Es war am nächsten Morgen in Roy Mustangs Büro. ,,So, ihr habt euch also dazu entschlossen, am Examen teilzunehmen?", fragte Roy, über mehrere Dokumente auf seinem Schreibtisch gebeugt, Leon und Fayt, die ihm gegenüber auf unbequemen Holzstühlen saßen. ,,Natürlich.", antwortete Leon schlicht. ,,Soll ich mir dabei auch noch gleich meinen Pferdeschwanz zu einem Zopf flechten?" Roy lächelte. ,,In Ordnung.", sagte er und legte ein Dokument zur Seite, auf dem Akte Maxwell Tucker stand. ,,Ihr werdet am für euch beiden besten Ort studieren, den es gibt." Leon nahm das Dokument entgegen, schlug die erste Seite auf. ,,Maxwell Tucker, der Lebenssäheralchemist?", las er verwundert. ,,Ja, Maxwell Tucker.", sagte Roy nickend. ,,Er ist der erfahrendste Alchemist in Sachen Bio-Alchemie. Leon und Fayt erschracken. Maxwell Tucker: Ein Experte in Bio-Alchemie, der Kunst, mit Hilfe von Alchemie neues Leben zu erschaffen... Konnte er den beiden Brüdern vielleicht helfen, ihre alten Körper zurückzuerlangen?
Wenig später saßen Leon und Fayt zusammen mit Roy in einem komfortablen Auto, das sie in Richtung Maxwell Tuckers Haus brachte. ,,Vor zwei Jahren gelang es Herrn Tucker eine Chimära zu erschaffen, die unsere Sprache spricht, und erhielt dadurch den Titel eines Nationalen Alchemisten.", erzählte Roy den beiden Jungen, wieder in Tuckers Akte vertieft. ,,Eine Chimära, die unsere Sprache spricht?!?", rief Leon mit großen Augen. ,,Das Tier war aus mehreren anderen Tieren von verschiedenen genetischen Strukturen zusammengesetzt.", fuhr Roy fort. ,,Ja, das Tier sprach unsere Sprache und konnte sie auch noch verstehen, und somit auf Fragen antworten." ,,Beeindruckend...", röchelte Leon, vollkommen baff. ,,Ja.", stimmte Fayt zu. ,,Herr Tucker hat ebenfalls eine kleine Tochter, die bald vier Jahre alt wird.", sagte Roy. ,,Und seine Frau?", fragte Fayt. Doch Roy antwortete nicht, sondern parkte vor der Einfahrt einer gigantisch großen Villa. ,,Hier lang.", sagte er und schritt auf das Tor zum Hof der Villa zu. ,,D-Das... Das ist ja riesig!", rief Leon ungläubig. Fayt, der keine Worte mehr herausbrachte, nickte nur, während Roy eine Glocke an der Haustür läutete. ,,Was macht ihr denn da noch? Beeilt euch!", fuhr er die beiden Jungen an, die immer noch vor dem Tor standen. ,,Ja...!", riefen Leon und Fayt wie aus einem Munde und rannten los. Doch Leon stoppte auf einmal und starrte auf einen Busch in der Nähe, der auf einmal verdächtig raschelte. Ein lautes Heulen erklang daraus, und im nächsten Moment wurde Leon von einem Riesen von Hund, der aus dem Gebüsch sprang, geplättet. ,,Großer Bruder?", fragte Fayt unsicher mit Blick auf seinen Bruder, der von dem Hund, eine Mischung aus Husky und Bernhardiner, begraben war. ,,Hmm... Ich schätze, die Villa ist nicht das einzig riesige hier." Die Tür zur Villa ging auf und ein kleines Mädchen mit zwei Zöpfen, die ihr fast bis zum Boden hingen, trat mit ihrem Vater, einem Mann in den Dreißigern mit Hornbrille, hinaus in den Garten. ,,Pfui! Aus, Alexander!", fuhr das Mädchen schmollend den riesigen Hund namens Alexander an. ,,Tut mir Leid. Tut mir wirklich sehr Leid.", entschuldigte sich der Mann mit der Brille und einem Drei-Tage-Bart bei Leon und hievte Alexander von Leon hinunter. ,,Sind Sie... Herr Tucker?", fragte Leon den Mann, der nickte.
Maxwell Tucker ging wieder zurück ins Haus mit seiner Tochter, gefolgt von Roy, Leon und Fayt, der die Tür schnell wieder hinter sich schloss, damit Alexander nicht ins Haus gelangte und Leon noch einmal plätten konnte. Im Haus selbst sah es furchtbar unordentlich aus: Überall lagen Kleidung und Bücher verstreut, schmutzige Teller säumten die Möbel und es roch eindeutig leicht vergammelt. ,,Das tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich Tucker für die Unordnung und hob peinlich berührt ein paar der Bücher vom Boden auf. ,,Uns fehlt die Frau hier im Haus, deswegen ist es auch so unordentlich hier." Tuckers Tochter hing sich derweil an eine der mülleimergroßen Hände von Fayt und sagte staunend: ,,Hey, du, deine Kleidung ist echt komisch. Ist das denn nicht zu schwer?" ,,Ist schon in Ordnung, ich bin nämlich richtig stark.", antwortete Fayt belustigt und sah dann zu Tucker, der ihn mit offenem Mund anstarrte. ,,Sie werden natürlich eine Entlohnung dafür bekommen, dass Sie die beiden aufnehmen.", sagte Roy nun geschäftsmäßig zu Tucker, der zusammenzuckte und zu Roy sah. Dann wandte er sich an seine Tochter und sagte: ,,Nina, geh jetzt bitte draußen spielen." ,,Was?", fragte Nina, die richtig begeistert von Fayt zu sein schien. ,,Alexander fühlt sich bestimmt schon einsam.", sagte Tucker. Nina sah kurz traurig drein, wandte sich dann aber lachend zu Fayt und sagte: ,,Wir sehen uns später!" Dann rannte sie hopsend in den Garten zu Alexander hinaus. ,,So, ihr wollt also schon in diesem zarten Alter Nationale Alchemisten werden.", sagte Tucker beeindruckt zu den Elric-Brüdern. ,,Nun, wenn es etwas gibt, was ich tun kann, fühlt euch frei zu fragen." ,,Dann würde ich gern die Chimära sehen, die Sie mutiert haben.", bat Leon. ,,Ich auch.", sagte Fayt zustimmend. Tuckers Mund öffnete sich mit einem Mal, und seine Augen weiteten sich vor Schreck, was die anderen im Raum Anwesenden jedoch nicht mitbekamen, da er sich bereits nach einer Sekunde wieder gefasst hatte. ,,Nun, dieses Wesen ist kurze Zeit, nachdem ich es mutiert hatte, gestorben.", antwortete er schließlich, zu Boden schauend. Leon und Fayt sahen enttäuscht drein. ,,Wie dem auch sei, das Wichtigste ist erst einmal, dass ihr das Examen besteht.", sagte Tucker gutgelaunt. ,,Und dafür müsst ihr jeden Tag hart arbeiten, wenn ihr überhaupt eine Chance haben wollt.
Er führte sie in den hinteren Teil der riesigen Villa in einen äußerst großen Raum mit unzähligen Regalen, die vollgestopft waren mit Büchern über Alchemie. Die beiden Jungen staunten nicht schlecht bei den schier unendlich vielen Büchern. ,,Das ist die Bibliothek.", erklärte Tucker, während Leon mit Mühe seinen Mund wieder schloss. ,,Ich hoffe, ihr werdet sie nützlich finden." ,,Das ist unglaublich, großer Bruder!", rief Fayt, und Leon stürmte auf ein Bücherregal zu. ,,So viele Bücher auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen!" ,,Das hier ist nichts im Vergleich zur Nationalen Central-Bibliothek.", meinte Tucker. ,,Wenn ihr das Examen besteht, erhaltet ihr Zugang zu dieser Bibliothek und damit zu zehn mal... nein, sogar hundert mal mehr Büchern als hier." ,,Wirklich?", rief Fayt beeindruckt. ,,Großer Bruder lass uns anfangen und..." Doch er brach ab, als er sah, dass Leon bereits vollkommen in eines der Bücher vertieft war. ,,Oh, sieht aus, als hätte er schon angefangen...", sagte Fayt belustigt.
Nach einem langen Tag in der Bibliothek und mehreren Wälzern später brach der Abend hinein, und die Bewohner des Hauses kamen im Esszimmer zum Abendessen zusammen. ,,Und, Leon, kommst du gut voran?", fragte Tucker Leon während des Essens. ,,Ja, schon, aber es gibt wirklich eine Menge Sachen, die ich noch nicht wusste.", antwortete Leon, an einem Stück Steak kauend. ,,Selbst ein Erwachsener mit spezieller Ausbildung wird das Examen schwer finden.", sagte Tucker und schob sich seine Brille zurecht. ,,Aber du bist ja noch jung, du musst nicht am diesjährigen Examen teilnehmen." ,,Nein.", widersprach Leon bestimmt. Tucker sah ihn verdutzt an. ,,Ich werde tun, was ich kann, selbst wenn meine Chancen, dass ich das Examen bestehe, gering sind, wenn ich dadurch weiterkommen kann.", erklärte Leon, und in diesem Moment schrie Nina laut auf, was die anderen dazu brachte, zu ihr zu schauen. ,,Onkel Fayt hat ja noch gar nichts gegessen!", rief Nina mit Blick auf Fayts Teller, der noch vollkommen unberührt war. ,,Ähm...", machte Fayt. ,,Du musst was essen!", sagte Nina entschieden, nahm ein Stück Brot aus dem kleinen Körbchen in der Mitte des Tisches und hielt es Fayt hin. ,,Ähm...", begann Fayt erneut, da er nicht wusste, was er sagen sollte; die Kleine dachte schließlich, da wäre ein Mensch in der Rüstung drin. Fayt sah hilfesuchend zu Leon, der nur mit den Schultern zuckte. Seufzend nahm Fayt das Brot entgegen, bedankte sich, klappte den Kopf zurück und warf das Brot in die Rüstung. ,,Schön kauen!", rief Nina fröhlich. ,,Mmmmm! Ist das lecker!", log Fayt verlegen. ,,Und jetzt das Steak!", rief Nina. Fayt ließ einen noch tieferen Seufzer los.
Nachts lagen beide Brüder in ihrem Zimmer noch lange wach; Leon füllte gerade mal die Hälfte des Bettes aufgrund seiner geringen Größe aus, während Fayt so groß war, dass seine Füße ein Meter aus dem Bett ragten. ,,Kannst du nicht schlafen?", fragte Fayt. ,,Nun, mein Kopf ist voll mit den Dingen, die ich heute gelernt habe.", antwortete Leon. ,,Verstehe...", sagte Fayt. ,,Großer Bruder?" ,,Hmm?", machte Leon. ,,Ich glaube, dass du das Examen bestehen kannst.", sagte Fayt zuversichtlich. ,,Also schlaf jetzt und denk nicht zu viel darüber nach; es ist bereits Mitternacht." ,,Sicher...", murmelte Leon nur und tat so, als würde er schlafen.
So vergingen die Monate im Hause der Tuckers... Leon und Fayt arbeiteten, spielten mit Nina und Alexander, vergaßen oft beim Arbeiten zu essen, und lagen nachts noch lange wach...
Es war nun schon mehrere Monate später, als Leon wie gewohnt in der Bibliothek Tuckers saß und vollkommen in ein Buch der Alchemie vertieft war. Erst die Wanduhr, die mit lautem Geläute verkündete, dass es drei Uhr nachmittags war, ließ ihn hochschrecken. ,,Verdammt, schon so spät?", sagte er, verwundert, wie schnell die Zeit vergangen war. Er sah sich im Raum um, doch niemand war da. ,,Fayt, wo bist du?", rief Leon. Vom Garten her war das laute Bellen Alexanders zu hören. ,,Ob sie draußen sind?", wunderte sich Leon und ging in Richtung Garten. ,,Hoffe mal, der Köter verwechselt mich nicht schon wieder mit ´nem Hydranten...", murmelte er leicht besorgt und trat in den Garten hinaus. ,,Fayt?", rief er und erstarrte, als er den Garten erblickte, der vollkommen in Weiß getaucht war: Schnee war den ganzen Tag über aufs Land gefallen, und fiel sogar immer noch massig. Und inmitten des schneebedeckten Gartens saßen Fayt und Nina, die zusammen einen Schneemann bauten, alles unter genauer Beobachtung von Alexander. ,,Großer Bruder!", rief Fayt fröhlich, als er Leon erblickte. ,,Kleiner Onkel Leon, guck mal, der viele Schnee!", rief Nina mit strahlenden Augen. Mit lautem Kampfgebrüll stürmte Leon auf die beiden zu, und im nächsten Moment begann eine erbitterte Schneeballschlacht, bei der Alexander ein ums andere Mal als Schutzschild missbraucht wurde.
Müde und völlig außer Atem ließen sich die drei Kinder schließlich in den Schnee fallen und ruderten mit den Armen und Beinen, um Schneeengel zu formen; Nina giggelte laut, weil Alexander ihr das schweißnasse Gesicht abschleckte. ,,Ich hoffe, ihr könnt hier bleiben, selbst wenn das Examen vorbei ist.", sagte Nina auf einmal, nun etwas traurig. Leon und Fayt sahen sie mitleidig an. ,,Oh!", rief Leon auf einmal, sprang auf und begann mit einem Stock ein Zeichen in den Schnee zu machen. ,,Was malst du da, Onkel Leon?", fragte Nina neugierig. ,,Das nennt man einen Mutations-Zirkel.", erklärte Leon und legte den Stock nach getaner Arbeit zur Seite. ,,Das ist ein Glücksbringer, der deine Wünsche wahr werden lässt." Er klatschte einmal in die Hände und legte sie auf den gezeichneten Zirkel auf, der sogleich zu leuchten begann. ,,Oooooh!", schrie Nina begeistert auf, als der Schnee sich zu wunderschönen Blumen verformte. ,,Schööööön!"
Hughes, der Mann vom Militär, den Leon damals im Zug nach Central City kennen gelernt hatte, kam wenige Minuten später in den Garten, als Leon die Blumen zu einem Kranz verarbeitete und ihn auf Ninas Kopf legte. ,,Arbeitest du auch schön hart?", fragte Hughes, was Leon und Fayt verdutzt hrumwirbeln ließ. ,,Major Hughes!", rief Leon, als er Hughes erblickte. ,,Hey, Kiddies!", begrüßte Hughes die Drei. ,,Ich bin hier, um dich abzuholen, Leon. Heute ist doch dein Geburtstag, oder?" ,,Oh, stimmt ja!", rief Fayt, erschrocken, dass er Leons Geburtstag vergessen hatte; Leon war nicht minder erstaunt: Bei all der harten Arbeit hatten sie völlig die Zeit vergessen. ,,Woher wissen Sie das denn?", fragte Leon. ,,Nun, ich arbeite in der Untersuchungsabteilung, selbst wenn ich nicht so aussehe.", antwortete Hughes. ,,Also, auf zu mir nach Hause. Meine Frau wartet schon." Nina sah trübselig zu Boden. ,,Und die kleine Lady hier kommt auch mit.", fügte Hughes lächelnd hinzu. Nina strahlte vor Freude. ,,Je mehr Leute, desto spaßiger wird die Fete!"
,,Willkommen! Schön, dass ihr hier seid.", wurden sie zwei Stunden später in Hughes Haus von einer äußerst hübschen Frau mit äußerst dickem Bauch begrüßt. ,Das ist meine Frau, Glacier.", stellte Hughes seine Frau Glacier Hughes vor. ,,Mann, ist das ´n dicker Bauch!", rief Leon mit riesengroßen Augen, als er Glaciers Bauch erblickte. ,,Nun ja...", lachte Glacier vergnügt. ,,Sie bekommen ein Baby?", fragte Fayt. ,,Schon sehr bald.", antwortete Glacier, während Hughes vor Stolz lachte. ,,Sie bewegt sich scho richtig viel in mir rum und will langsam endlich mal nach draußen." ,,Wirklich?", fragte Leon und starrte nur weiter zusammen mit Fayt und Nina ihren Bauch an. ,,Wollt ihr mal anfassen?", fragte Glacier. ,,Waaaah!", kreischten Leon und Fayt und sprangen schnell zurück, vehement die Köpfe schüttelnd. ,,Ich will mal!", rief Nina und fasste mit beiden Händen Glaciers Bauch. ,,Es hat sich bewegt! Es hat sich bewegt!", rief Nina auf einmal.
Der Rest des Tages war ganz und allein Leon gewidmet, der von Glacier und Hughes Geschenke bekam, einen Kuchen mit zwölf Kerzen ausbließ, und schließlich gab es richtig leckeres Essen.
Langsam wurde es spät. Schläfrig saßen Leon, Fayt, Nina und Hughes am Tisch, ihre Bäuche bis zum Rand gefühlt, als Glacier mit dem Tee zurück aus der Küche ins Wohnzimmer kam. ,,Möchte jemand noch eine schöne heiße Tasse Tee?", fragte sie gutgelaunt. ,,Danke.", sagte Hughes zu seiner Frau und räumte ein paar Sachen vom Tisch, um Platz für die Teekanne zu machen. ,,Argh!", stöhnte Glacier auf einmal auf und sank zu Boden. ,,Glacier!", schrie Hughes erschrocken, sprang von seinem Stuhl auf und eilte zu ihr. ,,Liebling... es kommt...", keuchte Glacier. ,,Was kommt? Der Tee?", fragte Hughes verwirrt. ,,Das Baby, du Dummkopf!", schrie Glacier. Hughes sank der Mund vor Schreck fast bis zum Boden. ,,W-Was?!?", kreischte er. ,,Aber sie sollte doch erst in zwei Wochen kommen!" ,,Tja, aber wie du siehst, hat sie andere Pläne und will JETZT raus!", brüllte Glacier weiter. ,,Ein Arzt... Wir brauchen einen Arzt!", schrie Hughes und sprang auf. Fayt, der die ganze Zeit nur mit Nina und Leon die beiden Erwachsenen wie belämmert angesehen hatte, sah nun zu Fenster auf und schrie entsetzt auf. ,,Ein Schneesturm!", schrie er auf. Und wirklich: Draußen fiel der Schnee so heftig, dass man nicht mal mehr einen Meter weit sehen konnte. ,,Dann bring ich den Arzt hierhin!", rief Hughes und stürmte aus dem Haus. ,,W-Warten Sie!", brüllte Leon entsetzt, doch Hughes war bereits verschwunden. ,,Tut... Tut mir wirklich Leid, ihr Drei...", entschuldigte sich Glacier vom Boden her.
Kurzerhand wurde Glacier von Fayt auf die Couch verfrachtet, während Leon - auf Anweisung Glaciers - in die Küche stürmte und einen Bottich mit heißem Wasser füllte. Sofort stürmte er mit dem Bottich zurück und rief mit viel zu hoher Stimme: ,,Glacier, ich hab das heiße Wasser gebracht!" ,,Danke. Stell es bitte auf den Boden.", wies Glacier ihn an. ,,Können wir sonst noch etwas tun?", fragte Fayt angespannt, während Leon den Bottich in der Nähe der Couch abstellte. ,,Ja, wir brauchen ganz viele Handtücher.", erklärte Glacier. ,,Handtücher?", wiederholte Fayt. ,,Verstanden!" Er wollte gerade aus dem Zimmer düsen, als erneut eine Wehe einsetzte und Glacier laut aufschrie. Leon und Fayt sahen sich besorgt an.
Eine Stunde später hatte sich der Schneesturm sogar noch verschlechtert, und von einem Arzt oder Hughes war immer noch keine Spur. ,,Die kommen nicht rechtzeitig...", sagte Fayt besorgt. ,,Ja, der Schneesturm wird immer schlimmer.", sagte Leon zustimmend, während Nina Glacier mit einem Waschlappen übers Gesicht fuhr, den sie vorher in den Bottich getaucht hatte. ,,AAAAAAAAH!!!", kreischte Glacier auf einmal auf, was Nina zurückstolpern und zu Boden knallen ließ. ,,ICH HALT DAS NICHT MEHR AUS!!! ICH STERBE!!!" Leon, Fayt und Nina schrien entsetzt auf. ,,Großer Bruder, tu was! Glacier stirbt!", begann Fayt hysterisch zu brüllen und im Zimmer herumzurennen. ,,Das kann nicht sein!", rief Leon zitternd. Glacier machte noch ein paar Atemzüge, stieß einen letzten Schmerzensschrei aus und sackte dann reglos zusammen. Nina kreischte so laut auf, dass Leon einen Tinitus bekam, und begann haltlos zu weinen. ,,Ist sie tot?!?", kreischte Fayt entsetzt. ,,Idiot! Sie ist nur ohnmächtig!", brüllte Leon, nicht minder verzweifelt wie die anderen beiden. ,,Aber in der Alchemie braucht man doch etwas von sehr großem Wert, um Leben zu schaffen!", flennte Fayt nun. ,,Eine Geburt hat absolut nichts mit Alchemie zu tun!", bellte Leon. Glacier begann erneut zu stöhnen, und Sekunden später zu schreien. ,,Oh, Gott sei Dank, sie lebt!", rief Fayt erleichtert und beugte sich zu ihr hinab. ,,Sind Sie in Ordnung, Glacier?" ,,Verdammt!", fluchte Leon und ballte seine Hände zu Fäusten. ,,Ich kann einfach nichts machen..." ,,Onkel Leon, das Wasser ist kalt.", sagte Nina vom Boden her, eine Hand im Bottich voll Wasser. ,,Verstehe.", sagte Leon, beugte sich hinab und packte den Bottich mit beiden Händen, um ihn zurück zur Küche zu bringen und heißes Wasser einzufüllen. Es gab einen Lichtblitz, und im nächsten Moment war das Wasser kochend heiß. Leon schrie erschrocken auf. ,,Großer Bruder! Was hast du da gemacht?!?", rief Fayt verdattert. ,,N...Nichts?", schlug Leon vor. ,,Was meinst du mit "nichts"?!?", rief Fayt. ,,Wo ist der Mutations-Zirkel, mit dem du das Wasser erhitzt hast?!?" ,,Weiß ich doch nicht!", antwortete Leon. ,,AAAAAAH!!! ES KOMMT!!! ES KOMMT!!!", brüllte Gacier im selben Moment, was Leon, Fayt und Nina entsetzt aufspringen und zur Wand zurückweichen ließ. ,,AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH
HHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!", brüllte Glacier. ,,Was machen wir jetzt?!?", schrien die drei Kinder panisch. ,,Wo bleibt bloß der verdammte Arzt?!?", schrie Leon.
Drei Stunden später erblickte neues Leben schreiend die Welt: Die Tochter von Hughes und Glacier, die das Kind glücklich in ihren Händen hielt. ,,Gut gemacht! Gut gemacht, Glacier!", rief Hughes, während ihm die Tränen in Sturzbächen hinabrannen und sich der Arzt, der das Baby in die Welt geholt hatte, sich zufrieden die Hände wusch. ,,Ich danke euch Dreien.", bedankte sich Glacier bei Leon, Fayt und Nina, die wie gebannt das kleine Baby in ihren Armen anstarrten. ,,Wir... haben doch nichts gemacht...", entgegnete Leon verlegen. ,,Nein, nein...", widersprach Glacier lächelnd. ,,Ihr seid bei mir geblieben."
Wieder zurück in Tuckers Villa, brachte Hughes die bereits eingenickte Nina ins Haus, damit Tucker sie ins Bett bringen konnte, verabschiedete sich von Leon und Fayt, und fuhr dann wieder zurück nach Hause zu seiner Familie.
Wieder einmal lagen die beiden Elric-Brüdern wach in ihren Betten. ,,Obwohl wir Alchemisten sind, konnten wir nichts machen.", sagte Leon. ,,Ja.", stimmte Fayt zu, der schon die ganze Fahrt nach Hause über merkwürdig ruhig gewesen war. ,,Mütter sind schon was Erstaunliches.", meinte Leon belustigt. ,,Sie vollbringen etwas, was selbst Alchemisten nicht hinkriegen können... selbst nach mehreren hundert Jahren nicht. ,,Unsere Mutter...", begann Fayt auf einmal. ,,Fayt?", fragte Leon und richtete sich auf. ,,Als ich auf die Welt kam, was ich da auch so warm und weich?", fragte Fayt. ,,Natürlich warst du das.", antwortete Leon. ,,Verstehe...", sagte Fayt und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Leon sah eine Weile verdutzt zu ihm hin und wunderte sich, was los war. Dann allerdings hörte er Fayts Schluchzer und entschied sich, so zu tun, als wenn er schlafen würde.
Die beiden Jungen studierten härter und länger...
Drei Monate später im Frühling...
Eines Abends, während die beiden über ihren Aufzeichnungen in ihrem Zimmer saßen, erinnerte sich Fayt vergnügt wieder zurück an den Abend, als Hughes´ Tochter zur Welt gekommen war, und dabei fiel ihm auch wieder ein, welch seltsamer Vorfall sich gleichzeitig ereignet hatte. ,,Mir ist gerade eingefallen...", begann er. ,,Du hast das Wasser damals erhitzt ohne einen Mutations-Zirkel zu zeichnen, richtig?" Leon sah ihn kurze Zeit verwundert an, da er nicht verstand, was Fayt meinte, dann, als er sich jedoch wieder erinnerte, sagte er: ,,Nun, wir waren schließlich in einer ziemlich bizarren Situation, wenn du mich fragst." ,,Aber trotzdem, du bist unglaublich, großer Bruder.", himmelte Fayt ihn an. ,,Ich muss mich wirklich hart anstrengen, wenn ich so gut wie du werden will." ,,Ähm... In Ordnung...", sagte Leon verlegen.
Einen Monat später, am Abend vor dem Examen...
Nach dem Abendessen war Nina mit Alexander vor dem Kamin des Wohnzimmers, in dem ein wohliger Feuer prasselte, eingeschlafen. ,,Das Examen besteht jedes Jahr aus einer theoretischen Prüfung, einem Interview und dem praktischen Teil, und zwar in der Ordnung.", erzählte Tucker den beiden jungen Alchemisten. ,,Ich bin mir nicht sicher, wieviele genau am Examen teilnehmen werden, aber nur ein oder zwei kommen pro Jahr durch." ,,So wenig?, fragte Leon, ein wenig beunruhigt. ,,Ja.", sagte Tucker nickend. ,,Ähm, was müssen wir denn bei dem Interview machen?", fragte Fayt interessiert. ,,Bei meinem Fall haben sie mir damals nur Fragen gestellt.", antwortete Tucker. ,,Aber manchmal führen sie auch Gesundheitsuntersuchungen bei bestimmten Personen durch." ,,Was?", rief Fayt erschrocken. ,,Gesundheitsuntersuchungen...?" Er besah sich seinen Körper, ein einziger Berg aus Metall... Wie sollten die Prüfer nur bei ihm feststellen können, ob er gesund ist oder nicht?!? ,,Und bei dem praktischen Teil muss die eine Hälfte der Teilnehmer ein Experiment durchführen, so wie ich, während die andere Hälfte auf einem großen Areal etwas mutieren muss.", sprach Tucker weiter.
Nachdem sie in ihrem Zimmer waren, saßen sich die beiden Brüder besorgt auf ihre Betten. ,,Also... was sollen wir tun? Ein Experiment oder etwas mutieren?", fragte Leon ratlos. ,,Und was ist, wenn sie bei mir eine Gesundheitsuntersuchung durchführen wollen?", fragte Fayt verzweifelt. ,,Sie werden herausfinden, dass nichts in meiner Rüstung ist." Leon sah ihn kurz mitleidig an, dann sagte er jedoch aufmunternd: ,,Mach dir keine Sorgen, Brüderchen. Lieutenant Oberst Mustang wird sich deswegen schon was einfallen lassen." ,,Das hoffe ich doch...", sagte Fayt voll Unbehagen und ließ sich auf sein Bett niederfallen.
Das Examen fand früh morgens um acht Uhr in einem Raum im gigantischen marmornen Stützpunkt des Militärs statt. Hunderte von Sitzreihen reihten sich hinauf in die Höhe, und unten am Ende des Raumes saßen die drei höchsten Mitglieder des Militärs: General Peaccraft, ein älterer, großgewachsener Mann mit Bart und Augenklappe, und ein glatzköpfiger Mann mit Bart. Zur Linken von den Dreien stand Roy, zur Rechten ein anderes Militärmitglied. Eine schier unglaubliche Anzahl von Alchemisten hatte sich in den Sitzreihen versammelt, unter ihnen auch die äußerst angespannten Leon und Fayt. ,,Hiermit beginnen wir das Examen.", sprach der Mann mit der Augenklappe, nachdem es ruhig geworden war. ,,Fangt an!", befahl Roy. Die Teilnehmer drehten die ihnen auf den Tisch hingelegten Prüfungsblätter um und begannen zu schreiben.
Um zehn Uhr erreichte Nina zusammen mit Alexander den Militärstützpunkt und wartete auf Leon und Fayt.
Gegen Mittag kamen die ersten Teilnehmer aus dem Gebäude, ihre Gesichter steinern.
Leon und Fayt gehörten zu den Letzten, die das Gebäude verließen; beide sahen vollkommen fertig aus. ,,Und?", fragte Nina neugierig. ,,Ich bin bis zur letzten Frage gekommen, dann war die Zeit um...", stöhnte Leon. ,,Ich hab alle Fragen beantwortet...", röchelte Fayt. ,,Aber nachdem sie die Prüfungen ausgewertet haben, folgt das Interview." Die beiden ließen sich geknickt zu Boden fallen und warteten darauf, dass sie wieder zurück is Gebäude zum Interview gerufen wurden.
Mit gerunzelter Stirn ließ Roy in seinem Büro die Ergebnisse der Prüfungen auf seinen Schreibtisch fallen. ,,Ich hätte nicht gedacht, dass der jüngere Bruder die Prüfung ebenfalls besteht...", sagte er gedankenversunken. ,,Ist das ein Problem?", fragte Hawkeye. Roy seufzte.
Draußen spielte Nina derweil vergnügt mit Alexande Fangen, während Leon und Fayt weiterhin Trübsal bliesen. ,,Ein Interview, huh?", murmelte Fayt. Leon schaute verdutzt drein, als er Roy erblickte, der aus dem Geäude kam und auf sie zu schritt.
,,Was?!? Dem stimme ich nicht zu!", protestierte Fayt wenig später, nachdem Roy die beiden Brüder in eine verlassene Ecke geführt hatte. ,,Warum?!? Warum soll ich an dem Interview nicht teilnehmen?!?" ,,Wenn du deine Vergangenheit verbergen und weiter fortschreiten willst, gibt es keinen anderen Weg.", erklärte Roy. ,,Aber ich muss auch ein Natio...!", begann Fayt hitzig. ,,Lass gut sein, Fayt.", unterbrach Leon ihn. ,,Was?", fragte Fayt verdutzt. ,,Winrys Oma hat doch gesagt, dass Nationale Alchemisten in den Krieg geschickt werden, sollte einer ausbrechen, oder?", sagte Leon. ,,Und sie müssen Menschen mit Hilfe der Alchemie umbringen, die doch eigentlich dafür da ist, zum Wohle der Menschen genutzt zu werden. Wenn du bestehst, bedeutet das, dass du zu einem Militärhund wirst." ,,Aber...!", begann Fayt. ,,Nur mir sollte die Schande zuteil werden, ein Nationaler Alchemist zu werden.", unterbrach Leon ihn mit festem Blick. ,,Ich werde auf jeden Fall einer und werde dafür sorgen, dass dein Wunsch wahr wird." ,,Großer Bruder...", murmelte Fayt und sah zu Boden.
Fayt trat vor eine riesige Tür, auf der Adam und Eva gezeichnet waren, um die sich eine Schlange schlängelte und in ihrem Maul einen Apfel hielt, den sie verführerisch Eva hinhielt. Er wollte die Tür gerade öffnen, als sie von selbst aufging, hinter ihr endlos erscheinende Dunkelheit. Doch er war kaum ein paar Schritte gegangen, als ein gleißendes Licht von der Decke auf einen einbeinigen goldenen Stuhl in der Mitte des Raumes fiel, der wie durch ein Wunder aufrecht stand, obwohl er eigentlich keine Balance hätte haben dürfen und am Boden liegen müsste. Die gleichen drei obersten Mitglieder saßen erneut an einem Tisch gegenüber des goldenen Stuhles, zu ihren Seiten erneut Roy und das andere Militärmitglied. ,,W-Warum fällt der Stuhl nicht um?", wunderte sich Leon laut. ,,Setz dich.", sagte der Mann mit der Augenklappe. ,,Wenn du ein wahrer Alchemist bist, wird dich der Stuhl nicht abweisen. Wenn du jedoch keiner bist..." Leon betrachtete zögerlich den Stuhl. ,,Alchemisten haben zu keiner Zeit Angst, Junge.", sprach der Mann weiter, als Leon keine Anstalten machte sich zu setzen. Leon atmete tief ein, trat vor und setzte sich auf den Stuhl. Nichts passierte: Der Stuhl warf ihn weder runter, noch verlor er seine Balance. ,,Sehr schön.", sagte der Mann mit der Augenklappe und lächelte ihm zu. ,,Als Erstes würde ich gerne den Grund dafür hören, warum du an diesem Examen teilnimmst." ,,Weil...", begann Leon, verstummte dann aber. ,,Weil...?", fragte der Mann nach. Leon dachte an Fayt, wie er als kleiner Junge fröhlich über die Felder gerannt war... dachte an Fayt, wie er deprimiert war, dass die Menschen Angst vor ihm hatten wegen seines derzeitigen Aussehens... ,,Weil ich es versprochen habe!", antwortete er. ,,Ich habe meinem einzigen Familienmitglied versprochen, dass ich ein Nationaler Alchemist werden würde!" Roy lächelte zufrieden.
Die Nacht brach herein. ,,Fayt...", sagte Leon von seinem Bett her. ,,Der Pfad, den wir gewählt haben, war doch der richtige, oder?" ,,Das weiss ich nicht.", antwortete Fayt und richtete sich wieder im Bett auf. ,,Aber es gibt eines, dessen ich mir vollkommen sicher bin: Ich will dich wieder berühren können, großer Bruder." Er seufzte. ,,Ist das nicht verrückt? Wir sind so nahe, aber das Gefühl, wenn ich dich berühre, und deine Wärme... ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich möchte wieder spühren können..."
Dann kam der Tag der praktischen Prüfung. Leon, Fayt und Nina gingen zusammen zum Stützpunkt des Militärs, doch vor dem Eingang blieben Fayt und Nina stehen. ,,Dann geh ich mal.", sagte Leon und wollte hineingehen. ,,Ähm... Onkel Leon...", begann Nina. ,,Hmm?", machte Leon und wandte sich zu ihr um. ,,Ähm...", machte Nina, kicherte verlegen und versteckte schnell etwas hinter ihrem Rücken. ,,Nina, gib es ihm.", sagte Fayt ermutigend. ,,J... Ja...", sagte Nina und reichte Leon ein zusammengerolltes Blatt Papier. Leon rollte es auf und stutzte: In der Mitte des Blattes war ein Mutations-Zirkel gezeichnet, um den Zirkel herum standen, Leon, Fayt, Nina und Alexander, allesamt fröhlich lachend. ,,Das ist ein Glücksbringer, der Wünsche wahr werden lässt.", erklärte Nina stolz. ,,Danke, Nina.", bedankte sich Leon, lächelte und betrat den Stützpunkt.
Ein riesiges Areal im Zentrum des riesigen Gartens des Stützpunktes: Sand, Berge aus massivem Stein und Eis, Bäume, und ein kleiner Bach waren hier angesiedelt und warteten nur zusammen mit den drei obersten Mitgliedern des Militärs, Roy und noch einem anderen Militärmitglied auf die zu Prüfenden. ,,Wir stellen Ihnen jetzt all die Materialien in diesem Bereich zur Verfügung.", erklärte der Mann mit der Augenklappe. ,,Mutieren Sie sie frei nach Ihren Wünschen." ,,Nach Ihren Wünschen...?", wiederholte Leon unsicher. ,,Was müssen wir denn genau machen, um zu bestehen?" Verzweiflung breitete sich in seinem ganzen Körper aus, während er darüber nachdachte, was er erschaffen könnte, um die Prüfer zu beeindrucken. Er war sogar so sehr konzentriert, dass er die Lichtblitze in der Nähe nicht bemerkte, und war deswegen um so erschrockener, als plötzlich ein riesiger Steinturm aus dem Boden gen Himmel schoss. Der Alchemist, der vor dem Turm stand und eben jenen aus dem Boden erschaffen hatte, lächelte zufrieden, knickte dann aber schweißnass ein und sank zu Boden. ,,Das war zwar beeindruckend, aber dafür, dass er sich nun völlig verausgabt hat, gibt es natürlich Minuspunkte.", sagte einer der Prüfer zum anderen. ,,Ich bin der Nächste!", rief ein besonders arrogant dreinschauender Alchemist, zeichnete einen Zirkel und fällte Bäume, die auf eben jenen Zirkel fielen. Er schöpfte Wasser aus dem Bach und begoss damit die Bäume. ,,Bäume und Wasser?", wunderte sich Leon, als es auch schon einen Lichtblitz gab.
,,Ob Onkel Leon es schaffen wird?", fragte Nina, die auf Fayts Schultern saß. ,,Er hat doch deinen Glücksbringer, Nina. Er wird es schaffen.", versicherte Fayt ihr. Im nächsten Moment sahen beide verdutzt auf, als ein gigantisch großer Ballon aus Papier in den Himmel hinaufstieg.
,,Wunderbar.", sagte einer der Prüfer lobend. ,,Er hat Papier und Wasserstoff aus den Bäumen und dem Wasser erschaffen?", staunte Leon. PENG!!! Der Ballon zerplatzte und driftete mit schnaller Geschwindigkeit gegen die Spitze des Steinturmes zu, wo er explodierte. ,,Das ist nicht gut!", rief Roy erschrocken. Die Spitze des Turmes brach ab und zersplitterte in mehrere spitze, totdbringende Teile, die genau auf den Alchemisten zurasten, der den Turm erschaffen hatte und immer noch zu erschöpft war, um zu flüchten. ,,Aufpassen!!!", brüllte Leon, spurtete los, klatschte wenige Meter vor dem Turm in die Hände und knallte sie auf den Boden. Es gab einen Lichtblitz, und das gesamte Gebiet rund um den Militärstützpunkt begann hellauf zu leuchten. Als das Licht ein bisschen weniger geworden war und die Umstehenden ihre Augen wieder öffneten, starrten sie alle beeindruckt zum Himmel hinauf. ,,Kein Mutations-Zirkel, was?", sagte Roy und lächelte zufrieden. ,,Ein kleines Kind als Nationaler Alchemist, was?" sagte der Mann mit der Augenklappe belustigt. ,,Das hat doch was." Er sah zu Leon, der genauso erstaunt war wie die anderen über das, was er soeben erschaffen hatte.
,,Ist das schöööööööön!", rief Nina und sah zum Himmel hinab zu dem Kranz aus Kirschblüten, der im Himmel schwebte, und der aus dem Steinturm und den Überresten des Ballons entstanden war, und nun das ganze Gebiet unaufhörlich mit Kirschblütenblättern begoss.
Es war bereits Sonnenuntergang, als sich Leon mit den anderen Dreien auf den Rückweg nach Hause machte, seine Qualifikation als Nationaler Alchemist fest in den Händen haltend; Nina schlief tief und fest auf den Schultern von Fayt. ,,Fayt...", sagte Leon auf einmal. Fayt sah zu ihm. ,,Ich werde nicht mehr länger zögern.", sagte Leon. ,,Ab jetzt werde ich nur noch nach vorne schauen und voranschreiten. Und wenn ich doch mal stehenbleiben sollte... nun, darum kümmere ich mich, wenn es mal soweit kommen sollte." Er hielt seine Faust gen Himmel. ,,Eines Tages, Fayt, werde ich dir deinen alten Körper zurückgeben." ,,Ja.", sagte Fayt und nickte. ,,Und wenn dieser Tag kommt, wirst du deinen alten Körper ebenfalls zurückbekommen."
Und so schritten die beiden dahin: Leon Elric, elf Jahre alt, und Fayt Elric, zwölf Jahre alt.
Vorschau Kapitel 7: Nachts, wenn die Chimära weint...: ,,Nina... Tut mir Leid..."
Dienstag, 31. Juli 2007
Donnerstag, 26. Juli 2007
Tales of Alchemy Kapitel 5: Entführung
Please rip apart those old memories with your hands
And stop sadness completely
Now pierce through my heart which is in love
I look up to the sky where tomorrow should arrive
Looks like I cannot use my heart well, for it's full of worries
A bird flew near me
I wonder if it was able to find light
Will you let me ride on your back?
Then leave me behind at the worlds highest place and keep me away from kindness
Please rip apart those old memories with your hands
And stop sadness completely
Now pierce through my heart which is in love
Der nächste Tag brach an, neblig und wolkenverhangen. Vollkommen müde und mit wunden Augen stieg Leon aus der Kutsche, gefolgt von Fayt, der in seiner Statuenform keinerlei Ermüdungserscheinungen hatte. Die Kutsche hatte die beiden Brüder zu einem Bahnhof gebracht, von dem aus die beiden den nächsten Zug nach Central City nehmen wollten, um sich dort mit Oberst Roy Mustang zu treffen. Während Fayt zu einem Tante Emma-Laden ging, um Leons Lieblingskekse zu kaufen, schlurfte Leon dauergähnend zu einem Telefon in der Nähe der Gleise, wo ein Zug stand, der jeden Moment losfahren würde. Leon wählte die Nummer, und sogleich erklang der Biep-Ton, den jedermann kennen müsste. Drei Minuten nervigen Wartens später erklang es aus dem Telefonhörer: ,,Entschuldigung, dass ich Sie warten ließ." Leon sprang erschrocken hoch. ,,S-Spricht da Lieutnant Oberst Roy Mustang?", fragte er aufgeregt. ,,Ich s-sind Leon Elric..." Lieutnant Oberst Roy Mustang, der tatsächlich am Hörer war, lachte vergnügt. ,,Sind?", wiederholte er belustigt. ,,Es gibt keinen Grund, so nervös zu sein, Junge." ,,J-Ja!", rief Leon mit zwei Oktaven höherer Stimme. ,,I-Ich rufe an, um Ihnen mitzuteilen, dass ich den Zug um 9 Uhr 25 nehmen werde, der nach Central City fährt."
,,Roger.", sagte Roy auf der anderen Seite der Leitung in seinem Büro und nahm einen Zettel von einer Frau mit stechendem Blick entegen, die dieselbe Uniform trug wie er. ,,Nein, warte.", sagte er, nachdem er einen Blick auf den Zettel geworfen hatte, und sah zur goldenen Uhr, die auf seinen mit Akten überladenen Schreibtisch lagen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schnaufte die Frau mit dem stechendem Blick, als sie ebenfalls zum Tisch sah; sah man aber genauer hin, erkannte man, dass unter den Akten viel nackte Frauenhaut, die auf Schmuddelheftchen abgebildet waren, zu erkennen waren. ,,Vor diesem Zug um 9 Uhr 25 gibt es doch noch einen weiteren Zug, oder?", fragte Roy Leon.
,,Ja, aber der wird jeden Augenblick losfahren.", antwortete Leon, während im Hintergrund ein Schaffner rief: ,,Vom Bahnsteig zurücktreten!" Ein Pfeifen ertönte vom Zug, einer Dampflock.
,,Nimm diesen Zug.", sagte Roy.
Leon schaute verdutzt drein und begann: ,,Aber warum...?"
,,Nimm ihn einfach!", schrie Roy ungehalten.
Vor Schreck ließ Leon den Hörer fallen und stürmte auf den Zug zu, der sich langsam in Bewegung setzte. ,,Fayt! Komm schon!", rief er Fayt zu, der noch immer mit Einkaufen beschäftigt war. Schnell knallte er der Kassiererin etwas Geld mit und rannte ebenfalls los.
Zufrieden lächelnd legte Roy den Hörer auf. ,,Zeit für einen kleinen Test.", sagte er. Die Frau mit dem stechenden Blick seufzte tief.
,,Roger.", sagte Roy auf der anderen Seite der Leitung in seinem Büro und nahm einen Zettel von einer Frau mit stechendem Blick entegen, die dieselbe Uniform trug wie er. ,,Nein, warte.", sagte er, nachdem er einen Blick auf den Zettel geworfen hatte, und sah zur goldenen Uhr, die auf seinen mit Akten überladenen Schreibtisch lagen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schnaufte die Frau mit dem stechendem Blick, als sie ebenfalls zum Tisch sah; sah man aber genauer hin, erkannte man, dass unter den Akten viel nackte Frauenhaut, die auf Schmuddelheftchen abgebildet waren, zu erkennen waren. ,,Vor diesem Zug um 9 Uhr 25 gibt es doch noch einen weiteren Zug, oder?", fragte Roy Leon.
,,Ja, aber der wird jeden Augenblick losfahren.", antwortete Leon, während im Hintergrund ein Schaffner rief: ,,Vom Bahnsteig zurücktreten!" Ein Pfeifen ertönte vom Zug, einer Dampflock.
,,Nimm diesen Zug.", sagte Roy.
Leon schaute verdutzt drein und begann: ,,Aber warum...?"
,,Nimm ihn einfach!", schrie Roy ungehalten.
Vor Schreck ließ Leon den Hörer fallen und stürmte auf den Zug zu, der sich langsam in Bewegung setzte. ,,Fayt! Komm schon!", rief er Fayt zu, der noch immer mit Einkaufen beschäftigt war. Schnell knallte er der Kassiererin etwas Geld mit und rannte ebenfalls los.
Zufrieden lächelnd legte Roy den Hörer auf. ,,Zeit für einen kleinen Test.", sagte er. Die Frau mit dem stechenden Blick seufzte tief.
Laut pfeifend und Dampf ausspuckend zuckelte der Zug voran, den Leon und Fayt noch gerade so erreicht hatten. Nachdenklich mampfte Leon die Kekse, die Fayt für ihn gekauft hatte. ,,Ich verstehe diesen Roy Mustang irgendwie nicht.", sagte er schließlich. ,,Ich frage mich, was für eine Art Mensch der wohl ist..." Und während Leon weiter über Roy Mustang und dessen Charakter sinnte, kletterte ein kleines Mädchen, vielleicht gerade mal vier Jahre alt, das eine Reihe hinter der Reihe saß, in der Leon und Fayt saßen, über ihren Sitz und schaute mit großen Augen zu der überdimensionalen Statue Fayt. Fayt stutzte leicht und winkte dem kleinen Mädchen schüchtern zu, das sofort ängstlich auf ihre Seite zurückwich. Leon, dem Fayts Winken mit der Hand nicht entgangen hatte, sah verdutzt hinter sich, während Fayt niedergeschlagen zu Boden schaute. ,,Großer Bruder...", murmelte er trübselig. ,,Bin ich angsteinflößend?" ,,Nein, das ist doch überhaupt nicht...", begann Leon, als er das kleine Mädchen in der Reihe hinter sich zu ihrer Mutter sagen hörte: ,,Mama, da ist ein richtig verrückter Typ in der anderen Reihe." ,,Verrückt?!?", wiederholte Fayt wimmernd. ,,Marin, nicht. Sei leise.", schimpfte die Mutter mit ihrer Tochter. ,,Aber das ist so lustig!", kicherte das Mädchen namens Marin. ,,Er trägt eine Rüstung in einem Zug! Er muss richtig verrückt nach Rüstungen sein!" Gereizt stand Leon auf und sah wütend zu Marin und ihrer Mutter, die hinter ihm saßen. Er wollte gerade losbrüllen, als er die anderen Passagiere des Abteils sah, deren Blicke alle dasselbe sagten: Nämlich das Leon und Fayt Verrückte waren, die auf Ärger aus waren. ,,Oh, ähm... Wir führen nichts Böses im Schilde, ehrlich...", stammelte Leon kleinlaut und setzte sich schnell wieder auf seinen Platz. Fayt, der immer noch trübselig zu Boden geschaut hatte, sah nun verdutzt auf, denn Marin hatte sich erneut über die Sitzbank gebeugt und winkte ihm nun fröhlich zu. Leon sah hinter sich, sah Marin und lächelte zufrieden. ,,Na, siehst du? Sie mag dich.", sagte er zu Fayt. Marin nickte zustimmend und lächelte. Dann jedoch sah sie ein wenig verdutzt drein, als sie Leons Metallhand erblickte. ,,Cool, oder?", sagte Leon lächelnd zu ihr. ,,Ja, ist es!", rief Marin begeistert. ,,Komm schon, Marin, stör die beiden Jungen nicht.", ermahnte ihre Mutter sie, nickte den beiden Jungen lächelnd zu und zog ihre Tochter mit sanfter Gewalt zurück auf ihren Platz.
Die Dampflock zuckelte nun über eine lange Steinbrücke dahin in Richtung eines Gebirges.
In einem der nobelsten Abteile der Lock saß ein Mann Mitte dreißig mit seiner Frau und den beiden Kindern, die sie zusamen hatten; die beiden Kinder schliefen. ,,Sieht aus, als wären sie vom vielen Herumlaufen nun müde.", sagte der Mann, General Peacecraft. ,,Ja, es scheint so.", sagte ein Mann in Militäruniform, der sich ebenfalls im Abteil befand. ,,Ich bin froh, dass die Reise bisher vollkommen sicher und ohne Störungen verlaufen ist, General Peacecraft." ,,Ich habe zwar gehört, dass es im Osten nicht besonders sicher sein soll, aber ich schätze, so gefährlich ist es hier nun doch wieder nicht.", meinte General Peacecraft. Die beiden Männer lachten.
,,Hören Sie das?", sagte ein etwas älterer Mann in Zivilkleidung, der mit einem anderen Mann vor der Tür zum Abteil General Peacecrafts stand. ,,Die High-Society ist einfach viel zu leichtfertig." Er seufzte. ,,Übrigens, wo ist Major Hughes schon wieder abgeblieben?" ,,Officer Farman! Er nimmt derzeitig Kontakt mit Lieutnant Oberst Mustang wegen dieser einen Sache auf.", antwortete der andere Mann. ,,Dieser einen Sache?", wiederholte Officer Farman verwundert und sah zu der Tür am anderen Ende des Abteils, die zum Führerhaus der Lock führte.
Im Führerhaus selbst saß ein noch sehr jung aussehender Mann mit schwarzen, stacheligen Haaren, der eine Brille trug; sein dichter Bart ließ ihn jedoch um einiges älter wirken als er wirklich war. ,,Nun, du musst zugeben, meine Frau ist sogar noch hübscher geworden, seit sie schwanger ist.", schwärmte der Mann namens Hughes in den Telefonhörer. ,,Wie soll ich es nur passend ausdrücken... ah! Sie ist wie ein Engel, der hinab zur Erde gestiegen ist... hach..."
Gereizt legte Roy Mustang. mit de Hughes telefoniert hatte, den Hörer auf.
,,Wie? Ist die Verbindung schon wieder zusammengebrochen?", sagte Hughes verdutzt. ,,Die Leitung ist ja ziemlich unstabil. Ech nervig!"
,,Du bist hier nervig!", rief Officer Farman vom Flur des anderen Abteils her. Er seufzte. ,,Ich muss noch einmal die Zugabteile inspizieren, um auf Nummer sicher zu gehen.", sagte er zu dem anderen Mann, der mit ihm vor General Peacecrafts Abteil stand, und ging los.
Währenddessen hatte Hughes erneut Roy in dessen Büro angerufen. ,,Hey, Roy, was soll ich denn jetzt machen, wenn morgen das Baby auf die Welt kommt?", nervte Hughes Roy weiter.
Roy tippte genervt mit dem Zeigefinger - er trug übrigens Handschuhe mit Runensymbolen - auf seinem Schreibtisch herum. ,,Hughes...", fauchte er in den Hörer. ,,Das hab ich jetzt schon mindestens fünfzigmal gehört. Wenn du mit jemanden darüber reden willst, ruf nicht mich an... ruf deine Frau an!"
,,Hab ich ja schon.", sagte Hughes. ,,Vor ´ner Weile."
,,DANN FRAG MICH NICHT!!!", brüllte Roy und schnippte mit den Fingern, aus denen sofort Funken stoben. Ein Mann in Militärkleidung, der großgewachsen und schlacksig war, sprang erschrocken zur Seite von Roy weg. ,,Entschuldigen Sie mich...", sagte die Frau mit dem stechenden Blick und nahm Roy den Hörer ab. ,,Hawkeye?", fragte Roy verdutzt die Frau, Second Lieutnant Relena Hawkeye. ,,Major Hughes, wenn ich Sie daran erinnern dürfte...", sprach Hawkeye ganz ruhig, holte dann tief Luft und brüllte so laut, dass das ganze Militärgebäude Central Citys erbebte: ,,EIN BABY WIRD NICHT BEREITS NACH FÜNF MONATEN AUF DIE WELT KOMMEN!!!"
Im selben Moment gab die Dampflock ein lautes Pfeifen von sich und fuhr in einen Tunnel.
,,Hmm? Was war das gerade?", fragte Hughes, da die Verbindung beim Einfahren in den Tunnel abgebrochen war. ,,Mann, schon wieder diese dämliche Verbindung weg...", grummelte er.
Die Lock fuhr über eine weitere Steinbrücke.
Officer Farman betrat das letzte Abteil des Zuges und erstarrte, als er einen Mann in einer Rüstung sah, der am Ende des Abteils saß und zum Fenster hinaussah. ,,S-Sehr verdächtig...", stotterte er und schluckte.
,,Du kannst nun aufhören Hughes. Keinerlei Abhörgeräte bei der Verbindung...", sprach derweil Roy in seinem Büro ins Telefon. ,,Habt ihr irgendjemand Verdächtigen gesichtet?"
,,Nein.", antwortete Hughes, auf einmal vollkommen ernst. ,,Nun, das würde ich gerne sagen, aber es sind mehr Leute im Zug als erwartet. Wenn wir die Menschen in den Privatabteilen mitzählen..." Ein anderes Telefon klingelte. Hughes nahm den Hörer ab und hielt ihn so, dass auf Roy mithören konnte. ,,Was ist los?", fragte Hughes. ,,Ich habe jemanden gefunden!", ertönte die aufgeregte Stimme Farmans aus dem Hörer. ,,Gefunden?", wiederholte Hughes.
,,Ich habe jemanden gefunden, der sehr verdächtig aussieht!", zischte Farman.
,,Was?", rief Hughes.
,,Das ist so ein riesiger Typ in einer Rüstung...", begann Farman.
,,Rüstung?", wiederholte Hughes verdutzt.
,,Hahahahahahaha!", lachte Roy vergnügt. ,,Dieser Typ ist in Ordnung. Ist da noch ein äußerst kleiner Kerl bei ihm?"
,,Kleiner...", begann Hughes.
,,...Kerl?", beendete Farman und stürmte zu der Sitzreihe wo Fayt saß, der nun verwirrt zu Farman sah. Farman sah sich um und erblickte Leon, der nun auf der Sitzbank lag und schlief. ,,Ja! Da ist einer!", rief Farman. ,,Mann, der ist ja richtig winzig!" Eine Ader zuckte kurz über Leons rechtem Auge, dann sprang er auf, ging Farman an die Gurgel und brüllte: ,,WEN NENNST DU HIER EINE MIKROBE, DIE MAN NUR SIEHT, WENN MAN SIE MIT EINEM MIKROSKOP BETRACHTET!?!" ,,Nein, ich, ähm...", stammelte Farman ängstlich, zückte dann aber eine Pistole, als ein Mann mit dunkler Sonnenbrille aufsprang und seine Pistole auf ihn richtete. Ein weiter Mann mit dunkler Sonnenbrille sprang hinter Farman und richtete ebenfalls seine Waffe auf ihn. Leon, Fayt und die anderen Passagiere des Abteils sahen erschrocken auf. Farman sah von einem bewaffneten Mann zum anderen und ließ dann schließlich seine Waffe sinken. Der Mann hinter ihm schlug ihn mit seiner Pistole bewusstlos. Eine Frau sprang kreischend auf. ,,Ruhe!", brüllte einer der beiden Bewaffneten. ,,Sofort alle die Hände hoch!" Zitternd hoben die Passagiere des Abteils ihre Hände. Leon und Fayt sahen sich an und hoben dann ebenfalls ihre Hände.
Ein Schuss drang vom Korridor des Abteils her, in dem General Peacecraft mit seiner Familie und dem Mann vom Militär saß. Die Tür zu ihrem Abteil wurde aufgerissen und der tote Körper des Mannes, der mit Officer Farman Wache gehalten hatte, fiel ins Abteil. Mehrere bewaffnete Männer stürmten hinein. Der Mann vom Militär wollte seine Pistole zücken, doch die Bewaffneten schossen ihn mit zwanzig Schüssen nieder; er zuckte noch ein paar mal und blieb dann reglos liegen. ,,Wer... Wer seid ihr?", fragte General Peacecraft schluckend, während seine Frau die ängstlich zitternden Kinder an sich drückte. Ein Mann mit langen schwarzen Haaren, die in einen Pferdeschwanz endeten, einem dichten schwarzen Bart und einer Augenklappe betrat das Abteil. ,,Guten Morgen, General Peacecraft.", begrüßte der Mann mit spanischem Akzent General Peacecraft.
Hughes stand an der Tür zum Flur und lauschte angestrengt. ,,Hughes, was ist los?", drang Roys Stimme aus dem Hörer. ,,Ist was passiert?" Hughes antwortete nicht, sondern legte einfach auf. Wenige Sekunden später stürmten zwei bewaffnete Männer in das Führerhaus, in dem nun niemand mehr war. ,,Geh und sag Bard Bescheid.", sagte der eine Mann zum anderen. ,,Wir haben das Führerhaus besetzt. Sieht aus, als wenn niemand hier gewesen wäre."
Roy, Hawkeye und der andere Man mit Militärkleidung sahen besorgt zum Telefon. ,,Glauben Sie, dass sie es sind, Sir?", fragte Hawkeye Roy, als auch schon im nächsten Moment das Telefon klingelte. Roy nahm ab. ,,Ein Anruf von General Peacecraft.", ertönte eine weibliche Stimme aus dem Hörer. ,,Er sagt, es sei ein Notfall." ,,Anruf weiterleiten.", sagte Roy.
,,Ich bin es.", sprach General Peacecraft in den Hörer, während zwei der Gangster ihre Pistolen auf ihn richteten, überwacht von ihrem Anführer mit dem spanischen Akzent. ,,Lieutnant Oberst Mustang, sind Sie das?" Der Anführer riss ihm den Hörer aus der Hand. ,,Ich spreche für die Östliche Befreiungsrebellion Blue Squad.", sprach der Mann in den Hörer. ,,Mein Name ist Bard. Wir haben den Zug und Ihren General in unserer Gewalt."
,,Was wollen Sie?", fragte Roy.
,,Spielen Sie hier nicht den Dummen.", sagte Bard gereizt. ,,Wir haben heute Morgen den Kontakt mit einem unserer Verbündeten verloren. Jemand, der Ihnen eine Nachricht überbringen sollte."
,,Ich weiss nicht, was Sie meinen.", sagte Roy ganz ruhig, als wären sie beim Kaffeekränzchen.
Bard zitterte vor Zorn. ,,Okay, schön.", sagte er mit bedrohlichem Tonfall. ,,Ich gebe Ihnen die Kurzversion: Sie haben unseren Führer im Gefängnistrakt 8. Bringen Sie ihm zum Bahnhof von Central City. Wir werden dort eine Art Handel machen."
,,In Ordnung. Abgemacht", sagte Roy. ,,Aber ich keine Toten. Wenn auch nur einer..." Doch Bard hatte bereits aufgelegt. Roy legte auf. ,,Sind Sie sich sicher wegen diesem Handel?", fragte Hawkeye. ,,Wir haben ihre Nachricht, sie meinen es ernst. Aber Sie kennen das Verfahren des Generals bei Verhandlungen mit Terroristen. Er wird Sie..." ,,Ganz ruhig, Hawkeye.", unterbrach Roy sie. ,,Keiner verhandelt hier mit Terroristen." Er lächelte. ,,Ich habe bereits Maßnahmen getroffen." Hawkeye und der andere Mann in Militärkleidung sahen sich verwundert an.
,,Irgendwas stimmt da nicht.", grummelte Bard. ,,Was hat dieser Mustang nur vor?" Er wirbelte zu General Peacecraft herum und brüllte:,,Wenn hier irgendwas nicht nach meinen Forderungen verläuft, dann denken Sie nur nicht, dass nur Sie ins Gras beißen, nein, alle hier im Zug werden dran glauben!!!"
Nachdem sie den gefesselten Officer Farman unter eine Sitzbank geschoben hatten, machten sich die Gangster daran, die anderen Passagiere des Abteils nach etwaigen versteckten Waffen zu durchsuchen. Eine der beiden stutzte, als er den Typen in der Rüstung sah, der mit einem äußerst kleinen Jungen bei der hinteren Sitzreihe stand, und stupste seinen Kollegen an. Die beiden Gangster gingen auf das seltsame Duo zu. ,,Großer Bruder...?", fragte Fayt unsicher. ,,Mach dir keine Sorgen.", zischelte Leon zurück. Die beiden Gangster machten vor ihnen Halt. ,,Sofort den Helm runter.", befahl einer der beiden Fayt. Leon schrie entsetzt auf, sah hinter die beiden Gangster und brüllte: ,,Waaaah! Was machen Sie denn da mit der Waffe?!?" Die beiden Gangster wirbelten herum, und genau in dem Moment sprang Leon hoch und rammte sein Knie in das Gesicht des ihm am nächsten stehenden Gangsters. ,,Schlechte Idee!", schrie der andere und zielte mit der Pistole auf Leon, wurde aber von Fayts Metallfaust ausgeknockt, bevor er schießen konnte. Leon lächelte Fayt siegessicher zu. ,,Seid ihr bescheuert!?! Was sollen wir denn jetzt tun?!?", schrie einer der Passagiere. Leon und Fayt sahen zu ihm hinüber. ,,Glaubt ihr etwa, die finden nicht heraus, dass zwei ihrer Männer fehlen!?! Was meint ihr, was dann mit uns passiert!?! Sie werden Rache wollen! Wir wären mit dem Leben davongekommen, wenn wir einfach kooperiert hätten!" ,,Das stimmt!", stimmte ein anderer aufgebracht. ,,Was habt ihr euch nur dabei gedacht?!?", schrie eine Frau. ,,Was machen wir jetzt?", fragte Fayt. ,,So weit habe ich noch nicht vorausgedacht.", gab Leon zu, während sich der Gangster, der Leon niedergestreckt hatte, unbemerkt von ihm und Fayt aufbäumte und mit seiner Pistole auf das kleine Mädchen Marin und ihre Mutter zielte. Fayt trat ihn zu Boden; ein Schuss löste sich, zischte haarscharf an Marin vorbei und raste durchs Fenster. Leon schnappte sich die Waffe des nun wieder bewusstlosen Mannes. ,,Seid ihr beiden in Ordnung?", fragte er die Mutter und Marin. ,,J...Ja...", antwortete die Mutter ängstlich, während Marin dem Weinen nahe war. Leon seufzte erleichtert und sah zur Tür, die aus dem Abteil führte, wo noch mehr Bewaffnete waten würden. Er beugte sich zu Marin hinab, lächelte und sagte: ,,Tut mir echt Leid, was da gerade passiert ist, Kleine. Onkel Leon und Onkel Fayt kümmern sich irgendwie um die bösen Männer, in Ordnung?" Marin nickte, während sich Leon wieder der Abteiltür zuwandte. ,,Auf geht´s, Fayt." ,,Richtig.", stimmte Fayt zu und wollte gerade mit Leon losrennen, als jemand rief: ,,Wartet! Hier drüben!" Verdutzt sahen die beiden Brüder zu, wie sich Officer Farman unter der Sitzbank hervor rollte.
,,Wie peinlich...", grummelte Farman, nachdem Leon ihn wieder losgebunden hatte. ,,Wer seid ihr beiden?" ,,Nur zwei herumreisende Alchemisten.", antwortete Leon. ,,Was du nicht sagst!", sagte Farman. ,,Nun, ich heiße Farman, Nationaler Officer." ,,Sie sind also ein Soldat, huh?", sagte Leon. ,,Sie sehen aber nicht wie einer aus." ,,Hehehehe...", lachte Farman vergnügt. ,,Ja, nun, es gibt einen Grund dafür: Wir haben einen besonderen Passagier an Bord: Den Nationalen General Peacecraft." ,,Das ist also der Grund, warum diese Typen hier sind, richtig?", fragte Leon. Farman nickte. ,,Und die haben sich dazu entschlossen, uns alle mit hineinzuziehen.",grummelte Leon und wandte sich an Fayt. ,,Fayt, ich werde auf dem Dach entlang gehen, um eine Überraschungsparty für die Kerle zu veranstalten! Du gehst mit ihm hier unten entlang!" ,,Äh... ähm... ja, okay.", stimmte Fayt zögerlich zu.
Wenige Minuten später stand Leon auf dem Dach des hintersten Abteils und balancierte langsam vorwärts, während der Zug eine Klippe entlang fuhr, links von ihm eine Felswand, rechts von ihm ein gähnender Abgrund.
,,Ja, was ist los?", fragte einer der Entführer, die sich mit Walki-Talkis unterhielten von einem Abteil her, das ziemlich nahe am hintersten Abteil lag. ,,Kommt sofort nach hinten! Hier stimmt was nicht!", erklang es aus dem Walki-Talki. ,,Hey, da stimmt irgendwas nicht!", sagte der Entführer zu dem anderen, der nickte und zum nächsten Abteil trat, das leer war bis auf Fayt, der genau vor ihm stand. ,,Aaaaaah!", kreischte der Gangster und ziellte mit seiner Schrotflinte auf Fayt. ,,Warten Sie! Das sollten Sie wirklich nicht tun!", rief Fayt besorgt, doch der Gangster hörte nicht auf ihn und schoss aus allen Rohren. Die Patronenkugeln prallten allesamt an Fayt ab und stoben in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Eine Kugel traf den Gangster im Bein, der sofort schreiend zu Boden fiel. ,,Und ich hab noch versucht Sie zu warnen...", seufzte Fayt mitleidig. ,,Was ist passiert?!?", rief der Gangster mit dem Walki-Talki und stürmte ebenfalls ins Abteil. Auch er kreischte wie ein kleines Mädchen beim Anblick von Fayt und zielte mit seiner Pistole auf ihn. ,,Nein, warten Sie! Sie...", versuchte Fayt den Mann aufzuhalten, der jedoch nicht hörte, sondern einfach drauf los schoss. Zwei Sekunden später lag auch dieser Gangster wimmernd am Boden, getroffen von einer seiner eigenen Pistolenkugeln.
,,Es gibt Probleme, Bard!", rief wenige Sekunden später einer der Entführer, die sich bei Bard befanden. ,,Wir haben Kontakt mit mehreren Waggons verloren. ,,Was ist da nur los?", wunderte sich ein besonders dickes Mitglied der Bande. ,,Dieser verdammte Mustang hält sich nicht an unsere Abmachung, das ist los!", fauchte Bard. ,,Glauben Sie wirklich, Sie werden Erfolg haben?", fragte General Peacecraft, der wieder in seinem Abteil mit seiner Frau und den Kindern saß. ,,Sie kommen gegen das Militär nicht an! Warum ergeben Sie sich nicht, solange Sie können?" Ein Schuss ging von einer Pistole los, die Bard einem seiner Bandenmitglieder genommen hatte, und schoss General Peacecraft ein Ohr weg. Seine Frau fiel in Ohnmacht. ,,Ich bin hier derjenige, der Befehle gibt, General! Vergessen Sie das nicht!", schrie Bard und schmiss die Pistole zurück zu dem Bandenmitglied. Er wandte sich an die anderen. ,,Ich will, dass ihr sofort alle Abteile noch einmaldurchsucht, verstanden! Und die Dächer ebenfalls! Von Kopf bis Fuß!"
Im selben Moment ließ Leon einen lauten Schrei los, als ihm ein Ast entgegen kam, der aus der Felswand wuchs. Er schlug gegen sein Gesicht, er stolperte, fiel hin, wurde zurückgeworfen und flog in Richtung Abgrund... wäre er nicht von Hughes, der an einer Leiter des Zuges hing, aufgefangen worden wäre. ,,Ziemlich mutig, Kleiner!", sagte er bewundernd zu Leon, der verdutzt zu ihm sah. ,,Bin beeindruckt, dass du es so weit geschafft hast!" ,,Danke!", bedankte sich Leon. ,,Ich bin Nationaler Major Hughes!", stellte sich Hughes vor. ,,Und du bist Leon Elric, richtig?" ,,Äh... ja, das ist richtig...", antworte Leon, verwundert, dass Hughes seinen Namen kannte. ,,Mustang hat mir von dir erzählt!", erklärte Hughes. ,,Ich bin ein alter Freund von ihm!" ,,Der Lieutnant Oberst hat von mir erzählt?!?", fragte Leon mit großen Augen. ,,Yap!", antwortete Hughes. ,,Und er nervt mich auch immer wegen dieser dämlichen Promotion, die er unbedingt haben will!" Er lächelte. ,,Komm schon, Leon, arbeiten wir zusammen!"
Im Maschinenraum wurden die beiden Männer, die den Zug mit Kohle versorgten, immer noch von zwei bewaffneten Männern bedroht. Einer der Bewaffneten starrte jedoch aus dem glaslosen Fenster, wo er gerade einen Jungen mit Zopf gesehen hatte, der ihm die Zunge herausgestreckt hatte. ,,Hey, was ist los?", fragte der andere Bewaffnete zum zweiten und sah zu ihm. Im selben Moment schoss Hughes durch das glaslose Fenster auf der anderen Seite des Maschinenraumes, ließ einen Dolch aus einem der Ärmel seines Hemdes schnellen und durchstach damit die Hand des im am nächsten Terroristen, die die Pistole hielt. ,,Wie kommst du hier rein?!?", schrie der andere Terrorist perplex und zielte mit der Pistole auf Hughes, doch nun stürzte Leon durch das andere Fenster und trat ihn zu Boden. Die zwei Männer, die für die Versorgung des Zuges mit Kohle zuständig waren, holten mit ihren Fäusten aus und schlugen die beiden Terroristen schließlich endgültig ins Reich der Träume.
Der äußerst fette Terrorist schaute derweil durch einen Ausgucksbug des Daches des Abteils, in dem General Peacecraft gefangen war und schaute sich, seine Schrotflinte im Anschlag, auf den Dächern um. Er stutzte, als er Leon sah, der zwei Abteile weiter aus dem Maschinenraum an einer Leiter aufs Dach kletterte. ,,Was haben wir denn da?", sagte der Fette belustigt, zielte auf Leon und schoss. Gerade noch rechtzeitig zog Leon den Kopf ein. ,,Hey, bist du in Ordnung?", rief Hughes, der aus einem der Fenster des Maschinenraumes sah, zog aber sofort wieder seinen Kopf ein, als der Fette auf ihn schoss. ,,Na warte...", grummelte Leon und holte ein Stück Kreide aus seiner Hosentasche, mit der er einen mit Runen besetzten Zirkel auf die Wand des Abteils malte. Verdattert starrte der Fette drein, wie es plötzlich einen Lichtblitz gab und sich das Dach des Abteils, wo Leon sich befand, zu einer riesig großen Kanone verformte. ,,Was zum...?", rief der Fette erschrocken, während Leon aufs Dach kletterte, hinter die Kanone sprang und sie betätigte. Eine gigantsche Kugel schoss aus der Kanone und auf den Fetten zu, der noch rechtzeitig seinen Kopf einzog und zurück ins Abteil verschwand. ,,Oh Mann! Echt cool!", rief Hughes vom Fenster her begeistert. ,,Hey, du da!", brüllte einer der Männer, die den Zug mit Kohle versorgten, Leon an. ,,Pass gefälligst auf! Wenn das Teil den Zug getroffen hätte, wären wir die Klippe hinab fünzig Meter tief ins Wasser gestürzt!" ,,Richtig, sorry!", rief Leon entschuldigend, stutzte aber, als ihm plötzlich eine Idee kam. ,,Wasser...", murmelte er und setzte dann ein äußerst diabolisches Grinsen auf.
,,Ich kann da nicht raus, Bard!", wimmerte unterdessen der Fette Bard die Ohren voll. ,,Da oben ist irgendwas Verrücktes im Gange!" ,,Jetzt haben wir sogar die Verbindung mit allen anderen Abteilen verloren!", rief ein Terrorist mit Walki-Talki. ,,Es gab noch eine Meldung von einem Typen in Rüstung, dann war die Leitung tot... Was ist hier nur los?" ,,Reiß dich zusammen!", schrie Bard ihn an, als es im nächsten Moment einen Lichtblitz gab und an der Tür zum Flur des Abteils auf einmal ein Megaphon mit Gesicht erschien, das ziemliche Ähnlichkeit mit Leons Gesicht hatte. ,,Achtung, Achtung, an alle noch stehenden Terroristen: Ergebt euch sofort!", sprach das Megaphon mit Leons Stimme. ,,Was zum Teufel ist das?!?", rief der Terrorrist mit dem Walki-Talki verdattert. ,,Lasst die Geiseln frei!", rief das Megaphon weiter. ,,Du bist einer von Mustangs Geheimagenten, nicht wahr?", schrie Bard. ,,Misch dich hier ein, und ich bring alle hier im Zug um, einer nach dem anderen!" ,,In Ordnung, du hast deine Entscheidung getroffen!", rief das Megaphon, als es einen weiteren Lichtblitz gab und ein Wasserrohr aus der Tür schoss. ,,Wasser... rohr?", sagte der Typ mit dem Walki-Talki mit großen Augen. ,,Okay, verehrte Passagiere, fest anschnallen und bereit machen für ein paar unangenehme Turbulencen!", schrie das Megaphon, als auch schon eine riesige Flutwelle aus dem Wasserrohr schoss und die drei Terroristen erfasste. Hughes, der sich heimlich durch das Fenster in General Peacecrafts Abteil geschlichen hatte, schloss schnell die Tür, damit der Raum nicht auch noch geflutet wurde.
Fayt marschierte durch ein weiteres terroristengesäubertes Abteil und auf die Tür zum nächsten Abteil zu. ,,Weiter geht´s...", sagte er und öffnete die Tür, hinter der sofort Unmengen von Wasser hindurchschoss und durch die geöffneten Fenster absickerte. Der Fette und der Typ mit dem Walki-Talki landeten unsanft im Abteil. Erschrocken sahen sie zu Fayt auf, der mit seinen Händen Mahlbewegungen machte und sie immer wieder zusammenschlug, was heftige KLONK-Geräusche produzierte. ,,Willkommen!", begrüßte Fayt die beiden. ,,Hier ist Endstation!"
Keuchend rappelte sich Bard, der es geschafft hatte, nicht aus dem Abteil geflutet zu werden, vom Boden auf, während Hughes die Tür zum Raum von General Peacecraft wieder öffnete, einen Dolch bereit in seinen Händen. ,,Sieh es doch mal von der positiven Seite, Bard...", sagte Hughes belustigt. ,,Bei deinen verfilzten Haaren war diese Dusche sicher dringend notwendig." Bard wollte auf Hughes losstürmen, doch Hughes schmiss den Dolch. Schnell hielt Bard seine rechte Hand vor sich, die von seinem Umhang verdeckt wurde, und wehrte damit den Dolch ab. ,,Ein Auto...", sagte Hughes mit erblüfftem Gesicht und versuchte die Tür zu schließen. Im selben Moment schossen mehrere Pistolenkugeln von dem rechten Arm Bards her auf Hughes zu, wobei eine ihn an der Schulter traf. Hughes stürzte zu Boden. ,,Was ist los?", lachte Bard schallend und ging auf die halb geschlossene Tür zu. ,,Befor ich den General kaltstelle, werde ich mich um dich kümmern!" ,,Aber mich zuerst!", brüllte auf einer Leon, der durch den Ausgucksbug in den Flur des Abteils sprang, auf Bard zustürmte und einen Treffer mit seinen Fäusten landen wollte Doch Bard reagierte blitzschnell und packte beide Hände Leons mit seinen eigenen Händen. Leon stutzte kurz, als er den rechten Arm Bards war: Bard hatte anstelle eines rechten Armes eine Bazuka. ,,Auch ein Auto-Mail, was? Wie passend!", rief Leon belustigt, während die beiden sich weiter mit aller Kraft gegen den jeweiligen anderen stemmten, um ihn zu Boden zu bekommen. ,,Du bist doch nur ein Gör!", rief Bard, ungläubig, dass ein Kind so viele Terroristen ausschalten konnte. ,,Sag mir nicht, dass das Militär jetzt schon Kinder aufnimmt?" ,,Für dieses Gör-Kommentar wirst du bezahlen!", rief Leon verärgert. ,,Und ich gehöre niemandem an! Ich handle auf eigene Rechnung!" ,,Lass mich dir einen Rat geben, Kind...", sagte Bard, seie Stimme nun ein wenig atemlos von der Anstrengung, Leon zu Boden bringen zu wollen. ,,Ich war gehörte einst auch dem Militär an! Es war alles in Ordnung, solange ich nicht die Leute in den oberen Rängen zu sehr anpisste! Aber dann bekam ich diesen verbesserten Arm... Das hat ihnen nicht gefallen, fühlten sich von mir bedroht! Siehst du, diese oberen Leute mögen es nicht, wenn sie uns niedere Kreaturen nicht voll und ganz unter Kontrolle haben! Bald darauf warf man mich raus unter dem Vorwand, ich wäre zu brutal geworden! Als wenn ich nicht wüsste, dass das nur ein Vorwand gewesen war, um mich loszuwerden! Seit diesem Tag habe ich äußerst großes Gefallen daran, diese oberen Mistkerle einer nach dem anderen auszulöschen!" Langsam drückte er Leon in Richtung Boden. ,,Du verstehst mich, Kind, oder? Du hast so einen Arm wie ich! Du wolltest auch stärker werden! Aber das Militär wird dich auch bald unter irgendeinem Vorwand loswerden, glaub mir!" ,,Nein, ich verstehe nicht!", rief Leon. ,,UND VERGLEICH NIE WIEDER MEINEN ARM MIT DEINEM!!!" Er nahm all seine Kraft zusammen und zerbrach Bards Bazuka-Arm in tausend Teile. Bard wurde zurückgeworfen, wurde aber von Fayt aufgefangen, der sogleich mit einer seiner massiven Fäuste ausholte und Bard endgültig ausknockte. Leon seufzte erleichtert und rechte seinen Daumen in Richtung Fayt, der es ihm gleichtat. ,,Meine Güte, das war mal ´ne aufregende Reise.", sagte Hughes belustigt.
Zwei Stunden später traf der Zug im Hauptbahnhof von Central City ein, wo Dutzende von Militärleuten bereits warteten und die gefesselten Terroristen bereits in Empfang nahmen. Roy schritt auf den am Boden sitzenden und ebenfalls gefesselten Bard zu. ,,Bringe niemanden um...", sagte er zu Bard. ,,Das war alles, worum ich Sie gebeten hatte, Bard. Und wie es scheint, haben Sie genau das getan, auch wenn Sie es nicht freiwillig getan haben." ,,Ich nehme an, Sie sind Mustang?", fragte Bard. Roy nickte. Eine Metallkralle schoss blitzschnell aus den Überresten von Bards rechtem Arm hervor und zerschnitt die Seile, die ihn gefesselt hielten. Sofort sprang er auf Roy los, um ihn mit der Kralle zu erstechen. Doch Roy hob nur eine seiner behandschuhten Hände (auf jedem Handschuh war ein Zirkel mit Runen eingezeichnet) und schnippte mit den Fingern. Eine Feuerwand erfasste Bard, und eine Explosion folgte Sekunden später. Stöhnend sank Bard, seine Haut vollkommen verbrand, zu Boden. ,,Whoa!", rief Leon mit großen Augen. ,,Ich habe mich am Riemen gerissen.", sagte Roy zum haltlos zuckenden Bard. ,,Der Schaden, den die Flammen bei Ihrer Haut verursacht haben, ist nicht annähernd so schlimm, wie es sich anfühlt." Er lächelte. ,,Sie können mich Roy Mustang nennen, oder einfach nur Lieutnant Oberst... Teufel, Sie können mich sogar den Flammenalchemist nennen. Wie auch immer, vergessen Sie niemals diese Schmerzen." ,,Das ist also Mustang...", murmelte Leon, fasste einen Entschluss und rannte auf Roy zu. ,,Hey!", rief er und blieb zwei Meter vor Roy stehen. ,,Sie wusten hiervon!", fuhr er Roy an. ,,Deswegen wollten Sie, dass wir diesen Zug hier nehmen! Sie haben uns absichtlich in Gefahr gebracht!" ,,Oh, komm schon, Leon, glaubst du wirklich, ich hätte alles so unter Kontrolle?", entgegnete Roy belustigt. ,,Wie dem auch sei, du solltest dich lieber auf die guten Nachrichten konzentrieren: Der General hat von deinen Taten hier im Zug gehört und hat zugestimmt, eine Ausnahme zu machen. Er lässt dich am Examen für Nationale Alchemisten teilnehmen, bei dem noch nie zuvor ein Minderjähriger teilgenommen hat, und du wirst für Wochen zum Gesprächsthema Nummer eins im Militär." ,,Ausnahme?", wiederholte Leon verdutzt, und dann wütend: ,,Aber Sie haben doch die ganze Zeit gesagt, dass wir auf jeden Fall teilnehmen könnten! Genau deswegen sind wir doch gekommen!" Roy grinste verschmitzt und sagte: ,,Sei doch realistisch, Leon. Der Staat hat noch nie zuvor ein Kind ein Militärexamen ablegen lassen. Aber ich schätze, dass Glück ist auf deiner Seite. Gut, dass du diesen Zug hier genommen hast, nicht wahr?" Leon grummelte leise. Egal, wie sehr Roy auch vorgab, diese ganze Sache nicht geplant zu haben, Leon war sich sicher, dass Roy von der bevorstehenden Geiselnahme gewusst hatte. Roy ging auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Schultern. ,,Ob du aber am Examen teilnimmst oder nicht, liegt an dir.", sagte er und ging dann weiter, gefolgt von Hawkeye, Hughes und dem Rest des Militärs, das die Terroristen mit sich schleppte. Leon wirbelte herum und schrie: ,,Natürlich werde ich teilnehmen! Und ich werde bestehen!!!" Hughes lächelte vergnügt. Fayt kam zu ihm. ,,Da drüben sind sie, Mama!", hörten sie plötzlich Marins Stimme rufen und wirbelten herum, um Marin und ihre Mutter zu sehen, die in der Nähe standen und ihnen fröhlich zuwinkten. ,,Hi, Marin!", rief Fayt, während Leon zurücklächelte. ,,Danke, Onkel Leon und Onkel Fayt! Ich werde euch nie vergessen!", rief Marin den beiden zu, die ihr Winken erwiderten. Wie man es auch drehte und wendete, am Ende war Leon doch froh, den Zug genommen hatte, wenn nicht wegen der Tatsache, dass er am Examen teilnehmen konnte, dann wegen der Tatsache, einem kleinen Mädchen und ihrer Mutter helfen zu können.
Vorschau Kapitel 6: Prüfung: Es kommt hart auf hart. Nur eine Hand voll Alchemisten werden zu Nationalen Alchemisten gemacht. Ob Leon und Fayt den Test bestehen werden?
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