Freitag, 11. Januar 2008

Tales of.... Kapitel 1: Eine zündende Idee

Ein dunkler Raum, in der Mitte ein Kessel mit klarer Flüssigkeit, die Wasser ähnelte, es jedoch nicht war. Ein Licht ging von dieser Flüssigkeit aus und erhellte die Gestalt, die gebeugt vor dem Kessel stand, um den kristallklaren Inhalt darin erkennen zu können. Ihr Haar war das schwarzeste Schwarz und fiel ihr über die obere Hälfte ihres Gesichts, so dass ihre Augen verdeckt wurden, jedoch das rote Glühen ihrer Pupillen dennoch zu erkennen war. Ihre Lippen waren zu einem boshaften Lächeln gekräuselt. Gewandet war sie in schwarze Roben, die sie eins mit dem dunklen Raum lassen werden würden, würde sie sich auch nur einen Schritt vom Kessel entfernen.
Sperrlich erhellte das Licht eine der Wände des Raumes und brachte die vom restlichen Körper abgeschnittenen Köpfe von Ebern, Ochsen, Vögeln und Menschen, ihre Gesichter mit getrocknetem Blut verschmiert und das Starre Entsetzen im Angesicht des Todes ins Gesicht geschrieben, zum Vorschein.
,,Ist es Zeit?", erklang eine leicht rasselnde Stimme hinter der Gestalt - einer Frau - die sich umwandte und mit leicht zusammengekniffenen Augen ein mit Laken verdecktes Bündel erspähte, das auf einem Sofa in der Zimmerecke gegenüber den Köpfen der Toten zusammengekauert lag.
,,Noch nicht.", antwortete die Frau mit ruppiger Stimme und wandte sich wieder dem Kessel zu. ,,Bald..."
,,Ich kann sie sehen, o grausames Schicksal!", heulte das Bündel auf dem Sofa auf einmal. ,,Ich kann sie sehen! Die Teufel! Das weiße in ihren Augen! Ihre Schreie, voll Verzweiflung, voll Elend, voll Schmerzen! Das Blut, das so herrlich warm ihre aufgeschnittenen Kehlen hinabrinnt! Ich will es schmecken, es trinken, genießen! Schicksal! Ich will...!"
,,Schweig!", fuhr die Frau das Bündel an. Ihre roten Augen blitzten kurz auf, und von dem Bündel her war ein erstickter Schmerzensschrei zu vernehmen.
,,Klar... so klar... weiß in den Augen...", wimmerte das Bündel.
,,Ja, noch ist es weiß... Noch nicht vollkommen... Aber bald...", murmelte die Frau und blickte unverwandt auf die Flüssigkeit, in deren Tiefen man eine Stadt erkannte, von sattem Grün umgeben. ,,Was wir brauchen, ist etwas, das das Feuer entfachen wird, etwas, das die Lunte zum Brennen bringen wird und schlussendlich zur Explosion führen wird." Sie stand auf, wandte sich um und schritt auf ein klappriges altes Holzregal zu, das neben dem Sofa stand. Das Bündel wich leicht zurück, von ihr weg. Sie nahm eine blubbernde orange-rote Flüssigkeit in einer Phiole aus dem Regal und kehrte zum Kessel zurück, den Blick unverwandt auf die Phiole gerichtet. Der Korken der Phiole flog mit einem leisen PLOPP zur Seite, und die darin befindliche Flüssigkeit wurde in den Kessel geschüttet.
,,Tot?", fragte das Bündel mit zittrig erregter Stimme.
,,Noch nicht.", antwortete die Frau und kicherte boshaft, während die neue Flüssigkeit sich über der im Kessel sichtbaren Stadt ausbreitete. ,,Bald..."


Kamui Maxwell erwachte durch ein Staubkorn, das in seine Nase hinabgeglitten war und ihn heftig niesen ließ. Laut und lang gähnend, setzte er sich auf und reckte die Arme in die Höhe, mit denen er sich schließlich den Schlaf aus den Augen rieb, die auf die Uhr and der Wand schauten. ,,Oh Mann, viel zu früh...", murmelte er schlaftrunken, als er sah, dass er fast eine dreiviertel Stunde zu früh aufgewacht war. Erneut streckte er sich und stand aus dem Bett auf, um aus dem nahegelegenen Fenster zu schauen. Eine strahlend helle Sonne war das erste, was er sah, anschließend einen wunderschönen blauen Himmel, so blau wie Kamuis Augen. In der Tat war Kamuis restlicher Körper auch sehr ansehnlich, was ihn sehr beliebt bei den Mädchen des Dorfes machte, in dem er wohnte. Braune, stachelige Haare, die ihm elegant über die Stirn fielen, gefolgt von erstaunlich blauen Augen, volle Lippen, und ein muskulöser Körper waren genügend Argumente dafür. Den Blick vom wolkenlosen Himmel abwendend, sah Kamui zu den benachbarten Häusern, beispielsweise das Haus gleich gegenüber, in dem die ziemlich schrullige kleine Dame Vogt lebte, deren Bauch schier überdimensionale Größen hatte, mit denen selbst Schwangere nicht mithalten konnten. Weiter sah er zum Haus der Tatlins, deren Tochter seit drei Monaten nur krank im Bett in ihrem Zimmer lag, zum Haus der Raabs, einem alten Ehepaar, das einen Tag, an dem sie sich nicht mindestens zehnmal gegenseitig die Zungen in den Hals in der Öffentlichkeit steckten, als einen vergeudeten betrachteten. Kamui seufzte tief und wandte sich vom Fenster ab. Und ein weiterer Tag im Horrorland..., dachte er seufzend und verließ sein Zimmer, um in die Küche zu gehen, wo seine Mutter am Herd stand, während sein Vater am Esstisch saß, in die Morgenzeitung vertieft, und hin und wieder ein Stück von seinem Schinken und Speck aß. ,,Los, hol mir noch mehr zu trinken!", fuhr Kamuis Vater seine Mutter an, die hochschrak und eiligst zum Kühlschrank rannte, um ihrem Gatten leere Glas mit neuem Gin zu füllen. Schon so früh am Morgen wieder zugedröhnt?, dachte Kamui genervt. ,,Und du...", fuhr Kamuis Vater mit Blick auf seinen Sohn fort. ,,Wann denkst du endlich mal daran zu arbeiten, he? Ich hab es satt, dass du mir die ganze Zeit auf der Tasche liegst! Das Geld, was du mich kostest, könnte ich für viel wichtigere Dinge ausgeben!" Noch mehr Alkohol, zum Beispiel..., dachte Kamui und schaute düster drein. ,,Und schau nicht so rebellisch!", setzte sein Vater beim Anblick des Blicks hinzu. ,,Aber Liebling, er ist doch erst 16 und geht noch in die Schule.", sagte Kamuis Mutter, während sie Gin ins Glas schüttete. ,,Nach deiner Meinung hat keiner gefragt!", blaffte Kamuis Vater und nahm einen kräftigen Schluck aus dem Glas. Verschluck dich nur nicht!, dache Kamui boshaft, kratzte sich dann an den leicht juckenden Augen. ,,Fertig! Hier, fang!", rief Kamuis Vater und warf der Mutter den nun leeren dreckigen Teller zu, den Kamuis Mutter nicht gefangen bekam. Der Teller fiel zu Boden, wo er zerbrach. ,,Du dummes Huhn! Kannst du denn gar nichts!?!", fuhr der Vater sie mit zornrotem Kopf an und warf ihr die Zeitung ins Gesicht.


Um kurz nach sieben Uhr verließ Kamui das Haus seiner Eltern und machte sich auf den Weg durch das Dorf, Greenwood, zur Schule, die hinter den mit sattgrünen Wiesen bescherten Hügeln lag. Doch anstatt wie jeder normale Mensch auf den normalen Straßen entlangzuwandern, nahm Kamui einen anderen Weg und ging durch die Gassen der Straßen. Ich kann nicht glauben, dass ich schon ein halbes Jahr hier bin..., dachte Kamui trübselig und seufzte tief.
Ja, es war nun ein halbes Jahr her, dass Kamuis Vater eines Nachts torkelnd - aufgrund des Alkohols - durch die Stadt gewandert war und am Ende eines Massenschlägerei angezettelt hatte, die mit mehreren Verletzten und sogar einem Toten geendet hatte. Um einer Gefängnisstrafe zu entkommen, war Kamuis Vater mitsamt seiner Familie aus der Stadt geflüchtet und war hier im beschaulischen Dörfchen Greenwood untergetaucht. Für Kamui war dies eine Erleichterung gewesen, war er doch nie wirklich beliebt bei den anderen Jugendlichen in seiner früheren Heimat; die Kinder hatten sogar Angst vor ihm.
Doch es hatte nicht lange gedauert, bis auch hier die Kinder ihn gemieden hatten. Dabei lag es nicht wirklich an Kamui selbst, wirklich nicht... Oder... vielleicht doch. Immer wenn er wütend war, verlor er vollkommen die Kontrolle über sich. Was bei jedem anderen Jugendlichen in seinem Alter mit höchstens einem Wutausbruch und vielleicht noch einer zugeknallten Tür geendet hätte, artete bei ihm in ein wahres Chaos aus. Er verlor dann immer die Kontrolle über sich und schlug wild in andere rein. Hach, wenn ich ihn doch so wie den Jungen von letztens verprügeln könnte..., dachte Kamui und dachte an vorhin zurück. Als sein Vater seiner Mutter die Zeitung gegen das Gesicht geworfen hatte, war Kamui wieder einmal ausgerastet und hatte sich auf einen Vater gestürmt. Wimmernd rieb sich Kamui die rot-blaue Wange, die bezeugte, was danach passiert war. Er kratzte sich an den erneut juckenden Augen und versuchte einen Schwall von aufkommender Wut an die Erinnerung zu unterdrücken. Das war genau, was er jetzt brauchte: Einen weiteren Wutanfall, der mit einem weiteren verletzten Schüler endete. Der Rauswurf und eine ordentliche Tracht Prügel wäre ihm damit so gut wie sicher. ,,Ich wünschte, er wäre tot...", grummelte Kamui und stellte sich tausend schmerzliche Todesfälle für seinen Vater vor. Vielleicht könnte ich ihm ja Gift ins Essen tun... Hmm... Nein, das würde man merken. Und nachher wird Mama dafür noch verantwortlich gemacht... Wenn ich Magie oder Alchemie benutzen könnte... aber nein... Warum säuft er sich eigentlich nicht tot!?! Kann doch nicht sooo schwer sein!
,,3...", murmelte die Frau, begierig über den Kessel gebeugt.
Ich könnte ihn ja richtig abfüllen. Im Rausch merkt der bestimmt nichts mehr...
,,2..." Erregt wimmerte das Bündel.
Hmm... Aber nachher lande ich noch wie die armen Tropfe in unserer Heimat im Krankenhaus. Er scheint doch viel mitzubekommen...
,,Es ist soweit...", zischte die Frau.
Aber brennen würde er bestimmt gut, so viel Alkohol wie der Intus hat. Einfach nur ein Streichholz drauf und "BOOM"!
BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Entsetzt sprang Kamui in die Höhe und sah gerade noch, wie ein zweiter riesiger brennender Meteor ins Dorf krachte, bevor eine Hauswand auf ihn krachte und alles um ihn herum schwarz wurde.