Dienstag, 15. Januar 2008

Tales of.... Kapitel 2: Der Alchemist

Alles verschwommen... Nebelschwaden um ihn herum... Rauch in der Lunge... Etwas Schweres, das ihn zu Boden drückte... ,,Ich... Ich will hier raus...", röchelte Kamui und versuchte sich aufzusetzen, jedoch ohne Erfolg, da die Trümmer der hinabgestürzten Hauswand ihn zu Boden gedrückt hielten. Zwei Zentimeter neben ihm war ein Holzbalken in den Boden gerammt. Wenn der mich getroffen hätte..., dachte Kamui und schluckte schwer. Was mache ich jetzt? Was mache ich jetzt?!?
Wütend klatschte die Frau mit einer Hand in die Flüssigkeit.
Es gab ein heftiges Erdbeben in Greenwood, das die sowieso bereits panischen Bewohner durchrüttelte. Straßen rissen auf und verschluckten Wagen, Häuser und Menschen.
,,So sollte das nicht laufen!", schrie die Frau mit Zornesröte im Gesicht, während das Bündel aufkeuchte vor Angst, dass die Frau ihren Zorn an ihm auslassen würde.
,,Verdammt!", schrie Kamui und schlug mit den Fäusten gegen den Boden. ,,Ist das die Strafe dafür, dass ich meinem widerlichen Vater den Tod an den Hals wünsche!?!" Er ließ seinen Kopf zu Boden sacken.
,,Oooiiiii!!! Ist da jemand?", hörte Kamui auf einmal eine ziemlich raue Jungenstimme rufen und reckte sofort wieder den Kopf.
,,H... Hallo?", fragte er zaghaft.
,,Holy Cow! Da ist wirklich jemand drunter!", rief die Stimme mit Erstaunen im Tonfall. ,,Mom, ich hol dich da raus! Mom!"
Mom?, dachte Kamui verwirrt, als er im nächsten Moment spürte, wie die Last auf seinem Rücken weniger wurde.
,,Und... Hauruck!!!", rief die Stimme, und ein letzter Stein wure von Kamui gerollt.
,,D... Danke...", hustete Kamui und richtete sich auf.
,,Oh Mann, so ´n Mist! Ich dachte, du wärst ´n Chick, so wie sich deine Stimme anhört.", sagte die Jungenstimme traurig, und Kamui blickte zu seinem Retter auf, der in der Tat ein Junge in seinem Alter war, zerlumpte Kleider am Körper und rotes, schmutziger Haar, das ihm bis zu den Knien reichte. Der Junge wirkte ziemlich mager.
,,Wen nennst du ein Mädchen!?!", fauchte Kamui den Jungen an.
,,Oi, ist das etwa eine Art und Weise sich zu bedanken?", sagte der Junge und grinste breit. ,,Du hast echt verdammtes Glück, buddy! Wenn ich nicht gerade zufällig in der Nähe auf der Suche nach Ratten gewesen wäre, wärst du da drunter verreckt! Von den feigen Pinkeln hätt dich keiner da rausgeholt, so viel ist sicher!"
,,Hn...", machte Kamui.
,,Hn? Heißt das so viel wie "aha"?", fragte der Junge neugierig.
,,"Hn" heißt "Hn".", entgegnete Kamui, der den Jungen weniger und weniger leiden konnte. Fünf Meter entfernt schlug ein weiterer Meteorit ein.
,,OOOOIIII! WTF!?! Habt ihr noch alle Räder an der Kappe, oder was!?!", brüllte der Junge los. ,,Das war mein Zuhause, was ihr da gerade abgefackelt habt!!!"
,,Zuhause?!?", wiederholtre Kamui mit großen Augen und schaute zu dem Einschlagskrater hin. ,,Liegt dort nicht... die Müllhalde?!?"
,,Nun, ich bin nicht sehr picky, was mein Zuhause angeht.", meinte der Junge achselzuckend und grinste nun wieder breit. ,,Gib mir ein Dach über meine Birne und ich bin zufrieden. Ah, by the way, the name´s Xavier Grants. Freunde nennen mich Xav. Und du, Pal?"
,,Kamui Maxwell.", antwortete Kamui, jedoch etwas widerspenstig.
,,Kamui, he? Tse, tse, was für´n komischer Name.", sagte der Junge namens Xavier, übertrieben den Kopf schüttelnd. ,,Ich nenn dich einfach K. n´kay, K?" Xavier sah Kamui kurz an, dann brüllte er vor Lachen. ,,War das nicht witzig? N´kay, K! BWAHAHAHAHAHAHAHA!!!" Genervt ging Kamui los, durch die Feuerhölle. ,,Oi, wait for me, Pal!", rief Xavier und folgte ihm.
Kamui blieb stehen. ,,Hör mal, ich bin dir wirklich sehr dankbar, dass du mir da rausgeholfen hast. Aber ich hab nichts bei mir, was ich dir geben könnte, in Ordnung?"
Xavier rümpfte verächtlich die Nase. ,,What!?! Meinst du ich hätte ich da rausgeholt, damit ich Pinke-Pinke von dir bekommen kann!?! So cheap bin ich nicht, Buddy! Aber falls du es noch nicht bemerkt hast..." Er deutete zum Himmel, vom dem noch mehr Meteoriten regneten. ,,Hier geht ´ne ziemliche Party mit Grillfeuer ab! Also, wenn du hier heil rauskommen willst, folgst du besser dieser alten Street Rat hier!"
Kamui ging weiter.
,,Hörst du mir nicht zu, Pal? Du hast keine Chance da draußen!", rief Xavier.
,,Ich muss meine Mutter suchen, also nerv nicht!", fauchte Kamui ungeduldig.
,,Ah-ah-ah, nix da, K!", rief Xavier und packte Kamui am Arm. ,,Ich hab dich nicht da rausgeholt, damit du dich gleich wieder von Hauswänden treffen lässt!"
,,Lass los, du!", brüllte Kamui. ,,Ich hab keine Zeit für so was, hörst du!?! Also lass mich jetzt los, oder ich..."
,,Okay.", sagte Xavier nur, klatschte blitzschnell in die Hände und berührte Kamuis Mund, der sofort zuklebte.
,,Hmm? Hmphhmp...", machte Kamui nur und versuchte seinen Mund mit aller Macht zu öffnen, was ihm nicht gelang.
,,Tse, tse, tse, tut mir wirklich Leid, K, aber anders scheint dein Mund einfach nicht zugehen zu wollen.", sagte Xavier grinsend, während Kamui ihn zornfunkelnd ansah.
,,Hmpf!", machte Kamui, wirbelte herum und wollte weiterlaufen.
,,Oi! So haben wir aber nicht gewettet, Pal!", rief Xavier, klatschte erneut in die Hände und berührte den Boden, aus dem zwei Hände aus Stein schossen, die Kamui an den Beinen packten und eisern festhielten. ,,Hmm...", machte Xavier und ging mit begutachtendem Blick um Kamui herum. ,,Ja, ja, wie ich mir dachte...", sagte er schließlich nickend. ,,Wort- und bewegungslos gefällst du mir wirklich am besten." Kamui warf ihm einen Blick zu, der einen langsamen, qualvollen Tod versprach. ,,Quit glaring, K, das macht Falten.", kicherte Xavier. ,,Also, Buddy, du willst nicht ohne deine Mutter hier weg, das ist in Ordnung für mich. Aber dann machen wir es auf meine Art und Weise. Weißt du..." Er klatschte in die Hände und berührte Kamuis Mund, der sofort wieder vom Klebstoff frei war. ,,... hier auf der Straße sterben tagtäglich Street Rats wie ich, da möchte ich nicht noch mehr Tote sehen. Also..." Er klatschte in die Hände und berührte den Boden, der sofort aufriss und ein Loch in die Kanalisation freigab. ,,Hmm... Perfekter Fluchtweg.", sagte Xavier und nickte zustimmend, bevor er sich wieder an Kamui wandte. ,,Kommst du also freiwillig mit oder muss ich dich mitschleifen?"
Kamui sah mehrmals von Xavier zum Loch in die Boden, dann nickte er und sagte: ,,In Ordnung."
,,Guuut, bist ein braver Junge.", grinste Xavier, klatschte ein weiteres Mal in die Hände und berührte die Steinhände, die sofort wieder in den Boden verschwanden.
,,Du bist also ein Alchemist?", fragte Kamui.
,,Ja, aber ich beherrsch nur die Grundlagen, pity, nicht? Wenn ich mehr könnte, wär ich schließlich nicht mehr auf der Straße. Naja..." Er wandte sich zum Loch und machte eine Handbewegung dahin, wobei er an Kamui gewandt sagte: ,,Ladies first!"
,,Hn.", machte Kamui, packte Xavier an den Haaren und schubste ihn in die Kanalisation, nur um sofort hinterher in die Dunkelheit zu springen.
,,Itai! Baka! Musste das sein!?! Meine armen Haare! Und mein ass! Outschie!", quengelte Xavier, der ziemlich unsanft am Boden gelandet war.
,,Hn, du hast doch Ladies first gesagt. Mit deinen langen Haaren könntest du glatt als Mädchen durchgehen. Und was heißt "Itai" und "Baka"?"
,,Tssss, was kann ich ´n dafür, dass ich mir keinen Friseur leisten Kann. "Itai" heißt "Autsch", "Baka" heißt "Idiot"."
,,Hn."
,,Oi, jetzt sag mir mal endlich, was "Hn" heißen soll, K. Schließlich hab ich dir auch gerade zwei Übersetzungen geliefert." Kamui schritt los, während Xavier ihm folgte. ,,Oi! Hörst du mir überhaupt zu, K? Hallooooo, ich rede mit dir!"
,,Hn. Hältst du auch mal irgendwann den Mund?", fragte Kamui genervt, während in der Ferne die Explosionen der hinabstürzenden Meteoriten zu hören waren.
,,Nope.", antwortete Xavier grinsend, was Kamui allerdings in der Dunkelheit nicht erkennen konnte. ,,Also, wo ist euer Zuhause, K?"
,,Von hier aus drei Blöcke in nördlicher Richtung entfernt, glaube ich.", entgegnete Kamui.
,,Hmmmmmmmmmmmmmmm...", machte Xavier übertrieben nachdenklich und drehte sich einmal im Kreis. ,,Da lang!" Er stürmte los, Kamui dicht hinter ihm auf den Fersen, nur um gegen Xavier zu krachen, der stehen geblieben war.
,,Was ist los?"
,,Da ist was...", flüsterte Xavier, die Augen zu Schlitzen verengt.
,,Hmm? Was denn? Ich hör ga..." Doch Kamui stoppte abrupt, als er leise Schlurfgeräusche in der Ferne hörte.
,,Sieht aus, als gäbe es nicht nur ein gratis Feuerwerk hier.", meinte Xavier, sah sich im Dunkeln mit stark zugekniffenen Augen um und erspähte ein Eisenohr, das an einer Wand hing. ,,Perrrfekt!" Er klatschte in die Hände und berührte das Rohr, das sofort zu einem Schwert. ,,Fang!" Er warf das Schwert Kamui zu.
,,Hä?!?", machte Kamui verwirrt.
,,Nun, ich bin nicht so gut mit Waffen, also ist das hier für dich.", erklärte Xavier. ,,Du brauchst schließlich was zur Verteidigung ne?" Beide Jungen lauschten und konnten deutlich hören, wie die Schlurflaute lauter wurden. ,,Gleich... Noch ein kleines bisschen..." Eine Ratte lief ängstlich um eine Ecke und an ihnen vorbei. ,,HOWABUNGA!!!!!", brüllte Xavier und stürmte zusammen mit Kamui um die Ecke.
,,Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiik!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!", kreischte ein Mädchen mit langen Haaren, das sie zu zwei Zöpfen gepflochten hatte, und hielt ihren Teddybär schützend vor sich im Angesicht der beiden Jungen, die sich auf sie stürzten.
,,Wtf?!?", rief Xavier und starrte das Mädchen mit tellergroßen Augen an, als wäre sie eine Erscheinung.
,,Geht weg! Geht weg!! GEHT WEG!!!", brüllte das Mädchen ängstlich und schlug mit ihren Teddy um sich.
,,Hey, nun beruhig dich doch, Chick!", rief Xavier und ging einen Schritt auf sie zu, nur um vom Teddy getroffen zu werden. ,,Uff!", keuchte Xavier und kippte zu Boden. ,,Hey! What the...?!? How come, dass dieses Plüschteil Lil´Old Me einfach so zu Boden werfen kann?!?"
,,GEHT WEEEEEEEEEEEEEEEG!!!!!!!!!!!!!", kreischte das Mädchen nun aus voller Kehle.
,,Teresa?", fragte Kamui sachte.
,,GE...Hä?!?", machte das Mädchen verdutzt bei ihrem Namen und hielt inne.
,,Du bist doch Teresa Tatlin, die bei uns in der Nachbarschaft wohnt und jetzt schon mehrere Monate krank ist, oder?", fragte Kamui.
,,J... Ja.", stammelte Teresa Tatlin und sah sich die beiden Jungen nun genauer an. ,,Und du bist dieses Monster!!!", rief sie erschrocken, als sie Kamui erkannte.
,,Whoa! Whoa! Time Out! Monster?!?", fragte Xavier verdutzt und stand wieder vom Boden auf.
,,Wie oft denn noch, ich bin kein Monster!", fauchte Kamui.
,,Doch, bist du!", erwiderte Teresa stur. ,,Alle Kinder erzählen über dich. Du bist böse."
,,Wow, Pal, hast du aber Reputation hier!", sagte Kamui grinsend und schwang einen Arm um Kamuis Schulter, den Kamui grob zur Seite schlug. ,,Aber was hat er denn so Schreckliches getan, he?"
,,Er verprügelt jeden, der ihm zu nahe kommt.", antwortete das Mädchen.
,,Hmm... Ich seh aber noch ziemlich heil aus.", meinte Xavier schulterzuckend.
,,Aber das ist nicht das Schlimmste...", fuhr Teresa unbeirrt fort, so als hätte Xavier sie nie unterbrochen. ,,Er hat dann immer böse Augen, Augen des Teufels, rote Augen!"
,,Hihihihihi... Das Spiel kann beginnen!", gackerte die Frau in dem pechschwarzen Raum boshaft und sah mit ihren leuchtend roten Augen zu dem Sofa in der Nähe, auf dem nun niemand mehr lag.

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