,Eine Chimära!", rief Archer, der die Gasse zusammen mit Armstrong noch rechtzeitig erreicht hatte, um die Eidechse davonhüpfen zu sehen. ,,Könnte das eine der Chimären, die aus Labor 5 entkommen sind?" Fayt setzte sich seinen Kopf wieder auf und erblickte Armstrong. ,,Major!", rief er fröhlich. ,,Ist ja schon eine Weile her!" ,,Ja...", sagte Armstrong und nickte. ,,Das hier ist Lieutenant Oberst Archer.", erklärte er. ,,Er leitet den Gerichtshof." ,,Warum sind sie hier im Süden?", fragte Leon. ,,Gerichtshof?", wiederholte Fayt. ,,Das ist derselbe Ort, an dem Second Lieutenant Hughes arbeitet. Geht es dem Second Lieutenant gut?" ,,Ähm... nun...", begann Armstrong und sah von den beiden Brüdern weg. ,,Wir würden Sie beide gerne über diese Chimära von gerade eben und noch ein paar andere Dinge befragen.", sagte Archer zu den beiden Brüdern. ,,Ich hab leider im Moment keine Zeit.", sagte Leon, klatschte in die Hände und erschuf ein Loch in der Wand, durch das er mit Fayt hindurch rannte. ,,Das wird immer interessanter.", sagte Archer lächelnd. ,,Eine perfekte Chimära, wie? Ich will sie haben." Er ging ebenfalls los, gefolgt von Armstrong.
Der Junge saß einsam auf einem Dach neben einer Turmuhr und seufzte vor sich hin. Er besah sich seine beiden Hände von unterschiedlicher Hautfarbe und sogar unterschiedlicher Größe, und klatschte sie zusammen, so wie Leon und Izumi es immer taten. Nichts geschah. ,,Hmm...", machte er und klatschte seine Hände zusammen. Wieder nichts geschah, außer, dass er den Halt auf dem Dach verlor und in Richtung Abgrund rutschte. Doch bevor es dazu kam, hatte Leon, der mit Fayt gerade noch rechtzeitig aufs Dach geklettert war, ihn gepackt. ,,Hä?", machte der Junge verdutzt. ,,Ist das alles, was du zu sage hast?", fauchte Leon und zog ihn wieder zurück aufs Dach, wo die drei sich hinsetzten. Der Junge schaute von seinen beiden verschiedenen Händen zu Leons Auto-Mail-Hand. ,,Warum sind meine Hände anders als deine, Leon?", fragte er. ,,Das hier sind nicht meine echten Glieder.", antwortete Leon traurig. ,,Wo sind dann deine richtigen?", fragte der Junge. ,,Nun, äh... ähm...", stammelte Leon. ,,Wo sind sie?", fragte der Junge erneut. ,,Hey, weißt du denn nicht mehr, woher du diese Narbe hast?", fragte Fayt den Jungen und deutete auf die Narbe an der linken Schulter des Jungen, die damals der Fuchs verursacht hatte. ,,Nö.", antwortete der Junge. Leon und Fayt sahen sich beide an und entfernten sich von den Jungen, der mit seinen Füßen zu spielen begann. ,,Vielleicht ist es nur ein Zufall.", flüsterte Fayt Leon zu. ,,Nie im Leben!", zischelte Leon zurück. ,,Aber dein Arm und dein Bein sind dir doch durch Gleichwertigen Tausch genommen worden, richtig?", meinte Fayt. ,,Warum sollten sie dann also hier sein? Das ist verrückt." ,,Ja, und wie verrückt das ist.", stimmte Leon zu. ,,Aber wenn er in der Lage war, meinen Arm und mein Bein vom "Tor" hierher zu bringen... Vielleicht... kann dann dein Körper auch hierher zurückgebracht werden."
Archer sah mit einem Fernglas hinauf zum Dach, auf dem Leon, Fayt und der Junge saßen. ,,Sehen Sie sich sorgfältig den rechten Fuß an.", sagte er zu Armstrong und reichte ihm das Fernglas. Armstrong sah hindurch und erschrak. ,,Jetzt können wir der Lösung des Mysteriums von Labor 5 näherkommen.", sagte Archer triumphierend. ,,Fangen wir ihn." ,,Was ist mit den Brüdern?", fragte Armstrong. ,,Wir haben jemand Wichtigeren gefunden.", sagte Archer. ,,Tun Sie es."
,,Ähm, hab ich irgendwas Böses gemacht?", fragte der Junge auf einmal Leon und Fayt, die sich von ihm abgewandt hatten. Leon wollte gerade antworten, als Fayt schrie: ,,Großer Bruder, pass auf!" Ein Stein, von Elektrizität umgeben, raste in den Uhrturm, der zerstört wurde; Trümmer flogen durch die Gegend. Armstrong schmiss einen weiteren Stein hoch und schlug mit seinem Schlagring dagegen, so dass der Stein auf das Dach zuraste, von Blitzen umgeben. ,,Was haben Sie vor, Major?!?", schrie Leon aufgebracht. Armstrong schmiss noch einen Stein, und die darauf folgende Explosion ließ den Jungen schreiend zu Boden stürzen. Armstrong fing ihn auf, holte seine Silbertaschenuhr heraus, die an einer langen Kette hing, und umwickelte den nun bewusstlosen Jungen damit. Leon klatschte in die Hände und erschuf eine Treppe, die er hinunterrannte. ,,Major! Er hat keinerlei Erinnerungen!", schrie er. ,,Wir haben sogar die Polizei von ihm benachrichtigt!" ,,Er ist ein wichtiger Zeuge der zerstörerischen Aktivitäten in Central City.", erklärte Archer und hievte den Jungen auf seine Schultern. ,,Wir werden ihn im Südlichen Hauptquartier befragen." ,,Was reden sie da?!?", schrie Leon. ,,Vielleicht haben Sie dieses Zeichen hier ja schon irgendwo gesehen.", sagte Archer und hob den rechten Fuß des Jungen an. Ein rotes Tattoo befand sich auf der Fußsohle, ein Dreieck bestehend aus drei kleinen Dreiecken, umgeben von einem Höllenhund: Das Ouroboros-Zeichen, das alle Homunculi - somit auch Lust, Gluttony und Envy - trugen. Leon und Fayt erstarrten. ,,Er ist einer der Homunculi?", rief Fayt verdattert. Die Eidechse, die sich hinter dem Schornstein versteckt hatte, grinste boshaft. ,,Er wird uns zu den Leuten führen, die Labor 5 zerstört haben.", sagte Archer und ging, mit dem Jungen auf den Schultern, davon. Armstrong wollte ihm folgen. ,,Major!", rief Leon. ,,Leonard Elric, wir werden bald ein Protokoll mit deiner erneuten Aussage erstellen müssen.", sagte Armstrong und blieb stehen. ,,Bleib also zu Hause bei deiner Lehrerin." ,,Ich dachte, dass jegliche weitere Untersuchung vom Führer verboten worden wäre.", meinte Leon misstrauisch. Armstrong wandte sich erneut zum Gehen. ,,Vor langer Zeit...", begann Leon. ,,... bin ich von einem Fuchs gebissen worden." Er fasste sich an seinen linken Auto-Mail-Arm. ,,Genau hier. Und dieser Junge hat dieselbe Wunde an seiner linken Schulter. Und sein linkes Bein... es sieht absolut nicht so aus, als würde es ihm gehören." ,,Sein Arm und sein Bein gehören dir?", fragte Armstrong ungläubig und wandte sich wieder um. ,,Das ist absurd..." ,,Ich bin mir ja auch nicht sicher!", protestierte Leon. ,,Deswegen will ich es auch feststellen lassen." ,,Tu es nicht.", warnte Armstrong. ,,Wir können nicht einfach nichts tun!", rief Fayt und sprang vom Dach. ,,Genau aus diesem Grund sind wir all die Zeit umhergereist." ,,Wenn wir es untersuchen und... Nun, ich bin noch nicht einmal sicher, wie wir es untersuchen sollen.", sagte Armstrong. ,,Aber wenn wir herausfinden, dass dieser Arm und dieses Bein dir gehören... Was wirst du dann tun? Willst du sie ihm abreißen und für dich beanspruchen?" ,,Seien Sie nicht lächerlich!", rief Leon angewidert. ,,Dann ist es besser, wenn du es nicht weißt.", beendete Armstrong das Gespräch und ging nun endgültig davon.
,,Yoki... Yoki...", murmelte Sloth, die Sekretärin des Führers, in ihrem Büro nachdenklich, nachdem ihr ein Soldat von dem Anruf eines Mannes namens Yoki erzählt hatte. ,,Irgendwo habe ich diesen Namen schon einmal gehört." ,,Er behauptet, dass er einst die Aufsicht über eine Mine im Osten hatte.", erklärte der Soldat. ,,Oh, ich erinnere mich.", sagte Sloth nickend und nahm den Hörer ab.
,,Nein, ich sage wirklich die Wahrheit.", sprach Yoki, der die nächste Stadt erreicht hatte, in den Hörer des Telefons. ,,Ja, ja... Das ist richtig."
,,Wundervoll.", sagte Sloth lächelnd. ,,Wenn dies wirklich wahr ist, lasse ich den Führer von ihrer Hilfe im Fall Scar selbstverständlich benachrichtigen. Ihr Wunsch, ins Militär zurückkehren, könnte Folge geleistet werden."
,,Yahoo!", jubelte Yoki.
In Dublith stand die Eidechse ebenfalls in einer Telefonzelle und telefonierte. ,,Und er ist zum Südlichen Hauptquartier gebracht worden!", sprach er in den Hörer.
,,Sehr schön.", sprach ein Mann mit schwarzen stacheligen Haaren (der Mann, in einem Raum in Labor 5 versiegelt gewesen war und den Lust "Greed" genannt hatte), der, umringt von hübschen Frauen, die ihn von vorne bis hinten verwöhnten, auf einem sehr bequemen Ledersessel in einer Kneipe namens Devil´s Nest saß in den Hörer. ,,Sehr gut gemacht. Vergiss die beiden Brüder für den Moment. Behalte lieber den Jungen im Auge. Verstanden?" Er legte das Telefon auf und reichte das Telefon einer schlangengleichen Frau, die es für ihn wegbrachte. ,,Die Elric-Brüder sind genauso wie du sagtest.", sagte der Mann namens Greed zu einer ziemlich großen Person, die sich unter einem Umhang und einem übergroßen Hut versteckt hatte. ,,Ich verstehe... Ich bin mir sicher, dass sie dir nützlich sein werden.", sagte die Person, Maxwell Tucker, mit Flüsterstimme. ,,Ich hab gehört, dass Envy, Pride, und die anderen ebenfalls hinter den beiden her sind.", sagte Greed. ,,Deswegen dachte ich mir, es wäre interessant, wenn ich sie mir stattdessen unter den Nagel reiße." Er sah auf seine linke Hand, auf der ein rotes Tattoo - ein rotes Dreieck, bestehend aus drei kleineren Dreiecken, umgeben von einem Höllenund - abgebildet war: Er war also ein weiterer Homunculus. ,,Aber es sieht aus, als könnte ich mir etwas Besseres schnappen.", fuhr er grinsend fort. ,,Ein Homunculus, der genau wie ich Alchemie einsetzen kann, wie? Er muss unbedingt auf unsere Seite kommen, sonst wird es äußerst kompliziert werden." ,,Bitte, lass mich gehen.", bat ein Mann, der erstaunliche Ähnlichkeiten mit einem Hund aufwies, Greed. ,,Idiot!", stutzte Greed ihn zusammen und rollte mit den Augen. ,,Du kannst nicht einfach in diesen Ort einbrechen. Da du ein ehemaliger Soldat bist, solltest du das doch am Besten wissen." ,,Ich hab mal im Südlichen Hauptquartier gearbeitet.", sagte der Hochrotalchemist Kimbley vom Thresen her. ,,Mich dich nicht einfach so in unser Gespräch ein, Nationaler Alchemist.", fuhr die schlangenähnliche Frau ihn an. ,,Nein, nein. Vielleicht kann er die beiden ja wirklich dorthin bringen.", meinte Greed mit Blick zu Kimbley. ,,Aber wenn du uns hintergehst..." ,,Mach, was du willst.", sagte Kimbley und stand von seinem Sitzplatz auf. ,,Ich will nur mal endlich wieder was in die Luft fliegen sehen." Er sah zu einem kleinen Sack, der unscheinbar in der hinteren Ecke des Raumes lag.
Izumi stand in dem völlig verwüsteten Zimmer, aus dem der Junge geflüchtet war. ,,Was habt ihr ihm angetan!?!", fuhr sie Leon und Fayt an, die mit Izumis Mann und Winry ebenfalls im Raum waren. ,,Nichts.", antwortete Leon. ,,Sensei, warum regt Ihr Euch überhaupt so wegen ihm auf?", fragte Fayt. ,,Das Militär könnte seine Identität wirklich feststellen. Und er ist..." ,,Fayt.", unterbrach Leon ihn warnend. ,,... nicht menschlich.", setzte Fayt seinen Satz fort. Izumis Züge verhärteten sich, während Izumis Mann leicht zuckte und Winry verwirrt dreinschaute. ,,Ihr mögt mir vielleicht nicht glauben, Sensei, aber wir haben Homunculi, oder besser durch Menschenhand erschaffene Menschen, schon vorher getroffen. Sie alle hatten Kräfte, die normale Menschen nicht haben: Ein Mund, der sogar Metall auffressen kann... Finger, die alles durchbohren können... und ein Körper, der sich in alles verwandeln kann... Dieser Junge hat Alchemie benutzt, aber das ist, weil er ein Monster ist." Bei diesen Worten ging Izumi auf ihn zu und rempelte ihn unsanft zur Seite. ,,Weißt du überhaupt, warum ein Homunculus geboren wird?", fuhr sie ihn an. ,,Izumi...", begann Winry. ,,Dachtest du, mir wäre nicht aufgefallen... wer er ist?", schrie sie weiter, brach dann aber ab, da Blut in Mengen aus ihrem Mund zu Boden floss. ,,Sensei!", schrien Leon und Fayt erschrocken, als Izumi am Boden zusammenbrach. Winry schrie erschrocken auf. Izumis Mann hob sie hoch und trug sie schnell davon.


Er brachte sie in ein Krankenhaus und wich nicht von ihrer Seite.
,,Sie ist schon so lange krank?", sagte Winry, die mit Leon und Fayt auf dem Flur warteten, traurig. ,,Ja...", antwortete Fayt und ließ den Kopf hängen. ,,Aber da sie so stark ist, vergessen wir es manchmal." ,,Was für eine Art Krankheit ist es denn?", fragte Winry. ,,Vielleicht kann sie in einem Krankenhaus in Central City geheilt werden..." ,,Leider würde das sehr schwer werden.", sagte der für Izumi zuständige Arzt, der aus Izumis Zimmer kam. ,,Warum?", fragte Winry. ,,Entschuldigen Sie, dass ich das sage, aber das Krankenhaus in Central City ist wesentlich besser als ein Krankenhaus auf dem Land." ,,Es muss eine unheilbare Krankheit sein.", meinte Leon deprimiert. ,,Was?", sagte Winry traurig.
Der Arzt brachte sie in einen Raum, wo sich ein Modell eines Menschen und seiner Organe befand. ,,Ihr inneren Organe fehlen von hier bis hier.", sagte der Arzt und zeigte mit einem Stock, dass die Organe, die sich unterhalb ihres Herzens bis zum Darm normalerweise bei jedem Menschen befanden, bei Izumi fehlten. ,,Fehlen?", wiederholte Winry verwirrt. ,,Es scheint fast so, als seien sie herausgeschnitten worden.", sagte der Arzt betrübt. ,,Und die verbleibenden Organe haben sich miteinander verzweigt, um ihre Funktionen fortsetzen zu können. Ich bin mir nicht sicher, warum sie immer noch am Leben ist..." ,,Großer Bruder... das muss bedeuten...", begann Fayt entsetzt. ,,Es ist... als wenn ihr die Organe weggenommen worden.", sagte Leon und ließ den Kopf hängen. ,,Das heißt, Sensei hat dasselbe wie wir getan...", sagte Fayt traurig. Eine Krankenschwester stürmte in den Raum. ,,Miss Izumi ist...!", begann sie atemlos.
Als sie in Izumis Zimmer ankamen, fanden sie nur ein leers Bett und ein offenes Fenster vor.


Bei Sonnenuntergang erreichten Izumi und ihr Mann das Südliche Hauptquartier des Militärs. ,,Danke, Liebling.", bedankte sich Izumi bei ihrem Mann, der sie stützte. ,,Aber jetzt geht es wieder." Izumis Mann schüttelte seinen Kopf. ,,Ich werde allein gehen.", sagte Izumi entschlossen. ,,Beim letzten Mal konnte ich nichts für dich tun.", sagte ihr Mann. ,,Deswegen..." ,,Bitte.", unterbrach Izumi ihn. ,,Ich möchte nicht, dass du siehst... was ich gleich tun werde." Sie ging zum Hauptquartier davon.
Wenige Minuten später kamen auch Leon und Fayt dort an und blieben bei Izumis Mann stehen, als es auf einmal ein Beben und einen lauten Knall gab, der vom Hauptquartier auszugehen schien. Die Stücke der Wände des Gebäudes wurden zu dornenartigen Gebilden, die sich in die Weite zogen, gefolgt von Explosionen und Beben. ,,Verdammt!", fluchte Leon und rannte mit Fayt weiter auf das Gebäude zu. ,,Sig!", rief Winry, die ebenfalls den Ort erreicht hatte, Izumis Mann namens Sig zu. ,,Ist Izumi dort drin?" Er antwortete nicht. ,,Warum sagen Sie nichts?", fragte Winry und sah zu Boden, den Tränen nahe. ,,Izumi, Leon, und Fayt... Warum?" ,,Ich weiss rein gar nichts...", seufzte Sig traurig. ,,Was?", fragte Winry verdutzt.
Izumi wanderte einen weiteren Korridor des Hauptquartiers entlang.
,,Sie hat sich immer und immer wieder entschuldigt.", begann Sig zu erzählen.
Izumi klatschte in die Hände und berührte eine Wand. Der Boden wellte sich auf und stieß die Soldaten, die ihr in den Weg gekommen waren, um. Weitere Soldaten, die sich von hinten auf sie stürzte, knockte sie mit mehrere gezielten Hieben aus.
,,Um ihr Leben zu retten, hatte ich den Entschluss gefasst, dass sie nicht noch einmal ein Baby auf die Welt bringen würde nach dem Tod unseres ersten Kindes. Aber sie... hat sich immer und immer wieder dafür entschuldigt, dass sie mir kein Kind mehr schenken konnte." ,,Ein Baby...", murmelte Winry. ,,Ich verstehe." Noch mehr Wandstücke wurden zu Dornen, die sich emporrankten. ,,Aber ich wusste nicht von ihrer Traurigkeit...", fuhr Sig fort.
Izumi betrat den Raum, in dem Archer, Armstrong und mehrere Wissenschaftler um den Jungen herum standen, der nackt an ein Bett gefesselt war.
,,Wusste nicht, wie hart sie die der Tod ihres ersten uns einzigen Kindes mitnahm... So hart, dass sie diese... schreckliche... verbotene Sache... getan hat." ,,Schreckliche verbotene Sache?", wiederholte Winry fragend. ,,Dasselbe, was Leon und Fayt getan haben.", antwortete Sig.
Der Junge schrie freudig, als er Izumi sah. Archer tat mehrere Schritte rückwärts.
,,Menschliche Mutation?", rief Winry erschrocken. ,,Sie hat versucht, ihr totes Baby wiederzubeleben?" ,,Sie hat es ganz allein getan.", sagte Sig und nickte.
Izumi klatschte in die Hände und berührte den Boden. Die Stellen, an denen Archer, Armstrong und die Wissenschaftler standen, brachen ein, so dass ein Stockwerk tiefer stürzten.
,,Ich weiss nicht, was sie sah, nachdem sie es getan hatte. Aber als sie zurückkam, haben mehrere Organe - auch ihre Gebärmutter - gefehlt."
Izumi klatschte ein weiteres Mal in die Hände und berührte das Bett. Die Fesseln lösten sich und der Junge sprang ihr in den Arm. Izumi drückte ihn fest an sich.
,,Sie sagte mir, dass sie nie wieder ein Kind zur Welt bringen kann... und hat sich erneut bei mir immer und immer wieder entschuldigt."
Kimbley und der Eidechsenmann standen direkt vor dem Hauptquartier. ,,Bitte fangen Sie an, Mr. verrückter Bomber.", bat die Eidechse ihn. Kimbley klatschte in die Hände, auf denen sich Mutations-Zirkel in der Form eines Sonne und eines Mondes befanden, und schritt auf die Wand vor ihnen zu. ,,Hmm... Mir fehlt aber ei wenig Sulfur.", sagte er, packte sich einen Soldaten, der, durch das Chaos, das Izumi verursacht hatte, aufgeschreckt, an ihnen vorbeilief, drückte ihn gegen die Wand und ließ ihn explodieren. Die ganze Wand riss ein. ,,Wahahahahahahahaha!!!", gackerte die Eidechse begeistert.
Die Explosion erschütterte das Hauptquartier, in dem längst die Alarmsirene läutete, heftigst und brachte Archer und Armstrong, die Izumi verfolgten, zum Stehen. ,,Was war das für eine Explosion?", rief Archer verwirrt. ,,Major, fangen Sie endlich diese Frau!" Doch Armstrong hörte nicht auf ihn, sondern verbeugte sich vor Führer King Bradley, der den Flur zu ihnen lang ging. ,,Meine Güte, meine Güte...", sagte King Bradley, wieder einmal die Ruhe in die Person, und lächelte amüsiert. ,,Hier geht es aber lebhaft zu."
Izumi schielte um eine Ecke und ging, nachdem sie sich versichert hatte, dass der Korridor leer war, mit dem Jungen in ihren Armen, dem sie Kleidung aus einem Raum besorgt hatte, weiter. ,,Sensei.", hörte sie Leon hinter sich sagen und blieb stehen. ,,Bitte lasst ihn gehen und verschwindet von hier." Izumi blieb einfach stehen. ,,Sensei, ich bin ein Militärhund!", sagte Leon. Archer, Armstrong und King Bradley kamen den Korridor entlang. ,,Warum ist der Führer hier im Süden?!?", rief Leon verwirrt. Izumi rannte in die andere Richtung davon, kam aber nicht weit, da eine Wand neben ihr explodierte und Kimbley und die Eidechse auf sie zuschritten. ,,Eidechsenkerl...", fauchte Leon. ,,Tut mir Leid, aber wir wollen den Jungen auch haben.", kicherte die Eidechse. Armstrong und Archer stürmten auf Izumi zu. ,,Sensei, der Major, und diese Typen...", sagte Leon. ,,Verdammt, sieht nach einem vierfachen Kampf aus." ,,Nein, fünffacher Kampf, Metalljunge.", murmelte Führer King Bradley kichernd.
Scar stand im Slum mit mehreren Ishbalern an einer Schlange an, um Abendessen zu bekommen. Ein sehr alter Mann mit dunkler Hautfarbe und roten Augen, der sich in zerrisenen Laken kleidete, schritt aus der Reihe davon. ,,Dieser Mann... War das ein Ishbaler?", fragte Scar den Anführer der Ishbaler, der vor ihm in der Reihe stand. ,,Komm ihm nicht zunahe.", warnte der Anführer ihn. ,,Was?", fragte Scar verwundert. ,,Hast du nicht das Tattoo auf seinem Gesicht gesehen?", sagte der Anführer. ,,Er ist ein Sünder. Er hat Gottes Lehren verraten und wurde für immer aus Ishbal verbannt."
,,Eine Gruppe von Ishbalern im Süden?", wiederholte Roy im Hauptquartier von Central City verdutzt und sah zu Führer King Bradley. ,,Wir glauben, dass sich Scar in dieser Gruppe befindet.", sagte King Bradley. ,,Sie wissen, was zu tun ist, richtig?" ,,Ja, Sir!", rief Roy und verbeugte sich vor ihm.
Er ging zurück in sein Büro, wo Hawkeye, Breda, Fury, Havoc und Farman bereits warteten. ,,Wir ziehen los.", sagte Roy zu ihnen. ,,Das westliche Slum in der Nähe von Kishua City... Scar versteckt sich dort. Wenn er ich frewillig ergibt, werden wir friedlich bleiben. Wenn er sich wehrt, werden wir ihn und alle anderen niedermachen."
Scar betrat das Zelt des verbannten Ishbalers und sah sich um. Die Wände des Zeltes waren über und über mit Tattoos und Mutations-Zirkel versehen. Er erstarrte, als er ein bestimmtes Tattoo an der Wand sah: Es war dasselbe Zeichen, das er auf seinem rechten Arm trug.


Vorschau Kapitel 31: Sünde: ,,Gib sie zurück. Sie gehören meinem großen Bruder! Wir sind nur dafür umhergereist!"

Tales of Alchemy Kapitel 29: Unschuldiges Kind

Leon, Fayt, Izumi und Mason sahen allesamt den lächelnden Jungen von äußerst heller Hautfarbe an, der hinter den Gebüschen stand und zu ihnen sah. ,,Arbeit er mit dir zusammen, Mason?", fragte Fayt Mason. ,,Ich hab euch nur vor drei Jahren Angst gemacht.", antwortete Mason kopfschüttelnd. ,,Sie hat mich auf euch aufpassen lassen, damit ihr nicht sterbt." ,,Warum hast du uns dann angegriffen?!?", fragte Fayt aufgebracht. ,,Izumi hat mir gesagt, ich soll euch ein wenig trainieren.", erklärte Mason. ,,Was zum Teufel!", rief Leon empört. ,,Das war nicht nur "ein wenig", wir wären fast gestorben!" ,,Ja! Du bist damals entschieden zu weit gegen zwei kleine Kinder gegangen.", sagte Fayt. ,,Ah, meine Güte! Hört auf, euch über längst vergangene Dinge zu beschweren!", brüllte Izumi. ,,Tut uns Leid!", kreischten Leon und Fayt und wichen ängstlich vor ihr zurück. Izumi schritt an ihnen vorbei und auf den Jungen zu. ,,Sensei?", fragte Leon. ,,Er ist nur ein Kind.", sagte Izumi, während sie auf ihn zuging. ,,Vielleicht hat er das Boot seiner Eltern oder so gestohlen und ist hier gelandet. Wenn das der Fall ist..." Blutspuckend brach sie ab. Der Junge erschrak beim Anblick. ,,Sensei!", riefen Leon und Fayt und rannten zu Izumi, die zu Boden gesunken war. Voller Angst beugte sich der Junge zu Boden, nahm einen herumliegenden Stein und klatschte in die Hände. Es gab einen Lichtblitz, der Leon und Fayt aufblicken ließ. ,,Großer Bruder! Dieses Licht!", rief Fayt. ,,Er ist ein Alchemist!", schrie Leon, stürmte auf den Jungen zu, rammte ihn zu Boden und setzte sich auf ihn. Schreiend versuchte sich der Junge zu befreien und packte Leon mit seiner rechten Hand ins Gesicht. ,,Hör auf, du kleiner...", fauchte Leon und stieß seine Hand zur Seite. Mit seiner linken Hand aus Stein schlug der Junge gegen Leons Schläfe. ,,Autsch!", schrie Leon, packte die linke Hand und erschrak, als er sah, dass sie aus Stein war. ,,Er hat seine Hand zu Stein mutiert!" Der Junge verpasste ihm mit seiner rechten Hand eine Ohrfeige, befreite blitzschnell seine Steinhand und wollte mit ihr nach Leon ausholen. Doch er wich aus, klatschte in die Hände und berührte den Jungen. Blätter schossen in die Luft und wurden vom Wind davongetragen, und plötzlich war der Junge vollkommen nackt. Ein Stein kullerte von der linken Hand des Jungen, die Sekunden zuvor noch aus Stein gewesen war. ,,Was zum...?!?", stammelte Leon und wich zurück. ,,Die Kleidung von ihm war aus Blättern?!?" Fayt neigte den Kopf verdutzt zur Seite, als er bemerkte, dass die linke Hand und das linke Bein des Jungen ein viel dunklere Hutfarbe hatten als der Rest des Körpers des Jungen, der nun haltlos zu weinen begonnen hatte. ,,Was tust du da?", schrie Izumi, stand wieder auf und stieß Leon zur Seite. ,,Er ist doch nur ein Kind." Sie ging auf den am Boden liegenden und weinenden Jungen zu und zog sich die Jacke aus. ,,Aber...", begann Leon, während Izumi ihre Jacke um den Jungen legte. ,,Er könnte hinter uns her sein." Sie stutzte kurz, als sie die Wunde am linken Arm an der Schulter des Jungen sah. ,,Hinter euch her sein?", wiederholte sie belustigt. ,,Bist du schon in diesem Alter ein gesuchter Schwerverbrecher, oder wie?" ,,Ich mache keine Witze...", fauchte Leon. ,,Woher kommst du?", fragte Izumi den Jungen und setzte ihn auf ihren Schoß. ,,Wo sind deine Eltern?" ,,Ich weiß nicht...", schluchzte der Junge. ,,Wie heißt du?", fragte Izumi weiter. ,,Ich weiss nicht...", weinte der Junge verzweifelt. ,,Ich weiss überhaupt nichts." Erneut begann er lauthals loszuweinen. ,,Du musst nicht weinen.", sagte Izumi und nahm ihn tröstend in ihre Arme. ,,Es kommt alles wieder in Ordnung." Der Junge klammerte sich an ihr fest und presste sich näher an sie, ihre Wärme suchend. Sie lächelte und zog ihn ebenfalls näher an sich heran.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Sie brachten den Jungen zum Restaurant von Izumi, wo er sich kräftig den Bauch vollschlug. Belustigt sah Izumi zu, wie ein Schnitzel nach dem anderen im Sekundentakt zu verschwinden schien. Izumis Mann brachte Nachschub - Kartoffelauflauf. Der Junge wollte es sich schnappen, doch Izumi verpasste ihm einen leichten Klaps auf die Hand und sagte: ,,Das ist noch zu heiß. Iss erst das andere auf." Gierig aß er weiter.
,,Bin ich froh, dass ihr beiden lebend zurückgekommen seid.", sagte Winry, die mit Leon und Fayt vom Balkon des Hauses dabei zusah, wie Mason mit den Nachbarskindern Rugby spielte. ,,So leicht sterben wir nicht.", sagte Leon, ein wenig beleidigt. ,,Also hat Sensei euch vergeben?", fragte Winry. ,,Das wäre ein wenig zu viel verlangt.", meinte Fayt. ,,Hmm?", machte Winry fragend. ,,Wir haben uns gegen ihre Lehren gewandt.", erklärte Leon. ,,Wir wussten, dass wir lediglich ein Teil des Flusses dieser Welt sind. Aber wir waren geblendet, und dachten, es gäbe in uns ebenfalls eine Welt. Und wir versuchten, diesen Fluss zu ändern..." ,,Was wir getan haben, ist unverzeihlich." Winry sah wieder in den Vorgarten hinab, wo die Kinder den kichernden Mason nun zu Boden gerungen hatten, um an den Ball zu kommen. ,,Das ist doch bescheuert.", sagte sie schließlich, sichtlich verstimmt. ,,Jeder macht Fehler. Ich werde jetzt auf der Stelle mit ihr darüber reden!" Sie wandte sich zur Tür. ,,Ich werde sie fragen, ob sie denn nie einen Fehler gemacht hat!" ,,Warte, Winry!", rief Leon und packte sie schnell, während Fayt sich vor die Tür stellte. ,,Ist schon in Ordnung." ,,Sensei weiss das bereits.", erklärte Fayt und dachte zurück an den Tag, als Izumi sie verprügelt und danach in den Arm genommen hatte. ,,Es ist wirklich in Ordnung, Winry." ,,Verstehe.", sagte Winry. Erleichtert ließ Leon sie wieder los. ,,Was wollt ihr jetzt tun?", fragte sie. ,,Nun...", begann Leon. ,,Geht es um diesen Jungen?", fragte Winry. ,,Sensei vertraut diesem Kind zu sehr, nur weil es keine Erinnerung hat.", sagte Leon. ,,Aber sie hat doch der Polizei wegen ihm berichtet, richtig?", sagte Winry. ,,Und sie sagte, sie würde sich um den Jungen kümmern, bis sie etwas über ihn herausfinden." ,,Ich hoffe, dass er auch wirklich nur ein verschwundenes Kind ist...", seufzte Fayt.


Es war Abend geworden. Winry schlief in ihrem Bett tief und fest, den Schraubenschlüssel, den Leon ihr damals geschenkt hatte, fest umklammert.
Mason rollte sich im Schlaf hin und her und murmelte: ,,Mann, das ist aber zäh..."
Izumi schlief mit dem Kopf auf der Schulter ihres Mannes, der mit offenen Augen schlief und lautes Schnarchen von sich gab.
Leons und Fayts Betten waren hingegen leer.
Die beiden hatten sich durch den Flur und zu dem Zimmer des Jungen geschlichen, an dessen Zimmertür Leon mit einem Zahnstocher herumwerkelte. ,,Lass uns aufhören, großer Bruder.", bat Fayt ihn. ,,Sensei hat das Schloss mit Alchemie erschaffen. Sie wird es herausfinden, wenn wir es aufschließen." ,,Dann...", begann Leon und sah hinauf zur Decke.
Sie gingen hinauf zum Zimmer, das über dem Zimmer des Jungen lag. Leon klatschte in die Hände und berührte den Boden, der sich aufwellte und ein Loch freigab, durch das man in den Raum darunter springen konnte. ,,Wir klettern danach wieder hier durch und schließen es wieder.", sagte Leon und sprang hinab in das Zimmer des Jungen. Er stutzte, als er sah, dass das Bett im Zimmer leer war. ,,Willste spielen?", fragte der Junge, der kopfüber an der Leiste hing, an der die Gardinen angebracht war, und erschrak damit Leon. ,,Bin ich erleichtert.", sagte der Junge fröhlich, während Fayt ebenfalls ins Zimmer sprang. ,,Alle sind tot, deswegen hab ich mich schon richtig gelangweilt." ,,Sie sind nicht tot. Sie schlafen nur.", erklärte Leon. ,,Was sollen wir denn spielen?", fragte der Junge aufgeregt. ,,Ah, ich weiss!" Er ließ sich fallen, landete auf allen Vieren, rannte pfeilschnell wie ein Tiger zur anderen Seite des Zimmers und packte sich eine Maus, die versucht hatte zu flüchten. ,,Damit habt ihr doch letztes Mal gespielt, nicht wahr?", fragte der Junge und hielt ihnen die laut quietschende Maus hin. Leon und Fayt erinnerten sich zurück, wie sie auf der Insel gestern eine Maus gejagt hatten. ,,Also hast du uns die ganze Zeit über beobachtet.", sagte Fayt. ,,Woher kommst du?", fragte Leon den Jungen. Der begann die Maus fester zu drücken. Sie fiepte wie am Spieß. ,,Hey, lass sie los.", sagte Leon und wollte sie ihm wegnehmen. ,,Nö!", rief der Junge kichernd und wich Leon aus. ,,Man darf nicht einfach so mit dem Leben eines Tieres spielen.", ermahnte Leon ihn. ,,Ich will spielen! Ich will spielen! Ich will spielen!", trällerte der Junge aus voller Kehle und sprang auf dem Bett auf und ab. ,,Sei ruhig! Du weckst noch jeden hier im Haus auf!", schrie Leon. ,,Spielen! Spielen!", rief der Junge weiter. ,,Grrr!", fauchte Leon, klatschte in die Hände und berührte das Bett. Ein Seil schoss daraus hervor und wickelte sich um die Beine des Jungen, der aufs Bett fiel und die Maus fallen ließ. Das Tier versteckte sich schnell unter dem Bett. ,,Wow! Wow!", rief der Junge begeistert mit Blick auf das Seil, das seine Beine fesselte. ,,Du kannst das auch, richtig?", fragte Leon. ,,Nein.", sagte der Junge kopfschüttelnd. ,,Lüg nicht!", fuhr Leon ihn an. ,,Auf der Insel hast du einen Stein mutiert. Und deine Kleidung hattest du auch mit Alchemie hergestellt, richtig?" ,,Großer Bruder, sei doch nicht so grob...", mischte sich Fayt ein. ,,Fayt, du hast es doch auch gesehen.", sagte Leon zu ihm. ,,Dieser Junge hat eine Mutation ohne Mutations-Zirkel vollführt. Sensei und ich sind so gut wie die einzigen, die das können." Der Junge versuchte sich von der Fessel zu befreien. ,,Aber Sensei hat einfach so getan, als wenn sie nichts gesehen hätte. Irgendetwas stimmt hier nicht!" Er sah zu dem Jungen, der sich immer noch mit dem Seil abmühte. ,,Was ist los?", fragte er ihn. ,,Mach dich doch mit Alchemie los." ,,Nimm´s ab! Nimm´s ab!", schrie der Junge und begann um sich zu schlagen. ,,Nimm´s ab!" ,,Großer Bruder, er hat nichts mit diesen Leuten zu tun.", sagte Fayt zu Leon und legte ihm eine Hand auf die Schulter. ,,Nimm´s ab!", schrie der Junge weiter. ,,Fayt, ich hab sein Gesicht schon irgendwo einmal gesehen.", sagte Leon. ,,Nimm´s ab!", brüllte der Junge. ,,Irgendwo hab ich es gesehen, da bin ich mir ganz sicher.", sagte Leon. ,,Nimm´s ab!", kreischte der Junge, als es im nächsten Moment einen Lichtblitz gab, der das Bett und den Jungen verschluckte. Als es wieder dunkel im Raum war, war das Bett in die Höhe gewachsen, vollkommen verzerrt, an der Spitze der Körper des Jungen, der mit dem Bett verwachsen war. Der Junge begann verzweifelt und aus voller Kehle zu weinen. ,,Großer Bruder! Was hast du getan?!?", rief Fayt entsetzt. ,,Gar nichts!", rief Leon, nicht minder entsetzt. ,,Ich kann kein Bett zusammen mit einem Menschen mutieren und miteinander kombinieren!" Die Tür wurde mit voller Wucht aufgestoßen und eine zornige Izumi, gefolgt von ihrem noch schlaftrunkenen Mann, betrat den Raum. ,,BEI DEM LÄRM KANN DOCH NIEMAND SCHLAFEN!!!", brüllte sie und trat Leon und Fayt quer durchs Zimmer. ,,Hey.", sagte ihr Mann und tippte sie an. Sie erschrak, als sie den Jungen sah, der sich mit dem Bett vereint hatte. ,,Mach´s wieder rückgängig!", weinte der Junge aus voller Kehle. ,,Mach´s wieder rückgängig! Mach´s wieder rückgängig!" ,,Das waren wir nicht, Sensei.", sagte Leon sofort. ,,Es stimmt!", rief Fayt. ,,Mein großer Bruder mag zwar ständig lügen, aber diesmal sagt er die Wahrheit!" ,,Fayt...!", grummelte Leon zornig. ,,Ich weiss, dass ihr es nicht wart.", sagte Izumi und strich über das mutierte Bett. ,,Ich hab euch nie unsinnige Alchemie wie diese hier beigebracht." ,,Holt mich runter! Holt mich runter!", weinte der Junge verzweifelt. ,,Hör auf zu weinen!", fuhr Izumi ihn an. Der Junge stoppte sofort. Izumi seufzte und ihre harten Züge verschwanden sofort. ,,Es wird alles wieder in Ordnung.", sagte sie und lächelte freundlich. ,,Kannst du dich an deine eigene Form erinnern?" Der Junge nickte. ,,Erinnere dich einfach an deine ursprüngliche Form.", sagte Izumi und nahm seine Hand in ihre. ,,Langsam, ganz langsam..." Es gab einen Lichtblitz, und schon stand das Bett wieder an seinem alten Platz, der Junge haltlos weinend in Izumis Armen. Zum ersten Mal bemerkte Fayt, dass das linke Bein des Jungen eine viel dunklere Hautfarbe hatte als der Rest des bleichen Körpers. ,,Ihr idiotischen Schüler!", schrie Izumi Leon und Fayt an und wickelte den Jungen in die Bettdecke ein. ,,Was hattet ihr mit diesem unschuldigen Kind vor!?!" ,,Tut uns Leid, Sensei!", riefen die beiden Brüder und warfen sich vor Izumi zu Boden. ,,Aber wir haben uns Sorgen gemacht...", versuchte Leon zu erklären. ,,Was ist, wenn er zu diesen Typen gehört, die hinter uns her sind?" ,,Wer ist hinter euch her?", fragte Izumis Mann. ,,Sie... nennen sich Homunculi.", antwortete Leon und sah zu Boden. Izumi und ihr Mann erstarrten und warfen sich besorgte Blicke zu.
Havoc hatte Roy zum Haus der Familie Hughes gefahren, doch anstatt auszusteigen, blieb Roy einfach im Wagen und sah zum Haus hinüber, während Havoc sich draußen eine Zigarette genehmigte.
,,Danke, dass du uns so oft besuchst...", bedankte sich Glacier bei Scieszka, die einen Handpuppenkampf mit Elysea auf dem Sofa hatte. ,,Aber was ist mit deiner neuen Arbeit?" ,,Oh, die erledige ich zu Hause, also habe ich immer flexible Arbeitszeiten.", erklärte Scieszka. ,,Scieszka, wenn du immer noch Maes´ Todesfall untersuchst...", begann Glacier und sah zu Boden. ,,Machen Sie sich keine Sorgen!", sagte Scieszka und kitzelte mit ihrer Handpuppe Elyseas Bauch. ,,Ich werde dich mich doch nicht freiwillig in Gefahr begeben.", log sie. ,,Ich bin nicht so unvorsichtig."
,,Wiedersehen!", sagte sie wenig später an der Haustür zu Elysea. ,,Ich gehe dann jetzt.", sagte Scieszka zu Glacier, die ihr zulächelte und nickte. ,,Bis morgen!", sagte Elysea, als ihre Mutter die Tür schloss. Scieszka wandte sich um und sah gerade noch, wie das Militärauto, in dem Roy sah, davonfuhr. ,,Hey! Warten Sie!", rief Scieszka, rannte dem Auto hinterher, stolperte und stürzte zu Boden. ,,Oberst, meinen Sie nicht, wir sollten...?", begann Havoc unsicher. Roy seufzte und nickte. Das Auto fuhr zurück und hielt neben Scieszka ab, die, sich die nun schmerzende Nase haltend, wieder aufstand. Roy klappte das Fenster herunter. ,,Wollen Sie nicht ins Haus und Hughes´ Familie "Hallo" sagen?", fragte Scieszka ihn aufgebracht. ,,Ich darf doch wohl noch vor dem Haus eines alten Freundes anhalten, oder?", entgegnete Roy nur. ,,Ich schätze, Sie sind einfach nur zu feige, den beiden direkt gegenüber zu treten, weil sie nicht den Tod ihres Freundes untersuchen, sondern lieber nach der Pfeife anderer tanzen!", fuhr Scieszka ihn an. ,,Das einzige, was Sie interessiert, ist eine Beförderung!" ,,Na, na, Fräulein...", begann Havoc. ,,Das hier sind Kopien der Bücher, die sich Hughes angesehen hat, bevor er ermordet wurde.", sagte Scieszka, holte mehrere Bücher aus ihrer Tasche und warf sie ins Auto in Roys Schoß. ,,Der Grund, warum Hughes umgebracht worden ist, müsste sich darin irgendwo befinden!" Sie ging ein paar Schritte davon, wandte sich dann aber wieder um und schrie mit Tränen in den Augen: ,,Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Versetzung nach Central City, herzloser Idiot!"


Scieszka saß noch stundenlang in ihrem mit Büchertürmen vollbeladenen Zimmer. ,,Oh Mann... Ich hab keine Ahnung, warum!", stöhnte sie schließlich, über mehrere Dokumente gebeugt. ,,Gehen wir noch einmal die Liste mit den Telefonanrufen durch, die im Hauptquartier eingegangen sind... Es ist kein Code jedenfalls... An den Angestellten an der Rezeption ist ein Anruf eingegangen, ans Justizministerium, an die Sekretärin des Führers..." Sie brach ab. ,,Ich hab einfach keine Idee!", schrie sie und warf ein Dokument hinter sich. Das Dokument traf einen Bücherturm, der umkippte und einen weiteren Turm aus Büchern umkippte. Binnen Sekunden war Scieszka unter einer Lawine von Büchern bedeckt.
Die Sekretärin des Führers, Sloth, telefonierte in ihrem Büro, das direkt an das Büro des Führers grenzte. ,,Das bedeutet ziemlich viel Extraarbeit für mich, da du sie aus den Augen verloren hast.", sprach sie mahnend in den Hörer. ,,Ich bin ziemlich beschäftigt, weißt du." Der Führer trat ein, schritt durch das Büro und ging in sei eigenes. Sloth wartete kurz, dann sprach sie weiter: ,,Ihre Lehrerin lebt in einer Stadt namens Dublith. Dort könnten sie sein."
,,Soll ich dann also dahin aufbrechen?", fragte Envy, der am anderen Ende der Leitung in einem dunklen Raum mit Lust und Gluttony saß. ,,Dann kann ich Greed Lust und Gluttony überlassen, richtig?"
,,Ja.", sagte Sloth. ,,Sie haben die Suche nach dem Ring der Alchemisten noch nicht aufgegeben. Schafft ihnen eine weitere Möglichkeit dafür."
,,Du bist zwar die Jüngste, aber du gibst hier Befehle, als wenn du die Älteste wärst.", kicherte Envy.
,,Ich will, dass die beiden den Ring der Alchemisten erschaffen, aber ich will nicht, dass sie etwas über den Vorfall in Ishbal erfahren.", sagte Sloth. ,,Du verstehst, warum, richtig?"
Der Führer trank genüsslich eine Tasse Tee.


Der nächste Morgen brach an, und alle außer dem Jungen waren bereits wach im Haus der Curtiss´. Winry war in seinem Zimmer, um auf ihn aufzupassen.
,,Warum erschaffen die Homunculi den Ring der Alchemisten nicht selbst?", fragte Izumi, der Leon und Fayt alles erzählt hatten, was in Labor geschehen war, in der Küche. ,,Sie haben gesagt, dass sie ihn nicht selbst erschaffen können, weil sie keine Alchemie benutzen können.", antwortete Leon. ,,Dann ist dieses Kind kein Homunculus.", sagte Izumi und sah zu ihrem Mann, der in einer Ecke der Küche stand. ,,Ja, aber...", begann Leon. ,,Aber es gibt keine Alchemie, die es einer Person erlaubt, sich selbst neu zu strukturieren. Aber er..." ,,Außerdem hat er eine Mutation ohne Mutations-Zirkel vollführt, so wie Ihr und mein großer Bruder.", fügte Fayt hinzu. ,,Das..." ,,Fayt!", unterbrach Leon ihn. ,,Das ist, weil..." ,,Fayt, erinnerst du dich nicht mehr daran?", fragte Izumi Fayt. ,,An was erinnern?", fragte Fayt verdutzt. ,,Leon, du erinnerst dich, nicht wahr?", fragte Izumi Leon. ,,Das "Tor"?", fragte Leon. Izumi nickte, während ihr Mann die Küche verließ, um sicherzugehen, dass niemand der anderen lauschte. ,,Ist es, weil ich "es" gesehen habe?", fragte Leon. ,,War dieses Ding die "Wahrheit"?" ,,"Wahrheit"?", wiederholte Izumi fragend.
,,Großer Bruder! Großer Bruder!", hatte Fayt damals verzweifelt geschrien, als die Mutation ihrer Mutter fehlgeschlagen war und er von schattenhaften Händen in ein Loch gezogen worden war. ,,Fayt!", hatte Leon gebrüllt und versucht zu ihm zu kommen, doch auch er war von diesen schattenhaften Händen gepackt und in ein Loch gezogen worden, ein Loch aus goldenem Licht. Bilder waren in Lichtgeschwindigkeit an ihm vorbeigezogen: Vom vergangenen Ishbal-Krieg... von Statuen des Sonnengottes Leto... Höhlenmenschen... wie er und Fayt Alchemie in Büchern studierten... die Stadt Xenotime, die drohte, vom Roten Wasser überschwemmt zu werden... ihr brennendes Haus... wie sie schuldbewusst vor dem Haus der Rockbells gesessen hatten, nachdem sie Winry mit ihrer ersten Mutation Angst eingejagt hatten... wie sie Tuckers Haus studierten... All diese Bilder der Vergangenheit und Zukunft waren in Sekundenschnelle an ihm vorbeigeschossen, während er durch diesen Tunnel aus goldenem Licht gerauscht war, die schattenhaften Hände ihn immer noch umschlungen...
,,Damals verstand ich nicht, was auf einmal los war...", erinnerte sich Leon. ,,Ich fühlte nur, wie mir eine unglaubliche Menge an Informationen in den Kopf eingezwungen wurde. Aber auf einmal verstand ich... Dinge in der Alchemie, von denen ich vorher nichts gewusst hatte. Ich fühlte mich, als wäre ich kurz vor der kompletten Formel zur erfoglreichen Dürchführung einer Menschlichen Mutation."
Immer mehr Bilder waren an ihm vorbeigezogen: Ein unterirdischer Ballsaal, in dem Rose, das Mädchen aus Lior City mit ihm tanzte... wie er sich freudig auf den Brunnen in Lior City gestürzt hatte, indem statt Wasser Wein geflossen war... verletzte Soldaten, die aus dem Ishbal-Krieg zurückkehrten... Eine pilzförmige Rauchwolke... ein Mann mit markantem Schnaubart, hinter ihm eine Flagge mit einem Hakenkreuz darauf... dreieckige Gebilde in einer wüstenartigen Gegend... eine warz-rot-goldene Fahne... der Mann, der nur ein Bein hatte, dessen Enkeltochter versucht hatte, Leons Auto-Mail-Bein zu stehlen... hochmoderne Autos... die Silbertaschenuhr auf der Niemals den 3. Oktokober vergessen stand... Sternzeichen... Soldaten im Schützengraben... Spermien... komplizierte mathematische Formeln... Eine Flagge mit mehreren verschiedenfarbigen Ringen, aufgespannt in einem riesigen Stadion... ihre erste Begegnung mit Rose... seltsame kleine Schallplatten... Leons und Fatys Vater an dem Tag, als er sie verlassen hatte... Leon, Fayt, Nina und Alexander, die lachend im schneebedeckten Garten saßen... das Mädchen Clara aus dem Dorf, in dem der durchgeknallte Alchemist Majhal gelebt hatte... Dinosaurier... Blumen auf dem Grab seiner Mutter... die zu einer Chimära mutierte Nina... die Diebin Psiren aus Aguroya... ein Mann aus Stahl, der in einem Mutations-Zirkel gefangen war, eine in der Mitte durchgeschnittene Frau wenige Meter neben ihm... er und Fayt am Krankenbett ihrer im Sterben liegenden Mutter... ihre Mutter, die ihne fröhlich zulächelte... Auf einmal war am Ende des Tunnels auf Licht eine Silhoutte erschienen, die genau wie seine Mutter ausgesehen hatte. ,,Mama!", hatte Leon geschrien und versucht seine Hand nach ihr auszustrecken, doch die schattenhaften Hände hielten ihn weiter eisern fest. Er hatte hinter sich geschaut und mit Entsetzen festgestellt, dass die Schattenhände zu Wesen gehört hatten, die ebenfalls aus Schatten zu bestehen schienen. Die Wesen hatten ihn alle breit grinsend angesehen. ,,Stopp! Lasst los! Lasst mich los!", hatte Leon verzweifelt geschrien und versucht nach seiner Mutter zu greifen, die Schattenwesen lauthals lachend. Sekunden später hatte er vor einem gigantischen Tor aus einer seltsamen Substanz gestanden, das offen gewesen war, die Schattenkreaturen dahinter. Ein Schattenwesen, das grüne Augen gehabt hatte, hate ihn besonders breit angegrinst, als das Tor, das über und über mit lateinischen Sätzen versehen war, sich mit lautem Knarzen wieder geschlossen hatte. ,,Wartet!", hatte Leon geschrien und mit der Hand gegen das geschlossene Tor getrommelt. ,,Lasst es mich noch einmal sehen! Die "Wahrheit" war dort drin.... Das, was ich suche!" Ein Raunzen war zu hören gewesen. ,,Gleichwertiger Tausch?", hatte Leon verdutzt wiederholt. ,,Was meint ihr damit? Zoll?" Doch schon im nächsten Moment hatte sich sein linkes Bein aufzulösen begonnen. Er hatte lauthals geschrien, der Schrei in ganz Rizenbul zu vernehmen gewesen, da er plötzlich wieder im Arbeitszimmer seines Vaters gewesen war, ohne sein linkes Bein. ,,Verdammt!", hatte er, am Boden kauernd und sich an den Beinstummel fassend, geflucht. ,,Es hat mein Bein genommen!" Der Nebel hatte sich gelegt und den Blick auf eine Gestalt inmitten des Mutations-Zirkels freigegeben. ,,Mama?", hatte Leon hoffnungsvoll gefragt und zu der Gestalt gesehen: Ein Gebilde, aus Fleisch, Sehnen, Nerven, einer einzelnen Hand, und einem Herz, das röchelnde Atemzüge gemacht hatte. Ein zweiter Schrei von Leon war im Dorf zu vernehmen gewesen. ,,Nein...", hatte er gekeucht und Blut gespuckt. ,,Das ist nicht, was wir wollten... Fayt... Es ist meine Schuld... Es ist meine..."
,,Im "Tor" bemerkte ich, dass ich es immer noch rechtzeitig schaffen konnte.", erzählte Leon. ,,Dass ich Fayt immer noch..."
Leon war durch das Zimmer gekrochen, hatte eine der vielen Statuen, die das Zimmer gesäumt hatten, umgestoßen, den Helm abgenommen und mit seinem eigenen Blut einen Mutations-Zirkel in die Säule gemalt. ,,Gebt ihn mir zurück... Er ist mein kleiner Bruder...", hatte er gekeucht. ,,Ich gebe euch mein Bein, meine Arme, oder mein Herz..." Er hatte denselben Mutations-Zirkel wie den, den er in die Rüstung gemalt hatte, auf sein anderes Bein, seine Arme und sein Herz gemalt, mit seinem eigenen Blut. ,,Gebt ihn mir zurück... Gebt mir meinen kleinen Bruder zurück!" Er hatte die Rüstung berührt und sofort hatten die Mutations-Zirkel, die er gemalt hatte, zu leuchten begonnen. Sofort war er wieder in dem Tunne aus goldenen Licht gelandet und hatte versucht, seinen kleinen Bruder zu fassen zu bekommen, dessen Umrisse deutlich am anderen Ende des Tunnels zu sehen gewesen war. Die Schattengestalten hatten ihn wieder geschnappt, eisern festhalten und lauthals kichernd. Die Schattengestalt mit den grünen Augen und dem besonders breiten Grinsen hatte sich seinen linken Arm geschnappt und ihn von Leons Körper abgerissen. ,,Fayt!", hatte Leon verzweifelt gebrüllt. ,,Fayt! Fayt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"
,,Als ich wieder zu mir kam, stellte ich fest, dass ich in diesem Metallkörper war.", beendete Fayt die Erzählung. ,,Und das Ding, das unsere Mutter sein sollte, was nicht mehr da." ,,Ich hab die "Wahrheit" dort gesehen.", sagte Leon. ,,Deswegen kann ich Mutationen ohne Mutations-Zirkel ausführen, und nur deswegen war ich in der Lage, Fayts Seele an diese Rüstung zu binden. Ist es nicht so?" ,,Du glaubst, dieses Ding war die "Wahrheit"?", sagte Izumi nachdenklich. ,,Aber das muss es sein.", sagte Leon bestimmt. ,,Ich..." ,,War dieses Ding nicht lediglich eine Erklärung dafür, wie ein magischer Trick vollbracht wird?", unterbrach Izumi ihn nachdenklich und stand auf. ,,Sensei, ich erinnere mich!", rief Leon auf einmal und dachte an die Schattengestalt mit den grünen Augen und dem breiten Grinsen. ,,Ich glaube, ich habe diesen Jungen damals dort gesehen." Er stand auf. ,,Wenn dem so ist, ist er nicht menschlich." ,,Es gibt da etwas, was ich feststellen muss.", sagte Izumi. ,,Wir besprechen alles Weitere danach." ,,Sensei!", rief Leon. ,,Ich verbiete euch, ihm zunahe zu kommen.", sagte Izumi und verließ die Küche. ,,Izumi.", sagte ihr Mann, der neben der Tür stand. ,,Mach dir keine Sorgen. Ich will nur etwas überprüfen.", sagte sie, ging zum Medizinschrank und nahm mehrere Pillen ein. ,,Bitte, lass mich allein gehen." ,,Also wissen die beiden nicht, warum ei Homunculus geboren wird, richtig?", fragte ihr Mann. Izumi sah besorgt drein.
Hawkeye, Fury, Farman und Havoc waren damit beschäftigt, das Büro einzurichten, das sie zusammen mit Breda und Roy im Hauptquartier von Central City zugeteilt bekommen hatten, als plötzlich Armstrong in den Raum gestürmt kam. ,,Gentlemen! Willkommen!", rief er, während alle vor Schreck vor ihm zurückwichen, aus Angst vor seinen knochenzermalmenden Umarmungen. ,,Ich, Alex Louis Armstrong, heiße Sie aus ganzem Herzen willkommen!" ,,Tssss... Hören Sie auf mit dem Quatsch und helfen Sie lieber mit.", fauchte Hawkeye und riss die Perücke von Armstrong herunter, der in Wirklichkeit Breda war, der sich verkleidet hatte. ,,Also wirklich, Lieutenant Breda...", seufzte Fury. ,,Nun, wir wissenschließlich nicht, wann dieser Kerl hier reinstürmen wird.", sagte Breda schulterzuckend. ,,Da ist besser, wenn wir darauf vorbereitet sind." ,,Der Major ist nicht hier.", sagte Hawkeye und begab sich wieder ans Auspacken. ,,Oh, wirklich?", fragte Breda verdutzt. ,,Er ist unterwegs zu einer Untersuchung zusammen mit einem Vorgesetzten, der im Militärgericht stationiert worden ist, um Brigadier General Hughes´ Arbeit fortzuführen.", erklärte Hawkeye. ,,Wie heißt dieser Kerl denn, der seinen Posten bekommen hat?", fragte Havoc. ,,Ich glaube, der Name war Frank...", antwortete Hawkeye nachdenklich und stellte eine Leselampe auf. ,,Lieutenant Oberst Frank Archer?", fragte Farman. ,,Sie kennen ihn?", fragte Fury. ,,Er ist ein Mann, loyal zu seinen Militärpflichten.", antwortete Farman. ,,Was? Aber ist das nicht eine gute Sache?", fragte Fury. ,,Militärpflichten...", wiederholte Farman. ,,Das bedeutet, er ist ein Menn, der den Krieg mag."
Armstrong saß mit Lieutenant Oberst Frank Archer, der summend über seine Aufzeichnungen gebeugt war, in einem Zug, der in südliche Richtung fuhr. ,,Lieutenant Oberst, ich habe es Ihnen schon mehrmals gesagt, aber...", begann Armstrong. ,,Sie wissen nicht, wohin die Elric-Brüder gegangen sind.", unterbrach Archer ihn. ,,Sind Sie ein Phonograph oder was?" ,,Es gibt keine Beweise dafür, dass sie nach Süden aufgebrochen sind.", sagte Armstrong. ,,Es ist bereits vollkommen klar, dass sie nach Süden aufgebrochen sind.", widersprach ihm Archer. ,,Sie haben sie überwachen lassen?", fragte Armstrong ungläubig. ,,Diese Brüder sind keine Verräter." ,,Vielleicht.", sagte Archer, wieder in seinen Bericht vertieft. ,,Aber ich habe nicht die Absicht, sie frei herumlaufen zu lassen, so wie Mustang es bisher getan hat... Wir brauchen sie... für den bevorstehenden Krieg."
Winry war mit dem Jungen im Bad und wusch ihm die überlangen Haare.
,,Sorry, Izumi hat mir befohlen, euch nicht rauszulassen.", sagte Mason, der vor Leons und Fayts Zimmer Wache hielt. ,,Und wo ist Sensei hingegangen?", fragte Leon. ,,Weiss ich nicht.", sagte Mason. ,,Sie hat mich gebeten, ihr ein Boot vorzubereiten, also ist sie vielleicht wieder zur Insel aufgebrochen." ,,Insel? Warum?", fragte Leon und stutzte, als er sah, dass Fayt ein Radio auf den Boden stellte und einen Mutations-Zirkel drum herum zeichnete. ,,Was machst du da, Fayt?" ,,Ich hab Winry und den Jungen ins Zimmer unter uns gehen hören.", sagte Fayt.
,,So...", sagte Winry und half dem Jungen in ein Hemd hinein. ,,Und jetzt noch die Haare..." Sie zog ihm sanft die langen Haare aus dem Hemd. Es gab einen Lichtblitz und schon hing ein Telefonhörer von der Decke hinab.
,,Winry, tut mir Leid, wir können nicht aus unserem Zimmer, also...", sprach Fayt in den Hörer.
,,Fayt?", sagte Winry verdutzt, während sich der Junge ängstlich hinter ihr versteckte. ,,Was habt ihr beide nur mit dem Jungen gemacht? Er hat richtig Angst."
,,Oh, verstehe...", sagte Fayt. ,,Winry, das mag jetzt ein wenig komisch klingen, aber es gibt etwas, das ich dich fragen möchte: Es geht um den Körper des Jungen." ,,Fayt? Was redest du da?", fragte Leon verwirrt.
,,Hmm? Ach, das meinst du.", sagte Winry. ,,Ich war echt überrascht. Ich frag mich, was mit ihm passiert ist. Sein linkes Bein und sein linker Arm sind beide viel dunkler als der Rest seines Körpers, und es sieht aus, als hätte jemand sie an seinem Körper befestigt."
Leon erstarrte vor Entsetzen. ,,Fayt... Was versucht du damit zu sagen?", fragte er mit keuchender Stimme. ,,Großer Bruder, du hast gesagt, dass du das Gesicht des Jungen hinter dem "Tor" gesehen hast, richtig?", fragte Fayt. Der Boden brach auf und Leon sprang hinab ins Zimmer darunter. Schreiend wich Winry mit dem Jungen gegen eine Wand zurück. ,,Was ist los?!?", rief Izumis Mann und kam ins Zimmer gestürmt. Leon klatschte in die Hände und berührte dem Boden, aus dem sogleich eine Wand schoss, die Izumis Mann den weg versperrte. ,,Wenn Izumi das rausfindet, bringt sie euch um.", sagte Mason, der in Leons und Fayts Zimmer gegangen war, ängstlich. ,,Wir brauchen nur ein paar Minuten.", sagte Fayt und sprang ebenfalls in den Raum darunter. ,,Ihr Zwei! Sensei hat euch doch gesagt, ihm nicht zunahe zu kommen, richtig?", rief Winry und stellte sich schützend vor den Jungen. ,,Deswegen brauchen wir ja auch nur ein paar Minuten!", sagte Leon, stieß Winry unsanft zur Seite und nagelte den Jungen mit beiden Armen an der Wand fest. ,,Das kann einfach nicht sein...", sagte er mit vor Wut zittriger Stimme. ,,Das war Gleichwertiger Tausch... Ich habe den Körper meiner Mutter im Gegenzug für mein Bein verloren. Und ich habe Fayts Seele im Gegenzug für meinen Arm an diese Rüstung gebunden. Beides war Gleichwertiger Tausch!" Er zerriss das Hemd, das der Junge trug, und besah sich den linken Arm des Jungen, dessen Hautfarbe viel dunkler war als der Rest des Körpers. Er erstarrte, als er die Bisswunde auf dem Arm erblickte. ,,Woher hast du diese Narbe?", fragte Leon ihn und packte ihn am linken Arm. ,,Weiss nicht...", antwortete der Junge ängstlich, den Tränen nahe. ,,Diese Wunde hat ein Fuchs verursacht.", sagte Leon zurück und erinnerte sich zurück, wie er damals mit zehn Jahren auf der Insel von einem Fuchs am linken Arm gebissen worden war. ,,IST DAS MEIN ARM?!?", brüllte er. Schreiend riss der Junge sich los, stieß ihn zur Seite, sprang aus dem Fenster und rannte davon. Leon rannte ebenfalls zum Fenster. ,,Warte, Leon!", rief Izumis Mann, der aus dem Raum über ihm hinabsprang ins Zimmer. Leon sprang aus dem Fenster und rannte dem Jungen hinterher ,,Leonard!", schrie Izumis Mann, doch Leon hörte nicht auf ihn. ,,Vielleicht...", begann Fayt stockend. ,,Vielleicht sind der Arm und das Bein dieses Jungen ja wirklich..."
Der Junge rannte in Panik die Straßen Dubliths entlang, dicht gefolgt von Leon. Eine Gestalt, komplett in Laken gehüllt, beobachtete die beiden von einem Dach aus.
Izumi hatte die Insel erreicht und war zu einer Lichtung gegangen, in deren Zentrum eine Art Opferaltar lag. Schleifspuren führten von dem Altar her in den Wald, so als wäre etwas langsam über den Boden gekrochen. Mit Entsetzten Blick sank sie vor den Schleifspuren zu Boden, Tränen ihr Gesicht hinabrinnend, Blut spuckend.

Vorschau Kapitel 30: Angriff auf das Hauptquartier: Das Hauptquartier im Süden wird angegriffen. Doch wer ist Freund, und wer ist Feind?!?

Freitag, 28. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 28: One is All, All is One

Die Stadt Dublith konnte, was die Größe anging, gleichziehen mit Central City, der Hauptstadt des Staates Amestris, in dem Leon und Fayt lebten. Doch trotzdem war Central City die Hauptstadt, da es im Zentrum des Staates lag. Jedoch war für viele Bewohner Amestris´ die Stadt Dublith die schönere Stadt, nicht zuletzt wegen des gewaltig großen Sees, der im Zentrum der Stadt lag. Umso mehr verwunderte es Menschen, die zum ersten Mal nach Dublith kamen, dass sich im Zentrum des Sees eine weitere riesige Insel befand, abgeschottet vom Rest Dubliths, vollkommen unbebaut.
Und genau auf diese Insel brachte Izumi mit einem Boot Leon und Fayt. ,,Also wirklich...", seufzte Leon am Strand der Insel belustigt und sah dem Boot, in dem Winry, Izumi und Izumis Mann saßen, hinterher, wie es zurück in die Zivilisation fuhr. ,,Unsere erhitzten Köpfe hier abkühlen, wie? Diesmal werden wir hier sicherlich keine Probleme haben zu überleben." ,,Sie hat uns sogar verboten Alchemie einzusetzen.", sagte Fayt kichernd. ,,Es ist genau wie damals bei dem Test, dem wir uns unterziehen mussten." ,,Glaubt Sensei, wir wären kein Stück erwachsen geworden?", fragte sich Leon. ,,Ich glaube nicht, dass es das ist.", meinte Fayt. ,,Wartet jetzt endlich!", schrie Winry hysterisch Izumi und deren Mann an. ,,Leon! Fayt!" Das Boot schwankte ein wenig und sie drohte ins Wasser zu fallen, doch Izumis Mann packte sie mit einer Hand und zog sie mit Leichtigkeit wieder ins Boot. ,,Zappel nicht so viel hier rum. Du fällst noch raus.", ermahnte er sie. ,,J-Ja...", stammelte Winry ängstlich. ,,Aber was haben Sie nur vor?", fragte sie Izumi. ,,"Was", fragst du...", kicherte Izumi. ,,Sie haben die beiden einfach so ohne Warnung auf einer verlassenen Insel ausgesetzt!", rief Winry empört. ,,Ich verstehe das absolut nicht! Was denken Sie sich nur!?!" ,,Es ist in Ordnung, ab und zu so etwas zu tun.", sagte Izumi. Winry sah sie verdutzt an. ,,Es ist in Ordnung, anzuhalten und über Dinge sorgfältig nachzudenken.", erklärte Izumi. ,,Diese zwei brauchen Zeit, um genau das zu tun.


,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)


Leon und Fayt wanderten am Strand der Insel entlang. ,,Fayt...", sagte Leon nach einiger Zeit und blieb stehen. ,,Hmm?", machte Fayt fragend. ,,Sollen wir abhauen?", fragte Leon mit boshaftem Grinsen. ,,Das ist unmöglich! Ich kann nicht schwimmen!", kreischte Fayt sofort. ,,Wo ich so darüber nachdenke, ich auch nicht.", seufzte Leon. Sie blieben an einer Stelle stehen, an der Wasser des Sees als eine Art Fluss durch die Insel floss. ,,Diesmal ist alles anders als damals.", sagte Leon.
Der zehnjährige Leon und der neunjährige Fayt hatten damals im selben Boot gesessen und waren zusammen mit Izumi zur selben Insel gefahren. ,,Das macht echt Spaß, oder, großer Bruder?", hatte Fayt gekichert (für dieses Kapitel gibt es eine Ausnahme: Da es einfach nervig ist (-.-), alles im Plusquamperfekt zu schreiben, wenn es einen Rückblick in die Vergangenheit gibt, schreibe ich in diesem Kapitel ab jetzt auch die Rückblenden im Präteritum. Dieses Zeichen ****** gibt Aufschluss, wann die Rückblende anfängt und wann sie aufhört). ,,Jap!", stimmte Leon zu, der mit seiner Hand im Wasser rumplanschte. ,,Wir haben schon lange kein Sightseeing gemacht!" ,,Sightseeing?", wiederholte Izumi und lächelte boshaft. ,,Der war gut!", lachte der Mann, der sie zur Insel fuhr. Die beiden Kinder sahen die beiden Erwachsenen leicht besorgt an.
Wenig später kamen sie am Strand der Insel an. ,,Hier, fang.", sagte Izumi und warf Leon einen Dolch zu. ,,Ein Dolch?", sagte Leon verdutzt. ,,Das hier ist schließlich eine verlassene Insel.", erinnerte Izumi ihn. ,,Es gibt hier keine Elektrizität, keine Quellen, und kein Haus, um euch vor Regen zu schützen. Und was wilde Raubtiere angeht... die gibt´s hier nicht, soweit ich weiss. Ihr beide müsst einen Monat auf dieser Insel überleben." Bei diesen Worten erstarrten die Brüder. ,,Oh, und während dieser Zeit dürft ihr keine Alchemie benutzen.", fügte Izumi hinzu. Die Augen der beiden Jungen wurden sogar noch größer vor Entsetzen. ,,WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS????????????????????????", kreischten beide gleichzeitig. ,,Ich hole euch dann in einem Monat wieder ab.", sagte Izumi und ging winkend zum Boot zurück. ,,Was?!?", schrie Fayt, ganz bleich im Gesicht. ,,W-Wartet!", rief Leon. ,,One is All, All is One.", sagte Izumi. ,,Wenn ihr die Antwort darauf in diesem einen Monat nicht findet, schicke ich euch zurück nach Rizenbul! Tschau!" Das Boot fuhr los, die beiden Jungen vor Schreck immer noch erstarrt.
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,,One is All, All is One.", wiederholte Leon, während er mit Fayt durch den Urwald stapfte. ,,Jetzt verstehen wir das Konzept natürlich, aber damals...", sagte Fayt erinnerungsselig. ,,Ja, damals hatten wir absolut keine Ahnung, was sie meinte.", seufzte Leon und schnitt mehrere Büschel mit einem Messer weg. Keiner der beiden bemerkte die Gestalt, die sich im Dickicht entlangschlich, eine Gestalt mit langen Haaren, die vollkommen nackt war. Leon blieb verdutzt stehen, als er am Boden einen Haufen aus Palmenblättern liegen sah.
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Genau auf diesen Haufen aus Palmenblättern hatten sich Leon und Fayt am ersten Abend auf der Insel gelegt, nachdem sie ihn gebaut hatten. ,,One is All, All is One...", murmelte Leon. ,,Verdammte blöde Alte... Sie hat uns eine dämliche Hausaufgabe gegeben." ,,One is All, All is One... Was bedeutet das bloß?", fragte sich Fayt. ,,Vielleicht eine Art Rätsel?" schlug Leon vor und seufzte. ,,Mann, ich hab keine Ahnung." ,,Aber wenn wir die Antwort darauf nicht in einem Monat finden, können wir nicht das richtige Training beginnen.", erinnerte Fayt ihn. ,,Ah, Mann!", schrie Leon wütend und sprang auf. ,,Was zum Geier soll das mit Alchemie zu tun haben!?! Diese alte Oma hat uns reingelegt!" Sein knurrender Magen brachte ihn zum Schweigen. ,,Lass uns schlafen.", grummelte er und legte sich wieder hin. ,,Wir müssen morgen früh aufstehen und nach Frühstück suchen gehen." ,,Ja.", stimmte Fayt schläfrig zu.


Es war später in der Nacht, als sich Fußschritte dem Ort näherten, an dem Leon und Fayt schliefen. Das Etwas blieb vor Leon stehen und stupste ihn an. ,,Fayt?", murmelte Leon und setzte sich auf. ,,Willst du ins Bad oder wie?" Er sah neben sich und stellte fest, dass Fayt neben ihm lag und fest schlief. Verdutzt sah er zu der Gestalt, die vor ihm stand und erschrak: Ein großer Mann mit kräftigen Muskeln, dessen Gesicht durch eine Vodoo-Maske verdeckt war, stand vor ihm und holte nun mit einer schweren Keule nach Leon und dem schlafenden Fayt aus. ,,Waaaaaah!!!", kreischte Leon, packte Fayt und zog ihm im letzten Moment davon, so dass die Keule sie haarscharf verfehlte. ,,Was ist denn los, großer Bruder?", murmelte Fayt im Halbschlaf. ,,Geh doch allein ins Bad..." ,,Idiot! Wach auf!", schrie Leon panisch. Gerade noch rechtzeitig wurde Fayt richtig wach, um einem weiteren Hieb mit der Keule auszuweichen. Zitternd wichen die beiden Brüder gegen einen Baum zurück. ,,Verschwindet von hier!", rief der Mann mit der Maske. ,,Was?", fragte Fayt ängstlich. ,,Hör auf mit dem Quatsch!", schrie Leon ihn an. ,,Wenn wir von hier verschwinden, wird sie uns nicht trainieren..." ,,Großer Bruder!", schrie Fayt, stieß Leon zur Seite und rollte sich dann weg, um einem weiteren Hieb zu entgehen. ,,Verdammt noch mal...", keuchte Leon, der unsanft am Boden gelandet war. Der Mann stürzte sich nun auf Fayt und holte unaufhaltsam mit der Keule nach ihm aus. Panisch schreiend wich Fayt mehreren Hieben aus, bis er schließlich doch erwischt wurde und zu Boden ging. Der Mann stürmte auf ihn zu und trat ihn wie einen Fußball von sich weg. ,,Fayt!", schrie Leon besorgt, während der Mann erneut auf den am Boden liegenden Fayt zuschritt und erneut mit der Keule ausholte. ,,Lass das!", brüllte Leon, rannte auf dem Mann zu, sprang hoch und schlug ihm gegen das Kinn. Unbeeindruckt schlug der Mann Leon von sich weg. ,,Verdammt...", fluchte Leon. ,,Fayt! Renn weg!" ,,Okay!", rief Fayt und rannte in die eine Richtung, Leon in die andere. Beide rannten weiter und weiter, immer tiefer in das Dickicht dieses Urwaldes.
Schließlich kam Leon an einem äußerst dicken Baum zum Stehen, an dem Lianen sich hinaufrankten. ,,Oh Mann... Ich hoffe, Fayt hat sich nicht verlaufen...", wimmerte Leon. Jemand packte ihn au einmal von hinten. ,,GAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!!!!!!!!!!!!", kreischte Leon panisch. ,,Ich schmecke absolut nicht gut! Ich schwöre es!" ,,Großer Bruder! Ich bin es!", sagte Fayt, der Leon gepackt hatte. ,,Fayt... bin ich froh...", flennte Leon. ,,Ich dachte schon, ich hätte dich verloren." ,,Schhh...", machte Fayt und legte ihm eine Hand auf den Mund. Schritte kamen näher und näher. Zitternd sprangen sie hinter den Baum und hielten die Luft an, bis der Mann mit der Maske an ihnen vorbeigegangen war.
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Ein Rascheln im Gebüsch riss Leon, der sich mit Fayt wieder am Strand befand, aus seinen Erinnerungen an damals hoch. ,,Ein Fuchs.", sagte Leon mit Blick auf das Tier, das aus dem Gebüsch kam. ,,Nein, das sind zwei Füchse.", sagte Fay, als noch einer hervorkam.
Beide bemerkten nicht den Lichtblitz, den es plötzlich hinter ihnen im Dickicht gab. Die Gestalt, die ihnen schon die ganze Zeit gefolgt war, trug nun schlagartig Kleidung, so grün wie dessen moosgrünen langen Haare. Die Gestalt grinste.
Fayt kniete sich ins Wasser, darauf bedacht, dass es nicht sein Siegel aus Blut verwischte, und wartete. ,,So...", sagte er schließlich wenige Minuten später und kam wieder zurück zum Strand. ,,Wie ist es gelaufen?", fragte Leon. ,,Hehehe...", kicherte Fayt und klappte die Vorderplatte seiner Rüstung auf, aus der mehrere Liter Wasser und eine ganze Menge Fische herausflossen. ,,Zeit zum Essen!", rief Leon fröhlich. ,,Vergiss nicht dich abzutrocknen, sonst rostest du noch.", erinnerte Leon ihn.
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Es war am nächsten Morgen am Strand gewesen. ,,Wer war dieser Man nur?", weinte Fayt. ,,Er hat mir... richtige Angst gemacht. Sie hat doch gesagt, hier gäbe es keine wilden Tiere!" ,,Nun, dieser Kerl ist kein wilder Tier.", korrigierte Leon ihn zitternd. ,,Wilde Tiere wären mir lieber." Sie wanderten den Urwald entlang. ,,Was sollen wir jetzt machen?", fragte Fayt. ,,Sie wird uns erst in einem Monat abholen.", sagte Leon und blieb vor einer Liane stehen. ,,Zuerst einmal brauchen wir was zu essen, um zu Kräften zu kommen und kämpfen zu können." Er schnitt ein Stück der Liane ab.
,,Yay!", rief Fayt wenig später, als sie einen Hase in der Falle fingen, die sie mit dem Stück Liane gebaut hatten. ,,Wir haben was zu essen!", jubelte er, den Hasen in der Schlinge in der Hand. ,,Selbst die einfachsten Fallen funktionieren!", rief Leon glücklich. Sie legten den Hasen zu Boden, der lauthals fiepte und sich aus der Schlinge zu befreien versuchte, in der seine Pfoten gefangen waren. ,Also...", begann Fayt zögerlich. ,,Wie sollen wir ihn denn essen?" ,,Ähm... Aufschlitzen.", sagte er und zückte den Dolch, den Izumi ihnen gegeben hatte. ,,Aufschlitzen?", wiederholte Fayt mit viel zu hoher Stimme. Die beiden schluckten schwer und sahen wieder hinab zum Hasen, der nun unschuldig zu ihnen aufsah. Der Hase setzte ein süsses Gesicht auf. Leon und Fayt schluckten noch einmal. ,,Du machst es.", sagte Leon und hielt Fayt den Dolch hin. ,,Nein! Du machst es, großer Bruder!", protestierte Fayt lautstark. ,,Ich hab noch nie vorher ein Tier getötet!" ,,Glaubst du, ich!", fauchte Leon aufgebracht. ,,Das ist nicht fair!", schrie Fayt. ,,Immer bürdest du mir die Arbeiten auf, die du nicht machen willst!" ,,Was war das!?!", schrie Leon zurück. Ein Fuchs stürmte aus einem Gebüsch, packte sich den Hasen und rannte davon. ,,Stopp!", schrie die beiden Brüder und rannten ihm hinterher. ,,Du entkommst uns nicht!", schrie Leon. Der Fuchs ließ den Hasen fallen, wirbelte herum und biss Leon in den linken Arm. Leon schrie vor Schmerzen auf und landete unsanft am Boden, während der Fuchs zurücksprang und sich wieder den Hasen packte. ,,Großer Bruder!", rief Fayt entsetzt und sah auf die stark blutende Bisswunde an Leons Arm. ,,Bist du in Ordnung?", fragte er Leon und kniete sich zu ihm hin. ,,Das sieht ziemlich ernst aus." ,,Dieser verdammte Fuchs!", brüllte Leon zornig, sprang auf und rannte weiter dem Fuchs nach.
Schnaubend schritt Leon durchs Dickicht, auf der Suche nach dem Fuchs, den sie aus den Augen verloren hatten. ,,Wo ist dieses verdammte Vieh hin?", grummelte er. ,,Großer Bruder.", sagte Fayt plötzlich und deutete auf einen großen Baum, auf den der Fuchs zuging. Zwei kleine Füchse, gerade ein paar Monate alt, kamen unter dem Baum, der anscheinend hohl war, hervor. ,,Sie hat Kinder.", sagte Leon mit großen Augen. ,,Ist das ihre Mutter?", fragte Fayt. ,,Ja...", sagte Leon kleinlaut, während die Füchse sich auf den Hasen stürzen und ihn aufzufressen begannen. Leon und Fayt wurde schlecht vom Anblick. ,,Verzichten wir auf Fleisch und essen lieber Fische.", schlug Leon vor.


Aus langen Ästen und Lianen bastelten sie sich zwei Angeln, mit denen sie sich an den felsigen Bereich des Strandes setzten und zu angeln begannen, Leons Wunde notdürftig mit Palmenblättern verbunden. Am Anfang noch guter Dinge, war die Stimmung der beiden am späten Nachmittag auf dem Tiefpunkt. ,,Ich frage mich, ob Füchse essbar sind...", röchelte Leon mit knurrendem Magen. ,,Beruhig dich...", meinte Fayt, ebenfalls mit knurrendem Magen. Plötzlich zuckte es an Leons Angel. Leon zog und ein Fisch hing daran. ,,Ja!", riefen beide Jungen fröhlich und stürzten sich darauf. ,,Feuer!", schrie Leon und begann ein Stück Holz an einem großen Holzscheitel zu reiben, während Fayt mit aller Kraft pustete.
,,Essen!", jubelten die beiden eine viertel Stunde später, als der Fisch fertig gebraten über dem Feuer hing. ,,Hauen wir rein!", riefen sie, als etwas Großes hinter ihnen plötzlich auf dem Boden aufstampfte. Die beiden Brüder wandten sich um und blickten direkt in das Gesicht (oder besser die Maske ^^) des Mannes von gestern Nacht. Kreischend rannten sie davon. Der Mann trat das Feuer aus, nahm sich den Fisch und aß.
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Fayt saß am Feuer, das er gemacht hatte und über dem die Fische brutzelten, und wartete auf Leon. Die Gestalt beobachtete ihn von einem Gebüsch aus ganz genau. ,,Okay.", sagte Fayt, als die Fische fertig waren und machte sich auf, nach Leon zu suchen. Die Gestalt stürmte los.
Leon stand an einem Baum, an dem sich dreißig Einkerbungen befanden, als Fayt ihn fand. ,,Großer Bruder.", sagte Fayt. ,,Was ist los?", fragte Leon und sprang auf, als Fayt ihn am Ohr packte. ,,Jetzt komm schon.", sagte Fayt und zog ihn am Ohr mit sich. ,,Aua...", flennte Leon.
Beide stutzten, als sie zum Feuer zurückkehrten, das nun ausgetreten war, von den Fischen nur noch die Gräten übrig. ,,Was ´n das?", fragte Leon Fayt. ,,Was soll das denn?", fragte Fayt aufgebracht. ,,Nur weil du hungrig warst, musstest du doch nicht gleich so den Platz hier verwüsten, großer Bruder!" ,,Das war ich nicht.", sagte Leon. ,,Aber da ist doch ein Handabdruck.", sagte Fayt und deutete auf den Abdruck am Boden. ,,Schau richtig hin. Dieser Abdruck ist von einer linken Hand.", sagte Leon und legte seine linke Auto-Mail-Hand auf den Boden, wobei aufgrund der Metallform ein ziemlich kantiger Abdruck entstand, ganz anders als der Abdruck, auf den Fayt gedeutet hatte. ,,Hier ist also jemand...", murmelte Leon. ,,Jemand?", wiederholte Fayt. ,,Du meinst...?" ,,Sensei könnte uns aus diesem Grund hierher gebracht haben.", meinte Leon und stand wieder auf. Er ging los. ,,Großer Bruder, wohin gehst du?", fragte Fayt. ,,Sehen wir uns um, während wir nach Essen suchen.", meinte Leon und ging weiter. Fayt folgte ihm.
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Leon ritzte mit dem Dolch zwei Kerben in einen Baum, eine für jeden Tag, den sie bereits auf der Insel verbracht hatten. ,,Ich gebe nicht auf!", fauchte er. ,,Nur noch 28 Tage!"
Die beiden begannen, aus Stöcken Speere zu basteln und zu lernen, wie man ein richtiges Lagerfeuer machte.
Mit den Speeren gingen sie auf Fischjagd, jedoch mit nicht besonders viel Erfolg.
Vögel waren auch nicht besonders leicht zu erwischen, da sie immer im letzten Moment davonflogen.
Und was die Fallen anging, die sie bauten, so landeten sie mehr darin als die Tiere, die sie eigentlich damit fangen wollten.


Vier Kerben am Baum...
Jede Nacht zog der Mann mit der Maske seine Runden, und Leon und Fayt versteckten sich notgedrungen in den Gebüschen vor ihm.


Sieben Kerben am Baum...
Da die Jagd nach Tieren bisher fast immer erfolglos gewesen waren, machten sie sich daran, nach anderen Ressourcen zu suchen und fanden Pilze, von denen ihnen unsagbar schlecht wurde.
Angeln brachte immer noch keinen Erfolg, und die beiden wurden abgemagerter und abgemagerter. Leons Bisswunde hatte sich mittlerweile entzündet.
,,Hey...", stöhnte Leon am Abend, nachdem sie endlich wieder Erfolg beim Fischen gehabt hatten, und nun auf dem Bett aus Palmenblättern lagen, das sie sich gebaut hatten. ,,Warum sind wir nochmal hier?" ,,Weiss ich nicht...", röchelte Fayt, vor Erschöpfung halb am Schlafen. Es begann zu regnen, und die beiden wurden vollkommen durchnässt.


Zehn Kerben am Baum...
Es regnete immer noch ununterbrochen. Mittlerweile hatten sich die beiden ein kleines Zelt aus Hölzern, die sie mit Palmenblättern bedeckt hatten, gebaut. Eine Ratte lief am Zelt vorbei und blieb schnüffelnd bei den Gräten stehen, die sie als Lockvogel ausgelegt hatten. Fayt folgte sie fangen, doch sie ergriff schnell die Flucht. ,,Was wohl passiert, wenn wir hier sterben?", fragte Leon, sich an die eiternde Wunde am linken Arm packend. ,,Nein...", keuchte Fayt. ,,Winry und Tantchen Pinako wären dann richtig traurig. Und es gibt immer noch Dinge, die ich tun will. Was hat das hier bloß mit Alchemie zu tun?!?" Er brach weinend im Regen am Boden zusammen. ,,Ich hasse es hier... Ich will nach Hause."
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Leon kletterte einen Baum hinauf, um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. ,,Wo ist dieser Typ wohl?", fragte er sich.
Fayt wanderte in der Zwischenzeit durch hohes Gras, die Augen nach einem Menschen offen haltend. An einem Baum hingen Pilze. Fayt studierte sie nach ihrer Essbarkeit. ,,Da hätten wir ja was zu essen für meinen großen Bruder.", sagte er zufrieden und pflückte die Pilze. Als er sich wieder aufbäumte und geradeaus sah, erblickte er eine Person in der Ferne. ,,Großer Bruder!", rief er. ,,Schau mal hierher! Schau!" Die Person rannte los. ,,Großer Bruder?", fragte Fayt verdutzt. ,,Was ist denn los mit ihm?" ,,Hast du nach mir gerufen?", fragte Leon, der sich an einer Liane zu ihm hinabschwang. ,,Großer Bruder!", rief Fayt verdattert. ,,Aber wer war dann das da vorhin?"
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Leon und Fayt waren von dem Mann mit der Maske gegen eine Felswand gedrängt worden, der Regen unaufhaltsam auf sie niederprasselnd. ,,Haaaaaaa!", schrie der Mann und trat Leon in den Bauch. Keuchend flog er in den Matsch und rutschte mehrere Meter hindurch. Seine Wunde am Arm blutete wieder. ,,Mistkerl!", schrie Fayt und holte mit einem dicken Stock nach dem Mann aus, den dieser zur Seite trat. Fayt erstarrte, seiner Waffe beraubt. Der Mann begann wie wild auf ihn einzuprügeln. Stöhnend kam Leon, der kurzzeitig bewusstlos gewesen war, wieder zu sich und erblickte am Boden neben ihm eine tote Fliege, die von Hunderten von Ameisen auseinandergenommen und abtransportiert wurde. ,,Eine Fliege?", murmelte er. ,,Ich verstehe... Sie ist gestorben." Er starrte weiter die tote Fliege an. ,,Tod... Wenn wir sterben... passiert genau das Gleiche mit uns..." Tränen rannen seine Augen hinab, während in der Ferne Fayts Schmerzensschreie zu ihm hinüber drangen. Er sah seine tote Mutter vor Augen und schrak hoch. ,,Lass Fayt gehen.", sagte er mit zittriger Stimme zu dem Mann, der den völlig fertigen Fayt mit einer Hand hochhielt. Der Mann wandte sich um und sah Leon mit dem Dolch auf ihn zugehen. ,,Lass Fayt los.", wiederholte Leon und kam näher. Der Mann sah ihn eine Zeit lang an, dann ließ er Fayt fallen und ging davon. Leon ließ das Schwert fallen und sank haltlos zitternd zu Boden.


,,Wir haben darüber gesprochen, was passieren würde, wenn wir hier sterben, erinnerst du dich?", sprach Leon am nächsten Tag, endlich ohne Regen, mit Fayt. ,,Ja. Eine Menge Leute wären deprimiert.", sagte Fayt nickend. ,,Das ist objektiv betrachtet richtig.", stimmte Leon zu. ,,Aber wenn wir es subjektiv betrachten... Wenn ich sterben würde, würde es in der Welt einfach so weitergehen, als ob nichts gewesen wäre." ,,Du bist schließlich nur eine kleine Existenz.", meinte Fayt. ,,Sag nicht klein!", fauchte Leon und verpasste ihm eine Kopfnuss. ,,Nun, wenn diese kleine Existenz, in diesem Fall ich, sterben würde, würde der Körper zurückbleiben." ,,Wasser, Karbon, Ammonium, Kalk, Phosphor, Nitrat, Salz, Sulfur, Magnesium, Fluor, Mangan, und Aluminium, richtig?", sagte Fayt. ,,Ja.", sagte Leon. ,,Der Körper ist nur eine Kombination aus diesen und einigen anderen Elementen. Uns ist es bestimmt, von Bakterien zersetzt zu werden und Nahrung für Pflanzen zu werden. und diese Pflanzen werden zur Nahrung für Pflanzenfresser." ,,Und diese Pflanzenfresser werden zur Nahrung für Fleischfresser.", setzte Fayt fort. ,,Diese Dinge bewegen sich in einem Zyklus, selbst an Orten, an denen wir es gar nicht gewahr werden." ,,Der große Fluss, der nicht mit bloßem Auge gesehen werden kann...", murmelte Leon. ,,Ich weiss nicht, ob wir dies das All oder die Welt nennen... Aber du und ich sind nur ein kleiner Teil dieses Flusses." Er sah auf eine Ameise, die über seinen Finger krabbelte. ,,Der Eine - One - ist alles - All. Aber das Alles - All - existiert nur, wen die Einen - Ones - zusammengetan werden. Diese Welt fließt, indem sie einem großen Gesetz folgt, das wir uns nicht einmal richtig vorstellen können. Um diesen Fluss zu kennen, zu zersetzen, und neu aufzubauen..." Die beiden Brüder sahen zum Mond auf. ,,Das ist Alchemie.", sagten beide.


Eine Schlange schlängelte über den Baum, auf dem Leon und Fayt die Kerben einritzten. Der Dolch wurde geworfen und traf sie genau am Kopf. ,,30 Tage!", rief Leon mit Blick auf die 30 Einkerbungen. ,,Und wir haben unser Frühstück gefangen!", fügte Fayt mit Blick auf die Schlange hinzu.


Am Mittag kam Izumi mit dem Boot auf die Insel und sah zu Leon und Fayt, die vor ihr auf dem Boden knieten. ,,Das ist der Tag der Entscheidung.", sagte sie. ,,Sagt mir die Antwort zu "One is All, All is One"." ,,All ist die Welt!", rief Fayt. ,,Und One bin ich!", rief Leon. Izumi sah sie kurz an, dann lachte sie amüsiert angesichts der ernsten Gesichter, die die beiden Jungen machten. ,,Sehr schön.", sagte sie schließlich. ,,Fangen wir mit dem richtigen Training an." ,,Yippie!", jubelten die beiden Jungen und klatschten in die Hände.
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,,Sieht aus, als hätten wir die Person nicht finden können.", seufzte Fayt am Abend beim Lagerfeuer. ,,Was soll´s!", sagte Leon schulterzuckend. ,,Wir wissen jetzt, was Sensei uns sagen wollte." ,,Ja.", stimmte Fayt zu. ,,Damals haben wir die Antwort gerade noch so hinbekommen.", sagte Leon gedankenversunken. ,,Aber das war nicht genug. Wir mussten damals eine weitere Erfahrung machen..." Er packte sich an seinen Auto-Mail-Arm. ,,Dass es einen Fehler war, unsere Mutter zu mutieren." ,,Vielleicht ist das, was wir versucht haben...", begann Fayt. ,,Sensei wusste es wahrscheinlich und..."


Am nächsten Tag traf Izumi mit dem Boot, Mason am Steuer, am Strand der Insel ein und sah zu Leon und Fayt, die vor knieten. ,,Habt ihr euch erinnert?", fragte Izumi die beiden. ,,Ja!", antworteten beide. ,,Habt ihr es erkannt?", fragte Izumi weiter. ,,Ähm, Sensei, Ihr wolltet uns sagen...", begann Fayt. ,,Es ist wahr, dass wir unsere Mutter mutiert haben...", sagte Leon und sah zu Boden. ,,Und meine Auto-Mails und Fayts Metallkörper sind das Ergebnis dieses Versuchs..." ,,Aber deswegen versuchen wir auch, alles zurückzubekommen!", sagte Fayt entschlossen. ,,Wollt ihr etwas zurückerhalten, das ihr aufgrund eines Fehlers verloren habt, indem ihr einen weiteren Fehler begeht?", fragte Izumi. Fayt erstarrte und sah ebenfalls zu Boden. ,,Wir könnten falsch liegen...", gestand Leon ein. ,,Aber... Was sollen wir sonst tun?" Izumi sah ihn an. ,,Wir werden weiter nach vorne schreiten.", fuhr Leon fort. ,,Wir sind... immer noch am Leben!" ,,Ist das eure Antwort?", fragte Izumi. ,,Ja!", anworteten beide. ,,Dann...", begann Izumi, stoppte aber, als sie etwas von den Gebüschen her hörte. ,,Ist da jemand?", rief sie. ,,Was redet Ihr?", fragte Leon verdutzt und wandte sich mit Leon um. ,,Jemand hat damals auch schon auf dieser Insel gelebt." ,,Vielleicht ist es wieder die maskierte Person von damals.", meinte Fayt. ,,Das ist nicht möglich...", sagte Mason kichernd. ,,Das war nämlich ich." Leon und Fayt erstarrten. ,,Was meinst du damit!?!", schrie Leon. ,,Ich hab ihm gesagt, er soll auf euch aufpassen, damit ihr nicht sterbt.", eklärte Izumi. ,,Dann...", begann Fayt. ,,Es sieht aus, als hätten wir keine Zeit, diese Sache genauer zu diskutieren.", sagte Izumi und sah wieder zu den Gebüschen. Leon und Fayt wirbelten erneut herum und erblickten einen Jungen mit hüftlangen, moosgrünen Haaren, seine Augen dunkelgrün, die Kleidung dieselbe Farbe wie die Haare, fröhlich lächelnd.
Wer war dieser Junge bloß?!?


Vorschau Kapitel 29: Unschuldiges Kind: ,,Großer Bruder, ich... hab eine alte Wunde an seiner linken Schulter gesehen... Ist das...?"

Donnerstag, 27. September 2007

Tales of Alchemy Kapitel 27: Sensei

,,Ein Notfall, großer Bruder!", kreischte Fayt, der ins Zimmer gestürmt kam. Der riesige Mann, der die Stadt durchstreift hatte und Fotos herumgezeigt hatte, betrat mit ernstem Blick ebenfalls den Raum. Leon kreischte auf und sank bewusstlos auf die Couch zurück. ,,Kennst du ihn Leon?", fragte Winry ihn und stupste ihn an, damit er wieder zu sich kam. ,,Das b-bedeutet...", stammelte Leon, rannte zum Fenster des Zimmers, klappte es auf und wollte hinausspringen. Doch jemand, der draußen gewartet hatte, trat ihn wieder zurück ins Zimmer, wo er benommen am Boden lag. ,,Und wohin genau wolltest du davonrennen?", fragte eine sehr wütende Frauenstimme. ,,Leon? Ich kann deine Handlungen ganz leicht vorhersehen!" Eine japanisch aussehende Frau mit Rasterlocken stieg durch das Fenster in den Raum, auf ihrer Brust ein Stab, um den sich eine Schlange schlängelte: Das Zeichen der Alchemie. Es war dieselbe Frau, die auch schon im Krankenhaus in Central City mit ihrem Mann - dem Riesen, der ebenfalls im Zimmer war - aufgetaucht war und von Ross verlangt hatte, dass sie ihr sagt, wo sich die Elric-Brüder befinden. ,,S-Sensei...", stammelte Leon, kreidebleich. ,,Warum seid Ihr hier?" ,,Sensei?", wiederholte Winry verdutzt, die nicht wusste, was das Wort bedeutet ("Sensei" ist der japanische Begriff für "Lehrerin"). ,,Sie ist unsere Lehrerin, die uns die höhere Alchemie gelehrt hat.", erklärte Leon ängstlich mit Blick zu der Frau, die nun die Arme verschränkt hatte. ,,Wo ist Fayt!?!", brüllte sie zornig. ,,Ja!" rief Fayt und stand sofort kerzengerade. ,,Oh, tut mir Leid.", entschuldigte sich die Lehrerin bei ihm. ,,Danke, dass Sie uns hierher gebracht haben, obwohl Sie so viel zu tun haben. Wüssten Sie vielleicht auch, wo sich Fayt aufhält?" ,,Ähm, nun...", begann Fayt und deutete auf sich selbst. ,,Ich bin Fayt..." ,,Oh, wirklich? Ich verstehe, ich verstehe.", sagte die Lehrerin lächelnd, stutzte dann aber. ,,Was?", fragte sie verdattert. Fayt wich leicht vor ihr zurück. Doch schon wenige Sekunden später hatte sie ihn am Arm gepackt und mit einem gezielten Wurf zu Boden neben Leon befördert. ,,Dachtest du, du könntest mir entkommen, indem du dich verkleidest!?!", brüllte die Lehrerin. ,,Wir haben von den Gerüchten gehört! Ihr idiotischen Schüler! Ihr habt euch gegen meine Lehren gewandt und habt euch selbst erniedrigt, indem ihr Militärhunde geworden seid!?!" Schnell versteckte sich Leon zitternd hinter Winry.

,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Roy saß im Hauptquartier von East City und spielte mit einem alten General Schach. ,,Ein offizieller Versetzungsbefehl ist hier eingetroffen.", sagte der alte General während des Spiels. ,,Ab nächster Woche werden Sie in Cenral City arbeiten." ,,Verstanden.", sagte Roy. ,,Dieser Ort wird nicht derselbe ohne Sie sein.", seufzte der alte General wehmütig. ,,Sie haben einige außerordentliche Dinge hier vollbracht." ,,Überhaupt nicht.", antwortete Roy bescheiden. ,,Das ist doch nichts im Vergleich zu dem, was Sie getan haben, als Sie jung waren, General." Er stieß eine der Figuren des Generals vom Feld. ,,Ah...", stammelte der General erschrocken. ,,Keine Wiederholung, General.", kicherte Roy. ,,Dank Ihrer Handlungen hatte ich hier eine so schön ruhige Zeit.", sagte der General, während er seinen Zug machte. ,,Tut mir Leid, das zu hören.", entgegnete Roy und machte seinen Zug. ,,Schachmatt." ,,Nun hab ich - traun fürwahr - doch noch verloren!", grummelte der alte General und packte das Spielbrett zusammen. ,,Betrachten Sie das als Abschiedsgeschenk von mir, Mustang." ,,Ich nehme es mit Ehre an.", sagte Roy. Der alte General stand auf. ,,General?", begann Roy fragend. ,,Hmm?", machte der General. ,,Wenn ich um einen weiteres Abschiedsgeschenk bitten dürfte, würde ich gerne ein paar Untergebene von hier mit mir nach Central City mitnehmen." ,,Sicher doch.", entgegnete der alte General nickend. ,,Und nehmen Sie das hier." Er reichte Roy das zusammengeklappte Schachbrett. ,,Ich danke Ihnen.", bedankte sich Roy lächelnd bei ihm.


Direkt am frühen Morgen, stiegen Leon, Fayt, Winry, die Leherin und ihr Ehemann in de nächsten Zug nach Dublith, der Heimatstadt der Lehrerin. ,,Seid ihr in Ordnung, ihr beiden?", fragte Winry Leon und Fayt, die aneinander gefesselt im Abteil saßen. ,,Wir hatten nicht erwartet, dass Sensei uns verfolgen würde, richtig, großer Bruder?", seufzte Fayt. ,,Autsch... Verdammt.", fluchte Leon und sah zu dem Tisch in der Nähe, wo seine Silbertaschenuhr mitsamt des Frühstücks lag, das die Lehrerin und ihr Mann aßen. ,,Sie hat mir auch noch meine Taschenuhr abgenommen. Sieht aus, als wären wir auf direktem Weg nach Dublith. ,,Aber ich war schon überrascht...", meinte Winry. ,,Da sie eine Lehrerin ist, hatte ich eine faltige Person erwartet, keine hübsche Frau." ,,Was redest du denn da? Du hast sie doch schon einmal getroffen.", erinnerte Leon sie. ,,Wir sind offiziell ihre Schüler in Rizenbul geworden.", erklärte Fayt. ,,In Rizenbul?", wiederholte Winry verwundert und versuchte sich zu erinnern. ,,Erinnerst du dich an den Tag, als es so stark geregnet hat?", fragte Fayt.
Der zehnjährige Leon, der neunjährige Fayt, und die zehnjährige Winry waren aus der Schule gegangen und auf dem Heimweg. ,,ECW: 26 Prozent...", hatte Fayt angefangen aufzuzählen. ,,ICW: 34 Prozent... Lipide: 19 Prozent... Proteine: ähm..." ,,Vielleicht geht das schneller von statten, wenn wir zuerst die Zusammensetzung eines Menschen untersuchen.", hatte Leon vorgeschlagen. ,,Hey, was untersucht ihr beiden denn in letzter Zeit so intensiv?", hatte Winry die beiden gefragt. ,,Das ist ein Geheimnis!", hatten beide Jungen auf einmal gesagt. ,,Das geht dich überhaupt nichts an!", hatte Leon gesagt und war losgerannt. ,,Das ist unfair! Immer müsst ihr Geheimnisse vor mir haben!", hatte Winry beleidigt gerufen. ,,Tschau!", hatte Fayt gesagt und war ebenfalls losgerannt. ,,Heute Abend gibt es Pizza!", hatte Winry ihnen nachgerufen. ,,Ja!", hatte Fayt gerufen. ,,Bis später!", hatte Leon gerufen. ,,Mann, die Person, die Pizza erfunden hat, war ein echtes Genie!", hatte Leon gesagt, während sie über eine Brücke gewandert waren. ,,Es hat diese widerliche Substanz Milch in sich, aber schmeckt trotzdem einfach genial!" ,,Das ist aber ein komischer Grund.", hatte Fayt gemeint. ,,Die Idee, Milch verfaulen zu lassen, und das Verfaulte dann als Zutat zu benutzen, ist einfach genial.", hatte Leon heiter gesagt. ,,Genau so müssen Wissenschaftler sein: Nicht immer nur so einseitig die Dinge sehen, sondern auch mal was anderes probieren."
Zu Hause hatten sich die beiden Brüder sofort in das Arbeitszimmer ihres Vaters begeben und die Bücher in diesem Zimmer zu lesen. Ein Sturm war draußen aufgezogen und es hatte zu regnen begonnen.
Schließlich hatte Leon genervt das Buch, in das er mehr Stunden vertieft gewesen war, zur Seite geworfen. ,,Allein zu lernen hat auch seine Grenzen, großer Bruder.", hatte Fayt zu ihm gesagt. ,,Das, was wir vorhaben, ist unmöglich mit unserem begrenzten Wissen allein." ,,Ja...", hatte Leon seufzend zugestimmt. ,,Was ist denn bloß der fehlende Faktor bei einer Menschlichen Mutation?", hatte Fayt gegrübelt. ,,Warum ist es überhaupt verboten, eine Menschliche Mutation zu vollführen?", hatte sich Leon gefragt. ,,Vielleicht weil es eine gefährliche Mutation ist, bei der bis jetzt jeder gescheitert ist.", hatte Fayt vermutet. ,,Erinnerst du dich noch an die Geschichte von dieser Stadt, die in einer einzigen Nacht vom Erdboden verschwunden ist?" ,,Redest du über die Geschichte des Steines der Alchemisten in der Östlichen Wüste?", hatte Leon gefragt. ,,Ja.", hatte Fayt geantwortet, während Leon nach einem anderen Buch gegriffen hatte. ,,Sie hatten dort versucht, einen perfekten Mensch zu erschaffen, und die Bewohner wurden von der dadurch über sie hereinziehenden Katastrophe erwischt." ,,Das ist nur ein Märchen.", hatte Leon gesagt und in dem neuen Buch herumgeblättert. Plötzlich war er erschrocken. ,,Hmm?", hatte Fayt fragend gemacht. ,,Seine Aufzeichnungen...", hatte Leon gemurmelt. Fayt war zu ihm gerückt und hatte sich die Aufzeichnungen in dem Buch, die ihr Vater erstellt hatte, ebenfalls angeguckt: Alle Seiten waren mit Runen, geometrischen Formen, Graphen, Formeln und verschlüsselten Sätzen versehen. ,,Wenn wir das verstehen können...", hatte Leon begonnen. ,,Aber... Da steht ganz vorne, dass Menschliche Mutation verboten ist.", hatte Fayt zögerlich gesagt. ,,Wir haben und bereits entschieden, Fayt...", hatte Leon gesagt. ,,Wir werden Mama wiedererwecken."


Die beiden Jungen waren durch den Sturm zum Haus der Rockbells gewandert, um dort zu Abend zu essen. Mittlerweile war aus dem Sturm ein heftiges Unwetter mit peitschendem Regenguss und Gewitter geworden. Bei jedem Donnergrollen war Winry ängstlich zusammengezuckt. ,,Ich hoffen nur, dass der Staudamm nicht bricht.", hatte Pinako besorgt gesagt. Die beiden Brüder hatten sich angesehen, sich zugenickt und waren dann aus dem Haus gerannt. ,,Kommt sofort zurück, ihr beiden!", hatte Pinako ihnen nachgerufen. ,,Wir werden helfen gehen!", hatte Leon ihr zugerufen.
Der Fluss, der seit jeher an Rizenbul vorbeifloss, hatte seinen Höchststand erreicht, und der Staudamm hatte zu brechen gedroht. Die Männer Rizenbuls hatten sich alle vor dem Damm zusammengefunden, um Säcke darauf zu türmen und zu verhindern, dass das Wasser überfloss. ,,Hey! Mehr Säcke!", hatte einer der Männer den anderen zugerufen, die Säcke mit Sand gefüllt hatten. Doch er hatte gestutzt, als er zwei Kinder gesehen hatten, die direkt vor dem Staudamm gekniet hatten. ,,Hey! Was macht ihr da?!? Es ist gefährlich hier!", hatte der Mann den beiden, Leon und Fayt, zugerufen, die vor einem Blatt Papier gekniet hatten, auf das sie einen Mutations-Zirkel gezeichnet hatten. ,,In Ordnung.", hatte Leon gesagt und den Mutations-Zirkel berührt. Ein Fels war schlagartig in die Höhe geschossen und hatte ein Loch, durch das Wasser geflossen war, gestopft. ,,Ja!", hatte Leon jubelnd gerufen, doch im nächsten Moment war der Fels zerbrochen worden durch den Druck, den das Wasser daraus ausübte. Schreiend waren die beiden Jungen vor dem Wasser zurückgewichen, das nun im großen Ausmaß auf sie geschossen war; das Papier mit dem Mutations-Zirkel war dabei weggespült worden. ,,Großer Bruder, was jetzt?", hatte Fayt besorgt Leon gefragt. ,,Hey! Was machen Sie da?!?", hatte ein Mann gerufen. Die beiden Jungen waren herumgewirbelt und hatten eine japanisch aussehende Frau mit Rasterlocken erblickt, die oberhalb ihrer Brust ein Tattoo - ein Stab, um den sich eine Schlange schlängelte - hatte: Das Zeichen der Alchemie. ,,Hier ist es gefährlich, also bleiben Sie zurück.", hatte die Frau die Männer gewarnt. ,,Das ist unser Satz!", hatte ein Mann empört gerufen. ,,Beeilen Sie sich und rennen Sie davon!" Ein riesiger Mann mit ebenso riesigen Muskeln kam dazu und hatte den Mann drohend angeschaut. ,,Äh... Gar nichts, gar nichts...", hatte der Mann kleinlaut gesagt und war zurückgewichen. Die Frau hatte in die Hände geklatscht und den matschigen Boden berührt. Sofort war der alte Staudamm in unglaubliche Höhe gewachsen und die Löcher hatten sich wieder geschlossen. Rizenbul war wieder sicher. Die Männer und Leon und Fayt waren vor Schreck erstarrt. ,,Das kann doch nicht sein...", hatte Leon gestammelt. ,,Sie hat das ohne einen Mutations-Zirkel gemacht..." ,,Und sie hat diese enorme Masse binnen einer Sekunde erschaffen!", fügte Fayt bewundernd hinzu. ,,Das müsste eine Weile halten.", hatte die Frau gesagt, deren Mann ihr nun einen Regenschirm hinhielt. ,,Unglaublich...", hatte ein Mann ehrfürchtig gesagt. ,,Wer sind Sie?" ,,Nur eine Hausfrau, die zufällig in der Gegend war.", hatte die Frau fröhlich geantwortet, auf einmal Blut gespuckt und war dann am Boden zusammengebrochen. ,,Wo ist hier das Krankenhaus?!?", hatte ihr Ehemann die anderen Männer angeschrien.


Am nächsten Morgen hatte es, so schien es, das ganze Dorf im Zimmer des Krankenhauses, in das die Frau gebracht worden war, versammelt. ,,Sie haben uns wirklich gerettet.", bedankte sich einer der Dorfbewohner bei der Frau, die im Bett saß. ,,Sie sind die Retterin Rizenbuls." ,,Entschuldigt. Lasst mich durch.", hatte Leon gesagt und sich mit Fayt durch die Menge nach vorne zum Bett durchgezwängt. ,,Hmm?", hatte die Frau fragend mit Blick auf die beiden Jungen gemacht. ,,Ähm, alte Lady...", hatte Leon begonnen. Eine Sekunde später hatte die Frau ihr Bett nach den beiden Jungen geworfen. ,,Wen nennst du hier eine alte Lady!?!", hatte die Frau zornig gebrüllt. ,,T... Tut uns Leid...", hatte Fayt, entsetzensstarr, gestammelt. Die beiden hatten sich vor ihr zu Boden geworfen. ,,Bitte machen Sie uns zu Ihren Schülern...", hatte Leon gebeten. ,,Junges Fräulein.", hatte er lächelnd hinzugefügt. ,,Schüler?", hatte die Frau verdutzt wiederholt. ,,Wir beherrschen ein wenig Alchemie.", hatte Fayt erklärt. ,,Wir wollen besser darin werden!", hatte Leon gesagt. ,,Also bitte..." ,,Nein!", hatte die Frau einfach nur gesagt und sich von ihnen abgewandt. ,,Warum?!?", hatte Leon aufgebracht gefragt. ,,Ich akzeptiere keine Schüler.", hatte die Frau gesagt. ,,Ich habe ein Geschäft, das ich betreiben muss, also muss ich nach Dublith zurückkehren." Die beiden Jungen hatten sich an ihrem Bein festgeklammert. ,,Bitte nehmen Sie uns mit sich! Machen Sie uns zu Ihren Schülern!", hatten beide Jungen weinend gebettelt. ,,Hört auf zu fragen!", hatte die Frau gefaucht und versucht, die beiden von ihrem Bein abzuschütteln, doch sie hatten sich eisern festgehalten. ,,Was wollt ihr beiden überhaupt erreichen, indem ihr Alchemie lernt?!?", hatte sie die beiden gefragt. Die beiden hatten sich wieder vor ihr hingekniet. ,,Ähm...", hatte Leon begonnen. ,,Wir wollen für andere von Nutzen sein.", hatte er schließlich gelogen. ,,Habt ihr auch eine Erlaubnis von euren Eltern?", hatte die Frau gefragt. Die beiden waren erstarrt und hatten zu Boden gesehen. ,,Nun...", hatte Leon begonnen. ,,Diese beiden Jungen haben keine Eltern.", hatte Pinako gesagt, die mit Winry, die sich hinter ihr versteckt hatte, vorgetreten war. ,,Ich passe zur Zeit auf sie auf.", hatte Pinako weiter erklärt. Auf einmal hatte die Frau sehr traurig dreingeschaut und in die entschlossenen Gesichter der beiden Jungen gesehen. ,,Sieht aus, als wäre ich zu weichherzig in solchen Situationen.", hatte sie schließlich geseufzt, sich zu den beiden Jungen hinabgebeugt und jedem eine Hand auf die Schultern gelegt. ,,Einen Monat.", hatte sie gesagt und hatte sich zu Pinako umgewandt. ,,Werden Sie sie mir solange ausleihen? Ich will sie testen, um zu sehen, ob sie es würdig sind, von mir Alchemie gelehrt zu bekommen... und ich will sehen, ob sie Talent haben." ,,Und wenn sie kein Talent haben?", hatte Pinako gefragt. ,,Schicke ich sie sofort hierhin zurück.", hatte die Frau geantwortet. ,,Was ist, wenn wir den Test bestehen?", hatte Fayt gefragt. ,,Dann werde ich euch trainieren.", hatte die Frau gesagt. Die beiden Jungen hatten fröhlich gelächelt.


Gegen Mittag war der nächste Zug nach Dublith gefahren. ,,Wir werden nicht schon nach einem Monat wiederkommen.", hatte Leon Pinako und Winry versprochen, die zum Bahnhof gekommen waren, um sie zu verabschieden. ,,Ich wusste, du würdest das sagen.", hatte Pinako vergnügt gesagt.
Der Zug war losgefahren. ,,Training! Training!", hatte Leon während der Fahrt begeistert geträllert. ,,Ich wette, dort gibt´s ein riesiges Labor.", hatte Leon zu Fayt gesagt. ,,Ob wir wohl eine Menge Bücher lesen werden?", hatte sich Fayt gefragt. ,,Natürlich! Wir sind schließlich zum Trainieren da.", hatte Leon darauf gesagt. ,,Oh ja!", hatte Fayt auf einmal gesagt und sich zu der Frau, Izumi Curtiss, umgewandt, die neben ihm gesessen hatte. ,,Sensei, Ihr habt diese beeindruckende Mutations ohne Mutations-Zirkel vollbracht, richtig?" ,,Hmm?", hatte Izumi gemacht, da sie kurz eingenickt war. ,,Sensei, seid Ihr eine Nationale Alchemistin?", hatte Fayt gefragt. ,,VERGLEICHT MICH NICHT MIT EINEM MILITÄRHUND, DER OHNE ZU ZÖGERN JEMANDEN UMBRINGEN WÜRDE, WENN MAN IHM DEN BEFEHL DAZU GIBT!!!", hatte Izumi zornig losgebrüllt. Die beiden Jungen waren ängstlich vor ihr zurückgewichen...
,,Ich verstehe...", sagte Winry zu Leon und Fayt, die immer noch aneinandergefesselt waren. ,,Diese Person war also..." ,,So, hab´s geschafft.", sagte Leon und warf die Fesseln, die ihn und Fayt aneinander gebunden hatten, ab; Izumi und ihr Mann hatten das Abteil kurzzeitig verlassen ,,In Ordnung." Er sprang auf. ,,Hauen wir ab, Fayt." Er rannte los, kam aber nicht weit, da ihm seine eigene Silbertaschenuhr an den Hinterkopf geworfen wurde und ihn zu Boden beförderte. ,,Großer Bruder!", rief Fayt erschrocken und beugte sich zu Leon hinab. Er erstarrte jedoch, als er sah, dass Izumi und ihr Mann wieder zurück waren. ,,Habt ihr beiden immer noch nicht eure Lektion gelernt?", fragte Izumi wütend.
Breda saß in der Caféteria und spielte dort gegen einen anderen Soldaten ein altes Spiel namens Shogi. ,,Schachmatt.", sagte er schließlich, als er eines der komischen Holzbrettchen nach vorne bewegte und das Spiel gewann. ,,Noch mal...", schmollte der Soldat. ,,Nein, ich hab fair gewonnen.", kicherte Breda. ,,Das ist..", begann der Soldat beleidigt. Das Telefon an der Wand klingelte, und ein Soldat, der dem Spiel zugesehen hatte, nahm ab. ,,Hey, Breda!", rief er. ,,Telefon für dich!"
Havoc flirtete derweil mit einer Soldatin, die Telefondienst hatte. ,,Weißt du, letztes Mal hatten wir doch richtig Spaß.", sagte er zu ihr. ,,Also könnten wir doch dieses Wochenende..." Das Telefon klingelte. Sie wollte abnehmen, doch Havoc sagte: ,,Lass, ich mach schon.", und nahm den Hörer ab. ,,Hallo?", sprach er in den Hörer. ,,Ich bin gerade ein wenig beschäftigt, also..." Er brach ab, als er bemerkte, wer sich da auf der anderen Seite der Leitung befand.
Fury hatte erfolgreich ein Telefon im Hof des Hauptquartiers von East City repariert. ,,Jetzt ist es wieder in Ordnung.", sagte er zu dem Soldat, der draußen im Hof Aufsicht hatte. ,,Dankeschön!", bedankte sich dieser bei ihm und verbeugte sich vor ihm. Schlagartig klingelte das Telefon. Fury nahm ab. ,,Ja?", sprach er in den Hörer und ließ ihn vor Schreck fast wieder fallen, als er hörte, wer am Telefon war.
Hawkeye schoss zur Übung auf mehrere bewegliche Ziele, als plötzlich das Telefon im Übungsraum klingelte. ,,Darauf habe ich gewartet...", murmelte sie und schoss dem letzten Ziel aus Pappe den Kopf ab.
Farman stand in Roys Büro. ,,Bitte! Schließen Sie mich in Ihre Truppe ein!", bat er Roy. ,,Sie waren ein Untergebener Hughes, als Sie noch in seiner Untersuchungseinheit waren.", sagte Roy, als es an der Tür klopfte. ,,Herein.", sagte er. Breda, Havoc, Fury und Hawekeye betraten das Büro. ,,Sergeant Major Cain Fury...", begann Roy. ,,Second Lieutenant Heymans Breda, Second Lieutenant Jean Havoc, first Lieutenant Relena Hawkeye, und Warrant Officer Watteau Farman..." Farman sah auf. ,,Die Fünf, die ich gerade genannt habe, werde mit sofortiger Wirkung nach Central City versetzt. Ich werde keine Beschwerden akzeptieren. Sie kommen mit mir!" Die Fünf verbeugten sich vor ihm.


Gegen Mittag erreichten Leon, Fayt, Winry, Izumi und Izumis Mann Dublith, die Stadt im Süden. ,,Wir konnten nicht fliehen.", flüsterte Fayt deprimiert Leon zu. ,,Ja.", stimmte Leon ihm missmutig zu. ,,Mir läuft es schon eiskalt den Rücken runter, wenn ich nur daran denke, was sie mit uns anstellen wird. ,,Ja...", stimmte Fayt zu. ,,Sensei!", rief ein kleines Mädchen, das aus einem Haus gerannt kam. ,,Manny!", rief Izumi fröhlich und kniete sich zu dem kleinen Mädchen hinab. ,,Wie geht es Chico?" ,,Sie wird bald ihre Babys bekommen!", antwortete das Mädchen namens Manny und deutete auf die ziemlich dicke, graugetigerte Katze namens Chico, die neben der Haustür lag und schlief. ,,Wirklich? Dann wird das Haus ja bald richtig voll sein bei euch.", sagte Izumi lächelnd. ,,Izumi!", rief ein kräftig gebauter Mann, der einen Sack voll Kartoffeln trug und die Straße entlang ging. ,,Willkommen, zurück, Chefin." ,,Hallo, Mason.", begrüßte Leon den Mann namens Mason. ,,Oh? Leonard, ist ja schon ´ne Zeit lang her.", begrüßte Mason, der mindestens drei Köpfe größer war als Leon, und tätschelte ihm den Kopf. ,,Ahahahaha! Du bist ja sogar ´n Stück gewachsen!" ,,Das ist ziemlich nervig langsam...", grummelte Leon. ,,Oh? Wer ist denn der da?", fragte Mason mit Blick auf Fayt. ,,Oh, ich bin der kleine Bruder, Fayton.", antwortete Fayt, der mindestens zwei Köpfe größer als Mason war. ,,Wow! Bist du groß geworden!", rief Mason begeistert, während Leon schnaubte.


Sie gingen weiter zum Geschäft der Curtiss´, einem Restaurant, das auch gleichzeitig als Haus diente, und aßen dort. Jedenfalls aßen Winry, Izumi, ihr Mann und Mason. ,,Willst du nichts essen?", fragte Winry Leon, der sein Essen unberührt ließ. ,,Ähm... doch, mach ich...", fragte Leon und nahm prüfend einen Bissen, ängstlich, dass Izumi es aus Rache vergiftet haben könnte. ,,Iss einfach. Da ist nichts drin.", sagte Izumi nur. ,,Ja, Sensei.", sagte Leon und begann richtig zu essen. ,,Fayt, iss schon. Das schmeckt richtig gut.", sagte Mason zu Fayt. ,,Ähm... Ich bin satt.", log Fayt schnell, da er als Rüstung nun schließlich nichts essen konnte.
Schließlich war das Essen gegessen und Leon und Fayt hatten von ihren Abenteuern beim Militär zu erzählen angefangen. ,,Das war ja ´ne ziemlich gefährliche Reise.", meinte Mason. ,,Ihr solltet euch nicht auf so viele gefährliche Dinge einlassen.", meinte Izumis Mann tadelnd. ,,Aber es war nicht alles so schlimm.", sagte Fayt. ,,Wir haben sogar einigen Menschen geholfen. Oh ja! Wir haben sogar jemandem bei der Geburt eines Kindes geholfen." ,,Dummkopf, bist du sicher, wir haben dabei geholfen?", sagte Leon belustigt. ,,Wir haben die meiste Zeit nur vor Panik geschrien." ,,Stimmt.", erinnerte sich Fayt. ,,Aber Babys werden mit Unterstützung der ganzen Familie auf die Welt gebracht, wobei die Mutter sogar ihr eigenes Leben gefährdet... Und sie erhalten jedermanns Segen." ,,Das stimmt.", sagte Izumi und seufzte gedankenversunken. ,,ihr zwei seid genau so geboren worden. Seid stolz auf euer Leben." ,,Oh ja. Haben Sie eigentlich Kinder, Izumi?", fragte Winry neugierig. Mason sprang schlagartig auf und schlug die Hände auf den Tisch. Die anderen sahen ihn verwirrt an. ,,Na, das macht man doch bei der Alchemie, richtig! Die Hände da drauf knallen!", erklärte Mason, nicht gerade überzeugend. ,,Ihr beide habt euch darin verbessert, richtig? Zeigt mir, was ihr gelernt habt." ,,Sicher doch.", sagte Leon. Er und Fayt standen ebenfalls auf. ,,Ich komme mit.", sagte Winry und folgte ihnen nach draußen in den Vorgarten. ,,Izumi...", begann Izumis Mann. ,,Ich verstehe...", seufzte Izumi. ,,Sie haben also gesehen, wie neues Leben in diese Welt gekommen ist... Das ist eine gute Erfahrung für sie."
Draußen im Vorgarten hatte Fayt einen Mutations-Zirkel in den leicht sandigen Boden gemalt. ,,Okay. Ich fange an.", sagte er und legte seine Hände auf den Zirkel. Es gab einen Lichtblitz, und sogleich wellte sich ein Stück des Bodens auf und wurde zu einem Schaukelpferd. ,,Oh? Du bist ja wirklich besser darin geworden.", sagte Mason begeistert. ,,Ich bin als Nächstes dran.", sagte Leon und krempelte die Ärmel hoch. Drei kleine Kinder kamen angelaufen und rannten zu Izums Haus. Izumi und ihr Mann kamen nach draußen. ,,Sensei! Willkommen zurück!", begrüßten die drei Jungen sie. ,,Sensei, mein Zug ist kaputt gegangen.", sagte einer der Jungen und hielt seine kaputte Spielzeugeisenbahn aus Holz hoch. ,,Bitte machen Sie sie wieder ganz!" ,,Die Achse ist gebrochen.", sagte Izumi mit prüfendem Blick und nahm die Eisenbahn mit sich ins Haus. Sie nahm einen Zahnstocher, kam wieder in den Vorgarten zurück und begann zu arbeiten. ,,Was? Machen Sie sie doch wieder mit Alchemie ganz!", quengelte der Junge. ,,Nein.", sagte Izumi entschieden und fädelte den Zahnstocher in die gebrochene Achse ein. ,,Man sollte sich nicht immer nur auf Alchemie verlassen. Das, was man mit eigenen Händen reparieren kann, sollte man auch so reparieren. So, fertig." Sie gab dem Jungen die Eisenbahn zurück. ,,Sieht doof aus...", sagte dieser schmollend. ,,Tut mir Leid.", sagte Izumi. ,,Wenn du nicht willst, dass sie so repariert wird, dann geh vorsichtig damit, dass es auch nicht kaputt geht." ,,Danke!", bedankte sich der Junge und rannte mit den anderen beiden wieder davon. ,,Sensei! Sensei!", weinte das kleine Mädchen namens Manny von vorhin. ,,Was ist los, Manny?", fragte Izumi leicht besorgt und kniete sich zu ihr nieder. ,,Chico... Sie...", keuchte Manny.
Ein Hund stand knurrend und kläffend vor dem Haus, auf dessen Dach Chico lag. Doch die riesige Gestalt Fayts, der herbeigestürmt kam, brachte den Hund dazu, winselnd die Flucht zu ergreifen. ,,Chico ist da oben?", fragte Winry Manny, die nickte. ,,Los geht´s!", rief Leon und kletterte die Dachrinne hoch. Oben angekommen, erstarrte er kurz, als er das ganze Blut sah, das um Chico herumlag, zusammen mit ihren Jungen, die gierig an ihr saugten. Eines der Jungen begann gen Abgrund zu rollen. ,,Wah!", schrie Leon entsetzt, klatschte in die Hände und berührte die Hauswand. Izumie erstarrte, als eine Hand aus Stein aus der Hasuwand schoss, die das Kätzchen sanft auffing.
,,Chico...", jammerte Manny wenige Minuten später, als die tote Katze in Izumis Schoß lag. ,,Chico?" Sie sah zu Izumi auf. ,,Sensei, ist Chico kaputt?", fragte sie. ,,Nein, das ist es nicht...", sagte Izumi mit sanfter Stimme zu ihr. ,,Sie ist gestorben." ,,Sensei, bitte machen Sie sie wieder ganz!", bat Manny. ,,Sie können alles tun, richtig, Sensei? Dann müssten Sie auch..." ,,Das kann ich nicht.", sagte Izumi mit derselben sanften Stimme. ,,Ein Leben und ein Gegenstand sind zwei verschiedene Dinge. Ich bin kein Gott. Chicos Leben ist zu Ende, und es wird nicht wiederkehren." ,,Aber...", begann Manny weinend. ,,Aber... sie hat sich doch vorhin noch bewegt." ,,Ich kann Chicos Leben nicht erschaffen, aber ich kann ihr ein Grab machen, in Ordnung?", bot Izumi an.


Bei Sonnenuntergang standen sie alle an Chicos Grab auf einem Hügel ganz in der Nähe Dubliths, Manny weinend, Chicos Junge in einem Korb neben ihr. ,,Wenn du lebst, wird dein Leben auch irgendwann enden...", sprach Izumi. ,,Der Körper wird zur Erde zurückkehren. Gras und Blumen werden darauf wachsen. Die Seele wird die Herzen nähren... und sie wird in den Herzen anderer Menschen weiterleben. Alles in dieser Welt fließt und zirkuliert. Das gilt auch für das Leben eines Menschen."
Winry, Manny, Mason und Izumis Mann verließen den Hügel, während Leon, Fayt und Izumi zurückblieben. ,,Ich verstehe es alles...", begann Izumi. ,,Aber es ist immer noch schwer für mich, ein Kind den Tod verstehen zu lassen." ,,Sensei...", begann Leon. ,,Habt Ihr Euch je gewünscht, dass ihr die Toten ins Leben zurückholen könnt?" ,,Das ist bereits das zweite Mal, dass du mir diese Frage gestellt hast.", sagte Izumi.
,,Ich hab Euch nur aus Neugier gefragt...", hatte zehnjährige Leon im Vorgarten von Izumi gesagt, nachdem Izumi ihm und Fayt eine deftige Abreibung verpasst hatte. ,,Was soll das!?!" Er war auf Izumi zugesprungen, die ein Kochbuch gelesen hatte. ,,Die grundlegende Idee eines Mutations-Zirkels ist die Macht des Zirkels.", hatte Izumi sie belehrt, während sie das Kochbuch studiert hatte und Leons Angriffen ausgewichen war. ,,Ein Zirkel repräsentiert die Zirkulation dieser Macht. Indem man etwas zeichnet, das diesem gleicht - einen Zirkel also - ist die Macht in der Lage sich zu manifestieren." Sie hatte das Buch in die Höhe geworfen, einen Arm Leons gepackt und ihn zu Boden geworfen. Danach hatte sie sich um den heranstürmenden Fayt gekümmert, indem sie ihn gen Himmel befördert hatte. Sie hatte ihr Buch wieder aufgefangen, bevor es am Boden gelandet war. ,,Indem man den Fluss dieser Macht und dessen Gesetze kennt, kann man viele Dinge erreichen.", war Izumi fortgefahren." Fayt war im Blumenbeet gelandet. ,,Jemand, der dies alles akzeptiert, versteht, und erschafft: So eine Person nennt man einen Alchemisten." Sie hatte begonnen, die Schrammen der Jungen zu verarzten. ,,Die Welt fließt stetig. Eine Person, die stirbt, ist Teil dieses Flusses. Also darf man nicht daran denken, die Toten ins Leben zurückkehren zu lassen."
,,Fayt, diese Rüstung ist leer, richtig?", fragte Izumi Fayt. Leon, erschrocken, und Fayt sahen auf. ,,Leon, dein linker Arm und dein linkes Bein sind Auto-Mails, richtig?", fragte Izumi weiter. ,,Wie habt Ihr das herausgefunden?", fragte Leon verwirrt. ,,An dem Gewicht, als ich euch zu Boden geworfen habe, habe ich es bei Fayt herausgefunden.", antwortete Izumi. ,,Dein rechter Fuß macht beim Auftreten ein anderes Geräusch als dein linker Fuß, Leon. Dachtet ihr, das würde mir nicht auffallen? Dummköpfe." ,,Sensei...", begann Fayt. ,,Vorhin hast du keinen Mutations-Zirkel benutzt, richtig?", fragte Izumi Leon. Leon sah zu Boden. ,,Hast du... "es" gesehen?", fragte Izumi. ,,Ja...", antwortete Leon nach einigem Zögern. ,,Was ist passiert?", fragte Izumi. ,,Erzählt mir alles." ,,Sensei...", begann Leon zitternd und dachte zurück an den Moment, als ihre Mutter gestorben war. ,,Ich... Wir..." Dachte zurück an den Moment, als sie versucht hatte, eine Menschliche Mutation durchfzuführen, die vollkommen fehlgeschlagen hatte und Leons linkes Bein und Fayts ganzen Körper geraubt hatte. ,,Wir haben unsere tote Mutter transmutiert!", schrie er. Ein Schlag von Izumi beförderte ihn gegen einen Baum, von dem er hart abprallte und zu Bodne schlug. Fayt wollte zu ihm rennen, doch Izumi packte ihn ohne Vorwarnung und schleuderte ihn ebenfalls zu Boden. Sie ging auf Leon zu, packte ihn am Kragen, hob ihn hoch, und begann auf ihn einzudreschen. Eine halbe Stunde lang prügelte sie auf die beiden Jungen ein, die sich absolut nicht wehrten. Schließlich lagen die beiden ihr zu Füßen, vollkommen fertig. Schwankend stellte sich Leon wieder hin, während Fayt sich hinkniete. Izumi kam erneut auf sie zu. Leon schloss die Augen, einen nächsten Schlag erwartend, doch er kam nicht. Stattdessen fühlte er, wie Izumie ihn und Fayt zu sich zog. Er öffnete die Augen und stellte verdutzt fest, dass er und Fayt nun beide in Izumis Armen war. Sanft fuhr sie Leon mit der einen Hand durchs Haar, und sanft streichelte sie mit der anderen übers Fayts Helm. Fayt begann zu zittern, während Leon stumme Tränen das Gesicht hinabrannen und er die Augen wieder schloss, einfach nur Izumis Wärme fühlend.


Vorschau Kapitel 28: All is One, One is All: Ein Teil eines Ganzen, unbedeutend für das Ganze, wenn es verschwindet...