Es war am nächsten Morgen in Roy Mustangs Büro. ,,So, ihr habt euch also dazu entschlossen, am Examen teilzunehmen?", fragte Roy, über mehrere Dokumente auf seinem Schreibtisch gebeugt, Leon und Fayt, die ihm gegenüber auf unbequemen Holzstühlen saßen. ,,Natürlich.", antwortete Leon schlicht. ,,Soll ich mir dabei auch noch gleich meinen Pferdeschwanz zu einem Zopf flechten?" Roy lächelte. ,,In Ordnung.", sagte er und legte ein Dokument zur Seite, auf dem Akte Maxwell Tucker stand. ,,Ihr werdet am für euch beiden besten Ort studieren, den es gibt." Leon nahm das Dokument entgegen, schlug die erste Seite auf. ,,Maxwell Tucker, der Lebenssäheralchemist?", las er verwundert. ,,Ja, Maxwell Tucker.", sagte Roy nickend. ,,Er ist der erfahrendste Alchemist in Sachen Bio-Alchemie. Leon und Fayt erschracken. Maxwell Tucker: Ein Experte in Bio-Alchemie, der Kunst, mit Hilfe von Alchemie neues Leben zu erschaffen... Konnte er den beiden Brüdern vielleicht helfen, ihre alten Körper zurückzuerlangen?
Wenig später saßen Leon und Fayt zusammen mit Roy in einem komfortablen Auto, das sie in Richtung Maxwell Tuckers Haus brachte. ,,Vor zwei Jahren gelang es Herrn Tucker eine Chimära zu erschaffen, die unsere Sprache spricht, und erhielt dadurch den Titel eines Nationalen Alchemisten.", erzählte Roy den beiden Jungen, wieder in Tuckers Akte vertieft. ,,Eine Chimära, die unsere Sprache spricht?!?", rief Leon mit großen Augen. ,,Das Tier war aus mehreren anderen Tieren von verschiedenen genetischen Strukturen zusammengesetzt.", fuhr Roy fort. ,,Ja, das Tier sprach unsere Sprache und konnte sie auch noch verstehen, und somit auf Fragen antworten." ,,Beeindruckend...", röchelte Leon, vollkommen baff. ,,Ja.", stimmte Fayt zu. ,,Herr Tucker hat ebenfalls eine kleine Tochter, die bald vier Jahre alt wird.", sagte Roy. ,,Und seine Frau?", fragte Fayt. Doch Roy antwortete nicht, sondern parkte vor der Einfahrt einer gigantisch großen Villa. ,,Hier lang.", sagte er und schritt auf das Tor zum Hof der Villa zu. ,,D-Das... Das ist ja riesig!", rief Leon ungläubig. Fayt, der keine Worte mehr herausbrachte, nickte nur, während Roy eine Glocke an der Haustür läutete. ,,Was macht ihr denn da noch? Beeilt euch!", fuhr er die beiden Jungen an, die immer noch vor dem Tor standen. ,,Ja...!", riefen Leon und Fayt wie aus einem Munde und rannten los. Doch Leon stoppte auf einmal und starrte auf einen Busch in der Nähe, der auf einmal verdächtig raschelte. Ein lautes Heulen erklang daraus, und im nächsten Moment wurde Leon von einem Riesen von Hund, der aus dem Gebüsch sprang, geplättet. ,,Großer Bruder?", fragte Fayt unsicher mit Blick auf seinen Bruder, der von dem Hund, eine Mischung aus Husky und Bernhardiner, begraben war. ,,Hmm... Ich schätze, die Villa ist nicht das einzig riesige hier." Die Tür zur Villa ging auf und ein kleines Mädchen mit zwei Zöpfen, die ihr fast bis zum Boden hingen, trat mit ihrem Vater, einem Mann in den Dreißigern mit Hornbrille, hinaus in den Garten. ,,Pfui! Aus, Alexander!", fuhr das Mädchen schmollend den riesigen Hund namens Alexander an. ,,Tut mir Leid. Tut mir wirklich sehr Leid.", entschuldigte sich der Mann mit der Brille und einem Drei-Tage-Bart bei Leon und hievte Alexander von Leon hinunter. ,,Sind Sie... Herr Tucker?", fragte Leon den Mann, der nickte.
Maxwell Tucker ging wieder zurück ins Haus mit seiner Tochter, gefolgt von Roy, Leon und Fayt, der die Tür schnell wieder hinter sich schloss, damit Alexander nicht ins Haus gelangte und Leon noch einmal plätten konnte. Im Haus selbst sah es furchtbar unordentlich aus: Überall lagen Kleidung und Bücher verstreut, schmutzige Teller säumten die Möbel und es roch eindeutig leicht vergammelt. ,,Das tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich Tucker für die Unordnung und hob peinlich berührt ein paar der Bücher vom Boden auf. ,,Uns fehlt die Frau hier im Haus, deswegen ist es auch so unordentlich hier." Tuckers Tochter hing sich derweil an eine der mülleimergroßen Hände von Fayt und sagte staunend: ,,Hey, du, deine Kleidung ist echt komisch. Ist das denn nicht zu schwer?" ,,Ist schon in Ordnung, ich bin nämlich richtig stark.", antwortete Fayt belustigt und sah dann zu Tucker, der ihn mit offenem Mund anstarrte. ,,Sie werden natürlich eine Entlohnung dafür bekommen, dass Sie die beiden aufnehmen.", sagte Roy nun geschäftsmäßig zu Tucker, der zusammenzuckte und zu Roy sah. Dann wandte er sich an seine Tochter und sagte: ,,Nina, geh jetzt bitte draußen spielen." ,,Was?", fragte Nina, die richtig begeistert von Fayt zu sein schien. ,,Alexander fühlt sich bestimmt schon einsam.", sagte Tucker. Nina sah kurz traurig drein, wandte sich dann aber lachend zu Fayt und sagte: ,,Wir sehen uns später!" Dann rannte sie hopsend in den Garten zu Alexander hinaus. ,,So, ihr wollt also schon in diesem zarten Alter Nationale Alchemisten werden.", sagte Tucker beeindruckt zu den Elric-Brüdern. ,,Nun, wenn es etwas gibt, was ich tun kann, fühlt euch frei zu fragen." ,,Dann würde ich gern die Chimära sehen, die Sie mutiert haben.", bat Leon. ,,Ich auch.", sagte Fayt zustimmend. Tuckers Mund öffnete sich mit einem Mal, und seine Augen weiteten sich vor Schreck, was die anderen im Raum Anwesenden jedoch nicht mitbekamen, da er sich bereits nach einer Sekunde wieder gefasst hatte. ,,Nun, dieses Wesen ist kurze Zeit, nachdem ich es mutiert hatte, gestorben.", antwortete er schließlich, zu Boden schauend. Leon und Fayt sahen enttäuscht drein. ,,Wie dem auch sei, das Wichtigste ist erst einmal, dass ihr das Examen besteht.", sagte Tucker gutgelaunt. ,,Und dafür müsst ihr jeden Tag hart arbeiten, wenn ihr überhaupt eine Chance haben wollt.
Er führte sie in den hinteren Teil der riesigen Villa in einen äußerst großen Raum mit unzähligen Regalen, die vollgestopft waren mit Büchern über Alchemie. Die beiden Jungen staunten nicht schlecht bei den schier unendlich vielen Büchern. ,,Das ist die Bibliothek.", erklärte Tucker, während Leon mit Mühe seinen Mund wieder schloss. ,,Ich hoffe, ihr werdet sie nützlich finden." ,,Das ist unglaublich, großer Bruder!", rief Fayt, und Leon stürmte auf ein Bücherregal zu. ,,So viele Bücher auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen!" ,,Das hier ist nichts im Vergleich zur Nationalen Central-Bibliothek.", meinte Tucker. ,,Wenn ihr das Examen besteht, erhaltet ihr Zugang zu dieser Bibliothek und damit zu zehn mal... nein, sogar hundert mal mehr Büchern als hier." ,,Wirklich?", rief Fayt beeindruckt. ,,Großer Bruder lass uns anfangen und..." Doch er brach ab, als er sah, dass Leon bereits vollkommen in eines der Bücher vertieft war. ,,Oh, sieht aus, als hätte er schon angefangen...", sagte Fayt belustigt.
Nach einem langen Tag in der Bibliothek und mehreren Wälzern später brach der Abend hinein, und die Bewohner des Hauses kamen im Esszimmer zum Abendessen zusammen. ,,Und, Leon, kommst du gut voran?", fragte Tucker Leon während des Essens. ,,Ja, schon, aber es gibt wirklich eine Menge Sachen, die ich noch nicht wusste.", antwortete Leon, an einem Stück Steak kauend. ,,Selbst ein Erwachsener mit spezieller Ausbildung wird das Examen schwer finden.", sagte Tucker und schob sich seine Brille zurecht. ,,Aber du bist ja noch jung, du musst nicht am diesjährigen Examen teilnehmen." ,,Nein.", widersprach Leon bestimmt. Tucker sah ihn verdutzt an. ,,Ich werde tun, was ich kann, selbst wenn meine Chancen, dass ich das Examen bestehe, gering sind, wenn ich dadurch weiterkommen kann.", erklärte Leon, und in diesem Moment schrie Nina laut auf, was die anderen dazu brachte, zu ihr zu schauen. ,,Onkel Fayt hat ja noch gar nichts gegessen!", rief Nina mit Blick auf Fayts Teller, der noch vollkommen unberührt war. ,,Ähm...", machte Fayt. ,,Du musst was essen!", sagte Nina entschieden, nahm ein Stück Brot aus dem kleinen Körbchen in der Mitte des Tisches und hielt es Fayt hin. ,,Ähm...", begann Fayt erneut, da er nicht wusste, was er sagen sollte; die Kleine dachte schließlich, da wäre ein Mensch in der Rüstung drin. Fayt sah hilfesuchend zu Leon, der nur mit den Schultern zuckte. Seufzend nahm Fayt das Brot entgegen, bedankte sich, klappte den Kopf zurück und warf das Brot in die Rüstung. ,,Schön kauen!", rief Nina fröhlich. ,,Mmmmm! Ist das lecker!", log Fayt verlegen. ,,Und jetzt das Steak!", rief Nina. Fayt ließ einen noch tieferen Seufzer los.
Nachts lagen beide Brüder in ihrem Zimmer noch lange wach; Leon füllte gerade mal die Hälfte des Bettes aufgrund seiner geringen Größe aus, während Fayt so groß war, dass seine Füße ein Meter aus dem Bett ragten. ,,Kannst du nicht schlafen?", fragte Fayt. ,,Nun, mein Kopf ist voll mit den Dingen, die ich heute gelernt habe.", antwortete Leon. ,,Verstehe...", sagte Fayt. ,,Großer Bruder?" ,,Hmm?", machte Leon. ,,Ich glaube, dass du das Examen bestehen kannst.", sagte Fayt zuversichtlich. ,,Also schlaf jetzt und denk nicht zu viel darüber nach; es ist bereits Mitternacht." ,,Sicher...", murmelte Leon nur und tat so, als würde er schlafen.
So vergingen die Monate im Hause der Tuckers... Leon und Fayt arbeiteten, spielten mit Nina und Alexander, vergaßen oft beim Arbeiten zu essen, und lagen nachts noch lange wach...
Es war nun schon mehrere Monate später, als Leon wie gewohnt in der Bibliothek Tuckers saß und vollkommen in ein Buch der Alchemie vertieft war. Erst die Wanduhr, die mit lautem Geläute verkündete, dass es drei Uhr nachmittags war, ließ ihn hochschrecken. ,,Verdammt, schon so spät?", sagte er, verwundert, wie schnell die Zeit vergangen war. Er sah sich im Raum um, doch niemand war da. ,,Fayt, wo bist du?", rief Leon. Vom Garten her war das laute Bellen Alexanders zu hören. ,,Ob sie draußen sind?", wunderte sich Leon und ging in Richtung Garten. ,,Hoffe mal, der Köter verwechselt mich nicht schon wieder mit ´nem Hydranten...", murmelte er leicht besorgt und trat in den Garten hinaus. ,,Fayt?", rief er und erstarrte, als er den Garten erblickte, der vollkommen in Weiß getaucht war: Schnee war den ganzen Tag über aufs Land gefallen, und fiel sogar immer noch massig. Und inmitten des schneebedeckten Gartens saßen Fayt und Nina, die zusammen einen Schneemann bauten, alles unter genauer Beobachtung von Alexander. ,,Großer Bruder!", rief Fayt fröhlich, als er Leon erblickte. ,,Kleiner Onkel Leon, guck mal, der viele Schnee!", rief Nina mit strahlenden Augen. Mit lautem Kampfgebrüll stürmte Leon auf die beiden zu, und im nächsten Moment begann eine erbitterte Schneeballschlacht, bei der Alexander ein ums andere Mal als Schutzschild missbraucht wurde.
Müde und völlig außer Atem ließen sich die drei Kinder schließlich in den Schnee fallen und ruderten mit den Armen und Beinen, um Schneeengel zu formen; Nina giggelte laut, weil Alexander ihr das schweißnasse Gesicht abschleckte. ,,Ich hoffe, ihr könnt hier bleiben, selbst wenn das Examen vorbei ist.", sagte Nina auf einmal, nun etwas traurig. Leon und Fayt sahen sie mitleidig an. ,,Oh!", rief Leon auf einmal, sprang auf und begann mit einem Stock ein Zeichen in den Schnee zu machen. ,,Was malst du da, Onkel Leon?", fragte Nina neugierig. ,,Das nennt man einen Mutations-Zirkel.", erklärte Leon und legte den Stock nach getaner Arbeit zur Seite. ,,Das ist ein Glücksbringer, der deine Wünsche wahr werden lässt." Er klatschte einmal in die Hände und legte sie auf den gezeichneten Zirkel auf, der sogleich zu leuchten begann. ,,Oooooh!", schrie Nina begeistert auf, als der Schnee sich zu wunderschönen Blumen verformte. ,,Schööööön!"
Hughes, der Mann vom Militär, den Leon damals im Zug nach Central City kennen gelernt hatte, kam wenige Minuten später in den Garten, als Leon die Blumen zu einem Kranz verarbeitete und ihn auf Ninas Kopf legte. ,,Arbeitest du auch schön hart?", fragte Hughes, was Leon und Fayt verdutzt hrumwirbeln ließ. ,,Major Hughes!", rief Leon, als er Hughes erblickte. ,,Hey, Kiddies!", begrüßte Hughes die Drei. ,,Ich bin hier, um dich abzuholen, Leon. Heute ist doch dein Geburtstag, oder?" ,,Oh, stimmt ja!", rief Fayt, erschrocken, dass er Leons Geburtstag vergessen hatte; Leon war nicht minder erstaunt: Bei all der harten Arbeit hatten sie völlig die Zeit vergessen. ,,Woher wissen Sie das denn?", fragte Leon. ,,Nun, ich arbeite in der Untersuchungsabteilung, selbst wenn ich nicht so aussehe.", antwortete Hughes. ,,Also, auf zu mir nach Hause. Meine Frau wartet schon." Nina sah trübselig zu Boden. ,,Und die kleine Lady hier kommt auch mit.", fügte Hughes lächelnd hinzu. Nina strahlte vor Freude. ,,Je mehr Leute, desto spaßiger wird die Fete!"
,,Willkommen! Schön, dass ihr hier seid.", wurden sie zwei Stunden später in Hughes Haus von einer äußerst hübschen Frau mit äußerst dickem Bauch begrüßt. ,Das ist meine Frau, Glacier.", stellte Hughes seine Frau Glacier Hughes vor. ,,Mann, ist das ´n dicker Bauch!", rief Leon mit riesengroßen Augen, als er Glaciers Bauch erblickte. ,,Nun ja...", lachte Glacier vergnügt. ,,Sie bekommen ein Baby?", fragte Fayt. ,,Schon sehr bald.", antwortete Glacier, während Hughes vor Stolz lachte. ,,Sie bewegt sich scho richtig viel in mir rum und will langsam endlich mal nach draußen." ,,Wirklich?", fragte Leon und starrte nur weiter zusammen mit Fayt und Nina ihren Bauch an. ,,Wollt ihr mal anfassen?", fragte Glacier. ,,Waaaah!", kreischten Leon und Fayt und sprangen schnell zurück, vehement die Köpfe schüttelnd. ,,Ich will mal!", rief Nina und fasste mit beiden Händen Glaciers Bauch. ,,Es hat sich bewegt! Es hat sich bewegt!", rief Nina auf einmal.
Der Rest des Tages war ganz und allein Leon gewidmet, der von Glacier und Hughes Geschenke bekam, einen Kuchen mit zwölf Kerzen ausbließ, und schließlich gab es richtig leckeres Essen.
Langsam wurde es spät. Schläfrig saßen Leon, Fayt, Nina und Hughes am Tisch, ihre Bäuche bis zum Rand gefühlt, als Glacier mit dem Tee zurück aus der Küche ins Wohnzimmer kam. ,,Möchte jemand noch eine schöne heiße Tasse Tee?", fragte sie gutgelaunt. ,,Danke.", sagte Hughes zu seiner Frau und räumte ein paar Sachen vom Tisch, um Platz für die Teekanne zu machen. ,,Argh!", stöhnte Glacier auf einmal auf und sank zu Boden. ,,Glacier!", schrie Hughes erschrocken, sprang von seinem Stuhl auf und eilte zu ihr. ,,Liebling... es kommt...", keuchte Glacier. ,,Was kommt? Der Tee?", fragte Hughes verwirrt. ,,Das Baby, du Dummkopf!", schrie Glacier. Hughes sank der Mund vor Schreck fast bis zum Boden. ,,W-Was?!?", kreischte er. ,,Aber sie sollte doch erst in zwei Wochen kommen!" ,,Tja, aber wie du siehst, hat sie andere Pläne und will JETZT raus!", brüllte Glacier weiter. ,,Ein Arzt... Wir brauchen einen Arzt!", schrie Hughes und sprang auf. Fayt, der die ganze Zeit nur mit Nina und Leon die beiden Erwachsenen wie belämmert angesehen hatte, sah nun zu Fenster auf und schrie entsetzt auf. ,,Ein Schneesturm!", schrie er auf. Und wirklich: Draußen fiel der Schnee so heftig, dass man nicht mal mehr einen Meter weit sehen konnte. ,,Dann bring ich den Arzt hierhin!", rief Hughes und stürmte aus dem Haus. ,,W-Warten Sie!", brüllte Leon entsetzt, doch Hughes war bereits verschwunden. ,,Tut... Tut mir wirklich Leid, ihr Drei...", entschuldigte sich Glacier vom Boden her.
Kurzerhand wurde Glacier von Fayt auf die Couch verfrachtet, während Leon - auf Anweisung Glaciers - in die Küche stürmte und einen Bottich mit heißem Wasser füllte. Sofort stürmte er mit dem Bottich zurück und rief mit viel zu hoher Stimme: ,,Glacier, ich hab das heiße Wasser gebracht!" ,,Danke. Stell es bitte auf den Boden.", wies Glacier ihn an. ,,Können wir sonst noch etwas tun?", fragte Fayt angespannt, während Leon den Bottich in der Nähe der Couch abstellte. ,,Ja, wir brauchen ganz viele Handtücher.", erklärte Glacier. ,,Handtücher?", wiederholte Fayt. ,,Verstanden!" Er wollte gerade aus dem Zimmer düsen, als erneut eine Wehe einsetzte und Glacier laut aufschrie. Leon und Fayt sahen sich besorgt an.
Eine Stunde später hatte sich der Schneesturm sogar noch verschlechtert, und von einem Arzt oder Hughes war immer noch keine Spur. ,,Die kommen nicht rechtzeitig...", sagte Fayt besorgt. ,,Ja, der Schneesturm wird immer schlimmer.", sagte Leon zustimmend, während Nina Glacier mit einem Waschlappen übers Gesicht fuhr, den sie vorher in den Bottich getaucht hatte. ,,AAAAAAAAH!!!", kreischte Glacier auf einmal auf, was Nina zurückstolpern und zu Boden knallen ließ. ,,ICH HALT DAS NICHT MEHR AUS!!! ICH STERBE!!!" Leon, Fayt und Nina schrien entsetzt auf. ,,Großer Bruder, tu was! Glacier stirbt!", begann Fayt hysterisch zu brüllen und im Zimmer herumzurennen. ,,Das kann nicht sein!", rief Leon zitternd. Glacier machte noch ein paar Atemzüge, stieß einen letzten Schmerzensschrei aus und sackte dann reglos zusammen. Nina kreischte so laut auf, dass Leon einen Tinitus bekam, und begann haltlos zu weinen. ,,Ist sie tot?!?", kreischte Fayt entsetzt. ,,Idiot! Sie ist nur ohnmächtig!", brüllte Leon, nicht minder verzweifelt wie die anderen beiden. ,,Aber in der Alchemie braucht man doch etwas von sehr großem Wert, um Leben zu schaffen!", flennte Fayt nun. ,,Eine Geburt hat absolut nichts mit Alchemie zu tun!", bellte Leon. Glacier begann erneut zu stöhnen, und Sekunden später zu schreien. ,,Oh, Gott sei Dank, sie lebt!", rief Fayt erleichtert und beugte sich zu ihr hinab. ,,Sind Sie in Ordnung, Glacier?" ,,Verdammt!", fluchte Leon und ballte seine Hände zu Fäusten. ,,Ich kann einfach nichts machen..." ,,Onkel Leon, das Wasser ist kalt.", sagte Nina vom Boden her, eine Hand im Bottich voll Wasser. ,,Verstehe.", sagte Leon, beugte sich hinab und packte den Bottich mit beiden Händen, um ihn zurück zur Küche zu bringen und heißes Wasser einzufüllen. Es gab einen Lichtblitz, und im nächsten Moment war das Wasser kochend heiß. Leon schrie erschrocken auf. ,,Großer Bruder! Was hast du da gemacht?!?", rief Fayt verdattert. ,,N...Nichts?", schlug Leon vor. ,,Was meinst du mit "nichts"?!?", rief Fayt. ,,Wo ist der Mutations-Zirkel, mit dem du das Wasser erhitzt hast?!?" ,,Weiß ich doch nicht!", antwortete Leon. ,,AAAAAAH!!! ES KOMMT!!! ES KOMMT!!!", brüllte Gacier im selben Moment, was Leon, Fayt und Nina entsetzt aufspringen und zur Wand zurückweichen ließ. ,,AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH
HHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!", brüllte Glacier. ,,Was machen wir jetzt?!?", schrien die drei Kinder panisch. ,,Wo bleibt bloß der verdammte Arzt?!?", schrie Leon.
Drei Stunden später erblickte neues Leben schreiend die Welt: Die Tochter von Hughes und Glacier, die das Kind glücklich in ihren Händen hielt. ,,Gut gemacht! Gut gemacht, Glacier!", rief Hughes, während ihm die Tränen in Sturzbächen hinabrannen und sich der Arzt, der das Baby in die Welt geholt hatte, sich zufrieden die Hände wusch. ,,Ich danke euch Dreien.", bedankte sich Glacier bei Leon, Fayt und Nina, die wie gebannt das kleine Baby in ihren Armen anstarrten. ,,Wir... haben doch nichts gemacht...", entgegnete Leon verlegen. ,,Nein, nein...", widersprach Glacier lächelnd. ,,Ihr seid bei mir geblieben."
Wieder zurück in Tuckers Villa, brachte Hughes die bereits eingenickte Nina ins Haus, damit Tucker sie ins Bett bringen konnte, verabschiedete sich von Leon und Fayt, und fuhr dann wieder zurück nach Hause zu seiner Familie.
Wieder einmal lagen die beiden Elric-Brüdern wach in ihren Betten. ,,Obwohl wir Alchemisten sind, konnten wir nichts machen.", sagte Leon. ,,Ja.", stimmte Fayt zu, der schon die ganze Fahrt nach Hause über merkwürdig ruhig gewesen war. ,,Mütter sind schon was Erstaunliches.", meinte Leon belustigt. ,,Sie vollbringen etwas, was selbst Alchemisten nicht hinkriegen können... selbst nach mehreren hundert Jahren nicht. ,,Unsere Mutter...", begann Fayt auf einmal. ,,Fayt?", fragte Leon und richtete sich auf. ,,Als ich auf die Welt kam, was ich da auch so warm und weich?", fragte Fayt. ,,Natürlich warst du das.", antwortete Leon. ,,Verstehe...", sagte Fayt und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Leon sah eine Weile verdutzt zu ihm hin und wunderte sich, was los war. Dann allerdings hörte er Fayts Schluchzer und entschied sich, so zu tun, als wenn er schlafen würde.
Die beiden Jungen studierten härter und länger...
Drei Monate später im Frühling...
Eines Abends, während die beiden über ihren Aufzeichnungen in ihrem Zimmer saßen, erinnerte sich Fayt vergnügt wieder zurück an den Abend, als Hughes´ Tochter zur Welt gekommen war, und dabei fiel ihm auch wieder ein, welch seltsamer Vorfall sich gleichzeitig ereignet hatte. ,,Mir ist gerade eingefallen...", begann er. ,,Du hast das Wasser damals erhitzt ohne einen Mutations-Zirkel zu zeichnen, richtig?" Leon sah ihn kurze Zeit verwundert an, da er nicht verstand, was Fayt meinte, dann, als er sich jedoch wieder erinnerte, sagte er: ,,Nun, wir waren schließlich in einer ziemlich bizarren Situation, wenn du mich fragst." ,,Aber trotzdem, du bist unglaublich, großer Bruder.", himmelte Fayt ihn an. ,,Ich muss mich wirklich hart anstrengen, wenn ich so gut wie du werden will." ,,Ähm... In Ordnung...", sagte Leon verlegen.
Einen Monat später, am Abend vor dem Examen...
Nach dem Abendessen war Nina mit Alexander vor dem Kamin des Wohnzimmers, in dem ein wohliger Feuer prasselte, eingeschlafen. ,,Das Examen besteht jedes Jahr aus einer theoretischen Prüfung, einem Interview und dem praktischen Teil, und zwar in der Ordnung.", erzählte Tucker den beiden jungen Alchemisten. ,,Ich bin mir nicht sicher, wieviele genau am Examen teilnehmen werden, aber nur ein oder zwei kommen pro Jahr durch." ,,So wenig?, fragte Leon, ein wenig beunruhigt. ,,Ja.", sagte Tucker nickend. ,,Ähm, was müssen wir denn bei dem Interview machen?", fragte Fayt interessiert. ,,Bei meinem Fall haben sie mir damals nur Fragen gestellt.", antwortete Tucker. ,,Aber manchmal führen sie auch Gesundheitsuntersuchungen bei bestimmten Personen durch." ,,Was?", rief Fayt erschrocken. ,,Gesundheitsuntersuchungen...?" Er besah sich seinen Körper, ein einziger Berg aus Metall... Wie sollten die Prüfer nur bei ihm feststellen können, ob er gesund ist oder nicht?!? ,,Und bei dem praktischen Teil muss die eine Hälfte der Teilnehmer ein Experiment durchführen, so wie ich, während die andere Hälfte auf einem großen Areal etwas mutieren muss.", sprach Tucker weiter.
Nachdem sie in ihrem Zimmer waren, saßen sich die beiden Brüder besorgt auf ihre Betten. ,,Also... was sollen wir tun? Ein Experiment oder etwas mutieren?", fragte Leon ratlos. ,,Und was ist, wenn sie bei mir eine Gesundheitsuntersuchung durchführen wollen?", fragte Fayt verzweifelt. ,,Sie werden herausfinden, dass nichts in meiner Rüstung ist." Leon sah ihn kurz mitleidig an, dann sagte er jedoch aufmunternd: ,,Mach dir keine Sorgen, Brüderchen. Lieutenant Oberst Mustang wird sich deswegen schon was einfallen lassen." ,,Das hoffe ich doch...", sagte Fayt voll Unbehagen und ließ sich auf sein Bett niederfallen.
Das Examen fand früh morgens um acht Uhr in einem Raum im gigantischen marmornen Stützpunkt des Militärs statt. Hunderte von Sitzreihen reihten sich hinauf in die Höhe, und unten am Ende des Raumes saßen die drei höchsten Mitglieder des Militärs: General Peaccraft, ein älterer, großgewachsener Mann mit Bart und Augenklappe, und ein glatzköpfiger Mann mit Bart. Zur Linken von den Dreien stand Roy, zur Rechten ein anderes Militärmitglied. Eine schier unglaubliche Anzahl von Alchemisten hatte sich in den Sitzreihen versammelt, unter ihnen auch die äußerst angespannten Leon und Fayt. ,,Hiermit beginnen wir das Examen.", sprach der Mann mit der Augenklappe, nachdem es ruhig geworden war. ,,Fangt an!", befahl Roy. Die Teilnehmer drehten die ihnen auf den Tisch hingelegten Prüfungsblätter um und begannen zu schreiben.
Um zehn Uhr erreichte Nina zusammen mit Alexander den Militärstützpunkt und wartete auf Leon und Fayt.
Gegen Mittag kamen die ersten Teilnehmer aus dem Gebäude, ihre Gesichter steinern.
Leon und Fayt gehörten zu den Letzten, die das Gebäude verließen; beide sahen vollkommen fertig aus. ,,Und?", fragte Nina neugierig. ,,Ich bin bis zur letzten Frage gekommen, dann war die Zeit um...", stöhnte Leon. ,,Ich hab alle Fragen beantwortet...", röchelte Fayt. ,,Aber nachdem sie die Prüfungen ausgewertet haben, folgt das Interview." Die beiden ließen sich geknickt zu Boden fallen und warteten darauf, dass sie wieder zurück is Gebäude zum Interview gerufen wurden.
Mit gerunzelter Stirn ließ Roy in seinem Büro die Ergebnisse der Prüfungen auf seinen Schreibtisch fallen. ,,Ich hätte nicht gedacht, dass der jüngere Bruder die Prüfung ebenfalls besteht...", sagte er gedankenversunken. ,,Ist das ein Problem?", fragte Hawkeye. Roy seufzte.
Draußen spielte Nina derweil vergnügt mit Alexande Fangen, während Leon und Fayt weiterhin Trübsal bliesen. ,,Ein Interview, huh?", murmelte Fayt. Leon schaute verdutzt drein, als er Roy erblickte, der aus dem Geäude kam und auf sie zu schritt.
,,Was?!? Dem stimme ich nicht zu!", protestierte Fayt wenig später, nachdem Roy die beiden Brüder in eine verlassene Ecke geführt hatte. ,,Warum?!? Warum soll ich an dem Interview nicht teilnehmen?!?" ,,Wenn du deine Vergangenheit verbergen und weiter fortschreiten willst, gibt es keinen anderen Weg.", erklärte Roy. ,,Aber ich muss auch ein Natio...!", begann Fayt hitzig. ,,Lass gut sein, Fayt.", unterbrach Leon ihn. ,,Was?", fragte Fayt verdutzt. ,,Winrys Oma hat doch gesagt, dass Nationale Alchemisten in den Krieg geschickt werden, sollte einer ausbrechen, oder?", sagte Leon. ,,Und sie müssen Menschen mit Hilfe der Alchemie umbringen, die doch eigentlich dafür da ist, zum Wohle der Menschen genutzt zu werden. Wenn du bestehst, bedeutet das, dass du zu einem Militärhund wirst." ,,Aber...!", begann Fayt. ,,Nur mir sollte die Schande zuteil werden, ein Nationaler Alchemist zu werden.", unterbrach Leon ihn mit festem Blick. ,,Ich werde auf jeden Fall einer und werde dafür sorgen, dass dein Wunsch wahr wird." ,,Großer Bruder...", murmelte Fayt und sah zu Boden.
Fayt trat vor eine riesige Tür, auf der Adam und Eva gezeichnet waren, um die sich eine Schlange schlängelte und in ihrem Maul einen Apfel hielt, den sie verführerisch Eva hinhielt. Er wollte die Tür gerade öffnen, als sie von selbst aufging, hinter ihr endlos erscheinende Dunkelheit. Doch er war kaum ein paar Schritte gegangen, als ein gleißendes Licht von der Decke auf einen einbeinigen goldenen Stuhl in der Mitte des Raumes fiel, der wie durch ein Wunder aufrecht stand, obwohl er eigentlich keine Balance hätte haben dürfen und am Boden liegen müsste. Die gleichen drei obersten Mitglieder saßen erneut an einem Tisch gegenüber des goldenen Stuhles, zu ihren Seiten erneut Roy und das andere Militärmitglied. ,,W-Warum fällt der Stuhl nicht um?", wunderte sich Leon laut. ,,Setz dich.", sagte der Mann mit der Augenklappe. ,,Wenn du ein wahrer Alchemist bist, wird dich der Stuhl nicht abweisen. Wenn du jedoch keiner bist..." Leon betrachtete zögerlich den Stuhl. ,,Alchemisten haben zu keiner Zeit Angst, Junge.", sprach der Mann weiter, als Leon keine Anstalten machte sich zu setzen. Leon atmete tief ein, trat vor und setzte sich auf den Stuhl. Nichts passierte: Der Stuhl warf ihn weder runter, noch verlor er seine Balance. ,,Sehr schön.", sagte der Mann mit der Augenklappe und lächelte ihm zu. ,,Als Erstes würde ich gerne den Grund dafür hören, warum du an diesem Examen teilnimmst." ,,Weil...", begann Leon, verstummte dann aber. ,,Weil...?", fragte der Mann nach. Leon dachte an Fayt, wie er als kleiner Junge fröhlich über die Felder gerannt war... dachte an Fayt, wie er deprimiert war, dass die Menschen Angst vor ihm hatten wegen seines derzeitigen Aussehens... ,,Weil ich es versprochen habe!", antwortete er. ,,Ich habe meinem einzigen Familienmitglied versprochen, dass ich ein Nationaler Alchemist werden würde!" Roy lächelte zufrieden.
Die Nacht brach herein. ,,Fayt...", sagte Leon von seinem Bett her. ,,Der Pfad, den wir gewählt haben, war doch der richtige, oder?" ,,Das weiss ich nicht.", antwortete Fayt und richtete sich wieder im Bett auf. ,,Aber es gibt eines, dessen ich mir vollkommen sicher bin: Ich will dich wieder berühren können, großer Bruder." Er seufzte. ,,Ist das nicht verrückt? Wir sind so nahe, aber das Gefühl, wenn ich dich berühre, und deine Wärme... ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich möchte wieder spühren können..."
Dann kam der Tag der praktischen Prüfung. Leon, Fayt und Nina gingen zusammen zum Stützpunkt des Militärs, doch vor dem Eingang blieben Fayt und Nina stehen. ,,Dann geh ich mal.", sagte Leon und wollte hineingehen. ,,Ähm... Onkel Leon...", begann Nina. ,,Hmm?", machte Leon und wandte sich zu ihr um. ,,Ähm...", machte Nina, kicherte verlegen und versteckte schnell etwas hinter ihrem Rücken. ,,Nina, gib es ihm.", sagte Fayt ermutigend. ,,J... Ja...", sagte Nina und reichte Leon ein zusammengerolltes Blatt Papier. Leon rollte es auf und stutzte: In der Mitte des Blattes war ein Mutations-Zirkel gezeichnet, um den Zirkel herum standen, Leon, Fayt, Nina und Alexander, allesamt fröhlich lachend. ,,Das ist ein Glücksbringer, der Wünsche wahr werden lässt.", erklärte Nina stolz. ,,Danke, Nina.", bedankte sich Leon, lächelte und betrat den Stützpunkt.
Ein riesiges Areal im Zentrum des riesigen Gartens des Stützpunktes: Sand, Berge aus massivem Stein und Eis, Bäume, und ein kleiner Bach waren hier angesiedelt und warteten nur zusammen mit den drei obersten Mitgliedern des Militärs, Roy und noch einem anderen Militärmitglied auf die zu Prüfenden. ,,Wir stellen Ihnen jetzt all die Materialien in diesem Bereich zur Verfügung.", erklärte der Mann mit der Augenklappe. ,,Mutieren Sie sie frei nach Ihren Wünschen." ,,Nach Ihren Wünschen...?", wiederholte Leon unsicher. ,,Was müssen wir denn genau machen, um zu bestehen?" Verzweiflung breitete sich in seinem ganzen Körper aus, während er darüber nachdachte, was er erschaffen könnte, um die Prüfer zu beeindrucken. Er war sogar so sehr konzentriert, dass er die Lichtblitze in der Nähe nicht bemerkte, und war deswegen um so erschrockener, als plötzlich ein riesiger Steinturm aus dem Boden gen Himmel schoss. Der Alchemist, der vor dem Turm stand und eben jenen aus dem Boden erschaffen hatte, lächelte zufrieden, knickte dann aber schweißnass ein und sank zu Boden. ,,Das war zwar beeindruckend, aber dafür, dass er sich nun völlig verausgabt hat, gibt es natürlich Minuspunkte.", sagte einer der Prüfer zum anderen. ,,Ich bin der Nächste!", rief ein besonders arrogant dreinschauender Alchemist, zeichnete einen Zirkel und fällte Bäume, die auf eben jenen Zirkel fielen. Er schöpfte Wasser aus dem Bach und begoss damit die Bäume. ,,Bäume und Wasser?", wunderte sich Leon, als es auch schon einen Lichtblitz gab.
,,Ob Onkel Leon es schaffen wird?", fragte Nina, die auf Fayts Schultern saß. ,,Er hat doch deinen Glücksbringer, Nina. Er wird es schaffen.", versicherte Fayt ihr. Im nächsten Moment sahen beide verdutzt auf, als ein gigantisch großer Ballon aus Papier in den Himmel hinaufstieg.
,,Wunderbar.", sagte einer der Prüfer lobend. ,,Er hat Papier und Wasserstoff aus den Bäumen und dem Wasser erschaffen?", staunte Leon. PENG!!! Der Ballon zerplatzte und driftete mit schnaller Geschwindigkeit gegen die Spitze des Steinturmes zu, wo er explodierte. ,,Das ist nicht gut!", rief Roy erschrocken. Die Spitze des Turmes brach ab und zersplitterte in mehrere spitze, totdbringende Teile, die genau auf den Alchemisten zurasten, der den Turm erschaffen hatte und immer noch zu erschöpft war, um zu flüchten. ,,Aufpassen!!!", brüllte Leon, spurtete los, klatschte wenige Meter vor dem Turm in die Hände und knallte sie auf den Boden. Es gab einen Lichtblitz, und das gesamte Gebiet rund um den Militärstützpunkt begann hellauf zu leuchten. Als das Licht ein bisschen weniger geworden war und die Umstehenden ihre Augen wieder öffneten, starrten sie alle beeindruckt zum Himmel hinauf. ,,Kein Mutations-Zirkel, was?", sagte Roy und lächelte zufrieden. ,,Ein kleines Kind als Nationaler Alchemist, was?" sagte der Mann mit der Augenklappe belustigt. ,,Das hat doch was." Er sah zu Leon, der genauso erstaunt war wie die anderen über das, was er soeben erschaffen hatte.
,,Ist das schöööööööön!", rief Nina und sah zum Himmel hinab zu dem Kranz aus Kirschblüten, der im Himmel schwebte, und der aus dem Steinturm und den Überresten des Ballons entstanden war, und nun das ganze Gebiet unaufhörlich mit Kirschblütenblättern begoss.
Es war bereits Sonnenuntergang, als sich Leon mit den anderen Dreien auf den Rückweg nach Hause machte, seine Qualifikation als Nationaler Alchemist fest in den Händen haltend; Nina schlief tief und fest auf den Schultern von Fayt. ,,Fayt...", sagte Leon auf einmal. Fayt sah zu ihm. ,,Ich werde nicht mehr länger zögern.", sagte Leon. ,,Ab jetzt werde ich nur noch nach vorne schauen und voranschreiten. Und wenn ich doch mal stehenbleiben sollte... nun, darum kümmere ich mich, wenn es mal soweit kommen sollte." Er hielt seine Faust gen Himmel. ,,Eines Tages, Fayt, werde ich dir deinen alten Körper zurückgeben." ,,Ja.", sagte Fayt und nickte. ,,Und wenn dieser Tag kommt, wirst du deinen alten Körper ebenfalls zurückbekommen."
Und so schritten die beiden dahin: Leon Elric, elf Jahre alt, und Fayt Elric, zwölf Jahre alt.
Vorschau Kapitel 7: Nachts, wenn die Chimära weint...: ,,Nina... Tut mir Leid..."
