Dienstag, 28. August 2007

Tales of Alchemy Kapitel 12: Rotes Wasser

Leon, Fayt, Fletcher und Fletchers Bruder standen wie gelähmt in dem Zimmer, an dessen Tür, die zum Flur führte, es nun heftigst klopfte. ,,Meister Leon!", rief eine der Wachen vom Flur her. ,,Stimmt etwas nicht?" ,,Es ist nichts!", rief der ältere Bruder. ,,Ich hab ihnen doch gesagt, sich nicht einzumischen...", murmelte er. ,,Heh. Sieht aus, als würde man euch nicht vertrauen.", spottete Leon. ,,Vielleicht fühlt ihr euch ja besser, wenn ihr einfach ihre wahre Identität preisgebt. Fletcher war zur Tür gestürmt und malte mit einem Stück Kreide einen Mutations-Zirkel an selbige. ,,Fletcher?", fragte der Ältere verwirrt. Fletcher berührte den Zirkel, und sogleich schoss ein Baum in die Höhe, der den Durchgang versperrte. ,,Lauft weg! Beeilt euch!", rief Fletcher den Elric-Brüdern zu. ,,Großer Bruder...", sagte Fayt unschlüssig zu Leon. ,,Wenn sie euch schnappen, werden auch mein großer Bruder und ich in Schwierigkeiten geraten.", erklärte Fletcher ängstlich. ,,Bitte! Wir werden bald alles klarstellen!" Jemand trat mit brutaler Gewalt gegen die Tür. ,,Fayt, los geht´s!", rief Leon, sprang mit Fayt aus einem der Fenster und rannte in den Wald davon. ,,Tut mir Leid, großer Bruder...", entschuldigte sich Fletcher bei seinem Bruder.
,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)
Der ältere Bruder beugte sich über Fletcher und heilte mit dem Roten Stein die Wunden, die das Rote Wasser bei Fletcher verursacht hatte. ,,Du hast mir doch versprochen, keine Alchemie zu benutzen.", stutzte er Fletcher zurecht. ,,Vater hat es nie gemocht, wenn du es getan hast." Die Tür wurde nun mit einem letzten ohrenbetäubenden Schlag aufgestoßen und mehrere schwer bewaffnete Wachen und Magwar betraten den Raum. ,,Das ist schrecklich...", sagte Magwar mit Blick auf den verwüsteten Raum. ,,Meister Magwar...", begrüßte der Ältere ihn nickend. ,,Oh, ihr zwei seid also in Ordnung.", sagte Magwar. ,,Und der Stein?" ,,Machen Sie sich keine Sorgen. Hier ist er.", sagte der Ältere und hielt den Stein hoch. Magwar atmete erleichtert auf und starrte begierig auf den Stein. ,,Wie schön und groß er doch geworden ist." Er nahm den Stein. ,,Aber wir haben nicht mehr genügend Zeit. Bitte benutzt "diese spezielle Methode" so bald wie möglich." ,,Wir... müssen diese Methode nicht benutzen, um den Stein zu...", begann der Ältere unsicher. ,,Hmm? Du willst mir nicht gehorchen?", entgegnete Magwar mit strengem Blick. ,,N... Nein, ich...", begann der Ältere. ,,Es gab einst einen Mann, der genauso dahergeredet hat.", erzählte Magwar und holte ein kelchartiges Objekt aus Glas hervor, das mit dem Roten Wasser gefüllt war. ,,Er war ein Verlierer der davonzulaufen versuchte." Er ließ den Roten Stein in den Kelch fallen, der sofort blutrot aufleuchtete. ,,D... Das ist...", stammelte der Ältere erschrocken. ,,Solange ich diese Kelch und den Roten Stein habe, kann ich Alchemie nutzen, selbst wenn ich kein Alchemist bin...", frohlockte Magwar und richtete den Kelch auf die beiden Brüder, die sofort mit Seilen gefesselt wurden und zu Boden fielen. ,,Meister Magwar!", rief der Ältere aufgebracht. ,,Wundervoll!", jubelte Magwar und streichelte liebevoll über den Kelch. Er wandte sich den beiden Brüdern zu, lächelte boshaft und sagte: ,,Die richtigen Elric-Brüder haben - im Gegensatz zu euch beiden - blonde Haare und goldene Augen. Ihr beiden seid Nash Tringhams Söhne."
Leon und Fayt kamen in Vercios Haus an und versuchten sich leise in ihr Zimmer zu schleichen. ,,Ich hab ziemlich viel Krach von der Villa her gehört.", sagte Vercio, der, auf einem Sessel sitzend, bereits auf sie gewartet hatte. ,,Ähähähähähä...", lachte Leon verlegen. ,,Wirklich?" ,,Ihr seid schon wieder dort gewesen, oder?", sagte Vercio und seufzte. ,,Ihr beide seid einfach unbelehrbar." Ersticktes Husten kam von einem der Zimmer her. ,,Hmm? Ist Elisa immer noch hier?", fragte Fayt verwundert. ,,Ja. Die Zitronenbäume sind kurz davor abzusterben, also wollte sie unbedingt hier bleiben.", erklärte Vercio. ,,Aber ihr Husten wird immer schlimmer. Ich hab sie gerade erst ins Bett gebracht."
,,Rotes Wasser?", wiederholte Vercio erschrocken, als Leon und Fayt ihm von dem erzählt hatten, was in der Villa geschehen war. ,,Sie haben versucht es zu kristallisieren, um einen Roten Stein herzustellen.", fuhr Leon fort und nippte an der Tasse Kakao, die Vercio ihm gemacht hatte. ,,Aber dann wiederum ist der Rote Stein lediglich eine Imitation verglichen mit dem Ring der Alchemisten." ,Was hat er bloß mit "Vaters Traum" gemeint?", wunderte sich Fayt. ,,Das muss einfach eine billige Ausrede gewesen sein.", meinte Leon schulterzuckend. ,,Diese beiden... Könnten sie Nashs Söhne sein?", fragte sich Vercio nachdenklich. ,,Nash?", wiederholte Leon fragend. ,,Meinen Sie Nash Tringham, der das Rote Wasser entdeckt hat?" ,,Er stammte aus dieser Stadt.", erzählte Vercio. ,,Er ging nach Central City, um Forschungen an dem Roten Stein zu betreiben. Aber eines Tages kam er zurück in diese Stadt..."
Es war an einem regnerischen Tag gewesen, als Nash Tringham durch die rutschigen Straßen Xenotime´s gewandert war. ,,Nash?", hatte plötzlich jemand gerufen. Er hatte sich umgewandt und Vercio erblickt, der zwei große Körbe voll Zitronen getragen hatte. ,,Du bist wieder da. Wie geht es dir?", hatte Vercio ihn gefragt. Nash hatte ein gezwungenes Lächeln aufgesetzt und geantwortet: ,,J... Ja..."
Die beiden Männer waren in ein Restaurant gegangen. ,,Diese Stadt geht den Bach runter...", hatte Vercio Nash erzählt. ,,Ich persönlich glaube, die Leute sollte aufhören, sich auf das Gold zu verlassen." Nash hatte nur zu Boden gesehen. ,,Wie laufen die Forschungen über das Rote Wasser?", hatte Vercio weiter gefragt. ,,Ich höre auf. Ich werde es nie wieder erforschen.", hatte Nash mit erstickter Stimme gesagt. ,,Und ich gehe auch nie wieder zurück nach Central City." ,,Was? Was ist dann mit deiner Familie?", hatte Vercio verwirrt gefragt. ,,Ich habe als Ehemann und Vater auf ganzer Linie versagt.", hatte Nash geantwortet, den Blick weiterhin zu Boden gerichtet...
,,Er hatte alles zurückgelassen...", schilderte Vercio weiter den beiden Elric-Brüdern. ,,Und er hat nie davon gesprochen, was in Central City passiert ist." Er seufzte. ,,Dann jedoch kam der Landbesitzer der Stadt, Magwar, und sprach mit ihm. Er gab die Forschungen am Roten Wasser bekannt."
Es war an einem schönen sonnigen Tag gewesen, als Vercio eine Werkstatt an sein Haus anbauen wollte. Dabei hatte er einen Streit zwischen Nash und Magwar mitbekommen. ,,Die Antwort ist dieselbe, egal, wie oft Sie mich fragen!", hatte Nash geschrien. ,,Dann wollen Sie diese Stadt im Stich lassen?", hatte Magwar aufgebracht gefragt. ,,Nur Ihr Rotes Wasser kann dieser Stadt jetzt noch zu Gold verhelfen! Wenn wir Gold haben, wird diese Stadt wieder aufblühen! Nash, nur Sie können diese Stadt retten. Bitte!" Nash hatte haltlos zu zittern begonnen...
,,Schließlich endete er in einen von Magwars Minen, wo er mit den Forschungen begann.", erzählte Vercio weiter. ,,Und die Stadt wurde wieder mit Gold gesegnet. Die Stadt erblühte erneut, und die Straßen waren erfüllt mit Handel. Das Leben kehrte zurück. Aber gleichzeitig breitete sich eine unbekannte Krankheit unaufhaltsam aus. Viele Babys, die gerade erst geboren waren, starben, da es keine Möglichkeit gab, die Krankheit zu heilen..." ,,Elisa ist von dieser Zeit, nicht wahr?", fragte Leon. Vercio nickte. ,,Nach einiger Zeit kam Marcoh, ein Alchemisten-Doktor, in diese Stadt.", fuhr er fort.
Marcoh war in das Haus von Elisas gekommen, wo er die gerade erst geborene, kleine Elisa untersucht hatte. ,,Hmm...", hatte er mit prüfendem Blick auf die von Atemnot und starkem Husten geplagte Elisa gemacht. ,,Die Ursache ist ein Gift, das in die Erde gezogen ist: Das Rote Wasser." Er hatte in seine Reisetasche gegriffen, etwas herausgeholt und es über Elisa gehalten. Das Objekt hatte zu leuchten begonnen...
,,Es hatte geleuchtet?!?", wiederholte Leon. ,,Ja.", antwortete Vercio. ,,Könnte das Licht eine alchemistische Reaktion gewesen sein?", wunderte sich Fayt. ,,Wie dem auch sei, es ist zu hundert Prozent sicher, dass Elisa nur dank dieser Behandlung gerettet wurde.", sagte Vercio. Sein Blick verhärtete. ,,Ich drängte Nash nach Antworten."
,,Antworte mir!", hatte Vercio zornig Nash angebrüllt, mit dem er in seinem Haus saß. ,,Wenn das so weitergeht, wird dieser Ort eine Stadt des Todes! Was hast du getan?!?" ,,Ich lag falsch...", hatte Nash mit kleinlauter Stimme gemurmelt. ,,Erneut... Es ist erneut geschehen... Ich werde allem ein Ende bereiten... Allem..." Er hatte das Haus verlassen...
,,Nash wurde nie wieder gesehen...", sagte Vercio. ,,Schließer wurde immer weniger und weniger Gold gefördert. Und der Wohlstand der Stadt verschwand erneut. Wenn diese beiden Nashs Söhne sind, kommen sie bestimmt nach ihrem Vater."
Leon und Fayt saßen noch lange Zeit draußen in Vercios Garten bei den Zitronenbäumen und starrten zu den Sternen hinauf. ,,Großer Bruder...", begann Fayt. ,,Was?", fragte Leon gedankenversunken. ,,Man kann halt nichts machen. Die beiden haben nur noch ihren Vater.", meinte Fayt. ,,Die beiden rechtfertigen die ganze Sache doch nur, indem sie ihren Vater als Ausrede benutzen.", grummelte Leon. ,,Das mag sein, aber wir tun dasselbe.", erwiderte Fayt. ,,Hmpf...", machte Leon nur. ,,Ich verstehe ihre Gefühle.", sagte Fayt.
Magwar hatte die beiden Tringham-Brüder in eine Zelle in den Kellergewölben der Villa bringen lassen, wo sie von zwei bewaffneten Männern bewacht wurden. ,,Wirklich, ihr hättet einfach auf mich hören sollen und "diese spezielle Methode" anwenden sollen.", meinte Magwar herablassend zu den beiden Brüdern. Fletcher, seine Hände, genau wie die seines Bruders, in ein Holzbrett mit zwei kleinen runden Löchern, durch die seine Hände passten, gefesselt, sah ängstlich zu seinem Bruder und fragte: ,,Großer Bruder, was für eine Methode?" ,,Es ist ganz simpel.", meinte Magwar und grinste boshaft. ,,Wir werden die Frauen, die gerade erst schwanger geworden sind, dazu bringen, das Rote Wasser zu trinken. Schließlich wird das Rote Wasser in die Plazenta fließen und sich kristallisieren." ,,Aber dann werden die Frau und das Kind doch...!", begann Fletcher entsetzt. ,,Stopp!", schrie der Ältere. ,,Dann entnehmen wir das kristallisierte Wasser der toten Frau und mutieren es in einen Stein.", fuhr Magwar gackernd fort. ,,Das ist eine einfache Methode, die auf jeden Fall funktionieren wird." Fletcher und sein Bruder erstarrten. ,,Ihr beiden seid unentschlossen, genau wie euer Vater.", sagte Magwar und wandte sich zum Gehen. ,,Warten Sie!", rief der Ältere. ,,Sagen Sie mir eines: Hat Vater dieser Methode angewandt?" ,,Im letzte Moment ist er aus der Sache ausgestiegen.", antwortete Magwar. ,,Er wäre heute immer noch am Leben, hätte er getan, was ich wollte." ,,Aber Sie... sagten, er sei an einer Krankheit gestorben!", brüllte der Ältere voller Zorn. ,,Tse...", machte Magwar nur und schritt davon. ,,Warten Sie!", brüllte der Ältere. ,,Warten Sie!"
Magwar kehrte, mit Mundschutz, in die Mine unterhalb seiner Villa zurück, in der das Rote Wasser entsprang. ,,Ich habe alles Nötige getan.", verkündete er Lust, die neben der Fontäne Roten Wassers auf einem Fels saß, stolz. ,,Jetzt müssen wir nur noch die Elric-Brüder benutzen und unsere Pläne in die Tat umsetzen." ,,Wird auch alles wie geplant verlaufen?", wunderte sich Lust. ,,Die beiden Elric-Brüder sind keine leichten Gegner." ,,Mit zwei Kindern fertig zu werden wird nicht schwer sein.", meinte Magwar spöttisch. ,,Haben Sie noch einwenig Geduld." ,,In Ordnung.", sagte Lust, ihre violetten Augen funkelnd. ,,Beeilen Sie sich." ,,Ja, Madam.", sagte Magwar, verbeugte sich vor ihr und verließ die Min wieder. ,,Dieser Ort wird bald in Trümmern liegen.", sagte Lust belustigt, ihre Augen katzenartige Schlitze.
Magwar empfing die beiden Elric-Brüder am nächsten Tag gegen Mittag in der Villa in dem Raum, den die beiden Tringham-Brüder zum Experimentieren mit dem Roten Wasser benutzt hatten, und wo überall Pflanzen mit roten, verdorrten Blättern standen. ,,Ich bin untröstlich über den Ärger, den diese beiden Betrüger Euch eingebracht haben.", entschuldigte sich Magwar bei den beiden. ,,Ich bin ebenfalls von ihnen getäuscht worden. Es fällt mir nicht leicht, Euch nach all diesen Ärgernissen darum zu beten... Aber ich halte Euch beide für erstklassige Alchemisten, und es gibt etwas, um dessen Hilfe ich Euch gerne bitten würde..." ,,Die Forschungen am Roten Wasser?", fragte Leon. ,,Oh! Ihr wisst bereits davon?", sagte Magwar zufrieden. ,,Das macht die Sache einfacher für mich." Er lächelte fröhlich. ,,Ich habe gehört, dass Ihr großes Interesse am Ring der Alchemisten habt." Er hielt den Roten Stein hoch, den Fletchers großer Bruder erst gestern gegen sie verwendet hatte. ,,Hmm?", machte Leon und tat so, als wenn er nicht wüsste, was Magwar ihm zeigte. ,,Seid Ihr daran interessiert?", fragte Magwar. ,,Dies hier entsteht, wenn man das Rote Wasser kristallisiert. Es ist wie ein Prototyp des Rings der Alchemisten." ,,Und was soll ich damit tun?", fragte Leon. ,,Ich will Xenotime retten.", erklärte Magwar. ,,Wenn wir die Goldader wieder fließen lassen, müssen die Menschen die Stadt nicht verlassen." ,,Ich verstehe.", sagte Leon. ,,Also, wo sind die beiden Betrüger?" ,,Ich habe sie unten in eine Zelle des Kellergewölbes sperren lassen.", antwortete Magwar. Leon klatschte in die Hände und berührte den Roten Stein, der zu winzigen blutroten Murmeln zerfiel, die über den Boden kullerten. ,,W-Warum habt Ihr das getan?!?", rief Magwar erschrocken. ,,Ich habe kein Interesse an einem unvollständigen Objekt.", erklärte Leon schulterzuckend. ,,Die Bestrafung der Betrüger kommt zuerst. Ich kann Lügnern nicht vergeben." ,,Oh! Bedeutet das, dass Ihr mir helfen werdet?", fragte Magwar erfreut. ,,Aber vor der Arbeit kommt erst mal das Vergnügen.", sagte Leon und setzte ein diabolisches Lächeln auf. ,,Ich habe schon lange niemanden gequält. Oh, es juckt mich schon in den Fingern nach einer Peitsche und Daumenschrauben." Er richtete seinen irren Blick auf Magwar, die Zähne bleckend. ,,Wollen Sie zuschauen?" ,,Äh... Ähm... N-Nein.", antwortete Magwar schnell und wich leicht ängstlich vor Leon zurück. ,,Ich g-glaube, ich m-muss dankbar ablehnen."
Fletcher sah schmollend das Holzbrett an, das es ihm völlig unmöglich machte, Alchemie anzuwenden, während sein großer Bruder trübselig den Kopf hängen ließ. ,,Großer Bruder?", fragte Fletcher schließlich, als plötzlich die Zellentür aufging und Leon und Fayt eintraten. ,,Hi!", begrüßte Fayt die beiden. ,,Fayt?", rief Fletcher verdutzt. ,,Ich hab gehört, Nash Tringham ist euer Vater.", sagte Leon. Die beiden Brüder sahen auf. ,,Was wolltet ihr mit dem Weiterführen seiner Forschungen erreichen?", fragte Leon. Der ältere Bruder knirschte mit den Zähnen und sagte: ,,Das... war Vaters Wasser. Es ist meine Pflicht seine Forschungen weiterzuführen." ,,Du bist wirklich dumm.", seufzte Leon und rollte mit den Augen. ,,Weißt du eigentlich, was die Bewohner dieser Stadt durchmachen aufgrund des Giftes im Roten Wasser?" Der Ältere sah zu Boden. ,,Euer Vater wusste davon.", sprach Leon weiter. ,,Deswegen hat er auch versucht die Forschungen zu stoppen. Ihr könnt nicht glücklich werden, wenn ihr versucht, euch auf das Rote Wasser oder den Ring der Alchemisten zu verlassen." Er klatschte in die Hände und tippte die Holzbretter an, die die beiden Brüder gefangen hielten, und die nun in mehrere Holzklötzchen zerbrachen, die zu Boden fielen. ,,Schreitet vorwärts. Tut nicht so etwas Dummes wie das hier erneut." Er wandte sich zur Zellentür. ,,Fayt, los geht´s!", rief er und rannte los. ,,Okay!", rief Fayt und folgte ihm.
Magwar war immer noch in dem Raum mit den vielen Reagenzgläsern und den verdorrten Pflanzen und lächelte zufrieden. ,,Alles verläuft blendend.", sagte er. ,,Wenn die Forschungen glatt verlaufen, können sie..." ,,Und wer sind diese "Sie", von denen Sie da sprechen?", fragte Leon, der mit Fayt in den Raum zurückgekehrt war. Magwar sah zu ihnen. ,,Es gibt da etwas, was mir aufgefallen ist.", sagte Leon, die Hände vor der Brust verschränkt. ,,Der Mann, der das Rote Wasser erforschte, Nash Tringham... Wohin ist er verschwunden?" ,,Nash?", wiederholte Magwar fragend. ,,Oh ja, Nash Tringham, ich erinnere mich. Ich habe ihn gefeuert, weil seine Forschungen nicht recht vorankamen." ,,Hmm... Sie sehen aber nicht nach Jemandem aus, der jemanden, der über alles Bescheid weiss, einfach so gehen lassen würde.", meinte Leon und lächelte. ,,Was wollt Ihr damit sagen?", fragte Magwar. ,,Ich helfe keinem Mörder,Magwar!", schrie Leon. ,,Du...!", schrie Magwar und zog einen Kelch, gefüllt mit Rotem Wasser, hervor. ,,Dann werde ich euch beide nicht am Leben lassen!" Er holte einen Roten Stein, viel kleiner als der Rote Stein von eben, hervor. ,,Es gibt mehr als genügend Alchemisten auf dieser Welt, die ich benutzen kann!" ,,Noch ein Stein?!?", rief Fayt erschrocken. ,,Es gab mehr als einen?!?", rief Leon verdutzt. ,,Hahahahahaha!!!", gackerte Magwar. ,,Dieser ist jedoch nicht so vollkommen wie der letzte!" Er ließ den Roten Stein in den Kelch fallen, dessen flüssiger Inhalt sofort blutrot leuchtete. Der Helch verformte sich und eine Pistole ragte aus ihm hervor. ,,Sterbt!", brüllte Magwar und schoss auf die beiden Elric-Brüder, die beide in verschiedene Richtungen rollten, um dem Schuss zu entgehen. ,,Ist das schon alles?", rief Leon. ,,Hahahahahaha!!!", lachte Magwar und holte eine ganze Ladung kleiner Roter Steine aus seiner Hosentasche hervor, die er in den Kelch kippte. ,,Was?!?", rief Leon entsetzt. ,,Ich behalte die Oberhand!", jauchzte Magwar, als auch schon Unmengen von Pistolen aus dem Kelch hervorragten. ,,Das kann doch nicht wahr sein!", schrie Leon und rannte mit Fayt durch den Raum. Die Pistolenkugeln rasten haarscharf an ihnen vorbei und ließen stattdessen Bücherregale zerbersten, Tische einbrechen und Reagenzgläser zerklirren, deren flüssig-glitschiger Inhalt sich über den Boden ergoss und das zu Boden gefallenen, durch Pistolenkugeln zerstörte Mobilar tränkte. Leon und Fayt versteckten sich hinter einer der vier Säulen, die diesen riesigen Raum stützten. Wie von Sinnen schoss Magwar auf die Säule, die bedrohlich kleiner wurde, da die Pistolenkugeln Säulenstücke zerbersten ließen. ,,Vergeblich! Vergeblich!", gackerte Magwar und kippte eine weitere Ladung kleiner Roter Steine in den Kelch nach. Er schoss weiter auf die Säule. ,,Es scheint, dass Prinzip des Gleichwertigen Tausches trifft bei ihm nicht zu!", wimmerte Leon schweißgebadet. ,,Verdammt!" Der Pistolenkugelnhagel stoppte erneut. ,,Ich habe noch mehr!", lachte Magwar und griff erneut in seine Hosentasche, um noch mehr Rote Steine in den Kelch zu werfen. Doch bevor er dazu kam, wurde er von Ranken umschlungen, die hn festhielten. ,,Was zum...?!?", kreischte er entsetzt und ließ den Kelch fallen. Er sah zum anderen Ende des Raumes, wo Fletcher mit seinem großen Bruder am Boden kniete und eine der vielen Pflanzen so mutiert hatte, dass sie Ranken geschlagen hatte, die Magwar nun fesselten. ,,Jetzt, Fayt!", rief Leon und stützte sich mit Fayt zusammen mit aller Gewalt gegen die arg in Mitleidenschaft gezogene Säule. Die Säule kam langsam ins Schwanken und krachte schließlich auf den panisch aufschreienden Magwar nieder. ,,Leon! Sieht wohl so aus, als hättest du meine Hilfe doch gebraucht!", rief Fletchers großer Bruder. ,,Wie bitte?!?", fauchte Leon. Der Ältere lächelte und sagte: ,,Ich werde aufhören, meinem Vater folgen zu wollen. Wir werden unseren eigenen Pfad finden." ,,Großer Bruder...", sagte Fletcher glücklich. ,,Grßer Bruder! Sieh doch!", rief Fayt erschrocken und deutete in die Richtung der umgefallenen Statue, unter der sich Treppen befanden, durch die Magwar entkommen war. ,,Eine Untergrundpassage?!?", rief Leon erschrocken. ,,Er ist entkommen!"
Die Elric- und Tringham-Brüder stürmten die Treppe hinab und den Minenstollen hinab, der unterhalb der Villa entlangführte. ,,Russel, sind wir in der Nähe?", fragte Leon, einen Mundschutz tragend, Fletchers großen Bruder namens Russel. ,,Wir sind fast da!", antwortete Russel, er und Fletcher ebenfalls einen Mundschutz tragend. ,,Es befindet sich eine Quelle am Ende der Mine, aus der das Rote Wasser entspringt!" Doch sie mussten stehenbleiben, da ihnen Wand aus massivem Stein den Weg versperrte. ,,Magwar... er hat den Weg blockiert.", fluchte Russel. ,,Ich werde ihn hier rausschleppen!", schrie Leon, klatschte in die Hände und berührte die Steinwand, die sofort in den Boden hinabfuhr und den Durchgang freigab. Magwar, der hinter einer Kanone stand, kam dahinter zum Vorschein. ,,Was?!?", schrie Leon mit großen Augen und lehnte sich schnell mit den anderen Dreien gegen die Minenwand, so dass sie die Kugel, die aus der Kanone auf sie zuschoss, verfehlte. ,,Ich werde diese Quelle niemals aushänden!", brüllte Magwar, während es im Hintergrund eine laute Explosion gab, da die Kanonenkugel gegen eine der Minenwände geknallt war. ,,Solange ich dieses Wasser habe, kann ich die Forschungen fortführen! Ich fürchte mich vor keinem Nationalen Alchemisten!" Er stutzte, als Leon sich vor die anderen stellte, genau so, dass ein weiterer Schuss mit der Kanone ihn treffen würde. ,,Leon...?", begann Russel verdutzt. ,,Sehr dumm von Ihnen, Magwar.", sagte Leon kopfschüttelnd. ,,Unterschätzen Sie nie die Nationalen Alchemisten!" Er klatschte in die Hände. ,,Stirb!", brüllte Magwar und feuerte noch eine Kugel ab. Leon berührte den Boden, und sofort schoss die Steinwand von eben wieder hinauf. Die Kanonenkugel prallte dagegen und verursachte eine weitere Explosion; die Steinwand fiel in sich zusammen, und Magwar, der von dem Rückstoß getroffen wurde, flog zu Boden. ,,Verstehen Sie jetzt?", fragte Leon und ging auf ihn zu. ,,Sie legen sich hier mit jemandem weit über Ihren Fähigkeiten an!" Die Mine, die unter den zwei Explosionen stark gelitten hatte, begann nun aufs Heftigste zu beben. ,,W-Was ist das?!?", stammelte Magwar beunruhigt. Große Felsbrocken krachten nieder in die Mine, und einer fiel mitten in die Quelle, aus der das Rote Wasser entsprang. ,,Leon! Das sieht nicht gut aus! Raus hier!", rief Russel. Magwar stürmte auf die Quelle zu und versuchte, den Felsbrocken, der in die Quelle gefallen war, zur Seite zu rollen. ,,Ich gebe diese Quelle nicht her!", schrie er verzweifelt. Ein gigantischer Felsen löste sich von der Decke und krachte auf ihn und die Quelle nieder; Rotes Wasser spritzte in alle Richtungen.
Leon, Fayt, Russel und Fletcher rannten den Stollen so schnell wie möglich zurück, hinter ihnen stetig Felsen hinabstürzend. Ein Rauschen war zu hören. ,,Das Wasser!", rief Russel entsetzt. ,,Das Rote Wasser wird aus der Mine schießen und die ganze Stadt überfluten!" Leon blieb stehen, klatschte in die Hände und berührte den Boden, so dass eine Steinwand hinaufschoss und dem Roten Wasser den Weg versperrte. ,,Das sollte es für eine Weile aufhalten.", meinte Leon und rannte mit den anderen weiter. ,,Ich hoffe nur, dass der Rest des Berges, in dem sich die Mine befindet, nicht auch noch zusammenstürzt...", sagte Russel besorgt.
Draußen vor der Villa angekommen, mussten sie mit Schrecken feststellen, dass der Berg arg in Mitleidenschaft gezogen worden war und dass das Rote Wasser durch alle dadurch entstanden Ritzen entrann und unaufhaltsam auf die Stadt zurauschte. ,,Verdammt!", fluchte Leon, klatschte in die Hände und berührte den Boden. Um den Wald herum, hinter dem sich die Stadt befand, schossen gigantische Steinmassive hinauf und bildeten einen Staudamm, der sich einmal um den Wald herum zog. Das Rote Wasser rann mit schneller Geschwindigkeit den Felshang hinab, kam aber am provisorisch errichteten Staudamm zum Stehen. ,,Und wenn wir jetzt noch den Fluss stoppen könnten...", sagte Leon mit Blick auf das Wasser, das unaufhaltsam aus dem Berg floss; bald würde der Staudamm überlaufen. Fletcher rannte auf einen der Bäume zu, malte einen Mutations-Zirkel auf diesen Baum und berührte ihn. Der Baum begann hellgrün zu leuchten, und mit ihm auch die anderen Bäume des Waldes. Langsam sank der Wasserstand des Roten Wassers nach und nach ab, während sich die Bäume, die das Wasser aufsogen allesamt blutrot verfärbten. ,,Die Bäume... absorbieren das Wasser?", rief Leon erstaunt.,,Großer Bruder, genauso etwas habe ich auch in dem Raum gesehen, in dem Russel und Fletcher mit dem Roten Wasser experimentiert haben!", rief Fayt und erinnerte sich zurück an die Pflanzen in de Rimmer, deren Blätter allesamt rot gefärbt und verdorrt gewesen waren. ,,Will er, dass die Bäume das Rote Wasser und damit auch das Gift aufnehmen?", fragte sich Leon. Russel ging zu Fletcher und legte ebenfalls seine Hände auf den Mutations-Zirkel auf, um die alchemistische Reaktion zu verstärken. ,,Großer Bruder?", fragte Fletcher, der ihm lächelnd zunickte. Die Bäume, die nun nur noch spärrlich Rotes Wasser absorbiert hatten, wurden durch die Verstärkung der alchemistischen Reaktion schlagartig größer und größer, und endlich verstand das Rote Wasser vollständig. ,,Sie haben es geschafft.", sagte Leon erleichtert. ,,Danke, und lebt wohl...", murmelte Fletcher, und im nächsten Moment zerfielen die Bäume in Milliarden von Pollen, die durch die Luft flogen, um irgendwo auf der Welt neue Wälder heranwachsen zu lassen. Der Staudamm sank wieder zurück in die Erde.
Am späten Nachmittag fuhr der nächste Zug nach East City im Bahnhof von Xenotime ein. Elisa, Fletcher und Russel waren zum Bahnhof gegangen, um sich von Leon und Fayt zu verabschieden. ,,Die hier sind von Herrn Vercio.", sagte Elisa und reichte Leon einen Korb voll Zitronen durchs Fenster in den Zug. ,,Dankeschön.", bedankte sich Fayt. ,,Passt auf euch auf, Onkel Leon und Onkel Fayt.", sagte Elisa vergnügt. ,,Besucht uns mal wieder." ,,Na klar.", antwortete Fayt. Leon wandte sich an Russel. ,,Bist du sicher, dass ihr in dieser Stadt zurecht kommt?", fragte er ihn. ,,Ich werd jegliche Strafe von den Einwohnern akzeptieren.", entgegnete Russel. ,,Meine Fähigkeiten werden sich noch als nützlich erweisen, wenn ich mit Herrn Vercio zusammenarbeite." Er sah ernst drein. ,,Leon... Wirst du weiter nach dem Ring der Alchemisten suchen?" ,,Ja.", antwortete Leon ohne zu zögern. ,,Soll ich... dir erklären, wie man das Rote Wasser kristallisiert?", fragte Russel. Leon stutzte. ,,Das soll keine Widergutmachen oder so etwas in der Art sein, aber ich denke, du solltest es wissen.", meinte Russel. ,,Das brauch ich nicht zu wissen.", sagte Leon. ,,Finden wir schon allein raus." ,,Leon, bitte komm uns wieder mal besuchen.", bat Fletcher ihn. ,,Wir werden aus dieser Stadt einen besseren Ort machen!" ,,Und wenn du dann wieder hier bist, hoffe ich, dass du ein bisschen größer geworden bist.", sagte Elisa vergnügt. ,,Was sagst du da?!? Das war aber nicht nett!", zickte Leon. Ein Pfiff gellte, und der Zug nach East City setzte sich in Bewegung. ,,Auf Wiedersehen!", rief Leon und winkte zusammen mit Fayt den Dreien zu, die ebenfalls winkten.
Als die Drei nur noch kleine schwarze Punkte sah, setzte sich Leon auf seinen Sitz zurück und erblickte erst jetzt einen Brief, der in dem Korb mit Zitronen versteckt war. ,,Ein Brief?", sagte er verdutzt, nahm den Brief und begann zu lesen. ,,Argh!", schrie er auf, als er zu Ende gelesen hatte. ,,Was steht drin?", fragte Fayt neugierig und wollte sich den Brief nehmen, doch Leon hielt ihn von ihm weg. ,,G-Gar nichts.", stammelte er. ,,Zeig ihn mir!", rief Fayt und stürzte sich auf ihn.
An Leon:
Du hast wirklich eine Menge für uns getan.
Danke.
Es tut mir Leid, dass ich mich über deine Größe lustig gemacht habe, weil ich doch
ein Jahr jünger und trotzdem viel größer als du bin.
Ich werde dich als Beispiel nehmen, um ein noch besserer großer Bruder für Fletcher
zu werden.
Schöne Fahrt nach East City.
Russel Tringam
,,Verdammt, er ist größer und denn noch ein Jahr jünger als ich?", grummelte Leon, nachdem auch Fayt den Brief gelesen hatte. ,,Obwohl, irgendwieist das auch schon wieder lustig." ,,Die beiden werden zurechtkommen, richtig?", fragte Fayt. ,,Ja, da bin ich mir sicher.", entgegnete Leon und sah zur untergehenden Sonne hinaus. ,,Bei den entschlossenen Gesichtern, die die beiden hatten..."
Vorschau Kapitel 13: Flamme vs. Metall: Der Kampf Flamme gegen Metall, Roy gegen Leon! Wer wird gewinnen?