Donnerstag, 26. Juli 2007

Tales of Alchemy Kapitel 5: Entführung

Please rip apart those old memories with your hands
And stop sadness completely
Now pierce through my heart which is in love
I look up to the sky where tomorrow should arrive
Looks like I cannot use my heart well, for it's full of worries
A bird flew near me
I wonder if it was able to find light
Will you let me ride on your back?
Then leave me behind at the worlds highest place and keep me away from kindness
Please rip apart those old memories with your hands
And stop sadness completely
Now pierce through my heart which is in love
Der nächste Tag brach an, neblig und wolkenverhangen. Vollkommen müde und mit wunden Augen stieg Leon aus der Kutsche, gefolgt von Fayt, der in seiner Statuenform keinerlei Ermüdungserscheinungen hatte. Die Kutsche hatte die beiden Brüder zu einem Bahnhof gebracht, von dem aus die beiden den nächsten Zug nach Central City nehmen wollten, um sich dort mit Oberst Roy Mustang zu treffen. Während Fayt zu einem Tante Emma-Laden ging, um Leons Lieblingskekse zu kaufen, schlurfte Leon dauergähnend zu einem Telefon in der Nähe der Gleise, wo ein Zug stand, der jeden Moment losfahren würde. Leon wählte die Nummer, und sogleich erklang der Biep-Ton, den jedermann kennen müsste. Drei Minuten nervigen Wartens später erklang es aus dem Telefonhörer: ,,Entschuldigung, dass ich Sie warten ließ." Leon sprang erschrocken hoch. ,,S-Spricht da Lieutnant Oberst Roy Mustang?", fragte er aufgeregt. ,,Ich s-sind Leon Elric..." Lieutnant Oberst Roy Mustang, der tatsächlich am Hörer war, lachte vergnügt. ,,Sind?", wiederholte er belustigt. ,,Es gibt keinen Grund, so nervös zu sein, Junge." ,,J-Ja!", rief Leon mit zwei Oktaven höherer Stimme. ,,I-Ich rufe an, um Ihnen mitzuteilen, dass ich den Zug um 9 Uhr 25 nehmen werde, der nach Central City fährt."
,,Roger.", sagte Roy auf der anderen Seite der Leitung in seinem Büro und nahm einen Zettel von einer Frau mit stechendem Blick entegen, die dieselbe Uniform trug wie er. ,,Nein, warte.", sagte er, nachdem er einen Blick auf den Zettel geworfen hatte, und sah zur goldenen Uhr, die auf seinen mit Akten überladenen Schreibtisch lagen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schnaufte die Frau mit dem stechendem Blick, als sie ebenfalls zum Tisch sah; sah man aber genauer hin, erkannte man, dass unter den Akten viel nackte Frauenhaut, die auf Schmuddelheftchen abgebildet waren, zu erkennen waren. ,,Vor diesem Zug um 9 Uhr 25 gibt es doch noch einen weiteren Zug, oder?", fragte Roy Leon.
,,Ja, aber der wird jeden Augenblick losfahren.", antwortete Leon, während im Hintergrund ein Schaffner rief: ,,Vom Bahnsteig zurücktreten!" Ein Pfeifen ertönte vom Zug, einer Dampflock.
,,Nimm diesen Zug.", sagte Roy.
Leon schaute verdutzt drein und begann: ,,Aber warum...?"
,,Nimm ihn einfach!", schrie Roy ungehalten.
Vor Schreck ließ Leon den Hörer fallen und stürmte auf den Zug zu, der sich langsam in Bewegung setzte. ,,Fayt! Komm schon!", rief er Fayt zu, der noch immer mit Einkaufen beschäftigt war. Schnell knallte er der Kassiererin etwas Geld mit und rannte ebenfalls los.
Zufrieden lächelnd legte Roy den Hörer auf. ,,Zeit für einen kleinen Test.", sagte er. Die Frau mit dem stechenden Blick seufzte tief.
Laut pfeifend und Dampf ausspuckend zuckelte der Zug voran, den Leon und Fayt noch gerade so erreicht hatten. Nachdenklich mampfte Leon die Kekse, die Fayt für ihn gekauft hatte. ,,Ich verstehe diesen Roy Mustang irgendwie nicht.", sagte er schließlich. ,,Ich frage mich, was für eine Art Mensch der wohl ist..." Und während Leon weiter über Roy Mustang und dessen Charakter sinnte, kletterte ein kleines Mädchen, vielleicht gerade mal vier Jahre alt, das eine Reihe hinter der Reihe saß, in der Leon und Fayt saßen, über ihren Sitz und schaute mit großen Augen zu der überdimensionalen Statue Fayt. Fayt stutzte leicht und winkte dem kleinen Mädchen schüchtern zu, das sofort ängstlich auf ihre Seite zurückwich. Leon, dem Fayts Winken mit der Hand nicht entgangen hatte, sah verdutzt hinter sich, während Fayt niedergeschlagen zu Boden schaute. ,,Großer Bruder...", murmelte er trübselig. ,,Bin ich angsteinflößend?" ,,Nein, das ist doch überhaupt nicht...", begann Leon, als er das kleine Mädchen in der Reihe hinter sich zu ihrer Mutter sagen hörte: ,,Mama, da ist ein richtig verrückter Typ in der anderen Reihe." ,,Verrückt?!?", wiederholte Fayt wimmernd. ,,Marin, nicht. Sei leise.", schimpfte die Mutter mit ihrer Tochter. ,,Aber das ist so lustig!", kicherte das Mädchen namens Marin. ,,Er trägt eine Rüstung in einem Zug! Er muss richtig verrückt nach Rüstungen sein!" Gereizt stand Leon auf und sah wütend zu Marin und ihrer Mutter, die hinter ihm saßen. Er wollte gerade losbrüllen, als er die anderen Passagiere des Abteils sah, deren Blicke alle dasselbe sagten: Nämlich das Leon und Fayt Verrückte waren, die auf Ärger aus waren. ,,Oh, ähm... Wir führen nichts Böses im Schilde, ehrlich...", stammelte Leon kleinlaut und setzte sich schnell wieder auf seinen Platz. Fayt, der immer noch trübselig zu Boden geschaut hatte, sah nun verdutzt auf, denn Marin hatte sich erneut über die Sitzbank gebeugt und winkte ihm nun fröhlich zu. Leon sah hinter sich, sah Marin und lächelte zufrieden. ,,Na, siehst du? Sie mag dich.", sagte er zu Fayt. Marin nickte zustimmend und lächelte. Dann jedoch sah sie ein wenig verdutzt drein, als sie Leons Metallhand erblickte. ,,Cool, oder?", sagte Leon lächelnd zu ihr. ,,Ja, ist es!", rief Marin begeistert. ,,Komm schon, Marin, stör die beiden Jungen nicht.", ermahnte ihre Mutter sie, nickte den beiden Jungen lächelnd zu und zog ihre Tochter mit sanfter Gewalt zurück auf ihren Platz.
Die Dampflock zuckelte nun über eine lange Steinbrücke dahin in Richtung eines Gebirges.
In einem der nobelsten Abteile der Lock saß ein Mann Mitte dreißig mit seiner Frau und den beiden Kindern, die sie zusamen hatten; die beiden Kinder schliefen. ,,Sieht aus, als wären sie vom vielen Herumlaufen nun müde.", sagte der Mann, General Peacecraft. ,,Ja, es scheint so.", sagte ein Mann in Militäruniform, der sich ebenfalls im Abteil befand. ,,Ich bin froh, dass die Reise bisher vollkommen sicher und ohne Störungen verlaufen ist, General Peacecraft." ,,Ich habe zwar gehört, dass es im Osten nicht besonders sicher sein soll, aber ich schätze, so gefährlich ist es hier nun doch wieder nicht.", meinte General Peacecraft. Die beiden Männer lachten.
,,Hören Sie das?", sagte ein etwas älterer Mann in Zivilkleidung, der mit einem anderen Mann vor der Tür zum Abteil General Peacecrafts stand. ,,Die High-Society ist einfach viel zu leichtfertig." Er seufzte. ,,Übrigens, wo ist Major Hughes schon wieder abgeblieben?" ,,Officer Farman! Er nimmt derzeitig Kontakt mit Lieutnant Oberst Mustang wegen dieser einen Sache auf.", antwortete der andere Mann. ,,Dieser einen Sache?", wiederholte Officer Farman verwundert und sah zu der Tür am anderen Ende des Abteils, die zum Führerhaus der Lock führte.
Im Führerhaus selbst saß ein noch sehr jung aussehender Mann mit schwarzen, stacheligen Haaren, der eine Brille trug; sein dichter Bart ließ ihn jedoch um einiges älter wirken als er wirklich war. ,,Nun, du musst zugeben, meine Frau ist sogar noch hübscher geworden, seit sie schwanger ist.", schwärmte der Mann namens Hughes in den Telefonhörer. ,,Wie soll ich es nur passend ausdrücken... ah! Sie ist wie ein Engel, der hinab zur Erde gestiegen ist... hach..."
Gereizt legte Roy Mustang. mit de Hughes telefoniert hatte, den Hörer auf.
,,Wie? Ist die Verbindung schon wieder zusammengebrochen?", sagte Hughes verdutzt. ,,Die Leitung ist ja ziemlich unstabil. Ech nervig!"
,,Du bist hier nervig!", rief Officer Farman vom Flur des anderen Abteils her. Er seufzte. ,,Ich muss noch einmal die Zugabteile inspizieren, um auf Nummer sicher zu gehen.", sagte er zu dem anderen Mann, der mit ihm vor General Peacecrafts Abteil stand, und ging los.
Währenddessen hatte Hughes erneut Roy in dessen Büro angerufen. ,,Hey, Roy, was soll ich denn jetzt machen, wenn morgen das Baby auf die Welt kommt?", nervte Hughes Roy weiter.
Roy tippte genervt mit dem Zeigefinger - er trug übrigens Handschuhe mit Runensymbolen - auf seinem Schreibtisch herum. ,,Hughes...", fauchte er in den Hörer. ,,Das hab ich jetzt schon mindestens fünfzigmal gehört. Wenn du mit jemanden darüber reden willst, ruf nicht mich an... ruf deine Frau an!"
,,Hab ich ja schon.", sagte Hughes. ,,Vor ´ner Weile."
,,DANN FRAG MICH NICHT!!!", brüllte Roy und schnippte mit den Fingern, aus denen sofort Funken stoben. Ein Mann in Militärkleidung, der großgewachsen und schlacksig war, sprang erschrocken zur Seite von Roy weg. ,,Entschuldigen Sie mich...", sagte die Frau mit dem stechenden Blick und nahm Roy den Hörer ab. ,,Hawkeye?", fragte Roy verdutzt die Frau, Second Lieutnant Relena Hawkeye. ,,Major Hughes, wenn ich Sie daran erinnern dürfte...", sprach Hawkeye ganz ruhig, holte dann tief Luft und brüllte so laut, dass das ganze Militärgebäude Central Citys erbebte: ,,EIN BABY WIRD NICHT BEREITS NACH FÜNF MONATEN AUF DIE WELT KOMMEN!!!"
Im selben Moment gab die Dampflock ein lautes Pfeifen von sich und fuhr in einen Tunnel.
,,Hmm? Was war das gerade?", fragte Hughes, da die Verbindung beim Einfahren in den Tunnel abgebrochen war. ,,Mann, schon wieder diese dämliche Verbindung weg...", grummelte er.
Die Lock fuhr über eine weitere Steinbrücke.
Officer Farman betrat das letzte Abteil des Zuges und erstarrte, als er einen Mann in einer Rüstung sah, der am Ende des Abteils saß und zum Fenster hinaussah. ,,S-Sehr verdächtig...", stotterte er und schluckte.
,,Du kannst nun aufhören Hughes. Keinerlei Abhörgeräte bei der Verbindung...", sprach derweil Roy in seinem Büro ins Telefon. ,,Habt ihr irgendjemand Verdächtigen gesichtet?"
,,Nein.", antwortete Hughes, auf einmal vollkommen ernst. ,,Nun, das würde ich gerne sagen, aber es sind mehr Leute im Zug als erwartet. Wenn wir die Menschen in den Privatabteilen mitzählen..." Ein anderes Telefon klingelte. Hughes nahm den Hörer ab und hielt ihn so, dass auf Roy mithören konnte. ,,Was ist los?", fragte Hughes. ,,Ich habe jemanden gefunden!", ertönte die aufgeregte Stimme Farmans aus dem Hörer. ,,Gefunden?", wiederholte Hughes.
,,Ich habe jemanden gefunden, der sehr verdächtig aussieht!", zischte Farman.
,,Was?", rief Hughes.
,,Das ist so ein riesiger Typ in einer Rüstung...", begann Farman.
,,Rüstung?", wiederholte Hughes verdutzt.
,,Hahahahahahaha!", lachte Roy vergnügt. ,,Dieser Typ ist in Ordnung. Ist da noch ein äußerst kleiner Kerl bei ihm?"
,,Kleiner...", begann Hughes.
,,...Kerl?", beendete Farman und stürmte zu der Sitzreihe wo Fayt saß, der nun verwirrt zu Farman sah. Farman sah sich um und erblickte Leon, der nun auf der Sitzbank lag und schlief. ,,Ja! Da ist einer!", rief Farman. ,,Mann, der ist ja richtig winzig!" Eine Ader zuckte kurz über Leons rechtem Auge, dann sprang er auf, ging Farman an die Gurgel und brüllte: ,,WEN NENNST DU HIER EINE MIKROBE, DIE MAN NUR SIEHT, WENN MAN SIE MIT EINEM MIKROSKOP BETRACHTET!?!" ,,Nein, ich, ähm...", stammelte Farman ängstlich, zückte dann aber eine Pistole, als ein Mann mit dunkler Sonnenbrille aufsprang und seine Pistole auf ihn richtete. Ein weiter Mann mit dunkler Sonnenbrille sprang hinter Farman und richtete ebenfalls seine Waffe auf ihn. Leon, Fayt und die anderen Passagiere des Abteils sahen erschrocken auf. Farman sah von einem bewaffneten Mann zum anderen und ließ dann schließlich seine Waffe sinken. Der Mann hinter ihm schlug ihn mit seiner Pistole bewusstlos. Eine Frau sprang kreischend auf. ,,Ruhe!", brüllte einer der beiden Bewaffneten. ,,Sofort alle die Hände hoch!" Zitternd hoben die Passagiere des Abteils ihre Hände. Leon und Fayt sahen sich an und hoben dann ebenfalls ihre Hände.
Ein Schuss drang vom Korridor des Abteils her, in dem General Peacecraft mit seiner Familie und dem Mann vom Militär saß. Die Tür zu ihrem Abteil wurde aufgerissen und der tote Körper des Mannes, der mit Officer Farman Wache gehalten hatte, fiel ins Abteil. Mehrere bewaffnete Männer stürmten hinein. Der Mann vom Militär wollte seine Pistole zücken, doch die Bewaffneten schossen ihn mit zwanzig Schüssen nieder; er zuckte noch ein paar mal und blieb dann reglos liegen. ,,Wer... Wer seid ihr?", fragte General Peacecraft schluckend, während seine Frau die ängstlich zitternden Kinder an sich drückte. Ein Mann mit langen schwarzen Haaren, die in einen Pferdeschwanz endeten, einem dichten schwarzen Bart und einer Augenklappe betrat das Abteil. ,,Guten Morgen, General Peacecraft.", begrüßte der Mann mit spanischem Akzent General Peacecraft.
Hughes stand an der Tür zum Flur und lauschte angestrengt. ,,Hughes, was ist los?", drang Roys Stimme aus dem Hörer. ,,Ist was passiert?" Hughes antwortete nicht, sondern legte einfach auf. Wenige Sekunden später stürmten zwei bewaffnete Männer in das Führerhaus, in dem nun niemand mehr war. ,,Geh und sag Bard Bescheid.", sagte der eine Mann zum anderen. ,,Wir haben das Führerhaus besetzt. Sieht aus, als wenn niemand hier gewesen wäre."
Roy, Hawkeye und der andere Man mit Militärkleidung sahen besorgt zum Telefon. ,,Glauben Sie, dass sie es sind, Sir?", fragte Hawkeye Roy, als auch schon im nächsten Moment das Telefon klingelte. Roy nahm ab. ,,Ein Anruf von General Peacecraft.", ertönte eine weibliche Stimme aus dem Hörer. ,,Er sagt, es sei ein Notfall." ,,Anruf weiterleiten.", sagte Roy.
,,Ich bin es.", sprach General Peacecraft in den Hörer, während zwei der Gangster ihre Pistolen auf ihn richteten, überwacht von ihrem Anführer mit dem spanischen Akzent. ,,Lieutnant Oberst Mustang, sind Sie das?" Der Anführer riss ihm den Hörer aus der Hand. ,,Ich spreche für die Östliche Befreiungsrebellion Blue Squad.", sprach der Mann in den Hörer. ,,Mein Name ist Bard. Wir haben den Zug und Ihren General in unserer Gewalt."
,,Was wollen Sie?", fragte Roy.
,,Spielen Sie hier nicht den Dummen.", sagte Bard gereizt. ,,Wir haben heute Morgen den Kontakt mit einem unserer Verbündeten verloren. Jemand, der Ihnen eine Nachricht überbringen sollte."
,,Ich weiss nicht, was Sie meinen.", sagte Roy ganz ruhig, als wären sie beim Kaffeekränzchen.
Bard zitterte vor Zorn. ,,Okay, schön.", sagte er mit bedrohlichem Tonfall. ,,Ich gebe Ihnen die Kurzversion: Sie haben unseren Führer im Gefängnistrakt 8. Bringen Sie ihm zum Bahnhof von Central City. Wir werden dort eine Art Handel machen."
,,In Ordnung. Abgemacht", sagte Roy. ,,Aber ich keine Toten. Wenn auch nur einer..." Doch Bard hatte bereits aufgelegt. Roy legte auf. ,,Sind Sie sich sicher wegen diesem Handel?", fragte Hawkeye. ,,Wir haben ihre Nachricht, sie meinen es ernst. Aber Sie kennen das Verfahren des Generals bei Verhandlungen mit Terroristen. Er wird Sie..." ,,Ganz ruhig, Hawkeye.", unterbrach Roy sie. ,,Keiner verhandelt hier mit Terroristen." Er lächelte. ,,Ich habe bereits Maßnahmen getroffen." Hawkeye und der andere Mann in Militärkleidung sahen sich verwundert an.
,,Irgendwas stimmt da nicht.", grummelte Bard. ,,Was hat dieser Mustang nur vor?" Er wirbelte zu General Peacecraft herum und brüllte:,,Wenn hier irgendwas nicht nach meinen Forderungen verläuft, dann denken Sie nur nicht, dass nur Sie ins Gras beißen, nein, alle hier im Zug werden dran glauben!!!"
Nachdem sie den gefesselten Officer Farman unter eine Sitzbank geschoben hatten, machten sich die Gangster daran, die anderen Passagiere des Abteils nach etwaigen versteckten Waffen zu durchsuchen. Eine der beiden stutzte, als er den Typen in der Rüstung sah, der mit einem äußerst kleinen Jungen bei der hinteren Sitzreihe stand, und stupste seinen Kollegen an. Die beiden Gangster gingen auf das seltsame Duo zu. ,,Großer Bruder...?", fragte Fayt unsicher. ,,Mach dir keine Sorgen.", zischelte Leon zurück. Die beiden Gangster machten vor ihnen Halt. ,,Sofort den Helm runter.", befahl einer der beiden Fayt. Leon schrie entsetzt auf, sah hinter die beiden Gangster und brüllte: ,,Waaaah! Was machen Sie denn da mit der Waffe?!?" Die beiden Gangster wirbelten herum, und genau in dem Moment sprang Leon hoch und rammte sein Knie in das Gesicht des ihm am nächsten stehenden Gangsters. ,,Schlechte Idee!", schrie der andere und zielte mit der Pistole auf Leon, wurde aber von Fayts Metallfaust ausgeknockt, bevor er schießen konnte. Leon lächelte Fayt siegessicher zu. ,,Seid ihr bescheuert!?! Was sollen wir denn jetzt tun?!?", schrie einer der Passagiere. Leon und Fayt sahen zu ihm hinüber. ,,Glaubt ihr etwa, die finden nicht heraus, dass zwei ihrer Männer fehlen!?! Was meint ihr, was dann mit uns passiert!?! Sie werden Rache wollen! Wir wären mit dem Leben davongekommen, wenn wir einfach kooperiert hätten!" ,,Das stimmt!", stimmte ein anderer aufgebracht. ,,Was habt ihr euch nur dabei gedacht?!?", schrie eine Frau. ,,Was machen wir jetzt?", fragte Fayt. ,,So weit habe ich noch nicht vorausgedacht.", gab Leon zu, während sich der Gangster, der Leon niedergestreckt hatte, unbemerkt von ihm und Fayt aufbäumte und mit seiner Pistole auf das kleine Mädchen Marin und ihre Mutter zielte. Fayt trat ihn zu Boden; ein Schuss löste sich, zischte haarscharf an Marin vorbei und raste durchs Fenster. Leon schnappte sich die Waffe des nun wieder bewusstlosen Mannes. ,,Seid ihr beiden in Ordnung?", fragte er die Mutter und Marin. ,,J...Ja...", antwortete die Mutter ängstlich, während Marin dem Weinen nahe war. Leon seufzte erleichtert und sah zur Tür, die aus dem Abteil führte, wo noch mehr Bewaffnete waten würden. Er beugte sich zu Marin hinab, lächelte und sagte: ,,Tut mir echt Leid, was da gerade passiert ist, Kleine. Onkel Leon und Onkel Fayt kümmern sich irgendwie um die bösen Männer, in Ordnung?" Marin nickte, während sich Leon wieder der Abteiltür zuwandte. ,,Auf geht´s, Fayt." ,,Richtig.", stimmte Fayt zu und wollte gerade mit Leon losrennen, als jemand rief: ,,Wartet! Hier drüben!" Verdutzt sahen die beiden Brüder zu, wie sich Officer Farman unter der Sitzbank hervor rollte.
,,Wie peinlich...", grummelte Farman, nachdem Leon ihn wieder losgebunden hatte. ,,Wer seid ihr beiden?" ,,Nur zwei herumreisende Alchemisten.", antwortete Leon. ,,Was du nicht sagst!", sagte Farman. ,,Nun, ich heiße Farman, Nationaler Officer." ,,Sie sind also ein Soldat, huh?", sagte Leon. ,,Sie sehen aber nicht wie einer aus." ,,Hehehehe...", lachte Farman vergnügt. ,,Ja, nun, es gibt einen Grund dafür: Wir haben einen besonderen Passagier an Bord: Den Nationalen General Peacecraft." ,,Das ist also der Grund, warum diese Typen hier sind, richtig?", fragte Leon. Farman nickte. ,,Und die haben sich dazu entschlossen, uns alle mit hineinzuziehen.",grummelte Leon und wandte sich an Fayt. ,,Fayt, ich werde auf dem Dach entlang gehen, um eine Überraschungsparty für die Kerle zu veranstalten! Du gehst mit ihm hier unten entlang!" ,,Äh... ähm... ja, okay.", stimmte Fayt zögerlich zu.
Wenige Minuten später stand Leon auf dem Dach des hintersten Abteils und balancierte langsam vorwärts, während der Zug eine Klippe entlang fuhr, links von ihm eine Felswand, rechts von ihm ein gähnender Abgrund.
,,Ja, was ist los?", fragte einer der Entführer, die sich mit Walki-Talkis unterhielten von einem Abteil her, das ziemlich nahe am hintersten Abteil lag. ,,Kommt sofort nach hinten! Hier stimmt was nicht!", erklang es aus dem Walki-Talki. ,,Hey, da stimmt irgendwas nicht!", sagte der Entführer zu dem anderen, der nickte und zum nächsten Abteil trat, das leer war bis auf Fayt, der genau vor ihm stand. ,,Aaaaaah!", kreischte der Gangster und ziellte mit seiner Schrotflinte auf Fayt. ,,Warten Sie! Das sollten Sie wirklich nicht tun!", rief Fayt besorgt, doch der Gangster hörte nicht auf ihn und schoss aus allen Rohren. Die Patronenkugeln prallten allesamt an Fayt ab und stoben in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Eine Kugel traf den Gangster im Bein, der sofort schreiend zu Boden fiel. ,,Und ich hab noch versucht Sie zu warnen...", seufzte Fayt mitleidig. ,,Was ist passiert?!?", rief der Gangster mit dem Walki-Talki und stürmte ebenfalls ins Abteil. Auch er kreischte wie ein kleines Mädchen beim Anblick von Fayt und zielte mit seiner Pistole auf ihn. ,,Nein, warten Sie! Sie...", versuchte Fayt den Mann aufzuhalten, der jedoch nicht hörte, sondern einfach drauf los schoss. Zwei Sekunden später lag auch dieser Gangster wimmernd am Boden, getroffen von einer seiner eigenen Pistolenkugeln.
,,Es gibt Probleme, Bard!", rief wenige Sekunden später einer der Entführer, die sich bei Bard befanden. ,,Wir haben Kontakt mit mehreren Waggons verloren. ,,Was ist da nur los?", wunderte sich ein besonders dickes Mitglied der Bande. ,,Dieser verdammte Mustang hält sich nicht an unsere Abmachung, das ist los!", fauchte Bard. ,,Glauben Sie wirklich, Sie werden Erfolg haben?", fragte General Peacecraft, der wieder in seinem Abteil mit seiner Frau und den Kindern saß. ,,Sie kommen gegen das Militär nicht an! Warum ergeben Sie sich nicht, solange Sie können?" Ein Schuss ging von einer Pistole los, die Bard einem seiner Bandenmitglieder genommen hatte, und schoss General Peacecraft ein Ohr weg. Seine Frau fiel in Ohnmacht. ,,Ich bin hier derjenige, der Befehle gibt, General! Vergessen Sie das nicht!", schrie Bard und schmiss die Pistole zurück zu dem Bandenmitglied. Er wandte sich an die anderen. ,,Ich will, dass ihr sofort alle Abteile noch einmaldurchsucht, verstanden! Und die Dächer ebenfalls! Von Kopf bis Fuß!"
Im selben Moment ließ Leon einen lauten Schrei los, als ihm ein Ast entgegen kam, der aus der Felswand wuchs. Er schlug gegen sein Gesicht, er stolperte, fiel hin, wurde zurückgeworfen und flog in Richtung Abgrund... wäre er nicht von Hughes, der an einer Leiter des Zuges hing, aufgefangen worden wäre. ,,Ziemlich mutig, Kleiner!", sagte er bewundernd zu Leon, der verdutzt zu ihm sah. ,,Bin beeindruckt, dass du es so weit geschafft hast!" ,,Danke!", bedankte sich Leon. ,,Ich bin Nationaler Major Hughes!", stellte sich Hughes vor. ,,Und du bist Leon Elric, richtig?" ,,Äh... ja, das ist richtig...", antworte Leon, verwundert, dass Hughes seinen Namen kannte. ,,Mustang hat mir von dir erzählt!", erklärte Hughes. ,,Ich bin ein alter Freund von ihm!" ,,Der Lieutnant Oberst hat von mir erzählt?!?", fragte Leon mit großen Augen. ,,Yap!", antwortete Hughes. ,,Und er nervt mich auch immer wegen dieser dämlichen Promotion, die er unbedingt haben will!" Er lächelte. ,,Komm schon, Leon, arbeiten wir zusammen!"
Im Maschinenraum wurden die beiden Männer, die den Zug mit Kohle versorgten, immer noch von zwei bewaffneten Männern bedroht. Einer der Bewaffneten starrte jedoch aus dem glaslosen Fenster, wo er gerade einen Jungen mit Zopf gesehen hatte, der ihm die Zunge herausgestreckt hatte. ,,Hey, was ist los?", fragte der andere Bewaffnete zum zweiten und sah zu ihm. Im selben Moment schoss Hughes durch das glaslose Fenster auf der anderen Seite des Maschinenraumes, ließ einen Dolch aus einem der Ärmel seines Hemdes schnellen und durchstach damit die Hand des im am nächsten Terroristen, die die Pistole hielt. ,,Wie kommst du hier rein?!?", schrie der andere Terrorist perplex und zielte mit der Pistole auf Hughes, doch nun stürzte Leon durch das andere Fenster und trat ihn zu Boden. Die zwei Männer, die für die Versorgung des Zuges mit Kohle zuständig waren, holten mit ihren Fäusten aus und schlugen die beiden Terroristen schließlich endgültig ins Reich der Träume.
Der äußerst fette Terrorist schaute derweil durch einen Ausgucksbug des Daches des Abteils, in dem General Peacecraft gefangen war und schaute sich, seine Schrotflinte im Anschlag, auf den Dächern um. Er stutzte, als er Leon sah, der zwei Abteile weiter aus dem Maschinenraum an einer Leiter aufs Dach kletterte. ,,Was haben wir denn da?", sagte der Fette belustigt, zielte auf Leon und schoss. Gerade noch rechtzeitig zog Leon den Kopf ein. ,,Hey, bist du in Ordnung?", rief Hughes, der aus einem der Fenster des Maschinenraumes sah, zog aber sofort wieder seinen Kopf ein, als der Fette auf ihn schoss. ,,Na warte...", grummelte Leon und holte ein Stück Kreide aus seiner Hosentasche, mit der er einen mit Runen besetzten Zirkel auf die Wand des Abteils malte. Verdattert starrte der Fette drein, wie es plötzlich einen Lichtblitz gab und sich das Dach des Abteils, wo Leon sich befand, zu einer riesig großen Kanone verformte. ,,Was zum...?", rief der Fette erschrocken, während Leon aufs Dach kletterte, hinter die Kanone sprang und sie betätigte. Eine gigantsche Kugel schoss aus der Kanone und auf den Fetten zu, der noch rechtzeitig seinen Kopf einzog und zurück ins Abteil verschwand. ,,Oh Mann! Echt cool!", rief Hughes vom Fenster her begeistert. ,,Hey, du da!", brüllte einer der Männer, die den Zug mit Kohle versorgten, Leon an. ,,Pass gefälligst auf! Wenn das Teil den Zug getroffen hätte, wären wir die Klippe hinab fünzig Meter tief ins Wasser gestürzt!" ,,Richtig, sorry!", rief Leon entschuldigend, stutzte aber, als ihm plötzlich eine Idee kam. ,,Wasser...", murmelte er und setzte dann ein äußerst diabolisches Grinsen auf.
,,Ich kann da nicht raus, Bard!", wimmerte unterdessen der Fette Bard die Ohren voll. ,,Da oben ist irgendwas Verrücktes im Gange!" ,,Jetzt haben wir sogar die Verbindung mit allen anderen Abteilen verloren!", rief ein Terrorist mit Walki-Talki. ,,Es gab noch eine Meldung von einem Typen in Rüstung, dann war die Leitung tot... Was ist hier nur los?" ,,Reiß dich zusammen!", schrie Bard ihn an, als es im nächsten Moment einen Lichtblitz gab und an der Tür zum Flur des Abteils auf einmal ein Megaphon mit Gesicht erschien, das ziemliche Ähnlichkeit mit Leons Gesicht hatte. ,,Achtung, Achtung, an alle noch stehenden Terroristen: Ergebt euch sofort!", sprach das Megaphon mit Leons Stimme. ,,Was zum Teufel ist das?!?", rief der Terrorrist mit dem Walki-Talki verdattert. ,,Lasst die Geiseln frei!", rief das Megaphon weiter. ,,Du bist einer von Mustangs Geheimagenten, nicht wahr?", schrie Bard. ,,Misch dich hier ein, und ich bring alle hier im Zug um, einer nach dem anderen!" ,,In Ordnung, du hast deine Entscheidung getroffen!", rief das Megaphon, als es einen weiteren Lichtblitz gab und ein Wasserrohr aus der Tür schoss. ,,Wasser... rohr?", sagte der Typ mit dem Walki-Talki mit großen Augen. ,,Okay, verehrte Passagiere, fest anschnallen und bereit machen für ein paar unangenehme Turbulencen!", schrie das Megaphon, als auch schon eine riesige Flutwelle aus dem Wasserrohr schoss und die drei Terroristen erfasste. Hughes, der sich heimlich durch das Fenster in General Peacecrafts Abteil geschlichen hatte, schloss schnell die Tür, damit der Raum nicht auch noch geflutet wurde.
Fayt marschierte durch ein weiteres terroristengesäubertes Abteil und auf die Tür zum nächsten Abteil zu. ,,Weiter geht´s...", sagte er und öffnete die Tür, hinter der sofort Unmengen von Wasser hindurchschoss und durch die geöffneten Fenster absickerte. Der Fette und der Typ mit dem Walki-Talki landeten unsanft im Abteil. Erschrocken sahen sie zu Fayt auf, der mit seinen Händen Mahlbewegungen machte und sie immer wieder zusammenschlug, was heftige KLONK-Geräusche produzierte. ,,Willkommen!", begrüßte Fayt die beiden. ,,Hier ist Endstation!"
Keuchend rappelte sich Bard, der es geschafft hatte, nicht aus dem Abteil geflutet zu werden, vom Boden auf, während Hughes die Tür zum Raum von General Peacecraft wieder öffnete, einen Dolch bereit in seinen Händen. ,,Sieh es doch mal von der positiven Seite, Bard...", sagte Hughes belustigt. ,,Bei deinen verfilzten Haaren war diese Dusche sicher dringend notwendig." Bard wollte auf Hughes losstürmen, doch Hughes schmiss den Dolch. Schnell hielt Bard seine rechte Hand vor sich, die von seinem Umhang verdeckt wurde, und wehrte damit den Dolch ab. ,,Ein Auto...", sagte Hughes mit erblüfftem Gesicht und versuchte die Tür zu schließen. Im selben Moment schossen mehrere Pistolenkugeln von dem rechten Arm Bards her auf Hughes zu, wobei eine ihn an der Schulter traf. Hughes stürzte zu Boden. ,,Was ist los?", lachte Bard schallend und ging auf die halb geschlossene Tür zu. ,,Befor ich den General kaltstelle, werde ich mich um dich kümmern!" ,,Aber mich zuerst!", brüllte auf einer Leon, der durch den Ausgucksbug in den Flur des Abteils sprang, auf Bard zustürmte und einen Treffer mit seinen Fäusten landen wollte Doch Bard reagierte blitzschnell und packte beide Hände Leons mit seinen eigenen Händen. Leon stutzte kurz, als er den rechten Arm Bards war: Bard hatte anstelle eines rechten Armes eine Bazuka. ,,Auch ein Auto-Mail, was? Wie passend!", rief Leon belustigt, während die beiden sich weiter mit aller Kraft gegen den jeweiligen anderen stemmten, um ihn zu Boden zu bekommen. ,,Du bist doch nur ein Gör!", rief Bard, ungläubig, dass ein Kind so viele Terroristen ausschalten konnte. ,,Sag mir nicht, dass das Militär jetzt schon Kinder aufnimmt?" ,,Für dieses Gör-Kommentar wirst du bezahlen!", rief Leon verärgert. ,,Und ich gehöre niemandem an! Ich handle auf eigene Rechnung!" ,,Lass mich dir einen Rat geben, Kind...", sagte Bard, seie Stimme nun ein wenig atemlos von der Anstrengung, Leon zu Boden bringen zu wollen. ,,Ich war gehörte einst auch dem Militär an! Es war alles in Ordnung, solange ich nicht die Leute in den oberen Rängen zu sehr anpisste! Aber dann bekam ich diesen verbesserten Arm... Das hat ihnen nicht gefallen, fühlten sich von mir bedroht! Siehst du, diese oberen Leute mögen es nicht, wenn sie uns niedere Kreaturen nicht voll und ganz unter Kontrolle haben! Bald darauf warf man mich raus unter dem Vorwand, ich wäre zu brutal geworden! Als wenn ich nicht wüsste, dass das nur ein Vorwand gewesen war, um mich loszuwerden! Seit diesem Tag habe ich äußerst großes Gefallen daran, diese oberen Mistkerle einer nach dem anderen auszulöschen!" Langsam drückte er Leon in Richtung Boden. ,,Du verstehst mich, Kind, oder? Du hast so einen Arm wie ich! Du wolltest auch stärker werden! Aber das Militär wird dich auch bald unter irgendeinem Vorwand loswerden, glaub mir!" ,,Nein, ich verstehe nicht!", rief Leon. ,,UND VERGLEICH NIE WIEDER MEINEN ARM MIT DEINEM!!!" Er nahm all seine Kraft zusammen und zerbrach Bards Bazuka-Arm in tausend Teile. Bard wurde zurückgeworfen, wurde aber von Fayt aufgefangen, der sogleich mit einer seiner massiven Fäuste ausholte und Bard endgültig ausknockte. Leon seufzte erleichtert und rechte seinen Daumen in Richtung Fayt, der es ihm gleichtat. ,,Meine Güte, das war mal ´ne aufregende Reise.", sagte Hughes belustigt.
Zwei Stunden später traf der Zug im Hauptbahnhof von Central City ein, wo Dutzende von Militärleuten bereits warteten und die gefesselten Terroristen bereits in Empfang nahmen. Roy schritt auf den am Boden sitzenden und ebenfalls gefesselten Bard zu. ,,Bringe niemanden um...", sagte er zu Bard. ,,Das war alles, worum ich Sie gebeten hatte, Bard. Und wie es scheint, haben Sie genau das getan, auch wenn Sie es nicht freiwillig getan haben." ,,Ich nehme an, Sie sind Mustang?", fragte Bard. Roy nickte. Eine Metallkralle schoss blitzschnell aus den Überresten von Bards rechtem Arm hervor und zerschnitt die Seile, die ihn gefesselt hielten. Sofort sprang er auf Roy los, um ihn mit der Kralle zu erstechen. Doch Roy hob nur eine seiner behandschuhten Hände (auf jedem Handschuh war ein Zirkel mit Runen eingezeichnet) und schnippte mit den Fingern. Eine Feuerwand erfasste Bard, und eine Explosion folgte Sekunden später. Stöhnend sank Bard, seine Haut vollkommen verbrand, zu Boden. ,,Whoa!", rief Leon mit großen Augen. ,,Ich habe mich am Riemen gerissen.", sagte Roy zum haltlos zuckenden Bard. ,,Der Schaden, den die Flammen bei Ihrer Haut verursacht haben, ist nicht annähernd so schlimm, wie es sich anfühlt." Er lächelte. ,,Sie können mich Roy Mustang nennen, oder einfach nur Lieutnant Oberst... Teufel, Sie können mich sogar den Flammenalchemist nennen. Wie auch immer, vergessen Sie niemals diese Schmerzen." ,,Das ist also Mustang...", murmelte Leon, fasste einen Entschluss und rannte auf Roy zu. ,,Hey!", rief er und blieb zwei Meter vor Roy stehen. ,,Sie wusten hiervon!", fuhr er Roy an. ,,Deswegen wollten Sie, dass wir diesen Zug hier nehmen! Sie haben uns absichtlich in Gefahr gebracht!" ,,Oh, komm schon, Leon, glaubst du wirklich, ich hätte alles so unter Kontrolle?", entgegnete Roy belustigt. ,,Wie dem auch sei, du solltest dich lieber auf die guten Nachrichten konzentrieren: Der General hat von deinen Taten hier im Zug gehört und hat zugestimmt, eine Ausnahme zu machen. Er lässt dich am Examen für Nationale Alchemisten teilnehmen, bei dem noch nie zuvor ein Minderjähriger teilgenommen hat, und du wirst für Wochen zum Gesprächsthema Nummer eins im Militär." ,,Ausnahme?", wiederholte Leon verdutzt, und dann wütend: ,,Aber Sie haben doch die ganze Zeit gesagt, dass wir auf jeden Fall teilnehmen könnten! Genau deswegen sind wir doch gekommen!" Roy grinste verschmitzt und sagte: ,,Sei doch realistisch, Leon. Der Staat hat noch nie zuvor ein Kind ein Militärexamen ablegen lassen. Aber ich schätze, dass Glück ist auf deiner Seite. Gut, dass du diesen Zug hier genommen hast, nicht wahr?" Leon grummelte leise. Egal, wie sehr Roy auch vorgab, diese ganze Sache nicht geplant zu haben, Leon war sich sicher, dass Roy von der bevorstehenden Geiselnahme gewusst hatte. Roy ging auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Schultern. ,,Ob du aber am Examen teilnimmst oder nicht, liegt an dir.", sagte er und ging dann weiter, gefolgt von Hawkeye, Hughes und dem Rest des Militärs, das die Terroristen mit sich schleppte. Leon wirbelte herum und schrie: ,,Natürlich werde ich teilnehmen! Und ich werde bestehen!!!" Hughes lächelte vergnügt. Fayt kam zu ihm. ,,Da drüben sind sie, Mama!", hörten sie plötzlich Marins Stimme rufen und wirbelten herum, um Marin und ihre Mutter zu sehen, die in der Nähe standen und ihnen fröhlich zuwinkten. ,,Hi, Marin!", rief Fayt, während Leon zurücklächelte. ,,Danke, Onkel Leon und Onkel Fayt! Ich werde euch nie vergessen!", rief Marin den beiden zu, die ihr Winken erwiderten. Wie man es auch drehte und wendete, am Ende war Leon doch froh, den Zug genommen hatte, wenn nicht wegen der Tatsache, dass er am Examen teilnehmen konnte, dann wegen der Tatsache, einem kleinen Mädchen und ihrer Mutter helfen zu können.
Vorschau Kapitel 6: Prüfung: Es kommt hart auf hart. Nur eine Hand voll Alchemisten werden zu Nationalen Alchemisten gemacht. Ob Leon und Fayt den Test bestehen werden?