Eine unvorstellbar große Bibliothek mit Tausenden von Büchern über Alchemie. ,,Ich schätze, hier gibt es keine Bücher mehr mit Informationen über den Ring der Alchemisten.", seufzte Leon und gähnte herzhaft, während Fayt die Bücher der obersten Reihe durchstöberte, an die Leon mit seiner kleinen Körpergröße nicht heranreichte. ,,Dieser Stein von dem Priester war eine Fälschung, also tappen wir mal wieder im Dunkeln.", sagte Fayt. ,,Vielleicht sollten wir ja für den Moment zurück nach Central City.", schlug Leon resignierend vor. ,,Leon, schau!", sagte Fayt auf einmal und zog ein besonders staubiges Buch aus der obersten Reihe hervor. Alchemie für Anfänger stand darauf geschrieben. ,,Siehst du? Eine Einführung in die Alchemie. Ruft das nicht Erinnerungen wach?" ,,Was? Wirklich?", fragte Leon, nahm das Buch entgegen und schlug es auf. Eine Raute, in der eine weitere, kleinere Raute lag, beide umgeben von einem Kreis, war darauf abgebildet. Ja, dies rief wirklich Erinnerungen an Früher wach.
Gehen wir doch einmal neun Jahre in der Zeit zurück.
Der sechsjährige Leon und sein fünfjähriger kleiner Bruder Fayt hockten auf dem Boden des Zimmers ihrer Freundin Winry Rockbell, die den beiden gelangweilt zu, ihren kleinen Husky auf den Armen, wie sie eine Raute zeichneten, in der sich eine kleinere Raute befand, beide von einem Kreis umgeben. ,,Hey, das ist langweilig.", quängelte Winry. ,,Warte, nur noch ein kleines bisschen.", versprach Fayt ihr. ,,Okay, ich bin fertig.", sagte Leon und legte das Stück Kreide, mit dem er gemalt hatte, zur Seite. ,,Pass gut auf, Winry.", sagte er und stellte sich auf der einen Seite der Zeichnung auf, Fayt auf der anderen. ,,Ihr habt doch versprochen, ihr würdet mir ein Geburtstagsgeschenk geben...", maulte Winry. ,,Ja, haben wir. Und das machen wir auch jetzt.", antwortete Leon. Beide Jungen nahmen jeder Salz in ihre Hände und ließen es in das Zentrum der Zeichnung rieseln. Sie knieten sich nieder und legten ihre Hände auf die Zeichnung auf, die sofort golden zu leuchten begann. Winry wich leicht ängstlich zurück. Langsam stieg das Salz am Boden auf und verformte sich. Zwei Augen und ein Mund, beide weit aufgerissen, schauten Winry entgegen, die sofort laut aufschrie und zu weinen begann. Erschrocken rannten die beiden Elric-Brüder zu ihr, um sie zu trösten, ihre erste Mutation, die sie je vollbracht hatten, vollkommen vergessen.
Der Nachmittag zog über das kleine Dorf herein, in dem Leon und Fayt lebten, die nun beide vor dem Haus von Winrys Eltern saßen und schuldbewusst dreinchauten.
,,Es ist Winrys Schuld...", sagte drinnen im Haus in der Küche Winrys Vater. ,,Die beiden haben sich den ganzen Ärger angetan, um..." ,,Das stimmt.", stimmte Winrys Mutter zu. ,,Leonard und Fayton haben das nur für dich gemacht." ,,Es tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich die Mutter von Leon und Fayt, die ebenfalls anwesend war. ,,Wie dem auch sei...", sagte Winrys Großmutter, die gerade aus Winrys Zimmer her in die Küche kam. ,,Diese beiden sind wirklich exzellente Alchemisten." Sie legte eine Stoffpuppe auf den Küchentisch: Der erste Gegenstand, den die beiden Elric-Brüder je mit Alchemie erschafft hatten. Die Mutter von Leon und Fayt sah verwundert drein. ,,Aber sie sollten doch eigentlich nichts über Alchemie wissen...", sagte sie mit großen Augen. ,,Vielleicht liegt es ja daran, dass sie seine Kinder sind.", meinte Winrys Großmutter.
Leon und Fayt sahen auf, als ihre Mutter hinaus zu ihnen kam, eine Strafe erwartend. Doch ihre Mutter lächelte sie nur an und ging dann los nach Hause, ihre beiden Söhne dicht hinter ihr. ,,Wann habt ihr denn Alchemie von Papa gelernt?", fragte sie die beiden, während sie sich das Buch Alchemie für Anfänger besah, das ihre beiden Söhne mit zum Haus von Winrys Eltern genommen hatten. ,,Wie sollen wir denn etwas von jemandem lernen, der nie da ist?", entgegnete Leon. ,,Es war in dem Buch da beschrieben.", sagte Fayt und deutete auf das Buch in den Händen seiner Mutter. ,,Ihr versteht dieses komplizierte Buch hier?", fragte ihre Mutter, ziemlich beeindruckt. ,,Ein bisschen.", antworteten die beiden Brüder wie aus einem Munde. ,,War es schlimm?", fragte Leon. ,,Nein, nicht schlimm, sondern beeindruckend.", sagte seine Mutter stolz. ,,Ich werde bei jedem im Dorf angeben." Sie kicherte vergnügt. Die beiden Jungen lächelten sich zufrieden zu.
Der nächste Morgen. ,,So, und jetzt legt ihr das Buch wieder dahin, wo ihr es gefunden habt.", sagte die Mutter zu ihren beiden Söhnen, als sie das Arbeitszimmer ihres Mannes betreten hatten, ein Zimmer voller alter Metallstatuen, voller seltsamer Mixturen und voller Bücher über Alchemie. ,,Okay.", sagten sie beiden nickend. ,,Und wenn Papa zurückkommt, dann bedankt euch auch." ,,Okay!", riefen die beiden. ,,Und hinter der Tür da hinten haben kleine Kinder nichts verloren.", fuhr ihre Mutter fort. ,,Okay!", riefen die beiden nur erneut und stürzten sich dann fröhlich auf die vielen Bücher in den Regalen, das aufgrund der beiden übermütigen Kinder zu wackeln begann und seinen blättrigen Inhalt auf sie entlud. Kopfschüttelnd sah die Mutter auf ihre beiden unter dem Bücherberg begrabenen Kinder hinab.
Mutter begann einen seltsamen Blick zu bekommen, nachdem Vater auf seine Reise aufgebrochen war ohne sein Ziel zu nennen..., erinnerte sich der vierzehnjährige Fayt der Gegenwart. Aber nachdem wir Alchemie gelernt hatten, fing sie wieder an mehr zu lächeln... Mutter hatte uns oft gelobt wegen unsern Fähigkeiten im Bereich der Alchemie... Wir widmeten unser Leben der Alchemie...
Und so zogen die Jahre ins Land.
,,Mama! Mama!", rief der zehnjährige Leon, der mitdem neunjährigen Fayt zusammen zu seiner Mutter rannte, die gerade Wäsche zum Trocknen aufhing. ,,Schau mal!" ,,Leon hat das gemacht.", sagte Fayt mit Blick auf das kleine Pferd aus Metall, das Leon in seinen Händen hielt. ,,Ich krieg leider nur so was hin.", fügte er hinzu und sah auf das kleine, recht unförmige Schwein aus Metall in seinen Händen. ,,Das ist unglaublich, ihr beiden.", lobte ihre Mutter sie und nahm das Pferd von Leon, um es zu begutachten. ,,Ihr seid wirklich seine Kinder." Leon lache fröhlich. ,,Wird Papa uns auch loben?", fragte Fayt. Das Lachen verschwand sofort aus dem Gesicht ihrer Mutter. ,,Ja, natürlich.", sagte sie schließlich und lächelte wieder, diesmal nur ein gespieltes, bemüht fröhliches Lächeln. ,,Das wird er ganz sicher tun, wenn er zurück nach Hause kommt." Leon schaute wütend drein, schnappte sich das Pferd aus den Händen seinen Mutter und rannte los. ,,Ich gehe zu Winry!", rief er, rannte aber in eine vollkommen andere Richtung. ,,Großer Bruder!", rief Fayt und folgte ihm. Ihre Mutter seufzte tief und traurig, und wandte sich wieder der Wäsche zu.
Leon und Fayt saßen auf einem Hügel in der Nähe des Bahnhofes des Dorfes. ,,Großer Bruder, hasst du Papa?", fragte Fayt. ,,Nein, nicht wirklich hassen...", begann Leon. ,,Ich erinnere mich nur nicht an ihn. Und wenn wir über ihn reden, setzt Mama so ein komisches Gesicht auf. Das mag ich nicht." ,,Tut mir Leid...", sagte Fayt und sah zu Boden. Leon legte ihm eine Hand auf den Kopf und zerwuschelte ihm die Haare. ,,Los, gehen wir zu Winry.", sagte er und stand auf. Fayt nickte.
Bei Winry angekommen, erblickten sie eine äußerst traurig dreinschauende Großmuttervon Winry und die haltlos weinende Winry selbst. ,,W-Was meinst du damit?", fragte Fayt. ,,Hab ich doch gesagt, Mama und Papa sind tot.", schluchzte Winry. ,,Aber deine Eltern sind doch Ärzte.", wandte Leon ein. ,,Ja.", sagte Winry mit tränenerstickter Stimme. ,,Deswegen mussten sie ja auch nach Ishbal aufbrechen, wo Krieg herrscht... Sie sind dort gestorben. ,,Winry, das ist ungefähr dasselbe wie das, was mit unserem Papa passiert ist, also...", begann Fayt und stellte das kleine Schwein aus Metall vor ihr ab. ,,Es ist nicht dasselbe!", schrie Winry und schlug das Schwein zur Seite. Es fiel zu Boden. ,,Sie sind tot! Das bedeutet, dass sie nie mehr zurückkehren werden!" ,,Das ist nicht wahr.", widersprach Leon und hob das Schwein vom Boden auf. ,,Ich hab in einem Buch über einen Golem namens Homunculus gelesen. Es ist eine Puppe ohne Herz. Aber mit Alchemie kann man vielleicht..." ,,Aufhören!", rief Winrys Großmutter. ,,Das ist verboten!" Winrys Husky, der mit den Jahren gealtert hatte und nun eine Pfote aus Metall hatte, wich winselnd vor ihr zurück. ,,Alchemie ist nicht perfekt.", sprach Winrys Großmutter warnend. ,,Genau deswegen existieren wir Auto-Mail-Mechaniker." Sie sah zur Metallpfote des Huskys. ,,Alte Hexe...", grummelte Leon. ,,Waaaaaaah!!!", kreischten beide Jungen Sekunden später und ergriffen die Flucht, als die "alte Hexe" ihnen alle möglichen Werkzeuge entgegenwarf.
,,Winry tut mir Leid.", sagte Fayt auf dem Rückweg nach Hause, und durchbrach damit die Stille, die nach dem Verlassen des Hauses von Winrys toten Eltern geherrscht hatte. Leon antwortete nicht, sondern sah zu seiner Mutter, die draußen im Garten Äpfel pflückte und winkte, als sie ihre beiden Söhne erblickte. Langsam stiegen Leon die Tränen ins Gesicht. Er stürmte los und warf sich seiner verwirrt dreinschauenden Mutter in die Arme. Fayt folgte ihm weinend. ,,Was ist denn los, ihr beiden?", fragte ihre Mutter sie, bekam jedoch keine Antwort von den weinenden Jungen. ,,Was ist denn los, Leonard? Du bist doch schon ein großer Junge. Du bist zu alt dafür."
Zwei Monate später.
Fröhlich lachend stürmten die beiden Elric-Brüder über die Felder, die das Dorf umgaben und spielten auf dem Heimweg Fangen. ,,Hahahaha! Du bist zu langsam, Fayt!", lachte Leon belustigt, während er in Richtung Zuhause stürmte.
,,Tschuldige, dass wir so, spät sind, Ma...!", begann Leon fröhlich, als er die Tür zum Haus öffnete. Doch sein Stimme erstarb sofort, als er einen umgestürzten Stuhl im Wohnzimmer erblickte, ihre bewusstlose Mutter darunter begraben, schwer und rasselnd atmend. Vor Schreck ließ Leon die Sachen, die er mit Fayt eingekauft hatte, zu Boden fallen. ,,Mama...", stammelte er und stürmte mit Fayt zu seiner Mutter. ,,Mama!", schrien beide Jungen verzweifelt, doch ihre Mutter antwortete nicht.
,,Das ist keine Krankheit, die sie sich erst vor kurzem eingefangen hat.", sagte der Arzt am Abend zu Winrys Großmutter, die ihn gerufen hatte.
Leon und Fayt saßen besorgt am Bett ihrer glühend heißen Mutter.
,,Sie muss diese Schmerzen bereits lange Jahre gehabt haben.", sprach der Arzt weiter.
,,Liebling...", murmelte Leons und Fayts Mutter im Schlaf.
,,Hier sind Briefe, die an ihn addressiert sind.", sagte Leon in der Nacht im Arbeitszimmer seines Vaters und sah zu den Briefen, die für seinen Vater bestimmt waren. ,,Wenn wir Briefe an jeden der Absender schicken..." ,,Wird jemand vielleicht wissen, wo Papa ist, und ihm sagen, dass er nach Hause kommen soll?", beendete Fayt hoffnungsvoll den Satz. ,,Ich will nicht, dass er zurückkommt!", schrie Leon. ,,Aber es geht nicht anders. Verdammt.
Es war ein paar Tage später in einer stürmischen Nacht. ,,Dort im Schrank ist Geld, das Papa zurückgelassen hat...", sagte die Mutter mit schwacher Stimme in ihrem Bett zu ihren Söhnen. Der Arzt, Winry und Winrys Großmutter sahen betreten zu Boden. ,,Ich habe nichts davon genutzt...", sprach die Mutter weiter, die Hände ihrer beiden Söhne fest in ihrer eigenen Hand. ,,Benutzt es, kooperiert und lebt miteinander." ,,Was redest du denn da, Mama?", sagte Leon und versuchte zu lächeln. ,,Kannst du etwas für mich mutieren, Leonard?", bat seine Mutter ihn. ,,Ein Blumenkranz wäre schön." ,,Was?", fragte Leon. ,,Er... hat sie immer... für mich gemacht...", sagte ihre Mutter noch, bevor das Licht in ihren Augen für immer erlosch; ihre Hand ließ die Hände ihrer Söhne los.
Mutter war glücklich Alchemie zu sehen, weil es sie an Vater erinnerte..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart. Erst am Abend ihres Todes verstanden wir dies.
Die Beerdiung der Mutter von Leon und Fayt fand am nächsten Tag gegen Mittag stand, ihre Söhne weinend vor ihrem Grab, Winry und ihre Großmutter dicht hinter ihnen, dahinter die anderen Bewohner des Dorfes, allesamt schwarz gekleidet.
Bei Sonnenuntergang waren Leon und Fayt die einzigen, die noch am Grab ihrer Mutter standen. ,,Großer Bruder...", sprach Fayt zum ersten Mal an diesem Tag. ,,Ich hab Hunger... Und mir ist kalt... Gehen wir nach Hause." ,,Fayt...", begann Leon, sein Blick auf das Grab gerichtet. ,,Erwecken wir Mama wieder zum Leben." Fayt sah ihn erschrocken an.
,,Hier! Seine Aufzeichnungen!", rief Leon am Abend im Arbeitszimmer seines Vaters und blätterte durch ein riesiges Notizbuch. ,,Ich verstehe zwar nicht die Details, aber hier steht Zeugs über Menschliche Mutation drin." ,,Aber hier steht, dass Menschliche Transmutation verboten ist.", wandte Fayt ein. ,,Jeder würde glücklich darüber sein, eine tote Person zurück ins Leben kehren zu sehen!", sagte Leon. ,,Jeder, der es bis jetzt versucht hat, ist gescheitert, und nur deswegen haben die Erwachsenen es verboten. Wenn du, Mama, und ich wieder glücklich miteinander leben können, bin ich mir sicher, dass Mama sich auch freuen würde." ,,Vielleicht sollten wir zuerst Papa fragen...", meinte Fayt unsicher. ,,Mama ist seinetwegen gestorben!", schrie Leon. ,,Mama hat auf ihn gewartet, aber er ist nicht einmal zu ihrer Beerdigung gekommen! Wenn er es nicht hinbekommt, dann mach ich es eben! Ich werde es tun!"
Nicht viel später fanden wir auf einer Insel eine Lehrerin, und begannen noch einmal ganz von vorne mit dem Erlernen der Alchemie..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart. Und dann... eines Tages...
Sie saßen im Arbeitszimmer ihres Vaters, ein heftiger Sturm und dunkle Wolken draußen ein Unwetter ankündigend. ,,Wasser: 35 Liter...", las Leon die Rezeptur vor, während Fayt Wasser holte. ,,Carbon: 20 kg. Ammonium: 4 Liter. Klebstoff: 1,5 kg. Phosphor: 800 kg. Salz: 250 g. Niter: 100 g. Fluorid: 7,5 g. Eisen: 5 g. Silicon: 3g. Aus diesen Elementen besteht der Körper eines erwachsenen Menschen. Sie legten alle Zutaten in das Zentrum der Zeichnung, die Leon mit Kreide auf den Boden gemalt hatte. ,,Wir werden Mamas Geist zurückholen, und ihn an den Körper binden." ,,Großer Bruder, wird das auch funktionieren?", fragte Fayt unsicher. ,,Dafür ist es zu spät, Fayt.", entgegnete Leon. ,,Aber Alchemie funktioniert doch nur mit dem Prinzp des Gleichwertigen Tausches, richtig?", fragte Fayt. ,,Wir haben das Material für den Körper... aber was sollen wir denn für Mamas Geist benutzen?" ,,Finger ausstrecken.", sagte Leon zu ihm und holte ein Messer hervor, mit dem er sich selbst in den Finger stach. Sein Blut tropfte auf die Zutaten im Zentrum der Zeichnung, gefolgt von Fayts Blut. ,,Das ist die... Information für ihre Seele.", sagte Leon. ,,So sollte es klappen. Fangen wir an, Fayt."
Regen setzte ein. Ein Mann, vermummt in eine Regenjacke, wanderte auf das Dorf zu, in dem Leon und Fayt lebten. ,,Das Dorf Rizenbul, wie?", sagte er.
Ein goldener Sturm war im Arbeitszimmer los gebrochen und umgab nun auch die beiden Brüder. Doch schon wenige Sekunden später verfärbte sich der Sturm von Gold zu Violett und schwarze Blitze brachen im ganzen Raum los. Die Deckenlampen zersplitterten, Bücher flogen quer durch den Raum, Reagenzgläser zerplatzen. ,,Da stimmt irgendwas nicht, großer Bruder!", rief Fayt ängstlich und schrie im nächsten Moment so laut wie noch nie zuvor.
Aufgeschreckt durch den Schrei rannte Winry aus dem Haus, dicht gefolgt von ihrer Großmutter,und sah sich verwirrt um.
Einer der schwarzen Blitze hatte Fayt gepackt und begann ihn in ein violett schimmerndes Loch zu ziehen. ,,Fayt!", brüllte Leon entsetzt und wollte zu ihm stürmen, doch etwas packte sein linkes Bein und hielt ihn fest. ,,Großer Bruder!", schrie Fayt panisch, das Loch ihn langsam verschlingend. ,,Großer Bruder...!" Leon versuchte zu ihm zu gelangen, kam aber nicht gegen das an, was eisern sein linkes Bein festhielt. ,,Großer Bruder! Großer Bruder!", schrie Fayt unter Tränen und mit viel zu hoher Stimme. ,,FAYT!!!", brüllte Leon und musste zusehen, wie das Loch ihn ganz verschlang.
Das letzte, was ich sah, war, wie das linke Bein meines Bruder zersetzt wurde und verschwand..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart.
Fayt erwachte stöhnend, überall um ihn herum Rauch. Er stand mit wackeligen Beinen auf, das Scheppern von Metall seine Bewegungen begleitend. ,,Was ist das..?", sagte er verdutzt und blieb stehen. Erschrocken sah er auf seine Hand, die vollkommen aus Metall war. Leises Röcheln drang zu ihm herüber. Er sah zu Boden und erblickte seinen großen Bruder Leon, dessen linker Arm und linkes Bein nicht mehr da waren, Blut in Strömen fließend. ,,Es... Es tut mir Leid, Fayt...", keuchte Leon und spuckte Blut. ,,Großer Bruder!", schrie Fayt entsetzt. ,,Großer Bruder, was ist passiert? Und... dein Arm..." ,,Nur mit meinem Arm...", begann Leon keuchend. ,,Das einzige, was ich noch tun konnte, war, deine Seele in eine der Statuen hier zu bannen... mit meinem Arm..." ,,Großer Bruder...", sagte Fayt bedrückt. ,,Und... was ist mit Mama?" ,,Sie war nicht menschlich...", stöhnte Leon. Fayt sah zu dem Mutations-Zirkel und erschrak sich zu Tode, als er das abstruse Gebilde aus Nerven, Fleisch, Knochen und anderen Organen sah, das sich immer noch regte. ,,Oh nein... aber warum?", fragte Fayt entsetzt. ,,Deine Theorie war doch perfekt!" ,,Meine Theorie war nicht falsch.", entgegnete Leon. ,,Wir waren diejenigen, die falsch lagen." Er brach zusammen.
Winry und ihre Großmutter sprangen erschrocken auf, als sie eine wandelnde Metallstatue erblickten, die ihr Haus betrat und Leon trug, dem ein Bein und ein Arm fehlte. ,,Bitte...", flehte die Metallstatue mit zittriger Stimme und sah auf den blutverschmierten Leon hinab. ,,Bitte helft meinem großen Bruder." ,,Fayt... bist du das?", fragte Winry mit großen Augen. ,,Was?!?", rief ihre Großmutter erschrocken.
,,Ihr zwei seid also von eurem Training zurück?", sagte Winry, nachdem sie Leon verarztet, seine Wunden mit Mullbinden umwickelt, und ihn ins Bett des Gästezimmers geleg hatten. ,,Was ist passiert?" ,,Sagt mir nicht, ihr habt versucht,eure Mutter wiederzuerwecken.", sagte Winrys Großmutter scharf. Fayt sah zu Boden und wollte gerade antworten, als ein Mann eintrat und die Kaputze seines Regenmantels zurückschlug; er hatte pechschwarze Haare. ,,Ih verstehe.", sagte er. ,,Das Licht, was ich gesehen habe, kam also von einer Menschlichen Mutation. Du so eine starke Mutation habe ich noch nie zuvor gesehen." Die anderen im Raum Anwesenden sahen ihn verwirrt an. ,,Entschuldigt.", sagte der Mann und holte eine mit Runen verzierte Taschenuhr aus seinem Mantel hervor. ,,Ein Nationaler Alchemist?", sagte Fayt verdutzt. ,,Und was will sein Soldat hier?", fragte Winrys Großmutter. ,,Wie Sie sehen können, sind diese beiden hier schwer verletzt worden." ,,Ich habe diesen Brief hier erhalten.", sagte der Nationale Alchemist und holte einen Brief hervor. ,,Das it einer der Briefe, die mein großer Bruder an die Bekannten von Papa geschickt hat.", sagte Fayt erstaunt. ,,Wir haben ebenfalls nach eurem Vater Hohenheim gesucht.", sagte der Nationale Alchemist. ,,Ihr Vater wird immer noch vermisst.", sagte Winrys Großmutter. ,,Wir haben Verletzte hier. Bitte gehen Sie." ,,Wenn er immer noch let, selbst nachdem er eine Menschliche Mutation vollführt hat, dann steht sein Vater nicht mehr länger auf meiner Prioritätsliste an erster Stelle.", sagte der Nationale Alchemist mit Blick auf den bewusstlosen Leon. ,,Er könnte ein exzellenter Nationaler Alchemist werden. ,,Er hat nichts getan.", sagte Winrys Großmutter. ,,Und jetzt gehen Sie. Wir sind beschäftgt. Ich habe keine Lust mehr, mich noch länger mit einem Militärhund zu unterhalten." ,,Mein Name ist Roy Mustang, Nationaler Alchemist und Lieutnant Oberst.", sagte der Mann namens Roy Mustang, während er Kehrt machte und zur Tür ging. ,,Kommt nach Central City." Er ging auf den Flur und hinaus und verließ das Haus wieder.
Am nächsten Morgen trat Winry mit einem Bottich voll Wasser und einem Waschlappen ins Gästezimmer, wo Leon immer noch reglos lag. Sie tränkte den Waschlappen mit dem kalten Wasser und legte ihn auf Leons Stirn. Dann wandte sie sich um und blickte zur Metallstatue, in der nun Fayts Seele steckte. Die Metallstatue bewegte sich nicht. Interessiert studierte Winry ihn von oben bis unten, klopfte ihn ab und setzte sich probeweise auf ihn drauf. ,,Guten Morgen, Winry.", begrüßte Fayt sie auf einmal. Erschrocken fiel sie von ihm hinunter und auf ihren Hintern. ,,Du bist wach?!?", rief sie erschrocken. ,,Ähm... Es tut mir Leid, ich...!"
Als Leon am Mittag erwachte, wechselte Winrys Großmutter seinen Verband sofort aus. ,,Bei uns zu Hause liegt ein richtig großer Batzen Geld.", begann Leon auf einmal. ,,Dummerchen, mach dir keine Sorgen um die Bezahlung für den Verband.", sagte die Alte. ,,Das meine ich nicht.", sagte Leon. ,,Ich möchte, dass ihr mich mit dem Geld mit Auto-Mail ausrütet." Die Alte stoppte schlagartig. ,,Ich werde nach Central City zu diesem Roy gehen, und ein Nationaler Alchemist werden.", sprach Leon weiter. ,,Und dafür brauche ich zwei bewegliche Arme und zwei bewegliche Beine, richtig?" ,,Du hast also mitgehört?", fragte die Alte. ,,Ich hab von unserer Lehrerin gehört, dass ich die seltenen Dokumente benutzen kann, die der Staat in seiner Bibliothek aufbewahrt, wenn ich ein Nationaler Alchemist werde. Und ich bekomme Geld für jede Forschung, die ich betreiben will. Und ich habe gehört, dass diese Taschenuhr die Macht eines Alchemisten verstärken kann." ,,Hat deine Lehrerin denn auch das hier gesagt?", fragte die Alte und begann: ,,Sobald ein Krieg ausbricht,wirst du gezwungen, dich daran zu beteiligen. Und wenn dir ein Befehl gegeben wird, musst du Alchemie benutzen, welche eigentlich zum Wohle der Bevölkerung entwickelt worden war, um Menschen zu töten. Ich habe auch gehört, dass es ein im Krieg beteiligter Nationaler Alchemist war, der das Leben von Winrys Eltern - meinem Sohn und meiner Schwiergertochter - nahm." ,,Es ist mir egal, ob ich zu einem Militärhund werde.", entgegnete Leon stur. ,,Es gibt da etwas, was ich tun muss." ,,Leon... du willst immer noch...?", sagte die Alte mit offenem Mund.
Die Zähne fest zusammengebissen, um seinen Schmerzen nicht mit lauten Schreien Ausdruck zu verleihen, versuchte Leon die Prozedur der Anbringung der Auto-Mails an seinem Bein und Arm zu ertragen, jedoch wild um sich schlagend und immer wieder laut aufkeuchend. ,,Halte durch.", sagte Winry, die mit ihrer Großmutter die Auto-Mails anbrachte. ,,Das sind die besten Modelle, die wir bis jetzt hergestellt haben. Beunruhigt durch den Lärm, den der um sich schlagende und tretende Leon machte, riskierte Fayt einen Blick in das Zimmer. ,,Draußen bleiben!", fuhr Winry ihn an und warf ihm einen Schraubenschlüssel entgegen. Schnell schloss er die Tür wieder. ,,Ich bin ziemlich überrascht.", sagte Winrys Großmutter, einen Lötkolben zwischen den Zähnen. ,,Selbst ein Erwachsener würde die ganze Zeit nur lauthals schreien von den Schmerzen, die es verursacht, jeden einzelnen Nerv mit dem Auto-Mail zu verbinden." ,,Dieser Schmerz...", keuchte Leon. ,,Er ist nichts im Vergleich zu Fayts Schmerz..."
Am nächsten Morgen stand Fayt am See des Dorfes und machte Kampfübungen. ,,Machen wir das, was wir jeden Morgen bei unserer Lehrerin gemacht haben...", sagte Fayt zu Leon, der ebenfalls am See saß, nun mit einem Bein und einem Arm aus Metall ausgestattet. ,,Um deinen Geist zu trainieren, musst du auch deinen Körper trainieren.", zitierte er einen Satz ihrer Lehrerin, bei der sie das Kämpfen gelernt hatten. ,,Das hat unsere Lehrerin doch so gesagt, richtig? Aber, Fayt, schaffst du das auch mit diese Körper?" ,,Gegen einen Auto-Mail werde ich ganz bestimmt nicht verlieren.", sagte Fayt herausfordernd. Leon stürmte ohne Vorwarnung auf ihn zu und holte mit seiner Metallfaust aus, die Fayt mit seiner Hand abwehrte. Leon sprang zurück und setzte einen Tritt an, den Fayt mit beiden Armen blockte. Wieder sprang Leon zurück und wollte zum dritten Mal angreifen, doch diesmal holte Fayt mit einem seiner wuchtigen Arme aus und Leon musste den Angriff mit beiden Händen blocken. Durch die Wucht des Schlages torkelte er leicht zurück. ,,Großer Bruder, willst du wirklich ein Nationaler Alchemist werden?", fragte Fayt, während sie beide weiter aufeinander einschlugen. ,,Ich weiss nicht, ob ich einer werden kann oder nicht, aber ich werde mich auf jedem Fall mit diesem Roy treffen.", entgegnete Leon. ,,Bitte Tu's nicht.", bat Fayt ihn. ,,Ich habe mich bereits entschieden.", entgegnete Leon stur. ,,Dann werde ich eben einer.", meinte Fayt. ,,Das kannst du nicht.", sagte Leon schlicht. ,,Großer Bruder, hast du etwa immer noch vor, Mama zu mutieren?", fragte Fayt leicht beunruhigt. ,,Du hast in der Nacht gesagt, dass wir falsch lagen! Also warum...?" Er holte mit der Faust aus, doch Leon wich aus, stellte ihm ein Bein und brachte ihn so zu Fall. ,,Ich werde ein Nationaler Alchemist.", sagte Fayt und stand wieder vom Boden auf. ,,Und ich werde herausfinden, wie ich dir dein Bein und deinen Arm wiederbringen kann!" ,,Deswegen solltest du dir keine Sorgen machen.", meinte Leon. ,,Aber es ist meine Schuld!", schrie Fayt aufgebracht. ,,Wenn ich dir nicht zugestimmt hätte, hättest du nicht dein Bein verloren! Du hast sogar deinen Arm verloren, als du meine Seele in diese Staue gebannt hast..." Ohne Vorwarnung trat Leon ihn in den See. ,,Sag mir mal bitteschön, was du mit diesem Körper tun willst.", sagte Leon zu ihm. ,,Großer Bruder...", sagte Fayt niedergeschlagen und schwamm wieder an Land. ,,Ich werde einen Weg finden, dir zu deinem alten Körper zu verhelfen.", versprach Leon ihm. ,,Also hast du Mama aufgegeben?", fragte Fayt. ,,Es gibt wahrscheinlich nichts auf der Welt, was gleichwertig mit Mamas Leben ist.", entgegnete Leon und sah zu Boden. ,,Und... ich will nicht auch noch dich verlieren." ,,Dann werde ich mit dir gehen.", sagte Fayt. ,,Warum das denn?", fragte Leon. ,,Weil du ohne mich hoffnungslos verloren wärst, großer Bruder.", antwortete Fayt belustigt. ,,So denkst du also von mir...?", fauchte Leon. ,,Ich will... nie von dir getrennt sein.", sagte Fayt.
Traurig beobachteten Winry und ihre Großmutter die beiden von Fern.
Am Abend brannte das Haus von Leon und Fayt lichterloh, angezündet von den Besitzern selbst, alle Gegenstände, Erinnerungen mit verschwindend. Selbst wenn wir versuchen, unsere alten Körper zurückzubekommen, wir suchen immer noch nach einem Weg für verbotene Menschliche Mutation..., dachte Fayt, während er mit Leon zusah, wie das Haus langsam niederbrannte. Wenn wir erneut versagen sollten, werden wir möglicherweise für immer von dieser Welt verschwinden... Wir sind uns nicht sichern, ob wir mit etwas noch Schlimmerem bestraft werden, als das hier... aber wir können nicht zurück.
Und so zogen Leon, elf Jahre, und Fayt, zehn Jahre, los, alles und jeden aus ihrer Vergangenheit zurücklassend.
Vorschau Kapitel vier: Liebe: Erst wenn einer Puppe Leben geschenkt wird, werden die Menschen erkennen, wie töricht sie waren. Aber dennoch werden sie denselben Fehler immer und immer wieder begehen... wenn sie Liebe mutieren können.
Montag, 25. Juni 2007
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