Sonntag, 19. August 2007

Tales of Alchemy Kapitel 10: Die Diebin

Es war später Nachmittag, als Leon, fünfzehn Jahre alt, und Fayt, vierzehn Jahre alt, die Bücherei in der Stadt verließen, in die sie gelangt waren, nachdem sie Lior City verlassen hatten, die Stadt, die der bösartige Hohepriester Cornero hintergangen hatte. Den ganzen Mittag hatten sie dort verbracht und nach Informationen über den Ring der Alchemisten gesucht, jedoch nichts Nützliches gefunden. Es war Zeit, zurück zum Hauptquartier in East City zu kehren.


Der nächste Zug brach gegen Sonnenuntergang in Richtung Hauptquartier auf, und Leon und Fayt verbrachten die Zeit mit Pokern, wobei Leon ständig gewann.
,,Ich wechsle zwei aus...", murmelte Leon, einen Zahnstocher zwischen die Zähne gepresst, legte zwei Karte ab und nahm sich zwei Karten vom Stapel. Mist, schon wieder nichts..., dachte er grummelnd. Er spinkste über seine Karten zu Fayt, der konzentriert seine Karten besah. ,,Nun mach schon.", fauchte Leon nach einer weiteren Minute, in der Fayt seinen nächsten Zug immer noch nicht gemacht hatte. ,,Ich... wechsle auch zwei aus...", sagte Fayt schließlich, legte zwei Karten ab und nahm zwei Karten ins Deck dazu. Ja!, dachte er triumphierend. ,,Großer Bruder, willst du den Einsatz verdoppeln?" fragte Fayt Leon, der sich unterm Ärmel kratzte. ,,Mach was du willst...", grummelte Leon, der schon seit einiger Zeit schlecht gelaunt war. ,,Dann tut es mir wirklich Leid für dich", sagte Fayt und legte seine Karten auf den Tisch: Karo Dame, Herz Dame, Pick Dame, Karo Zehn, Herz Zehn. ,,Full House!!!", rief er kichernd. ,,Sorry...", sagte Leon nur und legte seine Karten auf den Tisch: Pick Zehn, Pick Bube, Pick Dame, Pick König, Pick Ass. ,,Royal Straight Flush!" ,,Nein, nicht schon wieder!", jammerte Fayt. ,,Na gut, jetzt aber..." Er begann die Karten erneut zu mischen. ,,Hören wir auf. Das ist langweilig.", gähnte Leon. ,,Was ist los, großer Bruder? Du hast doch die ganze Zeit immer nur gewonnen.", entgegnete Fayt verwundert. ,,Ist es vielleicht langweilig, weil du andauernd gewinnst?" ,,Es liegt nicht an den Karten.", antwortete Leon und schmiss den Zahnstocher in den Mülleimer des Einzelabteils, in dem sie saßen. ,,Es liegt an Oberst Mustang." Er nahm eine Joker-Karte aus dem Kartenstapel heraus. ,,Willst du ihn nicht sehen?", fragte Fayt. ,,Natürlich nicht!", fauchte Leon. ,,Der Ring der Alchemisten dieses Hohepriester-Idioten war eine Fälschung, und dem Oberst wird dieser Ausgang der Dinge ganz bestimmt nicht gefallen." ,,Das ist wahr, aber...", begann Fayt. ,,Stell dir nur vor, was passieren wird, wenn ich ihm von den Ereignissen in Lior City berichte.", seufzte Leon tief. ,,Das ist schließlich Oberst Mustang, von dem wir hier reden... Ich frage mich, was er diesmal für eine sarkastische Bemerkung für mich auf Lager hat." Er stopfte sich ein Fleischbällchen in den Mund und kaute wütend darauf herum. ,,Wenn ich nur daran denke, könnte ich die Wände hochgehen."
,,Humankind cannot gain anything without first giving something in return.
To obtain, something of equal value must be lost.
That is Alchemy´s first law of Equivalent Trade.
Some people believe that it´s the one and only truth of the world." (Auszug: Buch der Alchemie)

Der Zug machte Halt in dem Bahnhof einer Stadt am Wasser namens Aguroya , von wo aus sie einen anderen Zug nehmen mussten, um nach East City zu gelangen. Jedoch nahm Leon den nächsten Zug nach East City nicht. ,,Ist es wirklich in Ordnung, einfach so hier in dieser Stadt zu bleiben, großer Bruder?", fragte Fayt Leon, der immer noch an seinen Fleischbällchen kaute. ,,Vollkommen in Ordnung.", antwortete Leon. ,,Wir wissen nicht, wo wir noch Informationen über den Ring der Alchemisten herbekommen können, und Aguroya ist ein Touristenort. Kann doch nicht schaden, sich hier nach Informationen umzusehen." ,,Das fühlt sich irgendwie so an, als würde wir betrügen und die Schule schwänzen.", meinte Fayt belustigt. Bei dem Wort ``betrügen´´ verschluckte sich Leon an einem der Fleischbällchen. ,,Wenn nennst du hier einen Betrüger!", schrie er und wirbelte herum. Mehrere Spielkarten fielen aus seinem Ärmel und zu Boden. ,,Was ist das denn?!?", rief Fayt verdattert und beugte sich zu den Karten hinab. ,,Großer Bruder hast du etwa...?" Leon stürmte schnell davon. ,,Warte, großer Bruder!", packte den Koffer, den Leon bei der Flucht vergessen hatte, und verfolgte seinen Bruder. ,,Du hast betrogen! Du hast betrogen!! Großer Bruder, du Betrüger!!!"


Die Polizei Aguroyas schwärmte in der Nacht in der ganzen Stadt aus, hinter einer vollkommen in Schwarz gekleideten Person mit blonden Haaren her, die eine Maske trug. Vier Polizisten hatten sie in eine Ecke nahe des Hafensteges der Stadt gedrängt, doch sie warf mehrere Geschosse, die die vier zu Boden warfen. Mit großen Augen stellten die Vier fest, dass es nur Spielkarten waren, die sie zu Boden gerissen hatten. ,,Was zum...?!?", stammelte einer der Vier verwirrt und sah wieder zu der Maskierten Person, die im selben Moment über ihn drüber sprang und auf einem Steg in der Nähe landete. ,,Hinter ihr her! Lasst sie nicht entkommen!", brüllte der Inspektor, der einen weiteren Trupp anführte, und raste auf den Steg, den die maskierte Person nun entlanglief. ,,Heute schnappen wir uns Psiren auf jeden Fall!" Die maskierte Person namens Psiren kam am Ende des Steges an. ,,Okay, das war´s für dich Psiren. Es gibt kein Entkommen mehr.", sagte der Inspektor zufrieden, holte Handschellen hervor und ging auf sie zu. Sie lächelte jedoch nur und zog mehrere Spielkarten, die sie ins Wasser warf. Es gab einen Lichtblitz, und im nächsten Moment entstand auf dem Wasser eine Mini-Brücke aus Spielkarten, die über das Wasser auf die andere Seite der Stadt führte. Psiren rannte über die Brücke. ,,Stopp!", brüllte der Inspektor und rannte ebenfalls mit den Polizisten los; die Brücke brach ein und sie stürzten ins Wasser. Vergnügt kichernd kam Psiren sicher auf der anderen Seite der Brücke an Land an. Provozierend hielt sie den rot funkelnden Diamant hoch, den sie gestohlen hatte.


Der nächste Morgen...
,,Das ist eine richtig schöne Stadt, großer Bruder.", sagte Fayt mit Blick durch die Stadt am Wasser, durch die Gondolleros mit Schiffen Touristen durch die Stadt fuhren. ,,Nicht wahr?", entgegnete Leon, der zum Frühstück ein Baguette aß. ,,Aguroya, die Wasserstadt, ist ein sehr berühmter Touristenort. Das hier ist auf jeden Fall besser, als in das zynische Gesicht des Obersts im staubigen East City zu schauen. Eine Kutsche fuhr an ihnen vorbei und fuhr dabei durch eine Pfütze; Leon wurde von dem zur Seite spritzenden Schmutzwasser getroffen. ,,Was sollte das denn bitteschön!?!", brüllte Leon voller Zorn der Kutsche hinterher. ,,Jetzt verstehe ich, warum es ``Die Wasserstadt´´ genannt wird.", sagte Fayt belustigt. Genervt klatschte Leon in die Hände und berührte seine Kleidung. Das Schmutzwasser wurde sofort zu Wasserdampf, der in die Luft stieg. Eine Handschelle klickte an Leons rechter Hand. Verdutzt sah Leon zu dem älteren Inspektor, der an der anderen Hälfte der Handschelle hing. ,,Was soll das, alter Mann?", fragte Leon den Inspektor aufgebracht. ,,Du kommst zur Zentrale mit mir.", sagte der Inspektor nur und zog ihn mit sich. Seufzend folgte Fayt den beiden.


,,Oh? Du bist also ein Nationaler Alchemist?", wiederholte der Inspektor im Verhörungsraum der Polizeizentrale Aguroyas mit Blick au Leon, der mit Blitzgeschwindigkeit die Schüssel Reis leer mampfte, die man ihm gegeben hatte. ,,Und dann auch noch dieser berühmte Metallalchemist?" ,,Wie oft muss ich ihnen das denn noch erklären?", entgegnete Leon mit vollem Mund und deutete auf seine Silbertaschenuhr, die auf dem Tisch lag. ,,Diese Uhr ist der Beweis, dass ich es bin." ,,Wenn sie echt ist, dann ja.", sagte der Inspektor. ,,Wie kann ein kleiner Zwerg wie du..." Ein Nerv über Leons rechtem Auge zuckte merklich. ,,WEN NENNST DU EINEN KLEINEN ZWERG, DEN MAN MIT EINEM FUßTRITT PLÄTTEN KANN!?!", brüllte er los. ,,Großer Bruder, das hat er nun wirklich nicht gesagt.", wandte Fayt beschwichtigend ein. ,,Na, na, nicht gleich so sauer werden.", sagte der Inspektor ruhig. ,,Es ist nur so, dass es hier momentan eine Person, eine diebische Elster, namens Psiren gibt, die immer wieder auftaucht und Dinge mitgehen lässt?" ,,Psiren?", wiederholte Fayt verwundert. ,,Wir haben nur einen Hinweis.", sprach der Inspektor. ,,Sie kann Alchemie benutzen." Leon schnappte sich die Schüssel Reis, die vor Fayt stand, und aß weiter. ,,Du bist ein Alchemist, nicht wahr?", sagte der Inspektor zu ihm. ,,Deswegen wollte ich hören, was du dazu zu sagen hast."


Zwei Stunden später verließen die beiden Brüder die Polizeizentrale wieder. ,,Mann, dieser blöde alte Mann...", grummelte Leon. ,,Zwei Stunden lang immer nur dieselben Fragen... Was denkt der sich nur?" ,,Aber, großer Bruder, macht dir dieser Alchemie-Dieb denn keine Sorgen?", fragte Fayt. ,,Nun...", begann Leon, auf einmal ganz grün im Gesicht, und sackte zu Boden. ,,Großer Bruder, was ist los?", fragte Fayt besorgt Leon, der sich an den Bauch griff. ,,Mein... Magen...", röchelte er, als mehrere sehr ekelerregende Geräusche von seinem Magen her drangen.


Fayt brachte ihn in ein Krankenhaus, wo ihn ein sehr alter und kauziger Arzt untersuchte.
,,Das ist eine sehr leichte Nahrungsmittelvergiftung, die du da hast, Junge.", sagte der Arzt schließlich, nachdem er mit den Untersuchungen fertig war, zum oberkörperfreien Leon. ,,Also lag es nicht daran, dass du zu viel gegessen hast.", sagte Fayt beruhigt. ,,Klappe!", fauchte Leon missmutig. ,,Da müssen wir dir wohl eine Spritze geben.", sagte der Arzt, wandte sich zur Tür und rief: ,,Clara!" ,,Ja!", rief eine Frauenstimme vom Flur her. ,,Spritze?", wiederholte Leon, auf einmal mit riesengroßen Augen. ,,Ja, eine Spritze.", wiederholte der Arzt. ,,Nein! Nie im Leben!", kreischte Leon, sprang auf und stürmte zur Tür des Raumes. Doch Fayt war schneller, packte ihn und zog ihn zurück in den Raum auf einen Stuhl. ,,Großer Bruder, halt still!", rief Fayt, da Leon wie wild um sich trat und schlug. ,,Nein, ich will nicht! Ich bin in Ordnung!", flennte Leon. ,,Du bist doch kein kleines Kind mehr!", rief Fayt gereizt. ,,Komm schon, zieh dein Hemd wieder aus!" ,,Stopp, Fayt! Willst du wirklich deinen großen Bruder hintergehen?!?", heulte Leon. ,,Mach mich nicht wütend, großer Bruder!", rief Fayt aufgebracht. ,,Nein! Ich hasse Spritzen!", wimmerte Leon, stoppte aber abrupt, als eine äußerst hübsche Krankenschwester den Raum betrat, ihm einen Finger auf die Nase hielt und ihn anlächelte. ,,Hier, schon fertig.", sagte die Krankenschwester namens Clara, die Leon unbemerkt eine Spritze gesetzt hatte. ,,Hat nicht weh getan, oder?" ,,Ich... Ich hab nichts gemerkt...", stammelte Leon. ,,Das war aber schnell.", sagte Fayt erstaunt. ,,Hey, Kleiner.", sagte Clara, während sie die Spritze zur Seite legte. ,,Was?", fragte Leon, beleidigt, dass sie ihn ``klein´´ genannt hatte. ,,Du solltest ein bisschen erwachsener werden.", sagte Clara und verließ den Raum wieder lachend. ,,D... Das geht Sie gar nichts an!", rief Leon ihr aufgebracht hinterher.
Da Leon eine halbe Stunde zur Beobachtung bleiben musste, gingen die beiden Brüder in den Garten des Krankenhauses. ,,Das war eine richtig hübsche Krankenschwester.", meinte Fayt, der zurück an Clara dachte. ,,Ich konnte die ganze Zeit nichts anderes tun als sie anzustarren." ,,Mann, hast du aber eine schlechten Geschmack.", meinte Leon. ,,Was soll denn so toll an ihr sein?" ,,Das ist aber nicht schön, Großmütterchen, Sie haben ja schon wieder so viel über gelassen.", hörten sie auf einmal Clara sagen und wandten sich um. Sie stand in der Nähe bei einer alten Frau um die achtzig Jahre, die in ihrem Rollstuhl saß. ,,Tut mir Leid...", entschuldigte sich die Alte. ,,Aber das Essen will einfach nicht meinen Magen hinunter." ,,Na gut.", sagte Clara und nahm ihr das Tablett mit dem Frühstück ab. ,,Wollen Sie dann, dass ich Ihnen einen Apfel schäle?" Fayt sah auf, als Clara der alten Frau einen Apfel schnitt. Damals..., dachte er.
,,Vorsichtig...", hatte ihre schwer kranke Mutter mehrere Tage vor ihrem Tod von ihrem Bett aus gesagt, als der zehnjährige Leon versucht hatte, einen Apfel mit einem Messer zu schneiden und dabei gedroht hatte, sich einen Finger abzuschneiden. ,,Geht schon!", hatte Leon gesagt. ,,Du machst es nicht richtig! Lass mich mal, großer Bruder.", hatte Fayt gequängelt. ,,Lass mich doch einfach!", hatte Leon gefaucht und seine Hände weggestoßen. ihre Mutter hatte nur geseufzt, Leon den Apfel und das Messer weggenommen und angefangen, den Apfel zu schälen. ,,Hier.", hatte sie schließlich gesagt und ihren beiden Söhnen fröhlich lächelnd die Apfelscheiben gereicht. ,,Esst, ihr beiden. Ich bin nicht hungrig."
,,Woran denkst du?", fragte Leon und riss Fayt damit aus seinen Gedanken. ,,Clara ist nicht nur hübsch... sie ist auch nett.", sagte Fayt. ,,Sie ist ein wenig wie Mutter." ,,Von wegen! Die Frau da kommt absolut nicht an sie ran!", fauchte Leon aufgebracht. In diesem Moment ließ die alte Frau den Teller mit Äpfeln, den Clara ihr gereicht hatte, zu Boden fallen, wo er zerbrach. ,,T... Tut mir Leid.", entschuldigte sich die Frau erschrocken. ,,Ist in Ordnung, Großmütterchen.", sagte Clara freundlich und wollte die Scherben und Apfelstücke aufsammeln. Doch Fayt kam ihr zuvor und sammelte es anstatt ihrer auf. Er legte die Bruchstücke zusammen, zeichnete eine Zirkel mit Runen, klatschte in die Hände und legte sie auf den Zirkel. Es gab einen Lichtblitz, und schon war der Teller, auf dem die Äpfelscheiben nun wieder lagen, ganz. Clara erschrak. ,,Hier.", sagte Fayt und reichte der geschockt dreinschauenden Clara den Teller. ,,Ihr beiden seid Alchemisten?", fragte Clara ihn und Leon, der dazukam. ,,Elric! Herr Elric!", rief plötzlich jemand. Leon, Fayt und Clara wirbelten herum und erblickten den Inspektor von vorhin, der, ganz außer Atem, vor den Dreien stehen blieb. ,,Mann, sind Sie hartnäckig! Ich bin kein Dieb!", bellte Leon aufgebracht. ,,Das weiss ich, das weiss ich...", hechelte der Inspektor. ,,Es gibt da einen Gefallen, um den ich Sie gern bitten würde."


Er brachte sie zurück zur Polizeizentrale. ,,Begrüßt den Nationalen Alchemisten Meister Leon Elric!", befahl der Inspektor den anderen Polizisten, die sich mit ihnen im Raum befanden, während einer von ihnen Leon eine Schüssel voll Nudelsuppe servierte. Die Polizisten warfen sich vor Leon auf die Füße. ,,Das macht mir Angst...", flüsterte Fayt Leon unbehaglich zu. Leon begann unbeirrt zu essen. ,,Was haben Sie jetzt schon wieder vor, alter Mann?", fragte er dabei den Inspektor. ,,Ähm... Das wegen vorhin tut mir sehr Leid.", sagte der Inspektor mit leicht ängstlicher Stimme. ,,Wie Sie bereits vorgeschlagen hatten, habe ich Oberst Mustang im Hauptquartier East City´s angerufen. Dort habe ich dann erfahren, dass Sie ein Nationaler Alchemist sind. Alles ein dummes Missverständnis also." Er kicherte nervös. ,,Hab ich doch gesagt.", grummelte Leon schmatzend. ,,J-Ja...", stimmte der Inspektor peinlich berührt zu. ,,Ähm, ich würde Sie da gerne um einen Gefallen bitten..." Leon hielt ihm die leere Suppenschüssel hin. ,,Mehr!", befahl er. ,,Nehmen sie, soviel Sie wollen.", sagte der Inspektor und ließ die Schüssel nachfüllen.


Es wurde erneut Abend, und die gesamte Polizei versammelte sich vor einem großen Museum, in dem sich Leon, Fayt, der Inspektor und noch ein paar andere Polizisten befanden. ,,Nun, da Sie auf unserer Seite sind, haben wir nichts mehr zu befürchten.", sagte der Inspektor erleichtert und sah zu einem mit Diamanten besetzten Armband, dass sich in einer säulenartigen Glasvitrine befand. ,,Heute ist das Ende von Psiren." ,,Ich geb mein Bestes.", sagte Leon schulterzuckend und sah aus dem Fenster. ,,Sind aber ´ne Menge Leute heute hier." ,,Ja.", stimmte der Inspektor zu und ließ seinen Blick ebenfalls nach draußen schweifen, wo Dutzende von johlenden Menschen standen, die Plakate mit Aufschriften wie Ich liebe dich, Psiren!<3 hoch hielten. ,,Ich weiss nicht, was sich Psiren dabei denkt. Jedes Mal versendet sie Ankündigungen ihrer bevorstehenden Diebesaktion an alle Zeitungsfverlage, so dass sich Reporter, Schaulustige und Psiren-Fans am Ort des Verbrechens versammeln." ,,Sie ist aber ziemlich berühmt.", meinte Fayt belustigt. ,,Aber heute Abend endet ihre Berühmtheit.", fauchte der Inspektor. ,,Ich zähle auf Sie, Meister Leon." Er wandte sich zur Tür. ,,Ich schaue mal, wie es um die Sicherheit beschaffen ist." ,,Aber, großer Bruder, ich bin überrascht, dass du diesen Auftrag angenommen hast.", sagte Fayt. ,,Ich bin interessiert... ", antwortete Leon. Fayt sah ihn verdutzt an. ,,In diesen Alchemie-Dieb, meine ich.", erklärte Leon.
Zehn Minuten vergingen, doch von Psiren war immer noch keine Spur. Doch während dieser zehn Minuten war die Decke über der säulenartigen Glasvitrine merklich nass geworden, und auf einmal schoss ein Wassertropfen von der Decke hinab und explodierte; der Raum wurde in eine dichte Rauchwolke gehüllt. ,,Verdammt!", rief Leon und sah sich mit zusammengekniffenen Augen im Raum um: Eine ganz in schwarzes Leder gekleidete Person stand vor der Glasvitrine. ,,Warte!", schrie Leon und stürmte auf die Person zu. Etwas schoss haarscharf an ihm vorbei. ,,Was zum...?!?", stammelte er und wirbelte herum: Mehrere Spielkarten hatten Fayt erwischt und ihn an die Wand festgenagelt. Er wirbelte wieder zu der in Schwarz gekleideten Person herum und erstarrte erneut, denn die Person hatte mit einer Spielkarte ein Loch in die Glasvitrine geschnitten und nahm sich nun das Armband. Kichernd rannte sie davon. ,,Stopp!", brüllte Leon und folgte Psiren.
Es gelang Psiren, Leon abzuhängen, und auf einer Brücke blieb sie siegessicher stehen, um zu verschnaufen. Doch als sie wieder aufsah, stand Leon nicht wenige Meter von ihr entfernt. ,,Alchemie kann man auf mehrere Arten und Weisen benutzen.", sagte er. ,,Aber ich werde nicht zulassen, dass du sie benutzt, um zu stehlen! Und wegen dir bin ich auch noch wie ein Dieb behandelt worden! Entschuldige dich gefälligst!" Psiren seufzte jedoch nur, griff in eine Tasche und holte ein Deck Spielkarten hervor, das sich sofort in ein Schwert aus Karten verwandelte. ,,Wa...?!?", rief Leon noch verdattert, als Psiren in die Höhe sprang und ihn mit ihrem Schwert aus Karten zur Seite stieß. ,,Nichts da!", schrie Leon, wich aus und holte mit seiner behandschuten Metallfaust aus. Psiren hielt sich ihr Schwert schützend vor den Körper, doch Leon durchbrach die Waffe, die sofort in ihre Einzelteile zerfiel, packte Psiren und landete mit ihr unsanft am Boden. ,,Jetzt hab ich dich!", rief er, erstarrte aber, da er etwas äußerst Pralles und Rundes von Psirens Körper in Händen hielt: Ihre rechte Brust. ,,Waaaaah! Eine Frau!", kreischte er und sprang schnell von ihr herunter. ,,Tse...", machte Psiren und stand wieder auf. ,,Zu schade, dass ich dir nicht mein Gesicht zeigen kann. Es ist richtig hübsch, weißt du." Sie zog an dem Reißverschluss ihres Dekoltiers, und ein Tattoo, das sich überhalb ihrer Brüste befand, kam darunter zum Vorschein. Das Tattoo leuchtete, und schon im nächsten Moment lag Leon am Boden, mit mehreren Spielkarten am Boden festgenagelt. ,,Verdammt, was soll das!?!", brüllte er aufgebracht. ,,Kleine Kinder müssen früh schlafen gehen...", kicherte Psiren und zog sich den Reißverschluss wieder zu. ,,Tschüss, kleiner Zwerg." Sie warf ihm einen Luftkuss zu und rannte davon. ,,MIT STÖCKELSCHUHEN WIE DEINEN WÄRE ICH AUCH ZEHNMAL GRÖßER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!", brüllte Leon voller Zorn.


Am nächsten Tag gingen Leon und Fayt erneut ins Krankenhaus, wo Leon noch einmal zur Vorsorge untersucht werden sollte.
Als Leon jedoch wieder aus dem Untersuchungszimmer herauskam, war von Fayt keine Spur mehr. ,,Fayt!", rief Leon und wanderte genervt die Korridore des Krankenhauses entlang. ,,Fayt!" - Keine Antwort - ,,Wo steckt der nur wieder?" Er stoppte an einem Zimmer, dessen Tür einen Spalt breit offen stand. Er schaute hinein und erblickte die Krankenschwester namens Clara, die vor einer blauen Orchidee stand. Sie öffnete ihr Dekoltier, und ein Tattoo, das sich oberhalb ihrer Brüste befand, kam darunter zum Vorschein; Leon erstarrte. Das Tattoo leuchtete, und sogleich war die blaue Orchidee verschwunden. Leon trat ein und machte dabei besnders viel Lärm, so dass Clara erschrocken aufschaute. ,,Du...!", rief sie mit großen Augen. ,,Ich bin geschockt...", sagte Leon. ,,Die nette Krankenschwester ist die Diebin Psiren." ,,Wovon redest du?", fragte Clara und sah zu Boden. ,,Ich bin nur hier, um Medizin zu holen..." ,,Nein, Sie sind hier, um sich neue Energie von den Blumen für Ihr Tattoo zu holen.", korrigierte Leon sie. ,,Lügnerin!" ,,``Lügnerin´´ ist aber kein schönes Wort.", sagte Clara schmollend. ,,Ich habe doch ein hübsches Gesicht, oder? Ich habe nicht gelogen." ,,Darum geht es doch gar nicht!", schrie Leon. ,,Großer Bruder!", rief Fayt und kam ins Zimmer. ,,Großer Bruder, ein Notfall!" Er stoppte, als er Clara erblickte. ,,Stimmt etwas nicht?", fragte er. ,,Ja, und wie hier etwas nicht stimmt!", schrie Leon und schlug mit der linken Faust auf den Tisch, der zusammenbrach. ,,Sie ist Psiren! Sieh hin! Dieses Tattoo - dieser Mutations-Zirkel - über ihrer Brust ist der Beweis!" ,,Das Leben... ist kompliziert.", sagte Psiren mit tränenerstickter Stimme. ,,Ihr zwei Kinder werdet das wahrscheinlich nicht verstehen..." ,,Was!?!", schrie Leon wütend. ,,Ich verstehe.", sagte Fayt. ,,Hä?!?", machte Leon. ,,Ich habe gerade gehört, dass dieses Krankenhaus abgerissen werden soll.", erklärte Fayt. ,,Clara, Sie stehlen Sachen, um dieses Krankenhaus zu retten, obwohl Sie es gar nicht wollen, richtig?" ,,Ja...", antwortete Clara, immer noch zu Boden schauend. ,,Ich will keine Diebin sein,aber... ich muss es sein, um den Patienten hier zu helfen." Eine Träne rann ihr das Gesicht hinab. ,,Genau, wie ich es mir dachte.", sagte Fayt mitleidig. ,,Was für eine nette Person." ,,Meister Leon! Meister Leon!", rief der Inspektor, der wenige Sekunden später schnaufen und keuchend ins Zimmer gestürmt kam. ,,Wir haben eine weitere Warnung von Psiren erhalten..." Doch er brach ab, als er die weinende Clara sah. ,,Stimmt irgendwas nicht, Meister Leon?" Leon sah zu Clara und schüttelte den Kopf.


Am Abend hockten Leon, Fayt und der Inspektor in den Büschen vor einem mit gold verzierten Haus im japanischen Stil. ,,Diesmal scheinen weniger Polizisten hier zu sein als gestern.", meinte Leon. ,,Ja, der Mann, dem dieses Haus gehört, ist ein sehr vorsichtiger Zeitgenosse.", erklärte der Inspektor. ,,Er hat eine Falle im Haus aufgestellt." ,,Eine Falle?", wiederholte Leon. ,,Sie werden es schon sehen.", sagte der Inspektor grinsend. ,,Heute ist auf jeden Fall Psirens Ende. Aber natürlich gibt es immer noch die Chance, dass etwas daneben geht. Und für diesen Fall zähle ich auf Sie, Meister Leon." Er trippelte leise zu den Polizisten davon, die sich in einem anderen Gebüsch versteckten. ,,Was willst du tun, großer Bruder?", fragte Fayt Leon. Leon sah mit unbehaglichem Blick zum Haus.
In der Mitte eines Raumes des japanischen Hauses stand vollkommen unbewacht eine Silberbrosche, mit Juwelen verziert, auf einem Podium. Eine Wasserlache breitete sich unter der Tür aus, die in den Raum führte, schnellte nach oben, verformte sich zu einer Hand, und schloss die von innen verschlossene Tür auf, durch die Psiren trat. Sie schritt durch den Raum und griff sich die Brosche. Schlagartig öffnete sich die Decke über Psiren und ein Käfig schoss auf sie hinab; sie war gefangen. ,,Oh nein!", rief sie erschrocken. ,,Eine Falle?" Doch plötzlich gab es einen Lichtblitz, und der Boden brach auf. ,,Leon... danke...", sagte Psiren und flüchtete durch den Keller.
In der Nähe der Brücke, wo sie gestern angehalten hatte, traf Psiren auf Leon, der sie schon erwartet hatte. ,,Kleiner...", sagte Psiren kleinlaut. Sie ging weiter, blieb dann jedoch stehen und fragte: ,,Warum hast du mich gerettet?" ,,Ich habe Sie nicht gerettet.", antwortete Leon. ,,Fayt also...", sagte Psiren schmunzelnd. ,,Es gibt Zeiten, in denen man Böses tun muss. Das glaube ich zumindest.", sprach Leon weiter. ,,Wenn eine böse Tat das Krankenhaus retten kann..." Psiren kicherte. ,,Was ist so lustig?", fragte Leon aufgebracht. ,,Du redest, als wärst du ein Erwachsener.", antwortete Psiren belustigt. ,,Ich bin ein Erwachsener!", fauchte Leon mit hochrotem Kopf. ,,Ah, stimmt. Ich muss ja den Gefallen, den du mir getan hast, als erwachsene Frau erwiedern.", sagte sie und beugte sich ein wenig hinab, so dass sie nun auf Augenhöhe waren. ,,Gibt es etwas, was ich für dich tun kann?" ,,Sagen Sie mir eines: Wenn Sie eine Alchemistin sind, haben Sie doch schon vom Ring der Alchemisten gehört, richtig?", sagte Leon. ,,Sagen Sie mir, was Sie darüber wissen. Ich muss diese Ring haben, koste es, was es wolle!" Psiren sah ihn eine Zeit lang an, dann sah sie niedergeschlagen zu Boden und sagte: ,,Tut mir Leid... ich glaube nicht, dass ich dir dabei helfen kann." Leon wollte sich von ihr abwenden. ,,Aber... Sag mir Bescheid, wenn du herausgefunden hast, wo sich dieser Ring befindet, und ich werde ihn für dich stehlen.", sagte Psiren lächelnd. Sie wandte sich um und wollte davonrennen. ,,Hey!", rief Leon; sie blieb stehen. ,,Es ist schön, dass Sie das Krankenhaus retten können." ,,Ja, dank dir.", sagte Psiren fröhlich und rannte davon.


Am nächsten Morgen wurde ganz Aguroya von einer ohrenbetäubenden Explosion aus dem Schlaf gerissen. Leon und Fayt rannte dorthin, wo die Explosion gewesen war, und erstarrten, als sie das Krankenhaus erblickten, das in Schutt und Asche lag, ein Verkaufsschild davor. ,,Was... ist... das?", stammelte Leon. ,,Sind wir hereingelegt worden?" ,,Das kann nicht sein! Clara würde so etwas nie tun!", rief Fayt. ,,Vielleicht liegt da irgendwie ein Fehler vor und..." ,,Vielleicht liegt ja auch ein Fehler in deinem Kopf vor!", fuhr Leon ihn an. ,,Du sagst das doch nur, weil du dich in diese Clara verschossen hast!" ,,Das war gemein, großer Bruder!", schrie Fayt zurück. ,,Ihr dürft nicht streiten! Das ist nicht nach Gottes Willen.", sagte auf einmal eine Frau. Die beiden Brüder sahen sich um und erstarrten, als sie Clara in Nonnenkleidung erblickten. ,,Cla... ra...", sagte Fayt mit erstickter Stimme. ,,Du...!", grummelte Leon voller Zorn.
Clara brachte sie in eine Kirche, wo sie vor den Altar trat und zu beten begann. ,,Ich bin entsetzt über den Abriss des Krankenhauses.", sagte sie, nachdem sie mit Beten fertig war. ,,Ich habe versucht, es zu retten, aber ich hab es nicht rechtzeitig geschafft. Und da ich so beschämt darüber war, wurde ich eine Nonne." Sie brach in Tränen aus. ,,Clara...", himmelte Fayt sie an. ,,Ich weiss nicht, was ich davon halten soll.", seufzte Leon. ,,Es ist die Wahrheit!", schluchzte Clara. ,,Denjenigen, die glauben, wird geholfen. Und es gibt so viele Dinge, die Hilfe benötigen. Diese Kirche, beispielsweise! Sie wird auch bald abgerissen werden!" ,,Genau, wie ich es mir dachte.", sagte Fayt. ,,Ja, bitte strengen Sie sich an und retten Sie diese Kirche. Wir zählen auf Sie."


Am Abend, als Leon schon fast im Reich der Träume versunken war, stürmte Fayt in sein Hotelzimmer und brüllte: ,,Großer Bruder, ein Notfall!" ,,Was?", fragte Leon, gereizt, weil Fayt ihn aus seinem Halbschlaf gerissen hatte, schoss aus dem Bett und zog sich Boxer-Shorts an. ,,In der Stadt ist die Hölle los, weil Psiren erneut aufgetaucht ist!", erklärte Fayt aufgeregt. ,,Jetzt ist die Kirche gerettet!"


Erneut wurde Aguroya durch eine ohrenbetäubende Explosion am Morgen wachgerissen.
Leon und Fayt starrten mit großen Augen die Überreste der Kirche an. ,,Vielleicht gab es ja wieder einen Fehler...", meinte Fayt kleinlaut. ,,Richtig, großer Bruder?" ,,Bist du total bescheuert!?!", blaffte Leon ihn an. ,,Hör endlich auf, wildfremden Menschen so einfach zu glauben! Sie ist eine Schwindlerin! Sie hat nur mit uns gespielt und lacht sich jetzt wahrscheinlich gerade eins ins Fäustchen!" ,,Das ist aber nicht besonders nett, großer Bruder!", rief Fayt aufgebracht. ,,Ihr dürft nicht streiten! Hört auf, sonst gibt es einen Klassenbucheintrag!", sagte auf einmal eine Frau. Die beiden Brüder wirbelten herum und erblickten Clara, die nun wie eine Lehrerin aussah; sie führte mehrere Grundschüler an. ,,Sie! Was sind Sie denn heute wieder!?!", fuhr Leon sie an. ,,Ich weiss! Sie sind eine Lehrerin geworden!", rief Fayt. ,,Sie arbeiten hart für eine Schule, die bald abgerissen werden soll. Richtig? Richtig, Clara?" ,,J-Ja... Ja, gut beobachtet.", sagte Clara und lächelte freundlich. ,,Hören Sie endlich auf!", schrie Leon, vor Zorn bebend. ,,Was zum Teufel sind Sie!?! Sind Sie einfach nur eine Kriminelle, eine Diebin, die stiehlt und Alchemie für ihre eigenen Zwecke benutzt!?!" Sie sah ihn eine Zeit an, dann sagte sie: ,,Das weiss ich nicht. Aber du bist doch ein Erwachsener, richtig? Denk selbst darüber nach." Sie ging mit ihrer Klasse weiter.
Leon und Fayt wanderten trübselig durch die Stadt, als plötzlich ein Zeitungsverkäufer rief: ,,Extrablatt! Extrablatt! Eine weitere Warnung von Psiren!" Ein Mann kaufte die Zeitung sofort, übers ganze Gesicht breit grinsend. Und nicht nur er: Alle Menschen schienen glücklich über Psirens erneuten Diebeszug zu sein. ,,Warum sind Sie denn alle so glücklich?", fragte Leon den Mann. ,,Sie ist doch nur eine Kriminelle, oder?" ,,Was redest du denn da, Junge?", entgegnete der Mann. ,,Psiren ist unsere Schutzherrin, die Aguroya gerettet hat. Sie ist unser Stern der Hoffnung." ,,Stern der Hoffnung?", wiederholte Leon verwundert. ,,Die Stadt des Wassers, Aguroya, versinkt jedes Jahr ein wenig Meer im Ozean. Die gesamte Stadt wird innerhalb von fünf Jahren ganz im Wasser verschwunden sein.", erklärte der Mann. ,,Deswegen sind alle aus der Stadt geflüchtet. Es war schrecklich hier, bevor Psiren erschien. Aber Dank Psiren wurde die Stadt wieder voller Leben. Reporter von überall kamen hierher, und immer mehr Touristen kommen hierher, um einen Blick auf Psiren zu erhaschen. Aguroya ist die Chance gegeben worden, noch einmal zu leben, bevor es im Meer verschwindet."


Leon und Fayt saßen am Hafen in der Nähe des Leuchtturmes und sahen hinaus aufs Meer. ,,Was, glaubst du, bedeutet das, großer Bruder?", fragte Fayt. ,,Versucht Clara, diese Stadt zu retten, indem sie eine Diebin ist?" ,,Das weiss ich nicht...", antwortete Leon. ,,Aber es gibt etwas, dessen ich mir sicher bin: Sie hat mich hereingelegt... den Metallalchemist. Das werde ich ihr heimzahlen."


Nach getaner Diebesarbeit ruderte Psiren mit einem Holzboot im Stile der Gondolleros durch die Stadt. An der Brücke jedoch hielt sie an, da Leon ihr entgegenruderte, ebenfalls auf einem Boot. ,,Ich wusste, du würdest kommen, Junge.", sagte sie. ,,Das ist romantisch, ein Rendezvous auf dem Wasser." ,,Halt den Mund, diebische Frau.", sagte Leon. ,,Oh? Aber du und ich sind uns doch ähnlich.", sagte Psiren. ,,Du willst den Ring der Alchemisten, richtig?" Sie nahm sich die Maske ab. ,,Wir beide teilen das Gefühl, etwas haben zu wollen.", sagte Clara. ,,Vielleicht.", meinte Leon und fasste sich an seinen Metallarm, der unter dem langen Hemdsärmel und dem Handschuh verborgen war. ,,Aber wir haben auch unsere Unterschiede. Wie wichtig Alchemie für uns ist... und die Schwere unserer Bürde." ,,Fangen wir an, Kleiner.", sagte Clara und zog den Reißverschluss ihres Outfits herunter; das Tattoo kam zum Vorschein und leuchtete. Zwei Drachen aus Wasser schossen sofort in die Höhe und auf Leon zu. Sie zerschmetterten Leons Boot und rissen ihn hinab in die Tiefen des Wassers. ,,Ich hab´s geschafft!", rief Clara triumphierend. Doch das Lächeln schwand sofort wieder aus ihrem Gesicht, als eine riesige Hand aus Stein, die Leon, der am Boden angekommen war, erschaffen hatte, hochschoss und sie packte. Resignierend schloss Clara ihre Augen, während sich die Hand um sie herum schloss und sie festhielt.


Eine viertel Stunde später traf der Inspektor mit mehreren Polizisten ein, um Clara in einen Kutsche zur Polizeizentrale abzuführen. ,,Das war beeindruckend, Kleiner.", lobte Clara Leon, während der Inspektor ihr die Handschellen anlegte. ,,Du wirst mal ein richtig guter Erwachsener. Und wenn du dann einer bist, lass uns noch einmal gegeneinander kämpfen. Aber dann als erwachsener Mann und als erwachsene Frau." ,,Clara...", begann Fayt. ,,Lass mich dir etwas Schönes über den Ring der Alchemisten erzählen.", sagte Clara und beugte sich zu Leon hinab. ,,Was?", fragte Leon verdutzt. ,,Brecht nach der Stadt Xenotime auf.", sagte Clara. ,,Ich habe gehört, dass dort Forschungen über den Ring der Alchemisten betrieben werden sollen." ,,Xenotime...", wiederholte Leon.


Im nächsten Zug nach Xenotime saßen auch Leon und Fayt. ,,Bist du immer noch wütend?", fragte Leon, der auf der Sitzbank saß und zu schlafen versuchte, Fayt, der aus dem Fenster schaute. ,,Ich musste es tun, weil sie nur eine gewöhnliche Kriminelle war..." ,,Nein!", unterbrach Fayt ihn. ,,Sie war nicht einfach nur eine Kriminelle. Du hast selbst gesagt, dass es Zeiten gibt, in denen man Böses tun muss! Clara... Clara ist eine nette Person. Ich weiss, dass du das auch denkst, großer Bruder!" ,,Nun...", begann Leon. ,,Ich weiss nicht..." Er rollte sich zur Seite.


Die Kutsche, in der Clara zusammen mit dem Inspektor und zwei Polizisten saß, fuhr immer noch in Richtung der Polizeizentrale. ,,Ähm...", begann Clara kleinlaut. ,,Hmm?", machte der Inspektor und sah zu ihr. ,,Mir ist ein klein wenig heiß.", erklärte Clara. ,,Könnten Sie vielleicht den Reißverschluss an meiner Brust ein bisschen runterziehen?"
Es gab eine Explosion, und schon im nächsten Moment rannte Psiren laucht lachend durch Aguroya, geschützt durch die Schatten der Nacht.


Vorschau Kapitel 11: Die zwei Brüder: Zwei Brüder, die sich als Leon und Fayt ausgeben, um die Vorteile eines Nationalen Alchemistes genießen zu können. Doch geht es den beiden nur darum?