Mittwoch, 27. Juni 2007

Tales of Alchemy Kapitel 4: Liebe

Am Tag als wir aufbrachen, brannten wir das Haus nieder, und all unser Hab und Gut mit, denn manche Erinnerungen sollte man einfach so schnell wie möglich vergessen..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart.
Die beiden Elric-Brüder fuhren mit einem Zug, der am Bahnhof ihres Dorfes gehalten hatte, die Sonne stetig immer mehr untergehend. ,,Fayt, das ist doch in Ordnung für dich, richtig?", fragte Leon seinen kleinen Bruder. ,,Hmm?", machte Fayt. ,,Ich meine, alles zurückzulassen.", meinte Fayt. ,,Du hast doch keinerlei Bedauern, oder?" ,,Wir können nicht mehr umkehren.", entgegnete Fayt. ,,Und erinner dich: Ich bin derjenige, der darauf bestanden hat, mit dir zu kommen. Und außerdem, wir beide wissen, dass du unser Zuhause mehr vermissen wirst als ich." ,,Pah! Von wegen!", lachte Leon vergnügt. ,,Ich bin hier der Große, der bald Nationaler Alchemist wird! Du wirst bald heulen, dass du nach Hause willst!" ,,Ich werde auch ein Nationaler Alchemist!", stellte Fayt leicht beleidigt richtig. ,,Und sobald ich einer geworden bin, werde ich mich darum kümmern, dass du deinen ursprünglichen Körper wiederbekommst." ,,Ich hab dir doch bereits gesagt, Fayt, das ist nicht deine Sorge.", sagte Leon. ,,Du kümmerst dich einfach um deinen Körper." Fayt sah aus dem Fenster. ,,Ich frage mich, wie man ein Nationaler Alchemist wird.", wunderte er sich. ,,Glaubst du, wir müssen uns einem Test unterziehen?" Leon sah zu Boden und erinnerte sich zurück an die Nacht, als Lieutnant Oberst Roy Mustang ins Dorf kam.
,,Wenn er immer noch lebt, selbst nachdem er eine Menschliche Mutation vollführt hat, dann steht seiner Vater auf meiner Prioritätsliste an erster Stelle.", hatte Roy Mustang damals gesagt.
,,Was immer es auch kostet, ich bin mir sicher, dass Mustang uns dabei helfen wird.", sagte Leon und lachte dann laut. ,,Was mache ich mir eigentlich Sorgen? Mit meinem Talent wird das doch wie ein Spaziergang im Park!" Er stutzte, als er Fayt zu Boden sehen sah. ,,Was?", fragte er. ,,Denkst du an Winry?" Fayt nickte seufzend.
Und während der Zu weiter mit den beiden Jungen davonfuhr, standen Winry und ihre Großmutter vor den Trümmern des Hauses eben jener beiden Jungen. ,,Da können wir nichts machen.", sagte Winrys Großmutter. ,,Diese beiden sturen Jungen haben sich entschieden. Aber sie werden bald ihren Fehler erkennen und nach Hause zurückkehren." ,,Ich hoffe es...", weinte Winry. ,,Ich hoffe es wirklich..."


Es war bereits später Abend, als der Zug in einem Bahnhof einfuhr, und sich Fayt und der lauthals gähnende Leon auf eine Bank setzten, wo sie auf den nächsten Zug warteten. ,,Großer Bruder, weißt du, um welche Uhrzeit der nächste Zug fährt?", fragte Fayt. ,,Ja, nicht vor morgen früh.", antwortete Leon verschlafen und schloss seine Augen. ,,Genehmigen wir uns ein wenig Schlaf." Genau in diesem Moment hob ein spitzer Schrei an. ,,Meine Tasche! Er hat meine Handtasche gestohlen!", schrie eine verzweifelte Frau. ,,Die Pause ist wohl vorbei!", meinte Leon, der den Handtaschendieb schon gesichtet hatte, und sprang auf. ,,Das ist ja fast zu einfach!", lachte sich der Dieb schlapp, stoppte aber leicht verdutzt, als er Leon und Fayt erblickte, die sich ihm in den Weg gestellt hatten. ,,Ab ins Bett mit euch, wie alle kleinen braven Kinder!", rief er und zog einen Revolver. Doch dann stutzte er, als er bemerkte, dass er auf einem mit Runen verzierten Zirkel stand. Fayt schlug mit beiden Metallhänden zu Boden, und sogleich war d Dieb in einem Metallkäfig gefangen. ,,Ich glaube, du bist derjenige, der zu früh aufgestanden ist.", meinte Leon, schnappte sich den Revolver und warf ihn Fayt zu, der ihn mit einem seiner gewaltigen Metallfüße zerstampfte. Der Dieb sank stöhnend zu Boden. ,,Sehr gut gemacht.", sagte auf einmal jemand hinter ihnen. Sie wirbelten herum und erblickten einen älteren Polizisten, der auf sie zukam. ,,Na, das war ja mal was anderes.", sagte der Polizist fröhlich. ,,Dieser Trick war doch Alchemie, oder?" ,,Äh... ja.", antwortete Fayt. ,,Hmm... Zu denken, dass Kinder in eurem Alter schon so fähige Alchemisten sind.", sagte der Polizist beeindruckt. ,,In diesem Landteil ist der einzige Alchemist, den ich kenne, der alte Majhal." ,,Majhal, he?", wiederholte Leon. ,,Jap.", antwortete der Polizist. ,,Man sagt, er vollbringe große Dinge mit seiner Alchemie für andere Leute, so wie ihr zwei Jungs. Er wird von allen respektiert." ,,Wo können wir ihn finden?", fragte Leon. ,,Oh, er lebt in dem nächsten Dorf östlich von hier.", antwortete der Polizist. ,,Aber ich glaub nicht, dass ihr da im Moment wirklich hin wollt. Ich hab gehört, dort ist es in letzter Zeit richtig gefährlich geworden. Man sagt, die Toten stehen dort aus ihren Gräbern auf und schicken die Dorfbewohner ins Grab."


Eine Kutsche fuhr vom Bahnhof aus durch die Nacht ins östliche Dorf. In der Kutsche saßen Leon und Fayt. ,,Warum willst du unbedingt diesen Majhal treffen, großer Bruder?", fragte Fayt. ,,Dieser Name...", entgegnete Leon. ,,Derselbe Name war auf fast allen dieser alten Briefe..." ,,Du meinst, Vaters Briefe im Arbeitszimmer?", fragte Fayt. ,,Ja.", antwortete Leon. ,,Und wenn ich mich richtig erinnere, schrieb er immer und immer wieder über Menschliche Mutation. Ich denke, wenn es derselbe Majhal ist, dann könnte es doch nicht schaden, ihm einen Besuch abzustatten. ,,Ja.", stimmte Fayt nickend zu. ,,Ich hab so ein Gefühl, dass das richtig lustig wird." ,,Was ist los? Du siehst so fröhlich aus.", meinte Leon. ,,Nun... wir haben eben diesen Dieb aufgehalten, und alle waren so nett zu uns.", erklärte Fayt zögerlich. ,,Ich schätze, es macht mich eben glücklich, dass Alchemie die Kraft hat, das Leben anderer Menschen ein wenig zu verbessern." Leon seufzte tief.


Eine Stunde später hielt die Kutsche einen Kilometer vor dem Dorf; weiter wollte der Kutscher aus Angst vor den Gerüchten nicht. Während dem Weg zum Dorf musst Fayt Leons Koffer tragen, da Leon auf einmal heftige Rückenschmerzen hatte. ,,Bist du in Ordnung, großer Bruder?", fragte Fayt leicht besorgt. ,,Ja, natürlich.", antwortete Leon mit vor Sarkasmus triefender Stimme. ,,Ich liebe es, in einer Kutsche herumgeschleudert zu werden und auf etwas von der Festigkeit von Granit zu sitzen. Hat das dich eigentlich überhaupt nicht gestört?" ,,Ähm... nein.", antwortete Fayt wahrheitsgemäß. Leon seufzte tief und bog nach links ab. ,,Sieh dir das mal an!", sagte er. Sie standen nun auf einen Hügel und schauten auf das östliche Dorf hinab, in dem überall Fackeln brannten. ,,Da schmeißt wohl jemand 'ne Party!", sagte Leon vergnügt. ,,Mit Fackeln und allem drum und dran! Aber die haben vergessen, uns einzuladen!" Im nächsten Moment gab es einen lauten Knall, gefolgt von einem grellen Lichtblitz am Himmel, was zur Folge hatte, dass Leon und Fayt schreiend in die Höhe sprangen. ,,Der ist ein bisschen zu nahe beim Dorf gelandet!", rief jemand und rannte zum Hügel. ,,Hey! Ihr habt hier nichts verloren!", rief der Jemand Leon und Fayt zu. Es war ein... Junge (?), der eine braune Mütze trug; mehrere andere Jungen kamen ebenfalls auf den Hügel. ,,Ihr hättet jetzt tot sein können!", schrie der Junge weiter, während Leon sich mit angstverzerrtem Gesicht zu ihm umdrehte. ,,Wir waren gerade dabei, das Feuerwerk fürs Fe..." ,,Ja, das haben wir bereits gemerkt!", fauchte Leon. ,,Das Feuerwerk ist fürs Fest. Ich habe die Aufsicht darüber.", sagte der Junge und stutzte dann. ,,Hey, ihr Typen kommt nicht von hier, oder?", fragte er. Im nächsten Moment ging einer der Jungen auf Fayt zu und stieß ihm einen Stock in den Rücken. ,,Was ist das für ein hässliches Teil?", wunderte er sich dabei. ,,Ist das so 'ne Art gigantischer Roboter von der Zukunft?" Genervt zerschlug Leon den Stock. ,,Hör auf damit!", fuhr er den Jungen an. ,,Zeigt ihnen mal, wie wir Fremde begrüßen.", sagte der Junge mit der Mütze zu den anderen Jungen, die sofort mit Stöcken auf Leon und Fayt zustürmten. Leon rannte ebenfalls los, stolperte aber über einen Stein und flog zu Boden, gefolgt von Fayt, der über ihn stolperte und ihn plättete.
,,Mein... Rücken...", stöhnte Leon fünf Minuten später, als er, nach Strich und Faden vermöbelt, am Boden lag, Fayt immer noch auf ihm. ,,Heh! Denen haben wir 'ne Lektion erteilt!", lachte der Junge mit der Mütze. ,,Was ist hier los?", rief plötzlich ein älterer Mann, der einen Umhang trug und dazugekommen war. Der Junge mit der Mütze sah den Mann herablassend an, der nun auf eine der Fackeln zuschritt, die während der Kabbelei zu Bruch gegangen war. Er legte seine Hand auf die Fackel, die kurz darauf wieder wie neu aussah. ,,Sie... müssen Majhal sein.", sagte Leon vom Boden her zu dem Mann.


Eine halbe Stunde später saßen Leon und Fayt im Haus des Mannes namens Majhal, der nur Augen für Fayt hatte. ,,Solch ausgezeichnete Arbeit.", sagte er lobend. ,,Das ist wirklich eine beeindruckende Seelenverbindung." ,,Er hat es tatsächlich bemerkt, großer Bruder.", sagte Fayt beeindruckt zu Leon. ,,Ich habe nicht weniger von den Söhnen Hohenheims erwartet.", sagte Majhal lächelnd. ,,Anscheinend habt ihr sein großes Talent geerbt." ,,Tse...", machte Leon nur. ,,Nun denn, sagt mir, was ich für euch beide tun kann?", sagte Majhal. ,,Ihr seid doch sicherlich wegen etwas Bestimmtem hier, und ich kann die Söhne eines sehr guten Freundes von mir doch nicht enttäuschen." ,,Ich hab die Briefe gelesen, die sie meinem Vater geschickt haben.", sagte Leon und schob die Tasse Tee zur Seite, die Majhal ihm Minuten vorher auf den Tisch gestellt hatte. ,,Ich möchte alles hören, was Sie über Menschliche Mutation wissen." Majhal sah ihn eine Zeit lang an, dann sagte er: ,,Ich hoffe, du bist dir bewusst, dass Menschliche Mutation strengstens verboten ist?" ,,Ja, das weiss ich.", entgegnete Leon. ,,Aber es ist mir egal! Ich werde meinem Bruder seinen ursprünglichen Körper wiedergeben!" ,,Ich schätze, du hast bereits gesehen, was passiert, wenn man mit diesem Bereich der Alchemie spielt.", sagte Majhal. ,,Ich weiss, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren, aber dieser Bereich - Menschliches zu erschaffen - sollte lieber Gott überlassen bleiben." ,,Okay, wenn Sie das meinen, warum waren Sie dann früher von diesem Thema so besessen?", fragte Leon. Majhal erschrak kurz, dann entgegnete er: ,,Jugendlicher Optimismus, oder besser, jugendliche Torheit." Es klopfte an der Haustür. Majhal öffnete die Tür und blickte in das faltige Gesicht einer Frau mit braunen Haaren, die langsam in Grau übergingen; die Frau war in einem Umhang gewandet und trug einen Picknickkorb bei sich. ,,Hallo, Majhal.", begrüßte die Frau ihn. ,,Ich habe ein wenig zu viel Marmelade gemacht und dachte, Sie würden gerne etwas davon haben wollen." ,,Natürlich.", sagte Majhal und nahm die Marmelade entgegen. ,,Sie sind zu nett, Carmen." ,,Ach, das ist doch nichts.", sagte die alte Frau namens Carmen, kicherte verlegen und starrte ihn dann an. ,,Ist noch etwas?", fragte Majhal. ,,Nein, t-tut mir Leid, entschuldigen Sie mich.", sagte Carmen. ,,In Ordnung. Passen Sie auf sich auf.", sagte Majhal und schloss die Tür wieder. Mit traurigem, zu Boden gerichtetem Blick schritt Carmen davon.


Eine Stunde später servierte Majhal seinen Gästen Abendessen, auf das sich der ausgehungerte Leon sogleich stürzte. ,,Nun, was ist das für ein Fest, von dem wir gehört haben?", fragte Fayt, der nichts vom Essen zu sich nahm, da Metallstatuen so etwas nicht brauchen. ,,Oh, ja, das Requiem-Fest.", sagte Majhal. ,,Die Geister der Toten werden jährlich durch die Feuerwerke in den Himmel gesendet, wo sie hin gehören." ,,Und was ist mit all diesen Gerüchten von wegen Geister würden zurück ins Leben kehren und als Zombies alles niederschlachten, was ihnen in die Quere kommt?", fragte Leon schmatzend. ,,Hat das irgendetwas damit zu tun?" Majhal lachte vergnügt und sagte dann: ,,Gerüchte eines sich nach Touristen sehnenden Dorfes." Es klopfte an der Tür. ,,Du meine Güte, ich scheine ja ziemlich beliebt zu sein.", sagte Majhal lächelnd, ging zur Tür und öffnete sie. Erschrocken starrten sich Leon und der Junge mit der Mütze von vorhin entgegen. ,,Du kleines Gör!", schrie Leon sofort zornig. ,,Nun, hast du nichts zu Majhal zu sagen?", fragte der Vater des Jungen, der ebenfalls anwesend war, streng zu seinem Sohn. ,,Ich sehe nicht, warum ich mich entschuldigen sollte!", fauchte der Junge. ,,Es ist deren Schuld, dass die als Jungs so schwach sind!" ,,Was!?!", brüllte Leon los und wollte sich auf den Jungen stürzen, doch Fayt hielt ihn schnell fest. ,,Oh, Clara, ich weiss, dass der Tod deiner Schwester dich sehr mitgenommen hat, aber du warst einst ein so süsses und nettes kleines Mädchen.", sagte Majhal zu dem Jung... Moment mal?!? Clara?!? Keines süsses und nettes MÄDCHEN?!? ,,Was würde deine kleine Schwester von dir denken, wenn sie jetzt sehen würde, zu was du geworden bist?" ,,Halten Sie den Mund!", schrie der Jung... das Mädchen namens Clara. ,,Sie wissen überhaupt nicht, wie es sich anfühlt! Keiner weiss das! Meine Schwester ist nicht einfach nur gestorben, sie wurde... sie wurde umgebracht! Von diesem toten Mädchen wurde sie umgebracht!" Weinend stürmte sie aus dem Haus und hinaus in die Nacht. ,,Clara, nein! Warte!", rief ihr Vater ihr hinterher, doch sie hörte nicht auf ihn. ,,Hey! Komm zurück!", schrie Leon und rannte ihr mit Fayt hinterher. Clara stürmte den Hügel in der Nähe des Dorfes hinauf, an Fahrt gewinnend, und stolperte schließlich über denselben Stein wie Leon zuvor. Sie schlug zu Boden und stürzte den Hügel hinab auf einen reißenden Fluss zu. ,,Verdammt!", fluchte Leon, schnappte sich einen Ast vom Boden, zeichnete so schnell wie möglich einen Mutations-Zirkel, und legte beide Hände auf. Es entstand ein Blitz im Zirkel, der auf den Fluss zu schoss und ihn zu Eis gefrieren ließ, auf das Clara knallte. Leon atmete erleichtert auf. ,,Ihr seid Alchemisten?!?", sagte Clara verdutzt, während sie wieder aufstand. ,,Und... ihr habt mich gerettet?!?"
,,Es ist jetzt schon fast sechs Monate her, seit meine Schwester gestorben ist.", begann Clara wenig später zu erzählen, als sie, Leon und Fayt sich auf die Wiese beim Hügel gesetzt hatten. ,,Wir hatten keine Ahnung, wie oder warum. Die Dorfbewohner haben sie gefunden; sie lag auf dem Boden und hat so ausgesehen, als würde sie einfach nur schlafen. Aber sie hat nicht einfach nur geschlafen. Und dann, in der Nacht ihrer Beerdigung..."
Es war kurz vor Sonnenuntergang gewesen. Clara, damals noch mit langen Haaren und femininem Aussehen, und ihr Vater hatten beide weinend am Grab Claras Schwester gestanden, als Claras Vater plötzlich zusammengezuckt war, da er eine Gestalt am Waldrand in der Nähe der Gräber gesehen hatte, die mit ausdruckslosem Gesicht zu ihnen hinüber geschaut hatte, ihr braunes Haar im Wind so seicht dahinwehend, als wäre es so leicht wie die Wolken am Himmel; ihre Haut war aschfaal gewesen. ,,Ca... Carin?!?", hatte Claras Vater verdattert gesagt, als die Frau im nächsten Moment einfach verschwunden war.
,,Mein Vater hat mir erzählt, dass sie eine Frau war, die vor langer Zeit hier im Dorf gelebt hat, bevor sie gestorben ist.", sprach Clara weiter. ,,Versteht ihr? Es war nicht schwer für mich, eins und eins zusammenzuzählen: Die tote Frau kam vom Jenseits zurück und tötete meine Schwester. Und nicht nur sie, viele andere sind seitdem gestorben. Es ist alles wegen ihr." Sie stand auf. ,,Aber wenn ihr Typen wirklich Alchemisten seid, könnt ihr mir dabei helfen, ihren Tod zu rächen. Ich habe Majhal bereits um Hilfe gebeten, aber weigert sich, sich daran zu beteiligen. Was sagt ihr?" Leon sah sie an, dann sagte er: ,,Ich verstehe, warum Majhal es ablehnt." Er stand auf. ,,Das Ganze hört sich für mich nur nach einer Geistergeschichte an. Und außerdem, ich glaube nicht an Rache als Motivation." ,,Das heißt, ihr wollte nicht...?", begann Clara traurig, schrie dann jedoch: ,,Ihr seid nichts als ein Paar feige Hühner! Ihr seid lausige Alchemisten!" Leon beachtete sie nicht. ,,Nur ein Gartenzwerg und eine wandelne Mülltonne!" ,,GARTENZWERG!?!", wiederholte Leon voller Zorn. ,,Wandelnde Mülltonne...", wiederholte Fayt schniefend. ,,NIEMAND NENNT MICH EINEN GARTENZWERG UND KOMMT UNVERLETZT DAVON, NICHT EINMAL EIN KLEINES MÄDCHEN!!!", brüllte Leon und stampfte wütend von einem Bein aufs andere. ,,Oh, ich hab ja sooolche Angst vor einem rumjammernden Gartenzwerg!", spottete Clara. ,,Halt gefälligst die Klappe und schau dich selbst an!!!", keifte Leon weiter. ,,Wenn du ein Mädchen bist, wie alle sagen, warum siehst du dann wie ein Zeitungsjunge aus!" ,,Das geht dich gar nichts an!", brüllte Clara zurück und stürmte davon. Leon sah ihr, am ganzen Körper vor Zorn zitternd nach, sein Pferdeschwanz wie der Schwanz einer Katze wütend aufstehend, während Fayt nur weiter schniefte.


,,Carin?", sagte Majhal am nächsten Morgen verdutzt, als Leon und Fayt ihm von Carin erzählten. ,,Ah, ja, ich erinnere mich an sie. Sie war eine Flouristin, und die exquisite Schönheit ihrer Blumen wurde nur noch von ihrer eigenen Schönheit übertroffen. Ich kann es nicht glauben, dass es nun schon zwanzig Jahre her ist. Sie hatte es gerade geschafft, die extrem seltene blaue Rose heranzuzüchten. Oh, das Lächeln dieser Frau damals war einfach nur..." Er schluckte. ,,Aber dann... auf ihrem Weg, die famosen blauen Rosen in eine Stadt zu fahren, brach ein Rad des Wagens, und sie stürzte eine Klippe hinab..." ,,Aber man sagt, dass dieselbe Carin die Dorfbewohner nun terrorisiert.", sagte Leon. ,,Absolut unmöglich.", widersprach Majhal. ,,Wir beide wissen, dass die Toten nicht einfach so ins Leben zurückkehren, und selbst wenn es so wäre - wenn du Carin kennen würdest, wüsstest du, dass sie es nie übers Herz bringen könnte, jemanden umzubringen, ob sie nun tot ist oder nicht." ,,Hmm...", machte Leon nur.
,,Also, was glaubst du, großer Bruder?", fragte Fayt Leon, nachdem Majhal das Haus verlassen hatte, und die beiden nun im Wohnzimmer saßen. ,,Nun, ich glaube weder an Geister, Zombies oder lebende Toten.", sagte Leon. ,,Aber wenn es jemandem gelingen würde, eine Menschliche Mutation zu vollbringen... Der einzige, der dazu in der Lage wäre, ist Majhal, der..." Doch er brach ab, als er ein seltsames, jedoch sehr leises Geräusch hörte, wie der Schrei einer sterbenden Frau. Er schritt durch eine Tür, die in den Keller Majhals Haus führte, und von wo aus er den Schrei meinte gehört zu haben. ,,Was war das...?", wunderte sich Leon. ,,Hast du das auch gehört oder drehe ich jetzt durch?", fragte er Fayt. ,,Was meinst du?", fragte Fayt verwundert. Fayt legte die Stirn in Falten.


Sonnenuntergang nahte. Clara und ihre Bande hatten sich in einem Restaurant versammelt. ,,Also werden wir das wirklich machen?", fragte einer der Jungen unsicher. ,,Ja.", sagte Clara entschlossen. ,,Wir werden diesen Carin-Zombie allein fangen. Schließlich macht das ja kein anderer für uns." Der Junge seufzte. ,,Hast du was daran auszusetzen?", fauchte Clara. ,,Wenn das so weitergeht, werden noch mehr Menschen getötet, und das nächste Mal könntest es du sein!" ,,Ja, aber was ist, wenn sie versucht uns...", begann der Junge, stoppte aber, als die alte Frau namens Carmen, die gestern Abend Majhal besucht hatte und nun ebenfalls im Restaurant war, ihre Tasse Tee fallen ließ, die am Boden zerbrach. ,,Kommen Sie schon, Lady, wollen Sie mich ruinieren!?!", fuhr der Besitzer des Restaurants sie an. ,,Es tut mir Leid, es war ein Versehen.", entschuldigte sich Carmen. ,,Wir werden es heute Nacht machen, verstanden?", sagte Clara, während der Restaurantbesitzer weiterhin anfuhr.


In der Nacht stapften Leon, bewaffnet mit einer Laterne, und Fayt durch den Friedhof des Dorfes.Während Fayt nur durch den Friedhog schlich, schlenderte Leon sorglos durch die Gräberreihen hindurch. ,,Großer Bruder, warte!", kreischte Fayt schließlich, als Leon zu weit von ihm entfernt war. ,,Was ist denn mit dir los?", fragte Leon belustigt. ,,Hast du etwa Angst?" ,,Natürlich nicht!", sagte Fayt sofort energisch. ,,Es gibt doch hier nicht wirklich Zombies, oder?" ,,Sei doch nicht so ein Angsthase, Fayt!", schnaubte Leon. ,,Wenn Carin hier wirklich herumschleicht, dann nur dank Menschlicher Mutation. Nur aus diese Grund sind wir hier. Wir..." Doch der nächste Satz wurde von einem Schrei unterbrochen, den Leon losließ, als er und sein Bruder in eine Fallgrue stürzten. ,,Es hat geklappt! Wir haben sie!", rief ein Junge aus Claras Bande und stürmte mit den anderen und Clara zur Fallgrube. ,,Hä?!?", machte Clara verdattert, als sie Fayt erkannte, der von Fayt erneut geplättet wurde. ,,Verdammt! Mein Rücken! Schon wieder!", wimmerte Leon. ,,Falscher Alarm...", seufzte Clara, stutzte dann aber, als eines ihrer Bandenmitglieder erschrocken aufschrie. ,,Was ist?", fragte sie. ,,D-Da drüben!", schrie der Junge und deutete auf eine Gestalt, so weiß wie Kreide und durchsichtig, von einem Umhang verborgen und über dem Boden schwebend. Clara erschrak. Die Kaputze des Umhanges flog zurück und gab den Blick frei auf ein sogar noch weißeres Gesicht und braunes Haar, das umherwirbelte, obwohl kein Wind war. Die Frau, Carin, sah zu den Kindern hinüber und lächelte böse. Die Jungen rannten kreischend davon, während Clara stehen blieb, vor Angst gelähmt. ,,Sie... Sie hat mir meine Schwester genommen...", stammelte Clara und wachte aus ihrer Trance auf. Leon und Fayt, die aus der Fallgrube kletterten, sahen, wie Clara auf Carin zustürmte. ,,Warte! Clara!", rief Leon ihr erschrocken nach. Eine Gestalt kam hinter den Gräbern hervor gehuscht und stellte sich vor Clara auf, eine Laterne in Richtung Clara halten: Majhal hatte soeben den Friedhof betreten. Ein Armband, das Majhal um seine rechte Hand trug, begann zu leuchten, und sogleich schoss eine Wand aus Flammen auf Carin zu und brannte sie nieder. Leon vernahm einen Schrei, wie der schrei einer sterbenden Frau, der von Carin auszugehen schien. ,,Schon wieder dieses Geräusch...", murmelte Leon. ,,Majhal ist eben nur ein zweitklassiger Alchemist...", sagte eine Frau vergnügt, die hinter einem Baum aus alles beobachtete. Ihr ganzer Körper war von ihrem Umhang verdeckt, und sie hatte schwarzes Haar, trug schwarzen Lippenstift, und ihr Gesicht war so weiß wie der Tod: Es war Lust, die damals schon im Vorfall mit Conero in der Gegenwart erschienen war. ,,Enttäuschend..." Sie ging davon, jedoch nicht unbemerkt von Leon und Fayt, die ihr kurz nachsahen.


Das Feuerwerk startete, und die Bewohner des Dorfes stießen auf Majhal an, den gefeierten Helden, der den bösen Zombie Carin vernichtet hatte und nun mit Alkohol verwöhnt wurde.
Während Majhals Abwesenheit schlich sich Leon in den Keller Majhals Hauses, gefolgt von Fayt, der sichtlich verwirrt wirkte, da Leon die Wände im Kellergang systematisch abklopfte. ,,Was machst du da, Leon?", fragte Fayt neugierig. ,,Ich lag richtig darin, dass sie kein Zombie war, aber sie war auch keine Mutation.", sagte Leon gedankenversunken. ,,Dieses Geräusch, das sie gemacht hat - es ist dasselbe Geräusch gewesen, das ich hier drin gehört hab." Eine Kerze leuchtete im dunklen Gang auf und ließ Leon und Fayt herumwirbeln und in das faltige Gesicht Carmens blicken. ,,Majhal wird äußerst wütend sein, wenn er euch hier findet.", sagte sie zu den beiden Jungen. ,,Er mag es nicht, wenn die Leute in seinem Haus herumschnüffeln." ,,Ach ja? Und wie würden sie dann das, was Sie hier tun, nennen?", entgegnete Leon frech. Die Frau hielt ihre Kerze in Leon Richtung, und sogleich wurde Leon schwindlig. Er knallte gegen eine Wand, die sofort nachgab und zur Seite schwang. ,,Großer Bruder!", rief Fayt erschrocken und ging in den Raum, in den Leon gestürzt war. Keuchend rappelte sich Leon wieder auf und erstarrte, als er mehrere Puppen in dem Raum erblickte, allesamt braunes Haar tragend und kreidebleich, allesamt boshaft grinsend. ,,Was... Was ist das hier?!?", rief er erschrocken. Er sackte wieder zusammen. ,,Großer Bruder!", rief Fayt ängstlich und wandte sich dann zu Carmen um, neben der nun Majhal stand, der sein Armband auf Fayt gerichtet hatte. Es gab einen Lauten Knall und auch Fayt war bewusstlos.


Als Leon wieder zu sich kam, saß er mit Fayt gefesselt in einem anderen Raum in Majhals Haus. ,,Hey, bist du in Ordnung, großer Bruder?", fragte Fayt. ,,Endlich, er ist aufgewacht.", sagte Majhal zufrieden, der mit Carmen an der Tür des Raumes stand. ,,Es scheint mir, du bist da über etwas gestolpert, dass du wirklich nicht hättest sehen sollen, Leon." ,,Oh, Sie meinen, die sogenannten Zombies!?!", fauchte Leon. ,,Ja, ich hab ihre Spielzeuge gesehen!" ,,Spielzeuge?", wiederholte Majhal belustigt. ,,Ihr Köper dient für Seelenverbindungen.", erklärte er. ,,Ich habe viele Puppen meiner Geliebten erstellt, in die ich die Seelen eines jeden Mädchens dieses Dorfes gebunden habe, die ich bekommen konnte. Indem ich dies tat, habe ich lebende Versionen meiner gefallenen Liebe erschaffen." ,,Es schockiert mich, dass dieser Plan auch wirklich funktioniert hat.", sagte Leon. ,,Es ist wahr, dass Seelen dazu neigen, Schreine abzulehnen, die der Natur des Menschen nicht ähneln, und schließlich durchdrehen.", seufzte Majhal. ,,Einige meiner Puppen entkamen schließlich und brachten die Bewohner des Dorfes um. Ein tragischer Nebeneffekt." ,,Sie durchgeknallter Irrer! Wissen Sie überhaupt, was Sie getan haben!?!", brüllte Leon zornig. ,,Warum zum Teufel haben Sie das getan!?!" ,,Aus demselben Grund, weil jeder Mann bisher etwas Visionäres getan hat.", antwortete Majhal. ,,Carin war die einzige Frau, die ich je liebte. Selbst nach Jahren wollten meine Narben einfach nicht heilen. Ich schwor, ich würde sie zurückholen, dabei das einzige Talent benutzend, das ich besaß: Alchemie. Doch als meine Versuche an der Menschlichen Mutation fehlschlugen, kam mir die Idee, dass ich wenigstens etwas erschaffen konnte, das Ähnlichkeit mit ihrer Schönheit hat. Ich habe es aus Liebe getan." ,,Also zogen Sie den Körper der Seele vor.", sagte Leon verachtend. ,,Halt den Mund!", schrie Majhal. ,,Du bist nur ein Kind! Was weißt du schon über die Liebe!?!" Er grinste, während Carmen ihren Kopf hängen ließ. ,,Aber du weißt etwas über Alchemie.", sprach Majhal weiter. ,,Und nun wirst du mir mit einer Seelenverbindung wie der helfen, mit der du deinen Bruder gerettet hast." ,,Ja, selbstverständlich! Träumen Sie weiter!", schrie Leon. ,,Das passt.", sagte Majhal mit gekräuselten Lippen. ,,Du bist genauso stur, wenn nicht sogar noch mehr, wie dein Vater." Die Tür hinter Majhal und Carmen ging langsam auf und eine erschrockene Clara stand dahinter. ,,I... Ich wollte... Ihnen nur für... für vorhin danken...", stammelte Clara, die alles mit angehört hatte. ,,Du törichtes Mädchen...", sagte Majhal grinsend. ,,Lauf, Clara!", schrie Leon, doch Majhal hatte Clara schon mit einem gezielten Hieb bewusstlos geschlagen. ,,Das geht nun zu weit! Ich kann meine Augen nicht mehr davor verschließen!", rief Carmen auf einmal und versuchte Majhal aufzuhalten. ,,Dann verschwinde, alte Fettel!", schrie Majhal, stieß sie zu Boden, packte sich die bewusstlose Clara und rannte aus dem Raum. ,,Tu was, Fayt!", schrie Leon. ,,Okay...", sagte Fayt, begann sich zu konzentrieren und sprengte schließlich die Ketten, die ihn und Leon festhielten. ,,Hey, sind Sie in Ordnung?", fragte Leon und lief zu der am Boden liegenden Carmen zu, deren Kaputze nun ganz zurückgefallen war und etwas blau Schimmerndes in ihren Haaren zu erkennen gab. Leon erschrak. ,,Blaue... Blaue Rose...", murmelte er entsetzensstarr.
Majhal stand in der Mitte des Raumes mit den Puppen, Clara im Zentrum eines Mutations-Zirkels an einen Stuhl gefesselt. ,,Oh, meine Carin, bald sehe ich dich wieder..." frohlockte Majhal, während der Mutatins-Zirkel zu leuchten begann. ,,Nein! Lassen Sie mich gehen!", schrie Clara verzweifelt. ,,Sie haben Sie gehört! Lassen Sie sie gehen, Majhal!", befahl Leon, der im selben Moment mit Fayt und Carmen das Zimmer betrat. ,,Nichts von dem, was Sie zu glauben zu wissen, ist die Wahrheit! Und was Sie die ganze Zeit gesucht haben, war direkt vor Ihrer Nase!" ,,Was soll dieser Unsinn?", fragte Majhal ungestüm. ,,Ich versuche ihnen gerade zu erklären, dass Carin nie gestorben ist!", schrie Leon. ,,An jenem Tag, als sie die Klippe hinabstürzte, verletzte sie sich am Kopf, verlor ihre Erinnerungen und begann ein neues Leben! Zwanzig Jahre später jedoch kehrten ihre Erinnerungen zurück, und, sich an ihre einzige Lieber wieder erinnernd, kam sie sofort zu Ihnen zurück! Aber Sie waren so von ihrem Wahn geblendet, um sie wiederzuerkennen!" Er riss den Umhang von Carmen, und darunter hervor kam eine alte, in die Jahre gekommene Version der vielen Puppen Carins, die diesen Raum zierten, eine blaue Rose in ihren Haaren. Majhal erschrak. ,,Ja, Majhal.", sprach Carmen, deren wahrer Name Carin war. ,,Das kann nicht sein...!", schrie Majhal entsetzt. ,,Willst du mir damit sagen dass diese verhutzelte alte Frau Carin ist?!? Carin war eine Frau von unvergleichlicher Schönheit und Perfektion, genauso wie eine Rose..." ,,Genauso wieeine Rose.", stimmte Leon zu. ,,Blumen verwelken, Majhal. Aber egal, was für ein herzloses Monste Sie auch geworden sind, Carins Gefühle waren vom Verwelken nie betroffen." ,,Ruhe, Junge!", schrie Majhal. ,,Sag noch ein weiteres Wort, und... ICH WERDE DICH UMBRINGEN!!!" Er packte sich eine Mörtel von seinem Arbeitstisch und ließ ihn mit Hilfe von Alchemie zu einem Schwert werden, mit dem er schreiend auf Leon zustürmte. Fayt sprang vor, wehrte Majhals Angriff ab und stieß ihn zurück. Erneut stürmte Majhal los. Leon packte sich die Rose in Carins Haaren, warf sie auf den Boden zu dem von ihm eiligst gezeichneten Mutations-Zirkel und schlug mit seinen Händen auf die Zeichnung. Die Rose verwandelte sich in einen blauen Stab, den Leon nach Majhals Hand warf, die das Schwert hielt. Das Schwert schoss ihm aus die Hand, in die Höhe, kam zurück und durchstieß ihm ds Herz. Blutspuckend sank Majhal zu Boden, unter den Augen der entsetzten Carin, die weinend zu Boden sackte. ,,Majhal... Majhal...", wimmerte sie verzweifelt. ,,Du... bist nicht... meine Carin...", röchelte Majhal mit Blick auf sie. Dann sah er zu den Puppen und lächelte glücklich. ,,Carin... ich komme zu dir..." Und die Augen auf die Puppen gerichtet, starb er schließlich. Carin ließ einen lauten Schrei der Verzweiflung los, der in dem unzähligen Knallern der Feuerwerke unterging, deren Funken sich über das Dorf ergossen.


Am nächsten Tag saßen Leon und Fayt an einer Wartestelle nahe des Dorfes, um mit der nächsten Kutsche zu fahren. Fayt saß die ganze Zeit nur gedankenverloren herum. ,,Schön, dich deprimiert und wiedr normal zu sehen.", sagte Leon, um Fayt aufzumuntern. Fayt seufzte nur. ,,Tut mir Leid.", sagte er. ,,Ich habe gerade nur daran gedacht, welche Macht Alchemie doch hat, Menschen auch blind zu machen." ,,Ja, schätze, das hat sie.", stimmte Leon zu, als die Kutsche auch schon kam. Sie wollten gerade einsteigen, als jemand rief: ,,Hey!" Sie wandten sich um und erblickten ein Mädchen mit langen Haaren, das zur Kutsche gerannt kam. ,,Tut mir Leid wegen dem ganzen Zeugs, was ich getan und gesagt habe.", entschuldigte sich das Mädchen. ,,Ihr zwei seid wirklich Alchemisten." ,,Äh, ja sind wir. Aber wer bist du?", entgegnete Leon. ,,Nenn mich verrückt, Leon, aber ich glaube, das ist Clara.", sagte Fayt. ,,Hmh...", sagte Clara und nickte. Die beiden Elric-Brüder sahen sich mit großen, ungläubigen Augen an. ,,Werdet ihr Jungs auch mal erwachen!?!", brüllte Clara verärgert. Schnell sprangen Leon und Fayt in die Kutsche, um ihren Zorn zu entkommen. Doch schon zwei Sekunden später öffnete Leon in der Fahrt die Tür der Kutsche wieder, grinste verschmitzt und rief: ,,Du bist defintiv hübscher, wenn du dich nicht wie ein Zeitungsjunge kleidest!" Schnell schloss er die Tür wieder. Clara schmollte kurze Zeit, dann winkte sie den beiden jedoch fröhlich nach.


Vorschau Kapitel 5: Entführung: Ein Mann mit einem mechanischen Arm... Er meint, Leon und er seien sich ähnlich...sind sie es wirklich?

Montag, 25. Juni 2007

Tales of Alchemy Kapitel 3: Mutter

Eine unvorstellbar große Bibliothek mit Tausenden von Büchern über Alchemie. ,,Ich schätze, hier gibt es keine Bücher mehr mit Informationen über den Ring der Alchemisten.", seufzte Leon und gähnte herzhaft, während Fayt die Bücher der obersten Reihe durchstöberte, an die Leon mit seiner kleinen Körpergröße nicht heranreichte. ,,Dieser Stein von dem Priester war eine Fälschung, also tappen wir mal wieder im Dunkeln.", sagte Fayt. ,,Vielleicht sollten wir ja für den Moment zurück nach Central City.", schlug Leon resignierend vor. ,,Leon, schau!", sagte Fayt auf einmal und zog ein besonders staubiges Buch aus der obersten Reihe hervor. Alchemie für Anfänger stand darauf geschrieben. ,,Siehst du? Eine Einführung in die Alchemie. Ruft das nicht Erinnerungen wach?" ,,Was? Wirklich?", fragte Leon, nahm das Buch entgegen und schlug es auf. Eine Raute, in der eine weitere, kleinere Raute lag, beide umgeben von einem Kreis, war darauf abgebildet. Ja, dies rief wirklich Erinnerungen an Früher wach.


Gehen wir doch einmal neun Jahre in der Zeit zurück.
Der sechsjährige Leon und sein fünfjähriger kleiner Bruder Fayt hockten auf dem Boden des Zimmers ihrer Freundin Winry Rockbell, die den beiden gelangweilt zu, ihren kleinen Husky auf den Armen, wie sie eine Raute zeichneten, in der sich eine kleinere Raute befand, beide von einem Kreis umgeben. ,,Hey, das ist langweilig.", quängelte Winry. ,,Warte, nur noch ein kleines bisschen.", versprach Fayt ihr. ,,Okay, ich bin fertig.", sagte Leon und legte das Stück Kreide, mit dem er gemalt hatte, zur Seite. ,,Pass gut auf, Winry.", sagte er und stellte sich auf der einen Seite der Zeichnung auf, Fayt auf der anderen. ,,Ihr habt doch versprochen, ihr würdet mir ein Geburtstagsgeschenk geben...", maulte Winry. ,,Ja, haben wir. Und das machen wir auch jetzt.", antwortete Leon. Beide Jungen nahmen jeder Salz in ihre Hände und ließen es in das Zentrum der Zeichnung rieseln. Sie knieten sich nieder und legten ihre Hände auf die Zeichnung auf, die sofort golden zu leuchten begann. Winry wich leicht ängstlich zurück. Langsam stieg das Salz am Boden auf und verformte sich. Zwei Augen und ein Mund, beide weit aufgerissen, schauten Winry entgegen, die sofort laut aufschrie und zu weinen begann. Erschrocken rannten die beiden Elric-Brüder zu ihr, um sie zu trösten, ihre erste Mutation, die sie je vollbracht hatten, vollkommen vergessen.


Der Nachmittag zog über das kleine Dorf herein, in dem Leon und Fayt lebten, die nun beide vor dem Haus von Winrys Eltern saßen und schuldbewusst dreinchauten.
,,Es ist Winrys Schuld...", sagte drinnen im Haus in der Küche Winrys Vater. ,,Die beiden haben sich den ganzen Ärger angetan, um..." ,,Das stimmt.", stimmte Winrys Mutter zu. ,,Leonard und Fayton haben das nur für dich gemacht." ,,Es tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich die Mutter von Leon und Fayt, die ebenfalls anwesend war. ,,Wie dem auch sei...", sagte Winrys Großmutter, die gerade aus Winrys Zimmer her in die Küche kam. ,,Diese beiden sind wirklich exzellente Alchemisten." Sie legte eine Stoffpuppe auf den Küchentisch: Der erste Gegenstand, den die beiden Elric-Brüder je mit Alchemie erschafft hatten. Die Mutter von Leon und Fayt sah verwundert drein. ,,Aber sie sollten doch eigentlich nichts über Alchemie wissen...", sagte sie mit großen Augen. ,,Vielleicht liegt es ja daran, dass sie seine Kinder sind.", meinte Winrys Großmutter.
Leon und Fayt sahen auf, als ihre Mutter hinaus zu ihnen kam, eine Strafe erwartend. Doch ihre Mutter lächelte sie nur an und ging dann los nach Hause, ihre beiden Söhne dicht hinter ihr. ,,Wann habt ihr denn Alchemie von Papa gelernt?", fragte sie die beiden, während sie sich das Buch Alchemie für Anfänger besah, das ihre beiden Söhne mit zum Haus von Winrys Eltern genommen hatten. ,,Wie sollen wir denn etwas von jemandem lernen, der nie da ist?", entgegnete Leon. ,,Es war in dem Buch da beschrieben.", sagte Fayt und deutete auf das Buch in den Händen seiner Mutter. ,,Ihr versteht dieses komplizierte Buch hier?", fragte ihre Mutter, ziemlich beeindruckt. ,,Ein bisschen.", antworteten die beiden Brüder wie aus einem Munde. ,,War es schlimm?", fragte Leon. ,,Nein, nicht schlimm, sondern beeindruckend.", sagte seine Mutter stolz. ,,Ich werde bei jedem im Dorf angeben." Sie kicherte vergnügt. Die beiden Jungen lächelten sich zufrieden zu.


Der nächste Morgen. ,,So, und jetzt legt ihr das Buch wieder dahin, wo ihr es gefunden habt.", sagte die Mutter zu ihren beiden Söhnen, als sie das Arbeitszimmer ihres Mannes betreten hatten, ein Zimmer voller alter Metallstatuen, voller seltsamer Mixturen und voller Bücher über Alchemie. ,,Okay.", sagten sie beiden nickend. ,,Und wenn Papa zurückkommt, dann bedankt euch auch." ,,Okay!", riefen die beiden. ,,Und hinter der Tür da hinten haben kleine Kinder nichts verloren.", fuhr ihre Mutter fort. ,,Okay!", riefen die beiden nur erneut und stürzten sich dann fröhlich auf die vielen Bücher in den Regalen, das aufgrund der beiden übermütigen Kinder zu wackeln begann und seinen blättrigen Inhalt auf sie entlud. Kopfschüttelnd sah die Mutter auf ihre beiden unter dem Bücherberg begrabenen Kinder hinab.
Mutter begann einen seltsamen Blick zu bekommen, nachdem Vater auf seine Reise aufgebrochen war ohne sein Ziel zu nennen..., erinnerte sich der vierzehnjährige Fayt der Gegenwart. Aber nachdem wir Alchemie gelernt hatten, fing sie wieder an mehr zu lächeln... Mutter hatte uns oft gelobt wegen unsern Fähigkeiten im Bereich der Alchemie... Wir widmeten unser Leben der Alchemie...


Und so zogen die Jahre ins Land.
,,Mama! Mama!", rief der zehnjährige Leon, der mitdem neunjährigen Fayt zusammen zu seiner Mutter rannte, die gerade Wäsche zum Trocknen aufhing. ,,Schau mal!" ,,Leon hat das gemacht.", sagte Fayt mit Blick auf das kleine Pferd aus Metall, das Leon in seinen Händen hielt. ,,Ich krieg leider nur so was hin.", fügte er hinzu und sah auf das kleine, recht unförmige Schwein aus Metall in seinen Händen. ,,Das ist unglaublich, ihr beiden.", lobte ihre Mutter sie und nahm das Pferd von Leon, um es zu begutachten. ,,Ihr seid wirklich seine Kinder." Leon lache fröhlich. ,,Wird Papa uns auch loben?", fragte Fayt. Das Lachen verschwand sofort aus dem Gesicht ihrer Mutter. ,,Ja, natürlich.", sagte sie schließlich und lächelte wieder, diesmal nur ein gespieltes, bemüht fröhliches Lächeln. ,,Das wird er ganz sicher tun, wenn er zurück nach Hause kommt." Leon schaute wütend drein, schnappte sich das Pferd aus den Händen seinen Mutter und rannte los. ,,Ich gehe zu Winry!", rief er, rannte aber in eine vollkommen andere Richtung. ,,Großer Bruder!", rief Fayt und folgte ihm. Ihre Mutter seufzte tief und traurig, und wandte sich wieder der Wäsche zu.
Leon und Fayt saßen auf einem Hügel in der Nähe des Bahnhofes des Dorfes. ,,Großer Bruder, hasst du Papa?", fragte Fayt. ,,Nein, nicht wirklich hassen...", begann Leon. ,,Ich erinnere mich nur nicht an ihn. Und wenn wir über ihn reden, setzt Mama so ein komisches Gesicht auf. Das mag ich nicht." ,,Tut mir Leid...", sagte Fayt und sah zu Boden. Leon legte ihm eine Hand auf den Kopf und zerwuschelte ihm die Haare. ,,Los, gehen wir zu Winry.", sagte er und stand auf. Fayt nickte.
Bei Winry angekommen, erblickten sie eine äußerst traurig dreinschauende Großmuttervon Winry und die haltlos weinende Winry selbst. ,,W-Was meinst du damit?", fragte Fayt. ,,Hab ich doch gesagt, Mama und Papa sind tot.", schluchzte Winry. ,,Aber deine Eltern sind doch Ärzte.", wandte Leon ein. ,,Ja.", sagte Winry mit tränenerstickter Stimme. ,,Deswegen mussten sie ja auch nach Ishbal aufbrechen, wo Krieg herrscht... Sie sind dort gestorben. ,,Winry, das ist ungefähr dasselbe wie das, was mit unserem Papa passiert ist, also...", begann Fayt und stellte das kleine Schwein aus Metall vor ihr ab. ,,Es ist nicht dasselbe!", schrie Winry und schlug das Schwein zur Seite. Es fiel zu Boden. ,,Sie sind tot! Das bedeutet, dass sie nie mehr zurückkehren werden!" ,,Das ist nicht wahr.", widersprach Leon und hob das Schwein vom Boden auf. ,,Ich hab in einem Buch über einen Golem namens Homunculus gelesen. Es ist eine Puppe ohne Herz. Aber mit Alchemie kann man vielleicht..." ,,Aufhören!", rief Winrys Großmutter. ,,Das ist verboten!" Winrys Husky, der mit den Jahren gealtert hatte und nun eine Pfote aus Metall hatte, wich winselnd vor ihr zurück. ,,Alchemie ist nicht perfekt.", sprach Winrys Großmutter warnend. ,,Genau deswegen existieren wir Auto-Mail-Mechaniker." Sie sah zur Metallpfote des Huskys. ,,Alte Hexe...", grummelte Leon. ,,Waaaaaaah!!!", kreischten beide Jungen Sekunden später und ergriffen die Flucht, als die "alte Hexe" ihnen alle möglichen Werkzeuge entgegenwarf.
,,Winry tut mir Leid.", sagte Fayt auf dem Rückweg nach Hause, und durchbrach damit die Stille, die nach dem Verlassen des Hauses von Winrys toten Eltern geherrscht hatte. Leon antwortete nicht, sondern sah zu seiner Mutter, die draußen im Garten Äpfel pflückte und winkte, als sie ihre beiden Söhne erblickte. Langsam stiegen Leon die Tränen ins Gesicht. Er stürmte los und warf sich seiner verwirrt dreinschauenden Mutter in die Arme. Fayt folgte ihm weinend. ,,Was ist denn los, ihr beiden?", fragte ihre Mutter sie, bekam jedoch keine Antwort von den weinenden Jungen. ,,Was ist denn los, Leonard? Du bist doch schon ein großer Junge. Du bist zu alt dafür."


Zwei Monate später.
Fröhlich lachend stürmten die beiden Elric-Brüder über die Felder, die das Dorf umgaben und spielten auf dem Heimweg Fangen. ,,Hahahaha! Du bist zu langsam, Fayt!", lachte Leon belustigt, während er in Richtung Zuhause stürmte.
,,Tschuldige, dass wir so, spät sind, Ma...!", begann Leon fröhlich, als er die Tür zum Haus öffnete. Doch sein Stimme erstarb sofort, als er einen umgestürzten Stuhl im Wohnzimmer erblickte, ihre bewusstlose Mutter darunter begraben, schwer und rasselnd atmend. Vor Schreck ließ Leon die Sachen, die er mit Fayt eingekauft hatte, zu Boden fallen. ,,Mama...", stammelte er und stürmte mit Fayt zu seiner Mutter. ,,Mama!", schrien beide Jungen verzweifelt, doch ihre Mutter antwortete nicht.


,,Das ist keine Krankheit, die sie sich erst vor kurzem eingefangen hat.", sagte der Arzt am Abend zu Winrys Großmutter, die ihn gerufen hatte.
Leon und Fayt saßen besorgt am Bett ihrer glühend heißen Mutter.
,,Sie muss diese Schmerzen bereits lange Jahre gehabt haben.", sprach der Arzt weiter.
,,Liebling...", murmelte Leons und Fayts Mutter im Schlaf.


,,Hier sind Briefe, die an ihn addressiert sind.", sagte Leon in der Nacht im Arbeitszimmer seines Vaters und sah zu den Briefen, die für seinen Vater bestimmt waren. ,,Wenn wir Briefe an jeden der Absender schicken..." ,,Wird jemand vielleicht wissen, wo Papa ist, und ihm sagen, dass er nach Hause kommen soll?", beendete Fayt hoffnungsvoll den Satz. ,,Ich will nicht, dass er zurückkommt!", schrie Leon. ,,Aber es geht nicht anders. Verdammt.


Es war ein paar Tage später in einer stürmischen Nacht. ,,Dort im Schrank ist Geld, das Papa zurückgelassen hat...", sagte die Mutter mit schwacher Stimme in ihrem Bett zu ihren Söhnen. Der Arzt, Winry und Winrys Großmutter sahen betreten zu Boden. ,,Ich habe nichts davon genutzt...", sprach die Mutter weiter, die Hände ihrer beiden Söhne fest in ihrer eigenen Hand. ,,Benutzt es, kooperiert und lebt miteinander." ,,Was redest du denn da, Mama?", sagte Leon und versuchte zu lächeln. ,,Kannst du etwas für mich mutieren, Leonard?", bat seine Mutter ihn. ,,Ein Blumenkranz wäre schön." ,,Was?", fragte Leon. ,,Er... hat sie immer... für mich gemacht...", sagte ihre Mutter noch, bevor das Licht in ihren Augen für immer erlosch; ihre Hand ließ die Hände ihrer Söhne los.
Mutter war glücklich Alchemie zu sehen, weil es sie an Vater erinnerte..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart. Erst am Abend ihres Todes verstanden wir dies.


Die Beerdiung der Mutter von Leon und Fayt fand am nächsten Tag gegen Mittag stand, ihre Söhne weinend vor ihrem Grab, Winry und ihre Großmutter dicht hinter ihnen, dahinter die anderen Bewohner des Dorfes, allesamt schwarz gekleidet.


Bei Sonnenuntergang waren Leon und Fayt die einzigen, die noch am Grab ihrer Mutter standen. ,,Großer Bruder...", sprach Fayt zum ersten Mal an diesem Tag. ,,Ich hab Hunger... Und mir ist kalt... Gehen wir nach Hause." ,,Fayt...", begann Leon, sein Blick auf das Grab gerichtet. ,,Erwecken wir Mama wieder zum Leben." Fayt sah ihn erschrocken an.


,,Hier! Seine Aufzeichnungen!", rief Leon am Abend im Arbeitszimmer seines Vaters und blätterte durch ein riesiges Notizbuch. ,,Ich verstehe zwar nicht die Details, aber hier steht Zeugs über Menschliche Mutation drin." ,,Aber hier steht, dass Menschliche Transmutation verboten ist.", wandte Fayt ein. ,,Jeder würde glücklich darüber sein, eine tote Person zurück ins Leben kehren zu sehen!", sagte Leon. ,,Jeder, der es bis jetzt versucht hat, ist gescheitert, und nur deswegen haben die Erwachsenen es verboten. Wenn du, Mama, und ich wieder glücklich miteinander leben können, bin ich mir sicher, dass Mama sich auch freuen würde." ,,Vielleicht sollten wir zuerst Papa fragen...", meinte Fayt unsicher. ,,Mama ist seinetwegen gestorben!", schrie Leon. ,,Mama hat auf ihn gewartet, aber er ist nicht einmal zu ihrer Beerdigung gekommen! Wenn er es nicht hinbekommt, dann mach ich es eben! Ich werde es tun!"


Nicht viel später fanden wir auf einer Insel eine Lehrerin, und begannen noch einmal ganz von vorne mit dem Erlernen der Alchemie..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart. Und dann... eines Tages...


Sie saßen im Arbeitszimmer ihres Vaters, ein heftiger Sturm und dunkle Wolken draußen ein Unwetter ankündigend. ,,Wasser: 35 Liter...", las Leon die Rezeptur vor, während Fayt Wasser holte. ,,Carbon: 20 kg. Ammonium: 4 Liter. Klebstoff: 1,5 kg. Phosphor: 800 kg. Salz: 250 g. Niter: 100 g. Fluorid: 7,5 g. Eisen: 5 g. Silicon: 3g. Aus diesen Elementen besteht der Körper eines erwachsenen Menschen. Sie legten alle Zutaten in das Zentrum der Zeichnung, die Leon mit Kreide auf den Boden gemalt hatte. ,,Wir werden Mamas Geist zurückholen, und ihn an den Körper binden." ,,Großer Bruder, wird das auch funktionieren?", fragte Fayt unsicher. ,,Dafür ist es zu spät, Fayt.", entgegnete Leon. ,,Aber Alchemie funktioniert doch nur mit dem Prinzp des Gleichwertigen Tausches, richtig?", fragte Fayt. ,,Wir haben das Material für den Körper... aber was sollen wir denn für Mamas Geist benutzen?" ,,Finger ausstrecken.", sagte Leon zu ihm und holte ein Messer hervor, mit dem er sich selbst in den Finger stach. Sein Blut tropfte auf die Zutaten im Zentrum der Zeichnung, gefolgt von Fayts Blut. ,,Das ist die... Information für ihre Seele.", sagte Leon. ,,So sollte es klappen. Fangen wir an, Fayt."
Regen setzte ein. Ein Mann, vermummt in eine Regenjacke, wanderte auf das Dorf zu, in dem Leon und Fayt lebten. ,,Das Dorf Rizenbul, wie?", sagte er.
Ein goldener Sturm war im Arbeitszimmer los gebrochen und umgab nun auch die beiden Brüder. Doch schon wenige Sekunden später verfärbte sich der Sturm von Gold zu Violett und schwarze Blitze brachen im ganzen Raum los. Die Deckenlampen zersplitterten, Bücher flogen quer durch den Raum, Reagenzgläser zerplatzen. ,,Da stimmt irgendwas nicht, großer Bruder!", rief Fayt ängstlich und schrie im nächsten Moment so laut wie noch nie zuvor.
Aufgeschreckt durch den Schrei rannte Winry aus dem Haus, dicht gefolgt von ihrer Großmutter,und sah sich verwirrt um.
Einer der schwarzen Blitze hatte Fayt gepackt und begann ihn in ein violett schimmerndes Loch zu ziehen. ,,Fayt!", brüllte Leon entsetzt und wollte zu ihm stürmen, doch etwas packte sein linkes Bein und hielt ihn fest. ,,Großer Bruder!", schrie Fayt panisch, das Loch ihn langsam verschlingend. ,,Großer Bruder...!" Leon versuchte zu ihm zu gelangen, kam aber nicht gegen das an, was eisern sein linkes Bein festhielt. ,,Großer Bruder! Großer Bruder!", schrie Fayt unter Tränen und mit viel zu hoher Stimme. ,,FAYT!!!", brüllte Leon und musste zusehen, wie das Loch ihn ganz verschlang.
Das letzte, was ich sah, war, wie das linke Bein meines Bruder zersetzt wurde und verschwand..., erinnerte sich der Fayt der Gegenwart.


Fayt erwachte stöhnend, überall um ihn herum Rauch. Er stand mit wackeligen Beinen auf, das Scheppern von Metall seine Bewegungen begleitend. ,,Was ist das..?", sagte er verdutzt und blieb stehen. Erschrocken sah er auf seine Hand, die vollkommen aus Metall war. Leises Röcheln drang zu ihm herüber. Er sah zu Boden und erblickte seinen großen Bruder Leon, dessen linker Arm und linkes Bein nicht mehr da waren, Blut in Strömen fließend. ,,Es... Es tut mir Leid, Fayt...", keuchte Leon und spuckte Blut. ,,Großer Bruder!", schrie Fayt entsetzt. ,,Großer Bruder, was ist passiert? Und... dein Arm..." ,,Nur mit meinem Arm...", begann Leon keuchend. ,,Das einzige, was ich noch tun konnte, war, deine Seele in eine der Statuen hier zu bannen... mit meinem Arm..." ,,Großer Bruder...", sagte Fayt bedrückt. ,,Und... was ist mit Mama?" ,,Sie war nicht menschlich...", stöhnte Leon. Fayt sah zu dem Mutations-Zirkel und erschrak sich zu Tode, als er das abstruse Gebilde aus Nerven, Fleisch, Knochen und anderen Organen sah, das sich immer noch regte. ,,Oh nein... aber warum?", fragte Fayt entsetzt. ,,Deine Theorie war doch perfekt!" ,,Meine Theorie war nicht falsch.", entgegnete Leon. ,,Wir waren diejenigen, die falsch lagen." Er brach zusammen.


Winry und ihre Großmutter sprangen erschrocken auf, als sie eine wandelnde Metallstatue erblickten, die ihr Haus betrat und Leon trug, dem ein Bein und ein Arm fehlte. ,,Bitte...", flehte die Metallstatue mit zittriger Stimme und sah auf den blutverschmierten Leon hinab. ,,Bitte helft meinem großen Bruder." ,,Fayt... bist du das?", fragte Winry mit großen Augen. ,,Was?!?", rief ihre Großmutter erschrocken.


,,Ihr zwei seid also von eurem Training zurück?", sagte Winry, nachdem sie Leon verarztet, seine Wunden mit Mullbinden umwickelt, und ihn ins Bett des Gästezimmers geleg hatten. ,,Was ist passiert?" ,,Sagt mir nicht, ihr habt versucht,eure Mutter wiederzuerwecken.", sagte Winrys Großmutter scharf. Fayt sah zu Boden und wollte gerade antworten, als ein Mann eintrat und die Kaputze seines Regenmantels zurückschlug; er hatte pechschwarze Haare. ,,Ih verstehe.", sagte er. ,,Das Licht, was ich gesehen habe, kam also von einer Menschlichen Mutation. Du so eine starke Mutation habe ich noch nie zuvor gesehen." Die anderen im Raum Anwesenden sahen ihn verwirrt an. ,,Entschuldigt.", sagte der Mann und holte eine mit Runen verzierte Taschenuhr aus seinem Mantel hervor. ,,Ein Nationaler Alchemist?", sagte Fayt verdutzt. ,,Und was will sein Soldat hier?", fragte Winrys Großmutter. ,,Wie Sie sehen können, sind diese beiden hier schwer verletzt worden." ,,Ich habe diesen Brief hier erhalten.", sagte der Nationale Alchemist und holte einen Brief hervor. ,,Das it einer der Briefe, die mein großer Bruder an die Bekannten von Papa geschickt hat.", sagte Fayt erstaunt. ,,Wir haben ebenfalls nach eurem Vater Hohenheim gesucht.", sagte der Nationale Alchemist. ,,Ihr Vater wird immer noch vermisst.", sagte Winrys Großmutter. ,,Wir haben Verletzte hier. Bitte gehen Sie." ,,Wenn er immer noch let, selbst nachdem er eine Menschliche Mutation vollführt hat, dann steht sein Vater nicht mehr länger auf meiner Prioritätsliste an erster Stelle.", sagte der Nationale Alchemist mit Blick auf den bewusstlosen Leon. ,,Er könnte ein exzellenter Nationaler Alchemist werden. ,,Er hat nichts getan.", sagte Winrys Großmutter. ,,Und jetzt gehen Sie. Wir sind beschäftgt. Ich habe keine Lust mehr, mich noch länger mit einem Militärhund zu unterhalten." ,,Mein Name ist Roy Mustang, Nationaler Alchemist und Lieutnant Oberst.", sagte der Mann namens Roy Mustang, während er Kehrt machte und zur Tür ging. ,,Kommt nach Central City." Er ging auf den Flur und hinaus und verließ das Haus wieder.


Am nächsten Morgen trat Winry mit einem Bottich voll Wasser und einem Waschlappen ins Gästezimmer, wo Leon immer noch reglos lag. Sie tränkte den Waschlappen mit dem kalten Wasser und legte ihn auf Leons Stirn. Dann wandte sie sich um und blickte zur Metallstatue, in der nun Fayts Seele steckte. Die Metallstatue bewegte sich nicht. Interessiert studierte Winry ihn von oben bis unten, klopfte ihn ab und setzte sich probeweise auf ihn drauf. ,,Guten Morgen, Winry.", begrüßte Fayt sie auf einmal. Erschrocken fiel sie von ihm hinunter und auf ihren Hintern. ,,Du bist wach?!?", rief sie erschrocken. ,,Ähm... Es tut mir Leid, ich...!"


Als Leon am Mittag erwachte, wechselte Winrys Großmutter seinen Verband sofort aus. ,,Bei uns zu Hause liegt ein richtig großer Batzen Geld.", begann Leon auf einmal. ,,Dummerchen, mach dir keine Sorgen um die Bezahlung für den Verband.", sagte die Alte. ,,Das meine ich nicht.", sagte Leon. ,,Ich möchte, dass ihr mich mit dem Geld mit Auto-Mail ausrütet." Die Alte stoppte schlagartig. ,,Ich werde nach Central City zu diesem Roy gehen, und ein Nationaler Alchemist werden.", sprach Leon weiter. ,,Und dafür brauche ich zwei bewegliche Arme und zwei bewegliche Beine, richtig?" ,,Du hast also mitgehört?", fragte die Alte. ,,Ich hab von unserer Lehrerin gehört, dass ich die seltenen Dokumente benutzen kann, die der Staat in seiner Bibliothek aufbewahrt, wenn ich ein Nationaler Alchemist werde. Und ich bekomme Geld für jede Forschung, die ich betreiben will. Und ich habe gehört, dass diese Taschenuhr die Macht eines Alchemisten verstärken kann." ,,Hat deine Lehrerin denn auch das hier gesagt?", fragte die Alte und begann: ,,Sobald ein Krieg ausbricht,wirst du gezwungen, dich daran zu beteiligen. Und wenn dir ein Befehl gegeben wird, musst du Alchemie benutzen, welche eigentlich zum Wohle der Bevölkerung entwickelt worden war, um Menschen zu töten. Ich habe auch gehört, dass es ein im Krieg beteiligter Nationaler Alchemist war, der das Leben von Winrys Eltern - meinem Sohn und meiner Schwiergertochter - nahm." ,,Es ist mir egal, ob ich zu einem Militärhund werde.", entgegnete Leon stur. ,,Es gibt da etwas, was ich tun muss." ,,Leon... du willst immer noch...?", sagte die Alte mit offenem Mund.


Die Zähne fest zusammengebissen, um seinen Schmerzen nicht mit lauten Schreien Ausdruck zu verleihen, versuchte Leon die Prozedur der Anbringung der Auto-Mails an seinem Bein und Arm zu ertragen, jedoch wild um sich schlagend und immer wieder laut aufkeuchend. ,,Halte durch.", sagte Winry, die mit ihrer Großmutter die Auto-Mails anbrachte. ,,Das sind die besten Modelle, die wir bis jetzt hergestellt haben. Beunruhigt durch den Lärm, den der um sich schlagende und tretende Leon machte, riskierte Fayt einen Blick in das Zimmer. ,,Draußen bleiben!", fuhr Winry ihn an und warf ihm einen Schraubenschlüssel entgegen. Schnell schloss er die Tür wieder. ,,Ich bin ziemlich überrascht.", sagte Winrys Großmutter, einen Lötkolben zwischen den Zähnen. ,,Selbst ein Erwachsener würde die ganze Zeit nur lauthals schreien von den Schmerzen, die es verursacht, jeden einzelnen Nerv mit dem Auto-Mail zu verbinden." ,,Dieser Schmerz...", keuchte Leon. ,,Er ist nichts im Vergleich zu Fayts Schmerz..."


Am nächsten Morgen stand Fayt am See des Dorfes und machte Kampfübungen. ,,Machen wir das, was wir jeden Morgen bei unserer Lehrerin gemacht haben...", sagte Fayt zu Leon, der ebenfalls am See saß, nun mit einem Bein und einem Arm aus Metall ausgestattet. ,,Um deinen Geist zu trainieren, musst du auch deinen Körper trainieren.", zitierte er einen Satz ihrer Lehrerin, bei der sie das Kämpfen gelernt hatten. ,,Das hat unsere Lehrerin doch so gesagt, richtig? Aber, Fayt, schaffst du das auch mit diese Körper?" ,,Gegen einen Auto-Mail werde ich ganz bestimmt nicht verlieren.", sagte Fayt herausfordernd. Leon stürmte ohne Vorwarnung auf ihn zu und holte mit seiner Metallfaust aus, die Fayt mit seiner Hand abwehrte. Leon sprang zurück und setzte einen Tritt an, den Fayt mit beiden Armen blockte. Wieder sprang Leon zurück und wollte zum dritten Mal angreifen, doch diesmal holte Fayt mit einem seiner wuchtigen Arme aus und Leon musste den Angriff mit beiden Händen blocken. Durch die Wucht des Schlages torkelte er leicht zurück. ,,Großer Bruder, willst du wirklich ein Nationaler Alchemist werden?", fragte Fayt, während sie beide weiter aufeinander einschlugen. ,,Ich weiss nicht, ob ich einer werden kann oder nicht, aber ich werde mich auf jedem Fall mit diesem Roy treffen.", entgegnete Leon. ,,Bitte Tu's nicht.", bat Fayt ihn. ,,Ich habe mich bereits entschieden.", entgegnete Leon stur. ,,Dann werde ich eben einer.", meinte Fayt. ,,Das kannst du nicht.", sagte Leon schlicht. ,,Großer Bruder, hast du etwa immer noch vor, Mama zu mutieren?", fragte Fayt leicht beunruhigt. ,,Du hast in der Nacht gesagt, dass wir falsch lagen! Also warum...?" Er holte mit der Faust aus, doch Leon wich aus, stellte ihm ein Bein und brachte ihn so zu Fall. ,,Ich werde ein Nationaler Alchemist.", sagte Fayt und stand wieder vom Boden auf. ,,Und ich werde herausfinden, wie ich dir dein Bein und deinen Arm wiederbringen kann!" ,,Deswegen solltest du dir keine Sorgen machen.", meinte Leon. ,,Aber es ist meine Schuld!", schrie Fayt aufgebracht. ,,Wenn ich dir nicht zugestimmt hätte, hättest du nicht dein Bein verloren! Du hast sogar deinen Arm verloren, als du meine Seele in diese Staue gebannt hast..." Ohne Vorwarnung trat Leon ihn in den See. ,,Sag mir mal bitteschön, was du mit diesem Körper tun willst.", sagte Leon zu ihm. ,,Großer Bruder...", sagte Fayt niedergeschlagen und schwamm wieder an Land. ,,Ich werde einen Weg finden, dir zu deinem alten Körper zu verhelfen.", versprach Leon ihm. ,,Also hast du Mama aufgegeben?", fragte Fayt. ,,Es gibt wahrscheinlich nichts auf der Welt, was gleichwertig mit Mamas Leben ist.", entgegnete Leon und sah zu Boden. ,,Und... ich will nicht auch noch dich verlieren." ,,Dann werde ich mit dir gehen.", sagte Fayt. ,,Warum das denn?", fragte Leon. ,,Weil du ohne mich hoffnungslos verloren wärst, großer Bruder.", antwortete Fayt belustigt. ,,So denkst du also von mir...?", fauchte Leon. ,,Ich will... nie von dir getrennt sein.", sagte Fayt.
Traurig beobachteten Winry und ihre Großmutter die beiden von Fern.


Am Abend brannte das Haus von Leon und Fayt lichterloh, angezündet von den Besitzern selbst, alle Gegenstände, Erinnerungen mit verschwindend. Selbst wenn wir versuchen, unsere alten Körper zurückzubekommen, wir suchen immer noch nach einem Weg für verbotene Menschliche Mutation..., dachte Fayt, während er mit Leon zusah, wie das Haus langsam niederbrannte. Wenn wir erneut versagen sollten, werden wir möglicherweise für immer von dieser Welt verschwinden... Wir sind uns nicht sichern, ob wir mit etwas noch Schlimmerem bestraft werden, als das hier... aber wir können nicht zurück.
Und so zogen Leon, elf Jahre, und Fayt, zehn Jahre, los, alles und jeden aus ihrer Vergangenheit zurücklassend.

Vorschau Kapitel vier: Liebe: Erst wenn einer Puppe Leben geschenkt wird, werden die Menschen erkennen, wie töricht sie waren. Aber dennoch werden sie denselben Fehler immer und immer wieder begehen... wenn sie Liebe mutieren können.

Sonntag, 24. Juni 2007

Tales of Alchemy Kapitel 2: Fälschung

,,Ihr habt versucht, eine menschliche Mutation zu vollführen?", spottete Conero. ,,Ihr habt das größte Tabu missachtet! Dein Körper ist auf die andere Seite gerissen worden! Deswegen trägt er also den Titel "Metallalchemist"!" Er lachte laut und belustigt, während sich Fayt nun endlich wieder freigebuddelt hatte. ,,Ich verstehe, so ist das also.", sagte Conero. ,,Ich habe mich gewundert, warum ein Kind wie du solch eine Titel trägt." Er wandte sich an Rose. ,,Rose, in der Alchemie ist es verboten, Dinge in Gold zu verwandeln. Aber es gibt eine Sache, die ebenfalls verboten ist, und das sogar aus gutem Grund: Menschliche Mutation." Rose sah zitternd von Fayt zu Leon. ,,Törichte Kinder.", sprach Conero gackernd weiter. ,,Ihr habt mit der Alchemie herumgespielt ohne die Konsequenzen zu kennen!" ,,Nein, wir...!", versuchte sich Fayt zu verteidigen. ,,Fayt!", unterbrach Leon ihn streng. ,,Wir wollten nur...", sagte Fayt kleinlaut und erinnerte sich zurück an seine Kindheit... an ihre Mutter. ,,Wir wollten Mutter nur wieder lächeln sehen...", schloss er. ,,Aber ihr seid gescheitert!", lachte Conero. ,,Ja, mein Bruder hat seinen Körper verloren, und ich meinen linken Arm und mein linkes Bein.", sagte Leon, zu Boden schauend. ,,Das kam dabei heraus, als wir zu zweit versucht haben, eine einzige Person ins Leben zurückzuholen. Rose, das kommt dabei heraus, wenn du versucht, jemanden wiederzubeleben." Rose schluckte schwer. ,,Bist du bereit, diesen Preis zu bezahlen, Rose?", rief Leon. Rose schaute unsicher drein, doch Conero legte ihr väterlich eine Hand auf die Schulter und sagte mit sanfter Stimme: ,,Mach dir keine Sorgen. Ich habe den Ring der Alchemisten, den Leto mir gab. Und ich bin kein Amateur wie die beiden da." ,,Mach dich nicht über uns lustig!", schrie Leon zornig. ,,Es gibt Dinge, die kann man nicht tun, egal, wie sehr man es auch versucht!" ,,Und warum sucht ihr dann den Ring der Alchemisten?", fragte Conero. ,,Ihr glaubt doch, dass ihr eure Mutter damit zurückholen könnt, nicht wahr?" ,,Hör auf rumzuraten, Glatzkopf.", sagte Leon genervt. ,,Wir wollen nur unsere alten Körper zurück. Obwohl es natürlich auch die Möglichkeit gibt, dass es nicht funktionieren wird." ,,Wir sagen es noch einmal: Bitte übergeben Sie uns den Ring der Alchemisten.", bat Fayt Conero. ,,Nationaler Alchemist, Gottes Zorn wird über dich herfallen.", sagte Conero nur. ,,Komm doch hier runter, du drittklassiger Magier!", schrie Leon drohend. ,,Ich zeig dir, wie schwächlich du bist!" Der Ring der Alchemisten begann schlagartig hellauf zu leuchten. ,,Dummköpfe!", brüllte Conero und schoss wie wild mit der Bazuka, die durch den Ring erschienen war, auf die beiden. Der ganze Raum wurde von dem aufgewirbelten Sand verhüllt. Conero lächelte triumphierend, doch als der Sand sich wieder gelegt hatte, erschrak er, als er eine Wand aus Stein sah, die Leon vor sich und seinem Bruder erschaffen hatte, um sich vor den Geschossen der Bazuka zu schützen. ,,Mann, was das knapp.", atmete Leon erleichtert auf. ,,Hohepriester!", rief plötzlich jemand. Leon und Fayt wirbelten herum und erblickten Dutzende von Bediensteten Coneros. ,,Wie könnt ihr es wagen!", schrie einer von ihnen und zielte mit einer Pistole auf die beiden Brüder. Leon sprang zur Seite, während Fayt mehrere Schüsse abbekam, die ihm natürlich nichts antun konnten. ,,Fayt! Hier lang!", rief Leon und lief auf eine Wand zu. ,,Dummkopf, es gibt nur einen Ausgang!", rief Conero. ,,Dann mach ich mir eben noch einen!", schrie Leon und stützte beide Hände gegen die Wand. Es gab einen Lichtblitz, und sogleich war dort, wo eben noch die Wand war, nun eine Tür, durch die Leon und Fayt flüchteten. ,,Hey, fangt sie!", schrie der Anführer der Bediensteten und rannte mit ihnen los. ,,Hohepriester...?", sagte Rose zögerlich. ,,Dieser Ring... Waren diese Wunder wirklich nur Alchemie?" ,,Einige Menschen ziehen es vor, es Alchemie zu nennen.", antwortete Conero. ,,Aber ich kann etwas, was sie nicht können." Sie sah ihn nur an. ,,Tut mir Leid, dass du so lange warten musstest.", sagte er.
Er führte sie in ein abgedunkeltes Zimmer, in dem nur ein Bett stand, das mit Dutzenden von Schleiern verhangen war. Eine Gestalt war hinter den vielen Vorhängen zu erkennen, die sich nur sehr langsam bewegte. ,,Ro... se...", röchelte die Gestalt. Rose erschrak, denn sie erkannte die Stimme sofort. ,,Kain!", rief sie voller Glück. ,,Ro... se...", röchelte die Gestalt erneut. Rose brach in Tränen aus und wollte auf das Bett zugehen, doch Conero legte ihr eine Hand auf die Schulter und hielt sie mit sanfter Gewalt zurück. ,,Kains Seele ist dank unseres Gottes Leto wieder ins Leben zurückgekehrt.", sagte er. ,,Sein Körper sollte in ein paar Tagen vervollständigt sein." ,,Hohepriester...", schluchzte Rose glücklich. ,,Das muss... das Wunder Gottes sein." Sie sah wieder zum Bett, stutzte aber ein wenig, als sie Vogelfedern am Boden erblickte, die neben dem Bett am Boden lagen.
Es war nun Nacht geworden, und Leon und Fayt standen auf dem Marktplatz. ,,Wir hätten uns auch einfach den Stein der Alchemisten nehmen können, wenn es das ist, was du wolltest.", meinte Fayt. ,,Heute Nacht wollten zwei Ketzer unseren Hohepriester umbringen!", erklang es plötzlich aus Lautsprechern, die überall in der Stadt angebracht waren. ,,Der eine ist äußerst klein, der andere steckt in einer Statue!" Leon und Fayt sahen sich erschrocken an. Zwei Sekunden später stürmten die Bewohner der Stadt bis auf die Zähne bewaffnet aus ihren Häusern, auf der Suche nach den zwei Ungläubigen. ,,Der Hohepriester wünscht nicht, dass irgendein Bewohner verletzt wird.", erklang es weiter aus den Lautsprechern. ,,Er wünscht, dass ihr alle in euren Häusern bleibt!" ,,Ja! Von wegen!", sagte Leon spöttisch.
Die Frau, die vorher von ihrem Umhang verhüllt war, stand nun ganz unverhüllt, in ein schwarzes Satinkleid gekleidet, zusammen mit dem ekelhaften sabbernden Mann auf einem Dach und beobachtete belustigt das Treiben unter ihr.
Sekunden später waren Leon und Fayt von den Bewohnern umzingelt. ,,Das sind die Typen!", rief einer. ,,Mann, ist der klein!" Ein Nerv über Fayts linkem Auge begann heftig zu zucken. ,,WER, SAGTEST DU, IST EIN ULTRA-SUPER-KLEINES KIND!?!", blaffte er den Mann an und besprühte ihn mit einer Unmenge von Spucke. ,,Hab ich gar nicht gesagt!", fauchte der Mann. ,,Wie dem auch sei, ihr beide solltet euch besser nicht wehren!" ,,Wie könnt ihr es wagen, zu versuchen, den Hohepriester umzubringen!", schrie eine Frau. ,,Ein süsses Kind wie er hat versucht ihn zu töten? Wie furchtbar!", rief eine andere. Leon seufzte tief. ,,Hört mal her...", sagte er. ,,Seine Wunder sind keine Wunder, sondern nur Alchemie. Indem man etwas in seine Atome zerschlägt und dann neu zusammensetzt..." ,,Das ist eine Lüge!", unterbrach ihn jemand aufgebracht. Sie wirbelten herum und erblickten Rose, die durch die Menschenmenge nach vorne drang. ,,Vor ein paar Minuten ist Kain zu mir zurückgekehrt." ,,Herzlichen Glückwunsch, Rose!", gratulierte einer der Bewohner ihr. ,,Kain hat sein Leben bei einem Unfall verloren, aber er ist ins Leben zurückgekehrt?" Rose nickte lächelnd. ,,Siehst du?", sagte eine Frau zu Leon. ,,Und Rose ist nicht die einzige, die so ein Wunder erfahren hat!" ,,Genau!", riefen die anderen zustimmend. ,,Wenn das kein Wunder ist, was dann?!?", schrie der Mann, den Leon eben vollgesabbert hatte. ,,Hat irgendjemand die wiedergeborenen Menschen gesehen?", fragte Leon. ,,Oh, ich verstehe. Wahrscheinlich hat er euch gesagt, dass sie die Stadt nach ihrer Wiedergeburt verlassen haben..." ,,Ruhe!", brüllte jemand. Die Statuen von Leto spazierten allesamt auf Fayt und Leon zu. ,,Ein Wunder!", kreischt eine Frau mit riesengroßen Augen. ,,Hahahahaha!!!", lachte Clay, der nun ebenfalls den Marktplatz betreten hatte, und sah zu den beiden Elric-Brüdern, die nun von den Statuen umzingelt waren. Eine Statue holte mit ihrem Sonnenzepter aus, spießte Fayt auf und schmiss ihn zu Boden. ,,Fayt!", rief Leon erschrocken und wollte zu ihm rennen, bekam aber von einer Statue einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst, der ihn ausknockte. Die Statuen schlugen weiter und weiter auf Fayt ein und zerschlugen ihn in seine Einzelteile.


Als Leon wieder zu sich kam, blickte er direkt in das Gesicht des hämisch lächelnden Coneros; sie befanden sich in der Messehalle, und Leon wurde von zwei Bediensteten Coneros festgehalten. ,,Hmm...", machte Conero und griff nach einer Taschenuhr mit Runensymbol, die wie ein Schlüsselbund an Leons Hose befestigt war. Er riss sie ab und nahm sie an sich. ,,Gib das zurück!", schrie Leon und versuchte sich loszureißen - vergebens. ,,Das ist also der Beweis dafür, dass du ein Nationaler Alchemist bist, was?", sagte Conero mit Blick auf die Taschenuhr. ,,So etwas sehe ich zum ersten Mal. Der Grund, warum du Mutationen ohne einen Mutations-Zirkel vollführen kannst, ist das hier, nicht wahr?" Leon knirschte mit den Zähnen. Conero begann laut und boshaft zu lachen und bemerkte dabei nicht Leons diebisches Grinsen.


Der nächste Morgen brach herein. Der Glöckner der Stadt stand gähnend auf dem Kirchturm der Stadt, beide Hände am Seil der Stadtglocke. ,,Mann, ich hab gestern kein Auge mehr zu bekommen...", gähnte er schlaftrunken und zog an dem Seil, um die Glocke zu läuten. Nichts passierte. ,,Hä?!?", machte der Glöckner verdattert und sah nach oben: Die Glocke war verschwunden. ,,W-Wo zum Teufel...?!?", stotterte er verwirrt und blickte weiter nach oben. Eine ziemlich große Gestalt huschte, eine äußerst schwere Glocke hievend, hinter ihm vorbei.
Leon saß in einer Abstellkammer fest und war mit den Händen an Ketten gefesselt, die von der Decke hinabhingen. Die Tür ging auf und Rose trat ein, ein Tablett mit Wasser und zwei Broten tragend. Sie ging zu ihm. ,,Kannst du mich füttern? Meine Hände sind nämlich angekettet, wie du siehst...", sagte Leon fröhlich zu ihr und öffnete seinen Mund. Rose sah ihn nicht an, sondern stellte das Tablett einfach nur vor ihm zu Boden und wandte sich zum Gehen. ,,Ich hoffe wirklich für dich, dass er zurückkehrt...", sagte Leon mitleidig. Rose blieb stehen, zitternd, rannte dann aber sofort weiter und schmiss die Tür hinter sich zu. Leon seufzte tief, streckte sein Bein aus und schob damit das Tablett näher zu sich heran. Im nächsten Moment allerdings schaute er leicht verdutzt drein, als er ein dumpfes Scharren hörte. ,,Sehr schön...", sagte er zufrieden und lächelte.
Conero lag in seinem Zimmer im Bett und schlief. Doch er schreckte entsetzt hoch, als eine violette Giftschlange wie aus dem Nichts erschien und sich Auf ihn stürzen wollte...
Lauthals schreiend schrak Conero aus seinem Albtraum hoch. ,,Der Ring der Alchemisten war unser Geheimnis... weißt du noch?", sagte plötzlich jemand von der anderen Seite des Raumes her. Schweißgebadet sah er auf und erblickte die Frau, die vollkommen schwarz gekleidet war, ihm gegenüber auf einem Stuhl sitzend, der ekelhafte Mann neben ihr wie ein Schoßhündchen kniend.
Rose schlich sich heimlich durch die Gänge der Kirche und betrat schließlich das Zimmer, in dem ihr Verlobter Kain im mit Vorhängen verdeckten Bett lag. Noch mehr Federn lagen neben dem Bett. ,,Kain, es tut mir Leid...", murmelte Rose. ,,Aber, ähm... ich wollte ein wenig mit dir reden." Die Gestalt im Bett richtete sich auf. ,,Ro... se...", röchelte sie. Tränen des Glücks rannen Rose das Gesicht hinab, und sie wollte gerade auf das Bett zugehen, als Conero eintrat. ,,Hohepriester!", rief Rose erschrocken. ,,Ähm, es... es tut mir Leid, dass ich einfach so hier hereingeplatzt bin..." Conero lächelte, und der Ring der Alchemisten an seinem Finger begann zu leuchten. Wind zog im Zimmer auf und wehte die Vorhänge des Bettes zur Zeite. Ein riesiger weißer Vogel kam dahinter zum Vorschein, sein Schnabel messerscharf, seine Augen wie im Wahn golden funkelnd. Roses Augen weiteten sich vor Entsetzen. ,,Tut mir Leid, Rose.", entschuldigte sich Conero, wobei sein Lächeln etwas ganz anderes sprach. ,,Selbst mit der Macht der Rings der Alchemisten kann ich nur das Leben anderer Lebewesen Gott opfern, und diese Leben in einen neuen Körper umwandeln." Rose starrte auf die Unmengen kleiner Papageien, die allesamt tot neben dem riesigen Vogel lagen. ,,Aber ein Vogel ist doch auch gut.", sprach Conero weiter. ,,Er kann sprechen, und er hat Kains Stimme." Der Ring der Alchemisten leuchtete erneut. Kreischend machte der Riesen-Vogel einen Satz und schoss in die Höhe. ,,Sag für mich hallo zu Kain im Himmel.", sagte Conero, der nun wieder im Flur stand, schloss die Tür und verriegelte sie. ,,Ro... se...", röchelte der Vogel, landete am Boden und torkelte langsam auf sie zu. Rose war vor Angst wie gelähmt. ,,Ro... se..." Der Vogel machte einen weiteren Satz und stürzte sich kreischend auf sie.
,,Jetzt kennt nur noch einer das Geheimnis des Rings der Alchemisten...", sagte Conero zufrieden.
Rose hatte ihre Augen vor Angst geschlossen und wartete auf ihren Tod, doch nichts dergleichen geschah. Verwundert öffnete sie ihre Augen und sah den Vogel,der tot am Boden lag. Sie sah ein wenig zur Seite und sprang erschrocken in die Höhe, als sie Fayt sah, der den Vogel ausgeschaltet hatte. ,,Es ist gefährlich hier. Gehen wir.", sagte er zu ihr.
,,Deine Betrügereien werden bald öffentlich sein.", sagte Leon in der Abstellkammer zu Conero. ,,Die Gläubigen können den Unterschied zwischen Alchemie und Wundern nicht erkennen.", sagte Conero darauf. ,,Nein, Alchemie und Wunder sind dasselbe für sie, und es macht sie glücklich..." ,,Ach ja? Und was hast du davon?", fragte Leon. Conero lächelte boshaft.
,,Die Grundlage der Alchemie ist das Prinzip des gleichwertigen Tausches.", erklärte Fayt auf dem Dach der Kirche Rose, während er mehrere Kabel miteinander verband, die in der großen Glocke endete, die durch Alchemie zu einer Art großem Lautsprecher in Glockenform umgeändert worden war. ,,Um etwas zu erhalten, muss man mit etwas zahlen, das denselben Wert hat. Mein Brudr wird von allen ein Genie genannt, aber das hat er sich auch durch seine harte Arbeit verdient. Und deswegen ist er nun so wie er ist." ,,Aber ihr zwei habt einen hohen Preis bezahlt, nicht wahr?", sagte Rose mit Blick auf Fats Statuenkörper aus Metall. ,,Ein Arm, ein Bein, und ein ganzer Körper... Aber nun versucht ihr, das zurückzubekommen." Sie stoppte einen Moment, dann fragte sie: ,,Was ist mit eurer Mutter geschehen?" ,,Ich glaube, es geht gleich los.", sagte Fayt schnell. ,,Was?", fragte Rose. Fayt drückte auf einen Schalter, und ein lautes Piepen verriet, dass der Lautsprecher nun angeschaltet war. ,,Also warst du nur hinter dem Geld her.", drang Leons Stimme daraus hervor und durch die ganze Stadt. ,,Leon?!?", rief Rose verdutzt. ,,Ich kann durch meine Gefolgsleute so viel Geld bekommen, wie ich will.", drang Coneros spöttische Stimme durch den Lautsprecher.
,,Was ich will, sind Gläubige, die bereit sind, sich für mich zu opfern.", sprach Conero in der Abstellkammer weiter, nicht wissend, dass man in der Stadt alles hören konnte. ,,Sie glauben, dass ich Menschen ins Leben zurückholen kann, also fürchten sie den Tod nicht. Diese Gläubigen werden schon bald zur ultimativen Armee werden - meine Arme! Wart's nur ab! In ein paar Jahren liegt mir die ganze Welt zu Füßen!" ,,Ist mir doch egal.", sagte Leon gelangweilt. ,,Was?!?", sagte Conero verdutzt. ,,Du kannst niemandem das Leben wiedergeben, richtig?", fragte Leon. ,,Natürlich nicht!", lachte Conero. ,,Selbst wenn man versucht, menschliche Mutation mit dem Ring der Alchemisten zu vollbringen, ist das Ergebnis unvorhersehbar. Warum sollte ich dieses Risiko für einen Gläubigen eingehen und..." Doch er stoppte abrupt, als er sah, wie Leon zum Tablett langte, sich ein Stück Brot nahm und aß. Leon lächelte diebisch und wich ein wenig zur Seite. Hinter ihm befand sich ein riesengroßes Loch, aus dem ein Mikrofon herausschaute, welches alle Worte zu dem Lautsprecher auf dem Dach weiterleitete.
,,WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!?", erklang Coneros panische Stimme aus dem Lautsprecher auf dem Dach.
Eine Frau, die ihrem Mann Kaffee einschütten wollte, war so geschockt, dass sie nicht bemerkte, wie der Kaffee in der Tasse überlief und langsam den Tisch hinunter rann.
,,Wie... Wie lange ist das Mikrofon schon angeschaltet?", ertönte Coneros ängstliche Stimme aus dem Lautsprecher. ,,Lang genug, damit nun alle wissen, was für ein Drecksack du doch bist.", erklang Leons fröhliche Stimme. ,,Wie bist du an mein Radioequipment gekommen?", ertönte Coneros zittrige Stimme. ,,Das war mein kleiner Bruder.", erklang Leons Stimme. ,,Ihr habt ihn zwar in seine Einzelteile zerlegt, aber er hat sich dann mit Leichtigkeit wieder selbst zusammengesetzt." ,,Nein...", ertönte Coneros erstickte Stimme. Doch dann schrie er: ,,Nein! Das sind alles Lügen, meine Kinder! Glaubt ihm kein Wort!" Es gab ein sehr lautes Geräusch aus dem Lautsprecher, das sich stark nach einer Bazuka anhörte, deren Munition wie wild verballert wurde.
Und wirklich: Conero hatte mit dem Ring der Alchemisten eine Bazuka heraufbeschworen und damit wie von Sinnen auf Leon geballert, vom dem nun keine Spur mehr zu sehen war. Conero lächelte zufrieden, erschrak aber, als Leon sich von hinten auf ihn stürzte und ihn mit seiner Metallfaust niederschlug. ,,Du hast keine Chance!", rief Leon. Keuchend rappelte sich Conero wieder auf, sein Gesicht nun blutverschmiert, da seine Nase gebrochen war. Schreiend stürmte er aus dem Raum, durch die Gänge und hinaus auf den Marktplatz, wo sich bereits alle Bewohner der Stadt versammelt hatten, bis an die Zähne bewaffnet und äußerst verstimmt dreinschauend. Conero wurde aschfahl im Gesicht. ,,Hohepriester! Ist das wahr?", rief einer der wenigen Bediensteten, die versuchten, die verärgerte Menge zurückzuhalten, den Hohepriester. Conero fehlten eine Zeit lang die Worte, dann sagte er jedoch mit bemüht fester Stimme: ,,Dieser Ketzer hat die Kraft des Teufels benutzt, um meinen Körper in Besitz zu nehmen und mich dazu zu zwingen, dies alles zu sagen. Glaubt kein Wort von dem, was ihr gehört habt. Und um euch zu beweisen, dass ich nur euer Bestes will, werde ich nun Gottes Macht nutzen, um diesen Ketzer zu vernichten." Die Bewohner sahen sich unsicher an. ,,Nimm dich in Acht vor der Macht Gottes, Ketzer!", schrie Conero. Der Ring der Alchemisten begann zu leuchten, und sogleich setzten sich sämtliche Statuen des Sonnengottes Leto in der Stadt in Bewegung und schritten in Richtung Marktplatz. ,,Ein Wunder! Die Statuen von Leto bewegen sich!", rief ein Mann beeindruckt. Conero lächelte zufrieden. ,,Ist das wirklich alles?", fragte Leon, der nun ebenfalls aus der Kirche heraustrat. ,,Gib doch einfach auf, alter Mann!" ,,Heh!", machte Conero hämisch und holte Leos Taschenuhr mit den Runen hervor. ,,Ohne das hier bist du machtlos. Du kannst höchstens deine Auto-Mail-Teile mutieren lassen." ,,Alter Mann, ich werde dir jetzt den wahren Zorn Gottes zeigen.", sagte Leon unbeirrt und schlug mit beiden Händen auf den Boden. Ein Lichtblitz entstand, der in die Kirche schoss und in die gigantische Statue des Gottes Leto fuhr, die sich im Messeraum befand. Die überdimensionale Statue setzte sich in Bewegung, brach durch die Kirche und schritt auf den ängstlich wimmernden Conero zu, der im Vergleich zur Statue so groß wie eine Ameise war. ,,Das kann doch nicht sein!", kreischte Conero. ,,Selbst mit dem Ring der Alchemisten könnte ich solch ein groes Objekt nicht bewegen!" ,,Die Strafe, die mein großer Bruder erhielt, hatte kaum einen Effekt auf ihn.", sagte Fayt zu Rose, mit der er auf dem Marktplatz stand. ,,Mein Bruder ist der Metallalchemist!" ,Thors Hammer!", brüllte Leon, und sogleich holte die Statue mit einer ihrer übergroßen Steinhände aus. Conero schrie so laut wie nie zuvor, als die Hand auf ihn zu raste. Doch zu seinem Glück zielte sie nicht auf Conero, sondern auf eine der kleineren Statuen Letos, die nur wenig entfernt von Conero stand. Coneros Beine gaben nach, und er sank zu Boden, seine Hose auf einmal verdächtlich nass. Leon schritt auf ihn zu. ,,Nein! Du bekommst ihn nicht!", schrie Conero und griff mit der anderen Hand krampfhaft nach dem Ring der Alchemisten in seiner linken Hand. Doch auf einmal begann der Ring von allein zu leuchten und Conero schrie voller Schmerzen auf. Seine Hand begann sich zu verformen, und im nächsten Moment schauten Dutzende von Metallteilen und Kabeln daraus hervor, seine Hand nun auf die fünffache Größe geschwollen. Leon sah erschrocken zu, wie der Ring der Alchemisten vor seinen Augen zersprang. ,,Eine...Fälschung...", sagte er erstickt. Er seufzte. ,,Du hast so viele Probleme verursacht... bist uns total auf die Nerven gegangen... Und dann war es nur eine Fälschung?" Er begann haltlos zu zittern. ,,DAS SOLL WOHL EIN WITZ SEIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"


Der Mittag kehrte ein. ,,Es war alles umsonst.", seufzte Leon, der mit Fayt am Springbrunnen des Weines saß, und spielte mit seiner Taschenuhr, die er sich von Conero zurückgeholt hatte. ,,Und ich dachte mir schon, ich könnte deinen Körper endlich wiederherstellen, Brüderchen." ,,Du solltest zuerst an dich selbst denken, großer Bruder.", meinte Fayt. ,,Das Auto-Mail hat auch so seine Probleme." ,,Schön, dann lass uns aufbrechen und nach einem weiteren Hinweis suchen.", grummelte Leon und verstaute die Uhr in seiner Tasche. Sie standen auf und wollten gerade gehen, als Rose ihnen entgegen kam. ,,Was... habt ihr beide nur getan...", sagte sie mit erstickter Stimme. ,,Die Wunder des Hohepriesters... Sie waren Hoffnung für uns. Wenn wir nur daran glaubten, würden die Toden zu uns zurückkehren... Das war unsere einzige Hoffnung!" ,,Also willst du damit sagen, dass wir einfach alles so hätten lassen sollen, wie es war?", fragte Leon. ,,Was...", begann Rose schluchzend. ,,Was soll denn jetzt noch mein Grund sein, morgen wieder aufzuwachen?!? Sag es mir!" ,,Denk doch selbst darüber nach.", antwortete Leon und wandte sich von ihr ab. ,,Steh auf und gehe vorwärts, der Zukunft entgegen. Du hast doch schließlich zwei Beine, oder?" Bei diesen Worten erschrak Rose. Und während Leon davonging, sank sie weinend zu Boden. ,,Ich glaube, mein großer Bruder hat das alles nur zu deinem Wohl getan.", sagte Fayt erklärend und kniete sich zu ihr nieder. ,,Ich habe nicht darum gebeten...", sagte Rose und sah von Fayt weg. ,,Wir haben viele Dinge da draußen in der Welt gesehen.", sprach Fayt weiter.
,,Was geht da vor sich?!?", schrie Conero die in Schwarz gekleidete Frau in seinem Zimmer in der Kirche an. ,,War der Ring, den du mir gabst, etwa nicht der Ring der Alchemisten?!?" ,,Natürlich nicht.", antwortete die Frau. ,,Diese Stadt ist nur ein Köder. Die, die nach dem Ring der Alchemisten suchen, werden die Gerüchte über diese Stadt hören und hierher kommen. Und dann..." Sie gab ein boshaftes Grinsen von sich. ,,Wer seid ihr beide eigentlich?", fragte Conero die Frau und den ekelhaften Mann namens Blatney, der neben ihr zu Füßen saß. ,,Was wollt ihr?" ,,Lust, kann ich den alten Mann jetzt endlich auffressen?", fragte Blatney die Frau namens Lust. Coneros Augen weiteten sich, während Blatney sich voller Gier auf ihn stürzte.


Langsam ging die Sonne unter. ,,Wo ist dieser Bastard Conero bloß?", schrie einer der Bewohner der Stadt, der mit den anderen immer noch nach Conero suchte. ,,Dieser falsche Priester...!", schrie ein anderer und erschrak, als er am Boden einen toten Vogel liegen sah. Er sah sich um und erblickte über hundert weitere tote Vögel. ,,Was ist das?!?", schrie der Mann auf. ,,Hohepriester?!?", rief plötzlich jemand erschrocken und sprang zur Seite, als der Hohepriester Conero, sein linker Arm wieder vollkommen in Ordnung, an ihm vorbei zu den Vögeln ging. Er kniete sich nieder und hob eines der toten Tiere auf. Er warf ihn in die Höhe, und sogleich flogen er und alle anderen Vögel zwitschernd hinauf in den Himmel. ,,Es ist ein Wunder...", sagte einer der Bewohner der Stadt. ,,Benutzt er nicht wieder nur einen Trick?", fragte ein anderer. ,,Aber sie leben doch wieder!", sagte der erste. ,,Während ich weg war, hat ein Teufel hier wohl ziemliche Probleme verursacht, wie es mir scheint.", sprach Conero zu den Bewohnern der Stadt. ,,Seid ihr alle in Ordnung?" ,,Sie sind der richtige... der richtige Hohepriester?", fragte eine Frau hoffnungsvoll. Conero nickte, fröhlich lächelnd. Die Bewohner jubelten glücklich. Keiner bemerkte, wie die Vögel am Himmel einer nach dem anderen zerplatzte.
,,Envy, tut mir Leid, aber du wirst noch eine Weile länger in dieser Form bleiben müssen.", sagte Lust, die von Coneros Zimmer aus dem Treiben belustigt zu gesehen hatte, und sah nun zu Conero, der ihr hämisch lächelnd zunickte.
Von der Ferne her sah Rose dem Treiben auf dem Marktplatz weinend zu. ,,Wir haben viele Dinge da draußen in der Welt gesehen.", hatte Fayt zu ihr gesagt. ,,Und ich werde dir diese Geschichten erzählen. Du darfst nicht denselben Pfad beschreiten wie wir. Und genau aus diesem Grund werde ich dir alles erzählen." Sie wandte sich vom Marktplatz ab und rannte davon. ,,Wir sind in einer Stadt namens Rizenbul geboren und aufgezogen wurden. Diese Stadt liegt östlich von Central City. Dort begann alles..."
,,Mama! Mama! Schau! Schau!", hatte der vierjährige Leon fröhlich sener Mutter zugerufen, sein dreijähriger kleiner Bruder Fayt dicht auf den Fersen. ,,Was ist denn?", hatte ihre Mutter, die Wäsche aufgehangen hatte, fröhlich gefragt. ,,Siehst du?", hatte Leon gesagt und ihr ein Pferd aus Metall hingehalten. ,,Leon hat das gemacht.", hatte Fayt erklärt. ,,Ich krieg leider nur so was hin." Er hatte ihr ein sehr unförmiges Schwein aus Metall hingehalten. ,,Das ist unglaublich, ihr beide.", hatte ihre Mutter sie gelobt. ,,Ihr seid wirklich seine Kinder." Leon und Fayt hatten fröhlich gelacht.
,,Dass es Menschen nicht möglich ist, etwas ohne Opfer zu erhalten.", hallte Fayts Stimme weiter in Roses Gedächtnis. ,,Um etwas von gewissen Wert zu erhalten, muss man vorhe etwas von gleichem Wert darbieten. Das ist das Prinzip des gleichwertigen Tausches in der Alchemie. Als wir noch Kinder waren, glaubten wir, dass dies die einzige Wahrheit in der Welt ist..."

Samstag, 23. Juni 2007

Tales of Alchemy Kapitel 1: Die Stadt Gottes

Achtung Fehlermeldung: Im ersten und zweiten Kapitel taucht eine Person mit dem Namen "Blatney" auf. Dieser Name ist falsch! Er muss "Gluttony" heißen. Sorry!^^


Es war in einem dunklen Raum voll alten Statuen, geschlagen aus Metall, und staubigen Holztischen mit Reagenzgläsern voll seltsamen Gebräuen in erdenklichen Farben, in der Mitte des Raumes zwei kleine Jungen, beide blond, von denen der eine älter als der andere aussah, jedoch von kleinerer Größe war. Der ältere der beiden Jungen zeichnete mit einem Stück Kreide seltsame Linien auf den Boden. ,,Ich bin fertig.", sagte er zu dem Jüngeren, seinem Bruder,der auf das Pentagramm sah, dass sein älterer Bruder gezeichnet und mit unzähligen Runen verziert hatte. ,,Fayt?", sagte der Ältere fragend. ,,Okay...",sagte der Jüngere namens Fayt und nickte, jedoch mit unsicherem Blick. ,,Mach dir keine Sorgen.", sagte sein älterer Bruder und wendete seinen Blick auf das Pentagramt, in dessen Zentrum Dutzende von verschiedenen, wie Amonium oder Salz, lagen. ,,Es ist perfekt."
Außerhalb des ländlichen Häuschens, in dem die beiden Jungen sich in einem Raum befanden, begannen es zu regnen und zu donnern.
,,Tun wir's.", sägte der Ältere. ,,Okay...", sagte Fayt erneut und nickte wieder. Die beiden knieten nieder und stützten jeweils ihre Hände auf den Rand des Pentagrams, das sogleich golden zu leuchten begann. Blitze schlugen in das Pentagram ein, in dessen Zentrum eine Art golden leuchtender Wirbelsturm entstand, der sich wenige Sekunden später auf den ganzen Zirkel ausbreitete und auch die beiden Jungen verschlang. Während Fayt beeindruckt dreinschaute, lachte sein Bruder euphorisch.
Das, was die beiden Jungen da taten, nannte man "Alchemie". Alchemie ist eine Wissenschaft, bei der der Anwender die Struktur einer Materie versteht, sie zerschlägt und wiederaufbaut. Wenn man diese Wissenschaft richtig anwendet, kann man selbst die schlichtesten Sachen in Gold verwandeln. Jedoch gibt es gewisse Regeln in der Alchemie. Die wichtigste ist, dass man nur etwas von einer gewissen Masse aus etwas mit derselben Masse erschaffen kann. Dies ist Das Prinzip des gleichwertigen Tausches. Nach dem Prinzip des gleichwertigen Tausches kann man nur etwas herstellen, wenn man etwas von gleichem Wert darbietet. Dies ist eine der wichtigsten Lektionen, die ein jeder Alchemist, Menschen, die die Kunst der Alchemie ausüben, lernen muss: Man kann nichts ohne Opfer erlangen. Eine wichtige Lektion, die auch diese beiden Jungen lernen würden...
Der goldene Wirbelsturm hatte sich schlagartig in einen Sturm aus Lila verwandelt, in dem schwarze Blitze hin und her schossen. Das Lachen des älteren Bruders erlosch sofort und er sah sich verwirrt um.
Und im nächsten Moment war im ganzen Dorf, in dem das Haus lag, lautes Geschrei von eben jenem Haus her zu hören.
,,Was? Was ist passiert?", rief ein kleines Mädchen, ungefähr im selben Alter wie der Ältere der beiden Brüder, und rannte erschrocken aus ihrem Haus, ihre Großmutter dicht auf ihren Fersen.
Dichter Rauch war in dem Zimmer des kleinen Häuschens aufgezogen, in dem sich der Sturm nun gelegt hatte, jedoch ein paar schwarze Blitze noch hier und da zuckten. ,,Fayt...", stöhnte der ältere Bruder vom Boden her, und als er keine Antwort bekam: ,,Fayt!" Er sah sich in dem Rauch konzentriert um und erkannte schemenhaft einen reglosen Körper wenige Zentimeter neben ihm. ,,FAYT!!!", schrie der ältere Bruder panisch auf. Tränen rannen ihm das Gesicht hinunter. ,,Verdammt...", fluchte er. ,,Das kann doch nicht sein! So sollte das nicht laufen... VERDAMMT!!!" Lauthals schreiend sah er zu seinen Beinen und stellte fest, dass nur noch eins da war; da, wo eigentlich sein linkes Bein hätte sein müssen, war nur noch ein Stummel, aus dem Blut in Strömen rann. Er sah hinauf zu seinem Armen und stellte fest, dass dort, wo sein linker Arm sein müsste, ebenfalls nur ein Stummel war, aus dem wie bei dem anderen Stummel das Blut nur so dahinfloss. ,,Mama...", keuchte der Junge und sah zum Zentrum des Pentagrams, in dem der Rauch am stärksten war. Eine kreidebleiche Hand reckte sich daraus hervor. Der Junge sah hoffnungsvoll auf, erstarrte aber im nächsten Moment, als er ein Gebilde aus Nervensträngen, Muskeln, Tentakeln und einem schlagenden Herz sah, das mit der Hand verbunden war. Das Gesicht eines Wesens schoss aus dem Herz und sah den Jungen mit violett leuchtenden Augen an.
Zum zweiten Mal in diesem Abend durchzog das kleine Dorf ein markerschütternder Entsetzensschrei.


Fün Jahre später...
Ein Teenager von fünfzehn Jahren und blonden Haaren, die in einem Pferdeschwanz endeten, taumelte keuchend durch eine endlos erscheinende Wüste, seine Zunge schon in den Kniekehlen hängend. ,,Ich hab Hunger...", stöhnte er, als sein Magen zu grummeln begann, und ließ sich resignierend in den Wüstensand fallen. ,,Wenn es wenigstens etwas Gras gäbe, könnte ich es in einen Laib Brot verwandeln und essen...", röchelte er und schloss seine Augen. Doch im nächsten Moment sprang er auf und sah sich verdutzt um. ,,Fayt? Fayt?", rief er verdutzt. ,,Wo bist du? Fayt? Fayt!" ,,Hier unten!", antwortete eine erstickt klingende Stimme, gefolgt von einer Metallhand, die aus dem Sand schoss und das rechte Bein des Fünfzehnjährigen packte, der lauthals zu kreischen begann. ,,Hilf mir, großer Bruder!", flehte die erstickte Stimme. ,,Bist du schon wieder versunken?", fragte der fünzehnjährige Junge genervt.


Eine halbe Stunde später hatte der Junge eine riesige Statue aus Metall aus dem Wüstensand freigebuddelt. Hechelnd kniete er am Boden und fuhr die Statue an: ,,Wenn du das noch einmal machst, lass ich dich zurück!" ,,Aber...", begann die Statue. ,,Kein "aber"!", brüllte der Junge und trat gegen die Statue, aus dessen Bauch sogleich eine ganze Wagenladung Sand schoss, die den Jungen unter sich begrub. ,,Fayt...", grummelte der Junge zornig. Die Statue namens Fayt zog schnell den Rücktritt an, als der Junge im nächsten Moment aus dem Sandberg, unter dem er begraben war, schoss und hinter der Statue her rannte. ,,Warte gefälligst, Fayt!", brüllte der Junge. ,,Nein, ich werde ganz bestimmt nicht warten!", kreischte Fayt ängstlich. ,,Stopp!", brüllte der Junge. ,,Nein, ich werde auch nicht stoppen!", kreischte Fayt. ,,Hör auf deinen großen Bruder und tu gefälligst eins von beiden!", schrie der Junge. ,,Ich kann mich aber nicht entscheiden!", kreischte Fayt weiter und beschleunigte sogar noch.


Gar nicht so viel später erreichten die beiden eine sehr wohlhabend aussehende Stadt, die voller Steinstatuen von gigantischer Größe war. Der Junge sah nun sogar noch fertiger mit der Welt aus - wenn das denn überhaupt sein konnte. ,,Bist du in Ordnung, großer Bruder?", fragte Fayt besorgt, der als Statue aus Metall so etwas wie Erschöpfung, Durst oder Hunger nicht kannte. ,,Das ist alles nur deine Schuld, weil du nicht angehalten hast!", fauchte der Junge. ,,Ich bezweifle, dass irgendwe in so einer Situation anhalten würde, selbst wenn man es ihnen sagt.", erwiderte Fayt. ,,Ist das so? Wie schön...", sagte der Junge uninteressiert und jammerte dann: ,,Mann, bin ich durstig..." Und als wäre sein Jammern erhört worden, hörte er plötzlich in der Nähe ein Rauschen. Er sah mit großen Augen auf und erblickte einen Springbrunnen voll erfrischendem Nass. ,,Wasser!", rief der Junge und begann vor Freude zu heulen. ,,Das ist Wasser!", schrie er und stürmte auf den Springbrunnen zu, seine Erschöpfung vollkommen vergessen. ,,Nicht, großer Bruder!", rief Fayt, doch sein Bruder hörte nicht auf ihn. ,,Wasser! Wasser! Wasser! Wasser!! Wasser!!!", jauchzte der Junge aus lauter Kehle und setzte zum Sprung in den Springbrunnen an - nur um sich noch rechtzeitig festzuhalten, um nicht reinzufallen, denn die Flüssigkeit war nicht Wasser, so viel stand fest. Er begann wieder zu heulen, diesmal aber aus Traurigkeit. ,,Das hab ich also vorhin gerochen...", schniefte er. ,,Großer Bruder?", fragte Fayt unsicher, der dazugekommen war, und sah verdutzt auf die Flüssigkeit im Springbrunnen, die blutrot war. ,,Blut?", rief Fayt entsetzt. ,,Nein, Rotwein.", korrigierte sein Bruder ihn. ,,Hey!", schrie plötzlich ein Verkäufer von einem der Stände in der Nähe des Springbrunnens und packte Fayts Bruder am Pferdeschwanz. ,,Kinder dürfen hiervon nicht trinken!", belehrte er Fayts Bruder.
,,Ahahahahaha! Sorry! Sorry!", entschuldigte sich der Verkäufer zehn Minuten später an seinem Stand bei den beiden und reichte Fayts Bruder ein Glas Limonade. ,,Reisende wie ihr beide konnten natürlich nicht wissen, dass aus dem Springbrunnen Wein herauskommt. ,,Lior City muss eine ziemlich wohlhabende Stadt sein, wenn sie sich eine Quelle aus Wein leisten kann.", sagte Fayts Bruder, während er mit Hilfe eines Strohhalmes die Limonade schlürfte. ,,Ja.", stimmte der Verkäufer fröhlich zu. ,,Und das alles dank..." Doch er brach ab. ,,Oh, hätte ich fast vergessen..." Er drückte auf einen Knopf an de Decke, und sogleich schaltete sich ein Radio ein, das auf dem dach des Standes befestigt war. Fayt und sein großer Bruder schauten sich um und stellten verwundert fest, dass auch die anderen Ladenbesitzer ihre Radios einschalteten. Und nicht nur die: Einfach jeder Einwohner der Stadt hockte auf einmal vor einem der Geräte. ,,An die Kinder Gottes dieser Erde...", ertönte die Stimme eines anscheinend älteren Mannes aus allen Radios auf einmal, was dazu führte, dass die Stimme durch alle Straßen hallte. ,,Betet und ihr werdet gerettet werden.", sprach der Mann weiter. Und schlagartig begannen die Bewohner der Stadt zu beten. ,,Der Sonnengott Leto lässt sein Licht auf euch nieder scheinen." Fayt bemerkte, dass all die Statuen in der Stadt ein Zepter hielten, das wie eine Sonne aussah; sie sollten wahrscheinlich diesen Sonnengott darstellen. ,,Was soll das?", fragte Fayts Bruder verwundert. ,,Eine religiöse Radiosendung?" ,,Ihr beide seid schon ziemlich komisch.", sagte der Verkäufer zu ihm und Fayt. ,,Als die Verkörperung Letos, und Euer Vater...", sprach der alte Mann im Radio weiter. ,,Seid ihr Typen Straßenkünstler oder so was in der Art?", fragte der Verkäufer weiter. Fayts Bruder verschluckte sich an seiner Limonade bei diesen Worten. ,,Hey, Mann, woher haben Sie denn die Idee!?!", blaffte er den Verkäufer an. ,,Wenn ihr keine Künstler seid, warum seid ihr dann hier?", fragte der Verkäufer. ,,Wir suchen nach etwas...", begann Fayts Bruder zu erklären, brach dann aber ab und fragte: ,,Also, woru geht's denn in dieser Radiosendung?" ,,Der Mann, der da spricht, heißt Conero.", sagte der Veräufer. ,,Und wer ist das?", fragte Fayts Bruder. ,,Ihr kennt die Verkörperung des Sonnengottes Leto nicht?!?", kreischte der Verkäufer perplex. ,,Deswegen hab ich doch gefragt...", sagte Fayts Bruder genervt. ,,Conero kann Wunder geschehen lassen.", sagte ein Mann, der ebenfalls am Stand saß und bereits sein fünftes Bier kippte. ,,Es ist ihm zu verdanken, dass diese Stadt, einst vollkommen heruntergekommen, nun so wohlhabend ist.", sagte ein anderer Mann am Stand. ,,Er ist wirklich eine erstaunliche Person.", sagte ein anderer Mann, der mit noch mehr Menschen dazu kam, die sich an den Lobeshymnen für diesen Conero beteiligen wollten. ,,Ja, was er vollbringt, sind wirklich Wunder.", stimmte ein anderer Mann zu. ,,Ich bin nicht an Religion interessiert.", grummelte Fayts Bruder, dem das Gebrabbel der Männer nun langsam auf die Nerven ging. ,,Gehen wir, Fayt.", sagte er zu seinem Bruder. ,,Okay...", sagte dieser, stand auf - und krachte, dank seiner Größe, gegen das Dach des Standes, was das Radio zu Boden krachen und zerscheppern ließ. ,,Ähm...", machte Fayt, peinlich berührt. ,,Was soll denn das!?!", fauchte der Verkäufer. ,,Musst du dich denn auch in so ein bescheuertes Kostüm zwängen!?!" ,,Tut uns echt Leid.", entschuldigte sich Fayts Bruder. ,,Keine Sorge, wir reparieren das." ,,Reparieren?", wiederholte der Verkäufer verdutzt. ,,Tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich auch Fayt und wandte sich an seinen Bruder. ,,Ich mach das schon, großer Bruder." ,,In Ordnung.", sagte dieser. Verdutzt sahen die Männer und der Verkäufer zu, wie Fayt sich niederbückte und einen Zirkel zeichnete, den er mit Runen verzierte, das kaputte Radio im Zentrum. ,,Was soll'n das?", fragte der Verkäufer Fayts Bruder. ,,Das ist ein Mutations-Zirkel.", erklärte dieser. ,,Fertig.", sagte Fayt unde hielt beide Hände über den Zirkel. Es gab einen Blitzschlag in eben jenem Zirkel und dichter Rauch zog auf. ,Meine Liebe, die Liebe der Verkörperung des Sonnengottes Leto...", ertönte es im nächsten Moment aus dem reparierten Radio, das wenige Sekunden zuvor vollkommen zerstört gewesen war. ,,Das war erstaunlich!", rief der Verkäufer beeindruckt und mit großen Augen. ,,Du kannst also auch Wunder geschehen lassen?!?" ,,Was soll das denn heißen?", fragte Fayts Bruder lachend. ,,Wir sind Alchemisten.", erklärte Fayt und reichte dem immer noch recht perplex dreinschauenden Verkäufer das wie nagelneu aussehende Radio. ,,Der Name "Elric-Brüder" müsste eigentlich ziemlich bekannt sein.", sagte Fayts Bruder. ,,Alchemisten?", wiederholte einer der Männer. ,,Also war es kein Wunder.", sagte ein anderer. ,,Ich weiss gar nichts von Alchemisten hier in der Gegend.", sagte ein dritter. ,,Der Metallalchemist, Leon Elric.", sagte auf einmal eine Frau, die vollkommen von ihrem Gewand, das sie trug, verdeckt war, und ebenfalls bei dem Stand saß. ,,Du bist um East City herum ziemlich berühmt.", sagte die Frau und sah zu Fayts Bruder namens Leon Elric. Leon konnte nun ihr Gesicht sehen: Ihr Gesicht war vollkommen kreidebleich; sie hatte schwarze Haare, graue Augen, und ihre Lippen waren mit pechschwarzem Lippenstift versehen. ,,Du bist als genialer Alchemist bekannt." ,,Beeindruckend!", riefen die Männer und der Verkäufer und scharrten sich sogleich um Fayt herum. ,,Ich verstehe, du wirst "Metallalchemist" genannt, weil du dieses Zeugs da trägst.", sagte ein Mann zu ihm. ,,Du bist also berühmt?", fragte ein anderer aufgeregt. ,,Ähm...Ich doch nicht...", begann Fayt abwehrend. ,,Was?", sagten die anderen verdutzt und wandten sich dann langsam zu Leon um. ,,Du meinst, der kleine da drüben?", fragte ein Mann Fayt. ,,WEN NENNT IHR HIER KLEIN!?!", brüllte Leon vor Wut, packte sich zwei der Männer und warf sie wie Speere nach den anderen Männern, die es allesamt zu Boden warf. ,,Hier geht's aber heute lebhaft zu.", sagte ein Mädchen, das soeben den Stand erreicht hatte, belustigt. ,,Oh, hallo, Rose.", begrüßte der Verkäufer das Mädchen namens Rose. Rose lächelte ihm fröhlich zu. ,,Oh? Euch beide kenne ich aber noch gar nicht.", sagte sie zu Leon, der gerade versuchte, einen der Männer zu strangulieren, und Fayt, der darum bemüht war, eben dies zu verhindern. ,,Ich bin Fayt Elric.", stellte sich Fayt vor. ,,Ich bin Metallalchemist und Fayts großer Bruder, Leonard Elric.", stellte sich Leon vor und verpasste dem Mann einen Tritt in den Hintern, anstatt ihn zu strangulieren. ,,Was?!? Du bist der große Bruder?", sagte Rose verdutzt und sah vom ziemlich kleinen Leon zum riesigen Fayt. Leon sah aus, als wenn er gleich explodieren würde. ,,Na, Na...", versuchte ihn Fayt zu beruhigen. ,,Rose, kaufst du gerade die Gaben?", fragte der Verkäufer Rose und sah zu der Einkaufstüte in ihren Händen. ,,Ja. Und ich bin sogar schon fertig.", antwortete sie. ,,Kannst du dann diese beiden hier zur Kirche von Leto führen?", bat der Verkäufer sie. ,,Sie scheinen nach etwas zu suchen, vielleicht kann Gott ihnen ja helfen." ,,Nein, wir wollen nur...", begann Fayt abwehrend. ,,Natürlich.", sagte Rose fröhlich. ,,Wir haben auch genügend Betten für eine Übernachtung, also bleibt doch über Nacht hier." ,,Aber...", begann Fayt erneut. ,,Wirklich?", rief Leon, von der Aufsicht auf ein warmes, gemütliches Bett sichtlich begeistert. ,,Dann nehmen wir ihr Angebot doch an, Fayt." ,,Ähm... okay...", sagte Fayt resignierend. Die beiden folgten Rose. ,,Rose ist jetzt viel offener.", sagte einer der Männer zum Verkäufer. ,,Ja.", stimmte dieser zu. ,,Und das haben wir alles dem Hohepriester zu verdanken. Das war schließlich eine ziemlich große Tragödie..." Die Frau, die von ihrem Umhang vollkommen verhüllt wurde, verschwand vom Stand, zufrieden lächelnd.
Leon und Fayt folgten mit ein wenig Abstand Rose durch die unzähligen Gassen zu der Kirche, die sich in der Ferne vor ihnen bis in den Himmel zu erstrecken schien. ,,Fayt, sind wir dieser Frau am Stand nicht schon einmal begegnet?", fragte Leon seinen Bruder. ,,Hmm...", machte Fayt und versuchte sich zu erinnern. ,,Ja, stimmt..." ,,Ist schon in Ordnung.", sagte Rose auf einmal. Die beiden sahen sie verwundert an. ,,Ihr werdet bestimmt bald finden, wonach ihr sucht.", meinte Rose und lächelte fröhlich. ,,Und..." ,,Und?", fragte Leon. ,,Du wirst bestimmt größer werden, wenn du dafür betest.", sagte Rose. ,,Was hast du gerade gesagt!?!", brüllte Leon und setzte zur Verfolgung auf Rose an, die lachend davonrannte.
,,Betet und euer Wunsch wird wahr werden.", sprach der Hohepriester Conero in seinem Studierzimmer in der Kirche von Leto in ein Gerät, das seine Rede auf die Radios der Stadt übertrug. ,,Mögen all meine Kinder in dem Licht des Erwürdigen gebadet werden, heute und auch morgen." Er schaltete das Gerät aus und sah zu den zwei Bediensteten, die vor wenigen Minuten im Zimmer erschienen waren. ,,Danke für Eure harte Arbeit, Hohepriester.", bedankte sich der erste, als auch schon die Tür aufging und Rose das Zimmer betrat. ,,Oh, Rose.", sagte Conero mit väterlicher Stimme zu ihr. ,,Ist es in Ordnung, wenn ich zwei Reisenden hier in der Kirche Unterkunft gewähre?", fragte Rose. Conero nickte und sagte: ,,Du scheinst Gott wirklich jeden Tag zu dienen." ,,Ja.", sagte Rose zustimmend. ,,Ich lebe, um Leto zu dienen, damit..." Doch sie brach ab und sah zu Boden. Conero legte seine Hände auf ihre Schultern und sagte: ,,Gott sieht deine guten Taten. Aber es braucht noch etwas Zeit, bis das von dir gewünschte Wunder geschehen kann." ,,Ja...", sagte Rose traurig.


Langsam ging die Sonne unter und tauchte die Stadt in blutrotes Licht. Leon und Fayt sahen von dem Fenster ihres Zimmers, in dem sie übernachten würden, hinab zu dem Friedhof, der hinter der Kirche lag, und wo Rose vor einem Grab niederkniete und betete. ,,Ich hab mir sagen lassen, dass dies das Grab von Roses Verlobtem ist.", sagte Fayt. ,,Sie hat keine Eltern, und hat ihren Verlobten durch einen Unfall verloren... Also hat Rose Beistand beim Priester Conero gesucht, und diesen in Form von dessen Lehren gefunden." ,,Nun, die Toten können nun einmal nicht zurückkehren.", sagte Leon seufzend. ,,Ich habe einst gehört, dass sie zurückkehren könnten.", sagte Fayt. Leon sah bitter zu ihm auf. ,,Denjenigen, die leben, ist eine unzerstörbare Seele gewährt.", sagte Fayt. ,,Denjenigen, die sterben, ist Wiedergeburt gewährt. Der Beweis dafür ist durch Gottes Wunder gegeben." ,,Mann, das hört sich ja so was von nach gelogen an.", spottete Leon, der bittere Gesichtsausdruck immer noch da, und sah wieder hinaus zum Friedhof, wo nun auch Conero war, um Rose zu trösten.


Es war am nächsten Morgen. Der Hohepriester Conero stand auf dem Versammlungsplatz der Stadt auf einem riesigen Podium, umringt von den Bürgern der Stadt, und hielt ein Glas Wasser hoch, das in nächstem Moment zu einem Glas Wein wurde. Die Bürger schrien begeistert auf. Conero legte seine Hand auf einen Holzscheitel, der sich sogleich in eine Statue des Sonnengottes Leto verwandelte. Erneut leuchtete der Ring, den er trug, dabei kurzzeitig auf. ,,Was denkst du?", fragte Leon Fayt, mit dem er etwas abseits von der Menge stand. ,,Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Mutationen durch Alchemie herbeigeführt sind.", sagte Fayt. ,,Ja, aber die Regeln...", sagte Leon nachdenklich. ,,Oh, hey, ihr beiden!", rief jemand und riss Leon damit aus seinen Gedanken. Die beiden Brüder wandten sich um und erlickten Rose, die fröhlich lächelnd zu ihnen kam. ,,Wie gefallen euch Meister Coneros Wunder?", fragte sie die beiden. ,,Das ist defintiv Alchemie.", antwortete Leon. ,,Conero ist nur ein Betrüger." Rose sah ihn aufgebracht an. ,,Wir sind uns aber noch nicht wirklich sicher.", sagte Fayt schnell, um einen Streit zu verhindern. ,,Und außerdem ignoriert er auch ein paar Regeln.", fügte Leon unbeirrt hinzu. ,,Regeln?", wiederholte Rose fragend. ,,Alchemie kann nicht etwas erschaffen, wenn man nichts dafür darbietet.", erklärte Leon. ,,Es ist eine wissenschaftliche Technik, welche bei den Regeln der Natur bleibt." ,,Man kann nur etwas mit gewisser Masse aus derselben Masse erschaffen. Als ich das neue Radio gestern erschaffen habe, musste ich dafür das zerbrochene Radio von derselben Masse benutzen. Ich hätte kein größeres Radio als das zerbrochene Radio erschaffen können, oder Papier, oder einen Baum." ,,Um etwas herzustellen, muss man etwas darbieten, das denselben Wert an.", sagte Leon und sah auf die Steinstatue des Gott Leto, den Conero aus einem kleinen Holzscheitel erschaffen hat. ,,Dieser alte Mann ignoriert die Regel." ,,Und deswegen ist es auch ein Wunder!", rief Rose stur. Sie sahen hinauf zum Podium, wo ein kleines Mädchen Conero ihren toten Nymphensittich hinhielt. Conero legte seine Hände auf den Vogel, der Ring an seinem Finger leuchtete kurz, und im nächsten Moment flog der Vogel hinauf in die Lüfte. Das Publikum johlte. Leon lächelte zufrieden. ,,Hab ich dich...", sagte er so leise, dass ihn niemand anderes hören konnte. ,,Kannst du auch so ein Wunder mit deiner Alchemie geschehen lassen?", fragte Rose ihn herausfordernd. ,,Kain wird..."


,,Die Elric-Brüder?", wiederholte Conero am Abend in seinem Arbeitszimmer. ,,Ich habe gehört, dass der ältere Bruder den Titel eines Nationalen Alchemisten bereits mit zwölf Jahren erhalten hat.", sagte der Bedienstete, der im Raum war. ,,Er ist auch unter dem Namen "Metallalchemist" bekannt.", fügte Conero hinzu. ,,Was?!? Dieses Kind?!?", rief der Bedienstete verdattert. ,,Er ist ein Hund des Militärs.", sprach Conero weiter. ,,Das Militär hat seine Augen auf diese Stadt des Wohlstandes gerichtet, und will sich einmischen. Ich muss die Bewohner meiner Stadt beschützen." Er sah zu dem Bediensteten. ,,Clay..." ,,Ich stehe zu Diensten.", sagte der Bedienstete namens Clay. ,,Danke, dass du mir davon erzählt hast.", sagte Conero zu einer Frau, die ebenfalls im Raum war, jedoch vollkommen von ihrem Umhang verhüllt wurde. ,,Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Mann hier es allein schaffen wird.", sagte die Frau mit geringschätzigem Blick auf Clay. ,,Ich habe noch einen anderen Plan, nur für den Fall.", sagte Conero.
Rose war in dem Raum der Kirche, der für Messdienste benutzt wurde, und tauschte die alten Kerzen, die kaum noch Wachs hatten, durch neue aus. ,,Wenn du Gott folgst ohne Fragen zu stellen...", sagte plötzlich jemand; sie erkannte sofort, dass es Leon war, der sprach. ,,...werden dann die Toten ins Leben zurückkehren?", beendete Leon seine Frage. ,,Ja.", stimmte Rose vergnügt zu und wandte sich zu Leon um, der es sich in einer der vielen Sitzbänke bequem gemacht hatte. Leon seufzte tief bei ihrer Antwort, griff in seine Jacke, holte ein Notizbuch hervor und begann zu lesen: ,,Wasser: 35 Liter. Carbon: 20 kg. Ammonium: 4 Liter. Klebstoff: 1,5 kg. Phosphor: 800 g. Salz: 250 g. Niter: 100 g. Sulfat: 80 g. Fluorit: 7,5 g. Silicon: 3g." Er klappte das Notizbuch zu. ,,Und dann wären da noch um die fünfzehn andere Zutaten." ,,Wofür ist diese Liste?", fragte Rose. ,,Das sind die Zutaten, die man braucht, um den Körper eines Erwachsenen zu erschaffen.", erklärte Leon. ,,Die jetzige Wissenschaft weiss bereits die Zutaten dafür, aber bisher gab es noch keinen Fall, in dem ein menschlicher Körper künstlich erschaffen werden konnte. Forscher suchen nun schon über hundert Jahre nach dem, was noch fehlt. Ich glaube, dass ihre harte Arbeit bemerkenswert ist, nicht so wie beten und warten." Rose sah zu Boden. ,,Und ganz nebenbei bemerkt...", sprach Leon weiter. ,,Diese ganzen Zutaten kann man sich in jedem Laden besorgen, und das für das Taschengeld eines Kleinkindes. Menschen sind ja so billig." ,,Menschen sind keine Dinge!", schrie Rose zornig. ,,Das ist Blasphemie!" ,,Alchemisten sind Wissenschaftler. Deswegen glauben sie auch nicht an so schwammige Dinge woe Gott.", sagte Leon, stand auf und ging zu Rose, die vor einer gigantischen Statue Letos stand. ,,Ist es nicht ironisch, dass Menschen wie wir Gott am nächsten sind?" ,,Du bist nicht Gott.", stellte Rose angewidert richtig. ,,Noch ist es die Sonne.", fügte Leon verächtlich hinzu. ,,Es ist nur ein Mischmasch von gewaltig hoher Temperatur. Du verbrennst, wenn du der Sonne zu nahe kommst." Rose begann vor Wut zu zittern Oh-Oh, mein großer Bruder macht Rose richtig sauer..., dachte Fayt, der in einer Ecke verborgen stand und den beiden zusah. Plötzlich hielt ihm jemand etwas gegen den Metallkopf. ,,Keine Sorge. Dein älterer Bruder wird dir bald folgen.", sagte Clay, der sich von hinten an Fayt herangeschlichen hatte und ihm eine Pistole an den Kopf hielt. Er drückte ab,und sogleich schoss Fayts Kopf durch die Halle und landete vor Roses Füßen. ,,Clay, was tun sie da?!?", rief Rose erschrocken mit Blick auf Clay und dem Rest von Fayts Metallkörper, der zu Boden gekracht war. ,,Diese Menschen sind Feinde Gottes!", schrie Clay und zielte mit der Pistole auf Leon. ,,Dies hier ist Gottes Wille!" ,,Sie haben mich echt überrascht.", erklang plötzlich Fayts Stimme. Erschrocken wirbelte Clay herum und sah Fayts Körper, der auf einmal wieder stand. Schnell schnappte sich Leon den am Boden liegenden Kopf von Fayt und warf ihn Clay gegen den Hinterkopf. Er war sofort bewusstlos. ,,Mein Kopf!", rief Fayt erschrocken und fing ihn auf. ,,Strike!", jubelte Leon, sprang jedoch in die Höhe, als er Roses spitzen Aufschrei hörte. ,,Was ist das?!?", schrie sie mit Blick auf Fayt. ,,Sein Kopf..." ,,Da gibt es nicht viel zu erklären.", sagte Leon belustigt. ,,Niemand ist in der Statue...", sagte Rose mit plötzlich erstickter Stimme. ,,Das ist die Strafe dafür, dass wir in ein gebiet vorgedrungen sind, in dem kein Mensch etwas zu suchen hat.", sagte Fayt und setzte sich den Kopf wieder auf. ,,Mein Bruder und ich sind bestraft worden." Leon sah bitter zu Boden. ,,NEIN!!!", schrie Rose und stürmte davon. ,,Rose! Warte!", rief Leon und rannte ihr mit Fayt hinterher. Es ist wahr..., dachte Rose ängstlich, während sie tiefer und tiefer in die Katakomben unterhalb der Kirche rannte. Genau wie Clay sagte... Dies sind die Feinde Gottes!
,,Dieser Ort gefällt mir gar nicht...", sagte Leon zu Fayt, als sie einen riesig großen Raum betraten, der nur spärrlich beleuchtet war, und sah zu der Bühne an der oberen Hälfte der Wand auf der anderen Seite des Raumes auf, wo Rose stand. ,,Rose!", rief Leon zu ihr hinauf. ,,Danke, dass du sie hierher gebracht hast, Rose.", sagte der Hohepriester Conero, der nun ebenfalls die Bühne betreten hatte. ,,Nationaler Alchemist, was?", sagte er lächelnd. ,,Ich wusste, ihr würdet eines Tages hierher kommen." ,,Weil Sie Ihre Gläubigen verarschen?", fragte Leon lächelnd. ,,Oder..." Er setzte ein boshaftes Lächeln auf. ,,...Oder weil Sie den Ring der Alchemisten besitzen?" ,,Sprichst du hiervon?", fragte Conero und hielt seine linke Hand mit dem Ring hoch. ,,Es gibt nur einen Weg, eine Mutation durchzuführen und die Regel des gleichwertigen Tausches zu umgehen, und dabei auch noch keinen Mutations-Zirkel zeichnen zu müssen.", sagte Leon. ,,Korrekt.", stimmte Conero zu. ,,Man erzählt sich, dass er nur in Legenden existiert...Der Ring der Alchemisten!" ,,Danach habe ich gesucht...", sagte Leon und sah auf einmal wie ein Wolf aus, der seine Beute in die Ecle gedrängt hatte. ,,Ich werde es einfach freiheraus sagen: Her mit dem Ring! Dann werde ich den Bewohnern diese Stadt auch nichts sagen!" ,,Du willst ihn also von mir haben?", sagte Conero belustigt. ,,Aber wenn ich meine Wunder verliere, was wird dann aus dieser Stadt?" Er wandte sich an Rose. ,,Was meinst du, Rose?" ,,Rose, er ist nur ein drittklassiger Schwindler...!", schrie Leon. ,,Ich habe diese Stadt wiederbelebt, nachdem ein Bürgerkrieg sie niedergemacht hatte.", unterbrach Conero ihn. ,,Ich habe Wasser erschaffen, dieses zu Wein gemacht, Häuser geschaffen, und den Menschen sogar Geld gegeben. Ich bin die Verkörperung Gottes! Willst du den Menschen dieser Stadt etwa Gott wegnehmen? Ist der Befehl des Militärs so endgültig?" ,,Mich interessieren die Befehle des Militärs nicht.", engegnete Leon schulterzuckend. ,,Was?", fragte Conero verdutzt. ,,Ich...Wir brauchen diesen Ring!", schrie Leon. ,,Warum?!?", schrie Rose verzweifelt. ,,Ihr wollt ihn immer noch, selbst wenn es bedeutet, dass ihr uns unsere Hoffnung nehmt?!?" ,,Rose, wir wollen nur...", begann Fayt. ,,Das bringt nichts.", unterbrach Leon ihn. Rose begann zu weinen. ,,Nun denn, werfen wir einen Blick auf die Macht des Rings der Alchemisten, nicht wahr?", rief Conero. Der Ring blitztete auf, der Boden verformte sich und wurde zu Sand, der Fayt unter sich begrub, während Leon rechtzeitig hochsprang, um demselben Schicksal zu entkommen. ,,Fayt!", rief er besorgt. ,,Ahahahahahaha!!!", gackerte Conero. ,,Diese Statue war ja nicht besonders stark, was? Und du kannst auf diesem Sand keinen Mutations-Zirkel erschaffen, Junge!" Leon warf ihm einen hasserfüllten Blick zu, während Conero heimlich einen Schalter hinter ihm betätigte. Eine Wand fuhr hoch und gab ein Ungetier frei, welches wie ein Löwe aussah, aber doch keiner war. ,,Du hast Tier mit Hilfe des Steines der Alchemisten verändert.", sagte Leon. ,,Korrekt!", rief Conero. ,,Dies ist eine Chimära!" Die Chimära brüllte laut und stürmte auf Leon zu. ,,Sieht 'n bisschen zu stark aus, um es mit bloßen Händen zu vernichten...", seufzte Leon und stützte seine Hände auf dem Boden ab. Es gab einen Lichtblitz, und sogleich hielt er einen Speer in seinen Händen. ,,Was?!? Er hat eine Mutation ohne Mutations-Zirkel geschaffen?!?", rief Conero perplex. Die Chimära setzte zum Sprung auf Leon an, doch er schlug sie mit dem Speer gegen eine Wand. ,,Grrrrr!", fauchte Conero, griff in seine Tasche, holte einen Wellensittich hervor und schmiss ihn in die Luft. ,,Schnapp ihn dir!", schrie er. Der Ring der Alchemisten leuchtete erneut, und sogleich wurde aus dem kleinen Vogel ein riesiger Gargoyle, ein Vogel aus Stein, der auf Leon zuschoss. Leon stach mit dem Speer zu, doch der Gargoyle wich aus und zerbrach den Speer mit seinen Krallen. Leon wollte zur Seite springen, doch der Gargoyle packte sein linkes Bein und begann es zu zerquetschen. Rose schrie entsetzt auf. ,,Na, wie gefällt dir das?", schrie Conero hämisch. ,,Find ich gar nicht toll.", meinte Leon nur, lächelte und befreite sein Bein, das vollkommen unverletzt zu sein schien, aus den Krallen. ,,Du entkommst mir nicht!", schrie Leon und schlug mit seiner linken Faust gegen den Gargoyle, der zu Decke geworfen wurde und dort in seine Einzelteile zerbröselte. Conero schaute entsetzt drein. Leon lachte triumphierend, doch das Lachen verging ihm, als sich die Chimära erneut auf ihn stürzte und in seinen linken Arm biss. ,,Gut so!", rief Conero zufrieden, erschrak aber, als er sah, dass Leon nur dastand und unbeeindruckt zusah, wie die Chimära versuchte, seinen Arm abzureißen. ,,Was ist los, Katzenbastard?", fragte Leon das Monster. ,,Schmeckt es etwa nicht?" Er hob das Biest an, schmiss es ihn die Luft und trat es mit seinem linken Fuß bewusstlos.
,,Das ist das Kind, Blatny!", sagte eine Frau, verhüllt von ihrem Umhang, zu einem äußerst ekelhaft aussehenden und sabbernden Mann, der mit ihr hoch oben auf einer Säule verborgen in der Dunkelheit dem Kampf zusah.
Die Chimära krchte zu Boden und stand nicht wieder auf. ,,Das... Das kann nicht sein...", stammelte Conero mit entsetzensstarren Augen. ,,Sein Bein konnte nicht von den Klauen zerquetscht werden... und sein Arm könnte nicht von den Fangzähnen abgerissen werden?" Er erschrak. ,,Bist du etwa...?" ,,Ja, so ist es.", sagte Leon und packte seinen Reiseumhang. ,,Rose, sieh gut hin.", sagte er. ,,Dies ist der Körper eines Narren, der versucht hat, eine menschliche Mutation zu vollführen, der versucht hat, in Gottes Territorium vorzudringen: Der Körper eines Sünders!" Er warf dedn Reiseumhang zur Seite und zerriss die Seite seine Hose, wo sein linkes Bein war. Sein linker Arm war ein Arm aus Metall, und so war es auch mit seinem linken Bein. ,,Maschinen-Arme und -Beine?", rief Rose mit erstickter Stimme. ,,Ein Auto-Mail?" ,,Ihr habt versucht, eine menschliche Mutation zu vollführen?", rief Conero spöttisch. ,,Ihr habt das größte Taboo der Alchemisten missachtet! Dein Körper wurde auf die andere Seite mitgerissen!" Rose stutzte. ,,Du verbrennst, wenn du der Sonne zu nahe kommst.", hatte Leon zu ihr gesagt. ,,Deswegen trägt er also den Titel "Metallalchemist".", spottete Conero.