,,Ihr habt versucht, eine menschliche Mutation zu vollführen?", spottete Conero. ,,Ihr habt das größte Tabu missachtet! Dein Körper ist auf die andere Seite gerissen worden! Deswegen trägt er also den Titel "Metallalchemist"!" Er lachte laut und belustigt, während sich Fayt nun endlich wieder freigebuddelt hatte. ,,Ich verstehe, so ist das also.", sagte Conero. ,,Ich habe mich gewundert, warum ein Kind wie du solch eine Titel trägt." Er wandte sich an Rose. ,,Rose, in der Alchemie ist es verboten, Dinge in Gold zu verwandeln. Aber es gibt eine Sache, die ebenfalls verboten ist, und das sogar aus gutem Grund: Menschliche Mutation." Rose sah zitternd von Fayt zu Leon. ,,Törichte Kinder.", sprach Conero gackernd weiter. ,,Ihr habt mit der Alchemie herumgespielt ohne die Konsequenzen zu kennen!" ,,Nein, wir...!", versuchte sich Fayt zu verteidigen. ,,Fayt!", unterbrach Leon ihn streng. ,,Wir wollten nur...", sagte Fayt kleinlaut und erinnerte sich zurück an seine Kindheit... an ihre Mutter. ,,Wir wollten Mutter nur wieder lächeln sehen...", schloss er. ,,Aber ihr seid gescheitert!", lachte Conero. ,,Ja, mein Bruder hat seinen Körper verloren, und ich meinen linken Arm und mein linkes Bein.", sagte Leon, zu Boden schauend. ,,Das kam dabei heraus, als wir zu zweit versucht haben, eine einzige Person ins Leben zurückzuholen. Rose, das kommt dabei heraus, wenn du versucht, jemanden wiederzubeleben." Rose schluckte schwer. ,,Bist du bereit, diesen Preis zu bezahlen, Rose?", rief Leon. Rose schaute unsicher drein, doch Conero legte ihr väterlich eine Hand auf die Schulter und sagte mit sanfter Stimme: ,,Mach dir keine Sorgen. Ich habe den Ring der Alchemisten, den Leto mir gab. Und ich bin kein Amateur wie die beiden da." ,,Mach dich nicht über uns lustig!", schrie Leon zornig. ,,Es gibt Dinge, die kann man nicht tun, egal, wie sehr man es auch versucht!" ,,Und warum sucht ihr dann den Ring der Alchemisten?", fragte Conero. ,,Ihr glaubt doch, dass ihr eure Mutter damit zurückholen könnt, nicht wahr?" ,,Hör auf rumzuraten, Glatzkopf.", sagte Leon genervt. ,,Wir wollen nur unsere alten Körper zurück. Obwohl es natürlich auch die Möglichkeit gibt, dass es nicht funktionieren wird." ,,Wir sagen es noch einmal: Bitte übergeben Sie uns den Ring der Alchemisten.", bat Fayt Conero. ,,Nationaler Alchemist, Gottes Zorn wird über dich herfallen.", sagte Conero nur. ,,Komm doch hier runter, du drittklassiger Magier!", schrie Leon drohend. ,,Ich zeig dir, wie schwächlich du bist!" Der Ring der Alchemisten begann schlagartig hellauf zu leuchten. ,,Dummköpfe!", brüllte Conero und schoss wie wild mit der Bazuka, die durch den Ring erschienen war, auf die beiden. Der ganze Raum wurde von dem aufgewirbelten Sand verhüllt. Conero lächelte triumphierend, doch als der Sand sich wieder gelegt hatte, erschrak er, als er eine Wand aus Stein sah, die Leon vor sich und seinem Bruder erschaffen hatte, um sich vor den Geschossen der Bazuka zu schützen. ,,Mann, was das knapp.", atmete Leon erleichtert auf. ,,Hohepriester!", rief plötzlich jemand. Leon und Fayt wirbelten herum und erblickten Dutzende von Bediensteten Coneros. ,,Wie könnt ihr es wagen!", schrie einer von ihnen und zielte mit einer Pistole auf die beiden Brüder. Leon sprang zur Seite, während Fayt mehrere Schüsse abbekam, die ihm natürlich nichts antun konnten. ,,Fayt! Hier lang!", rief Leon und lief auf eine Wand zu. ,,Dummkopf, es gibt nur einen Ausgang!", rief Conero. ,,Dann mach ich mir eben noch einen!", schrie Leon und stützte beide Hände gegen die Wand. Es gab einen Lichtblitz, und sogleich war dort, wo eben noch die Wand war, nun eine Tür, durch die Leon und Fayt flüchteten. ,,Hey, fangt sie!", schrie der Anführer der Bediensteten und rannte mit ihnen los. ,,Hohepriester...?", sagte Rose zögerlich. ,,Dieser Ring... Waren diese Wunder wirklich nur Alchemie?" ,,Einige Menschen ziehen es vor, es Alchemie zu nennen.", antwortete Conero. ,,Aber ich kann etwas, was sie nicht können." Sie sah ihn nur an. ,,Tut mir Leid, dass du so lange warten musstest.", sagte er.
Er führte sie in ein abgedunkeltes Zimmer, in dem nur ein Bett stand, das mit Dutzenden von Schleiern verhangen war. Eine Gestalt war hinter den vielen Vorhängen zu erkennen, die sich nur sehr langsam bewegte. ,,Ro... se...", röchelte die Gestalt. Rose erschrak, denn sie erkannte die Stimme sofort. ,,Kain!", rief sie voller Glück. ,,Ro... se...", röchelte die Gestalt erneut. Rose brach in Tränen aus und wollte auf das Bett zugehen, doch Conero legte ihr eine Hand auf die Schulter und hielt sie mit sanfter Gewalt zurück. ,,Kains Seele ist dank unseres Gottes Leto wieder ins Leben zurückgekehrt.", sagte er. ,,Sein Körper sollte in ein paar Tagen vervollständigt sein." ,,Hohepriester...", schluchzte Rose glücklich. ,,Das muss... das Wunder Gottes sein." Sie sah wieder zum Bett, stutzte aber ein wenig, als sie Vogelfedern am Boden erblickte, die neben dem Bett am Boden lagen.
Es war nun Nacht geworden, und Leon und Fayt standen auf dem Marktplatz. ,,Wir hätten uns auch einfach den Stein der Alchemisten nehmen können, wenn es das ist, was du wolltest.", meinte Fayt. ,,Heute Nacht wollten zwei Ketzer unseren Hohepriester umbringen!", erklang es plötzlich aus Lautsprechern, die überall in der Stadt angebracht waren. ,,Der eine ist äußerst klein, der andere steckt in einer Statue!" Leon und Fayt sahen sich erschrocken an. Zwei Sekunden später stürmten die Bewohner der Stadt bis auf die Zähne bewaffnet aus ihren Häusern, auf der Suche nach den zwei Ungläubigen. ,,Der Hohepriester wünscht nicht, dass irgendein Bewohner verletzt wird.", erklang es weiter aus den Lautsprechern. ,,Er wünscht, dass ihr alle in euren Häusern bleibt!" ,,Ja! Von wegen!", sagte Leon spöttisch.
Die Frau, die vorher von ihrem Umhang verhüllt war, stand nun ganz unverhüllt, in ein schwarzes Satinkleid gekleidet, zusammen mit dem ekelhaften sabbernden Mann auf einem Dach und beobachtete belustigt das Treiben unter ihr.
Sekunden später waren Leon und Fayt von den Bewohnern umzingelt. ,,Das sind die Typen!", rief einer. ,,Mann, ist der klein!" Ein Nerv über Fayts linkem Auge begann heftig zu zucken. ,,WER, SAGTEST DU, IST EIN ULTRA-SUPER-KLEINES KIND!?!", blaffte er den Mann an und besprühte ihn mit einer Unmenge von Spucke. ,,Hab ich gar nicht gesagt!", fauchte der Mann. ,,Wie dem auch sei, ihr beide solltet euch besser nicht wehren!" ,,Wie könnt ihr es wagen, zu versuchen, den Hohepriester umzubringen!", schrie eine Frau. ,,Ein süsses Kind wie er hat versucht ihn zu töten? Wie furchtbar!", rief eine andere. Leon seufzte tief. ,,Hört mal her...", sagte er. ,,Seine Wunder sind keine Wunder, sondern nur Alchemie. Indem man etwas in seine Atome zerschlägt und dann neu zusammensetzt..." ,,Das ist eine Lüge!", unterbrach ihn jemand aufgebracht. Sie wirbelten herum und erblickten Rose, die durch die Menschenmenge nach vorne drang. ,,Vor ein paar Minuten ist Kain zu mir zurückgekehrt." ,,Herzlichen Glückwunsch, Rose!", gratulierte einer der Bewohner ihr. ,,Kain hat sein Leben bei einem Unfall verloren, aber er ist ins Leben zurückgekehrt?" Rose nickte lächelnd. ,,Siehst du?", sagte eine Frau zu Leon. ,,Und Rose ist nicht die einzige, die so ein Wunder erfahren hat!" ,,Genau!", riefen die anderen zustimmend. ,,Wenn das kein Wunder ist, was dann?!?", schrie der Mann, den Leon eben vollgesabbert hatte. ,,Hat irgendjemand die wiedergeborenen Menschen gesehen?", fragte Leon. ,,Oh, ich verstehe. Wahrscheinlich hat er euch gesagt, dass sie die Stadt nach ihrer Wiedergeburt verlassen haben..." ,,Ruhe!", brüllte jemand. Die Statuen von Leto spazierten allesamt auf Fayt und Leon zu. ,,Ein Wunder!", kreischt eine Frau mit riesengroßen Augen. ,,Hahahahaha!!!", lachte Clay, der nun ebenfalls den Marktplatz betreten hatte, und sah zu den beiden Elric-Brüdern, die nun von den Statuen umzingelt waren. Eine Statue holte mit ihrem Sonnenzepter aus, spießte Fayt auf und schmiss ihn zu Boden. ,,Fayt!", rief Leon erschrocken und wollte zu ihm rennen, bekam aber von einer Statue einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst, der ihn ausknockte. Die Statuen schlugen weiter und weiter auf Fayt ein und zerschlugen ihn in seine Einzelteile.
Als Leon wieder zu sich kam, blickte er direkt in das Gesicht des hämisch lächelnden Coneros; sie befanden sich in der Messehalle, und Leon wurde von zwei Bediensteten Coneros festgehalten. ,,Hmm...", machte Conero und griff nach einer Taschenuhr mit Runensymbol, die wie ein Schlüsselbund an Leons Hose befestigt war. Er riss sie ab und nahm sie an sich. ,,Gib das zurück!", schrie Leon und versuchte sich loszureißen - vergebens. ,,Das ist also der Beweis dafür, dass du ein Nationaler Alchemist bist, was?", sagte Conero mit Blick auf die Taschenuhr. ,,So etwas sehe ich zum ersten Mal. Der Grund, warum du Mutationen ohne einen Mutations-Zirkel vollführen kannst, ist das hier, nicht wahr?" Leon knirschte mit den Zähnen. Conero begann laut und boshaft zu lachen und bemerkte dabei nicht Leons diebisches Grinsen.
Der nächste Morgen brach herein. Der Glöckner der Stadt stand gähnend auf dem Kirchturm der Stadt, beide Hände am Seil der Stadtglocke. ,,Mann, ich hab gestern kein Auge mehr zu bekommen...", gähnte er schlaftrunken und zog an dem Seil, um die Glocke zu läuten. Nichts passierte. ,,Hä?!?", machte der Glöckner verdattert und sah nach oben: Die Glocke war verschwunden. ,,W-Wo zum Teufel...?!?", stotterte er verwirrt und blickte weiter nach oben. Eine ziemlich große Gestalt huschte, eine äußerst schwere Glocke hievend, hinter ihm vorbei.
Leon saß in einer Abstellkammer fest und war mit den Händen an Ketten gefesselt, die von der Decke hinabhingen. Die Tür ging auf und Rose trat ein, ein Tablett mit Wasser und zwei Broten tragend. Sie ging zu ihm. ,,Kannst du mich füttern? Meine Hände sind nämlich angekettet, wie du siehst...", sagte Leon fröhlich zu ihr und öffnete seinen Mund. Rose sah ihn nicht an, sondern stellte das Tablett einfach nur vor ihm zu Boden und wandte sich zum Gehen. ,,Ich hoffe wirklich für dich, dass er zurückkehrt...", sagte Leon mitleidig. Rose blieb stehen, zitternd, rannte dann aber sofort weiter und schmiss die Tür hinter sich zu. Leon seufzte tief, streckte sein Bein aus und schob damit das Tablett näher zu sich heran. Im nächsten Moment allerdings schaute er leicht verdutzt drein, als er ein dumpfes Scharren hörte. ,,Sehr schön...", sagte er zufrieden und lächelte.
Conero lag in seinem Zimmer im Bett und schlief. Doch er schreckte entsetzt hoch, als eine violette Giftschlange wie aus dem Nichts erschien und sich Auf ihn stürzen wollte...
Lauthals schreiend schrak Conero aus seinem Albtraum hoch. ,,Der Ring der Alchemisten war unser Geheimnis... weißt du noch?", sagte plötzlich jemand von der anderen Seite des Raumes her. Schweißgebadet sah er auf und erblickte die Frau, die vollkommen schwarz gekleidet war, ihm gegenüber auf einem Stuhl sitzend, der ekelhafte Mann neben ihr wie ein Schoßhündchen kniend.
Rose schlich sich heimlich durch die Gänge der Kirche und betrat schließlich das Zimmer, in dem ihr Verlobter Kain im mit Vorhängen verdeckten Bett lag. Noch mehr Federn lagen neben dem Bett. ,,Kain, es tut mir Leid...", murmelte Rose. ,,Aber, ähm... ich wollte ein wenig mit dir reden." Die Gestalt im Bett richtete sich auf. ,,Ro... se...", röchelte sie. Tränen des Glücks rannen Rose das Gesicht hinab, und sie wollte gerade auf das Bett zugehen, als Conero eintrat. ,,Hohepriester!", rief Rose erschrocken. ,,Ähm, es... es tut mir Leid, dass ich einfach so hier hereingeplatzt bin..." Conero lächelte, und der Ring der Alchemisten an seinem Finger begann zu leuchten. Wind zog im Zimmer auf und wehte die Vorhänge des Bettes zur Zeite. Ein riesiger weißer Vogel kam dahinter zum Vorschein, sein Schnabel messerscharf, seine Augen wie im Wahn golden funkelnd. Roses Augen weiteten sich vor Entsetzen. ,,Tut mir Leid, Rose.", entschuldigte sich Conero, wobei sein Lächeln etwas ganz anderes sprach. ,,Selbst mit der Macht der Rings der Alchemisten kann ich nur das Leben anderer Lebewesen Gott opfern, und diese Leben in einen neuen Körper umwandeln." Rose starrte auf die Unmengen kleiner Papageien, die allesamt tot neben dem riesigen Vogel lagen. ,,Aber ein Vogel ist doch auch gut.", sprach Conero weiter. ,,Er kann sprechen, und er hat Kains Stimme." Der Ring der Alchemisten leuchtete erneut. Kreischend machte der Riesen-Vogel einen Satz und schoss in die Höhe. ,,Sag für mich hallo zu Kain im Himmel.", sagte Conero, der nun wieder im Flur stand, schloss die Tür und verriegelte sie. ,,Ro... se...", röchelte der Vogel, landete am Boden und torkelte langsam auf sie zu. Rose war vor Angst wie gelähmt. ,,Ro... se..." Der Vogel machte einen weiteren Satz und stürzte sich kreischend auf sie.
,,Jetzt kennt nur noch einer das Geheimnis des Rings der Alchemisten...", sagte Conero zufrieden.
Rose hatte ihre Augen vor Angst geschlossen und wartete auf ihren Tod, doch nichts dergleichen geschah. Verwundert öffnete sie ihre Augen und sah den Vogel,der tot am Boden lag. Sie sah ein wenig zur Seite und sprang erschrocken in die Höhe, als sie Fayt sah, der den Vogel ausgeschaltet hatte. ,,Es ist gefährlich hier. Gehen wir.", sagte er zu ihr.
,,Deine Betrügereien werden bald öffentlich sein.", sagte Leon in der Abstellkammer zu Conero. ,,Die Gläubigen können den Unterschied zwischen Alchemie und Wundern nicht erkennen.", sagte Conero darauf. ,,Nein, Alchemie und Wunder sind dasselbe für sie, und es macht sie glücklich..." ,,Ach ja? Und was hast du davon?", fragte Leon. Conero lächelte boshaft.
,,Die Grundlage der Alchemie ist das Prinzip des gleichwertigen Tausches.", erklärte Fayt auf dem Dach der Kirche Rose, während er mehrere Kabel miteinander verband, die in der großen Glocke endete, die durch Alchemie zu einer Art großem Lautsprecher in Glockenform umgeändert worden war. ,,Um etwas zu erhalten, muss man mit etwas zahlen, das denselben Wert hat. Mein Brudr wird von allen ein Genie genannt, aber das hat er sich auch durch seine harte Arbeit verdient. Und deswegen ist er nun so wie er ist." ,,Aber ihr zwei habt einen hohen Preis bezahlt, nicht wahr?", sagte Rose mit Blick auf Fats Statuenkörper aus Metall. ,,Ein Arm, ein Bein, und ein ganzer Körper... Aber nun versucht ihr, das zurückzubekommen." Sie stoppte einen Moment, dann fragte sie: ,,Was ist mit eurer Mutter geschehen?" ,,Ich glaube, es geht gleich los.", sagte Fayt schnell. ,,Was?", fragte Rose. Fayt drückte auf einen Schalter, und ein lautes Piepen verriet, dass der Lautsprecher nun angeschaltet war. ,,Also warst du nur hinter dem Geld her.", drang Leons Stimme daraus hervor und durch die ganze Stadt. ,,Leon?!?", rief Rose verdutzt. ,,Ich kann durch meine Gefolgsleute so viel Geld bekommen, wie ich will.", drang Coneros spöttische Stimme durch den Lautsprecher.
,,Was ich will, sind Gläubige, die bereit sind, sich für mich zu opfern.", sprach Conero in der Abstellkammer weiter, nicht wissend, dass man in der Stadt alles hören konnte. ,,Sie glauben, dass ich Menschen ins Leben zurückholen kann, also fürchten sie den Tod nicht. Diese Gläubigen werden schon bald zur ultimativen Armee werden - meine Arme! Wart's nur ab! In ein paar Jahren liegt mir die ganze Welt zu Füßen!" ,,Ist mir doch egal.", sagte Leon gelangweilt. ,,Was?!?", sagte Conero verdutzt. ,,Du kannst niemandem das Leben wiedergeben, richtig?", fragte Leon. ,,Natürlich nicht!", lachte Conero. ,,Selbst wenn man versucht, menschliche Mutation mit dem Ring der Alchemisten zu vollbringen, ist das Ergebnis unvorhersehbar. Warum sollte ich dieses Risiko für einen Gläubigen eingehen und..." Doch er stoppte abrupt, als er sah, wie Leon zum Tablett langte, sich ein Stück Brot nahm und aß. Leon lächelte diebisch und wich ein wenig zur Seite. Hinter ihm befand sich ein riesengroßes Loch, aus dem ein Mikrofon herausschaute, welches alle Worte zu dem Lautsprecher auf dem Dach weiterleitete.
,,WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!?", erklang Coneros panische Stimme aus dem Lautsprecher auf dem Dach.
Eine Frau, die ihrem Mann Kaffee einschütten wollte, war so geschockt, dass sie nicht bemerkte, wie der Kaffee in der Tasse überlief und langsam den Tisch hinunter rann.
,,Wie... Wie lange ist das Mikrofon schon angeschaltet?", ertönte Coneros ängstliche Stimme aus dem Lautsprecher. ,,Lang genug, damit nun alle wissen, was für ein Drecksack du doch bist.", erklang Leons fröhliche Stimme. ,,Wie bist du an mein Radioequipment gekommen?", ertönte Coneros zittrige Stimme. ,,Das war mein kleiner Bruder.", erklang Leons Stimme. ,,Ihr habt ihn zwar in seine Einzelteile zerlegt, aber er hat sich dann mit Leichtigkeit wieder selbst zusammengesetzt." ,,Nein...", ertönte Coneros erstickte Stimme. Doch dann schrie er: ,,Nein! Das sind alles Lügen, meine Kinder! Glaubt ihm kein Wort!" Es gab ein sehr lautes Geräusch aus dem Lautsprecher, das sich stark nach einer Bazuka anhörte, deren Munition wie wild verballert wurde.
Und wirklich: Conero hatte mit dem Ring der Alchemisten eine Bazuka heraufbeschworen und damit wie von Sinnen auf Leon geballert, vom dem nun keine Spur mehr zu sehen war. Conero lächelte zufrieden, erschrak aber, als Leon sich von hinten auf ihn stürzte und ihn mit seiner Metallfaust niederschlug. ,,Du hast keine Chance!", rief Leon. Keuchend rappelte sich Conero wieder auf, sein Gesicht nun blutverschmiert, da seine Nase gebrochen war. Schreiend stürmte er aus dem Raum, durch die Gänge und hinaus auf den Marktplatz, wo sich bereits alle Bewohner der Stadt versammelt hatten, bis an die Zähne bewaffnet und äußerst verstimmt dreinschauend. Conero wurde aschfahl im Gesicht. ,,Hohepriester! Ist das wahr?", rief einer der wenigen Bediensteten, die versuchten, die verärgerte Menge zurückzuhalten, den Hohepriester. Conero fehlten eine Zeit lang die Worte, dann sagte er jedoch mit bemüht fester Stimme: ,,Dieser Ketzer hat die Kraft des Teufels benutzt, um meinen Körper in Besitz zu nehmen und mich dazu zu zwingen, dies alles zu sagen. Glaubt kein Wort von dem, was ihr gehört habt. Und um euch zu beweisen, dass ich nur euer Bestes will, werde ich nun Gottes Macht nutzen, um diesen Ketzer zu vernichten." Die Bewohner sahen sich unsicher an. ,,Nimm dich in Acht vor der Macht Gottes, Ketzer!", schrie Conero. Der Ring der Alchemisten begann zu leuchten, und sogleich setzten sich sämtliche Statuen des Sonnengottes Leto in der Stadt in Bewegung und schritten in Richtung Marktplatz. ,,Ein Wunder! Die Statuen von Leto bewegen sich!", rief ein Mann beeindruckt. Conero lächelte zufrieden. ,,Ist das wirklich alles?", fragte Leon, der nun ebenfalls aus der Kirche heraustrat. ,,Gib doch einfach auf, alter Mann!" ,,Heh!", machte Conero hämisch und holte Leos Taschenuhr mit den Runen hervor. ,,Ohne das hier bist du machtlos. Du kannst höchstens deine Auto-Mail-Teile mutieren lassen." ,,Alter Mann, ich werde dir jetzt den wahren Zorn Gottes zeigen.", sagte Leon unbeirrt und schlug mit beiden Händen auf den Boden. Ein Lichtblitz entstand, der in die Kirche schoss und in die gigantische Statue des Gottes Leto fuhr, die sich im Messeraum befand. Die überdimensionale Statue setzte sich in Bewegung, brach durch die Kirche und schritt auf den ängstlich wimmernden Conero zu, der im Vergleich zur Statue so groß wie eine Ameise war. ,,Das kann doch nicht sein!", kreischte Conero. ,,Selbst mit dem Ring der Alchemisten könnte ich solch ein groes Objekt nicht bewegen!" ,,Die Strafe, die mein großer Bruder erhielt, hatte kaum einen Effekt auf ihn.", sagte Fayt zu Rose, mit der er auf dem Marktplatz stand. ,,Mein Bruder ist der Metallalchemist!" ,Thors Hammer!", brüllte Leon, und sogleich holte die Statue mit einer ihrer übergroßen Steinhände aus. Conero schrie so laut wie nie zuvor, als die Hand auf ihn zu raste. Doch zu seinem Glück zielte sie nicht auf Conero, sondern auf eine der kleineren Statuen Letos, die nur wenig entfernt von Conero stand. Coneros Beine gaben nach, und er sank zu Boden, seine Hose auf einmal verdächtlich nass. Leon schritt auf ihn zu. ,,Nein! Du bekommst ihn nicht!", schrie Conero und griff mit der anderen Hand krampfhaft nach dem Ring der Alchemisten in seiner linken Hand. Doch auf einmal begann der Ring von allein zu leuchten und Conero schrie voller Schmerzen auf. Seine Hand begann sich zu verformen, und im nächsten Moment schauten Dutzende von Metallteilen und Kabeln daraus hervor, seine Hand nun auf die fünffache Größe geschwollen. Leon sah erschrocken zu, wie der Ring der Alchemisten vor seinen Augen zersprang. ,,Eine...Fälschung...", sagte er erstickt. Er seufzte. ,,Du hast so viele Probleme verursacht... bist uns total auf die Nerven gegangen... Und dann war es nur eine Fälschung?" Er begann haltlos zu zittern. ,,DAS SOLL WOHL EIN WITZ SEIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"
Der Mittag kehrte ein. ,,Es war alles umsonst.", seufzte Leon, der mit Fayt am Springbrunnen des Weines saß, und spielte mit seiner Taschenuhr, die er sich von Conero zurückgeholt hatte. ,,Und ich dachte mir schon, ich könnte deinen Körper endlich wiederherstellen, Brüderchen." ,,Du solltest zuerst an dich selbst denken, großer Bruder.", meinte Fayt. ,,Das Auto-Mail hat auch so seine Probleme." ,,Schön, dann lass uns aufbrechen und nach einem weiteren Hinweis suchen.", grummelte Leon und verstaute die Uhr in seiner Tasche. Sie standen auf und wollten gerade gehen, als Rose ihnen entgegen kam. ,,Was... habt ihr beide nur getan...", sagte sie mit erstickter Stimme. ,,Die Wunder des Hohepriesters... Sie waren Hoffnung für uns. Wenn wir nur daran glaubten, würden die Toden zu uns zurückkehren... Das war unsere einzige Hoffnung!" ,,Also willst du damit sagen, dass wir einfach alles so hätten lassen sollen, wie es war?", fragte Leon. ,,Was...", begann Rose schluchzend. ,,Was soll denn jetzt noch mein Grund sein, morgen wieder aufzuwachen?!? Sag es mir!" ,,Denk doch selbst darüber nach.", antwortete Leon und wandte sich von ihr ab. ,,Steh auf und gehe vorwärts, der Zukunft entgegen. Du hast doch schließlich zwei Beine, oder?" Bei diesen Worten erschrak Rose. Und während Leon davonging, sank sie weinend zu Boden. ,,Ich glaube, mein großer Bruder hat das alles nur zu deinem Wohl getan.", sagte Fayt erklärend und kniete sich zu ihr nieder. ,,Ich habe nicht darum gebeten...", sagte Rose und sah von Fayt weg. ,,Wir haben viele Dinge da draußen in der Welt gesehen.", sprach Fayt weiter.
,,Was geht da vor sich?!?", schrie Conero die in Schwarz gekleidete Frau in seinem Zimmer in der Kirche an. ,,War der Ring, den du mir gabst, etwa nicht der Ring der Alchemisten?!?" ,,Natürlich nicht.", antwortete die Frau. ,,Diese Stadt ist nur ein Köder. Die, die nach dem Ring der Alchemisten suchen, werden die Gerüchte über diese Stadt hören und hierher kommen. Und dann..." Sie gab ein boshaftes Grinsen von sich. ,,Wer seid ihr beide eigentlich?", fragte Conero die Frau und den ekelhaften Mann namens Blatney, der neben ihr zu Füßen saß. ,,Was wollt ihr?" ,,Lust, kann ich den alten Mann jetzt endlich auffressen?", fragte Blatney die Frau namens Lust. Coneros Augen weiteten sich, während Blatney sich voller Gier auf ihn stürzte.
Langsam ging die Sonne unter. ,,Wo ist dieser Bastard Conero bloß?", schrie einer der Bewohner der Stadt, der mit den anderen immer noch nach Conero suchte. ,,Dieser falsche Priester...!", schrie ein anderer und erschrak, als er am Boden einen toten Vogel liegen sah. Er sah sich um und erblickte über hundert weitere tote Vögel. ,,Was ist das?!?", schrie der Mann auf. ,,Hohepriester?!?", rief plötzlich jemand erschrocken und sprang zur Seite, als der Hohepriester Conero, sein linker Arm wieder vollkommen in Ordnung, an ihm vorbei zu den Vögeln ging. Er kniete sich nieder und hob eines der toten Tiere auf. Er warf ihn in die Höhe, und sogleich flogen er und alle anderen Vögel zwitschernd hinauf in den Himmel. ,,Es ist ein Wunder...", sagte einer der Bewohner der Stadt. ,,Benutzt er nicht wieder nur einen Trick?", fragte ein anderer. ,,Aber sie leben doch wieder!", sagte der erste. ,,Während ich weg war, hat ein Teufel hier wohl ziemliche Probleme verursacht, wie es mir scheint.", sprach Conero zu den Bewohnern der Stadt. ,,Seid ihr alle in Ordnung?" ,,Sie sind der richtige... der richtige Hohepriester?", fragte eine Frau hoffnungsvoll. Conero nickte, fröhlich lächelnd. Die Bewohner jubelten glücklich. Keiner bemerkte, wie die Vögel am Himmel einer nach dem anderen zerplatzte.
,,Envy, tut mir Leid, aber du wirst noch eine Weile länger in dieser Form bleiben müssen.", sagte Lust, die von Coneros Zimmer aus dem Treiben belustigt zu gesehen hatte, und sah nun zu Conero, der ihr hämisch lächelnd zunickte.
Von der Ferne her sah Rose dem Treiben auf dem Marktplatz weinend zu. ,,Wir haben viele Dinge da draußen in der Welt gesehen.", hatte Fayt zu ihr gesagt. ,,Und ich werde dir diese Geschichten erzählen. Du darfst nicht denselben Pfad beschreiten wie wir. Und genau aus diesem Grund werde ich dir alles erzählen." Sie wandte sich vom Marktplatz ab und rannte davon. ,,Wir sind in einer Stadt namens Rizenbul geboren und aufgezogen wurden. Diese Stadt liegt östlich von Central City. Dort begann alles..."
,,Mama! Mama! Schau! Schau!", hatte der vierjährige Leon fröhlich sener Mutter zugerufen, sein dreijähriger kleiner Bruder Fayt dicht auf den Fersen. ,,Was ist denn?", hatte ihre Mutter, die Wäsche aufgehangen hatte, fröhlich gefragt. ,,Siehst du?", hatte Leon gesagt und ihr ein Pferd aus Metall hingehalten. ,,Leon hat das gemacht.", hatte Fayt erklärt. ,,Ich krieg leider nur so was hin." Er hatte ihr ein sehr unförmiges Schwein aus Metall hingehalten. ,,Das ist unglaublich, ihr beide.", hatte ihre Mutter sie gelobt. ,,Ihr seid wirklich seine Kinder." Leon und Fayt hatten fröhlich gelacht.
,,Dass es Menschen nicht möglich ist, etwas ohne Opfer zu erhalten.", hallte Fayts Stimme weiter in Roses Gedächtnis. ,,Um etwas von gewissen Wert zu erhalten, muss man vorhe etwas von gleichem Wert darbieten. Das ist das Prinzip des gleichwertigen Tausches in der Alchemie. Als wir noch Kinder waren, glaubten wir, dass dies die einzige Wahrheit in der Welt ist..."
Sonntag, 24. Juni 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen